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Unternehmertum: Was treibt uns an?

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'Schlüssel zum Erfolg' von hennerfehr
© S.Hofschlaeger; Pixelio
Abgesehen von den inhaltlichen Zielen, die wir anstreben, wenn wir uns unternehmerisch betätigen, gibt es in der Regel noch zwei Motive, die uns antreiben: Da ist auf der einen Seite die Chance „reich“ zu werden und auf der anderen Seite sehen wir die Möglichkeit, unser eigener Chef zu sein und selbständig agieren zu können.

Andreas Göldi spricht auf seinem Blog „Beobachtungen zur Medienkonvergenz“ von „Profit“ und „Kontrolle“. Göldi weiter:

„Viele denken, dass das beides möglich ist und orientieren sich an Vorbildern wie Bill Gates oder Steve Jobs, die sowohl viel Geld gemacht haben als auch immer noch die einflussreichsten Personen in ihren Firmen sind.“

Aber ist das überhaupt möglich, fragt sich Göldi? Oder ist es nicht eher so, dass sich diese beiden Motive eher ausschließen? Glaubt man einer Studie, die Noam Wasserman von der Harvard Business School durchgeführt hat, ist wohl eher die zweite Annahme richtig. Die Ergebnisse seiner Arbeit hat er in dem lesenswerten Aufsatz „Rich versus King: the Entrepreneur’s Dilemma“ zusammengefasst.

Sein Ergebnis: UnternehmerInnen müssen sich in der Regel zwischen

„being ‚Rich‘ (a minor player with a valuable stake) and being ‚King‘ (a major player holding a much less valuable stake)“

entscheiden. Beides zusammen ist, wie gesagt, eher die Ausnahme.

Zwar ging es im Rahmen dieser Studie nur um Technologie-Unternehmen. Ich denke aber, dass die Ergebnisse auch für den Kunst- und Kulturbereich interessant sind. Warum? Viele von uns haben sich für die Arbeit in diesem Bereich entschieden, weil sie dort sehr eigenständig arbeiten können, also ihr eigener Chef sein dürfen. Auf der anderen Seite geht es zwar für die meisten nicht darum, „reich“ zu werden. Der finanzielle Erfolg ist aber trotzdem wichtig, und wenn es nur das finanzielle Überleben ist.

Wenn wir die Situation derer, die im Kunst- und Kulturbereich als „Selbständige“ tätig sind, betrachten, dann haben die meisten von Ihnen zwar durchaus eine gewisse Eigenständigkeit („Kontrolle“), aber der finanzielle Erfolg („Profit“) stellt sich eher selten ein.

Für mich stellt sich nun die Frage, ob es im Licht des Studienergebnisses nicht Sinn machen würde, auf das weit verbreitete Einzelkämpfertum zu verzichten und sich stattdessen „Verbündete“ zu suchen, also „Kontrolle“ abzugeben? Oder liege ich damit falsch?

2 Comments Join the Conversation

  1. Mit den „Verbündeten“ ist es so eine Sache. Im Prinzip haben Sie vollkommen recht. Nur lässt sich das in der Praxis meist nur schwer umsetzen:

    Kooperationen beinhalten immer auch (implizit oder explizit) die Frage der Bewertung einer Leistung. Das aber unterliegt der subjektiven Sichtweise und kann schnell zu (emotionalen) Konflikten führen.

    Selbständige Einzelkämpfer entwickeln mit der Zeit oft einen ausgeprägt individuellen Arbeitsstil und lassen sich daher gar nicht mehr so leicht in Teamstrukturen mit verbindlichen Regelungen einbinden.

    In der Praxis ist es wohl am besten, man beginnt im Kleinen und intensiviert allmählich die Zusammenarbeit. Anders würde ich es jedenfalls nicht mehr machen…

    Reply

  2. Da sprechen Sie ein wahres Wort. Als Einzelkämpfer läuft man in meinen Augen schon Gefahr, den Blick für die Realität zu verlieren. Da sind Kooperationen in meinen Augen ein ganz probates Mittel für den „Realitycheck“.

    Und wenn es auf dieser Ebene klappt, kann man ja die Zusammenarbeit intensivieren.

    Reply

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