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Die soziale Absicherung von Künstlerinnen und Künstlern

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„Nur ein armer Künstler ist ein guter Künstler“. Solche oder ähnliche Sprüche begegnen einem immer wieder. Und die Zahl der „armen“ Künstlerinnen und Künstler ist relativ hoch (ich habe dieses Thema schon einmal in einem Beitrag angeschnitten), ihre soziale Absicherung in der Regel schlecht bis gar nicht vorhanden.

Wie sehen eigentlich Modelle zur sozialen Absicherung von Künstlerinnen und Künstlern aus? Juliane Alton, Obfrau der IG Kultur, der Interessensvertretung für die freie und autonome Kulturarbeit in Österreich, beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit diesem Thema. Im November des letzten Jahres hat sie einen Arbeitsbericht zur sozialversicherungsrechtlichen Lage von Künstlerinnen und Künstlern fertiggestellt, der vor kurzem veröffentlicht wurde.

In ihrem Bericht vergleicht sie die Modelle der Künstlersozialversicherung in Schweden, Deutschland, der Schweiz und Frankreich mit dem Künstlersozialversicherungsfonds in Österreich. Einer ihrer Hauptkritikpunkte am österreichischen Modell ist unter anderem die Vorgehensweise bei der Prüfung, wer als Künstlerin bzw. Künstler zu gelten hat. Während in Deutschland als „Künstler“ gilt, wer einen künstlerischen Beruf ausübt, bewertet man in Österreich auch die Qualität der Kunstwerke.

In seiner Systematik gleicht das Künstlersozialversicherungsfondsgesetz eher einem Sozialhilfegesetz, in dessen Rahmen Künstlerinnen und Künstler um Unterstützung ansuchen können, so Alton. Daher werde es von Künstlerseite auch als Disziplinierungsinstrument verstanden.

Die Liste der vorgeschlagenen Maßnahmen in ihrem Bericht ist sehr konkret und umfasst eine Seite (Arbeitsbericht, S.21). In meinen Augen geht es aber nicht nur um einzelne Punkte, die verbessert oder geändert werden müssen. Die Politik, sprich die KulturpolitikerInnen werden sich die Frage beantworten müssen, welche Ziele sie mit ihrer Politik verfolgen. Welchen Stellenwert haben Kunst und Kultur in unserer Gesellschaft und müssen es beispielsweise wirklich „KulturunternehmerInnen“ sein, die in diesem Bereich tätig sind?

Professionalisierung klingt ja immer sehr schön und niemand hat etwas dagegen, aber muss das Ergebnis wirklich der Businessplan sein?

Zum Thema Künstlersozialversicherung gibt es übrigens in Wien eine Podiumsdiskussion. Hier die wichtigsten Daten:

Dienstag, 20. Februar 2007, 19 Uhr
Literaturhaus Wien, Zieglergasse 26a, 1070 Wien

Es diskutieren unter der Leitung von Daniela Koweindl (Kulturrat Österreich):

  • Juliane Alton (Kulturwissenschaftlerin)
  • Sabine Schlüter (Künstlersozialkasse in Deutschland)
  • Othmar Stoss (Künstlersozialversicherungsfonds Österreich)
  • Erich Knoth (Schauspieler)

Weitere Infos dazu finden sich auf der Website des Kulturrat.

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  1. Pingback: Künstlersozialversicherungsgesetz in Deutschland « Kulturmanagement

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