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Wirtschaftliche Auswirkungen von Kunst und Kultur

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In der NZZ bin ich auf einen Beitrag gestoßen, der anlässlich der Fußballeuropameisterschaft im nächsten Jahr der Frage nachgeht, ob die hohen Ausgaben der öffentlichen Hand für solche Großveranstaltungen sich überhaupt rechnen. Egon Franck und Helmut Dietl kommen darin zu dem Ergebnis, dass daraus keine gesamtwirtschaftlichen Effekte resultieren. Die beiden Autoren zeigen, dass bei den sogenannten Impact- und Wirkungsstudien, mit denen man herauszufinden versucht, ob die Volkswirtschaft von einem Ereignis, in diesem Fall der EURO 2008, profitiert, eine Reihe methodischer Probleme auftreten. Unter Berücksichtigung dieser Probleme fällt das Ergebnis eher bescheiden aus, konstatieren Franck und Dietl und verweisen auf eine Studie des Deutschen Institut der Wirtschaft (DIW), die zeigt, dass von der Fußball-WM in Deutschland „mit hoher Wahrscheinlichkeit keine nennenswerten gesamtwirtschaftlichen Effekte“ ausgingen. Nachdem die EURO 2008 sich so also volkswirtschaftlich nicht „rentiert“, schlagen die Autoren einen anderen Ansatz vor:
„Warum betrachten wir stattdessen die Europameisterschaft nicht als großes Fußballfest, das die Leute zumindest für eine kurze Zeit glücklicher machen und von ihren Alltagssorgen ablenken könnte?“
Damit spielen sie auf die Glücksökonomie an, die in der Schweiz mit Bruno S. Frey einen prominenten Vertreter hat. Solche Diskussionen kommen mir bekannt vor. Immer wieder versucht man, Kunst und Kultur über den wirtschaftlichen Nutzen zu legitimieren, Stichwort Umwegrentabilität. Nachdem ich den Artikel in der NZZ gelesen habe, stelle ich mir allerdings die Frage, ob es wirklich Sinn macht, so zu „argumentieren“. Denn auch die Umwegrentabilität wirkt konstruiert. Da finde ich den Ansatz von Franck und Dietl gar nicht so verkehrt. Im Unterschied zum Fußball geht es vielleicht nicht unbedingt um Glücksgefühle (wobei die bei den Leistungen der österr. Nationalmannschaft eh nur schwer aufkommen). Aber wenn es schon bei einer Fußball-Großveranstaltung nicht gelingt, einen volkswirtschaftlichen Nutzen zu entdecken, wie kann das dann im Kunst- und Kulturbereich gelingen? Dabei gibt es ja auch andere Argumente, oder?

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