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Weiterbildung für KulturmanagerInnen

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Ein Beitrag im Kulturmanagement-Forum von Xing (früher OpenBC) hat mich nachdenklich gemacht. Dort tauchte der Vorwurf auf, dass es im Bereich Kulturmanagement nur „Weiterbildungsangebote für Studenten bzw. Berufsanfänger“ gebe, „Profis“ würden als Zielgruppe hingegen nicht berücksichtigt. Das habe ich mir auch schon des öfteren gedacht, denn eigentlich möchte ich mich selbst auch immer wieder mal „weiterbilden“. Wenn ich mir aber überlege, welche Angebote ich in den letzten Jahren genutzt habe, komme ich schnell zu dem Ergebnis, dass sie alle mit Kunst und Kultur eigentlich nichts zu tun hatten.

Zumindest nicht direkt und da sind wir schon beim Thema. Wie sollte eigentlich ein Angebot für „fortgeschrittene“ KulturmanagerInnen aussehen? Ich bin ehrlich gesagt gar nicht auf die Idee gekommen, mich im Kernbereich Kulturmanagement umzusehen, sondern habe mir Themenbereiche herausgesucht, die mir interessant erschienen und von denen ich überzeugt war, dass sie mich weiterbringen. Meine Strategie war es eher, mir dabei Bereiche herauszupicken, in denen ich garantiert niemand aus dem Kulturbereich antreffe und später so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal habe.

Egal, ob ich mich mit Kommunikation, Technologie oder anderen Dingen beschäftigt habe, es war meistens Neuland, das ich betreten habe und damit eigentlich keine „Weiter“-bildung. Und wenn ich mir heute überlege, warum das so ist, dann fällt mir vor allem ein Aspekt ein. Weiterbildung im Sinne von sich weiterbilden hat im Kunst- und Kulturbereich nur einen sehr geringen Stellenwert. Ob ich als Manager meine Ausbildung mit einem MBA an einer international angesehenen Universität abgeschlossen habe oder mein Wissen aus einem Handbuch habe, spielt nicht wirklich eine Rolle. Wichtig ist doch nur, dass ich, im Falle eines Projektes, dieses halbwegs geordnet über die Bühne bekomme. Warum sollte ich mich also weiterbilden? Finanziell rechnet sich so etwas nur in den seltensten Fällen. Kultureinrichtungen haben eh schon kein Geld mehr, um Fachleute zu engagieren, sondern bevorzugen PraktikantInnen. Wenn ich nun auch noch mehr Lohn, Gehalt oder Honorar fordere, um zumindest die Weiterbildungskosten wieder hereinzubekommen, dann lande ich wahrscheinlich recht schnell wieder vor der Tür, begleitet vom Hinweis, dass es genügend andere gebe, die günstiger sind.

Was zählt, ist also die Summe auf dem Gehaltszettel oder der Honorarnote, nicht mein Diplom oder MBA. Angenommen, ich möchte mich trotzdem weiterbilden, dann werde ich nicht das Ziel verfolgen, ein besserer Projektmanager zu werden, sondern ich eigne mir Know-how an, mit dem ich mein Angebot ausbauen kann. Mit dem ich Neues anbieten kann. Neben Projektmanagement vielleicht noch PR. Oder ich kann Websites erstellen, was auch immer. Vereinfacht gesagt geht die Weiterbildung also eher in die Breite und nicht in die Tiefe. Das bedeutet aber auch, dass wir mit unserem Wissen auf einer Stufe stehenbleiben, die recht schnell veraltet ist. Neue Trends, neue Entwicklungen bekommen wir, wenn überhaupt, nur am Rande mit.

Ähnlich schwierig ist die Situation für Ausbildungs- und Weiterbildungseinrichtungen. Der Kunst- und Kulturbereich kann zwar in der Regel nur wenige und schlecht bezahlte Arbeitsplätze anbieten (dafür haben wir ja den Idealismus), trotzdem übt er aber immer noch eine starke Anziehungskraft aus und verführt viele Menschen dazu, eine Kulturmanagement-Ausbildung zu beginnen. Klar, dass die Anbieter ihr Augenmerk hierauf richten, schließlich ist die Nachfrage bei dieser Zielgruppe, die erst in den Markt einsteigen möchte, viel größer. Und wenn es dann doch mal ein Weiterbildungsangebot im eigentlichen Sinn gibt, dann steht man meist vor der Frage: wegen mangelnder Nachfrage ausfallen lassen oder eben wieder für alle öffnen? Für den Anbieter solcher Seminare, Lehrgänge, etc. ist es natürlich sinnvoller, dass die Veranstaltung stattfindet. Diejenigen, die sich als „Profis“ für die Weiterbildung entschieden haben, werden allerdings vom Niveau enttäuscht sein und das letzte Mal so ein Angebot genutzt haben. Ein Teufelskreis!

Was kann man dagegen tun? Auf der einen Seite, denke ich, sollten sich die Anbieter Gedanken über neue Formate machen. Kleinere, kompaktere und damit auch billigere Angebote, die das – zweifellos vorhandene – finanzielle Risiko reduzieren und nicht mehr von größeren TeilnehmerInnenzahlen abhängig sind. Auf der anderen Seite muss aber auch etwas gegen die ständig zunehmende Pekarisierung im Kunst- und Kulturbereich unternommen werden. Kulturprojekte, die für ein paar Euro auf die Beine gestellt werden, verursachen langfristig erheblichen Schaden. Hier muss Überzeugungsarbeit geleistet werden, dass Pauschalhonorare von 300 Euro für zwei oder drei Monate Arbeit nicht tragbar sind. Das ist zwar nicht leicht, weil die Zahl derer, die bereit sind, für solche Summen zu arbeiten, hoch ist, aber je früher wir dieses Problem angehen, desto leichter tun wir uns mit diesem Anliegen. Wobei „leichter“ eigentlich das falsche Wort ist. Es ist eine der zentralen Herausforderungen für KulturmanagerInnen, dafür Sorge zu tragen, dass in diesem Bereich nicht nur von Idealen die Rede ist, sondern auch von realistischen Verdienstmöglichkeiten. Gibt es die, löst sich das „Problem“ Weiterbildung wahrscheinlich von ganz alleine.

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