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Jobangebote für KulturmanagerInnen

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Ein Gespräch heute hat mich dazu gebracht, mir mal wieder ein paar Stellenangebote anzuschauen. Schließlich muss ja auch ich auf dem Laufenden bleiben. Und wer weiß, vielleicht ist ja mal das Angebot dabei, bei dem ich schwach werde und meine Selbständigkeit aufgebe. Man soll ja nie nie sagen.

Beim Studieren der diversen Angebote bin ich auf eine Ausschreibung gestoßen, die in meinen Augen exemplarisch ist für einen Teufelskreis, in dem sich viele, vor allem kleine Kunst- und Kultureinrichtungen, bewegen. So geht es los:

„Können Sie gut organisieren, eigenständig arbeiten, sind Sie kommunikativ und haben ein gutes Auftreten? Wenn Sie zusätzlich noch Interesse an und Wissen rund um Musik und Chorsingen mitbringen, würden wir Sie gerne in unserem ChefChorbüro beschäftigen!“

Gut, abgesehen von der Tatsache, dass es um einen Chor geht, könnte das auch die Bahn sein, die da einen Job zu vergeben hat. Um nicht mit der Türe ins Haus zu fallen, sind ein paar Allgemeinplätze am Anfang aber ganz in Ordnung. Schauen wir uns doch mal genauer an, welche Ansprüche an mich als BewerberIn gestellt werden beziehungsweise welche Aufgaben ich zu übernehmen habe, wenn ich dort als ChormanagerIn beginne.

Erst einmal gilt es, eine viermonatige Probezeit zu schaffen, was auch Sinn macht, denn schließlich kommt es immer wieder vor, dass ArbeitgeberIn und -nehmerIn nach kurzer Zeit feststellen, dass man nicht so miteinander kann, wie man sich das vorgestellt hat.

In dieser Probezeit bin ich laut Ausschreibung für folgende Tätigkeiten verantwortlich:

  • Ich muss“eigenverantwortlich“ (was auch immer das heißen mag) dafür sorgen, dass die in Frage kommenden öffentlichen Fördergelder für dieses und die nächsten Jahre recherchiert und beantragt werden und zwar auf Landes- und Bundesebene. Das inkludiert zum Beispiel auch die Beantragung von Unterstützung für Auslandsreisen.
  • Ich soll, wieder eigenverantwortlich, Sponsoren akquirieren und dabei nicht nur projekt- und sachbezogene Unterstützung gewinnen, sondern auch auf „sonstige Förderungen“ schauen.
  • Weiters ist es meine Aufgabe, persönliche Gespräche mit den verantwortlichen Personen der Subventionsgeber zu führen und diese laufend zu betreuen, was konkret heißt, sie zu den Konzerten einzuladen.
  • Außerdem bin ich für das gesamte Finanzmanagement, sprich Kontoverwaltung und Buchführung, veranwortlich.
  • Eine weitere Aufgabe ist es, dem Chorleiter zu assistieren und ihn „organisatorisch und administrativ zu unterstützen“, was konkret heißt, ich nehme Kontakt mit Veranstaltern auf, kümmere mich um die Notenkopien und sorge dafür, dass für die Konzertreisen ein Bus bestellt wird.
  • Die SängerInnen betreue ich bei ihren Konzerten beziehungsweise Reisen, was beispielsweise bedeutet, dass ich für die Einteilung der Hotelzimmer zuständig bin.
  • Eine Zusatzaufgabe besteht darin, ein zusätzliches Probelokal zu finden und
  • außerdem muss die Homepage des Chores betreut werden.

Wenn man sich das dafür notwendige Anforderungsprofil anschaut, dann ist dieser Job eine ziemlich große Herausforderung. Besser gesagt, da wird wieder die eierlegende Wollmilchsau gesucht. Aber okay, kleine Kultureinrichtungen können sich nicht für jede einzelne Tätigkeit SpezialistInnen leisten und so muss man den Spagat versuchen.

Das dicke Ende kommt aber leider erst. Für alle diese Tätigkeiten wird ein Arbeitsaufwand von 60 Stunden pro Monat kalkuliert. Meine erste Reaktion: Das ist komplett unseriös beziehungsweise überhaupt nicht geplant. Die zweite Reaktion: Vielleicht schafft das wer in dieser Zeit, wenn er oder sie das schon seit ewigen Zeiten macht. Dritte Reaktion: Die Jobbeschreibung ist so verfasst worden, um Eindruck zu machen. In Wirklichkeit gibt es da im Hintergrund ein oder zwei „starke Persönlichkeiten“, die den Laden „schmeißen“ und eigentlich nur eine Art Assistenz brauchen.

Dafür würde dann auch der Stundenlohn sprechen. 6,67 Euro gibt es pro Stunde. Für das eigenverantwortliche Akquirieren von öffentlichen Fördergeldern und die Herausforderung, Sponsoren zu finden? Für die Buchführung? Die Website?

Nehmen wir mal an, ich habe gerade meine Ausbildung abgeschlossen, die unter Umständen einiges an Geld gekostet hat. Dann soll ich für 6,67 einen Job hinlegen, den man in der Privatwirtschaft nie und nimmer einer einzelnen Person umhängen würde, weil da unzählige verschiedene Fertigkeiten benötigt werden? Wie sieht es da mit den Perspektiven aus? Was ist mit der Motivation?

Nun kann man mir vielleicht entgegnen, dass man in diesem Job viel lernen und vom Wissen derer, die schon seit Jahren für den Verein tätig sind, profitieren kann. Das würde ich ja auch noch gelten lassen, aber leider scheint es gar kein gemeinsames Büro zu geben, denn gearbeitet wird im „Home Office“. Wenigstens die Telefonkosten werden ersetzt, bei einer Bezahlung von 400 Euro im Monat muss man dafür wahrscheinlich noch dankbar sein.

Leider sind wir noch nicht am Ende dieses Schreckensszenarios. Ist die Probezeit geschafft, drohtwinkt die Weiterbeschäftigung. Die Herausforderung besteht darin, dass die Festanstellung mit ein paar Zusatzaufgaben verbunden ist. Die da wären:

  • selbständig Konzerte akquirieren;
  • in Zusammenarbeit mit dem Chorleiter die ChorsängerInnen- besetzung erstellen sowie
  • zusammen mit dem Chorleiter Projekt- und Konzertaussendungen verfassen;
  • Konzerteinladungen und die PR-Arbeit übernehmen;
  • Konzerte und Tourneen betreuen;
  • die produzierten CD’s verkaufen und abrechnen.

Für die paar Zusatzleistungen stehen nicht nur 20 zusätzliche Stunden pro Monat zur Verfügung, sondern es winkt auch ein Stundensatz von 7,50 Euro, was bei 80 Stunden pro Monat insgesamt 600 Euro (netto) bedeutet. Gearbeitet wird weiter von zu Hause aus.

Was bedeutet das nun? Vielleicht ist das ja alles nur ein fürchterliches Missverständnis und die VerfasserIn dieser Stellenausschreibung wollte es nur besonders gut machen und hat aus dem Nichts einen Text gezaubert, den man auch für die Generaldirektion der Staatsoper in Wien verwenden könnte. In Wirklichkeit muss man ab und zu ein paar Telefonate führen, Formulare ausfüllen und ab und zu zur Post gehen.

Ist dem aber nicht so, dann frage ich mich, wie man Menschen, die eine entsprechende (teure) Ausbildung absolviert haben, ernsthaft so etwas als Job anbieten kann? Bekommt man da als VerfasserIn nicht ein moralisches Problem? Ich verstehe ja auch, dass ein Chor nicht über unbegrenzte Geldmittel verfügt. Aber wie wäre es mit Provisionen (Stichwort Sponsoring), um von der Arbeit auch leben zu können? Und von dieser Arbeit muss man leben, denn die 80 Stunden reichen dafür nie aus, wenn man halbwegs seriös und professionell vorgeht.

Bleibt das Argument, dass es im Kunst- und Kulturbereich nicht nur um das Geld, sondern eben auch um die Kunst geht. Ja, stimmt, um die geht es (auch). Aber vielleicht ist es dann sinnvoller, auf ehrenamtliche Tätigkeit zu setzen. Ich sehe das zwar kritisch, aber es wäre zumindest konsequent. Menschen, denen Chormusik ein Anliegen ist, könnten diese dann in ihrer Freizeit unterstützen. Und das hochprofessionell, wenn sie zum Beispiel die Kompetenzen aus ihrem „Brotjob“ dem Chor zur Verfügung stellen.

Wenn so ein Jobangebot stellvertretend für den Kunst- und Kulturbereich steht, dann muss man sich nicht wundern, wenn die öffentliche Hand die Fördergelder kürzt. Schließlich lässt sich die Schraube ja immer noch ein wenig weiter drehen, ohne dass der Chor den Betrieb einstellt.

Eigentlich kann man bei solchen Zahlen niemandem ernsthaft empfehlen, sich dem Kunst- und Kulturbereich zuzuwenden. Und das kann es doch nicht sein, wo immer wieder darauf hingewiesen wird, wie wichtig die Kunst für unsere Gesellschaft ist.

Wir haben es selbst in der Hand, indem wir bestimmte Grenzen nicht unterscheiten. In diesem konkreten Fall ist das in meinen Augen passiert und es gilt, sich gegen solche Entwicklungen zu wehren, sonst sind Stundensätze in dieser Höhe in Bälde normal. Das wäre dann der richtige Zeitpunkt, um sich das Fair-Trade-Prinzip genauer anzuschauen. Vielleicht gibt es das dann auch für den Kulturbereich.

 

6 Comments Join the Conversation

  1. Pingback: Hilfreiche Modelle für das Projektmanagement « Kulturmanagement

  2. DANKE für Beiträge wie diesen! Ich werde weiter in Deinem Blog stöbern und bestimmt noch mehr Spanndes finden. Ich bin erst durch Deinen Beitrag über den Mangel an (Corporate) Kulturblogs auf Deinen Blog aufmerksam geworden. Du hast Recht, auch ich fühle mich oft etwas einsam mit meinem Blog. Wobei ich ja nicht in die Kategorie „Corporate Blogs“ falle, da ich mir bewusst die Freiheit erhalten möchte, „querfeldein zu bloggen“. Bei meiner nächsten Stelle werde ich aber ganz bestimmt anregen, einen Blog zu führen.

    Nun aber zum Thema dieses Beitrags. Mir fällt auch immer wieder auf, dass

    – Stellenangebote von Kulturanbietern mit hohen Anforderungen, minimalen Stunden und minimalen Anforderungen an der Tagesordnung sind, und dass ich mir da als Kulturmanagerin einfach blöd vorkomme

    – gleichzeitig die Soft Skills meist stark betont werden, was zahlreiche Leute, die Kultur mögen, aber keine Management-Ausbildung oder -Erfahrung haben, zu einer Bewerbung verführt

    – die tatsächliche Einstellung von solchen Leuten und mangelnde Förderung durch Weiterbildung bewirkt, dass in vielen Kulturbetrieben sehr unprofessionell gearbeitet wird

    – in vielen anderen Branchen immer noch ein abschätziges und unscharfes Bild des Kulturmanagers an der Tagesordnung ist („Aha, Du machst ein bisschen Kultur. Bist Du ein Eventmanager?“ etc.).

    Mehr Blogs zur Kultur wären nett, aber Blogs zum KulturMANAGEMENT könnten, gemeinsam mit vielen anderen Massnahmen wie stärkerem Einsatz in der lokalen und nationalen Politik, die Akzeptanz für diesen Beruf steigern und dazu beitragen, dass Kulturbetriebe auch von Sponsoren etc. ernster genommen werden.

    unkultur aus Zürich

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  3. Danke für Dein ausführliches Feedback zum Blog allgemein und zu diesem Beitrag.

    Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis wir uns nicht mehr “einsam” fühlen müssen, aber auf der anderen Seite ist das auch eine Chance, sich gegenüber anderen Kultureinrichtungen bzw. KulturmanagerInnen zu profilieren.

    Mit den Soft Skills sprichst Du einen interessanten Punkt an. Sie tauchen, wie Du richtig feststellst, relativ häufig in Stellenausschreibungen auf und stehen dort meist im Vordergrund. In der Praxis bleibt dann aber nicht viel davon übrig. Ich habe häufig den Eindruck, dass diese Stellenausschreibungen einfach zusammenkopiert werden. Man schlägt die Zeitung auf und sucht sich ein paar Angebote raus, die gut klingen, vermischt diese und fertig ist die Anzeige. Dass das mit der Realität nicht viel zu tun hat, merken beide Seiten spätestens dann, wenn die Zusammenarbeit überhaupt nicht klappt.

    Aber ich bin mir nicht sicher, ob das in anderen Branchen nicht auch so ist.

    Und mit Deinem Wunsch nach mehr Blogs von KulturmanagerInnen sprichst Du mir aus der Seele. Ich wundere mich, dass es da so gar keine Versuche gibt, auf diese Weise auf sich und die eigene Arbeit aufmerksam zu machen.

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  4. Warum nennst du den Namen der Einrichtung nicht? Das ist wirklich skandalös und eine Unverschämtheit, Finanzknappheit hin oder her. Ich finde, so etwas sollte unbedingt mit Namensnennung öffentlich gemacht werden! Ich habe ähnliche, wenngleich nicht ganz so krasse Anzeigen z.B. vom Stuttgarter Kammerorchester gesehen. Plattformen wie Kulturmanagement.net sollten so etwas nicht für ihren Jobmarkt akzeptieren, weil es einfach unanständig ist.

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  5. Deine Frage ist mehr als berechtigt und ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich mich dazu durchgerungen habe, den Namen nicht zu nennen.
    Die Gründe:
    – Ich habe mir überlegt, wie man solche Angebote in Zukunft am besten vermeiden kann. Ich denke, der moralische Zeigefinger hilft wenig, die Kultureinrichtungen werden trotzdem versuchen, möglichst billig an Personal zu kommen. Wenn ich davon absehe, dass solche Angebote meinen Wertevorstellungen nicht entsprechen, kann ich so etwas sogar verstehen. Nach dem Motto: versuchen darf man ja.
    Nein, ich glaube, wir müssen das Prinzip umdrehen. Das heißt, Kultureinrichtungen, die so etwas versuchen, haben damit keinen Erfolg, da sich niemand meldet. Für mich ist diese Variante deshalb die bessere, weil wir in diesem Fall die aktive Rolle innehaben.
    Ich glaube, nur wenn wir uns aktiv darum bemühen, dass die Angebote nicht unseriös werden, haben wir eine Chance. Und um KulturmanagerInnen, Kulturschaffende und KünstlerInnen aufzurütteln, brauche ich den Namen der Einrichtung nicht. Namensnennung wäre für mich so eine Art Pranger und das ist eher nicht mein Weg.

    – Das Beispiel Deutschland zeigt, dass BloggerInnen aus den unglaublichsten Gründen plötzlich Klagen am Hals haben. Da das zu dem Zeitpunkt, an dem ich diesen Beitrag geschrieben habe, gerade ein Thema war, habe ich mich davon beeinflussen lassen. Ob das dann Rufschädigung wäre, kann ich nicht sagen. Bevor ich damit beginne, eine Version zusammen mit dem Rechtsanwalt zu verfassen, schreibe ich lieber noch einen weiteren Beitrag für mein Blog.

    – Ich habe das Thema im Gespräch mit einer öffentlichen Förderstelle angesprochen und bin mit dem Vorschlag, bei Projekteinreichungen auch auf die Struktur der Personalkosten zu achten, auf offene Ohren gestoßen. So etwas auf eine grundsätzliche Ebene zu heben und „menschenwürdige“ Stundenlöhne in den Subventionsvereinbarungen zu verankern, bringt meiner Meinung nach mehr als die Auseinandersetzung mit einzelnen Organisationen.

    Aber ich muss zugeben, dass trotz dieser Argumente eine Namensnennung möglich gewesen wäre. Vielleicht mache ich das beim nächsten Mal, wobei ich mich jetzt nicht auf die Suche nach unsittlichen Jobangeboten mache. Dieses Inserat habe ich zufällig gefunden und das nicht auf den Seiten des Kulturmanagement Netzwerks. Da ich keine Stelle suche, habe ich dort kein Abo und kann die dort veröffentlichten Angebote gar nicht abrufen.

    Vielleicht gibt es ja noch andere BlogleserInnen, die dazu eine Meinung haben, wie man damit umgeht. Richtig finde ich aber auf alle Fälle Deinen Vorschlag, Christian, dass Plattformen, auf denen Jobangebote veröffentlicht werden, solche Ausschreibungen ablehnen sollten. Vielleicht lohnt es sich auch, diesen Vorschlag im Forum des Kulturmanagement Netzwerks zu diskutieren. Da sind wir quasi vor Ort.

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  6. Pingback: Die Kulturpolitische Gesellschaft startet die Initiative „Faires Praktikum“ « Das Kulturmanagement Blog

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