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Berufsfeld Kulturmanagement (Teil I)

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In der SWS-Rundschau, der Zeitschrift der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft mit Sitz in Wien, ist in Heft 4/2006 ein Beitrag zum Thema „Junge KulturmanagerInnen – Berufsfeld, Berufseinstieg, Berufsbedingungen“ erschienen. In ihm setzen sich die beiden AutorInnen, Manuela Kohl von der Österreichischen Kulturdokumentation und Tasos Zembylas vom Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft (IKM) an der Universität für Musik und darstellende Kunst, mit dem, wie sie sagen, noch recht jungen Berufsfeld Kulturmanagement auseinander.

Tasos hat mir den Beitrag netterweise zur Verfügung gestellt, weil man die SWS-Rundschau leider nicht online lesen kann. Herzlichen Dank dafür!

Für mich ist dieser Beitrag deswegen so interessant, weil ich erstens selbst am IKM studiert habe und zweitens schon immer auf der Suche nach Informationen über ein Berufsfeld war und bin, das bis heute vielen noch unbekannt ist. Es gibt ja Berufsfelder, da nennt man auf die entsprechende Frage, was man denn für einen Beruf ausübe, seinen Job und dann ist alles klar. Wer sich als KulturmanagerIn outet, muss mit weiteren Fragen rechnen. Was aber kein Nachteil sein muss, denn auf diese Weise hat man gleich einen passenden Gesprächseinstieg.

Zurück zur Studie: Nachdem das Berufsfeld Kulturmanagement bis heute noch keinen sehr hohen Institutionalisierungsgrad aufweist, gibt es auch noch kein eindeutiges Berufs- und Qualifikationsprofil. Manuela Kohl und Tasos Zembylas haben sich mit ihrer empirischen Studie vorgenommen, die Kompetenzanforderungen und die Lage junger KulturmanagerInnen in Österreich zu untersuchen, wobei sie ihren Fokus auf Personen mit einschlägiger fachlicher akademischer Ausbildung gelegt haben.

Befragt wurden AbsolventInnen des postgradualen Lehrgangs am IKM und zwar zwischen 1999 und 2005. Die Ergebnisse der Studie basieren auf den Antworten von 92 TeilnehmerInnen des Lehrgangs und sind somit nicht repräsentativ.

Knapp 36 Prozent von ihnen sind männlich, gut 64 Prozent weiblich. Aufnahmebedingung am IKM ist ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Daher ist auch die Frage interessant, aus welchen Studienrichtungen die TeilnehmerInnen kommen. Das Ergebnis ist nicht wirklich überraschend: 58 Prozent der Befragten haben ein geistes- oder kulturwissenschaftliches Studium absolviert, 17 Prozent haben ihr Studium in einem künstlerischen Fach beendet. Erwähnenswert noch die Zahl der AbsolventInnen aus dem Bereich Wirtschaft (14 Prozent) und Rechtswissenschaft (8 Prozent).

Interessant auch der soziale Hintergrund der Befragten: 45 Prozent ihrer Väter und 25 Prozent der Mütter haben ein Hochschulstudium abgeschlossen. Das ist ein sehr hoher Wert, wenn man bedenkt, dass in Österreich nur 3,4 Prozent der Eltern dieser Generation über einen Hochschulabschluss verfügen.

Wie sind nun die AbsolventInnen des postgradualen Studiums am IKM bei der anschließenden Stellensuche vorgegangen? Mehr als 60 Prozent haben bei der Jobsuche die Zeitungsinserate studiert und/oder persönliche Kontakte dazu benützt, einen Job zu bekommen (Mehrfachnennungen waren bei dieser Frage möglich). Knapp 20 Prozent ist der Berufseinstieg über Nebenjobs oder Praktika gelungen. Knapp 17 Prozent haben die Unterstützung des Arbeitsmarktservice (in Deutschland: Arbeitsamt) in Anspruch genommen und nur 4 Prozent haben entweder selbst ein Inserat geschaltet oder sich an eine Personalberatung gewandt.

Wie haben die AbsolventInnen ihre aktuelle Stelle dann gefunden? Bei etwas mehr als 46 Prozent waren es persönliche Kontakte, die zum Erfolg geführt haben. Je 16 Prozent wurden von ihrem zukünftigen Chef angesprochen beziehungsweise bewarben sich erfolgreich auf ein Inserat. Blindbewerbungen spielen in diesem Bereich nur eine untergeordnete Rolle, denn nur knapp 5 Prozent der Befragten kamen auf diese Weise zu ihrem Job.

Die persönlichen Kontakte sind also ein wichtiges Erfolgskriterium bei der Jobsuche. Für mich heißt das aber auch, dass es bei solchen Studienangeboten nicht nur auf die Inhalte, sondern auch auf die möglichen Kontakte ankommt. Insofern sollte man nicht nur einen Blick auf die Lehrgangsinhalte werfen, sondern auch schauen, wer in einem Lehrgang oder einem Studienfach unterrichtet und in welcher Form einem die dort Lehrenden nützlich sein können.

Ob das während des Lehrgangs erworbene Fachwissen bei der Stellensuche relevant ist, versucht die im Rahmen der Studie gestellt Frage nach den Kriterien für eine Zusage herauszufinden. Um es kurz zu machen: Das fachspezifische Know-how spielt eine sehr wichtige Rolle, wenn es darum geht, einen Job zu bekommen oder nicht. Aber mindestens ebenso wichtig ist die eigene Persönlichkeit sowie das Auftreten im Bewerbungsgespräch. Die wichtigsten Kriterien, die in der Studie genannt werden, zeigt das folgende Diagramm:

'Kriterien_Bewerbung' von hennerfehr

Wo und unter welchen Bedingungen KulturmanagerInnen arbeiten, diese Fragen werden dann im zweiten Teil meiner Zusammenfassung der Studie von Manuela Kohl und Tasos Zembylas beantwortet.

Hier geht es zum zweiten Teil dieses Beitrags