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Web 2.0: neue Chancen für das Fundraising

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Über die heutigen Linktipps von Thomas Pleil bin ich auf einen Artikel in der Online-Ausgabe des Wall Street Journal gestoßen, der zeigt, wie sich das Web2.0 für Fundraisingaktivitäten nutzen lässt. Unter der Überschrift „A New Generation Reinvents Philanthropy“ beschäftigt sich Rachel Emma Silverman mit neuen kreativen Formen des Fundraising, die sich im deutschsprachigen Raum wohl noch nicht so schnell realisieren lassen.

Der Grund: Weder nutzen Kunst- und Kultureinrichtungen das Web 2.0, noch ist es bei uns üblich, online zu spenden. In den USA ist man in dieser Hinsicht schon wesentlich weiter. Natürlich stammen auch dort noch die großen Beträge von den Stiftungen, aber immer mehr setzt sich dort etwas durch, was Thomas Pleil als Peer to Peer Fundraising bezeichnet.

Was können wir darunter verstehen? Während früher die Entwicklungsländer ausschließlich auf die Zahlungen der reichen Länder angewiesen waren, gibt es heute ganz andere Ansätze, um die Menschen dort zu unterstützen. Wir alle haben heute dank des Internet die Möglichkeit, Menschen mit meist sehr geringen Darlehen direkt beim Aufbau ihres Geschäfts zu unterstützen. Auf Plattformen wie Kiva stellen sie ihre Geschäftsidee vor und beziffern die Summe, die sie brauchen, um durchstarten zu können. Mittels Kreditkarte können wir innerhalb kürzester Zeit auch mit kleinen Beträgen dazu beitragen, dass die Vorhaben realisiert werden können.
'Loan_Cycle' von hennerfehr
Am Ende fließt das Geld dann wieder an uns zurück und wir können uns überlegen, ob wir es erneut investieren wollen.

Auf der Suche nach neuen Spendern setzen die Organisationen ganz auf das Internet und da speziell auf Social Networks oder Weblogs, heißt es im Wall Street Journal. Über diese Kanäle versucht man Gleichgesinnte zu erreichen, um mit geringen Beträgen viel zu erreichen. So hat Kiva auch sein eigenes MySpace-Profil, um auf sich aufmerksam zu machen und Förderer zu gewinnen.

Und auch für die Social Networks ist die Entwicklung interessant, schließlich müssen sie ihren UserInnen mehr bieten können als Adressbuch- oder Kalenderfunktion. Und diese Netzwerke werden genutzt, schreibt Rachel Emma Silverman in ihrem Artikel:

„Some young philanthropists are turning to „viral fund raising“ — sending appeals to their network of contacts that are forwarded on to others — to maximize the power of small donations.“

So bekommen auch 10 Dollar oder Euro-Spenden ihre Bedeutung und tragen zum Gelingen diverser Projekte bei. Dass diese Form des Spendens vor allem in den USA gut ankommt, zeigt die Entwicklung von Kiva. Im Herbst 2005 gestartet, verzeichnet die Plattform bereits knapp 90.000 Menschen, die Darlehen im Wert von 10 Mio USD vergeben haben, heißt es im Beitrag von Silverman.

Aber Organisationen, die auf diese Weise Geld lukrieren wollen, müssen wissen, dass es mit dem Spende-Button nicht getan ist. Das Pflegen der Kontakte auf den diversen Plattformen erfordert einen erheblichen Aufwand. Und den leisten sich bis jetzt noch nicht sehr viele Organisationen, vom Kunst- und Kulturbereich wollen wir da gar nicht reden.

Gerade bei uns geht es wohl im ersten Schritt erst einmal darum, dass wir damit beginnen, das Web 2.0 zu entdecken. Und erst danach gilt dann vielleicht auch bei uns das, was Paul Lamp auf Smart Mobs schreibt:

„Clearly the trend is moving away from traditional methods of giving through Foundations and charity events…“

Das dauert aber wohl noch etwas.