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Entrepreneurship im Kunst- und Kulturbereich?

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Es ist schon kurios, auf welchen Wegen man auf Themen stößt, die einen immer wieder beschäftigen. „Cultural Entrepreneurship“ ist eines von ihnen. Ich glaube, dass es sich dabei um eines der Zukunftsthemen im Bereich Kulturmanagement handelt, womit dann das spannende Thema Entrepreneurship endlich auch hier angekommen ist.

Einer der ersten, der sich intensiv mit dem Kulturunternehmertum beschäftigt hat, ist Elmar D. Konrad. Sein Modell habe ich hier im Blog bereits ausführlich vorgestellt. Die Frage, wie man das Thema Entrepreneurship stärker im Kunst- und Kulturbereich positionieren kann, beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Auf der einen Seite lassen sich Seminare entwickeln (ich arbeite gerade an einem Konzept), aber ich denke, das ist zu wenig. Mir geht es darum, Modelle zu finden bzw. zu erarbeiten, die angehende KulturunternehmerInnen dabei unterstützen, eigene (Business-)Ideen zu verwirklichen.

Auf einen Vorschlag, wie man Cultural Entrepreneurs stärken könnte, bin ich durch Zufall gestoßen, daher auch der einleitende Satz. Es handelt sich um den Artikel „Der kreative Imperativ„, den Katy Teubener, Lehrbeauftragte am Institut für Soziologie der Universität in Münster geschrieben hat. In ihm beschreibt Teubener eine Situation, die wir alle kennen: die Absage eines Förderanansuchens. Teubener konstatiert, dass leicht der Eindruck entstehen könne, dass immer die mit den besseren Beziehungen eine Zusage bekommen.

Gut verlinkte Menschen knüpfen leichter neue Kontakte als Einzelgänger

Interessant fand ich die Erklärung dafür, die sie bei Albert-László Barabási gefunden hat. Der rumänische Netzwerktheoretiker ist der Überzeugung, dass Menschen, die ohnehin gut verknüpft sind, sich mit neuen Kontakten leichter tun als „Einzelgänger“. Nachdem Barabási festgestellt hat, dass auch die Netzwerke im Internet nach demselben Muster ablaufen, – 80 Prozent aller Links verweisen auf 15 Prozent aller Websites – schlägt Teubener vor, diesen Netzwerken ein anderes Netzwerk entgegenzustellen. Ihre Idee: Die Einrichtung eines „Open Art and Culture Club“ analog zu Xing. Durch Zusammenlegung ihrer Ressourcen wären zum Beispiel Theatergruppen handlungsfähiger und könnten ihre Abhängigkeit von Förderungen verringern.

Teubener weiter:

„Verbunden mit der Gründung einer virtuellen Kontaktbörse, wäre die Förderung von Cultural Entrepreneurs, d.h. unternehmensfreudigen Persönlichkeiten, die sich neben ihrer eigentlichen Tätigkeit als Kunst- und Kulturschaffende mit großer Kreativität auch um Aufgaben kommunikativer, organisatorischer und wirtschaftlicher Art kümmern.“

Die Idee, Cultural Entrepreneurs zu fördern, halte ich für sinnvoll. An die virtuelle Kontaktbörse glaube ich allerdings nicht. Mehrere Gründe sprechen meiner Meinung nach gegen eine solche Börse. Zum einen werden die Synergieeffekte (Zusammenlegung von Ressourcen) wohl zu niedrig ausfallen, um von Fördergeldern unabhängig zu werden. Da müsste man meiner Meinung nach auf der Netzwerkebene an die KundInnen herankommen, entweder die BesucherInnen von Aufführungen oder die EinkäuferInnen von Theaterinszenierungen. Beide Gruppen wären dort aber nicht anzutreffen, denn es würde sich, und damit bin ich beim zweiten Punkt, um ein homogenes Netzwerk handeln.

Es geht darum, neue Allianzen zu schmieden

Mir erscheint es viel wichtiger, heterogene Netzwerke zu etablieren. Vielleicht erinnern Sie sich noch an meinen Beitrag „Kultur und Innovation: Gehört das zusammen?“ Darin habe ich mich mit Sven Gabor Janszky und seinem im KM-Magazin veröffentlichten Artikel “Innovationen sind Brücken über die Leere” beschäftigt. Und genau um diese Brücken über die Leere geht es. Die Herausforderung besteht also darin, neue Allianzen zu schmieden und so innovative Dienstleistungen und Produkte zu entwickeln.

Im Bereich der Kreativwirtschaft gibt es genau diesen Ansatz des „Brückenbauen(s) zwischen den verschiedenen Milieus, Branchen und Welten“, wie Janszky schreibt. „Design Thinking“ nennt sich diese Methode, von der David Burney, Vice President of Brand Communications + Design von Red Hat im Interview sagt:

Design thinking is a term being used today to define a way of thinking that produces transformative innovation.

Die ersten „design thinkers“ waren für ihn vor 25.000 Jahren die Maler in den Höhlen von Lascaux, so Burney weiter:

„…they first began to collect data about the world they experienced, express that data by creating visual stories, document those stories in a way that could be shared into the future, and use that data to create new and innovative ways to solve their problems. The creation of alphabets thousands of years later is an example of design thinking.“

Der Begriff „design thinking“ stammt von David Kelley, Professor am Stanford Institute of Design, erzählt Dieter Schneider in seinem Buenalog. Unterstützt wird das Institut von Hasso Plattner, einem der Gründer von SAP, der sich mittlerweile als Mäzen und Gründer von Hasso Plattner Ventures, einem Venture Capital Fonds, einen Namen gemacht hat. Er ist es auch, der „design thinking“ nach Deutschland bringt und zwar an das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik in Potsdam. „Die einjährige akademische Zusatzausbildung ‚Design Thinking‘ (wird) die Fähigkeit vermitteln, in multidisziplinären Teams besonders benutzerfreundliche IT-nahe Produkte und –Dienstleistungen zu entwickeln“, heißt es in einer Presseaussendung.

Womit wir wieder beim Thema wären, nämlich den interdisziplinären Teams, denen es aufgrund ihrer heterogenen Zusammensetzung gelingt, innovative Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Genau so etwas brauchen wir für den Kunst- und Kulturbereich. Ansätze dafür gibt es natürlich bereits. So startet im Herbst in Dortmund das Projekt „Kultur.Unternehmen.Dortmund“, das im Rahmen der Initiative „Existenzgründungen aus der Wissenschaft“ in den nächsten drei Jahren mit 750.000 Euro gefördert wird. Koordinator ist übrigens Elmar D. Konrad, mittlerweile Leiter des Fachs Unternehmensgründung an der Universität Dortmund. Nach dem Durchlesen der Presseaussendung hatte ich allerdings den Eindruck, dass es hier vor allem um die Kreativwirtschaft geht und nicht um den „klassischen“ Kunst- und Kulturbereich.

„design thinking“ für den Kunst- und Kulturbereich

Und es geht vor allem um Qualifizierungsangebote für (potenzielle) GründerInnen. Ich könnte mir aber vorstellen, noch einen Schritt weiter zu gehen und in einer Art Inkubator Menschen zusammen zu bringen, die gemeinsam innovative Dienstleistungen bzw. Produkte entwickeln. Und hier kommt wieder der Ansatz des „design thinking“ ins Spiel, der auf der Website der d.school des Stanford Institute of design so umschrieben wird:

The d.school is a place where experts from across campus and industry come together to work on projects that require their different points of view. This creates a vital interactive environment.

Das heißt, KünstlerInnen, Kulturschaffende und Kulturmanager schlagen Brücken zu ganz anderen Bereichen und in diesem kreativen Miteinander entstehen dann neue Ideen. Das Potenzial dazu hat der Kunst- und Kulturbereich allemal, schließlich gibt es schon heute sehr viele Anknüpfungspunkte zu anderen Branchen, etwa der Personal- oder der Organisationsentwicklung. Erinnern Sie sich noch an Miha Pogacnik?

2 Comments Join the Conversation

  1. Kann ich unterschreiben, den Beitrag! Interdisziplinäre Teams unbedingt. Nur kreative/kulturschaffende Köpfe, was für eine Inzucht.

    Übrigens, ein solches Online-Kontaktnetz für Kreative gab’s ja mal – CIWI (Creative Minds Worldwide oder so ähnlich). Es wuchs damals kaum und wurde inzwischen sang- und klanglos in Xing integriert, wo es jetzt einfach eine Gruppe ist:

    https://www.xing.com/net/CIWI
    Die Idee, die sie da beschreiben, klingt eigtl. gut. Ob es wirklich genutzt wird, habe ich noch nicht getestet.

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  2. Danke für den Hinweis auf CIWI. Ich habe mich gleich mal dort angemeldet. Ohne Anmeldung erfährt man da ja leider nicht viel. Für mich klingt es wie shapeshifters.

    Ob solche Netzwerke dann auch wirklich funktionieren, hängt meiner Meinung nach auch von der Größe ab. Im Grunde genommen ist ein Netzwerk ja nur die Option darauf, dass ich mit einer Person aus diesem Netzwerk in Kontakt trete oder etwas mache. Insofern glaube ich mehr an kleinere Zusammenschlüsse, bei denen die Personen z.B. gemeinsam an einem Problem, einem Produkt oder einer Dienstleistung arbeiten.

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