Monthly Archives of: Juni 2008

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Werden Kunst und Kultur politisch missbraucht?

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Hermann Härtel bezeichnet sich als Volkskulturförderer. Er war im Fachbeirat der Volkskulturabteilung des Landes Steiermark und in dieser Funktion an der Neubearbeitung der Förderrichtlinien beteiligt, wie er in einem Beitrag auf blog-volkskultur.ch schreibt.

Die Frage, wie Volkskultur zu fördern ist, beschäftigt ihn schon lange, aber anscheinend decken sich seine Vorstellungen nicht mit denen der politisch Verantwortlichen, denn er schreibt:

„Das Thema ist für mich brandheiß, weil ich vor kurzem wegen konträren Ansichten zu diesem Thema von unserem politischen Büro fallen gelassen wurde.“

Die Konsequenz: Härtel hat seine Funktionen in Sachen Volkskultur zurückgelegt, unter anderem auch seinen Posten als Fachbeirat.

Der Grund:

„War zu Anfang der 70er Jahre die “Vereinnahmung der Volkskultur” ein gerne an die Wand gemalte Warnung, um den Zugriff zum Thema durch Rechtsparteien zu unterbinden und den Fördertopf möglichst wenig mit solchen Dingen – die ja ehrenamtlich bestens funktionieren – zu belasten, ist die Marke Volkskultur nunmehr auch von den Parteistrategen anderer Parteien entdeckt worden. Das war zu befürchten und ist nunmehr Wirklichkeit geworden. Leider wird aber so die Volkskultur von der Politik zerstört.“

Nun kann ich nicht beurteilen, welches Ausmaß die Vereinnahmung durch die Politik angenommen hat. Vielleicht stimmt das ja auch gar nicht und wir haben es hier mit einer Einzelmeinung zu tun? Mag alles sein, aber wäre die Frage, ob und wenn ja, auf welche Weise die Politik Einfluss auf Kunst und Kultur nimmt, nicht eine, die es sich zu diskutieren lohnen würde? Wäre es nicht sinnvoll, so eine Frage dort zu diskutieren, wo es um das Thema Volkskultur geht? Schließlich gibt es hier konkrete Vorwürfe.

Da bietet sich doch das Blog Volkskultur an, ein Blog, das von Pro Helvetia initiiert und finanziert worden ist und seit Mai vom Journalisten und Folkloreexperten Martin Sebastian geführt wird.

„Blog-Volkskultur.ch ist eine unabhängige Diskussionsplattform für alle Interessierten an der vielseitigen Schweizer Volkskultur.“

Wunderbar, dort hat mein Feedreader den Beitrag ja auch entdeckt. Nur leider ist er dort sehr schnell wieder offline gestellt worden. Genauer gesagt nach wenigen Minuten, aber dank Google verschwinden solche Sachen nicht sofort, wie man hier sehen kann.

Wenn es sich bei diesem Blog wirklich um eine unabhängige Diskussionsplattform handelt, dann hätte ich gerne gewusst, warum ein Beitrag mit dem Titel „Politik zerstört die Volkskultur“ bereits nach wenigen Minuten wieder gelöscht wird? Es wäre sicher kein Schaden, hier eine Erklärung für zu liefern. Vielleicht wollte es der Autor ja selbst, alles kein Problem

Nur ist das Thema meiner Meinung nach zu wichtig, um Beiträge einfach so nach wenigen Minuten wieder zu löschen und zur Tagesordnung über zu gehen.

update: da war in der Überschrift einfach ein „und“ zu viel.

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Social Networking im Kunst- und Kulturbereich: worauf warten wir eigentlich?

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Ich habe an dieser Stelle ja schon des öfteren festgestellt, dass der Kunst- und Kulturbereich den ganzen Web2.0-Kram noch nicht wirklich nutzt. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt Karin Janner in ihrem Beitrag „Social Network als Freundeskreis eines Kulturangebotes?“ auch. Ob Förderverein oder Freundeskreis, sie alle hätten das Web2.0 noch nicht entdeckt, schreibt sie.

Und Jennifer Hoffmann bringt auf ihrem Blog gleich ein sehr schönes Beispiel, wie man so ein Social Network für ein Volunteer Programm nutzen könnte. Aber auch sie stellt fest, dass Communities im Kultursektor noch eine rare Spezies sind. Wenn man sich die diversen Foren und Gruppen anschaut, wenn man nachforscht, wer aus dem Bereich Kulturmanagement das Internet oder vielleicht sogar das Web2.0 für seine Zwecke nutzt, dann wird man feststellen können, dass KulturmanagerInnen in dieser Hinsicht eher zurückhaltend sind.

Was bedeutet das nun? Sind KulturmanagerInnen besonders technologiefeindlich oder konservativ? Gibt es Gründe, warum sie sich dem „Fortschritt“ verweigern oder sind sie einfach nur starrköpfig und lassen sich nicht sagen, was gut für sie ist? Ich glaube, keiner dieser Punkte trifft zu. Vielleicht kann man das ganze sogar umdrehen und behaupten, dass es diejenigen, die sich im Bereich der Social Media bewegen, noch nicht geschafft haben, die richtigen Angebote für den Kunst- und Kulturbereich zu entwickeln. Das ist jetzt natürlich etwas übertrieben, denn es ist ja nicht so, dass wir alle einen großen Bogen um das WWW machen.

Gehen wir noch mal einen Schritt zurück. Das Web2.0 ist ja deshalb so toll, heißt es, weil hier die UserInnen die Möglichkeit haben, sich aktiv einzubringen. Im Hinblick auf neue Produkte und Dienstleistungen bedeutet das, dass Unternehmen die Möglichkeit haben, diese im direkten Dialog mit ihren (potenziellen) KundInnen zu entwickeln. Vereinfacht gesagt: du sagst mir, was Du brauchst und ich biete Dir das dann an. Und wenn Du bei der Entwicklung bzw. der Produktion noch mitmachst, dann sprechen wir schon von Crowdsourcing.

Jetzt spiele ich also auf der Klaviatur des Web2.0, mache mich mit Blogs, Wikis, Social Networks und Twitter vertraut und stelle fest, dass sich da ganz nette Sachen mit machen lassen. Super, nur die bösen Anderen wollen nicht erkennen, wie toll das Web2.0 ist. Stimmt, aber ist es nicht meine Aufgabe, den Kunst- und Kulturbereich davon zu überzeugen, welchen Nutzen RSS, ein Blog oder die Teilnahme an einer Community bringen?

Bleiben wir bei den Communities: ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es in den letzten Jahren üblich war, zu jedem Projekt die dazugehörige Internetplattform anzubieten. Ich kann mich erinnern, in einem – zugegeben europäischen – Projekt sogar zwei gehabt zu haben. Wozu ist eine solche Plattform da? Klar, für das Networking oder Communitybuilding. Damit wissen wir, wozu die Plattform oder das Forum da ist. Was wir aber noch nicht beantwortet haben ist die Frage, warum es das Netzwerk oder die Community gibt?

Nun kann ich natürlich als Gründer einer solchen Community hergehen und sagen: ok, in meinem Netzwerk soll es um das Networking und den Austausch von Informationen gehen. Das sagen eigentlich alle, nur was sagen die potenziellen NutzerInnen dieser Community? Was haben die davon? Brauchen die diese neue Plattform, um sich zu vernetzen und gegenseitig mit Informationen zu versorgen?

Wenn es dort nicht etwas gibt, was es woanders nicht gibt, dann ist eine solche Plattform überflüssig. Networking ist etwas, was es schon seit ewigen Zeiten gibt. Genau aus diesem Grund sind ja eigentlich die von Karin angesprochenen Freundeskreise und Fördervereine entstanden. Und die haben bis jetzt Mittel und Wege gefunden, um sich „zu vernetzen“ und auszutauschen. Nur haben sie dafür das Internet nicht gebraucht. Wenn ich die Mitglieder eines solchen Vereins davon überzeugen will, dass das Web2.0 gut für sie ist, dann muss ich mir jedes einzelne Mitglied schnappen und ihm zeigen, welche Tätigkeit ihm durch den Einsatz eines bestimmten Tools leichter von der Hand geht. Zum Beispiel Termine koordinieren mit Doodle. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der nicht begeistert von diesem kleinen Werkzeug war. Das ist schon Online-Zusammenarbeit.

Und auch die Netzwerke gibt es schon. Ich habe über dieses Blog viele KulturmanagerInnen kennen gelernt und wenn ich eine Frage habe, dann weiß ich, wen ich fragen kann. Um sie zu fragen, kann ich das Internet weiter nutzen, ich kann eine Email schicken, mit ihnen chatten oder sie mit Hilfe von Skype anrufen. Ich kann aber auch, und das ist sehr häufig der Fall, das Internet verlassen und mich mit diesen Menschen, von denen ich etwas wissen möchte, treffen. Im Cafehaus, auf der monatlichen Sitzung, wo auch immer.

Denn wir dürfen nicht vergessen, dass das Networking sich nicht auf das Internet beschränkt. Plattformen und Foren sind nur eine Möglichkeit, sich zu vernetzen. Und niemand ist verpflichtet, dafür nur das Internet zu nutzen. Dass die Bereitschaft, das Internet zu nutzen, sehr groß ist, zeigt mir das Forum von Kulturmanagement Network. Dort sind mittlerweile mehr als 22.000 UserInnen registriert. 22.000 UserInnen, die sich für Kulturmanagement interessieren und bereit waren, sich dort anzumelden. Man muss sich mal vorstellen, was das für ein Potenzial ist.

Von daher gibt es eigentlich keinen Grund, sich darüber zu beklagen, dass Communities im Kunst- und Kulturbereich nicht funktionieren. Ich denke, Offenheit und Interesse sind da, nun geht es darum, die entsprechenden Angebote zu entwickeln. Es liegt also an den Anbietern, nicht an den UserInnen, wenn in diesem Bereich (noch) tote Hose herrscht.

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357 Seiten zur Creative Economy

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Das klingt interessant, UNCTAD (United Nations Conference on Trade and Development) und UNDP (United Nations Development Programme haben den Creative Economy Report 2008 herausgebracht. Ich habe bis jetzt nur im Inhaltsverzeichnis geblättert, aber das enthält einige Punkte, die interessant zu sein scheinen. Bis ich die 357 Seiten gelesen habe, wird es wohl noch etwas dauern, daher sei es mir gestattet, einfach auf die Veröffentlichung hinzuweisen. Der Report steht als 2,6MB großes PDF zur Verfügung und wartet nur darauf, von Ihnen gelesen zu werden.

Download: Creative Economy Report 2008

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Sie müssen mein Weblog gar nicht besuchen

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Letzte Woche bekam ich zu hören, dass es ganz schön aufwendig sei, mein Weblog zu lesen. Bei so vielen Beiträgen müsse man ja ständig auf meine Seite gehen und schauen, ob ich wieder einen neuen Beitrag geschrieben habe.

Ich muss gestehen, es ehrt mich ja schon, wenn sich jemand so viel Mühe macht, um hier die Blogposts zu lesen und ich möchte mich an dieser Stelle auch mal wieder bei allen bedanken, die das tun. Aber es liegt mir natürlich fern, meinen LeserInnen die Zeit zu stehlen, indem sie bei der Suche nach einem neuen Beitrag des öfteren auf diese Seite hier klicken. Und dann vielleicht auch noch enttäuscht sind, weil ich nichts geschrieben habe.

Daher möchte ich ganz gerne einen Hinweis wiederholen, den ich hier vor längerer Zeit schon mal deponiert habe: Sie müssen mein Weblog gar nicht unbedingt besuchen, ich komme auch gerne damit zu Ihnen. :-)

Zum Beispiel per Email, wenn Sie das wollen. Jede Nacht gegen 3:00 Uhr erhalten Sie dann eine Mail, in der die Beiträge der letzten 24 Stunden zu lesen sind. Sie können sie also wie jede normale Email in Ihrer Mailbox lesen und sehen am Textende, ob es schon Kommentare dazu gibt. Falls welche vorhanden sind und Sie sie lesen wollen, müssen Sie dann die Seite anklicken. Aber erst dann und keine Sekunde früher. Und wenn Sie das Abo auflösen wollen, finden Sie am Ende jeder Mail den Link, um aus der Mailingliste zu verschwinden. In die Liste eintragen können Sie sich hier.

Variante 2 ist der RSS-Reader. Ob Sie Sage, eine kleine Erweiterung für den Firefox-Browser, den Feedreader oder zum Beispiel Netvibes nutzen wollen, bleibt natürlich Ihnen überlassen. Alle diese Angebote erleichtern Ihnen das Lesen von Websites, die über ein RSS-Format verfügen. Und das tut zumindest jedes Weblog, aber mittlerweile auch fast jede Online-Zeitung.

Sie sammeln die Feeds in Ihrem Feedreader und auf Knopfdruck werden alle von Ihnen abonnierten Feeds aktualisiert und Sie sehen sofort, auf welchen Seiten es neue Inhalte gibt. Vorbei sind also die Zeiten, wo Sie sich mühsam durch alle Seiten durchklicken müssen. Viele Feedreader finden die entsprechende URL mittlerweile selbst, ansonsten finden Sie hier Unterstützung.

Nun kann ich Ihnen ein ganz entspanntes Lesen der Blogbeiträge wünschen und wenn Sie Lust haben, kommentieren oder diskutieren Sie einfach mit. Darüber freue ich mich nämlich genauso wie über das Lesen. ;-)

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Rotes Kreuz: ein schönes Beispiel für den Einsatz von Social Media

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Bei Rex Hammock habe ich ein schönes Beispiel gefunden, wie sich all die Tools, die das Internet uns unter dem Stichwort Web2.0 anbietet, nutzen lassen. Leider ist es kein Kulturbetrieb, aber ich will nicht wählerisch sein.

Das Rote Kreuz in den USA engagiert sich derzeit in einigen amerikanischen Bundesstaaten, die von Hochwasser betroffen sind. Um die Öffentlichkeit und die Betroffenen (so das möglich ist) über die Maßnahmen des Roten Kreuz zu informieren, kommen derzeit verschiedene Social Media Tools zum Einsatz. Der Anlass könnte ein angenehmerer sein, aber anhand dieses Beispiels wird deren Zusammenspiel sehr deutlich. Schauen wir uns die einzelnen Tools einmal an:

  1. Weblog: Zentrale Anlaufstelle ist ein Weblog, das auf WordPress.com aufgesetzt worden ist, also der webbasierten Blogplattform. Der Vorteil: ein Weblog ist sehr schnell inkl. Domain eingerichtet, man muss sich nicht um die Software kümmern und kann innerhalb kürzester Zeit loslegen. Konzipiert ist das Weblog in diesem Fall als Online-Newsroom, das heißt, hier laufen alle Informationen zusammen.
  2. Fotoplattform: Das amerikanische Rote Kreuz nutzt die Fotoplattform Flickr, um dort Fotos und Videos von der Katastrophe zur Verfügung zu stellen. Fotos und Videos dokumentieren das ganze Geschehen, sprechen die Menschen an und lassen sich leicht in das Weblog einbinden. Wertvoll erscheint mir Rex Hammocks Hinweis, von der Fotoplattform auf das Weblog zu verweisen bzw. zu verlinken. Statt Flickr kann man bei uns unter anderem auch Sevenload nutzen.
  3. Google Maps: Mit Hilfe von Google Maps wird gezeigt, wo überall das Rote Kreuz aktuell im Einsatz ist. Die Karten lassen sich natürlich auch wieder in verschiedene Websites einbinden.
  4. RSS: Für jeden Bundesstaat wurde ein eigener RSS-Feed eingerichtet, so dass ich nur die Informationen erhalte, die für meinen Bundesstaat relevant sind. Abonnieren lassen sie sich über das Weblog.
  5. Slideshows: In Ergänzung zu den Fotos auf Flickr stellt das Rote Kreuz auch Slideshows zusammen, in diesem Fall wird die Plattform slide.com genutzt. Die aus Fotos bestehende Präsentation liefert eindrückliche Bilder und kann in Websites eingebunden werden.
  6. Videoplattform: Zum Einsatz kommt YouTube, die wohl bekannteste Videoplattform. Der Vorteil: einerseits lassen sich die Videos leicht in das WordPress-Blog einbinden. Zweitens stellt YouTube auch eine Möglichkeit dar, Menschen über den Einsatz des Roten Keuz zu informieren und auf das Weblog hinzuweisen.
  7. Podcast: Mit Hilfe von Utterz lassen sich Podcasts direkt in das Weblog, aber natürlich auch in andere Websites einbinden. Eingabegerät ist das Handy, womit die Möglichkeit gegeben ist, dass die Einsatzkräfte direkt vor Ort kurze Statements abgeben können. Authentischer geht es nicht mehr.
  8. Twitter: Die Kurzinformationen werden über einen eigenen Twitterkanal verteilt, den die InteressentInnen abonnieren können. Maximal 140 Zeichen sind möglich.

Zwei Punkte kritisiert Rex Hammock: der Spendenbutton ist nicht an prominenter Stelle angebracht und auch die Banner, die man in die eigene Website einbinden kann, um auf die Arbeit des Roten Kreuz zu verweisen und zu verlinken, sind nicht so leicht auffindbar.

Ansonsten ist das ein Musterbeispiel für das Zusammenspiel der verschiedenen Tools. Gerade für Kampagnen eröffnen sich da viele Möglichkeiten und die gibt es ja im Kunst- und Kulturbereich auch. Denken Sie nur an den Beginn der neuen Saison oder die nächste Premiere, das nächste Konzert oder die nächste Ausstellung. Probieren Sie es doch mal aus!

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Reale vs. virtuelle Welt

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Eigentlich wünschen wir uns das ja alle: wir schreiben einen Artikel oder Text und erhalten darauf Reaktionen oder lösen eine Diskussion über das Thema bzw. einzelne Aspekte aus. Weblogs bieten sich da – neben anderen Kommunikationskanälen – an, denn sie machen es uns leicht, ein Thema aufzugreifen und auf den Beitrag oder darauf folgende Diskussionsbeiträge einzugehen.

Sich zusammen mit anderen über ein Thema auszutauschen, andere Standpunkte kennen zu lernen und neue Einsichten zu gewinnen, sind ad hoc die Pluspunkte, die mir dazu einfallen. Karin Janner hat nun auf ihrem Blog die Frage gestellt, warum so wenige Theater diese Möglichkeit nutzen, mit anderen ins Gespräch zu kommen?

Wer sich ihren Beitrag und die zahlreichen Kommentare durchliest, erfährt eine Menge über den Theaterbereich. Im Kommentar Nr. 15 trifft Rochus Schneider vom Volxtheater eine ganz interessante Feststellung, wenn er schreibt:

„Erlebnisse im Internet (Du nennst Online-Spiele, Second Life) sind Erlebnisse aus Zweiter Hand. Sie können nie die Tiefe haben, wie eine direkte Kommunikation incl. Körpersprache etc. und vor allem ist es eine Scheinwelt, die uns Erlebnisse vorgaukeln, die künstlich erzeugt, aber nicht real sind. Fatal wird es, wenn Menschen (vor allem Kinder oder Jugendliche, die das Kommunizieren noch lernen) sich einbilden, daß die Erlebnisse ihrer Figuren real sind und sie sich darauf beschränken. So kann es dazu kommen, daß sie eine Kommunikation von Mensch zu Mensch mit all ihren Schwierigkeiten und Fallen nicht mehr führen können.“

Worin ich übereinstimme: Erlebnisse im Internet unterscheiden sich von direkter Kommunikation, in die noch Körpersprache, Mimik und Gestik einfließen. Fatal ist es, und auch da bin ich der gleichen Meinung, wenn Kinder nur noch die Kommunikation im Internet beherrschen. Ich würde diese Form der Kommunikation aber nicht als ein Erlebnis aus zweiter Hand bezeichnen. Es ist ein Erlebnis und ich nehme es auf eine bestimmte Art und Weise wahr, so wie ich einen bestimmten Inhalt als Buch oder als Film „erleben“ kann.

Burkhard Rosskothen, der mit einfallsreich.tv ein sehr spannendes Projekt betreibt, hat daraufhin (in Kommentar Nr.17 und in einem eigenen Blogeintrag) die Unterschiede zwischen der realen und der virtuellen Welt herausgearbeitet und bringt die Sache auf den Punkt, wenn er fordert, dass wir die unterschwellige Angst überwinden müssen, dass das Eine das Andere substituieren könnte.

„Das Internet will nicht erobern, es soll uns dienen, besser in Kontakt zu kommen – weltweit.“

Genau aus diesem Grund möchte ich mich eigentlich gerne von der Vorstellung verabschieden, dass wir es hier mit zwei Welten zu tun haben. Das Internet bietet uns verschiedene Möglichkeiten an, miteinander in Kontakt zu treten, uns auszutauschen und, so wir das wollen, dann irgendwann auch zu treffen.

Sollten wir uns nicht vom Gedanken verabschieden, dass das Internet eine eigene (virtuelle) Welt ist? Es ist doch eigentlich eher ein Kanal, über den wir miteinander kommunizieren können. Wäre das WWW eine eigene Welt, dann müssten wir konsequenterweise auch das Telefon als eine eigene virtuelle Welt betrachten, schließlich gilt auch hier, dass der direkte Kontakt fehlt und der Austausch auf meist digitalem Weg erfolgt. Angenommen, Sie telefonieren mit irgendjemandem. Wenn ich Sie nun fragen würde, ob Sie in einer anderen Welt gewesen sind und ob das nicht eine Kommunikation „aus zweiter Hand“ sei, um die Worte von Rochus Schneider zu verwenden, wie würden Sie reagieren? Wahrscheinlich würde ich ein Kopfschütteln ernten.

Das Telefon ist heute so in unsere tägliche (reale) Welt integriert, dass wir kein Wort darüber verlieren. Wir nützen es in bestimmten Situationen, wissen aber, dass es nur ein möglicher Kanal ist, um andere Menschen zu kontaktieren. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich in meiner Schulzeit stundenlang mit einem Freund Schach per Telefon gespielt habe (damals wurde noch pro Gespräch und nicht pro Zeiteinheit abgerechnet). Das geschah aber nur, wenn wir uns nicht an einem Schachbrett gegenüber sitzen konnten.

Kein Mensch hat mir damals gesagt, dass das „schlechter“ sei, abgesehen von der Tatsache, dass ich stundenlang die einzige Leitung blockiert habe. Ich musste lernen, wann ich das Telefon nutze und wann nicht. Das ist, denke ich, mit dem Internet ähnlich. Mit anderen ein Online-Spiel zu spielen und diese Form der Kommunikation als die einzige anzusehen und andere Kanäle nicht nutzen zu können, führt in eine Sackgasse. Vielleicht schaffen wir aber die entsprechenden Voraussetzungen für den „sinnvollen“ Umgang mit dem Internet dadurch, dass wir nicht mehr vom Gegensatz der realen und der virtuellen Welt sprechen. Es ist genau eine Welt und in ihr stehen uns verschiedene Wege offen, mit anderen in Kontakt zu treten. Das Internet ist nur einer davon.

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EU-Kulturförderprogramm: Ausschreibung 2008/09 veröffentlicht

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Letzte Woche am 7. Juni war es soweit: der aktuelle Call für das EU-Förderprogramm KULTUR ist im Amtsblatt C der Europäischen Kommission veröffentlicht worden. Nun haben Sie bis zum 1. Oktober Zeit, Ihr Vorhaben in Brüssel einzureichen, so Sie ein ganz „normales“ Projekt planen. Damit Sie wissen, woran Sie sind, habe ich Ihnen hier die wichtigsten Informationen dieser Ausschreibung zusammengefasst.

Damit Sie nicht den Überblick verlieren, hier noch einmal in aller Kürze die Struktur des Programms.

Förderbereich 1

  • Aktionsbereich 1.1: gefördert werden Projekte mit einer Laufzeit zwischen 3 und 5 Jahren und Partnern aus mindestens sechs Ländern.
  • Aktionsbereich 1.2.1: gefördert werden Projekte mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren und Partnern aus drei verschiedenen Ländern.
  • Aktionsbereich 1.2.2: gefördert werden literarische Übersetzungsprojekte mit einer Laufzeit von maximal 24 Monaten. Partner werden hier keine benötigt.
  • Aktionsbereich 1.3: gefördert werden Sondermaßnahmen, im letzten Call wurden Kooperationsprojekte mit Brasilien gefördert.

Förderbereich 2

  • Hier können europaweit tätige Kulturorganisationen Betriebskostenzuschüsse beantragen.

Förderbereich 3

  • gefördert werden Studien und Analysen zu kulturrelevanten Themen von europäischem Interesse.

Bis wann Sie in den jeweiligen Förder- bzw. Aktionsbereichen Ihren Antrag einreichen müssen, können Sie in einer Art Kalender nachlesen. Wichtig: diese Termine gelten bis ins Jahr 2013. Sie können sich also darauf verlassen, dass zum Beispiel die Einreichfrist für den Aktionsbereich 1.2.2 (literarische Übersetzungen) immer am 1. April endet.

In diesem Beitrag geht es um die Aktionsbereiche 1.1 und 1.2.1, für die die Einreichfrist des aktuellen Calls am 1. Oktober 2008 abläuft.

Was muss man zu Aktionsbereich 1.1 wissen?

  • Ziel: Aufbau von grenzüberschreitenden kulturellen Beziehungen, die auch über den Förderzeitraum hinaus weiterbestehen müssen (also eine Art „Anschubfinanzierung“)
  • benötigt werden mindestens sechs Kulturakteure aus sechs verschiedenen förderfähigen Ländern
  • Laufzeit: 3 bis 5 Jahre
  • Fördersumme: zwischen 200.000 und 500.000 Euro pro Jahr
  • Förderhöhe: maximal 50% der förderfähigen Gesamtkosten

Die Kurzinfos zu Aktionsbereich 1.2.1:

  • Ziel: Förderung von Projekten, mit denen eine langfristige Zusammenarbeit der Akteure initiiert werden kann
  • benötigt werden mindestens drei Kulturakteure aus drei verschiedenen förderfähgen Ländern
  • Laufzeit: maximal 2 Jahre
  • Fördersumme: 50.000 bis 200.000 Euro für die gesamte Projektlaufzeit
  • Förderhöhe: maximal 50% der förderfähigen Gesamtkosten

Gefördert werden

„Projekte, Einrichtungen, verbreitungsfördernde Tätigkeiten und Forschungsarbeiten in allen Kulturzweigen.“

Eine Ausnahme gib es allerdings: Für den audiovisuellen Bereich steht mit MEDIA ein eigenes Programm zur Verfügung, daher sind Vorhaben aus diesem Bereich hier ausgeschlossen.

Wer kann einen Antrag stellen? In Frage kommen im Kunst- und Kulturbereich tätige Einrichtungen, die einen öffentlichen oder privaten Rechtsstatus besitzen und ihren Sitz in einem der förderfähigen Länder haben. Natürliche Personen können keinen Antrag stellen?

Welches sind die förderfähigen Länder? Neben den 27 EU-Mitgliedstaaten sind das noch die drei EWR-Staaten Island, Liechtenstein, Norwegen sowie Kroatien, Türkei, Serbien und die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien.

Die Vergabe der Fördergelder (Vergabekriterien) erfolgt nach einem Bewertungsschema, das laut Ausschreibung so aussieht:

  • „Umfang, in dem das Projekt einen wirklichen zusätzlichen europäischen Nutzen schaffen kann
    (0-5 Gesamtpunkte);
  • Bedeutung der Aktivitäten im Hinblick auf die spezifischen Ziele des Programms (0-5 Gesamtpunkte);
  • Maß, in dem die vorgeschlagenen Maßnahmen auf ein hohes Niveau ausgelegt sind und in dem sie erfolgreich durchgeführt werden können (0-5 Gesamtpunkte);
  • Qualität der Partnerschaft (0-5 Gesamtpunkte);
  • Umfang, in dem die Aktivitäten zu Ergebnissen führen, die zur Verwirklichung der Programmziele beitragen (0-5 Gesamtpunkte);
  • Umfang, in dem die Ergebnisse der vorgeschlagenen Aktivitäten angemessen vermittelt und durch
    Öffentlichkeitsarbeit bekannt gemacht
    werden (0-5 Gesamtpunkte);
  • Langzeitwirkung — Nachhaltigkeit (0-5 Gesamtpunkte);“

Für diesen Call stehen folgende Summen zur Verfügung:

  • Aktionsbereich 1.1: 18,2 Mio. Euro
  • Aktionsbereich 1.2.1:17,05 Mio. Euro

Der angekündigte Programmleitfaden und die für die Einreichung notwendigen Formulare wurden von der Exekutivagentur noch nicht veröffentlicht. Nach ihrem Erscheinen werde ich die Dokumente und Formulare aber hier in eigenen Beiträgen vorstellen bzw. erklären.

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Die Vision: und wo geht Ihre Reise hin?

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Nachdem es gestern um die Mission und damit um „the reason why we exist“ ging, folgt heute der Blick in die Zukunft. Diesen Blick in die Zukunft vermisse ich sehr oft und bin davon überzeugt, dass die Vision nicht nur hinsichtlich der Zukunft eine Hilfe sein kann, sondern auch für unser Tagesgeschäft.

Warum? Bildlich gesprochen können Sie ja als LäuferIn nicht mit dem Laufen beginnen, wenn Sie nicht wissen, wohin Sie laufen sollen oder wollen. Häufig kommt es mir so vor, wie wenn manche Menschen trotzdem zu laufen beginnen. Das mag dann funktionieren, wenn der Antrieb das Davonlaufen vor etwas ist. Aber seien wir ehrlich: darauf Ihr berufliches oder privates Handeln (oder das Ihres Kulturbetriebes) aufzubauen, ist auf Dauer zu wenig.

Ist es nicht so, dass Sie das Wissen, warum Sie etwas machen und welches Ziel Sie damit erreichen wollen, nicht wesentlich zielstrebiger vorgehen lässt? Ich persönlich bin dann fokussierter und überlege mir genau, was ich aus einem Buch, einem Seminar, etc. mitnehme. Das heißt nicht, dass ich nun all das, was ich tue, einem konkreten Ziel unterordne. Natürlich ist es auch zulässig, eine Diskussion aus Spaß am Diskutieren zu führen. Obwohl auch dieser „Spaß“ vielleicht dazu beiträgt, ein in der Ferne liegendes Ziel zu erreichen.

Die Vision, was verstehen wir eigentlich darunter? Mal wird sie als Realutopie bezeichnet oder als „Vorstellung (…) eines Zustandes in unbestimmter Zukunft„. Armin Klein spricht in seinem von mir gerne zitierten Buch „Der exzellente Kulturbetrieb“ von Fernzielen,

„die bildhaft gefasst sind, einen starken emotionalen Aufforderungscharakter haben und wichtige Werte und Anliegen ausdrücken“.

„Erfolg beginnt mit einer Vision“ habe ich mir irgendwann mal aufgeschrieben, ich weiß leider nicht mehr, woher der Satz stammt. Aber Armin Klein würde diesen Satz wahrscheinlich auch unterschreiben können. Um erfolgreich sein zu können, muss ich mir erst einmal eine Vision erarbeiten. Das geschieht, so Klein, mit Hilfe von „Basisfragen“, wie zum Beispiel:

  • „Wie wird unsere Umwelt in zehn Jahren (wahrscheinlich) aussehen?
  • Was wird anders sein als heute?
  • Wohin wollen und wohin müssen wir uns entwickeln?
  • Wer wird uns dann brauchen?
  • Was wird in zehn Jahren von uns erwartet werden?
  • Was wird dann unser Auftrag, unsere Aufgabe sein?
  • Was wird die Konkurrenz in zehn Jahren machen?
  • Wie können wir unsere Existenz und unser Wachstum sichern?
  • Und wovon träumen wir, jeder einzelne für sich und wir alle zusammen in unserer Organisation?
  • Wie wollen wir uns ganz persönlich weiter etnwickeln?“

Statt des oben angeführten Begriffs der „Realutopie“ spricht Klein von „machbaren Utopien“. Vielleicht erinnern Sie sich noch an meinen Beitrag „Mit der richtigen Haltung Ziele angehen„, in dem ich darauf hingewiesen habe, wie wichtig es ist, dass wir unsere Ziele durch aktives Handeln erreichen können. Das gilt auch für meine Vision. Besteht keine Aussicht, sie jemals erreichen zu können, wird mich das nicht besonders motivieren. Klein hat das sehr schön formuliert:

„Positiv formuliert heißt dies, dass die Vision ein Zukunftsbild sein sollte, so nahe genug, dass die Realisierbarkeit noch gesehen werden kann, aber schon ausreichend fern, um die Begeisterung der Organisation für eine neue Wirklichkeit zu wecken.“

Nun ist es natürlich schwierig, sich für die Zukunft zu begeistern, wenn die Gegenwart trostlos aussieht und man nicht weiß, wie man die aktuellen Projekte finanzieren soll. Zugegeben, aber die Frage ist doch, ob die Verbesserung der Gegenwart nicht leichter fällt mit dem Bild einer Zukunft, die ich mir selbst ausmale und die zu erreichen auch realistische Chancen bestehen?

Fredmund Malik hält von Visionen eher weniger. In einer 2003 veröffentlichten Kolummne für manager-magazin.de spricht er von einer „gefährlichen Mode„. Natürlich müssten Führungskräfte in der Lage sein, sich Gedanken über zukünftige Entwicklungen zu machen, schreibt Malik, aber die „Visions-Mode“ habe bestimmten Persönlichkeitstypen Aufmerksamkeit und Anerkennung verschafft, die früher keine Chance in einem gut geführten Unternehmen gehabt hätten: dem Bluffer und Angeber; dem Träumer und dem Scharlatan.

Was unterscheidet also eine gute von einer schlechten Vision, fragt Malik? Ich denke, das entscheidende Kriterium ist die Machbarkeit. Natürlich ist es klar, dass ich unter Umständen nach einer bestimmten Zeit feststelle, dass meine Vision aus welchen Gründen auch immer in weite Ferne gerückt ist. Dann werde ich mir Gedanken dazu machen müssen. Aber auch hier gilt: um mir Gedanken dazu machen zu können, muss ich erst einmal eine haben.

Lesetipp: Leitbild…was ist das? auf dem Kulturmarketing Blog

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Die Mission von Kulturbetrieben: worauf Sie achten sollten

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Viele Menschen bringt man völlig aus dem Konzept, wenn man sie fragt, was sie beruflich machen. Geht mein Gegenüber einem Beruf nach, unter dem ich mir etwas vorstellen kann, z.B. Maler oder Autohändler, dann ist das kein Problem.

Daneben gibt es aber die Berufe, bei denen das etwas schwieriger ist, KulturmanagerIn zum Beispiel. Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, kommt dann sehr häufig die Frage: „ja und was machen Sie da?“ Viele antworten darauf mit einer mehr oder weniger langen Liste von Tätigkeiten, die in ihren Aufgabenbereich fallen. Das ist zwar nicht falsch, hilft aber Ihrem Gegenüber nicht wirklich weiter. Eine solche Liste vergisst man schnell und was noch viel wichtiger ist: Sie haben nicht den Zweck Ihrer Tätigkeit genannt.

Wenn ich erzähle, dass ich Seminare zu den Themen EU-Förderungen, Kulturfinanzierung und Projektmanagement halte, Kunst- und Kultureinrichtungen in Sachen Projektmanagement und Finanzierung berate und mich außerdem mit dem Web2.0 beschäftige, dann wird sich das – aus verständlichen Gründen – niemand merken. Ganz anders ist es, wenn ich erkläre, dass meine Tätigkeit darin besteht, Kunst- und Kultureinrichtungen bzw. KünstlerInnen bei der Umsetzung ihrer Ideen zu unterstützen. Die Unterstützung geschieht mittels verschiedener Angebote wie Seminare oder Beratung. Das klingt nicht nur für Außenstehende einleuchtender, sondern wahrscheinlich auch für potenzielle KundInnen.

Wenn Sie den Zweck Ihrer Tätigkeit so beschreiben, dann haben Sie damit Ihre Mission formuliert. „The reason why we exist“ beschreibt Armin Klein die Mission. Den Zweck der eigenen Tätigkeit oder das Ziel zu beschreiben, ist für kommerziell ausgerichtete Unternehmen leicht, auch für kommerziell ausgerichtete
Kulturbetriebe, wie Armin Klein in seinem Buch „Der exzellente Kulturbetrieb“ schreibt:

„Der einzelne kommerzielle Kulturbetrieb (…) hat – im Gegensatz zum öffentlichen bzw. zum Non-Profit-Kulturbetrieb – eine eindeutige Zieldefinition, die übers eine Zukunft entscheidet, nämlich die, finanziellen Gewinn zu machen.“ (S.70)

Wie sieht es aber bei den Einrichtungen aus, die nicht auf Gewinn aus sind? Klein nennt hier mehrere Faktoren, die Einfluss nehmen auf die Ziele bzw. den Zweck der Tätigkeit:

  • der kulturpolitische Auftrag,
  • Verträge, in denen die Aufgaben festgelegt sind,
  • Standards, Richtlinien,
  • das spezifische Umfeld (was machen die anderen?) und
  • die Vorstellungen der LeiterInnen und MitarbeiterInnen

Nicht ohne Grund hält Klein fest, dass die Entwicklung der eigenen Mission ein Prozess ist, der über einen längeren Zeitraum läuft, geht es doch unter anderem um das Selbstverständnis derer, die in der Einrichtung arbeiten.

Wie erstellt man jetzt aber die Mission? Dabei gibt es einige Punkte zu beachten:

  1. Die Mission sollte so formuliert sein, dass sie in allgemein verständlicher Sprache erklärt, welche Zwecke die Tätigkeit Ihres Kulturbetriebs verfolgt. Vermeiden Sie dabei hohle Phrasen wie etwa „die Relevanz des Theaters im Hinblick auf die Entwicklung unserer Gesellschaft erhöhen“.
  2. Ihre Mission sollte nicht Aufsatzlänge aufweisen, sondern aus etwa 10 bis 12 Worten bestehen. Das ist eine Länge, bei der andere die Chance haben, sich zu merken, worum es geht. Alles, was darüber hinaus geht, vergessen wir recht schnell.
  3. Versuchen Sie, Ihre Mission so zu formulieren, dass sie motivierend wirkt. Motivierend wirkt sie, wenn darin die Lösung eines Problems oder das Erreichen eines Ziels enthalten ist.
  4. Berücksichtigen sie die von Klein oben angeführten Einflussfaktoren, z.B. den öffentlichen Kulturauftrag. Es geht also nicht um ihre eigenen (Geschäfts)-Ziele, sondern um den Nutzen für Ihre „KundInnen“.
  5. Beschreiben Sie darin nicht, wie Sie Ihre Ziele erreichen, also die Projekte (und Dienstleistungen), sondern das Resultat. Eben das Ziel. Der Weg dorthin kann sich im Laufe der Zeit nämlich durchaus ändern, das Ziel wahrscheinlich nicht.

In der Praxis liest sich das dann so:

„Das MUMOK hat die Zielsetzung, die seit Gründung des Museums des 20. Jahrhunderts angelegte Sammlung der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts nach aktuellsten wissenschaftlichen und museologischen Erkenntnissen und Methoden zu bewahren, auszubauen, zu erforschen und der Öffentlichkeit zu vermitteln.“

Oder:

Linz ist 2009 Kulturhauptstadt und damit Gastgeberin Europas. Eine solche Herausforderung und Chance verpflichtet zu einer ebenso sorgsamen wie inspirierten Arbeit, die zwischen Kultur, Politik und Wirtschaft nach hoher künstlerischer Qualität in Form und Inhalt sucht. Neue Verbindungen müssen entstehen, neue Perspektiven, neue Visionen.“

Sie sehen, es ist gar nicht so einfach, die Dinge auf den Punkt zu bekommen, aber es lohnt sich, denn im Endeffekt ist die Mission der Ausgangspunkt für Ihre Marketingaktivitäten. Fehlt Ihnen das klar formulierte Ziel, werden Sie auch in Sachen Marketing nicht den richtig Zug entwickeln können.

Lesetipp: Die Vision: und wo geht Ihre Reise hin?

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Die Allianz Kulturstiftung: Unterstützung für multinationale und interdisziplinäre Kooperationsprojekte in den Bereichen Bildung und Kunst

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Häufig haben wir zwar gute Ideen, scheitern dann aber bei der Realisierung des Vorhabens, weil es am Geld fehlt. Wer international arbeitet, kann neben den Förderungen auf der nationalen Ebene auch versuchen, Mittel aus den EU-Fördertöpfen zu erhalten. Aber das ist nicht die einzige Möglichkeit, denn es gibt einige Stiftungen, die sich in der Unterstützung von Kunst und Kultur genau auf diese internationale Ebene konzentrieren.

Zu diesen gehört auch die Allianz Kulturstiftung, die vor 8 Jahren vom Allianz Versicherungskonzern ins Leben gerufen worden ist und das Ziel verfolgt, grenzüberschreitende Bildungs- und Kulturprojekte zu unterstützen,

„die dem europäischen Integrationsprozess und der Herausbildung einer europäischen Identität förderlich sind.“

Die wohl wichtigste Zielgruppe stellt der akademische und künstlerische Nachwuchs dar, für den man, so heißt es auf der Website, eigene Austausch- und Begegnungsprojekte entwickele.

Die Stiftung sieht ihre Aufgabe also nicht nur darin, Projekte zu fördern, sondern ist selbst operativ tätig.

„Einerseits nimmt die Stiftung Anregungen von außen auf, die als Förderanträge eingehen und dem Stiftungsziel entsprechen; andererseits setzt die Stiftung selbst Impulse und initiiert Projekte, die in Zusammenarbeit mit internationalen Partnereinrichtungen weiterentwickelt und realisiert werden.“

Die Bereiche ihrer Tätigkeit sind:

  • europäische Bildungsarbeit
  • Literatur und Übersetzung
  • Neue Musik
  • Zeitgenössische Kunst

In der Imagebroschüre, die einen sehr umfassenden Überblick über die Aktivitäten der Stiftung liefert und auch zeigt, was für Projekte in der Vergangenheit gefördert wurden, werden die Voraussetzungen für zu unterstützende Projekte noch etwas präzisiert. Dort heißt es:

„Der Förderschwerpunkt liegt auf gattungs- bzw. medienübergreifenden, zeitgenössischen Konzepten und Initiativen. Besonderes Augenmerk verwendet die Allianz Kulturstiftung dabei auf die Unterstützung von Projekten, die innovativ in Inhalt oder Methode sind und die neue Ansätze in Kunst, Kultur und Bildung im Moment ihrer Entstehung aufnehmen. Die Projekte der Allianz Kulturstiftung haben daher oftmals Werkstattcharakter. Aktive Wissensproduktion und Vernetzung, Erfahrungsaustausch und Professionalisierung stehen dabei im Vordergrund. Die geförderten Projekte sollen dazu geeignet sein, langfristige Breitenwirkung zu erzielen.“

Wichtige Kriterien, um eine Unterstützung zu erhalten, sind als der innovative und der nachhaltige Charakter des Vorhabens.

Wie wichtig für die Allianz Kulturstiftung das nachhaltige Arbeiten ist, kommt auch in ihrer Idee eines Alumni-Netzwerks zum Ausdruck, das aus den ehemaligen Projektpartern besteht und auf der Website als „Invisible College“ bezeichnet wird. Immer wieder werden für diesen Kreis dann Seminare oder andere Veranstaltungen angeboten. Das scheint mir ein sehr guter Ansatz zu sein, denn in der Regel ist der Kontakt zu einem (öffentlichen oder privaten) Geldgeber mit der Abrechnung des Projektes beendet. Mit ihrem Alumni Netzwerk bietet die Stiftung einen Rahmen, mit den Projektpartnern und -trägern in Kontakt zu bleiben. Außerdem besteht so natürlich auch die Möglichkeit, dass sich die KünstlerInnen untereinander austauschen und vernetzen.

Wie gehen Sie vor, um an eine solche Förderung zu kommen? Die Projektanträge müssen jeweils bis zum 30. April für das Folgejahr gestellt werden. Das heißt, der nächste Einreichtermin ist der 30. April 2009. Ihr Projekt müsste dann 2010 stattfinden.

Ein standardisiertes Verfahren oder ein Formblatt gibt es nicht, die einzige Vorgabe besteht in der Beschränkung auf eine fünfseitige Darstellung Ihres Projektvorhabens. Gefordert wird außerdem ein Budgetplan, aus dem die konkrete Summe hervorgeht, die bei der Allianz Kulturstiftung beantragt wird.

Wichtig zu wissen: die Stiftung finanziert Projekte nicht aus, das heißt, es handelt sich nur um eine Teilfinanzierung. Über die Höhe der Summen, die dort vergeben werden, finden sich auf der Website leider keine Informationen. Am Telefon wurde mir aber gesagt, dass ein Projekt mit einem Gesamtbudget von 30.000 Euro schon eher die Ausnahme ist. Mit einem Budget von insgesamt 10.000 bis 20.000 Euro hat man also wahrscheinlich größere Chancen, wenn wir mal die Qualität des Vorhabens nicht berücksichtigen.

Offen ist auch, wie hoch die Unterstützung der Stiftung sein darf oder kann. Ein Verhältnis 80:20 ist theoretisch ebenso möglich wie 50:50 oder 20:80.

Ihren Antrag schicken Sie dann sowohl per Email als auch per Post nach München zur Allianz Kulturstiftung. Knapp 11 Monate haben Sie nun Zeit bis zum nächsten Stichtag. Auf der Website finden Sie eine Vielzahl von Projekten, die von der Kulturstiftung in der Vergangenheit unterstützt worden sind. Vielleicht bringt Sie das ja auf eine Idee, so Sie nicht eh schon eine haben.

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