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Pressearbeit: So bitte nicht!

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Durch meine Nebentätigkeit als Journalist für ein IT-Magazin bin ich ja in einer privilegierten Position. Einerseits schreibe ich für Kunst- und Kultureinrichtungen die Pressetexte und andererseits erlebe ich als Journalist quasi die Gegenseite. Auf diese Weise erlebe ich hautnah, was mir die Arbeit als Journalist erleichtert und was eher das Gegenteil bewirkt. So wie hier geschildert, sollte man eher nicht mit JournalistInnen umgehen, wenn man möchte, dass über die eigene Organisation (positiv) berichtet wird.

Auch für ein IT-Magazin ist es immer wieder interessant, zu einem auch politisch relevanten Thema die jeweiligen FachministerInnen zu Wort kommen zu lassen. Mündliche geführte Interviews haben zwar durchaus ihren Reiz, oft ist es aber sinnvoller, Fragen und Antworten auf schriftlichem Weg auszutauschen. Die Antworten fallen ergiebiger aus und man ist zeitlich unabhängiger.

'20070317 001' von hennerfehr

In der Praxis sieht das dann so aus, dass man unverbindlich anfragt und in der nächsten Mail die Fragen mitsamt den nötigen Zusatzinformationen wie z.B. verfügbarer Platz und Deadline schickt. Dieser Prozess dauerte in dem hier beschriebenen Fall schon mal ungewöhnlich lang und hätte bei einer/einem „unwichtigeren“ GesprächsparterIn wahrscheinlich zur Aufgabe geführt.

Ich habe durchgehalten. Zwei Tage, nachdem die Deadline abgelaufen war und ich noch keine Antwort bekommen hatte, habe ich den verantwortlichen Pressesprecher angerufen. Die Antworten noch nicht ganz fertig zu haben, ist ja in Ordnung. Dafür kalkuliert man auch immer eine Zeitreserve ein, denn es kann immer etwas dazwischenkommen. Gute PressesprecherInnen rufen dann vielleicht an und erklären die Verspätung. Aber ok, Kommunikation ist ein sehr komplexer Bereich.

Bei meinem Anruf stellte sich dann aber heraus, dass es nicht um eine Verspätung ging, sondern der Herr Pressesprecher die Mail noch gar nicht aufgemacht hatte. Nachdem ich ihm Datum und Uhrzeit dieser Mail nennen konnte, war die Suche zwar peinlich, aber sie dauerte wenigstens nicht so lange. Da die Fragen nicht so kompliziert waren, versprach er mir die Antworten bis zum Abend.

Am Abend passierte, jeder ahnt es bereits, nichts. Meine Frage am nächsten Morgen, wo denn die Antworten seien, beantwortete er mit einer erstaunten Gegenfrage, ob ich sie wirklich noch nicht bekommen hätte? Nein, hatte ich nicht und bekam daraufhin versichert, ich würde gleich eine Mail mit den Antworten bekommen.

Eine Mail bekam ich zwar, nur leider enthielt sie nicht das, worauf ich nun schon ein paar Tage wartete. In ihr versicherte mir eine zweite Person, dass ich die Antworten innerhalb der nächsten 3 Stunden bekommen würde.

Auch diese Frist verstrich und ich erlaubte mir, etwa zwei Stunden später nachzufragen, ob es Probleme gebe? Die Probleme gab es wohl, allerdings wollte man sie mir wohl nicht mitteilen, denn eine Antwort erhielt ich nicht.

So sitze ich jetzt vor meiner Mailbox und überlege, ob ich die Antworten, so sie jemals kommen, überhaupt noch verwenden soll. Nachdem ich meine Zeit in solchen Fällen sehr großzügig kalkuliere, geht sich das alles sicher noch aus. Auch wenn ich daher die Antworten aus dem Ministerium wohl noch verwenden werde, ist eines sicher: Eine zweite Anfrage wird es sicher nicht geben.

Ein/e MinisterIn kann sich das unter Umständen (eine Zeit lang) leisten. Eine Kultureinrichtung hingegen nicht. Aber die agieren ja auch nicht so unprofessionell, oder?

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2 Comments Join the Conversation

  1. Ich habe Deine Perplexität so richtig mitempfunden ;-) Absolut inakzeptables Verhalten, ob in einem Ministerium oder in einer Kultureinrichtung. Leider haben viele Beschäftigte in Kultureinrichtungen das Gefühl, bei ihnen sei es ein wenig akzeptabler als bei allen anderen…

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  2. Stimmt, da hat man immer gedacht, mehr geht nicht und dann kommt wer und toppt das ganze doch noch. :-)

    Grundsätzlich glaube ich gar nicht, dass sich Kultureinrichtungen bezüglich Pressearbeit weniger professionell als „normale“ Unternehmen verhalten. Meiner Meinung nach sollten sie sich nur mehr auf das Internet konzentrieren, denn dort wird man mittlerweile besser wahrgenommen und eher gelesen als in den Printmedien, wo der Platz einfach beschränkt ist.

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