Monthly Archives of: Februar 2008

Post

Nicht überall, wo „2.0“ draufsteht, ist „2.0“ drinnen

4 comments

Hanspeter Gautschin hat sich in seinem gestrigen Beitrag über den Slogan des Zentrums für Kulturmanagement an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften beschwert. „Unsäglich“ nennt er ihn. Ich finde ihn gar nicht so schlecht. Aber urteilen Sie einfach selbst:

„Kultur bewegt uns. Wir bewegen Kultur – mit Management.“

Neugierig wie ich bin, habe ich dann die Website des Zentrums für Kulturmanagement angeklickt. Und was durfte ich da entdecken? Die Ankündigung einer Veranstaltung, die sich Kulturmanagement 2.0, „Von Arts Administration zum Management kultureller Kontexte“ nennt. Ist das nicht sensationell? Das verheißt doch Aufbruchstimmung. Sollte das wirklich der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen Kulturmanagement und all dem, was wir als Web 2.0 bezeichnen, sein?

Klar, dass ich mir als nächstes gleich den Tagungsflyer angeschaut habe. Hier ist er:

Tagungsflyer

„Marktorientierung und und Anpassungsfähigkeit bei gleichzeitig hoher Innovationsbereitschaft gehören zu den besonderen Eigenschaften des Kulturmanagements. Als mittlerweile ausgereifte Optimierungstechnik leistet Kulturmanagement einen wesentlichen Beitrag bei der Gestaltung und Umsetzung staatlicher Kulturpolitik“,

heißt es dort in der Einleitung auf der zweiten Seite. Kulturmanagement würde ich zwar nicht unbedingt als „Optimierungstechnik“ bezeichnen, aber gut. Wo ist jetzt aber das „2.0“?

Schon im nächsten Absatz ist von der „digitalen Revolution“ die Rede. Aha. Klingt nach: „Web 2.0 ist zur Zeit in aller Munde…“, also nach Phrase.

Vielleicht wird das Rätsel im Abschnitt „Zielsetzungen“ gelöst?

„Die Veranstaltung wirft unter neuer Perspektive die Frage auf, welche Rollen und Funktionen Kunst und Kultur in einer globalisierten und durchökonomisierten Gesellschaft postindustriellen Zuschnitts einnehmen“,

heißt es dort am Ende. Ähm, ja. Da kann man Kunst und Kultur durch jeden beliebigen Begriff ersetzen. Passt immer.

Zu diesem Zeitpunkt, muss ich gestehen, war ich ja schon etwas enttäuscht. Und das Programm? Nicht uninteressant, aber von „2.0“ keine Spur.

Was ist dieses 2.0 überhaupt? Im MAIN blog Webtalk habe ich gesagt, dass es da vor allem um Kommunikation und Partizipation geht. Ein schönes Beispiel aus dem Kunstbereich beschreibt Robert Scharfenberg auf seinem Blog mindestens haltbar. Also nicht die Einbahnstraße ist gefragt, sondern das Miteinander. Wenn ich nun einer Tagung das 2.0 umhänge, dann erwarte ich mir so etwas ähnliches, Barcamps zum Beispiel. Deren Besuch kostet übrigens nicht 140 Schweizer Franken, sondern ist kostenlos. 2.0 halt…

Und wie schaut das Programm von Kulturmanagement 2.0 aus? Vorträge im 30 Minuten-Takt, 90 Minuten Workshop und am Ende noch eine Panel-Diskussion. Irgendwo taucht der Begriff Fachtagung auf, der es eigentlich ganz gut trifft. Ich habe nichts gegen Fachtagungen. Aber, und das ist der Kern meiner Kritik, mit 2.0 hat das alles nichts, aber auch gar nichts zu tun. Die digitale Revolution taucht im Programm nicht mehr auf und ich fürchte, in den Vorträgen auch nicht.

Fazit: das klingt mir alles irgendwie zu sehr nach Marketing und spätestens an diesem Punkt würde ich mir gerne das „unsäglich“ von Hanspeter ausleihen. Auch ein paar Handmalereien auf der ersten Seite des Programms machen da kein Kulturmanagement 2.0 mehr daraus. Schließlich kann ich mit diesem Bild aus meinem Blog auch kein Blog 2.0 machen.

Post

Vertrauen ist für unser Geschäft so wichtig wie das Öl für die Maschine

1 comment

Lässt sich im Internet überhaupt Geld verdienen? Glaubt man Chris Anderson, dann wohl eher nicht:

„The web has become the land of the free“,

schreibt er in seinem Artikel „Free!Why $0.00 Is the Future of Business“ in der aktuellen Ausgabe des Wired Magazine:

„The rise of „freeconomics“ is being driven by the underlying technologies that power the Web. Just as Moore’s law dictates that a unit of processing power halves in price every 18 months, the price of bandwidth and storage is dropping even faster. Which is to say, the trend lines that determine the cost of doing business online all point the same way: to zero“,

so Anderson weiter. Stattdessen geht es um Aufmerksamkeit und Reputation. Und die gilt es dann umzumünzen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Anderson mit seiner Sichtweise in jedem Fall Recht hat, für den Kunst- und Kulturbereich gilt das aber durchaus. Wir bauen uns eine Reputation auf und versuchen die Aufmerksamkeit der BesucherInnen unserer Website zu gewinnen, die dann im Idealfall unsere Ausstellung, unser Konzert, etc. besuchen.

Eine der wichtigsten Dinge ist dabei, die Überschrift deutet es ja schon an, Vertrauen. „Trust is to Business, What Oil is to an Engine“ meint Anna Farmery, von der ich mir auch den Titel „ausgeliehen“ habe, auf ihrem Blog „The Engaging Brand“. Und wie man Vertrauen aufbaut, das erklärt sie kurz und präzise anhand des Begriffes Trust.

T = Telling the truth, not spinning the story
R = Realistic expectations that are stretching for people yet people trust that if they are delivered, they will bring business and personal success
U = U
nderstanding people and their emotions. People are emotional by nature. This can lead people not to give truthful feedback, however people need the truth for growth. So understanding people, showing empathy to what motivates them can really help in their growth. Confidentiality is imperative.
S = S
eeking the truth is important in the business. People can hide behind data, people can hide from the truth. To be successful you need to want the truth and constantly seek the truth to improve over time. When you seek the truth, people will learn to be truthful.
T = T
aking the rough with the smooth.“

Vor allem der letzte Punkt gefällt mir gut. „Nimm es, wie es kommt“ drückt genau die Gelassenheit aus, die wir brauchen, um nicht aus aus der Rolle zu fallen und unsere Authentizität zu verlieren. Eine hilfreiche Anleitung, thank you, Anna!

Post

Emails: ein paar Regeln erleichtern die Arbeit

3 comments


© Mariocopa; Pixelio
Chris Brogan hat sich des Themas Email angenommen und ein paar Regeln beschrieben, die uns den Austausch von Nachrichten erleichtern. Bei den 200 bis 400 Mails, die er täglich bekommt, kann ich das sehr gut verstehen. Ich tue mir schon mit der Hälfte an Mails schwer.

Die Betreff-Zeile

Nicht nur für ihn ist das der wichtigste Punkt, wenn es um den effizienten Umgang mit Emails geht. Er schlägt folgendes Schema vor:

“ DECISION NEEDED: Picking the corporate logo today“

Am Anfang steht also, was von mir als EmpfängerIn erwartet wird; daran schließt sich dann eine kurze inhaltliche Erklärung. Ich mache das so ähnlich, zum Beispiel:

“ Frage: Sollen wir uns mit XY treffen?“

Oder:

„Information: Schau Dir mal den Link an“

Das heißt, aus der Betreff-Zeile wird bereits ersichtlich, was ich tun muss und um was es inhaltlich geht. Betreff-Zeilen, in denen gar nichts steht oder so etwas wie „Hallo“ sind eher weniger hilfreich.

Die wichtigen Punkte zuerst

Nachdem wir von Natur aus neugierig sind, wollen wir eh immer möglichst schnell wissen, worum es eigentlich geht oder was jemand von uns will. Wenn wir dadurch auch noch Zeit sparen können, dann ist das doch optimal, oder? Also: gleich in medias res gehen und die Frage nach Wetter, Urlaub oder ähnlichen Dingen kommt dann erst danach.

Keine offenen Fragen stellen

Brogan hat das viel netter beschrieben:

„Closing the Loops“

und meint damit, dass wir oft Fragen stellen, die keine eindeutigen Antworten verlangen, die offen sind. Sein Beispiel:

„Open Loop: Let’s get together for lunch. What day is good? Where do you want to go? Should we invite other departments or keep it a team meeting?“

Viel besser wäre:

„Closed Loop: Let’s get together for lunch. I’m thinking Thursday at 11:30 (to avoid the rush) at Lemon Tree. Let’s keep it just a team lunch this time, but maybe next time, we’ll invite others. Work for you?“

Einleuchtend, oder? Je früher wir eine Sache auf den Punkt bringen, desto mehr Emails können wir uns sparen. Abgesehen davon: Zu zweit einen Termin per Mail auszumachen, ist in Ordnung. Bei drei oder mehr Personen ist es sinnvoller, auf Angebote wie Doodle zurückzugreifen.

Und sonst?

Chris Brogan stellt noch fest, dass es manchmal sinnvoller ist, auf die Email zu verzichten und stattdessen zum Telefonhörer zu greifen. Stimmt, vor allem bei der Frage, ob man etwas so oder anders macht, geht es häufig viel schneller, wenn man das telefonisch aushandelt. Bis man die Argumente formuliert hat, ist das Problem am Telefon schon zweimal gelöst.

Noch ein anderer Punkt fällt mir ein: Das Verschicken von Dokumenten im Anhang. Sinnvoll ist es, wenn man sich zu Beginn auf einen Modus einigt, wie man die verschiedenen Versionen unterscheiden möchte. Man kann, wenn es nicht mehrere pro Tag sind, einfach das Datum in den Dateinamen aufnehmen (In dieser Reihenfolge 20080226 (Jahr-Monat-Tag), dann steht im Ordnersystem die aktuellste Version immer unten) oder man verwendet so etwas wie v01 oder so ähnlich.

Wenn wir uns alle diese Punkte merken und sie vielleicht auch beherzigen, wenn wir eine Mail verschicken, dann können wir uns gegenseitig dabei unterstützen, den Zeitaufwand für unseren Emailverkehr zu reduzieren. Das wäre dann eine win-win-Situation. Und welche Tipps gibt es noch?

Post

Deutsches Historisches Museum erhält Trophäe für das unfairste Praktikum

10 comments

Das Deutsche Historische Museum in Berlin hat eine höchst zweifelhafte Auszeichnung erhalten, den „Raffzahn 2007“. Der Praktikantenschutzverein Fairwork vergibt ihn jedes Jahr für das unfairste Praktikum des vergangenen Jahres. Traurig, dass da eine Kultureinrichtung das Rennen machen muss, die sich natürlich auch über öffentliche Gelder finanziert.

Was ist geschehen? In der Berliner Morgenpost schreibt Sonja Vukovic:

„Eine junge Frau mit abgeschlossenem Geschichtsstudium sollte sechs Monate lang 39 Stunden wöchentlich unentgeltlich in dem Berliner Museum beschäftigt werden. Laut Vereinbarung sollte sie auf Urlaubstage, Krankengeld und Unfallfürsorge verzichten und unterschreiben, dass die Urheberrechte auf alle während ihres Praktikums erbrachten Leistungen trotz ausbleibender Entlohnung in das „ausschließliche Nutzungsrecht“ des Museums übergehen.“

Dabei scheint das kein Einzelfall gewesen zu sein, heißt es in dem Artikel weiter. Ich will mich jetzt gar nicht darüber ereifern, wie unverschämt das alles ist und ob es wirklich im Sinne des Erfinders ist, dass öffentliche Fördergelder in Häuser fließen müssen, die den ethischen Mindeststandards nicht entsprechen. Nein, ich vertraue einfach darauf, dass es Blogbeiträge in den Rankings der Suchmaschinen in der Regel sehr weit nach oben schaffen. Wenn man dann dort nach dem Historischen Museum in Berlin sucht und unter den ersten zehn Einträgen acht auf den „Raffzahn 2007“ verweisen, dann haben wir ein schönes Beispiel dafür, wie Online-Reputation funktioniert. In dem Fall ist es halt ein negatives Beispiel. Mein Mitleid hält sich allerdings in Grenzen.

Via bedarfshaltestelle

Post

Change Management: den Trampelpfad verlassen

9 comments

Geht es Ihnen nicht auch so, dass Sie erst einmal zurückzucken, wenn Sie etwas anders als sonst machen sollen? Sätze wie „Wir haben bis jetzt immer eine Pressekonferenz gemacht, warum sollten wir das diesmal anders machen?“ oder „Wir haben unsere Website immer so strukturiert“ kommen Ihnen vielleicht auch bekannt vor.

Peter Evans-Greenwood, CTO von Capgemini Australien, hat sich in einem Blogeintrag mit dem Thema Veränderung auseinandergesetzt und beginnt seinen Beitrag mit einer Theorie, wie er es nennt:

„It seems that most people learn something in their early to mid 20s, and then spend the rest of their career happily doing the same thing over and over again. (…) Once they’ve established what it is they do they just want to keep doing it, hoping that the world will remain as it was in their early adulthood.“

Wir mögen Veränderungen nicht, so Evans-Greenwood, weil sie uns auf Fragen bringen, die wir uns entweder noch nie oder schon lange nicht mehr gestellt haben, z.B. was wir da eigentlich tun.

Wer auf einen solchen Veränderungszug aufspringt, schätzt das, was er tut als wichtig und das, was die „ältere Generation“ tut als überflüssig oder irrelevant ein. Aber auch das „Neue“ wird irgendwann wieder überholt und überflüssig sein.

Während Veränderung früher eine Frage von Generationen war, hat sich das Tempo heute verschärft und findet innerhalb einer Generation statt. Das heißt, das Neue wird nicht von der nachfolgenden Generation eingeführt, wir müssen das tun.

Das gilt auch und vor allem für den Arbeitsbereich.

„Our problem is that change has become a major business driver“,

konstatiert Evans-Greenwood. Veränderung könne dabei bedeuten, dass wir ein Produkt optimieren, ein neues Produkt entwickeln oder sogar neue Märkte schaffen. Aber:

„If change is the driver in our organizations, but our organizations are resistant to change, then the biggest challenge we face in not technical but the strategy we use to manage change. It’s quite easy to define a technically and economically possible solution that would provide a boost to our business, or even deliver a step change in capability. But if we cannot get our organization to deliver and then adopt the solution, all our work will be for naught.“

Wichtig ist zu erkennen, dass Veränderung ein fortlaufender Prozess ist:

„It’s not a one shot affair where we hire some external organization to come in and transform us, and it’s not something we should only worry about every two to four years.“

Und das allerwichtigste: Veränderung muss etwas sein, was wir wollen und uns nicht nur geschieht.

Das heißt zusammenfassend:

  • Wir müssen uns von unserer Vorstellung lösen, dass das, was wir vor vielen Jahren (bei mir zumindest ;-) ) gelernt haben, nicht bis in alle Ewigkeit gelten muss.
  • Veränderung ist auch im Kunst- und Kulturbereich ein wichtiger Treiber. Inhaltlich wissen wir das eh, auf der Managementebene gilt das natürlich auch (ich darf an die Geschichte von James Burbage erinnern, eine meiner Lieblingsgeschichten).
  • Veränderung ist etwas aktives und nichts, was uns geschieht.

Und wie geht das nun, Veränderung? Es gibt jede Menge Methoden und es ist schwer zu sagen, welche davon „gut“ oder „schlecht“ sind. Ausprobieren ist wahrscheinlich ein guter Ansatz. Was für ein Glück, dass sich Armin Karge vor einiger Zeit genau damit beschäftigt hat. Methodensammlung Change Management nennt sich sein Beitrag. Reinschauen lohnt sich.

PS: Auf den Beitrag von Peter Evans-Greenwood bin ich bei Ross Dawson gestoßen.

Post

Und jetzt sind Sie dran: ran ans Cello!

8 comments

Ob dieser Beitrag wirklich in der richtigen Kategorie steht, nämlich Kunst und Kultur, hängt jetzt von Ihnen ab. Sie haben nun die Möglichkeit, sich musikalisch zu betätigen. Bekommen Sie das gut hin, genießen Sie das Erfolgserlebnis. Klingt Ihr Spiel etwas schräg, sind Sie zumindest wieder wach.

Ihre Aufgabe besteht darin, den Bogen eines Cellos zu führen und damit Camille Saint Saëns „Der Schwan“ zu begleiten. Und das zusammen mit den Berliner Philharmonikern. Cello Challenge nennt sich das „Spiel“, viel Spaß dabei!

Via Ja gut, aber…

PS: Platz 1101, mehr ist es bei mir leider nicht geworden. Wer schafft eine bessere Platzierung?

Post

Wie werden eigentlich KulturmanagerInnen bezahlt?

Leave a reply

Nachdem die Fundraising-Branche sich gerade Gedanken darüber macht, wie denn FundraisierInnen zu bezahlen sind, möchte ich das zum Anlass nehmen und die Frage stellen, wie denn eigentlich KulturmanagerInnen bezahlt werden? Natürlich gibt es da die große Zahl derer, die in einem fixen Anstellungsverhältnis stehen. Mindestens ebenso groß ist aber die Zahl derer, die ohne ein Anstellungsverhältnis auskommen (müssen). Und genau um die soll es heute gehen.

Werde ich auf meine Dienstleistungen angesprochen, dann kommt natürlich auch irgendwann einmal die Frage, was ich denn koste bzw. wie ich überhaupt bezahlt werde? Häufig geht es um das Auftreiben von Geldmitteln für ein geplantes Vorhaben und da stellt sich meist die Frage: Stundensatz oder Provision? Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass nicht nur mir diese Frage gestellt wird, daher denken wir das Ganze doch einmal durch.

Bevor man diese Frage beantwortet, muss natürlich klar sein, was von der Kulturmanagerin, dem Kulturmanager überhaupt erwartet wird. Auf dem Blog Arts Management 101 habe ich einen Beitrag gefunden, der sich damit beschäftigt, wie diejenigen bezahlt werden, die für Kulturbetriebe Fördermöglichkeiten recherchieren und Anträge schreiben. Karl ist der Ansicht, dass KulturmanagerInnen, die diese Tätigkeit ausüben, auf Honorarbasis bezahlt werden sollten:

„Therefore, being paid a percentage of the grant would place the incentives in the wrong place for the grantwriter, who should be compensated for their knowledge of the field and writing clarity, and not their ability to sell.“

Damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Jemand, der sich im Förderwesen auskennt, wird für genau dieses Spezialwissen bezahlt und nicht für seine Vertriebsfähigkeiten.

Jede Kunst- und Kultureinrichtung sollte sich also, bevor die Frage nach dem Modus der Bezahlung gestellt wird, überlegen, wofür sie eigentlich jemanden braucht: Um herauszufinden, welche Fördermöglichkeiten es gibt oder um die eigenen Produktionen zu verkaufen?

Das sagt sich jetzt so einfach. Oft ist es natürlich so, dass Kulturbetriebe gerne jemanden hätten, der beides für sie übernimmt. Das ist auch in Ordnung, nur sollte man dann trotz allem die einzelnen Schritte voneinander trennen. Schritt eins ist die Recherche von Förderquellen, Schritt zwei ist das Ausfüllen eines Antragsformulars und Schritt drei ist dann der „Vertrieb“, der „Verkauf“ an die ins Auge gefassten Förderstellen.

Das heißt für die Bezahlung: bei den ersten beiden Schritten erfolgt die Bezahlung auf Honorarbasis, denn da geht es um Wissen (welche Fördermöglichkeiten und wie wird ein Antrag gestellt bzw. formuliert?), das auf diese Weise abgegolten wird.

Schritt drei ist etwas komplizierter, denn für mich stellt sich die Frage, ob das wirklich die Aufgabe einer extern beauftragten Person sein soll, mein Vorhaben zu „verkaufen“. Aus meiner Sicht stellt sich das so dar: ich soll für ein Projekt Fördergelder auftreiben, was grundsätzlich für mich kein Problem ist. Nur hat das, denke ich, auch gewisse Konsequenzen. Ich kann diese Aufgabe übernehmen, weil ich aus irgendwelchen Gründen hinter dem Projekt stehe und es unterstützen möchte. Wenn ich dieses Naheverhältnis aber nicht habe und mich auf ein Provisionsgeschäft einlasse, dann bedeutet das:

  • Ich möchte auf die Inhalte Einfluss nehmen, um die Chancen zu erhöhen. Nur: ist das wirklich im Interesse der Kultureinrichtung, dass ich mich als externer Kulturmanager in die inhaltlichen Dinge einmische? Eigentlich doch nicht, oder?
  • Ich betrachte die Provision als eine Abgeltung des Risikos, das ich eingehe, wenn ich die Aufgabe übernehme. Schätze ich die Erfolgschancen niedrig ein, werde ich eine Provision fordern, die relativ hoch ist bzw. den Auftrag ganz ablehnen.

Über diese Konsequenzen müssen wir uns im Klaren sein. Vor allem auf der Werteebene! Denn was unterscheidet Kunst und Kultur dann noch von einem Zeitschriftenabo, das an der Haustüre verkauft wird?

Wie handhaben Sie das, sowohl als KulturmanagerIn als auch als Kunst- und Kultureinrichtung? Gibt es noch andere Modi, um miteinander ins „Geschäft“ zu kommen?

Post

Stipendien für KulturmanagerInnen aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa

Leave a reply

Vielleicht sind Sie KulturmanagerIn und kommen aus Mittel- oder Osteuropa? Möglicherweise haben Sie Interesse an einer Weiterbildung? Wenn Sie dieses Blog hier lesen, dann erfüllen Sie noch eine weitere wichtige Voraussetzung, um eines der insgesamt zwölf Stipendien zu bekommen, die die Robert Bosch Stiftung ab Oktober 2008 vergibt: Sie beherrschen die deutsche Sprache.

Vergeben werden die Stipendien für eine dreizehnmonatige Qualifizierung im Kulturmanagement in Deutschland.

„Die Stipendiaten präsentieren in innovativen Projekten die kulturelle Vielfalt der Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas und insbesondere die junge Kunst- und Kulturszene ihres Landes in Deutschland. Sie sind deutschlandweit in Gastinstitutionen (mit Ausnahme von Berlin) tätig, die Erfahrungen in der internationalen Zusammenarbeit im Bereich Kunst und Kultur haben und ihre Kontakte nach Mittel-, Ost- und Südosteuropa vertiefen wollen“,

heißt es in der aktuellen Ausschreibung. Angeboten werden Fortbildungen in den Bereichen

„Projektplanung, Mitteleinwerbung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Verhandlungsführung“.

Bewerben können Sie sich, wenn Sie

  • über Projekt- oder Berufserfahrungen im Kulturmanagement verfügen,
  • Ihren Lebensmittelpunkt in Mittel-, Ost- oder Südosteuropa haben,
  • Kontakte zur jungen Kunst- und Kulturszene des Heimatlandes besitzen,
  • gut Deutsch sprechen,
  • einen Hochschulabschluss in der Tasche haben und
  • überdurchschnittlich einsatzbereit und selbständig sind.

Wie sich die überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft und Selbständigkeit bewerten lässt, entzieht sich meiner Kenntnis, aber wahrscheinlich ist das so ähnlich wie die Teamfähigkeit, die in Stellenausschreibungen immer verlangt wird. Das aber nur am Rande, denn wer sich für das Stipendium bewirbt, zeigt eh schon Einsatzbereitschaft. Aber ich will nicht lästern…

Was können Sie nun erwarten? Das Stipendium umfasst die folgenden Leistungen:

  • ein monatliches Stipendium in der Höhe von 1.000 Euro,
  • die Reisekosten nach Deutschland und zu den Fortbildungen,
  • Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherung,
  • Weitere Zuschüsse während des Stipendiums und für einen beruflichen Wiedereinstieg im Heimatland,
  • ein Einführungsseminar im Oktober 2008 und regelmäßige Fortbildungen,
  • Vernetzung mit den anderen Programmen der Robert Bosch Stiftung und Akteuren der „Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik“.

Bewerben können Sie sich ausschließlich online, aber nur noch bis zum 31. März 2008. Dann endet nämlich die Bewerbungsfrist. Klingt doch gut, oder? Schade, dass Österreich da nicht dazu zählt. Obwohl viele ja behaupten, in Wien beginne bereits der Balkan. Aber gut… Viel Erfolg all denen, die sich bewerben!

Post

Lassen sich mit Hilfe von Blogeinträgen mehr CDs verkaufen?

4 comments

Wenn wir hier Tag für Tag oder auch nur Woche für Woche unsere Blogs und Websites füllen und uns in Social Networks tummeln, dann stellen wir uns wahrscheinlich irgendwann einmal die Frage, ob das überhaupt relevant ist, was wir da machen? Interessiert sich überhaupt wer für das, was da beispielsweise in Blogs veröffentlicht wird? Bewirken unsere Beiträge etwas?

Glaubt man einer von der New Yorker University veröffentlichten Studie, dann kann ich mich beruhigt zurücklehnen. Vorausgesetzt, ich schreibe über Musik, die als CD verkauft wird. Dann würden meine Beiträge nämlich dazu beitragen, die Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben.

Vasant Dhar und Elaine Chan, die die Studie verfasst haben, kommen nämlich zu ein paar ganz interessanten Ergebnissen. Dieses hier sticht natürlich hervor:

“ When legitimate blog posts exceeded a threshold of 40 before an albums release, sales were three times the average“,

heißt es in der Presseaussendung. Untersucht wurden ingesamt 108 „Alben“, die zwischen Januar und März 07 als CD verkauft wurden. Alben, über die innerhalb eines Zeitraums von acht Wochen (vier Wochen vor und vier Wochen nach dem Erscheinen) in Blogposts berichtet wurde, konnten dabei überdurchschnittlich hohe Verkaufszahlen erzielen. Gleichzeitig stellten Dhar und Chan fest, dass sich zwar mit Hilfe von Kontakten auf MySpace die Verkaufszahlen ebenfalls steigern lassen, allerdings in geringerem Ausmaß.

Eigentlich müsste das heißen, dass die Musikindustrie zukünftig nur noch dafür sorgen muss, dass in möglichst vielen Blogs über die veröffentlichten Alben berichtet wird und schon stellt sich der Erfolg ein. Nun, ganz so einfach ist es nicht. Zu Recht wird auf Coolfer die Frage gestellt:

„Do blog posts create sales or reflect the attention an artist is getting at that point in time?“

Beides stimme wohl, beantwortet Glenn Peoples seine Frage gleich selbst, denn:

„Blogs certainly spur sales, but most of them — especially the ones that pick up on the topics of the more popular blogs — are merely a reflection of the online buzz and of the potential of the album.“

Seine Schlussfolgerung lautet:

„Bloggers carry a lot of weight. Blog buzz is a reflection of the anticipation for an album’s release, and increases in blog chatter lead to higher sales. Mainstream album reviews are almost as strong a predictor but not quite, and MySpace friends are far less a predictor of future sales.“

Für mich heißt das: Wer nur auf Blogs setzt, wird aus seiner Produktion nicht automatisch einen Verkaufsschlager machen. Erst wenn ein Album eine gewisse Aufmerksamkeit erregt hat, lässt sich der Effekt durch Social Networks wie (in diesem Fall) MySpace und durch Blogposts verstärken.

Auffällig ist, dass diese Studie in den USA zwar in einigen Blogs besprochen worden ist, im deutschsprachigen Raum aber noch nicht entdeckt worden ist. Zumindest habe ich noch keine Reaktionen entdecken können. Aber ohne Blogs kann man mit den Ergebnissen auch nicht so arg viel anfangen. Zwei Alternativen bieten sich an: entweder mit dem Bloggen beginnen oder die Studie ignorieren. Wer sie trotzdem lesen will, findet sie hier zum Download.

Post

Darf ich Videos von Plattformen in meine Website einbinden?

3 comments

Erst vor ein paar Tagen habe ich das Video von Barack Obama in einen Blogeintrag eingebunden. Und damit das getan, was viele BesitzerInnen von Blogs oder Websites immer häufiger machen: Sie nutzen eine Funktion der verschiedenen Videoplattformen und binden die dort veröffentlichten Videos in die eigene Seite ein. Das ist für die Plattformbetreiber eine feine Sache, werden doch so ihre Videos verbreitet. Aber natürlich ist das auch für mich als Websitebesitzer fein, denn ein Video macht sich immer gut und bringt Abwechslung.

Die Frage ist aber: darf ich das überhaupt? Oder ist das verboten? Rechtsanwalt Carsten Ulbricht hat sich auf seinem Blog Web 2.0 & Recht mit dieser Thematik beschäftigt und einen sehr wichtigen Beitrag dazu geschrieben.

Mit dem Video von Barack Obama werde ich wohl keine Probleme bekommen, denn es wurde ja für das Internet produziert, um dort durch eine möglichst große Verbreitung für den Präsidentschaftskandidaten Werbung zu machen.

Anders schaut die Sache aber aus, wenn ich hier urheberrechtswidrig Musikvideos einbinde. Nur ist das nicht so ganz einfach abzuschätzen. Wer eine Website sein eigen nennt, der sollte Ulbrichts Beitrag gelesen haben. Sein Fazit:

„(…) im Zusammenhang mit der Einbettung von urheberrechtswidrigen Videos liegt das Risiko Anspruch genommen zu werden zunächst einmal bei der jeweiligen Videoplattform, da die Videos auf deren Servern gespeichert sind. Eine Unterlassung könnte aber auch gegenüber dem Homepagebetreiber geltend gemacht werden, welcher die Videos einbettet (auch wenn diese Unterlassung dann nicht die Quelle der Verletzung beseitigen würde). Wichtig ist – wie immer bei User Generated Content – , dass die Kenntnis von rechtlich problematischen Inhalten zum Handeln verpflichtet. Es empfiehlt sich also nicht wahllos Videos einzubetten.“

Mein Fazit: im Zweifelsfall verzichte ich lieber auf das Video.