Monthly Archives of: September 2007

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Wie gründe ich eine Community?

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Michele Martin berichtet auf ihrem „The Bamboo Project Blog“ von ihren Erfahrungen, die sie beim Aufbau einer Community in den ersten drei Wochen gemacht hat. Als Plattform verwendet sie Ning, wo man die Möglichkeit hat, kostenlos eigene Communities einzurichten.

Nachdem ich mich immer wieder mit dem Aufbau von Communities beschäftige, sind die Überlegungen und Hinweise in ihrem Beitrag eine wahre Fundgrube für mich.

Martin schreibt, dass es leichter ist, eine Community zu starten, wenn sich aus irgendwelchen anderen Gründen bereits eine Gruppe gebildet hat. Das heißt, die Gruppenmitglieder haben schon eine Gemeinsamkeit, nämlich ein Anliegen, das ihnen allen am Herzen liegt. In diesem Fall ist nicht die Gründung der Community das Ziel, sondern die Community dient nur dazu, das Ziel zu erreichen.

Weiter berichtet sie davon, wie schwierig es ist, einerseits den Rahmen für Gespräche zu schaffen und andererseits die Rolle des „Showmasters“ zu übernehmen, der die Leute bei Laune und damit bei der Stange hält. Damit ist die Frage verbunden, ob ich der Community quasi voranstehe und so vor allem bilaterale Kontakte aufbaue. Oder ob es mir gelingt, eine multilaterale Netzwerkstruktur zu schaffen, die meiner Führungsrolle dann gar nicht mehr bedarf.

Interessant auch ihre Erfahrung, dass es nicht reicht, darauf zu warten, bis die Mitglieder der Community die Plattform besuchen, sondern sie aktiv (per Email) immer wieder einzuladen. Ich denke, daran scheitern viele Communities, weil deren GründerInnen zwar unter Umständen eine Vielzahl an Anreizen (z.B. in Form von Content) schaffen, aber sich nicht aktiv darum kümmern, die Mitglieder der Community darauf hinzuweisen. Sich zurückzulehnen und beleidigt zu sein, dass sich niemand für die Inhalte interessiert, führt nicht nur zu großem Frust, sondern wahrscheinlich auch zum baldigen Ende der Community.

Michele Martin hat außerdem herausgefunden, dass eine Community nicht wie eine Party funktioniert: man lädt die Leute ein. Die kommen und fangen dann an, sich zu unterhalten. In einer Community muss sich jemand darum kümmern, dass die Gespräche in Gang kommen. Martin hat in ihrer Community einen Rahmen geschaffen und damit Vorgaben geliefert, an denen sich die anderen orientieren können.

Wow, so viele wertvolle Hinweise!

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Video: Wie Social Bookmarking funktioniert

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Social Bookmarking ist in meinen Augen eine der genialsten Entwicklungen, die in Sachen Internet in den letzten Jahren stattgefunden haben. Vorbei die Zeiten, in denen man mühsam seine Liste der Favoriten durchsucht hat. Wer noch nicht mit del.icio.us, Mister Wong oder Diigo arbeitet, sollte sich das Video „Social Bookmarking in Plain English“ anschauen.

Neben den im Video angesprochenen Aspekten eignet sich Social Bookmarking aber auch hervorragend für das eigene Weblog. Erstens als Archiv (Hier können Sie alle Blogbeiträge auf Mister Wong und del.icio.us finden) und zweitens für Werbezwecke. Über die Tags finden Interessierte auf Ihr Weblog.

Wer ein deutschsprachiges Blog betreibt, fährt wohl mit Mister Wong besser. Bei mir ist die Zahl der Zugriffe von dort auf alle Fälle wesentlich höher als bei del.icio.us.

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Testimonials im Nonprofit-Bereich

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In der heutigen Linksammlung auf Thomas Pleils Textdepot habe ich eine wirkliche Perle entdeckt. Emilia Foremna hat in Berlin eine Diplomarbeit vorgelegt, in der sie unter der Überschrift „Nonprofit-Organisationen und Testimonials“ die „Chancen und Risiken der Prominentenwerbung in gemeinnützigen Organisationen“ untersucht.

In ihrer Einleitung stellt Foremna fest, dass es für Nonprofit-Organisationen (NPO) immer schwieriger wird, mit ihren SpenderInnen und NutzerInnen der Dienstleistungen zu kommunizieren. Daher, so stellt sie fest, würden sich immer mehr NPO dafür entscheiden, mit prominenten Persönlichkeiten zu werben. In ihren Augen ist es gerade für NPO wichtig,

„sich eingehend mit Chancen und Risken der Prominentenwerbung gleichermaßen auseinanderzusetzen und diese Überlegungen in das strategische Kalkül mit einzubeziehen“.

Das Ziel ihrer Arbeit ist es daher,

„einen Einblick in die noch wenig theoretisch begründete und erforschte Thematik der Prominentenwerbung in gemeinnützigen Organisationen zu geben, das Phänomen sowohl auf der theoretischen als auch der empirischen Ebene zu analysieren und damit eine Forschungslücke zu füllen“.

In der Arbeit findet sich dann eine Fülle an wertvollen Informationen. Aufschlussreich war für mich zum Beispiel die Feststellung, dass ein „deutscher Durchschnitts-Prominenter“ in der Privatwirtschaft für eine viermonatige Printmedien- und TV-Kampagne rund 300.000 Euro zuzüglich diverser Extras erhält. Das heißt, wenn mir jemand seinen Namen für meine Organisation oder mein Projekt zur Verfügung stellt, dann erhalte ich von dieser Person eine Leistung, die auf dem „Markt“ eine sechsstellige Summe wert wäre, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Damit habe ich den „Wert“ solcher Testimonials bis jetzt ziemlich unterschätzt, muss ich gestehen. Mir stellt sich die Frage, ob es Sinn macht, diesen „Wert“ auch im Budget darzustellen. So gesehen handelt es sich um eine Spende im Wert von ein paar hunderttausend Euro und genau das ist dann auch der Wert der Kampagne, die man mit dem Testimonial durchführt.

Zurück zur Arbeit von Emilia Foremna. Die Quintessenz ihrer Recherche- und Forschungstätigkeiten fasst sie in drei Thesen zusammen:

  1. „Werbung mit Prominenten generiert Aufmerksamkeit, kann aber nur im geringen Maße zur Differenzierung gegenüber Wettbewerbern beitragen.“
  2. „Eine strukturierte Auswahl und ein anschließender professioneller Umgang mit prominenten Testimonials sind Grundvoraussetzungen für einen effektiven Einsatz dieser.“
  3. „Ein Konzept, welches der Zusammenarbeit mit prominenten Testimonials zugrunde liegt, muss den Besonderheiten der Nonprofit-Organisationen gerecht werden.“

Das heißt, es geht nicht einfach nur darum, eine prominente Person zu gewinnen, sondern es muss die richtige prominente Person sein, sonst werde ich meine Ziele nicht erreichen können.

Mindestens ebenso ergiebig sind die Transkripte der Interviews, die Emilia Foremna geführt hat. Interessant zum Beispiel das Gespräch mit Rupert Graf Strachwitz, der aufzeigt, mit welchen Risiken eine solche Zusammenarbeit verbunden sein kann.

Fazit: Diese Diplomarbeit ist eine wertvolle Quelle für meine Arbeit als Kulturmanager. Sie enthält nicht nur viele Informationen, sondern liefert auch Inputs für die Praxis. Außerdem finde ich es toll, dass eine solche Arbeit online verfügbar ist und damit einen sehr viel größeren Nutzen bringt als im Bücherregal.

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„You are the best person for the job!“

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Alyson B. Stanfield bringt auf ihrem Art Biz Blog auch immer wieder Podcast-Beiträge heraus. In der aktuellen Ausgabe „Believe in your proposal“ gibt sie Tipps für die Präsentation des Projektvorhabens. Vor allem diese Punkte scheinen mir wichtig zu sein:

  1. „Your visuals are crucial.“ (Wer wissen möchte, wie Powerpoint nicht eingesetzt werden sollte und etwas zum Lachen sucht, wirft einen Blick auf das Video „Powerpoint to Death“, das Herbert Baetjer auf Buenalog veröffentlicht hat.).
  2. „The jurying process is not impartial.“
  3. „our proposal should not only stand out in the crowd, but should convince the jurors–in the simplest, most concise language–that you can implement it as described.“

Wenn ich mich für eine Antragstellung entscheide, so zitiert Stanfield einen Künstler, dann sollten mir zwei Dinge klar sein:

  • Ich mache das, um zu gewinnen, also um Geld zu bekommen.
  • Ich bin der beste bzw. mein Projekt ist das beste aller Projekte.

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

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Zusammenarbeit und Netzwerke: Voraussetzung für Kreativität

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Die Geschichte vom einsamen Genie und seiner daraus resultierenden Kreativität sei ein Mythos. Das habe eine Studie ergeben, so Keith Sawyer in seinem Blogbeitrag „New Study Confirms the Importance of Group Genius„. Richtig sei:

„creativity always emerges from collaborations and networks.“

Im Rahmen der Studie wurden Innovationsnetzwerke in 20 Unternehmen untersucht. Dabei entdeckten die Forscher laut Sawyer drei Grundmuster:

  • „collaboration throughout the organization is critical“
  • „connections are critical for enabling knowledge sharing“
  • „innovation emerges from groups that experience what I call ‚group flow’–when everything jives together and everyone is energized by the group to create at a higher level.“

Vor allem für kleinere Unternehmen ist die Teilnahme an (Innovations)-Netzwerken also eine Voraussetzung, um sich weiterentwickeln zu können. Einzelkämpfertum hat ausgedient und wenn ich mich nicht völlig täusche, gilt das auch für uns KulturmanagerInnen.

Nicht klar ist mir, wie ich dieses Ergebnis in Beziehung zur künstlerischen Kreativität setzen kann. Hier haben wir es zwar nicht immer, aber doch mit dem „einsamen Genie“ zu tun. Ist das eine andere Form von Kreativität? Oder stimmt das Ergebnis der Studie nicht? Hat wer eine Idee?

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Fundraising im Jahr 2017

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Ein interessantes Zukunftsszenario entwirft Tom Williams in einem Beitrag auf seinem Blog „The $5 philanthropist„. Er geht davon aus, dass das Online-Fundraising in zehn Jahren Opfer des eigenen Erfolgs werden wird und daher die Einnahmen zurückgehen werden.

Jetzt sollten wir hier im deutschsprachigen Raum aber erst einmal mit dem Online-Fundraising beginnen. Welche Chancen das Web 2.0 hierfür bietet, habe ich in einem früheren Beitrag beschrieben.

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Die klassische Firmenwebsite hat ausgedient

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Jeremiah Owyang hat sich vor einiger Zeit mit den klassischen Firmenwebsites beschäftigt. In seinem Blogbeitrag „Web Strategy: How to evolve your irrelevant corporate website“ zeigt er auf, was Unternehmen tun müssen, um von ihrer Website profitieren zu können. Den Status Quo der Unternehmenswebsites beschreibt er drastisch, aber in meinen Augen zutreffend:

„But we’re tired of the corporate website and all it’s happy marketing speak, stock photos of smart looking dudes or minority women crowded around the computer raving about your product, the positive press release, the happy customer testimonials, the row of executive portraits, the donations your corporate made to disaster relief, the one-sided view never ends.“

Warum haben die klassischen Firmenwebsites ausgedient? Owyang nennt drei Gründe:

  • Marketing has shifted, it’s no longer on two domains„: Wer sich bei Marketing und Vertrieb nur auf die eigene Website konzentriert, hat nicht erfasst, dass die Kunden sich an ganz anderen Plätzen über Produkte und Dienstleistungen austauschen, zum Beispiel in Social Networks, in Chats oder auf Weblogs.
  • Decisions are made before they go to the corporate website„: Das bedeutet, InteressentInnen sind nicht nur gut informiert, wenn sie die Website des Unternehmens anklicken. Sie haben ihre Entscheidung schon getroffen.
  • Factual information„: Ist die Entscheidung für ein Produkt oder eine Dienstleistung gefallen, holt man sich auf der Website des Anbieters noch Informationen über Preis und wichtige Details des Angebots.

Die Zukunft dieser Websites sieht für Owyang ganz anders:

„The corporate website of the future will be a credible source of opinion and fact, authored by both the corporation and community. The result? A true first-stop community resource where information flows for better products and services.“

Das bedeutet für ihn:

  • „Websites are created with customers“
  • „Unfiltered customer testimonials will appear“
  • „Content will have both negative and positive views about your products“
  • „Your website will be a Community Resource“

Dass das eine Herausforderung für Unternehmen bedeutet, ist klar. Aber es wird notwendig sein, um als Unternehmen überleben zu können, denn nur so schaffe ich es, dass meine Website die erste Anlaufstation für potenzielle KundInnen meiner Produkte und Dienstleistungen bzw. für die ganze Community ist. Nur so schaffe ich es, Vertrauen aufzubauen. Und nur dank der Rückmeldungen meiner KundInnen wird es mir gelingen, meine Angebote weiter zu verbessern.

Wer jetzt glaubt, dass das alles nur für den Profit-Bereich gilt, der irrt sich gewaltig. Auch Kultureinrichtungen sollten sich das, was Owyang hier kurz und bündig entwickelt hat, zu Herzen nehmen. Denn im Internet gibt es keine zwei Bereiche: Einen für die Wirtschaft und einen für Kunst und Kultur.

PS: Jörg Weisner hat den ganzen Beitrag von Jeremiah Owyang übersetzt.

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Entartete Kunst

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„Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte.“

Ich will jetzt gar nicht über die katholische Kirche und die Äußerungen eines Kardinals herziehen, der immerhin den Bau eines sehr spannenden und eigentlich weltoffenen Museums mitverantwortet hat. Einer Religionsgemeinschaft, in der solche Äußerungen möglich sind, gehöre ich zum Glück nicht an. Nachdem ich sehr viel mit KünstlerInnen zu tun habe, denen es in ihrer Arbeit nicht um „Gottesverehrung“ geht, lasse ich mich gerne auch als entartet bezeichnen. In diesem Kontext ist das schon fast eine Auszeichnung.

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Ein White Paper zeigt: Was kleine Online Communities den großen voraus haben

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Gut Ding braucht Weile. Schon vor einiger Zeit hat Markus Pöhlmann in seinem Crowdwisdom-Blog auf ein White Paper zum Thema Online Communities hingewiesen. Nun habe ich es gelesen und finde das Ergebnis dieser von der Firma Communispace erstellten Studie recht interessant. Dies angesichts der Tatsache, dass es im Bereich Kulturmanagement bis jetzt noch keine Community gibt.

Das Paper besagt, dass in Communities, in die ich nur mit einer Einladung hineinkomme und die zwischen 300 und 500 Mitgliedern hat, das Aktivitätslevel wesentlich höher ist als in großen Netzwerken.

300 bis 500 Mitglieder, das wäre eine ideale Größe für den Bereich Kulturmanagement. Und die Mitglieder dazu einzuladen, ließe sich auch leicht bewerkstelligen. Als Plattformen kämen Facebook oder Ning in Frage. Matthias Schwenk hat auf seinem Blog bwl zwei null einen zweiteiligen Testbericht (Teil 1, Teil 2) über Facebook veröffentlicht, der eigentlich sehr positiv ausfällt.

Die Studie „The Fifth ‘P’ of Marketing: Participation“ steht nach Angabe von Name und Adresse kostenlos als PDF (75 KB) zum Download zur Verfügung.

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Warum UnternehmerInnen Kunst sammeln

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Kultur & Wirtschaft nennt sich eine Serie in der Süddeutschen Zeitung, in der es nicht nur um den Kulturförderpreis 2007 geht, sondern auch um das Verhältnis von UnternehmerInnen zur Kunst. In Interviews geben sie Auskunft über ihr Verhältnis zur Kunst und die Gründe, warum sie sammeln. Die für mich interessanteste Erkenntnis: Es geht ganz stark um Werte. Wir sollten uns das merken, wenn wir Unterstützung für Kunst- und Kulturprojekte suchen.