Monthly Archives of: Mai 2008

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EU-Kulturförderungen: mehr Planungssicherheit

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Bis jetzt setzte ja meist kurz vor dem Sommer das große Rätselraten ein: wann kommt sie und und was hat sich gegenüber dem letzten Mal verändert? Die Rede ist von der jährlichen Ausschreibung im Rahmen des EU-Kulturförderprogramms. Vom Termin der Veröffentlichung hing dann immer auch ab, bis wann die Anträge eingereicht werden müssen.

Mit dieser Ungewissheit ist jetzt Schluss, berichtet der Newsletter des österreichischen Cultural Contact Point, für den Sie sich übrigens hier anmelden können.

Im Juni wird die Exekutivagentur, die für die Abwicklung des Förderprogramms verantwortlich ist, einen Programmleitfaden veröffentlichen, der für die gesamte Laufzeit des aktuellen EU-Kulturförderprogramms, also bis 2013, Gültigkeit besitzt und in einer Art Kalender die jährlichen Einreichfristen für die verschiedenen Aktionslinien festlegt. Diese Einreichfristen sind schon jetzt bekannt und sehen so aus:

  • Kooperationsmaßnahmen (Aktionslinie 1.1): jeweils 1. Oktober
  • Mehrjährige Kooperationsprojekte (Aktionslinie 1.2.1): jeweils 1. Oktober
  • Literarische Übersetzungen (1.2.2): jeweils 1. Februar
  • Kulturelle Kooperationsprojekte mit Drittländern (1.3): jeweils 1. Mai
  • Betriebskostenzuschüsse (Botschafter, Netzwerk, Festival): jeweils 1. November

Das heißt, dieser Programmleitfaden gilt bis 2013 und wir haben die Garantie, dass sich an den Programminhalten und den Einreichfristen bis dahin nichts ändert. Das erhöht die Planungssicherheit erheblich und ist hilfreich für all diejenigen, die mittel- und langfristig planen.

Den Programmleitfaden werde ich natürlich ausführlich vorstellen, alle bisherigen Beiträge zum Thema EU-Förderungen finden Sie übrigens hier.

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Streiten bis zum bitteren Ende: Friedrich Glasl und seine Eskalationstreppe

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Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten kennen wir alle, wir sind immer wieder damit konfrontiert. Häufig enden sie mit einem für die „Streithähne“ positiven Ergebnis, man verträgt sich wieder. Manche Streitigkeiten werden aber auch bis zum bitteren Ende geführt, Gewinner gibt es dann keine mehr. Was also anfangs durchaus befruchtend sein kann, wenn unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen, kann in der Katastrophe enden.

Wie dieser Weg aussieht, darüber hat sich Friedrich Glasl Gedanken gemacht und ihn in Form einer Eskalationstreppe dargestellt. Mit ihrer Hilfe stellt Glasl dar, wie Konflikte eskalieren können (zum Vergrößern bitte Bild anklicken).


Das Wissen um die neun Stufen kann recht hilfreich sein, wenn man sich in Konfliktsituationen befindet. Die Frage, wie es weitergeht, wenn man nichts dagegen unternimmt, ist damit beantwortet.

Wichtig ist in meinen Augen, dass wir uns darüber klar werden, dass Konfikte per se nicht negativ zu bewerten sind. Gerade die ersten beiden Stufen Verhärtung (damit sind unterschiedliche Meinungen bzw. Standpunkte gemeint) und Debatte können mühelos auf konstruktive Weise aufgelöst werden und zu einer, wie es auf Wikipedia richtig heißt, Win-Win-Situation führen.

Ab da wird die Geschichte dann aber einseitig, denn einschließlich der Stufe 6, den Drohstrategien, geht der Ausgang des Konflikts zulasten einer der beiden Streitparteien. Eskaliert der Streit weiter, kommt es beginnend mit den „begrenzten Vernichtungsschlägen“ zu einer Lose-Lose-Situation.

Wie lassen sich solche Situationen vermeiden? Eine wichtige Hilfe ist, denke ich, das Wissen um den Ablauf von Konflikten. Das heißt, wir können uns ausmalen, wie ein Streit sich weiter entwickeln wird, wenn wir nichts dagegen unternehmen. Zweitens besteht die Möglichkeit, die Situation zu entschärfen, indem man dritte Personen dazu bittet. Spätestens ab der 5. oder 6. Stufe wird das eh nötig sein, weil die Gegner auf diesem Level alleine keine Lösung mehr finden werden. Hier ist dann ein Mediator gefragt, der die Aufgabe hat, den Streit zu schlichten.

Wie eine solche Situation eskalieren kann, wenn man auf professionelle Unterstützung verzichtet, zeigt das folgende Video recht anschaulich. Ich habe es vor langer Zeit mal auf dem Blog von Armin Karge gesehen, der damals auch die Eskalationstreppe (Link entfernt, da es das Blog nicht mehr gibt) vorgestellt hat. Ihm ist der Link abhanden gekommen, ich hatte Glück und habe das Video wieder gefunden. Anschauen lohnt sich wirklich, viel Spaß!

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Kulturförderung: an die Zukunft denken

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So etwas würde ich mir auch wünschen: „The Foundation for the Culture of the Future„. Ihr Anspruch:

„The purpose of the Foundation, which will exist for at least ten years, is to financially support long-term and innovative cultural projects, thus stimulating regional culture in a wide sense. One of the underlying aims of this is to encourage economic growth and development in the regions.“

Schade, dass die Stiftung ihren Sitz in Schweden hat.

Via Social & Cultural Entrepreneur

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Kulturfinanzierung: wer zahlt, schafft an

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Die Frage, wie Kunst und Kultur zu finanzieren sind, ob mit öffentlichen und/oder privaten Mitteln, taucht immer wieder auf. Antworten darauf fallen höchst unterschiedlich aus, je nachdem, wer die Antwort gibt und woher dieser Antwortgeber kommt. Oft werden in einem solchen Fall die höchst unterschiedlichen Fördersysteme Deutschlands und der USA gegenübergestellt.

Wie der Zufall es so will, wurden in den letzten Tagen zwei Artikel veröffentlicht, die sich jeweils mit einem der beiden Länder beschäftigen. Die Netzeitung hat sich für das Kultursponsoring in den USA interessiert und einen Beitrag über „Die eigenwillige Welt der Mäzene“ veröffentlicht. Zwei Zahlen gilt es dabei herauszustreichen. 2006 haben die AmerikanerInnen 295 Mrd. USD gespendet, davon gingen 12,5 Mrd. in den Kulturbereich. Dem stehen 145 Mio. USD aus dem Förderprogramm „National Endowment for the Arts“ gegenüber.

Klar ist, dass die Summen, die da in den Kunst- und Kulturbereich, und nicht nur dorthin, fließen, nicht ganz uneigennützig „gespendet“ werden. So erhielt die New York Public Library, wie die Netzeitung berichtet, von Stephen Schwarzman, Chef der Investmentfirma Blackstone, 100 Mio. USD für den Ausbau ihrer Räumlichkeiten. Schwarzman wünscht sich dafür als Gegenleistung, dass das Gebäude zukünftig seinen Namen trägt.

Und wie sieht es in Deutschland aus, wo das Verhältnis staatliche Unterstützung und private Mittel eher umgekehrt ist? Die Frankfurter Rundschau berichtet in ihrem Artikel „Neue Gewaltenteilung in der Kulturförderung“ von der Tendenz, die staatliche Kulturförderung vermehrt in Stiftungen auszulagern.

„Gefragt sind Kulturprojekte, die eine möglichst schnelle und publikumswirksame Umsetzung gestatten, Unikate, nicht jährlich wiederkehrende institutionelle Projekte.“

Erreicht wird das durch

„Initiativprojekte, große Namen und einen relativ kurzen Förderhorizont mit absehbaren Ergebnissen und Evaluierungen.“

Ohne die Qualität der Ergebnisse anzweifeln zu wollen, bleibe, so Autor Lars Henrik Gass, ein Unbehagen über eine Verschiebung in der Gewaltenteilung zwischen denen, die Kultur fördern, und denen, die Kultur machen, zurück:

„Es bleibt ein Unbehagen über eine Konzentration und Alleinstellung von Fördermitteln -, nicht selten in der Hand einer Person, die teilweise ohne Gremien über große Fördersummen entscheiden kann, von denen eine große Anzahl von potentiellen Förderempfängern direkt oder indirekt abhängig ist.“

Diese Person wird, so Gass, zum „Förderintendanten“, für den aber natürlich ganz andere Erfolgskriterien gelten als für die für die Mittelvergabe verantwortlichen KulturpolitikerInnen. Und so nähern wir uns dem amerikanischen System an, wenn Gass daraus schlussfolgert:

„Der Förderintendant wird wieder zum Mäzen, der um seine öffentliche Darstellung und seinen Einfluss bemüht sein muss. Kein Foto, keine Jury ohne den Förderintendanten.“

So geht also auch in diesem System der Anspruch verloren, Kunst und Kultur in ihrer gesamten Pluralität und Heterogenität zu fördern. Ob das Geld nun hauptsächlich von privaten Mäzenen oder von staatlichen Stellen kommt, es gilt immer: wer zahlt, schafft an.

Via BFS Fundraising und Facts

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Publikum, das unbekannte Wesen

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Gestern hatte ich das Vergnügen, an einem Publikumsgespräch mit Klaus Bachler, dem Direktor des Burgtheaters teilnehmen zu dürfen. Eine Antwort hat meine besondere Aufmerksamkeit erregt und mich dazu gebracht, diesen Beitrag zu schreiben.

Eine Dame fragte, inwieweit das Publikum Einfluss auf die Programmgestaltung nehmen würde. Eigentlich gar nicht, lautete Bachlers Antwort. Sein Standpunkt sei, dass das Publikum zu sehen bekomme, was es sehen solle und nicht, was es sehen wolle.

Für mich klang diese Antwort sehr pädagogisch, nach erhobenem Zeigefinger. Ich als Theater sage Dir, liebes (oder sollte ich besser sagen, Du dummes) Publikum, was gut für Dich ist. Sei froh, dass ich mich nicht nach Deinem Geschmack richte, denn der entspricht nicht meinem Niveau.

Ich sehe das etwas anders und würde mir wünschen, dass die Unterscheidung zwischen dem, was ich als ZuschauerIn sehen will und sehen soll, aufgehoben wird. Diese Haltung führt dazu, dass – in diesem Fall – Theater und Publikum nicht auf Augenhöhe kommunizieren. Muss das so sein? Ich denke nicht.

Ich würde mir wünschen, dass das, was ich im Theater sehen soll, auch das ist, was ich sehen will. Das Theater hätte sich in diesem Fall mit mir auseinanderzusetzen, müsste mich fordern. Ich betrachte das Theater als einen Ort, an dem ich Anregungen, Denkanstöße erhalte. Funktionieren wird das aber nur, wenn ich dem Theater vertraue, wenn es mir seine Kompetenz beweist.

Der Direktor, der dann den Spielplan entwirft, ist eine Art Kurator, der mich dazu einlädt, das Theater auf seinem Weg zu begleiten und mich auffordert, an den Diskussionen teilzunehmen. Um das zu schaffen, muss sich das Theater mit mir beschäftigen, übrigens nicht nur als Besucher, sondern auch als Teil der Gesellschaft, um die es im Theater ja auch geht. Gelingt dies, ist das, was Klaus Bachler als „sollen“ bezeichnet hat ident mit meinem „wollen“.

Leider wird diese Unterscheidung sehr häufig thematisiert, meist dann, wenn es darum geht, die künstlerische Freiheit zu verteidigen. Nur warum die Konfrontation? Wäre ein Miteinander nicht viel wirkungsvoller, wobei ich darunter nicht Anbiederung oder Kumpanei verstehe, sondern die Kommunikation und die Auseinandersetzung auf Augenhöhe. Denn es ist einfach nicht wahr, dass ich mir in meinem tiefsten Inneren „seichte Unterhaltung“ wünsche und das Theater mich mit „anspruchsvollen Stücken“ vor mir selbst schützt.

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Social Media im Kunst- und Kulturbereich: wenn die anderen nicht mitspielen wollen

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Wenn Sie gelegentlich mein Blog lesen, werden Sie hier des öfteren Beiträge finden, bei denen es um Weblogs, Wikis, Social Networks und ähnliche Dinge geht. Wahrscheinlich verrate ich kein Geheimnis, wenn ich von mir behaupte, dass ich das Social Web und all die Tools, die in diesem Zusammenhang entwickelt wurden, als sehr nützlich für die Arbeit – nicht nur im Kunst- und Kulturbereich – ansehe. Allerdings besteht die Gefahr, dass man (ich eingeschlossen) sich in etwas hineinsteigert und gar nicht mitbekommt, dass alle anderen einem gar nicht mehr folgen (wollen). Um dieser Gefahr zu entgehen, versuche ich, bevor ich über eine neue Software oder ein neues Tool berichte, mir die Frage zu stellen, ob sich diese Instrumente dann auch wirklich einsetzen lassen? Natürlich heißt das nicht, dass ich damit warte, bis etwas im Mainstream angelangt ist, nein. Aber irgendwo muss der mögliche Nutzen zumindest erahnbar sein.

Wenn ich hier also über das Social Web schreibe und Tools vorstelle, mit deren Hilfe Sie mit Ihren KollegInnen oder Ihrem Publikum kommunizieren und interagieren können, dann setzt das ja voraus, dass die das auch wirklich wollen. Was helfen Ihnen Social Bookmarks, wenn sie außer Ihnen keiner nutzt? Auf die „Weisheit der Massen“ brauchen Sie in so einem Fall dann nicht vertrauen. ;-)

Wie ist das also mit uns und dem Social Web? Wer nutzt diese Tools in welcher Weise und wer nutzt sie gar nicht? Dank Nina Simon bin ich auf ein ganz interessantes Tool aufmerksam geworden, das Forrester Research entwickelt hat. Mit dem von dieser Firma entwickelten Profiling Tool lässt sich herausfinden, auf welch unterschiedliche Art und Weise wir das Social Web nutzen. Forrester unterscheidet dabei zwischen sechs verschiedenen Gruppen, die Nina Simon in ihrem Blogbeitrag „Creative Profiling: Tools for Defining and Understanding Your Audience“ so zusammenfasst:

  • creators (people who produce content, upload videos, write for blogs)
  • critics (people who submit reviews, rate content, and comment on social media sites)
  • collectors (people who tag sites, use del.icio.us, create RSS feeds and aggregates)
  • joiners (people who join social networking sites like Facebook and LinkedIn but don’t create a lot of content)
  • spectators (people who read blogs, watch Youtube videos, and visit social sites)
  • inactives (people who don’t visit social sites)“

Das auf der Basis von Befragungen erstellte Profiling Tool ist nun sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, aber es gewährt schon einige interessante Einblicke, welche Auswirkungen Alter, Geschlecht und Herkunft haben. Zwar sind kleine Länder wie die Schweiz oder Österreich nicht extra angeführt, aber behelfen wir uns mit den Informationen, die über Deutschland zur Verfügung stehen.

Dort stellen die „inactives“, das sind diejenigen, die keine social sites besuchen, die größte Gruppe. Nur in den Altersgruppen bis 34 überwiegen die „spectators“. Diese Gruppe zeichnet sich dadurch aus, dass sie solche Seiten immerhin aufsucht, sich aber nicht aktiv an der Kommunikation beteiligt.

Wie man es auch dreht und wendet: diese beiden Gruppen bilden zusammen in jeder Konstellation die Mehrheit. Natürlich kann jemand, der sich auf YouTube ein Video anschaut, irgendwann auch auf einem Blog einen Kommentar abgeben und ist also nicht nur „spectator“, sondern gehört gleichzeitig auch zur Gruppe der „critics“. Daher sind in dieser Einteilung Mehrfachnennungen möglich. Nur bei den „inactives“ logischerweise nicht.

Wenn Sie wissen, welche Besucherstruktur Ihre Kunst- oder Kultureinrichtung aufweist, haben Sie eine Ahnung, wie Web2.0-affin Ihr Publikum ist. Wenn Sie das Forrester-Tool nutzen, werden Sie wahrscheinlich erkennen, dass es mit der Partizipation noch nicht so weit her ist.

Nina Simon rät nun, nicht den Versuch zu unternehmen, das Publikum auf ein „höheres Level“ zu bringen, also aus den „spectators“ „joiners“ zu machen:

„It would be strange to imagine talking the same way about learning styles–trying to push people out of their own modalities into preferred „higher-level“ engagement types.“

Nein, Ihr Ratschlag lautet ganz anders:

„Instead of trying to push visitors to new heights, we should focus on providing content that accommodates the full range of user styles.“

Das heißt, es geht nicht darum, eine – in ihrem Fall – Ausstellung so toll zu gestalten, dass alle BesucherInnen zu „creators“ werden, sondern es geht um die Frage:

„how do we make an exhibit so good that creators, joiners, collectors, spectators, and critics are included?“

Jede dieser Gruppen müssen wir eigentlich auf eine ganz spezielle Art und Weise ansprechen. Simon stellt fest, dass Museen derzeit vor allem die „creators“ ansprechen, während es für die anderen Gruppen kaum eine adäquate „Ansprache“ gibt.

„We rarely engage the critics, collectors, and joiners. Where do visitors get to vote on their favorite content? Which exhibits allow them to aggregate selections from a group? Which allow them to connect with other visitors socially?

Darauf sollten wir unser Augenmerk richten, so Simon. Das heißt nun nicht, dass wir uns vom partizipativen Ansatz verabschieden müssen. Aber wie so oft kann man auch hier konstatieren: weniger ist manchmal mehr.

Lassen wir den Menschen die Zeit, um sich mit dem Internet und den vielen Tools vertraut zu machen. Manche werden vielleicht irgendwann die Chance nutzen, sich aktiv einzubringen, andere nicht. Macht ja nichts. Vielleicht versuchen wir sie nicht davon zu überzeugen, dass das Social Web etwas ganz Tolles sein kann, sondern schaffen eine Umgebung, in der sie die Möglichkeit haben, das selbst zu erkennen. Im Sinne der Nachhaltigkeit wäre das wahrscheinlich eh der sinnvollere Weg.

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Mit der richtigen Haltung Ziele angehen

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Nachdem ich gestern den Blogeintrag von Roland Kopp-Wichmann zum Thema Zeitmanagement gelesen habe, ist mir noch ein anderer Gedanke gekommen. Wie oft glauben wir, dem Spiel fremder Mächte ausgeliefert zu sein und wie oft muss dieses „Ausgeliefertsein“ dann auch als Entschuldigung dafür herhalten, dass etwas nicht geklappt hat? Kopp-Wichmann unterscheidet in seinem Beitrag zwischen

  1. „der Opferhaltung (Ich habe keine Wahl). (Sie) lähmt die eigene Kreativität und den Handlungswillen. Dafür fallen einem tausend Gründe und Probleme ein, warum etwas nicht geht. Das Positive: man ist nicht allein, denn es gibt Millionen von gleichgesinnten “Opfern”, zu denen mal schnell Kontakt findet.
  2. (der) Haltung der Selbstverantwortung (Ich habe immer eine Wahl). (Sie) setzt viel Kreativität und Handlungsenergie frei. Es gibt auch Gleichgesinnte – aber die werden meist eher beneidet oder komisch angeguckt.“

Ich bin davon überzeugt, dass wir öfter eine Wahl haben als wir glauben. Welche Haltung wir letzten Endes einnehmen, ist unsere eigene Entscheidung. Wir müssen selbst wissen, was wir tun. Aber wahrscheinlich ist schon viel gewonnen, wenn wir uns vor einer Entscheidung vor Augen halten, mit welcher Haltung wir sie treffen.

Diese Haltungsfrage ist auch für die Planung von Projekten wichtig. Und zwar schon bei der Formulierung der Ziele. Ein Ziel ist für mich ein gedanklich vorweggenommener, zukünftiger Zustand, den ich bewusst auswähle und durch aktives Handeln erreichen kann.

In vielen Projekten fällt mir auf, dass sich das Ziel eben nicht durch aktives Handeln erreichen lässt. Das heißt, die Haltung der Selbstverantwortung, um die Worte Kopp-Wichmanns zu verwenden, weicht einer Opferhaltung. Es liegt nicht mehr in meinen Händen, ob ich mein Ziel erreichen kann.

Ein Beispiel: Ich plane mein erstes Ausstellungsprojekt und benötige dafür öffentliche Gelder. Daher reiche ich bei der lokalen Kulturabteilung einen Förderantrag ein. Die Entscheidung, ob meine Ausstellung stattfinden kann, hängt zu 100% von der Entscheidung der Förderstelle ab. Bekomme ich die Förderung, ist alles gut. Bekomme ich das Geld nicht, trägt die Kulturabteilung die Schuld. Diese Haltung wirkt unter Umständen beruhigend auf meinen Gemütszustand, denn ich muss mir keine Gedanken darüber machen, ob ich was falsch gemacht habe.

Was aber dagegen tun? Im Idealfall versuche ich, mein Vorhaben so aufzusetzen, dass ich die Fäden immer in der Hand halte und nie von anderen abhängig werde. Zugegeben, das ist gerade bei einem solchen Projekt etwas schwierig. Aber ich kann versuchen, durch aktives Handeln die Situation so zu beeinflussen, dass ich bei der Erreichung meines Zieles den Entscheidungen anderer nicht völlig hilflos ausgesetzt bin.

Nur bei einem Fördergeber um Geld anzusuchen und den nicht zu kennen, bringt ein hohes Maß an Ausgeliefertsein mit sich. Nun kann ich aber versuchen, diese Situation zu verbessern, in dem ich Handlungen setze, die bessere Voraussetzungen schaffen, um mein Ziel erreichen zu können. Eine Möglichkeit wäre, nicht nur bei einer Stelle um Geld anzusuchen, sondern bei zwei oder drei. Außerdem wäre es vielleicht hilfreich, wenn ich dort den persönlichen Kontakt suche. Unter Umständen gibt es Fürsprecher oder ich habe früher schon andere Projekte realisiert, über die ich berichten kann. Und, und, und…

Versuchen Sie doch bei der Planung Ihres nächsten Vorhabens Ideen zu entwickeln, wie Sie es vermeiden können, das Heft aus der Hand zu geben. Sie werden sehen, diese Herangehensweise setzt, wie Kopp-Wichmann schreibt, jede Menge „Kreativität und Handlungsenergie“ frei.

Haltung und Handlung hängen also stark voneinander ab und haben so Auswirkungen auf Ihre Projektvorhaben. Ob die Auswirkungen positiv oder negativ sind, hängt von Ihnen ab.

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„Warum man Zeit nicht managen kann“

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Der Vorteil eines Weblogs liegt unter anderem darin, dass die Beiträge darin zeitlich unbegrenzt online stehen, dadurch jederzeit gefunden und natürlich auch jederzeit gelesen werden können. Das kommt mit steigender Zahl der Beiträge – aus nachvollziehbaren Gründen – immer häufiger vor.

Besonders freut es mich, wenn dann unter älteren Beiträgen noch Kommentare aufscheinen. Der Nachteil: ich bekomme das zwar mit, aber die LeserInnen nicht, denn wer durchforstet dieses Blog schon nach neuen Kommentaren? Daher möchte ich einen Kommentar gerne hier noch einmal aufgreifen, damit er nicht „verloren“ geht.

Vor einiger Zeit hatte ich in einem Beitrag auf ein eBook zum Thema Zeitmanagement aufmerksam gemacht. Nun hat Roland Kopp-Wichmann sich dort mit einem Kommentar zu Wort gemeldet und auf ein Blogpost verwiesen, in dem er auf die Frage eingeht, „warum man Zeit nicht managen kann„, wie er im Kommentar schreibt.

Zu den diversen Techniken in Sachen Zeitmanagement konstatiert er:

„wer keine Zeitprobleme hat, wendet sie einfach an. Wer Zeitprobleme hat, wendet sie aber nicht an, weil Zeit ein Thema der Persönlichkeit berührt.“

Was es damit auf sich hat, beschreibt er in dem schon erwähnten Blogeintrag. Auf der sprachwissenschaftlichen und -philosophischen Ebene bietet sein Artikel zwar jede Menge Stoff für Diskussionen. Aber mir geht es um einen anderen Punkt. Es gibt jede Menge Techniken, die sich auch durchaus sinnvoll einsetzen lassen. Ich habe auf alle Fälle schon von mancher Anregung profitieren können. Primär geht es aber, so Kopp-Wichmann um uns selbst. Sind wir mit uns klar, werden wir das auch mit dem Faktor Zeit hinbekommen.

Zwei Aspekte möchte ich in seinem Beitrag hervorheben:

  1. „Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe.“
  2. „Wer Zeit haben will, muss nein sagen.“

Das „Neinsagen“ wichtig ist, kann man sich nicht oft genug vorsagen. Zumindest mir geht es so. ;-) Noch mehr bringt mir aber die erste Feststellung. Sie erinnert mich an eine länger zurückliegende Situation, in der es um die Frage ging, ob ich bei einem Projekt mitmache oder nicht. Ich habe damals ewig lange nach Gründen gesucht, die mir die Entscheidung erleichtern. Erst als ich mich gegen das Mitmachen entschieden habe, merkte ich, wie groß die Belastung in dieser Zeit war. Kopp-Wichmann schreibt richtigerweise:

„Gestehen Sie sich zu, dass Sie einfach nicht wollten. Punkt. Sie wollten es nicht. Denn es hat nichts mit den Schwierigkeiten oder fehlender Lust oder Zeit zu tun. Das sind – menschlich verständlich – Ihre Ausreden. Sie wollten es nicht.“

Vielleicht sollten wir uns in solchen Situationen öfter auf unsere Intuition verlassen? Der erste Eindruck ist oftmals gar nicht so falsch. Jetzt freue ich mich schon richtig auf die nächste Situation, wo ich das „ausprobieren“ kann.

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CultureLoad: Beispiel für eine von der EU geförderte Plattform

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Viele Projekte aus dem Kunst- und Kulturbereich werden von der EU im Rahmen des EU-Kulturförderprogramms unterstützt. Auf der Seite der Exekutivagentur kann man nachlesen, welche das sind.

Sehr viel schwieriger ist es, Projekte zu finden, die im Kunst- und Kulturbereich angesiedelt sind und Geld aus anderen EU-Fördertöpfen erhalten. Via MoMB bin ich auf die Plattform CultureLoad gestoßen.

„CultureLoad is your online marketplace for all kinds of digital works: MP3 music songs, audiobooks, movies, photos, texts, that are generated and provided by talents between us for everyone. CultureLoad is your culture community too. You can communicate with CultureLoad artists and members“,

heißt es auf der Website. Interessanterweise wird diese Plattform vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sowie vom Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Vom Ansatz her dürfte CultureLoad profitorientiert sein, deshalb gibt es die Förderung auch vom Wirtschafts- und Technologieministerium und nicht von einer Kulturbehörde. Im Blog erfährt man, dass die Plattform im Rahmen des „Exist-Gründerstipendiums“ gefördert wird. Dieses Gründerstipendium wird, wenn ich das richtig verstanden habe, aus Bundesmitteln und eben aus ESF-Geldern finanziert (mehr Infos zum ESF gibt es hier).

Den beiden Gründern Sao-Weng Cheng und Dominik Heyer bleibt ein relativ kleiner Teil der Umsätze, nämlich zwei Prozent. Der Rest teilt sich so auf: 75% erhalten die KünstlerInnen, 2% betragen die Transaktionskosten und 19% sind für den Fiskus. Sind die Umsätze hoch, können zwei Prozent eine ganz stolze Summe ergeben. Um die zu erzielen, müssen die beiden ihre Plattform aber ordentlich promoten, sonst wird das nichts. Bis jetzt gibt es ein Weblog, aber die Verlinkung nach draußen und die Resonanz hält sich noch in Grenzen. Aber das kann ja noch werden. Das Stipendium läuft laut Infos auf der Website ein Jahr. Da bleibt mir nur, den beiden viel Erfolg zu wünschen.

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Bibel2.0

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Inhaltlich passt das jetzt nicht so ganz hier rein, aber der partizipative Ansatz im Umgang mit der Bibel ist schon bemerkenswert. YouVersion ist ein Angebot, von dem die Macher sagen:

„We aren’t just building a tool to impact the world using innovative technology, more importantly, we are engaging people into relationships with God as they discover the relevance the Bible has for their lives.“

Die Plattform verfügt über alle Tools, die ein Social Network haben sollte, auch ein Blog ist dabei. Nur einen Twitter-Kanal gibt es noch nicht. ;-)

Via MoMB