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Wie stelle ich ein Projektteam zusammen?

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Wenn ich mich daran erinnere, wie ich bei einem meiner ersten Projekte das Team zusammengestellt habe, dann muss ich heute noch lachen. Alleine die Tatsache, das für die Realisierung des Projekts benötigte Geld zusammen zu haben, ließ nicht nur mich schon mal auf Wolke sieben schweben. Richtig gut wurde es dann aber, als wir (ich war nicht alleine) die MitarbeiterInnen aussuchen durften.

Gut, natürlich gab es da schon ein Rumpfteam, aber einige Posten mussten eben doch noch besetzt werden und auf die Ausschreibung meldeten sich auch etliche. So eine Ausschreibung ist ja immer so eine Sache. Ich kann ja nicht schreiben, dass mein Projekt nicht so arg groß dimensioniert ist und von daher auch nicht die größten Kapazunder benötigt werden.

Wenn die Stellenanzeige zu „professionell“ gerät

Man schlägt also die Zeitung auf und schaut, wie die anderen das so machen. Komischerweise gibt es da immer nur hoch professionell klingende Ausschreibungen, in denen die absoluten ExpertInnen gesucht werden. Um nicht abzustinken, schreibt man halt ab und am Ende ist das dann eine Ansammlung von Fähigkeiten, mit denen man wahrscheinlich jede Geschäftsführung problemlos auf die Reihe bekommt.

Nun musste eine Auswahl getroffen werden. Alle Bewerbungen, die einlangten, wurden also brav gelesen und am Ende entstand eine kleine Liste mit den FavoritInnen.

Nächstes Kapitel Bewerbungsgespräch. Was tut man in so einem Moment? Ich hatte damals keine Ahnung, was „man“ tut, ich jedenfalls schaute mir die Lebensläufe an, um herauszufinden, ob die jeweiligen BewerberInnen schon mal in diesem Bereich gearbeitet hatten.

Ich erklärte die Arbeit, die erledigt werden musste und wenn dann der oder die BewerberIn halbwegs sympathisch war, dann war das die Grundlage für weitere ca. zehn Minuten, in denen man darüber sprach, wie diese Arbeit erledigt werden könnte. Die Person, die hier den kompetentesten Eindruck machte und außerdem sympathisch zu sein schien, bekam dann den Job. Um es kurz zu machen: Es hat alles funktioniert, aber so ganz professionell war diese Vorgehensweise nicht, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Verschiedene Typologien helfen bei der Zusammenstellung des Projektteams

Heute bin ich etwas schlauer, aber ich bin mir nicht sicher, ob das die Sache einfacher macht. Nach welchen Gesichtspunkten und Kriterien sucht man sich denn nun sein Projektteam zusammen? Klar ist es wichtig, dass die BewerberInnen fachlich eine Ahnung haben. Darüber hinaus gibt es aber die verschiedensten Versuche, Menschen zu typologisieren. Einige dieser Ansätze möchte ich in der nächsten Zeit hier im Blog kurz skizzieren, um für mich einen Überblick über die verschiedenen Modelle zu gewinnen. Und nachdem ich ja sicher nicht der einzige bin, der immer mal wieder vor der Herausforderung steht, ein Projektteam zusammenzustellen, kann ich damit vielleicht dazu beitragen, dass es anderen nicht so ergeht wie mir bei meinem ersten Versuch.

In seinem Buch „Projektmanagement für Kulturmanager“ beschäftigt sich Armin Klein ebenfalls mit der Frage, wie man ein Projektteam bildet. Er greift dabei auf eine Typologie von Christoph V. Haug zurück, die sich in dessen Buch „Erfolgreich im Team“ findet.

Vom Berater bis zum Bewahrer: eine mögliche Typologie

Klein beschreibt acht verschiedene Menschentypen wie folgt:

  1. Der Berater: er sammelt Informationen und versucht diese möglichst gut aufzubereiten. Mit Ratschlägen und Entscheidungen hält er sich aber eher zurück. Klein sieht in ihm daher jemanden, der inhaltlich getrieben ist und daher als Organisator nicht wirklich geeignet ist.
  2. Der Kreative: Dieser Typ bringt immer wieder neue Gedanken ein und stellt vieles in Frage. Er ist daher nicht unbedingt ein Teammensch, sondern ordnet sich nur schwer in Hierarchien ein.
  3. Der Überzeuger: Er behält jederzeit den Überblick und verliert sich nicht in Details. Er begeistert sich für neue Ideen und ist in der Lage, diese Begeisterung auf andere Menschen zu übertragen. Seine Kontaktfreudigkeit kommt ihm dabei zugute.
  4. Der Bewerter: Er ist derjenige, der neue Ideen auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüft. Ist der Prototyp aber erst einmal entwickelt, so Klein, dann erlahmt sein Interesse.
  5. Der Entscheider: Er ist der Treiber, wenn es darum geht, neue Ideen in die Tat umzusetzen. Klein weiter zu diesem Typ: „er schätzt Hierarchien und klare Strukturen.“ Seine Mitmenschen müssen „funktionieren“, dementsprechend unpersönlich ist seine Haltung ihnen gegenüber.
  6. Der Macher: Er ist für die Routinearbeit zuständig, denn seine Stärken sind Durchhaltevermögen und Zuverlässigkeit. Seine realistischen Einschätzungen führen dazu, dass die Ziele machbar bleiben und erreicht werden können.
  7. Der Prüfer: Er liebt das Detail und ist im Aufspüren von Fehlern nicht zu übertreffen. Für Klein ist dieser Typ ideal für Qualitätssicherung und Budgetplanung, zumal er nicht sehr kontaktfreudig ist.
  8. Der Bewahrer: Der ideale Helfer, der andere in ihrer Arbeit unterstützt und so dazu beiträgt, das Team zu stabilisieren. Klein weiter: „Er ist auf die Aufrechterhaltung von Teamnormen und Werten bedacht und steht Veränderungen jeglicher Art von seiner Grundtendenz her eher reserviert gegenüber.“

Eine Projektteam benötigt, wenn es erfolgreich sein will, die richtige Mischung dieser Typen, konstatiert Klein. Handelt es sich um ein kleines Projektteam, dann werden bestimmte Typen ganz unter den Tisch fallen oder die einzelnen Teammitglieder repräsentieren mehrere dieser Typen.

Versuchen Sie doch mal, sich selbst in dieser Typologie zu entdecken und betrachten dann im nächsten Schritt Ihr Projektteam, so Sie gerade in einer Projektstruktur arbeiten. Sind bei Ihnen alle Typen vertreten?

2 Comments Join the Conversation

  1. Ja, dass erinnert mich sehr an die unterschiedlichsten Gruppierung. Vor allem wenn man genau das zu bedenken gibt, dass ein Team (wenn es dann mal eins werden soll) im günstigsten Fall aus diesen acht Typen zu bestehen hat.
    Beim Ausfüllen und Auswerten der entsprechenden Tests ist oft der Boden für die erste Krise bereitet. :-)
    Viele Grüße aus Bielefeld
    M.E.

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  2. Pingback: Die Walt Disney-Strategie « Kulturmanagement

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