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Was verstehen wir unter Kulturmanagement?

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Bis jetzt war das ja immer eine etwas mühsame Sache, wenn ich aus welchem Grund auch immer eine Definition von Kulturmanagement gesucht habe. Vor ein paar Tagen ist mir nun die 2005 an der Universität Lüneburg eingereichte Dissertation von Bettina Rothärmel in die Hände gefallen, die unter dem Titel Leistungserstellung im Kulturmanagement. Eine institutionenökonomische Analyse (Kulturmanagement und Kulturwissenschaft) im letzten Jahr veröffentlicht worden ist.

Die Autorin hat sich die Mühe gemacht, die Definitionen von einigen der „führenden Kulturmanager“, wie sie schreibt, zusammen zu tragen. Ein wesentlicher Aspekt scheinen Steuerungsaufgaben zu sein, denn dieser Begriff fällt des öfteren. So versteht Klaus Siebenhaar unter Kulturmanagement

„die Führung und Steuerung von arbeitsteiligen Institutionen und Unternehmungen des Kulturbetriebes“ (zitiert aus: Klaus Siebenhaar: Karriereziel Kulturmanagement; Nürnberg 2002, Seite 10).

Sehr ähnlich ist die Definition von Georg Schreyögg. Er schreibt:

„Kulturmanagement ist ein Komplex von Steuerungsaufgaben, die bei der Leistungserstellung und -sicherung in Kulturorganisationen erbracht werden müssen“ (zitiert aus: Georg Schreyögg: Normensysteme der Managementpraxis; in: „Zur Theorie des Kulturmanagements“, Hrg. Max Fuchs; Remscheid 1993, Seite 27)

Noch etwas ausführlicher sind Werner Heinrichs und Armin Klein. In ihrem Buch „Kulturmanagement von A-Z; München 1996 heißt es auf Seite 147:

„Als Kulturmanagement bezeichnet man alle Steuerungen zur Erstellung und Sicherung von Leistungen in arbeitsteiligen Kulturbetrieben, die sich in einer komplexen und veränderbaren Umwelt abspielen und die auf Austauschbeziehungen zwischen Anbietern und Nutzern ausgerichtet sind.“

Sehr viel weniger statisch ist in meinen Augen das Verständnis von Lutz Schmidt. Er schreibt in „Vom Verlust der Autonomie. Interessen zwischen Management und Kultur“; Berlin 1993 (Seite 32):

„Unter Kulturmanagement verstehe ich die Schaffung innovativer Milieus und kommunikativer Netzwerke zur Entfaltung kultureller Aktivitäten oder künstlerischer Aktionen in komplexen sozialen, medialen und wirtschaftlichen Zusammenhängen.“

Anders drückt es Werner Heinrichs aus:

„Kulturmanagement beschränkt [sich] auf

  1. die Erstellung von institutionellen, rechtlichen, ökonomischen und organisatorischen Rahmenbedingungen, um Kultur ermöglichen zu können,
  2. die Steuerung der Prozesse, die zu konkreten künstlerischen und kulturellen Leistungen (etwa in Form eines Kunstwerks oder eines kulturellen Projekts) führen sowie
  3. die Vermittlung künstlerischerund kultureller Leistungen an ein Publikum“ (zitiert aus: Werner Heinrichs: Kulturmanagement. Eine praxisorientierte Einführung; Darmstadt 1999, Seite 20).

    Fehlt noch die Definition von Peter Bendixen, von dem ich an anderer Stelle aber eine sehr viel umfassendere und in meinen Augen bessere gefunden habe. In der vom Raabe-Verlag seit 2007 neu herausgegebenen Loseblattsammlung „Kulturmanagement & Kulturpolitik“ schreibt Peter Bendixen in seinem Beitrag „Allgemeine Grundlagen des Kulturmanagements“ (Beitrag A 1.1, Seite 4):

    „Kulturmanagement ist (…) die Aufbereitung von (physischen, kognitiven und ästhetischen) Zugängen für das Publikum. Es ist eine Form der Gestaltung von sozialen Umfeldern, d.h. physischen Ambientes in Veranstaltungsstätten und ihrer lokalen Umgebung, aber auch von gesellschaftlichen Umfeldern in Form von Szenen, Netzen und Milieus sowie von in letzter Zeit immer relevanter werdenden virtuellen Ambientes in den elektronischen Öffentlichkeiten des Internets.“

    Und damit ist Bendixen, wenn ich mich nicht täusche , der erste, der explizit auf die wachsende Bedeutung des Internets für das Kulturmanagement Bezug nimmt. Seine Definition wird nicht die letzte sein, viele werden noch folgen. Und ich gehe davon aus, dass sich das Verständnis von Kulturmanagement vermehrt in Richtung Kulturunternehmertum entwickeln wird. Elmar D. Konrad hat das in der Beschreibung der „Aufgaben eines idealen Kulturmanagers“ (siehe dazu meinen Beitrag „Die ideale KulturmanagerIn„) bereits anklingen lassen.

    5 Comments Join the Conversation

    1. Das Sympathische an Bendixens Definition ist in meinen Augen, dass es sich nicht lediglich um eine Adaption der gängigen Management-Definitionen der BWL auf den Kulturbereich handelt (Heinrichs/Klein), sondern um eine einigermaßen eigenständige. (Ähnlich wie L.Schmidts.)

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    2. Sympathisch ist das passende Wort, danke. :-)

      Mit dem Begriff des „sozialen Umfelds“ gelingt es ihm, finde ich, sehr schön, das Feld Kulturmanagement zu erweitern. Mir fällt da eine Diplomarbeit ein, die Kulturmanagement und Business Campaigning verbindet. Die muss ich mal wieder rausziehen.

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    3. Ja, und wenn er von „Gestaltung“ dieses sozialen Umfelds spricht, dann betont das auch den ästhetischen Aspekt der Arbeit von Kulturmanagern selbst, nicht nur den derjenigen, die von Kulturmanagern „gesteuert“ werden. In anderen Branchen sind dann vielleicht doch eher reine „Macher“-Qualitäten gefragt.

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    4. Pingback: Was zeichnet Generalisten aus? « Das Kulturmanagement Blog

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