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Sperrfristen bei Presseaussendungen

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Früher, als es das Internet noch nicht gab, wurden Presseaussendungen mit Sperrfristen versehen, damit JournalistInnen trotz Redaktionsschluss rechtzeitig ihre Meldungen verfassen konnten. Heute, da (fast) jede Zeitung ihren Online-Auftritt hat, gibt es den Redaktionsschluss in diesem Sinne nicht mehr, denn wichtige Nachrichten können sofort über die Website veröffentlicht werden.

Wie man mit Nachrichten umgeht, die einer Sperrfrist unterliegen, regelte in Deutschland der alte Pressekodex: Dort hieß es:

„Sperrfristen, bis zu deren Ablauf die Veröffentlichung bestimmter Nachrichten aufgeschoben werden soll, sind nur dann vertretbar, wenn sie einer sachgemäßen und sorgfältigen Berichterstattung dienen. Sie unterliegen grundsätzlich der freien Vereinbarung zwischen Informanten und Medien. Sperrfristen sind nur dann einzuhalten, wenn es dafür einen sachlich gerechtfertigten Grund gibt, wie zum Beispiel beim Text einer noch nicht gehaltenen Rede, beim vorzeitig ausgegebenen Geschäftsbericht einer Firma oder bei Informationen über ein noch nicht eingetretenes Ereignis (Versammlungen, Beschlüsse, Ehrungen u.a.). Werbezwecke sind kein sachlicher Grund für Sperrfristen.“

Seit letztem Jahr gibt es diesen Passus nicht mehr. Er wurde ersatzlos gestrichen. „Alte Regelung zu Sperrfristen gestrichen da überholt“, lautet die lapidare Begründung.

In Österreich gibt es noch nicht mal mehr einen Presserat, im Ehrenkodex für die österreichische Presse taucht das Wort Sperrfrist gar nicht auf.

Da wirkt es etwas merkwürdig, wenn die Albertina heute eine Presseaussendung veröffentlicht, die mit einer Sperrfrist von vier Tagen versehen ist. Nehmen wir an, ich müsste die Nachricht nach Australien weiterleiten und hätte nur Rauchzeichen zur Verfügung. Dann wäre das ein netter Zug der Pressestelle, dass ich (bzw. alle Abonnenten der OTS-Aussendungen) diese Nachricht bereits heute bekommen habe.

Nachdem Rauchzeiten aber in unserer heutigen Zeit nicht mehr dem neuesten Stand der Technik entsprechen und die Nachricht nicht so weltbewegend ist (man verzeihe mir diese Ignoranz), verzichte ich auf die Veröffentlichung der Nachricht und wundere mich stattdessen über diese merkwürdige Vorgehensweise. Zur Nachahmung eher nicht empfohlen.

update: scheint eine Panne gewesen  zu sein.

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