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Die Zukunft der Kunst

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„Die Gestaltung der Zukunft beginnt jetzt“, sagte Peter Noever, Direktor des MAK (Österreichisches Museum für angewandte Kunst) vorgestern auf der Jahrespressekonferenz 2007 und stellte dort die „Agenda Kunst 2010“ vor. Nun hat also auch die Kunst ihre Agenda 2010, aber gut, soll sein.

Bevor ich mich mit der Zukunft beschäftige, möchte ich aber noch einen Blick auf die Gegenwart werfen, also den Ausgangspunkt der Überlegungen Noevers. Da trifft es sich gut, dass Christian Saehrendt in der heutigen NZZ in seinem Beitrag „Das Ende der Boheme“ einen Blick auf das „moderne Künstlerproletariat in Berlin“ wirft. Die Zahl derer, die von ihrer Kunst leben können, war schon vor hundert Jahren recht gering und sie ist es auch heute noch, so der Autor. Von knapp 55.000 bildenden Künstlern berichtet Saehrendt, deren Durchschnittsverdienst 2005 bei 10.000 Euro lag, Berufsanfänger verdienen noch ein Viertel weniger. Trotzdem steigt die Zahl derer, die im Kunst- und Kulturbereich ihre Zukunft sehen, ständig weiter an. Warum das so ist? Saehrendt meint dazu:

„Kunstwerke heben sich von der sonstigen Warenwelt ab, weil bei ihnen der symbolische Doppelcharakter der Ware besonders ausgeprägt ist. Einmal sind sie verkäufliche Ware, zum anderen haben sie einen emotionalen oder ideellen Wert.“

Der Künstler mache der Gesellschaft mit seinem Kunstwerk also ein „Geschenk“ und erwarte im Gegenzug „gute Arbeitsbedingungen, Aufträge (oder) zumindest eine Grundsicherung vom Staat“, so der Autor weiter. Wer erfolglos bleibt, gibt dann die Schuld dem Markt, der die Qualität der Kunstwerke nicht zu schätzen weiß.

Aber um welche „Qualität “ handelt es sich dabei? Für Peter Noever ist die zeitgenössische Kunst „per se unbequem, provokant, widerständig, eine radikale, subversive, anarchische, kompromisslos aufs Ganze gehende, die Grenzen des ‚Erlaubten‘ sprengende Kritik alles Bestehenden“. Der Künstler ist für ihn der „Deserteur des Angepassten“ und „das schlechte Gewissen seiner Zeit“.

Das mag teilweise so sein, allerdings behaupte ich, dass einer großen Zahl an Künstlerinnen und Künstlern dieses Sendungsbewusstsein und auch die entsprechende Qualität in ihrer künstlerischen Arbeit abgeht. Sie sind nicht in der Lage, die Aufgabe zu erfüllen, die ihnen Noever umhängt, wenn er sagt:

„Der Künstler bildet als Modernisierungsagent nicht nur das Sichtbare ab, sondern macht sichtbar, womit er eine zentrale Funktion erfüllt, nämlich der Welt Welten entgegenzusetzen.“

So herausfordernd diese Aufgabe sein mag, nur wenige werden ihr gewachsen sein (Das ist übrigens nicht nur im Kunst- und Kulturbereich so). „Zukunft der Kunst, Kunst der Zukunft“, so ist ein Beitrag Noevers im heutigen Standard (Seite 38, ich verlinke diesen Beitrag nicht, da er in ein paar Tagen nicht mehr abrufbar ist) überschrieben. In ihm fordert er, dass Künstler am politischen Entscheidungsprozess partizipieren sollen. Eine durchaus reizvolle Herausforderung, denn warum müssen Ministerinnen und Minister aus Banken, Anwaltskanzleien oder Unternehmen kommen?

Rüdiger Wischenbart kann sich mit der These, „Kulturpolitik sei Zukunftspolitik“ nicht so sehr anfreuden. Auch er schreibt heute im Standard (Seite 39) und argumentiert damit, dass Zukunft kaum „absehbar“ und vor allem „widersprüchlich sei. Beispielhaft führt er mehrere Bereiche an, in denen Interessenskonflikte entstanden sind, die einer Lösung bedürfen:

  • Urheberrecht
  • Standortpolitik
  • Integration
  • Bildung

Wischenbarts Schlussfolgerung:

„Eine der wichtigsten und schwierigsten Herausforderungen der Kulturpolitik ist deshalb, so banal es klingt, sich selbst neu zu erfinden, neue Prioritäten und neue Werkzeuge, also angemessene Ziele zu finden.“

Es geht also um Ziele, Perspektiven und natürlich auch um Geld. Wohin die Reise geht, kann niemand sagen. Was sind die Ziele einer zukünftigen Kulturpolitik? Und welche Vorstellungen haben Künstlerinnen und Künstler von der Zukunft? Die Konzepte, so sie existieren, sind bis jetzt noch viel zu wenig bekannt.

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