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Kunst sponsert Wirtschaft

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Diese auf den ersten Blick provokante These vertritt Miha Pogacnik, Violinist, Unternehmensberater und begnadeter Redner in einer Person. Wer es heute morgen um 8 Uhr schaffte, ins ONE Smart SPACE über den Dächern Wiens zum Business Circle Breakfast zu kommen, konnte sich von seinen Fähigkeiten überzeugen. Und das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Wer die Gelegenheit bekommt, Miha Pogacnik zu erleben, sollte sich diese Chance nicht entgehen lassen.

KünstlerInnen bekommen ja nicht erst seit gestern zu hören, dass sie sich professionalisieren müssen. Marketing, Management oder Entrepreneurship sind Schlagworte, die darauf hindeuten, dass KünstlerInnen sich in Richtung Unternehmertum entwickeln müssen, wollen sie auch in Zukunft Erfolg haben. Pogacnik hingegen ist der Meinung, dass es die Kunst ist, die der Wirtschaft Impulse verleiht.

Mit der Violine in der Hand stand er vor uns und begann zu spielen. Wer es schafft, um 8 Uhr einen ganzen Saal zum Mitsummen (zum Singen hat es dann doch nicht ganz gereicht) zu bringen, muss schon über außerordentliche Fähigkeiten verfügen. Oder hat wer schon mal ähnliches erlebt? Ich jedenfalls durfte das erste Mal zusammen mit 150 Zuhörern den Background für sein Violinspiel abgeben.

Der Slowene „dekonstruierte“ eine Bach-Fuge und erläuterte auf diese Weise sein Verständnis von Management. In beiden Fällen ist zum Beispiel das Zuhören wichtig. Und so wie in der Fuge das anfängliche Thema variiert wird und dann auf einer anderen „höheren“ Ebene wieder auftaucht, muss auch das Management, wenn es erfolgreich sein will, „Umwege“ gehen. Die Herausforderung besteht darin, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um die eingeschlagenen Pfade zu verlassen. So wie sich der Komponist bzw. der Musiker in die Variation „verliebt“, so muss sich auch der Manager in das Neue verlieben. Hier kommt wie auch in der Musik die Emotion ins Spiel.

Für Pogacnik ist das der Moment, wo man nicht mehr „normal“ ist. Es brennt ein Feuer, an dem man auch verbrennen kann. In diesem Feuer verbrennt seiner Meinung nach alles unnötige, zurück bleibt nur die „Essenz“, aus der heraus neue Fragen und neue Prozesse entstehen.

Während man, wenn man sich auf Musik oder Management einlassen möchte, anfangs loslassen muss, ist es nun wichtig, dass man den Dingen ihren Lauf lässt, sie „kommen lässt“. Das ist der Punkt, an dem nach Pogacnik kein Benchmarking mehr nötig ist. Das Resulat ist der „periphere Führungsstil“, wie er es nennt. Wer diesen Führungsstil anwendet, sagt nicht mehr, was er will, sondern bringt sein Umfeld dazu, dass zu tun, was richtig ist.

Das „richtige“ Tun findet in einem dynamischen Umfeld statt. Die einzige Sicherheit, die wir haben, ist die Gewissheit, dass wir nichts wissen. Und erst mit dieser „Fähigkeit“ gelingt es uns, Geld zu verdienen, so Pogacnik.

All das erklärt er mit der Violine in der Hand. Er zerlegt die Fuge in das Thema, die Variation, die Fragen; und erst ganz am Ende spielt er die Fuge einmal ohne Unterbrechung. Und plötzlich hört man ganz anders zu. Aber wie wichtig das Zuhören ist, das hat Pogacnik ja ganz am Anfang schon gesagt und so schließt sich nach einer Stunde der Kreis. Sein „Vortrag“ hat viele Anregungen gebracht und ich denke, sein Ansatz zeigt, dass sich die Kunst und die Künstlerinnen und Künstler vor niemandem verstecken brauchen.

Ich habe noch etwas über Miha Pogacnik im Internet recherchiert. Aus dem Jahr 2003 stammt ein Interview, das er brand eins gegeben hat. Aufnahmen von seinem Violinspiel gibt es keine, „die Leute sollen ins Konzert kommen, wenn sie mich hören wollen“, ist seine Meinung dazu. Im Frühjahr kommt er übrigens nach Wien. Ich werde die genauen Daten bekannt geben, wenn ich sie habe.

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