Monthly Archives of: Dezember 2007

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Yamelo: die musikalische Zeitleiste

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Wer erinnert sich nicht gerne an die musikalischen Highlights der Schulzeit oder einfach an die „gute alte Zeit“? Im Juli 1988 etwa brachten die Eagles „Hotel California“ heraus und im Februar 1978 schmachtete Umberto Tozzi sein „Ti amo“. Diese beiden Songs und noch viele mehr habe ich auf Yamelo entdeckt, einer Website, auf der man sehr viel Zeit verbringen kann.

Herzstück ist eine Zeitleiste, auf der man sich bis 1965 zurück manövrieren kann. Für jeden Monat werden die jeweiligen musikalischen Highlights als YouTube-Video angeboten. Der Screen oben zeigt, was im Juni 1985 aktuell war. Neben einer Auswahl an Videos gibt es rechts davon noch eine Tagcloud mit den bekanntesten KünstlerInnen des jeweiligen Jahres (siehe oben). Zu finden bzw. zu hören sind aber jeweils nur die bekanntesten Stücke des gewählten Zeitausschnitts, auf den Griff in die Raritätenkiste verzichtet die Seite.

Ich habe den gestrigen Abend damit verbracht, mit Hilfe dieses Angebots lange vergessene Musiktitel auszugraben und wiederzuhören. Tolle Idee und die ideale Beschäftigung für lange Winterabende.

via zweinull.cc

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Wie Jugendliche das Social Web nutzen

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PEW/Internet hat Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren befragt, ob und in welcher Art und Weise sie die Social Media-Angebote, also beispielsweise Foto- und Videoplattformen nutzen. Die Ergebnisse lassen sich im kurz vor den Weihnachtsfeiertagen veröffentlichten Report „Teens and Social Media“ nachlesen.

Zwar wurden hier nur Jugendliche aus den USA befragt, aber tendenziell kann man Europa eine ähnliche Entwicklung prophezeien. Für mich sind die Ergebnisse deshalb sehr aufschlussreich, zeigen sie doch, wie eine für den Kunst- und Kulturbereich relevante Zielgruppe das Internet als Medium benutzt. Möchte ich sie früher oder später auf meine Kulturangebote aufmerksam machen, habe ich vereinfacht gesagt, zwei Möglichkeiten. Ich kann darauf warten, dass sie den Weg zu mir, zu meinen Angeboten finden. Oder ich gehe dahin, wo sie bereits sind und versuche, mit ihnen in Kontakt zu treten. Für welchen der beiden Wege man sich entscheidet, liegt im Ermessensspielraum einer jeden Kunst- und Kultureinrichtung bzw. der für die Kommunikation und das Marketing verantwortlichen Personen. Ich tendiere ganz klar zum zweiten Weg und habe daher diesen Report mit großem Interesse gelesen. Die wichtigsten Ergebnisse in aller Kürze:

Die Zahl derer, die das Internet (noch) nicht nutzen, nimmt weiter ab. Gerade sieben Prozent sind es. Der große Rest nutzt es vor allem, um mit anderen kommunizieren bzw. interagieren zu können. Fast zwei Drittel von ihnen haben bereits eigenen Inhalte ins Netz gestellt, sieben Prozent mehr als 2004:

  • „39% of online teens share their own artistic creations online, such as artwork, photos, stories, or videos, up from 33% in 2004.
  • 33% create or work on webpages or blogs for others, including those for groups they belong to, friends, or school assignments, basically unchanged from 2004 (32%).
  • 28% have created their own online journal or blog, up from 19% in 2004.
  • 27% maintain their own personal webpage, up from 22% in 2004.
  • 26% remix content they find online into their own creations, up from 19% in 2004.“

Spannend ist in meinen Augen die immer aktivere Rolle, die die jugendlichen UserInnen einnehmen. Die Palette der Anwendungen, die für Austausch und Kommunikation verwendet werden, wird immer breiter. Ross Dawson, der das Blog Trends in the Living Networks betreibt und dem ich die Entdeckung dieses Reports zu verdanken habe, meint angesichts der Ergebnisse:

Email is for old people – that’s become clear by now. In organizations as well as in social life, we are seeking how we will move beyond email.

Mehr als die Hälfte der Jugendlichen verfügt über ein Profil in den social networks wie Facebook oder MySpace. Und noch etwas ist interessant. Jungen und Mädchen nutzen das Internet recht unterschiedlich. Während 35 Prozent der Mädchen ein Weblog betreiben, sind es bei den Jungen nur 20 Prozent. Dafür ist es beim Upload von Videos genau umgekehrt. 19 Prozent der Jungen stehen hier nur 10 Prozent der Mädchen gegenüber.

Die Kommunikation beginnt sehr häufig über das Heraufladen von Bildern. Im Report heißt es dazu:

„Nearly nine in ten teens who post photos online (89%) say that people comment at least sometimes on the photos they post. Breaking it down, about half (52%) of teens who post photos online say that people comment or respond to their photos ’sometimes‘. Another third of those who post photos (37%) say that their audience comments on their posted photos ‚most of the time‘. Only 10% of teens who post photos online say that people ’never‘ comment on what they have posted.“

Dieses Ergebnis hat mich ziemlich erstaunt und ich muss gestehen, ich habe die kommunikative Wirkung von Fotos gewaltig unterschätzt. Der Report zeigt aber, dass auch in anderen Bereichen, zum Beispiel Blogs, fleißig kommentiert wird:

„…three-quarters (76%) of teens who use social networks say they comment on blog posts written by others.“

Und noch ein anderes Ergebnis fand ich sehr bemerkenswert: Jugendliche sind wesentlich restriktiver als Erwachsene, wenn es darum geht, den Zugang zu den eigenen Fotos zu regeln. Hier scheint also eine (Internet)-Generation heranzuwachsen, die über ein sehr viel besseres Sensorium im Umgang ihrer privater Daten verfügt als wir das tun.

Mein Fazit: Wer Menschen über das Internet ansprechen will, der wird sich darauf einstellen müssen, dass sich diese Trends fortsetzen bzw. verstärken werden. Kunst- und Kultureinrichtungen werden verstärkt in Netzwerken wie Facebook oder MySpace präsent sein oder ihre eigenen Communities aufbauen. Dort finden Kommunikation und Austausch statt, der Email-Newsletter wird in nicht allzu ferner Zeit ausgedient haben.

Manche werden mir nun entgegenhalten, dass diese Zahlen aus den USA stammen und wir hier noch lange nicht soweit sind. Es stimmt, dass diese Zahlen aus Amerika kommen, aber ich glaube nicht, dass wir hier in Europa zeitlich gesehen so weit zurück liegen. Wer sich jetzt darüber Gedanken macht, wird, so denke ich, in der Lage sein, nicht nur auf die Veränderungen zu reagieren, sondern er hat darüber hinaus die Möglichkeit, sie aktiv mitzugestalten. Aber vielleicht bin ich ja auch zu optimistisch?

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Der Nutzen sozialer Netzwerke

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Vielleicht erinnern Sie sich noch an Jonathan Crows Selbstversuch mit Social Networks. „The Great Social Experiment“ betitelte er seine kleine Blogserie, ich habe sein Experiment in einem eigenen Beitrag zusammengefasst (Social Networks: Was bringen sie wirklich?). Interessant daran war nicht nur der „Erlebnisbericht“, sondern vor allem der Fragenkatalog, den Crow erstellte und an insgesamt fünf ExpertInnen richtete. Mit Ausnahme der ersten Frage standen die Antworten damals noch aus. Nun sind sie nachzulesen und bieten interessante Einblicke in den Umgang mit sozialen Netzwerken.

Ich möchte die Frage „How should we be judging the outcomes from social networking activities?“ herausgreifen. Am leichtesten lässt sie sich wohl mit dem Verweis auf bestimmte Kennzahlen beantworten. Dabei kann es sich um die Anzahl an Kontakten bzw. „friends“ oder die Zugriffszahlen auf die eigene Website handeln.

Natürlich können wir noch einen Schritt weiter gehen und versuchen herauszufinden, ob sich über das Netzwerk die Zahl der BesucherInnen unserer Kunst- oder Kultureinrichtung erhöht. Daher ist Brian Solis zuzustimmen, der anmerkt, dass vor der „Erfolgsmessung“ zwei Fragen zu beantworten sind:

„why do we want to participate and what do we want to get out of it?“

Gefragt ist also auch in diesem Fall ein strategischer Ansatz. Nicht für jede/n sind Xing oder Facebook die richtigen Netzwerke. Vor allem kleinere Kunst- und Kultureinrichtungen profitieren unter Umständen viel eher von lokal oder regional ausgerichteten Netzwerken.

Brian Solis ist zwar davon überzeugt, dass diese Kennzahlen durchaus ihre Berechtigung haben. Aber für ihn geht es in social networks noch um etwas anderes, nämlich um Gespräche. Gespräche, die das Ziel haben, die GesprächspartnerInnen für das, was man tut, zu begeistern. Und Begeisterung zu wecken ist doch genau das, was wir mit Kunst und Kultur auch erreichen wollen, oder? Insofern müssen wir uns die Frage stellen, wie wir es auf der Bühne, im Konzertsaal, etc. schaffen, das Publikum zu begeistern? Lässt sich davon etwas in die virtuelle Welt übertragen?

PS: Brian Solis hat auf seinem – übrigens sehr lesenswerten – Blog PR2.0 alle Beiträge in einem eBook zusammengefasst, das man hier downloaden kann.

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Frohe Feiertage

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So, nun wird es auch für mich Zeit, eine kleine Pause einzulegen. Ich denke, in den nächsten Tagen werden die meisten auf meine Beiträge verzichten können und deshalb wird hier bis nach den Weihnachtsfeiertagen Funkstille herrschen.

© Verena N.; Pixelio
Ich möchte mich bei Ihnen und Euch fürs Mitlesen, Mitdiskutieren und all die Dinge, die ich im Laufe des Jahres hier im Blog lernen durfte, bedanken. Ich freue mich auf die kommenden Wochen und Monate und wünsche allen ein frohes und erholsames Weihnachtsfest.

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Audience Development: eine nicht gehaltene Rede

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Noch ein Nachtrag zur KulturKontakt-Veranstaltung zum Thema Audience Development und zu meinem Bericht über diese Veranstaltung. Die einleitenden Worte der Moderatorin veranlassten Professor Klaus Siebenhaar damals, sich nicht an sein Redemanuskript zu halten. Nun wäre es schade, wenn sein vorbereiteter Vortrag einfach so in der Versenkung verschwinden würde und daher bin ich Barbara Neundlinger von KulturKontakt Austria sehr dankbar, dass sie mir das Manuskript zur Verfügung gestellt hat.

Hier steht sein ursprünglich geplanter Vortrag mit dem Titel „Audience Development oder eine Liebesbeziehung fürs Leben“ als PDF zum Download bereit.

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Reputation: Wo kommt sie eigentlich her?

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© Klausi; Pixelio
Hanspeter Gautschin hat in seinem Kommentar zum gestrigen Beitrag „Reputation als Inszenierung?“ einen ganz wichtigen Begriff eingeführt, wenn er schreibt:

„Ich glaube, jeder Mensch hat sein individuelles Wertesystem und jede Inszenierung, die diesem Wertesystem widerspricht, macht auf die Dauer krank. (…) Das Gegenstück wäre dann wohl die Authentizität.“

Danke, Hanspeter, dass Du das Thema Werte ansprichst. In ihrem Buch Reputationsmanagement. Erfolgreich, weil Ihr persönliches Image stimmt macht sich die Beraterin und Autorin Susanna Wieseneder auf die Suche nach den Wurzeln der Reputation und beginnt auch bei den Werten.

Ich finde ihre Herleitung ganz interessant und möchte sie deshalb hier kurz zusammenfassen. Werte, so schreibt sie, hätten eine sinnstiftende Bedeutung für die Gesellschaft und seien so etwas wie unsere „gesellschaftlichen Leitplanken“. Die vorherrschenden Wertvorstellungen werden von Generation zu Generation weitergegeben und erfahren im Laufe der Zeit eine Neuinterpretation.

Das kann auch dazu führen, so Wieseneder, dass Werte praktisch verschwinden. So sei zum Beispiel die Ehre als ein alter Wert aus dem modernen Sprachgebrauch praktisch verschwunden. Interessant ist, dass ihrer Meinung nach die Reputation genau auf diesen Wert aufbaut.

Wieseneders Begründung: Uns alle treibt die Suche nach Anerkennung an und über die Ehrerbietung lässt sie sich ausdrücken.

„Formen der Ehrbezeugung sind beispielsweise Ehrendoktorate, Ehrentitel, das Ehrenzeichen der Stadt oder Ernennungen von Beamten bzw. Ehrungen anlässlich der Pensionierung. Diese Formen bezeugen alle die äußere Ehre, also einen gesellschaftlichen Stand, das Ansehen einer Person aufgrund ihrer Leistung“,

schreibt sie. Aus der gesellschaftlichen Weiterentwicklung des Wertes Ehre sei die Reputation entstanden, schlussfolgert die Autorin, für die Reputation „die moderne Anerkennungsform in unserer Gesellschaft ist“. Die Unterschiede zwischen den beiden Werten beschreibt sie folgendermaßen:

  • Während die Ehre aufgrund der Herkunft verliehen wird, muss Reputation erarbeitet werden.
  • Die Ehre basiert auf einem „kollektiven Konzept“ (die Gruppe verteidigt die Ehre seiner Mitglieder), die Reputation eher einem individuellen.
  • Während die Verletzung der Ehre „Zerstörung“ bedeutet, kann eine beschädigte Reputation korrigiert werden.
  • Die Ehre wird durch das Duell gerettet, die Reputation durch Kommunikation.

Wenn ich diese Entwicklung richtig interpretiere, ist die heutige Bedeutung der Reputation das Ergebnis einer fortschreitenden Individualisierung unserer Gesellschaft und einer damit einhergehenden „Abstrahierung“ des Wertes. Statt der Waffe wird das Wort eingesetzt, um das Ansehen wiederherzustellen.

Noch einmal zurück zu den Begrifflichkeiten. Wieseneder konstatiert, dass die Begriffe Image, Status, Ruf und Reputation oft synonym und damit unsauber verwendet werden. Sie definiert sie wie folgt:

  • Image: „es bezeichnet die Vorstellung, die wir von einer Person, einem Unternehmen oder einem Produkt haben und kann sowohl auf Menschen bezogen werden als auch auf Dinge.“ Wichtig: Image ist ein kurzfristiger Eindruck
  • Status: er „bezeichnet im weiteren Sinn den Wert und die Bedeutung einer Person in der Öffentlichkeit (und) kann zugeschrieben (ererbt), übertragen (durch Heirat) oder erworben (durch Leistung) werden.“
  • Ruf: er „hat drei Bedeutungen. Laute Töne von Mensch oder Tier, um ein Signal zu geben. Der Wunsch oder Drang, etwas zu tun, im Sinne von: der Ruf des Gewissens. Und Reputation – einen guten oder schlechten Ruf haben.“
  • Reputation: Sie „bezieht sich ausschließlich auf Menschen oder Organisationen und zeigt deren öffentliches Ansehen, das sich aus verschiedenen Einzelimages zu einem langfristigen Gesamtbild zusammensetzt.“

Für mich ist erstens die Herleitung sehr interessant, weil man Reputation leichter „verstehen“ kann und sind zweitens die Definitionen der Begrifflichkeiten hilfreich, erleichtern sie doch deren Verwendung.

Bleibt noch die Frage, wie sich die eigene Reputation „managen“ lässt. Dazu mehr in einem eigenen Beitrag.

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Reputation als Inszenierung?

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Als ich gestern über die Reputation als eine der Grundvoraussetzungen für den Erfolg geschrieben habe, ist mir eine Geschichte eingefallen, die schon fast dreißig Jahre zurückliegt. Meine Eltern hatten damals im Südtiroler Pustertal eine Ferienwohnung gemietet, die irgendwann mal nicht mehr groß genug war. Also schauten sie sich nach einer Alternative um und wurden in unmittelbarer Nähe fündig. Über den Preis war man sich sehr schnell einig, nur blieb für den Bauern, dem die Wohnung gehörte, die Frage offen: wer ist das eigentlich, an den ich da meine Wohnung vermieten soll?

Wie löste er das Problem? Er ging zu den Nachbarn der alten Wohnung, um mehr über seinen möglichen Mieter herauszufinden. Meine Eltern hatten Glück, beim nächsten Treffen stellte der Bauer fest, dass sie einen guten Leumund hätten und der Vertrag wurde unterschrieben.

Der gute Ruf, und im Endeffekt geht es beim Thema Reputation genau darum, war schon immer wichtig. Wer umgekehrt einen schlechten Ruf hatte, lief Gefahr, aus dem Wohnblock oder dem Ort vertrieben zu werden. Als ich vor längerer Zeit im Rahmen eines Seminars über Reputation und ihre heutige Bedeutung diskutierte, kam ein ganz wichtiger Einwand: Früher wären solche Situationen wie die oben beschriebene einfach passiert, heute hingegen sollen wir unser ganzes Leben inszenieren.

Die Ergebnisse der daraus entstehenden Diskussion waren sehr spannend. Einerseits stellten wir fest, dass jeder Mensch als Teil einer Gruppe oder der Gesellschaft einen Ruf bekommt, zu dem er selbst beiträgt. Zumindest teilweise, denn die Gruppe oder die Gesellschaft können durch die Interpretation von Handlungen, etc. des Einzelnen den Ruf entscheidend beeinflussen. Erinnern wir uns beispielsweise an die mittelalterlichen Hexengeschichten. Das heißt, es kommt zu einer Wechselbeziehung zwischen dem Individuum und der Gruppe.

Andererseits waren wir davon überzeugt, dass es nicht nur heute, sondern auch früher schon Menschen gab, die sehr aktiv an ihrem Ruf arbeiteten. Das führt zu der Frage: kann ich meinen Ruf, meine Reputation inszenieren? Die Antwort lautete damals ja und nein. Der Erfolg der Inszenierung hängt von der Authentizität ab. Es gibt Menschen, denen nimmt man ihre „Inszenierung“ ab und dann gibt es die, bei denen alles gekünstelt wirkt.

Lässt sich also der eigene Ruf inszenieren oder ist er ein Produkt, das so eng mit dem Individuum verbunden ist, dass Inszenierungen mittel- und langfristig scheitern müssen?

Ich vermute, dass uns Inszenierungen heute leichter fallen als früher. Warum? Ich bin bei der Recherche in der englischsprachigen Wikipedia-Version auf die Erläuterung des Begriffs Reputation management gestoßen. Dort wird zwischen den „Real world- und den Online-communities unterschieden. In der realen Welt entstehe Reputation, so heißt es dort, in kleinen Orten anders als in Großstädten. Der Unterschied: je größer bzw. anonymer die Gruppe, desto formalisierter läuft der Prozess ab, an dessen Ende dann ein guter oder schlechter Ruf steht.

Nachdem wir uns heute in der Tendenz eher in großen Gruppen bewegen, die sich durch einen gewissen Grad an Unpersönlichkeit auszeichnen – und da schließe ich dann auch den Online-Bereich mit ein – können wir in diesem Umfeld sehr wohl auf die Inszenierung setzen. Je größer die Gruppe, desto weniger stark fällt die Authentizität ins Gewicht, müsste dann die Schlussfolgerung lauten.

Aber vielleicht liege ich damit auch völlig falsch. Wie sehen Sie das?

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Kulturmanagement: drei Grundvoraussetzungen für den Erfolg

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Wahrscheinlich geht es Ihnen so wie mir. Sie kennen Menschen, die eine tolle Idee, vielleicht sogar ein fertiges Konzept haben. Sie sind beeindruckt und warten darauf, wann der oder die damit groß rauskommt. Und was passiert? Nichts. Das Vorhaben verläuft im Sand, obwohl eigentlich die Qualität gestimmt hätte.

Ein andere Situation: Sie haben eine Projektidee, von der Sie selbst völlig überzeugt sind. Auch andere, denen Sie davon erzählen, sind begeistert. Von der fördergebenden Stelle erhalten Sie aber eine Absage.

Ich habe mal versucht, solche Situationen zu analysieren und sie mit Vorhaben zu vergleichen, die erfolgreich umgesetzt worden sind. Gefunden habe ich dabei drei Punkte, die ich als Grundvoraussetzungen für den Erfolg betrachte:

  1. Qualität
  2. Netzwerke
  3. Reputation

Die beiden eingangs erwähnten Beispiele haben sich durch eine hohe künstlerische Qualität ausgezeichnet. Im ersten Fall hat es aber an der Umsetzungskompetenz gefehlt, d.h. die künstlerische Idee war da, aber in Sachen Projektmanagement gab es Defizite. Die beste Idee hilft mir nichts, wenn ich es nicht schaffe, sie auf den Boden zu bringen. Das heißt, Qualität ist nicht nur in künstlerischer Hinsicht notwendig, sondern eben auch in Sachen (Kultur)-Management mit allen seinen Facetten.

Im zweiten Beispiel war diese Management-Kompetenz durchaus gegeben. Und trotzdem hat es nicht geklappt, das Projekt wurde nicht gefördert. Gefehlt haben die anderen beiden oben genannten Punkte, das Netzwerk und die Reputation.

Was meine ich damit? Den Netzwerkaspekt sehe ich ganz pragmatisch. Es geht darum, Kontakte zu haben, die einen mit wichtigen Informationen versorgen können. Das können sehr konkrete Informationen sein, etwa der Hinweis, dass das Förderbudget bereits ausgeschöpft ist, das können aber auch Hinweise auf Entwicklungen im Kunst- und Kulturbereich bzw. in einer einzelnen Sparte sein.

Wir alle wissen, wie zersplittert die Förderlandschaft ist. Da gibt es die öffentlichen Förderstellen, die von der lokalen bis hinauf zur internationalen Ebene bestehen. Es gibt Stiftungen, die sich auf verschiedene Bereiche konzentrieren und unterschiedliche Ziele verfolgen. Auch hier ist der Überblick schwierig. Ich denke, Sie wissen, wie wichtig es ist, wenn man Teil eines Netzwerks ist, in dem andere einen darauf aufmerksam machen, dass es irgendwo gerade eine Ausschreibung gibt.

Netzwerke erleichtern natürlich auch die Zusammenarbeit in künstlerischer Hinsicht. Woher nehme ich eine Handvoll MusikerInnen, wenn ich über keinerlei Kontakte verfüge? Wer hilft mir, meine Idee des Bühnenbilds in die Tat umzusetzen? Wie schaffe ich es, mit meinen künstlerischen Arbeiten zu Festivals eingeladen zu werden? In der Regel gelingt Ihnen das als NewcomerIn nur selten. Und wenn, dann deshalb, weil Sie eben schon über einen oder mehrere gute Kontakte verfügen. Kontakte, die im Idealfall über Sie sprechen und zwar positiv. Von anderen gelobt zu werden, ist viel hilfreicher als sich selbst loben zu müssen.

Womit wir beim dritten Punkt, der Reputation wären. Ihr Fehlen macht es so schwer, Fuß zu fassen und zum Beispiel Förderungen zu erhalten. Man kennt Sie einfach noch nicht und ist Ihnen gegenüber deshalb zurückhaltend. Das Ergebnis ist dann eine Absage oder eine geringere Fördersumme. So ein Verhalten ist nachvollziehbar, denn wenn wir ehrlich sind, werden wir feststellen, dass wir sehr oft auch danach urteilen.

Nun werden Sie unter Umständen einwenden, dass es natürlich Vorhaben gibt, die nicht die drei Voraussetzungen erfüllen. Das stimmt, aber schauen Sie sich ein solches Projekt mal genauer an. Sie werden feststellen, dass es stattfindet. Aber das ist dann schon alles.

Deshalb ist es in meinen Augen wichtig, sich nicht nur um die künstlerische Qualität eines Vorhabens zu kümmern, sondern alle Faktoren zu berücksichtigen. Betrachten Sie das Networking und Ihre Reputation als notwendige Voraussetzungen für Ihren Erfolg und geben Sie diesen beiden Themen genügend Zeit.

Wenn Sie und Ihr Kulturbetrieb qualitativ hochwertige Arbeit leisten, über ein gutes Netzwerk und eine glänzende Reputation verfügen, dann sollten sich die beiden eingangs beschriebenen Situationen eigentlich vermeiden lassen.