Monthly Archives of: November 2007

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Jobangebote für KulturmanagerInnen, Folge 2

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Gut, ich hatte die Woche jede Menge Arbeit, bin gestern spät ins Bett gekommen und heute ziemlich früh aufgestanden. Und genau aus diesen Gründen bin ich mir nicht sicher, ob ich das folgende Jobangebot auch wirklich richtig verstanden habe:

„Für die Produktionsleitung der französischen Oper „La Voix Humaine“ (Premiere 2008 im Palais Clam-Gallas) wird einen/eine motivierte Kulturmanagement-StudentIn gesucht.“

Bei diesem Satz denkt man sich anfangs ja nichts Böses. ProduktionsleiterInnen werden des öfteren gesucht. Aber dann die unerwartete Wendung: Nicht eine erfahrene Kulturmanagerin wird gesucht (das hätte ich jetzt erwartet), sondern eine motivierte Kulturmanagement-StudentIn. Naja, vielleicht ist es ja eine ganz, ganz, ganz kleine Produktion, wo es eigentlich nichts zu tun gibt.

Schauen wir mal, wie es weitergeht:

Diese Tätigkeit umfasst die Bereiche PR, Fundraising und Projektsentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Institut culturel français. Sie soll als Praktikum im Bereich Kulturmanagement verstanden werden. Sie ist daher prinzipiell unentgeltlich.“

Das sieht eher nicht nach ganz, ganz, ganz klein aus. PR, Fundraising und Projektentwicklung also. Da fragt man sich doch, wofür man eigentlich nicht zuständig ist?

Fassen wir kurz zusammen: Produktionsleitung, PR, Fundraising, Projektentwicklung, umsonst. Kann das sein?

Mir stellt sich die Frage, ob es da am Anfang des Textes nicht „AssistentIn der Produktionsleitung“ heißen sollte? Und die AssistentIn im Satz einfach vergessen worden ist?

Dagegen spricht die locker-lässige Aufforderung:

„Send bitte Deine Bewerbung an:“

Lieber regieführender Benjamin Prins, ich hoffe, es stört Dich nicht, dass ich Dich hier duze, aber nach dem letzten Satz ist das, denke ich, schon ok. Ich hätte nur gerne die Bestätigung, dass die „AssistentIn“ in der Ausschreibung vergessen worden ist. Ist sie doch, oder? Ansonsten ein schönes Wochenende und eine erfolgreiche Produktion.

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Ein eBook erklärt das Web 2.0

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Martin Ebner arbeitet an der TU Graz und beschäftigt sich dort mit eLearning. Zu diesem Thema betreibt er auch ein Blog und dort habe ich seinen Hinweis auf das eBook entdeckt, das am TU Graz TechCenter zum Thema Web 2.0 entstanden ist (und auch von ihm konzipiert und verfasst worden ist, wenn ich das richtig verstanden habe).

Im Gegensatz zu den meisten eBooks ist dieses hier nicht im PDF-Format erstellt worden, sondern in HTML. Sehr praktisch, denn dadurch fällt das Navigieren viel leichter. Die offene Struktur erlaubt jede Menge Links und darüber hinaus natürlich auch den Einsatz von Videos.

Das eBook erzählt die Geschichte des Internets bis zum Web 2.0 und liefert Erklärungen, was wir uns darunter vorzustellen haben. Was sind RSS-Feeds, welche Applikationen gibt es neben Weblogs noch? Solche Fragen werden hier beantwortet. Kurz und bündig, aber gut verständlich. Und am Ende gibt es als „Ausblick“ das wahrscheinlich vielen schon bekannte Video „Epic“.

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Diplomarbeit zum Thema Online-Fundraising

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Im Fundraising Forum habe ich die Diplomarbeit von Bettina Kroll entdeckt, die sich unter dem Gesichtspunkt des Online-Fundraising mit der Website der UNO-Flüchtlingshilfe auseinandergesetzt und ein dazu passendes Konzept entwickelt hat.

Unter dem Titel „Online-Fundraising für die UNO-Flüchtlingshilfe e.V. – Konzept für eine Website“ beschäftigt sich Kroll eingangs ihrer Arbeit mit dem Thema Online-Fundraising und beschreibt dabei verschiedene Ansätze und auch Tools, die dafür in Frage kommen. Das tolle an dieser Arbeit: sie wird immer „praktischer“. Die Autorin schreibt über die Kriterien für einen erfolgreichen Internet-Auftritt (Kapitel 4), erklärt die Grundprinzipien für den Bau einer eigenen Website (Kapitel 5) und analysiert dann im sechsten Kapitel den Internetauftritt der UNO-Flüchtlingshilfe.

Sehr aufschlussreich ist die Beschreibung des Ist-Zustands (S. 35ff), in dem die positiven und negativen Aspekte gegenübergestellt werden. Kroll analysiert so genau, dass sich die nächsten Schritte fast zwingend ergeben. Leider gibt es keine Möglichkeit, die alte Website zu sehen. Wenn man sich die aktuelle Seite der UNO-Flüchtlingshilfe anschaut, lässt sich aber sehr gut erkennen, wieviele Empfehlungen der Arbeit in den Relaunch der Website eingeflossen sind.

Für mich ist diese Arbeit ein tolles Beispiel, wie fundiert eine Website konzipiert werden kannmuss. Spannend wäre es natürlich, wenn es nach einiger Zeit (die Arbeit wurde im September 06 eingereicht) eine Evaluierung geben würde. Aber auch so lassen sich viele Anregungen aus der Arbeit ziehen.

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Zwei Bücher für die Literaturliste

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© BrandtMarke; Pixelio
Gute Kulturmanagement-Bücher sind selten, deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen und auf zwei Bücher hinweisen, die lesenswert sind und deshalb auch in meine Literaturliste kommen.

Da ist zum einen Unternehmertum und Führungsverhalten im Kulturbereich, das von Elmar D. Konrad herausgegeben worden ist. Mich haben in diesem Buch mit seinen gut 300 Seiten vor allem zwei Beiträge angesprochen. Im ersten beschäftigt sich Marlies Hummel mit dem Thema „Kulturelle Gründerzentren“, wobei sie sich auf eine Studie bezieht, die in Nordrhein-Westfalen durchgeführt worden ist. Ich habe dort wertvolle Anregungen gefunden, wie so ein Gründerzentrum aussehen kann, an wen es sich richtet und welche Angebote so ein Zentrum beinhalten sollte.

Johannes Maria Schrievers berichtet in seinem Beitrag über die Gründung des Existenzgründernetzwerks „cultureangels“. Was hier besonders lehrreich ist: Das Netzwerk hat letzten Endes nicht überlebt, weil nach Schrievers Ansicht ein wichtiges Ziel nicht erreicht werden konnte:

„Die Akquisition öffentlicher Fördermittel zur dauerhaften Absicherung des Netzwerks.“

Darüber hinaus enthält das Buch noch einmal eine Art Zusammenfassung der Dissertation von Elmar D. Konrad, deren wichtigste Ergebnisse ich schon vor einiger Zeit in der vierteiligen Serie „Das Modell der KulturunternehmerIn“ zusammengefasst habe. Und last but not least gibt es auch jede Menge Praxisberichte. Fazit: Wer sich für das Thema Kulturunternehmertum interessiert, wird dort einige Anregungen finden. Praktische Anleitungen enthält das Buch aber weniger.

Diese praktischen Anleitungen finden sich übrigens auch nicht im neuesten Buch von Armin Klein. Es trägt den Titel Der exzellente Kulturbetrieb und ist dafür geeignet, die Kunst- und Kultureinrichtungen wach zu rütteln. Es liest sich gut und enthält viele gute Anregungen, für die Umsetzung muss man sich aber, wie gesagt, woanders Unterstützung suchen.

Trotzdem ist es ein wichtiges Buch, denn es spricht Dinge an, die man in dieser Deutlichkeit von einem Professor für Kulturmanagement noch nicht gehört hat. Zumindest im deutschsprachigen Raum noch nicht. Der Streifzug durch eine breite Themenpalette bedingt eine gewisse Oberflächlichkeit, aber das Buch hat es trotzdem geschafft, mich zu motivieren.

Was mich wundert: Trotz der Aufbruchstimmung, die in diesem Buch herrscht, ist das Internet und vor allem das Web 2.0 kein Thema. Das ist schade, denn auch die Kunst- und Kultureinrichtungen werden nicht darauf verzichten können, sich darauf einzulassen.

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Sechs Regeln für erfolgreiches Sponsoring

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© S. Hofschlaeger; Pixelio
Ich hatte ja schon einmal in einem Beitrag zehn Tipps für die Suche nach Sponsoren zusammengefasst. Jetzt habe ich in einer Beilage der ZEIT zum Thema Kulturförderung sechs Regeln für ein erfolgreiches Sponsoring gefunden. Sie stammen von Manuela Rousseau, Professorin für Sponsoring am Institut für Kultur- und Medienmanagement an Hamburgs Hochschule für Musik und Theater und Leiterin der Abteilung Corporate Social Responsibility bei Beiersdorf (Hamburg).

Das sind ihre sechs Punkte:

  • Sinnhaftigkeit: es muss inhaltliche Berührungspunkte zwischen Sponsorgeber und -nehmer geben.
  • Medienrelevanz: Taucht das Projekt nie in den Medien auf, ist die Sache für den Sponsorgeber uninteressant.
  • Kontinuität: Sponsoring ist ein langfristiges Vorhaben.
  • Integration: Sponsoringmaßnahmen müssen in ein Kommunikationskonzept eingebunden sein.
  • Neutralität: der Sponsorgeber darf keinen inhaltlichen Einfluss nehmen.
  • Erfolgskontrolle: Um über Erfolg und Misserfolg entscheiden zu können, muss es erst konkrete Ziele geben.

Bleibt noch die Frage, wie man zusammenkommt.

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Unternehmertum: Was treibt uns an?

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© S.Hofschlaeger; Pixelio
Abgesehen von den inhaltlichen Zielen, die wir anstreben, wenn wir uns unternehmerisch betätigen, gibt es in der Regel noch zwei Motive, die uns antreiben: Da ist auf der einen Seite die Chance „reich“ zu werden und auf der anderen Seite sehen wir die Möglichkeit, unser eigener Chef zu sein und selbständig agieren zu können.

Andreas Göldi spricht auf seinem Blog „Beobachtungen zur Medienkonvergenz“ von „Profit“ und „Kontrolle“. Göldi weiter:

„Viele denken, dass das beides möglich ist und orientieren sich an Vorbildern wie Bill Gates oder Steve Jobs, die sowohl viel Geld gemacht haben als auch immer noch die einflussreichsten Personen in ihren Firmen sind.“

Aber ist das überhaupt möglich, fragt sich Göldi? Oder ist es nicht eher so, dass sich diese beiden Motive eher ausschließen? Glaubt man einer Studie, die Noam Wasserman von der Harvard Business School durchgeführt hat, ist wohl eher die zweite Annahme richtig. Die Ergebnisse seiner Arbeit hat er in dem lesenswerten Aufsatz „Rich versus King: the Entrepreneur’s Dilemma“ zusammengefasst.

Sein Ergebnis: UnternehmerInnen müssen sich in der Regel zwischen

„being ‚Rich‘ (a minor player with a valuable stake) and being ‚King‘ (a major player holding a much less valuable stake)“

entscheiden. Beides zusammen ist, wie gesagt, eher die Ausnahme.

Zwar ging es im Rahmen dieser Studie nur um Technologie-Unternehmen. Ich denke aber, dass die Ergebnisse auch für den Kunst- und Kulturbereich interessant sind. Warum? Viele von uns haben sich für die Arbeit in diesem Bereich entschieden, weil sie dort sehr eigenständig arbeiten können, also ihr eigener Chef sein dürfen. Auf der anderen Seite geht es zwar für die meisten nicht darum, „reich“ zu werden. Der finanzielle Erfolg ist aber trotzdem wichtig, und wenn es nur das finanzielle Überleben ist.

Wenn wir die Situation derer, die im Kunst- und Kulturbereich als „Selbständige“ tätig sind, betrachten, dann haben die meisten von Ihnen zwar durchaus eine gewisse Eigenständigkeit („Kontrolle“), aber der finanzielle Erfolg („Profit“) stellt sich eher selten ein.

Für mich stellt sich nun die Frage, ob es im Licht des Studienergebnisses nicht Sinn machen würde, auf das weit verbreitete Einzelkämpfertum zu verzichten und sich stattdessen „Verbündete“ zu suchen, also „Kontrolle“ abzugeben? Oder liege ich damit falsch?

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Alles umsonst?

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Immer häufiger können wir von KünstlerInnen lesen, die ihre Werke kostenlos im Internet zur Verfügung stellen. Katie Haegele beschäftigt sich in ihrem Beitrag „Why creative people are putting their work free on the Net“ mit eben diesem Thema und bringt neben dem schon bekannten Beispiel Radiohead auch noch ein paar andere Beispiele.

Nicht nur im Musikbereich erleben wir immer häufiger, dass ganze Alben gratis angeboten werden, auch Bücher werden mittlerweile online zur Verfügung gestellt. Haegele führt als Beispiel James Bridle an, der sein Kochbuch ins Internet gestellt hat.

Warum er das tut? Sein Konzept beschreibt er gegenüber Haegele so:

„Putting it online for free means people who wouldn’t have seen it any other way have a better chance of finding it via Google and other search engines. It also means they can try out the recipes, and will hopefully be pretty well-disposed towards it, and end up buying it for themselves or others. In short, it’s great publicity.“

Er versteht das Internet also als Marketing-Tool, über das sein Buch bekannt wird. Die große Zahl derer, die sein Kochbuch im Netz entdecken, soll dann, so sein Gedanke, zu höheren Verkaufszahlen führen als der konventionelle Weg.

Das heißt, Bridle nimmt es in Kauf, dass viele sein Buch online lesen und nutzen, weil es am Ende öfter verkauft wird als über den traditionellen Buchhandel.

Leisten kann er sich das nur, wenn er es schafft, dass man auf ihn und sein Buch im Internet aufmerksam wird. Ansonsten geht der Schuss nach hinten los. Ungeklärt ist also die Frage, für wen diese Strategie die richtige ist? Vereinfacht gesagt für bekannte KünstlerInnen. Aber auch die, siehe Radiohead, werden nicht unbedingt reich damit. Sie erzielen zwar unter Umständen damit höhere Einnahmen als auf dem klassischen Vertriebsweg, aber so groß kann der Unterschied nicht sein. Sonst würde es schon sehr viel mehr Nachahmer geben, um an diesem Kuchen mitzunaschen.

Fazit: Wir befinden uns erst am Anfang einer Entwicklung, bei der wir noch nicht wirklich abschätzen können, wohin die Reise gehen wird. Bis jetzt sind das alles noch Experimente. Spannend sind sie aber allemal.

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Podiumsdiskussion: Audience Development und Kulturvermittlung

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Am 22.11. war ich auf der KulturKontakt-Veranstaltung „Audience Development und Kulturvermittlung. Neue Publikumsgruppen zwischen Kultur- und Sozialbereich“. Mein Interesse galt vor allem dem Thema Audience Development und hier ganz besonders Klaus Siebenhaar. Siebenhaar ist Professor und Direktor des Instituts für Kultur- und Medienmanagement an der Freien Universität Berlin und Gründer des Zentrums für Audience Development (ZAD).

Definitionen von Audience Development

Was versteht man unter Audience Development? Am besten gefällt mir eine Definition, die ich auf der Website des Scottish Arts Council gefunden habe. Dort heißt es:

„We see audience development as a planned and targeted management process which involves programming, education and marketing (underpinned by research and evaluation) working together to deliver an organisation’s overall objectives.“

Und auf der Website des ZAD wird Audience Development beschrieben

as an umbrella term to encompass all aspects of promotion, publicity, marketing, public relations, communications and educational programs“.

Damit ist auch schon klar, warum Audience Development für uns so ein wichtiges Thema ist. Es geht um „Kulturmarktentwicklung“, wie es auf der Website des ZAD so schön heißt. Oder anders gesagt um die Frage, wie Kunst- und Kultureinrichtungen zu ihrem Publikum kommen.

Siebenhaar war bis letztes Jahr als Leiter Marketing, Development & Services am Jüdischen Museum in Berlin tätig und hielt so keinen trockenen Vortrag, sondern konnte aus der Schule plaudern.

Nicht jeder hat einen ehemaligen amerikanischen Finanzminister als Chef, der finanziell unabhängig ist und das geschickt als Druckmittel gegen alle (politischen) Einmischungsversuche einsetzt. Michael Blumenthal schaffte es auf dieses Weise, getreu seinem Leitmotiv „why not?“ Dinge durchzusetzen, die in anderen Kunst- und Kultureinrichtungen in der Regel nicht möglich sind.

Ein Beispiel: Im Jüdischen Museum arbeiten keine Wärter, sondern „Hosts“, also Gastgeber. Das heißt, im Jüdischen Museum bekomme ich als Besucher auch ein Taxi bestellt.

Das Haus aus der Sicht des Publikums denken

Siebenhaar sieht im Jüdischen Museum die Philosophie von Audience Development perfekt umgesetzt, das ganze Haus sei, so Siebenhaar, aus der Sicht des Publikums gedacht. „Das ganze Haus“ heißt, dass Audience Development kein Abteilungs-, sondern ein Querschnittthema ist. Und Audience Development kostet Geld, das heißt, die Konzeption und Umsetzung bedarf, abhängig von der Größe des Hauses, nicht unerheblicher Investitionen.

Audience Development kommt, das ist keine Überraschung, aus Amerika. Die amerikanischen Einrichtungen müssen, so Siebenhaar, besucherorientiert arbeiten, die Einstellung leeres Theater ist gleich gutes Theater sei dort unmöglich. Dieser sehr „marktorientierte“ Ansatz unterscheidet sich von dem in Großbritannien.

Dort, berichtete Siebenhaar, sind die Subventionszusagen an Audience Development-Programme gekoppelt. Das heißt, die Programme sind Pflicht und müssen dokumentiert und auch evaluiert werden. Inhaltlich lautet die Vorgabe, einen gesellschaftlichen Mehrwert (public value) zu schaffen. Die Kriterien werden vom British Council Arts vorgegeben und ohne deren Einhaltung gibt es kein Geld.

Wer Audience Development in Deutschland einführen will, hat, so Siebenhaar, vor allem mit einem Problem zu kämpfen:

„Niemand macht Zuschauerforschung.“

Das heißt, die deutschen Kunst- und Kultureinrichtungen haben keinerlei Informationen über ihre BesucherInnen, z.B. über den Migrationshintergrund. Von 70 Einrichtungen, schilderte er, konnten nur „zweieinhalb“ Auskunft geben. Man fange also bei Null an, so Siebenhaar weiter.

Seinem spannenden Bericht mit vielen praktischen Beispielen folgte noch eine lebhafte Diskussion. Die zwei sich anschließenden Diskussionsrunden drehten sich dann um das Thema Kulturvermittlung und hier speziell um „neue Publikumsgruppen zwischen Kultur- und Sozialbereich“.

Zu wenig Zeit für zu viele Themen

Warum man die beiden (großen) Themenblöcke in eine zweistündige Veranstaltung zwängte, bleibt wohl das Geheimnis der VeranstalterInnen. Schade ist auch, dass mit Susanna Pettersson eine Expertin in Sachen Audience Development eingeladen war, die zu diesem Thema nicht zu Wort kam. Als Leiterin der Abteilung Art Museum Development an der finnischen Nationalgalerie hätte sie eine andere Einstiegsfrage verdient gehabt als die, ob in Finnland der Eintritt in die Museen gratis sei. Nichts gegen die anschließende Präsentation lokaler Wiener Projekte, aber das wäre halt ein anderes Thema gewesen.

Nachvollziehbar ist natürlich, dass der Zugang zum Thema Audience Development bei Klaus Siebenhaar anders aussieht als bei einer Einrichtung wie KulturKontakt. Nachdem aber hier keine Diskussion vorgesehen war, blieb für mich eher der Eindruck, dass hier einiges an Themen verschenkt worden ist. Vielleicht hätte man einfach zwei Veranstaltungen machen sollen, eine zum Thema Audience Development und eine zweite zum Thema Kulturvermittlung.

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Erfolgsfaktoren für Kunst- und Kultureinrichtungen

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© S.Hoefschlaeger, Pixelio
Sieg und Niederlage ist dieses Bild übertitelt und es passt recht gut zur Frage, um die es in einem Gespräch gestern Abend ging. Welche Faktoren beeinflussen den Erfolg von Kunst- und Kultureinrichtungen? Da fallen einem recht schnell Dinge ein wie z.B. ein gutes Team, Geld, Kreativität, etc.

Am Ende des Gesprächs standen da drei Begriffe, die, denke ich, wirkliche Erfolgsfaktoren darstellen. Es geht um

  • Qualität
  • Reputation
  • Vernetzung

Die Qualität eines Kunstwerks ist naturgemäß schwer zu bestimmen. Wenn ich aber den Erfolg definiere als einen Zustand, in dem mein Kunstwerk nicht nur mir als KünstlerIn „gefällt“, sondern auch bei BesucherInnen, BetrachterInnen, etc. Anklang findet, dann geht es schon etwas leichter. Unter dem Oberbegriff Qualität finden sich dann einzelne Unterpunkte wie künstlerische Handfertigkeit, Emotionalität und Gefallen. Wobei Gefallen nicht nur heißt, etwas gefällt mir gut, sondern auch als Bereitschaft verstanden werden kann, sich mit einer Sache auseinanderzusetzen. Gefallen also nicht nur im Sinne von Mitklatschen, sondern auch als Bereitschaft, sich (intellektuell) mit dem Kunstwerk zu beschäftigen.

Reputation ist ein Begriff, der erst einmal nicht so leicht zu fassen ist. Wikipedia bezeichnet Reputation

„als den an eine Einzelperson oder Institution gebundenen Ruf höherer Kompetenz und Qualifikation, hinsichtlich der Erbringung von gesellschaftlich relevanten Leistungen.“

Dieses Verständnis von Reputation passt für mich besonders gut in den Kunst- und Kulturbereich, der natürlich, in ein gesellschaftliches Gebilde eingebunden, einen Mehrwert erbringen kann. Interessanterweise wird gerade im Kunst- und Kulturbereich Reputation häufig sehr skeptisch gesehen, weil sie als Anbiederung betrachtet wird. Diese Sichtweise resultiert meiner Meinung nach aus einer Haltung, die darauf abzielt, sich vor allem über das Kunstwerk zu profilieren und Person bzw. Einrichtung in den Hintergrund treten zu lassen.

In eine ähnliche Richtung geht es beim dritten Punkt, der Vernetzung. Elmar D. Konrad hat in seiner Dissertation gezeigt, wie wichtig ein hoher Grad an Vernetzung ist (mehr dazu in diesem Beitrag). Für mich geht es da auch darum, nicht alleine zu arbeiten, sondern in einem Team. Oder Teil des „künstlerischen Lebens“ zu sein. Vernetzung also nicht nur verstanden als guten Kontakt zu denjenigen, die meine Kunst finanzieren (Politik und private UnterstützerInnen), sondern auch in die Richtung derer, mit denen ich tagtäglich zusammenarbeite. Wobei diese Zusammenarbeit natürlich auch über den Kunst- und Kulturbereich hinausgehen kann.

Wenn also nicht nur die Qualität ein Erfolgskriterium ist, heißt das, dass sich Kunst- und Kultureinrichtungen im gleichen Ausmaß auch um die beiden anderen Faktoren kümmern müssen. Vor allem Kulturbetriebe, die gerade neu gegründet wurden bzw. werden, vernachlässigen diese beiden Bereiche oft und konzentrieren sich ausschließlich auf die künstlerische Arbeit. Das Resultat: Fehlende Wertschätzung, fehlende finanzielle Mittel und Frustration. Und irgendwann geht die künstlerische Qualität dann auch verloren.

Das heißt, nicht nur das gute künstlerische Produkt ist wichtig, sondern auch ein tragfähiges und funktionierendes Netzwerk sowie eine positive Reputation.

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Dateien verschicken per URL

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Im Museum of Modern Betas habe ich mal wieder ein tolles Tool gefunden. Es gibt ja immer wieder mal Situationen, wo man eine größere Datei an andere weiterschicken möchte. Natürlich gibt es mittlerweile jede Menge virtuelle Speicherplatten, über die man Dateien zur Verfügung stellen kann, z.B. Rapidshare oder 4shared.

Aber erstens muss man sich dort in der Regel registrieren und zweitens ist der Download nicht immer ganz einfach. Werbung und Wartezeiten, bis man eine Datei runterladen kann, verderben einem schnell den Spaß.

Die Alternative dazu ist FileUrls. Das Tool funktioniert ganz einfach. Man lädt eine Datei (bis max. 250MB) von seiner Festplatte hoch und erhält eine URL, über die man dann maximal 7 Tage auf die hochgeladene Datei zugreifen kann. Die URL verschickt man per Mail oder gibt sie in Foren, Weblogs, etc. bekannt. Keine Registrierung, keine Werbung, keine Wartezeiten, nichts. Genial einfach bzw. einfach genial!