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Projektmanagement … und seine Folgen

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Nicht nur der Kunst- und Kulturbereich funktioniert großteils nach den Prinzipien des Projektmanagements. Auch in der Wirtschaft, in den Industrie-, aber auch in den Dienstleistungsunternehmen ist immer häufiger von Projekten die Rede. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl der Bücher zu diesem Thema ebenso unüberschaubar geworden ist wie das Angebot an Seminaren. Nichts geht mehr ohne Projektmanagement, so scheint es. Doch stimmt das wirklich?

Manfred Gröger, Professor an der Fachhochschule München hat in einer bereits 2004 veröffentlichten Langzeitstudie festgestellt, dass mit der Projektarbeit in Deutschland ungeheuer viel Geld vernichtet wird. Aus diesem Grund trägt die Studie auch den Titel „Projektmanagement: Abenteuer Wertvernichtung“. Die Studie ist leider nicht online erhältlich. Auf der Homepage der MBA Managementberatungsgesellschaft mbH steht aber kostenlos eine Kurzfassung zum Download zur Verfügung (der Download-Link muss per Email angefordert werden). Eine Zusammenfassung, aus der ich mein Wissen habe, findet sich hier.

Gröger wirft sowohl den Unternehmen als auch der öffentlichen Hand fehlende Projektkompetenz vor. In seiner Studie kommt er zu dem Ergebnis, dass nur 13 Prozent der Projektarbeit wertschöpfend sind. Die deutsche Wirtschaft habe dadurch, so Gröger, im Jahr 2002 etwa 150 Mrd. Euro verschwendet. Die Gründe dafür sind sowohl auf der strategischen als auch auf der operativen Ebene zu finden. Für Gröger kristallisierten sich dabei im Laufe seiner Untersuchungen zwei entscheidende Fragen heraus:

  • Werden die richtigen Projekte durchgeführt? (strategische Ebene)
  • Werden die Projekte richtig durchgeführt? (operative Ebene)

Nachdem Gröger sich in seiner Studie mit (deutschen) Unternehmen und Behörden beschäftigt, stoppe ich an dieser Stelle mit der Wiedergabe seiner Ergebnisse, sie sind ja nachzulesen.

Nein, ich möchte an dieser Stelle in den Kunst- und Kulturbereich schwenken. Wie sieht es bei uns aus? Folgen wir einer Strategie, wenn wir uns für ein Projekt entscheiden? Und setzen wir die Projekte „richtig“ um?

Es gibt zwar keine Zahlen, aber ich gehe mal davon aus, dass auch mit Kunst- und Kulturprojekten Werte vernichtet werden. Projekte sind zwar etwas einmaliges, wie es ja auch in verschiedenen Definitionen heißt, aber das bedeutet nicht, dass sie ohne jede Anbindung an das sein müssen, was die Kultureinrichtung in der Vergangenheit getan hat und was sie in der Zukunft tun wird. Wir brauchen also einen gedanklichen Überbau, der seinen Ausdruck in der Vision findet. Die Vision beantwortet die Frage, wohin uns unsere Reise führt. In (Beratungs-)Gesprächen vermisse ich diese Vision häufig. Aber eine Perspektive kann ich mir schaffen, das ist nicht so sehr das Problem. Schwierigkeiten bereitet vor allem die operative Ebene, auf der wir einem Dilemma begegnen, dem wir eigentlich nicht entkommen können.

Konkret: Wir planen unsere Projekte mehr oder weniger detailliert, erstellen ein Budget und suchen anschließend mit diesen Unterlagen um eine Förderung an. Bekommen wir das Geld bewilligt, ist alles in Ordnung. Gibt es aber nicht die beantragte Summe, sondern nur einen Teil davon, beginnen die Schwierigkeiten.

Theoretisch müssten wir nun hergehen und unser Projekt so redimensionieren, dass wir mit dem zugesagten Geld auskommen. Die Förderung wurde aber auf der Basis des Antrags vergeben, das heißt, wir müssen uns an das halten, was in unserem Antrag steht. Tun wir das nicht, kann der Fördergeber die Summe kürzen, da ja unser Projekt nicht mehr das ist, für welches wir um Förderung angesucht haben. Ein nettes Spiel, dessen Ende in der Konsequenz eindeutig ist.

Was passiert in der Realität? Wir nehmen die Teilsumme und versuchen ein Projekt zu realisieren, für das uns nicht das Geld zur Verfügung steht, das wir eigentlich dafür brauchen würden. Meist kommt dann noch die Variante „Sponsor suchen“ ins Spiel, aber die Erfolgsaussichten solcher Aktionen sind eher gering.

Das Problem: Normalerweise ist vor der Planung eines Projektes ein Budget vorhanden, auf dem die Planungen basieren. Der Kunst- und Kulturbereich plant aber ins Blaue hinein, ohne zu wissen, ob das Geld dann auch wirklich da ist.

Und noch ein Problem stellt sich: Wir können so kein Erfahrungswissen erwerben. Die einzige Erfahrung ist die, dass das zur Verfügung gestellte Geld unter normalen Umständen nicht ausreicht. Für die Budgetierung von Folgeprojekten ist das aber auch keine besonders hilfreiche (und motivierende) Erkenntnis.

Wenn man sich dann noch vor Augen hält, dass die Phase, in der Kunst- und Kulturprojekte konzipiert und geplant werden, häufig gar nicht oder nur unzureichend bezahlt werden, bekommt man eine Vorstellung davon, welche Wertvernichtung hier betrieben wird. Grögers Überschrift „Projektmanagement: Abenteuer Wertvernichtung“ gilt für uns also auch.

Was tun? Eine Möglichkeit könnte sein, bei Einreichungen mit Szenarien zu arbeiten und dem Fördergeber damit klar machen, welche Leistungen bei welchen Beträgen möglich sind.

Szenarien zu entwickeln bedeutet aber auch, über die entsprechenden Kompetenzen zu verfügen. Womit wir wieder bei Manfred Gröger wären, der festgestellt hat, dass es gerade da erhebliche Defizite gibt.

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