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Prekäre Arbeitsbeziehungen im Kulturbereich

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Ist es schon Resignation, wenn zu einer Veranstaltung zum Thema Prekarisierung etwa 20 Interessierte kommen? Oder ist der Kampf ums Überleben so hart, dass sich der Besuch solcher Veranstaltungen zeitlich nicht mehr ausgeht? Das ist schon erstaunlich, wo das Thema so viele Menschen betrifft. Zumindest mehr als die 20, die da waren.

Worum ging es konkret? Vorgestellt und diskutiert wurde die Publikation „flexart – flexible@art“, die im Rahmen des transdisziplinären Forschungsprojekts Flexible@art entstanden ist.

Das von der Kunstuniversität Linz geleitete Projekt beschäftigt sich seit 2005 mit „Prekarisierungs- und Flexibilisierungstendenzen“, vor allem im kulturellen und künstlerischen Sektor. Dieser Bereich ist geprägt von atypischen Beschäftigungsverhältnissen, in denen niedriges Einkommen, fehlende Arbeitsplatzsicherheit und ein nicht vorhandenes soziales Netz auf der Tagesordnung stehen.

Vor diesem Hintergrund ist es eigentlich nicht nachvollziehbar, dass sich trotzdem soviele Menschen für eine Ausbildung entscheiden, die ihnen den Schritt in den Kunst- und Kulturbereich erleichtern soll. Eva Blimlinger, Historikerin und Projektkoordinatorin an der Universität für Angewandte Kunst in Wien, brachte die Problematik recht anschaulich auf den Punkt.

Ihrer Meinung nach müsse man den AbsolventInnen vermehrt zu Jobs in anderen Bereichen raten, da es im Kunst- und Kulturbereich einfach keine Perspektiven gäbe. Wer sich trotzdem nicht davon abhalten lässt, beginnt seine „Karriere“ meist mit einem Projekt. Auf der einen Seite seien die Projekte wichtig, um praktische Erfahrungen sammeln zu können, auf der anderen Seite sei das erste Projekt so etwas wie der erste Schuss, mit dem die Leute in die Abhängigkeit getrieben würden, so Blimlinger weiter. Auf das erste Projekt folge meist das zweite und dann das dritte und so weiter.

Andre Zogholy, der für die Kunstuniversität Linz das Projekt leitet, verwies darauf, dass es auch einen Empfehlungskatalog geben werde. Ein wie alle wissen schwieriges Unterfangen, denn Patentrezepte sind derzeit noch keine in Sicht. Der Vorschlag, den er machte, drückte die ganze Hilflosigkeit aus, mit der man derzeit dem Phänomen der Prekarisierung begegnet. Ob nämlich „selbstorganisierte kollektive Aufstände“ wirklich Abhilfe schaffen können, wage ich an dieser Stelle einfach mal zu bezweifeln.

Trotz der fehlenden „Rezepte“ ist die Publikation aber sehr lesenswert und kann hier kostenlos bestellt werden. Eine gute Informationsquelle stellt aber auch die Website dar. Besonders hilfreich: das Glossar.

2 Comments Join the Conversation

  1. Hallo,

    Ich bin Erik, bin Schauspieler. Ich studierte Theater in Brasilien. Ich lebe in Wien fast ein Jahr und möchte die Info und Hilfe über meinen Beruf bekommen.Wenn Sie mir hilfen könnten, danke ich Ihnen.

    Liebe Grüße,

    Erik Janousek

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