Monthly Archives of: September 2007

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Welche Resonanz hat eine Presseaussendung?

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Der Erfolg einer Veranstaltung hängt neben verschiedenen Faktoren auch davon ab, in welchem Ausmaß eine Berichterstattung in den Medien gelingt. Da gibt es auf der einen Seite die direkten Medienkontakte, zu Tageszeitungen, Fachzeitschriften, aber auch zu Rundfunk und Fernsehen. Viele Kunst- und Kultureinrichtungen haben diese Kontakte aber unter Umständen nicht und müssen sich andere Wege suchen, um in der Medienberichterstattung präsent zu sein.

Eine Alternative ist das Verschicken der eigenen Aussendung über Presseaussendungsportale. Aber landen diese Aussendungen dann auch auf den richtigen Schreibtischen und besteht überhaupt eine Chance, auf diesem Weg in die Medien zu kommen?

Mediawatch, ein Tochterunternehmen der Austria Presse Agentur Gruppe hat in einer Medienresonanz-Analyse den Erfolg von APA-OTS-Aussendungen untersucht. Zwar geht es nicht um den Kunst- und Kulturbereich, insofern muss man wohl einige Abstriche bei den Ergebnissen machen, aber sie liefern trotzdem interessante Anhaltspunkte, welche Verbreitung eine Presseaussendung auf diesem Weg erfährt.

Eine Aussendung führt zu 3,3 Medienberichten

Untersucht wurden 355 OTS-Aussendungen aus den Bereichen Wirtschaft und Chronik, die zu 1.169 Medienberichten mit direktem inhaltlichen , zeitlichen und akteurs-relevanten Bezug führten. Das heißt, eine Aussendung führt zu durchschnittlich 3,3 Medienberichten. Im Executive Summary heißt es weiter:

„Bezieht man hier nur jene OTS-Aussendungen ein, die grundsätzlich mediale Resonanz erreichen, dann ergibt sich für diese OTS-Aussendungen ein Multiplikatorfaktor von 5,1.“

Auf diese Weise werden durchschnittlich 1,6 Mio. Leserkontakte erreicht, wobei Aussendungen, die Montag und Freitag verschickt werden, die höchsten Resonanzquoten erreichen. Am ungünstigsten ist in dieser Hinsicht übrigens der Samstag.

Am häufigsten werden die Aussendungen von den Tageszeitungen aufgegriffen (68,1%), gefolgt von den Monats- und Fachmagazinen mit 18,6%.

Mehr als die Hälfte der Aussendungen werden von den JournalistInnen gekürzt

Interessant ist auch, dass nur 0,9% der Aussendungen von den JournalistInnen ungekürzt übernommen werden. Mit 52,5% werden mehr als die Hälfte der Aussendungen gekürzt wiedergegeben. Ein Fünftel der Aussendungen wird von JournalistInnen umformuliert und jede vierte auf Grund von Zusatzrecherchen ergänzt.

Wie schon gesagt, diese Ergebnisse werden sich im Kunst- und Kulturbereich nicht erreichen lassen, dafür nimmt die Kulturbereichterstattung in den Medien einen zu geringen Platz ein. Nicht unterschätzen sollte man aber, dass die Aussendungen nicht nur von MedienvertreterInnen abonniert werden, sondern neben den BetreiberInnen diverser Webportale (auch im Kunst- und Kulturbereich gibt es da viele) auch von Menschen, die sich für den jeweiligen Themenbereich interessieren. Da man die Aussendungen nur bekommt, wenn man den entsprechenden Bereich abonniert hat oder bewusst auf der Website sucht, ist davon auszugehen, dass die LeserInnen ein relativ hohes Interesse an den Inhalten haben.

Ich selbst stoße auf diesem Weg immer wieder auf interessante Veranstaltungen bzw. Informationen, z.B. auf diese Medienresonanz-Analyse.

Je nachdem, bei welchem Portal ich meinen Text verschicke, fallen dafür Kosten an. Wofür Sie z.B. bei der APA was bezahlen, können Sie hier sehen. Natürlich gibt es auch kostenlose Presseportale, auf die ich schon mal in einem eigenen Beitrag hingewiesen habe. Entscheidend sind aber in jedem Fall der Inhalt und die Qualität Ihrer Aussendung, unabhängig davon, wo Sie Ihren Text versenden.

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Darf ich vorstellen: Frank

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Erst gestern meldete sich bei mir am Telefon eine nette Männerstimme und wollte mir irgendein Zigaretten-Abgewöhn-Nikotin-Entziehungsprogramm verkaufen. Mein Einwand, ich sei Nichtraucher, brachte ihn ziemlich aus der Fassung und auf meine Frage, wie er dazu komme, mich damit am Telefon zu behelligen, legte er auf.

Die Zahl solcher Anrufe nimmt leider, obwohl verboten (zumindest in Österreich), ständig zu. Kein Wunder, denn dank fleißiger Adressdatensammler kommen auch unsere Telefonnummern immer schneller unter die Leute. Hier ein Probeabo, dort ein Gewinnspiel, was auch immer. Bei der Emailadresse ist das kein Problem, denn dafür haben wir längst die Zweit-Adresse.

Verlangt das Formular die Eingabe einer Telefonnummer, wird die Sache schon schwieriger. Aber auch hier gibt es nun endlich eine Lösung. Tragen Sie einfach die Nummer (0 163) 1 73 77 43 ein. Unter dieser Nummer meldet sich Frank, der nur dazu da ist, lästige Anrufer abzuwimmeln. Frank ist ein Service von Steffen Persiel und wird leider nur in Deutschland angeboten. Wenn Sie wissen wollen, was Frank den Anrufern erzählt, gehen Sie auf seine Website. Übrigens: er klingt recht resolut und lässt nicht mit sich reden.

Via Text & Kommunikation

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Lang, lang ist es her…

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Hätte es das Autoradio inklusive Kassettenrekorder nicht schon gegeben, man hätte es für seine Musik erfinden müssen. Wenn ich mir meine Ohren durch laute Musik ruiniert habe, dann mit seiner. Die Süddeutsche Zeitung gratuliert ihm heute zu seinem 60. Geburtstag. Bekannt geworden ist er durch einen Film und einen Song.

Er spielte den Eddie in der Rocky Horror Picture Show und er hat „Bat out of Hell“ gesungen. Herzlichen Glückwunsch, Meat Loaf.

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Kulturmanagement-Ausbildung: Wie entscheide ich mich?

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Welches Angebot ist für mich das beste? Vor dieser Frage stehen wohl viele, wenn sie sich für Kulturmanagement interessieren und eine Ausbildung anpeilen. Ich kann mich noch gut erinnern, wie das bei mir war, alledings hatte ich den Vorteil, dass das Angebot noch sehr überschaubar war. Heute schaut die Sache doch wesentlich komplizierter aus. Dabei ist es nicht nur angesichts der Vielzahl von Angeboten schwierig, den Überblick zu bekommen, sondern auch zu erkennen, welche inhaltliche Ausrichtung die verschiedenen Studien- und Lehrgänge haben.

Ich habe mir vorgenommen, diesen „Markt“ mal genauer anzuschauen und das mit Hilfe der Kriterien, die bei der Entscheidungsfindung eine Rolle spielen (könnten). Die Frage ist nun, welche Faktoren sind dabei wichtig? Meiner Meinung nach geht es vor allem um folgende Punkte:

  • Inhalte: Welche Lerninhalte, welche „Fächer“ werden angeboten? Wie groß sind die Wahlmöglichkeiten?
  • Kosten: Was kostet die Ausbildung? Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten?
  • Vortragende: Welche DozentInnen erwarten mich? Handelt es sich um bekannte Persönlichkeiten aus der Kulturmanagement-„Szene“ oder sind die Vortragenden völlig unbekannt?
  • Reputation: Welchen Ruf hat der Lehrgang bzw. die Universität? Ist es für den Berufseinstieg hilfreich, die Ausbildung an einer bestimmten Universität gemacht zu haben? Welche Rolle spielt das Image der Stadt, in der ich studieren möchte?

Das scheinen mir die wichtigsten Punkte zu sein. Habe ich etwas vergessen? Wenn ja, Kommentar genügt.

Anhand dieses „Rasters“ möchte ich dann gerne verschiedene Angebote hier im Blog vorstellen. Natürlich werde ich nicht den gesamten Markt betrachten können, aber die wichtigsten Ausbildungsangebote werden schon dabei sein. Auch die Form muss ich mir noch überlegen. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, einen Fragebogen zu verwenden?

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Marketing … what else

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Wenn es mein Anspruch ist, anderen Menschen meine Kunst oder die der KünstlerInnen, mit denen ich zusammenarbeite, zu zeigen, dann werde ich mich irgendwann mit dem Thema Marketing beschäftigen müssen. Lehrbücher gibt es genug und wir alle wissen, dass es auf den richtigen Marketing-Mix ankommt, bei dem es um

  • Produkt,
  • Preis,
  • Distribution und
  • Kommunikation

geht. Thomas Scheuer geht in einem Beitrag auf seinem Dienstleistungsmarketing Blog noch einen Schritt weiter. Der Marketingmix bei Dienstleistungen umfasst seiner Meinung nach neben diesen vier Aspekten noch drei weitere:

  • „Personal (wer erstellt…)
  • Prozess (…wie…)
  • Ausstattung (…und mit welchen Mitteln die Leistung?)“

Nun können wir darüber streiten, ob KünstlerInnen sich als Dienstleisterinnen sehen. Fakt ist, dass es natürlich ein Unterschied ist, ob ich Wallenstein inszeniere oder Peter Stein. Und meine Mittel sind wahrscheinlich auch andere.

Auch wenn ich nicht Peter Stein bin, muss ich natürlich trotzdem oder gerade deshalb Marketing betreiben. In der Regel werde ich aber nicht über die Mittel verfügen, die Stein für das Marketing seiner Projekte einsetzt. Das heißt nun nicht, dass ich darauf verzichten muss, weil ich kein oder nur wenig Geld zur Verfügung habe.

Was sich ohne viel Geld alles machen lässt, zeigt der bei fuel4arts erschienene Beitrag „Ideas that worked“ (Um den Text lesen und abspeichern zu können, muss man sich bei fuel4arts registrieren). Abi Crompton, Eddie Major und Dianne Turner erzählen, wie sie dank Mundpropaganda (im Englischen klingt es besser: word of mouth) erfolgreiches Marketing betrieben haben. Gute Ideen, die man durchaus nachmachen kann.

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Kulturmanagement: Ist da jemand?

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Kulturmanagement ist in den Printmedien ja höchstens ein Randthema. Wenn überhaupt. Schön, dass ich dank der Süddeutschen Zeitung mal wieder fündig werden durfte. „Kulturmanagement: der exzellente Mensch mit seinem Köfferchen“ nennt sich der Beitrag, der der Frage nachgeht, ob es sich dabei um eine wissenschaftliche Disziplin oder ein Handwerk handelt.

Wenn ich mir meine eigene Tätigkeit anschaue, dann hat diese Arbeit sehr viel mit Handwerk zu tun. Dinge müssen geplant, organisiert und umgesetzt werden. Häufig sind das sehr banale Tätigkeiten, aber sie müssen getan werden. Auf der anderen Seite geht es aber auch um Strategien, um die Einbindung von Kunst und Kultur in gesellschaftliche und/oder politische Bereiche und Fragestellungen. Die akademische Beschäftigung mit solchen Themen hat da, denke ich, durchaus ihre Berechtigung.

Wenn man jetzt die Frage stellt, wo diese akademische Beschäftigung stattfindet, dann wird die Antwort (logischerweise) lauten: an den Universitäten. Stimmt, denn wenn man den Begriff „Kulturmanagement“ in den diversen Suchmaschinen eingibt, dann findet man vor allem Hinweise auf die diversen Studiengänge.

Wunderbar, nur frage ich mich, wo eigentlich die Ergebnisse dieser akademischen Beschäftigung mit dem Thema Kulturmanagement zu finden sind? Für WissenschaftlerInnen ist es doch mittlerweile eine Selbstverständlichkeit geworden, das Internet für die eigene Arbeit zu nutzen und sich online auszutauschen und über bestimmte Themen zu diskutieren. Aber das Thema Kulturmanagement taucht im Internet faktisch nicht auf.

Natürlich gibt es Plattformen wie Kulturmanagement Network oder vertikult, aber das sind Informationsportale, Diskussionen finden dort nicht statt. Und sonst? Technorati listet zum Thema Kulturmanagement genau zwei Blogs auf, neben diesem hier noch das unkultur-Blog. Ansonsten habe ich noch ein paar in der Blogroll, die im Kunst- und Kulturbereich angesiedelt sind. Gut, ich will nicht schwindeln, es gibt ein Blog, das sich „Kultur-Management“ nennt, das Ergebnis ist niederschmetternd.

Vielleicht ist das „Web 2.0“ einfach noch nicht in diesem Bereich angekommen? Vielleicht suche ich an der falschen Stelle? Leider schaut es in der Kategorie Web 1.0 auch nicht besser aus. Eine inhaltliche Beschäftigung mit dem Thema Kulturmanagement findet im Internet nicht statt. Wo sind die Ergebnisse zahlloser Seminare und der dazugehörigen Seminararbeiten? Wo sind die Abschlussarbeiten? Wird das irgendwo gesammelt und versteckt?

Wo liest man über Diskussionen, wo finden Auseinandersetzungen statt? Oder ist Kulturmanagement nur etwas für EinzelgängerInnen, die ihr Wissen für sich behalten und gar nicht darüber reden wollen?

Am Ende hat Stephan Opitz Recht, wenn er in seinem SZ-Beitrag schreibt:

„Allerdings klingt der jüngste Vorschlag, eine eigene wissenschaftliche Disziplin mit angeschlossener Methodologie aus dem Handwerk Kulturmanagement zu machen, schon sehr nach Bedeutungshuberei.“

Sind wir wirklich nur Bedeutungshuber?

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Google kommt Microsoft immer näher

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Im April hatte ich darüber berichtet, dass Google damit begonnen hat, ein Online-Office-Paket zu entwickeln, das es erlaubt gemeinsam an Textdokumenten und Tabellenkalkulationen zu arbeiten. Wer das mal ausprobiert hat, wird bestätigen können, dass diese Form der Online-Kollaboration enorme Vorteile hat.

Seit ein paar Tagen lassen sich nun neben dem doc- und xls-Format auch Powerpoint-Präsentationen erstellen. In meinen Augen ist das ein wichtiger Schritt, denn gerade an Präsentationen wird häufig gemeinsam gearbeitet. Der Start erfolgt wie bisher über die Google Text & Tabellen-Seite.

Aber was ich damals geschrieben habe, gilt noch immer: ThinkFree Online ist ein Konkurrent, den ich höher einschätze.Egal für wen man sich entscheidet. Beide gehören sie zu einer ständig wachsenden Gruppe von Softwareunternehmen, die dem Office-Angebot von Microsoft Konkurrenz machen.

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Der Fachverband für Kulturmanagement: Fünf Fragen an Prof. Steffen Höhne

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Als ich vor mehr als zehn Jahren mein Kulturmanagement-Studium begann, waren die Anbieter der damals noch ausschließlich postgradualen Lehrgänge an einer Hand abzuzählen. Mittlerweile ist die Ausbildungslandschaft ziemlich unüberschaubar geworden. Kulturmanagement kann an Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen studiert werden und auch private Anbieter haben sich längst auf dem Markt etabliert.

Nun scheint eine kritische Masse erreicht worden zu sein, denn Ende April wurde in Weimar der Fachverband für Kulturmanagement gegründet. Aus dem Kreis der neunzehn Gründungsmitglieder wählte man einen siebenköpfigen Vorstand, dessen Vorsitz nach dem Rotationssystem jedes Jahr wechselt. Erster Vorsitzender ist Steffen Höhne, der als Professor an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar den Studiengang Kulturmanagement leitet.

Nachdem die Informationen über den Fachverband noch dünn gesät sind und die Website sich in der Entstehungsphase befindet, habe ich Prof. Höhne um ein Email-Interview gebeten.

Kulturmanagement Blog: Herr Prof. Höhne, welche Erwartungen verbinden Sie mit der Gründung des Fachverbandes? Welche Ziele stehen für Sie im Vordergrund und was werden die ersten Aktivitäten des Verbandes sein, dem Sie die nächsten Monate vorstehen?

Prof. Höhne: Zunächst einmal vielen Dank für die Gelegenheit, den neuen Fachverband hier zu präsentieren. Die Homepage mit weiteren Informationen befindet sich in Arbeit und wird in Kürze frei geschaltet.

Der Fachverband versteht sich zunächst als eine Organisation zur Förderung des Kulturmanagements in Forschung und Lehre sowie als Vertretung für Kulturmanager/-innen aus dem deutschsprachigen Raum. Der Fachverband möchte u.a. hierzu jährliche Fachkonferenzen durchführen sowie Hilfen bei der Herausbildung von überregionalen Schwerpunkten in der Lehre (z. B. Graduiertenkollegs) geben. Darüber hinaus möchte der Fachverband die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit verwandten Verbänden und Institutionen (KuPoGe, ENCATC) fördern sowie die internationale Zusammenarbeit und die Vertretung der Interessen des Faches Kulturmanagement in internationalen kulturpolitischen und kulturökonomischen Organisationen und Kontexten stärken.

Der Fachverband betrachtet sich ebenfalls als Interessensvertretung (z.B. im Hochschulverband, in der Wissenschaftspolitik, im Kulturrat etc.) mit dem Ziel einer Profilierung des Berufsbildes.

Kulturmanagement Blog: Wer kann denn Mitglied des Fachverbandes werden?

Prof. Höhne: Der Fachverband spricht die in Lehre und Forschung tätigen Fachvertreter an staatlichen und privaten Universitäten und Hochschulen an, d.h. akademische Institutionen mit regelmäßigen Ausbildungsangeboten.

Kulturmanagement Blog: Wenn ich als Kulturmanager danach gefragt werde, worin meine Tätigkeit besteht, dann verwende ich in der Regel Begriffe wie Management, Marketing oder Kommunikation für meine Erklärungen. Ist das Fehlen einer Definition, wie wir sie zum Beispiel für den Begriff Projektmanagement kennen, ein Problem oder eine Chance für das Kulturmanagement?

Prof. Höhne: Ich denke nicht, dass ein Mangel an Definitionen besteht, allerdings setzt sich das Fach – als akademische Disziplin – aus höchst heterogenen Anteilen zusammen. Der idealtypische Kulturmanagement-Student benötigt kulturökonomische, -juristische und -wissenschaftliche Kenntnisse und darüber hinaus personale Kompetenzen wie Ambivalenz- und Frustrationstoleranz, hohe Empathiefähigkeit, intellektuelle Phantasie etc., d.h. neben der Fachkompetenz auch individuelle, soziale und strategische Kompetenzen.

Diese Heterogenität betrachte ich allerdings als eine Chance für das Fach!

Kulturmanagement Blog: Auf Grund des steigenden Ausbildungsangebotes gibt es immer mehr fertig ausgebildete KulturmanagerInnen. Nun mag es zwar sein, dass der Bedarf an qualifizierten ManagerInnen durchaus vorhanden ist. Häufig fehlt aber das Geld, um solche Leute auch adäquat bezahlen zu können. Das heißt, viele KulturmanagerInnen finden keinen Job, weil der Markt nicht richtig funktioniert. Wie kann der Kunst- und Kulturbereich dieses Problem lösen? Zum Beispiel, in dem die Zahl der Ausbildungsplätze nicht mehr weiter gesteigert oder sogar verringert wird?

Prof. Höhne: Ich kann natürlich nur für die Weimarer Absolventen sprechen, von denen bisher (praktisch?) jeder unmittelbar nach Abschluss des Studiums eine Stelle, wenngleich nicht immer adäquat vergütet, bekommen hat. Meines Wissens sieht es bei den anderen Studiengängen noch ähnlich gut aus. Dennoch muss man schauen, dass kein Überangebot an akademisch ausgebildeten Kulturmanagern/innen entsteht und langfristig Probleme entstehen wie sie bspw. bei den Geisteswissenschaften bekannt sind. Gerade deshalb möchte sich der Fachverband um Qualitätsstandards bemühen, auch um einem Überangebot bei gleichzeitiger Verwässerung des Ausbildungsniveaus entgegen zu wirken.

Kulturmanagement Blog: Als Blogger möchte ich am Ende noch eine Frage zum Thema Web2.0 loswerden. In den angelsächsischen Ländern gibt es Theater, Museen und KulturmanagerInnen, die Web2.0-Applikationen wie Blogs, Wikis oder auch Videoplattformen einsetzen. Im deutschsprachigen Raum sind wir da noch nicht so weit, daher hätte ich gerne gewusst, ob Web2.0 bei Ihnen am Institut ein Thema ist und ob Sie selbst solche Tools verwenden?

Prof. Höhne: In der Lehre finden derartige Entwicklungen natürlich Berücksichtigung. In den Seminaren zu Kulturmarketing ist Web2.0 neben vielen anderen Phänomenen wie etwa Virales Marketing Unterrichtsgegenstand.

Als Studiengang ist das Web2.0 allerdings noch nicht von Interesse. Zwar unterhalten wir ein Forum für unsere Studierenden, jedoch könnten wir derzeit mit Applikationen wie Blogs und Wikis noch keinen Mehrwert für unsere Studenten erzielen und könnten daher nicht den Aufwand rechtfertigen den wir zur Erstellung (und wichtiger: Unterhalt) dieser aufbringen müssten.

Kulturmanagement Blog: Herzlichen Dank für Ihre Antworten!

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Das Museum als „community space“

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World of Warcraft ist ein sogenanntes „Massen-Multiplayer Online-Rollenspiel„, an dem Tausende von SpielerInnen beteiligt sind. Interessant ist es, wie der Erfolg solcher Spiele zustande kommt. Der hängt gar nicht mehr nur davon ab, ob das Spiel gut oder schlecht ist, nein: mitentscheidend ist, ob es gelingt, eine Community rund um das Spiel aufzubauen. Maßgeblich beeinflusst werden die Mitglieder der Community von den sogenannten „Community Influencers“. Von ihnen hängt daher auch der Erfolg des Spiels ab.

Im Rahmen der Austin Game Developer Conference gab es ein Panel, dass sich unter dem Titel „Identifying, Engaging and Empowering Community Influencers“ mit der Frage beschäftigte, wie sich diese einflussreichen Mitglieder der jeweiligen User-Community identifizieren und für die Weiterentwicklung des Spiels einspannen lassen. Ein Bericht über dieses Panel findet sich hier.

Nina Simon hat sich von diesem Ansatz inspirieren lassen und sich auf ihrem Blog Museum 2.0 Gedanken darüber gemacht, wie sich das auf der Konferenz vorgestellte Konzept auf den Museumsbereich übertragen lässt. In ihrem Beitrag „Game Friday: Supporting Community Influencers“ stellt sie fest, dass aus Sicht der Entwickler solcher Online-Spiele in der Community gar nicht die Spieler mit den besten Scores am wichtigsten sind:

„The players who talk to the most other players are often more influential than those with the highest scores, and game design firms are starting to consciously cultivate and support their influence.“

„Community Influencer“ lassen sich dabei nicht als Fans bezeichnen, sondern stehen dem Spiel durchaus kritisch gegenüber. Wurden die Spieler früher von den Entwicklern einfach nur als Kunden gesehen und deren Kommunikation in den Foren ignoriert, so hat sich dieses Bild mittlerweile vollständig gewandelt:

„Now, designers realize the power of such forums to influence the game’s success, and are employing „community managers“ to work with and in those forums“,

stellt Nina Simon fest. Auch im Bereich der Museen könnten ihrer Meinung nach Communities eine wichtige Rolle spielen. Einige Museen würden bereits, so Simon daran arbeiten, sich neu als „community space“ zu positionieren, wobei sie besonders das Brooklyn Museum hervorhebt, das intensiv daran arbeite, die eigene Website für Diskussionen zu nutzen.

Nina Simon schlägt vor, dass die Museen in einem ersten Schritt versuchen herauszufinden, was man über sie denkt. Am leichtesten, so Simon geht das über das Internet. Foren, Blogs, Foto- und Videoplattformen sind Orte, an denen darüber diskutiert wird.

Diese Diskussionen lassen sich zwar nicht kontrollieren, aber das heiße nicht, dass man sich an ihnen nicht beteiligen könne, konstatiert Simon. Eine mögliche Variante sei es, so wie die Entwickler von Softwarespielen, die Diskussionen zu steuern. Deren Vorgehensweise beschreibt sie als einen dreistufigen Prozess:

  • „First, the community managers identify and reach out to ‚community influencers‘.“
  • „Second, the community managers give these influencers special responsibilities and perks.“
  • „Third, the game designers use the influencers‘ feedback to change the course of the game.“

Wichtig: die „community influencers“ bestimmen sich nicht selbst, sondern werden ausgewählt. Es handelt sich um Personen, die an den Inhalten des Spiels interessiert sind, nicht am Einfluss.

„Community influencers“ werden nicht angestellt und sie bekommen auch keinen Vertrag, sondern übernehmen ihre Rolle aus Interesse an der Sache. Spieleentwickler versuchen von ihnen zu lernen, indem sie deren Feedback ernst nehmen und es in die Weiterentwicklung einfließen lassen.

Nina Simon ist davon überzeugt, dass auch Museen so vorgehen können. Eine der größten Herausforderungen besteht für sie darin, die „community influencers“ zu identifizieren. Im deutschsprachigen Raum scheint mir das besonders schwierig zu sein, denn häufig gibt es diese Communities noch gar nicht. Das kann man nun als Problem oder auch als Chance sehen. Ich sehe es als Chance, denn das bedeutet, ich habe die Möglichkeit, eine eigene Community zu schaffen. Und erst dann werde ich mich daranmachen können, die „community influencers“ zu finden.

Mit ihnen werde ich dann ein Vertrauensverhältnis aufbauen, um von ihnen zu erfahren, was die Community von mir als Museum erwartet.

„Once identified, acknowledging and supporting influencers can be a wonderful way to get new programs or experimental projects rolling,“

schließt Simon ihren Beitrag. Klar, dass das nicht nur für Museen, sondern für alle Kunst- und Kultureinrichtungen gilt.

Update: Martin Oetting beschreibt auf seinem Blog ConnectedMarketing.de die Arbeit mit Influentials und Meinungsführern (Verweis auf den Beitrag von Mark Pohlmann beachten!).