Post Format

Die ideale KulturmanagerIn

4 comments

Vor einigen Jahren habe ich mir von Elmar D. Konrad das Buch „Kultur-Unternehmer“ gekauft, das im Jahr 2000 herauskam und mittlerweile leider vergriffen ist. Ich habe es damals zwar gelesen, aber irgendwie ist es dann aus meinem Blickfeld verschwunden. Nun ist es mir wieder in die Hände gefallen und ich habe mir vorgenommen, einige Aspekte herauszugreifen und darüber hier in meinem Weblog zu schreiben.

Interessant für mich eine Auflistung, in der Konrad die „Aufgaben eines idealen Kulturmanagers“ (S.19) beschreibt:

  1. „Konzipieren, organisieren und realisieren von Kunst- und Kulturprojekten, -initiativen und -veranstaltungen.
  2. Leiten, betreuen oder beraten von privaten und öffentlichen Kunst- und Kulturinstitutionen […].
  3. Mitarbeit oder Leitung von Kulturredaktionen oder -abteilungen in öffentlich-rechtlichen oderprivaten Rundfunk- und Fernsehstationen, Verlagen, Zeitungen, Zeitschriften, Film-, Fernseh-, Tonträger und Video-Produktionsgesellschaften.
  4. Sorge für ein professionelles Management, u.a. für die Bereitstellung der erforderlichen Räumlichkeiten, Produktionszeiten und öffentlicher oder privater Gelder, für ein zeitgemäßes Marketing.
  5. Schaffung von Entfaltungsmöglichkeiten und Freiräumen für Kunst und Kultur und dabei Umsetzung künstlerischer Kreativität in kommunikative und wirtschaftliche Leistungen.
  6. Tätigkeit als Kommunikatoren, Übersetzer, Brückenbauer, Koordinatoren, Integratoren, Katalysatoren, Ermöglicher, Gestalter und eventuell kulturell verantwortlich handelnde Unternehmer.
  7. Bemühung für das richtige Projekt den richtigen öffentlichenoder privaten Partner zu finden und durch gekonnt betriebswirtschaftliche Abrechnung für eine kostengünstige Verwendung der vorhandenen Mittel zu sorgen, um desto größere kreative Gestaltungsmöglichkeiten und künstlerische Freiräume zu schaffen.
  8. Bemühung, neue Bündnisse, stimmige, sinnvolle, aber auch unkonventionelle Partnerschaften zwischen Kultur, Wirtschaft, Verwaltung, Politik, Medien und Öffentlichkeit sowie deren Erprobung zu stiften.
  9. Verstehen von Sparmaßnahmen als besondere Herausforderung an die Kreativität, mit viel Phantasie dennoch Kunst und Kultur zu ermöglichen.
  10. Entwicklung und gezielte Verwirklichung von kreativen Konzepten und Projekten im Dialog mit Partnern (Projektmanagement zu betreiben; dabei Gestaltungsideen anderer aufzunehmen oder anzuregen, neue Förderungsideen zu entwickeln und originelle Initiativen zu ergreifen).“

Ähnlich beschreibt auch Tasos Zembylas (IKM) in seinem 2005 publizierten Beitrag „Vom ‚Geist‘ des Kulturmanagement“ die Kernaufgaben von KulturmanagerInnen. Er spricht von „Führung, Planung, Organisation, […] Marketing und […] Kontrolle eines Betriebs bzw. eines Projekts“. Während im profitorientierten Bereich von Kunst und Kultur schon immer die „Management“-Fähigkeiten ein wichtiges Asset waren, haben diese Zembylas zufolge auch im Non-Profit-Bereich an Bedeutung gewonnen. Die Kulturmanagementlehre werde in diesem Zusammenhang oft als „Bindestrich-Betriebswirtschaftslehre“ verstanden, fährt er fort.

Dieser Entwicklung steht Zembylas kritisch gegenüber, denn Kulturmanagement baue zwar auf hard skills auf, aber es stecke mehr dahinter. Er zitiert in diesem Zusammenhang Saint-Éxupery, der gesagt hat:

„Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit zu erleichtern, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem endlosen weiten Meer.“

Für mich wird die Aufgabe der KulturmanagerIn durch dieses Zitat sehr schön ausgedrückt. Wir müssen zwar als KulturmanagerInnen über das notwendige Handwerkszeug verfügen, aber es kommt vor allem auf die Fähigkeit an, andere begeistern zu können.

Diesen Aspekt greift auch Peter Bendixen in einem Beitrag für die Loseblattsammlung „Kulturmanagement & Kulturpolitik“ auf, die der Raabe-Verlag herausgibt. In „allgemeine Grundlagen des Kulturmanagements“ (Beitrag A 1.1) unterscheidet er zwischen vier Funktionsgruppen:

  • Entdecken und Erfinden
  • Bewerten und Entscheiden
  • Entwickeln und Gestalten
  • Realisieren und Verändern

Das heißt, dass Kulturmanagement auf zwei Ebenen stattfindet: Zum einen ist es eine Art Überbau, in der es ganz stark um „das Sehnsucht wecken“ geht, um das „Ermöglichen“, wie Konrad es genannt hat. Auf der anderen Seite sind da die konkreten Arbeitsfelder, in denen KulturmanagerInnen verlangt werden. Weil Sie über die entsprechenden hard skills verfügen.

4 Comments Join the Conversation

  1. Die Raabe-Sammlung im großen Ordner ist sehr empfehlenswert, da sie eine Art Basisgerüst bietet, die für eigene Zwecke in jede Richtung ausgebaut werden können. Auch die Unterlagen auf den CDs für die finanzielle Abwicklung von Projekten sind – wieder als veränderbare Basis – nicht zu verachten.

    Was die Kulturarbeit betrifft: das spannendste ist, das man es mit hochkreativen, und – hoffentlich – egozentrischen bzw. „starken“ Köpfen auf der Künstlerseite einerseits und scheinbar in ihrer Meinung und Attitüde „unverrückbaren“ Büroseelen zu tun hat. Diese beiden zusammen- und zu gegenseitigem Verständnis und Respekt zu bringen – das ist wohl eine der herausforderndsten aber auch am meisten befriedigenden Tätigkeiten, die ich mir vorstellen kann.
    Übrigends: das Zitat von Saint-Éxupery habe ich schon im Studium meinen KollegInnen ständig um die Ohren geschmissen. Teilweise hat’s sogar gefruchtet!

    Reply

  2. Pingback: Das Modell der KulturunternehmerIn (Teil I) « Kulturmanagement

  3. Pingback: Was verstehen wir unter Kulturmanagement? « Das Kulturmanagement Blog

  4. Pingback: Die Frage nach Wert und Sinn eines Kulturmanagement-Studiums « Das Kulturmanagement Blog

Leave a Reply

Required fields are marked *.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.