Post Format

Die vielen Botschaften einer Nachricht

2 comments

Haben Sie so eine Situation auch schon mal erlebt? Sie kommen nach Hause, öffnen den Kühlschrank und sagen zu Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin: „Es sind ja gar keine Eier mehr da.“ Das Spektrum der Reaktionen kann sehr groß sein. Die Antwort kann ein bestätigendes Grummeln sein, Ihre PartnerIn kann aber auch explodieren und Sie auffordern, sich selbst um den Einkauf zu kümmern. In der Regel kommt dann der Einwand, dass man das ja gar nicht gesagt bzw. gemeint habe. Ja und den Rest können Sie sich denken.

Der Grund: So ein einfacher Satz beinhaltet unterschiedliche Botschaften und die Frage ist nun, welche Botschaft beim Empfänger ankommt? Natürlich lassen sich solche Situationen nicht nur vor dem heimischen Kühlschrank erleben, sondern überall dort, wo eine Nachricht vom Sender zum Empfänger wandert.

Friedemann Schulz von Thun hat in seinem Standardwerk „Miteinander reden“ (siehe „Meine Literaturliste„) das Nachrichtenquadrat entwickelt, das sehr anschaulich zeigt, was für Botschaften mit einem einzigen Satz oder auch Wort ausgetauscht werden können. Das Wissen um diese Vielschichtigkeit einer Aussage ist eine wertvolle Hilfe in unserer täglichen Kommunikation. Und als Kultur- oder ProjektmanagerInnen kommunizieren wir den größten Teil unserer Arbeitszeit.

Die vier Seiten einer Nachricht

Wie sehen die vier Seiten einer Nachricht, von denen Schulz von Thun spricht, aus? Schauen wir uns noch einmal unser Eingangsbeispiel an. Der Satz lautete: „Es sind ja gar keine Eier mehr da.“

Da haben wir auf der einen Seite den Sachinhalt, die reine Information. Oder, wie Schulz von Thun schreibt: worüber ich informiere. Worüber informiere ich in diesem Fall? Dass keine Eier mehr da sind.

Hinzu kommt nun ein zweiter Aspekt, bei dem es vor allem um mich geht. Schulz von Thun spricht von der Selbstkundgabe und versteht darunter dass, was ich von mir selbst kundgebe. Was könnte ich mit dem Beispielsatz kundtun? Zum Beispiel, dass ich verärgert bin, weil eben keine Eier im Kühlschrank sind. Ich könnte aber auch erstaunt sein, weil ich dachte, dass noch welche da seien. Sie sehen, es gibt hier also mehrere Möglichkeiten.

Und das ist beim dritten, dem Beziehungsaspekt, genauso. Auf dieser Ebene gebe ich nach Schulz von Thun zu verstehen, was ich von meinem Gegenüber halte bzw. „wie wir zueinander stehen“. Die Bandbreite ist groß und reicht von einem „Du bist nicht dazu in der Lage, einzukaufen“ bis „Ich hoffe, Du bist nicht böse, dass keine Eier da sind“.

Für Schulz von Thun geht es bei einer Nachricht fast immer darum, „auf den Empfänger Einfluss zu nehmen“. Das geschieht mittels des Appells, mit dem ich den Empfänger zu etwas veranlassen möchte. Das heißt, unser Beispielsatz kann die Aufforderung implizieren, dass der Empfänger Eier kaufen soll. Mit diesem Satz kann aber auch die Aufforderung verbunden sein, sich gemeinsam Gedanken über eine Lösung zu machen.

Grafisch sieht das von Schulz von Thun entworfene Modell dann so aus:

'Nachrichtenquadrat' von hennerfehr

Mit diesem Wissen haben Sie nun die Möglichkeit, Ihre Gespräche zu beeinflussen. Ich schreibe bewusst „beeinflussen“, denn was im Kopf des Empfängers Ihrer Nachricht vorgeht, das werden Sie hundertprozentig nie wissen können. Und Sie haben die Möglichkeit, in einem Gespräch Ihre Nachrichten so zu platzieren, dass der von Ihnen gewünschte Aspekt im Vordergrund steht. In unserem Beispiel würden Sie wahrscheinlich mit dem Satz „wir haben vergessen, Eier einzukaufen“ weniger Gefahr laufen, einen Streit zu provozieren.

Setzen Sie Ihr Wissen strategisch ein

Das Wissen um die vier Seiten einer Nachricht alleine ist es aber noch gar nicht. Gehen wir noch einen Schritt weiter. Um gezielt eine Ebene im Gespräch anzusteuern, müssen Sie sich natürlich im Vorfeld überlegen, welche der vier Ebenen für Sie im Gespräch wichtig ist.

Nehmen wir als Beispiel die Kontaktaufnahme zu einem potenziellen Sponsor. Kennen Sie die Person noch nicht, wird es im ersten Schritt wohl vor allem darum gehen, eine Beziehung aufzubauen. Das heißt, Sie signalisieren Ihrem Gegenüber Ihre Wertschätzung und sagen Ihm damit, was Sie von ihm halten. Sie formulieren Ihre Nachrichten also so, dass dieser Aspekt im Vordergrund steht. Später, wenn es darum geht, ins Geschäft zu kommen, werden Ihre Nachrichten verstärkt eine Appellfunktion enthalten.

Das heißt aber insgesamt, dass Sie sich grundsätzlich Gedanken darüber machen müssen, worum es in Ihren Gesprächen gehen soll. Entwickeln Sie eine Strategie. Welche Ziele verfolgen Sie und welche Botschaften wollen Sie platzieren? Sie haben auf diese Weise die Möglichkeit, in Ihrer Kommunikation wesentlich klarer zu werden. Ausprobieren können Sie es sogar vor Ihrem Kühlschrank.