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Kulturmanagement: drei Grundvoraussetzungen für den Erfolg

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Wahrscheinlich geht es Ihnen so wie mir. Sie kennen Menschen, die eine tolle Idee, vielleicht sogar ein fertiges Konzept haben. Sie sind beeindruckt und warten darauf, wann der oder die damit groß rauskommt. Und was passiert? Nichts. Das Vorhaben verläuft im Sand, obwohl eigentlich die Qualität gestimmt hätte. Ein andere Situation: Sie haben eine Projektidee, von der Sie selbst völlig überzeugt sind. Auch andere, denen Sie davon erzählen, sind begeistert. Von der fördergebenden Stelle erhalten Sie aber eine Absage. Ich habe mal versucht, solche Situationen zu analysieren und sie mit Vorhaben zu vergleichen, die erfolgreich umgesetzt worden sind. Gefunden habe ich dabei drei Punkte, die ich als Grundvoraussetzungen für den Erfolg betrachte:
  1. Qualität
  2. Netzwerke
  3. Reputation
Die beiden eingangs erwähnten Beispiele haben sich durch eine hohe künstlerische Qualität ausgezeichnet. Im ersten Fall hat es aber an der Umsetzungskompetenz gefehlt, d.h. die künstlerische Idee war da, aber in Sachen Projektmanagement gab es Defizite. Die beste Idee hilft mir nichts, wenn ich es nicht schaffe, sie auf den Boden zu bringen. Das heißt, Qualität ist nicht nur in künstlerischer Hinsicht notwendig, sondern eben auch in Sachen (Kultur)-Management mit allen seinen Facetten. Im zweiten Beispiel war diese Management-Kompetenz durchaus gegeben. Und trotzdem hat es nicht geklappt, das Projekt wurde nicht gefördert. Gefehlt haben die anderen beiden oben genannten Punkte, das Netzwerk und die Reputation. Was meine ich damit? Den Netzwerkaspekt sehe ich ganz pragmatisch. Es geht darum, Kontakte zu haben, die einen mit wichtigen Informationen versorgen können. Das können sehr konkrete Informationen sein, etwa der Hinweis, dass das Förderbudget bereits ausgeschöpft ist, das können aber auch Hinweise auf Entwicklungen im Kunst- und Kulturbereich bzw. in einer einzelnen Sparte sein. Wir alle wissen, wie zersplittert die Förderlandschaft ist. Da gibt es die öffentlichen Förderstellen, die von der lokalen bis hinauf zur internationalen Ebene bestehen. Es gibt Stiftungen, die sich auf verschiedene Bereiche konzentrieren und unterschiedliche Ziele verfolgen. Auch hier ist der Überblick schwierig. Ich denke, Sie wissen, wie wichtig es ist, wenn man Teil eines Netzwerks ist, in dem andere einen darauf aufmerksam machen, dass es irgendwo gerade eine Ausschreibung gibt. Netzwerke erleichtern natürlich auch die Zusammenarbeit in künstlerischer Hinsicht. Woher nehme ich eine Handvoll MusikerInnen, wenn ich über keinerlei Kontakte verfüge? Wer hilft mir, meine Idee des Bühnenbilds in die Tat umzusetzen? Wie schaffe ich es, mit meinen künstlerischen Arbeiten zu Festivals eingeladen zu werden? In der Regel gelingt Ihnen das als NewcomerIn nur selten. Und wenn, dann deshalb, weil Sie eben schon über einen oder mehrere gute Kontakte verfügen. Kontakte, die im Idealfall über Sie sprechen und zwar positiv. Von anderen gelobt zu werden, ist viel hilfreicher als sich selbst loben zu müssen. Womit wir beim dritten Punkt, der Reputation wären. Ihr Fehlen macht es so schwer, Fuß zu fassen und zum Beispiel Förderungen zu erhalten. Man kennt Sie einfach noch nicht und ist Ihnen gegenüber deshalb zurückhaltend. Das Ergebnis ist dann eine Absage oder eine geringere Fördersumme. So ein Verhalten ist nachvollziehbar, denn wenn wir ehrlich sind, werden wir feststellen, dass wir sehr oft auch danach urteilen. Nun werden Sie unter Umständen einwenden, dass es natürlich Vorhaben gibt, die nicht die drei Voraussetzungen erfüllen. Das stimmt, aber schauen Sie sich ein solches Projekt mal genauer an. Sie werden feststellen, dass es stattfindet. Aber das ist dann schon alles. Deshalb ist es in meinen Augen wichtig, sich nicht nur um die künstlerische Qualität eines Vorhabens zu kümmern, sondern alle Faktoren zu berücksichtigen. Betrachten Sie das Networking und Ihre Reputation als notwendige Voraussetzungen für Ihren Erfolg und geben Sie diesen beiden Themen genügend Zeit. Wenn Sie und Ihr Kulturbetrieb qualitativ hochwertige Arbeit leisten, über ein gutes Netzwerk und eine glänzende Reputation verfügen, dann sollten sich die beiden eingangs beschriebenen Situationen eigentlich vermeiden lassen.

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  1. Eine sehr schlüssige Beschreibung! Ohne Netzwerk geht es offensichtlich heute in keiner Berufsgruppe mehr. Und der Aufbau einer Reputation ist für Manche auch ein großes Rätsel.

    Dabei gilt in beiden Fällen: Klein anfangen und in Entwicklungsstufen denken. Jede weitere Stufe ist ein Schritt zu besseren Kontakten und mehr Reputation…

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  2. Pingback: Reputation als Inszenierung? « Das Kulturmanagement Blog

  3. Umsetzungserfolg = Qualität x Akzeptanz x Controllingfähigkeit der Ergebnisse

    So habe ich das mal für mich formuliert.

    Bei 1. besteht Übereinkunft.

    2. und 3. sind aus meiner Sicht wichtige (nicht einzige) Mittel zum Zweck (= Akzeptanz)

    Controllingfähigkeit ist – neben den Steuerungsaspekten – in der Planung meines Vorhaben erfolgsfördernd: Die kritische Frage in der Vorbereitung, woran ich in ca. einem Jahr meinen Erfolg konkret und möglichst messbar erkennen kann, hat bei mir und meinen Kunden schon oft zu sinnvollen Präzisierungen (nach zwischenzeitlichen Eiertänzen …) geführt.

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  4. Danke für diese Formel, die ich für sehr hilfreich halte. Vor allem die Controllingfähigkeit der Ergebnisse ist ein ganz wesentliches Erfolgskriterium, ohne das der „Erfolg“ nicht sichtbar (=messbar) werden kann.

    Und ich ziehe daraus noch einen anderen für mich wichtigen Schluss. Ich muss meine Aussage von den drei Grundvoraussetzungen noch präszisieren, denn sie gelten nur für den Kulturbetrieb, der ein Vorhaben durchführen möchte.

    Um dieses Vorhaben erfolgreich umzusetzen, bedarf es dann der von Armin genannten Kriterien Qualität, Akzeptanz und Controllingfähigkeit.

    Lässt sich dieses Modell noch weiter ausbauen?

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  5. Das Modell lässt sich noch gewaltig ausbauen. Ich arbeite zur Zeit an einer Simulation zur Performancesteigerung. (Performance nicht im künstlerischen Sinne, sondern zur Nutzenmaximierung).

    Obwohl ich aufgrund der Komplexität immer wieder an meine Grenzen stoße, habe ich weniger ein Qualitäts- oder Controllingproblem als ein Akzeptanzproblem:
    Ich bin bislang locker auf 90 (!) Variablen gekommen, die Performance über eine Reihe von Einflussgrößen beeinflussen. Wie kann man die Variablen in einem systemischen Modell besser handhabbar „eindampfen“, ohne das die Qualität zu sehr leidet?

    Um den Rahmen hier nicht zu sprengen, nur ein Gedankenanstoß aus der Hüfte, wie aus meiner laienhaften Sicht die Einflussgrößen für ein Erfolgsmodell im Kulturmanagement aussehen könnten.

    Menschen, Ressourcen und Organisation wirken in einem Kulturbetrieb – vermittelt durch Führung – zusammen, um in einer bestimmten materiellen und gesellschaftlichen Umwelt Kulturleistungen anzubieten, die wiederum auf den Kulturbetrieb und die Gesellschaft zurückwirken. (In einer „reifen“ Organisation kann auf die Führung jeder Mitarbeiter einwirken).

    Viel Spaß beim Operationalisieren ;-)

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  6. Die Akzeptanz ist in meinen Augen ein ganz wichtiges Kriterium, wenn es um die Erfolgsmessung geht. Leider bleibt sie aber häufig unberücksichtigt. Man kann das tollste Opernhaus bauen und im Sinne des PM alle Ziele erreichen, aber was ist, wenn das Haus von der Bevölkerung nicht angenommen wird? Ist das dann ein Erfolg?

    Und auf der anderen Seite wurde beim Bau der Oper in Sidney fast gar keine Zielvorgabe eingehalten. Nachdem man früher schn darüber diskutiert hat, das Haus wieder abzureißen, ist es heute eine Attraktion.

    Danke für die Deiner Meinung nach relevanten Einflussgrößen für das Kulturmanagement. Interessanterweise decken sie sich mit den Ergebnissen von Elmar D. Konrad, die ich hier zusammengefasst habe. Der Begriff „Erfolgsmodell“ scheint also berechtigt zu sein.

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  7. Ich kannte das Modell von Konrad nicht – interessant. Allerdings liegt der Teufel im Detail. Nach grober Übesicht zwei Anmerkungen:
    1. Wichtige Variablen fehlen.
    2. Auf den ersten Blick unscheinbare Variablen aus der dritten Reihe können sich durch Rückkopplungen derart hochschaukeln, dass sie erfolgsrelevant werden.

    Die Herausforderung liegt aus meiner Sicht weniger in der Identifikation der „richtigen“ Variablen als in dem Verstehen ihres systemischen Zusammenwirkens.

    Ich gebe zu, jetzt wird es akademisch. Aber: „Mache die Dinge so einfach wie möglich, aber nicht einfacher“.

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  8. Danke für das Zitat, das werde ich mir gleich aufschreiben. ;-)

    Bei Konrads Modell muss ich aber fairerweise dazusagen, dass ich ziemlich gekürzt habe, um die Blogbeiträge nicht ausufern zu lassen. Wahrscheinlich liegt die Unvollständigkeit an mir.

    Aber ich bin neugierig: welche wichtigen Variablen fehlen denn?

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  9. Gib mir noch ein wenig Zeit. Zum einen arbeite ich noch mit Hochdruck an dem Modell, zum anderen bin ich auf dem Sprung. Zudem ist dieses Know-How (Know-Why?) mein Betriebskapital…

    Das Zitat ist übrigens von Einstein. Ich dachte, Du kennst das.

    Bei dieser Gelegenheit: Frohe Weihnachten! Es ist mir mit Dir immer ein Vergnügen.

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  10. Nein, das Zitat kannte ich noch nicht. Das ist ja das Schöne an Blogs: sie sind keine Einbahnstraße und geben mir die Möglichkeit, Dinge zu erfahren, die ich so vielleicht nie mitbekommen würde.

    Ich wollte Dich mit meiner Frage nicht drängen, das liegt mir fern. Aber wenn es soweit ist, würde ich mich freuen, etwas darüber zu hören.

    Danke, das Kompliment gebe ich gerne zurück. Dir auch eine schöne Zeit. Man liest sich…

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  11. Pingback: Fundraising: kalte Kontakte oder Networking? « Das Kulturmanagement Blog

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