Monthly Archives of: September 2008

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Online Spenden sammeln: eine Präsentation liefert Anregungen

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Eigentlich sollte ich ja an einem EU-Förderantrag sitzen, denn morgen ist Abgabetermin. Aber ein paar Minuten bleiben immer, deshalb hier nur ein kurzer Hinweis auf eine Präsentation, die ich auf Beth’s Blog entdeckt habe.

Jonathan Waddingham hat sie auf dem London Fundraising Summit gehalten und zeigt darin Wege auf, wie man mit Hilfe der Tools, die uns das Internet zur Verfügung stellt, Beziehungen aufbauen kann. Beziehungen zu den Menschen, die uns finanziell unterstützen sollen.

Beth Kanter stellt in ihrem Blogpost richtigerweise fest: „Relationship Building is King“ und genau darum geht es in der Präsentation, aus der sie auf die von Jonathan Waddingham zusammengefassten Tipps (Folie 3) verweist, wie man online Beziehungen aufbaut und aufrecht erhält:

  • „Engagement is more than just a ‘donate now’ button
  • It’s about building relationships with supporters
  • Reaching out to people in their online world
  • Go to where your supporters are, don’t expect them to come to you
  • Hard to measure, may not reap immediate returns
  • The investment is time more than money
  • If you do it, do it well – be authentic“

Besonders wichtig in meinen Augen: wir müssen zu denen gehen, von denen wir etwas wollen. Darauf zu warten, dass jemand zu uns kommt, funktioniert nicht und ist der falsche Weg. Gut, aber so einfach ist es dann auch wieder nicht. Erstens ist es notwendig, dass wir uns Gedanken darüber machen, wen wir überhaupt ansprechen wollen? Zweitens gilt es herauszufinden, ob diese Zielgruppe überhaupt im Internet anzutreffen ist? Und drittens stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß das Angebot online zu spenden bereits angenommen wird bzw. wie groß das Potenzial eigentlich ist?

Ich bin derzeit noch eher skeptisch, denke aber, dass es wichtig ist, sich jetzt in die Thematik einzuarbeiten und Erfahrungen im Bereich Online-Fundraising zu sammeln, damit man dann dabei ist, wenn es los geht. Was denken Sie?

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Ab Dezember gibt es in Deutschland die Bildungsprämie

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Ernst Karosser von Para-SOL, einem Verein, der in Regensburg Weiterbildungen im Bereich Kulturmanagement anbietet, hat mich auf eine ganz interessante Sache aufmerksam gemacht: Ab Dezember gibt es in Deutschland für alle Erwerbstätigen eine Bildungsprämie.

Mir erscheint es wichtig darauf hinzuweisen, denn als ich von Ernst den Link bekam, erinnerte mich das an die in Österreich erschienende Studie über die soziale Lage der KünstlerInnen (hier mein Blogpost dazu). Darin wird unter anderem festgestellt, dass das Thema Weiterbildung im Kunst- und Kulturbereich eigentlich nicht existiert, weil die meisten sich Weiterbildungsangebote schlicht nicht leisten können. Ich denke, die Situation wird sich in Deutschland nicht grundlegend anders darstellen.

Wenn Ihr zu versteuerndes Jahreseinkommen 17.900 Euro nicht übersteigt (35.800 Euro bei gemeinsam Veranlagten), dann können Sie einen Prämiengutschein von bis zu 154 Euro erhalten. Vorausgesetzt, Sie bringen mindestens den gleichen Betrag auf, wie es auf der Website des Bundesministeriums für Bildung und Forschung heißt. Alle weiteren Infos finden Sie dort.

In meinen Augen ist das ein sinnvoller Ansatz, denn Weiterbildung ist nicht nur wichtig für unsere tägliche Arbeit, sondern macht (in der Regel :-) ) auch Spaß. Danke für den Hinweis, Ernst.

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Die EU fördert Projekte im Bereich der Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften: das Online-Frühstück informiert

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Auch im Kunst- und Kulturbereich gibt es ja nicht nur die rein künstlerischen Projekte, sondern auch Forschungsvorhaben oder Projekte, die im wissenschaftlichen Bereich angesiedelt sind. Wer in diese Richtung arbeitet oder es plant, für den lohnt es sich, am kommenden Mittwoch (1. Oktober) beim Online-Frühstück dabei zu sein.

David Röthler und sein Kollege Harald Suitner von Projektkompetenz.eu informieren über den aktuellen Call des 7. Forschungsrahmenprogramms für die Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften.

Die Zielsetzung des Frühstücks formuliert David in seinem Blogpost so:

„Interessierte zu vernetzen, zu informieren und Diskussion sind Aufgaben des monatlich stattfinden Online-Frühstücks. Zutaten sind ein kurzes Impulsreferat und ein daran anschließendes Gespräch. Die Teilnahme ist für alle offen und kostenlos.

Die Anmeldung und alle weiteren Infos zum Online-Frühstück gibt es hier, los geht es am Mittwoch um 9:00 Uhr. Ich bin auf alle Fälle dabei.

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Weblogs: wann ist man eigentlich erfolgreich und lohnt sich Bloggen für mich?

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© S. Hofschlaeger; Pixelio

Vielleicht gehören Sie auch zu denen, die sich gerade überlegen, ob Sie mit dem Bloggen beginnen? Wenn man sich den Kunst- und Kulturbereich anschaut, dann hat sich im letzten Jahr viel getan. Erst vor kurzem hat sich mit den Duisburger Philharmonikern der erste größere Kulturbetrieb ins Web2.0 gewagt und auf dacapo mit dem Bloggen begonnen.

Fragt man BloggerInnen danach, was für sie Erfolg bedeutet, dann bekommt man mehr oder weniger schnell zu hören, dass man damit einen höheren Bekanntheitsgrad anstrebe. Wie aber macht man sein Blog bekannt? Matthias Schwenk hat sich diese Frage gestellt und gibt die folgenden fünf Tipps:

  1. Verlinken
  2. Interessante Inhalte
  3. Regelmäßig schreiben
  4. auf Kommentare antworten und selbst kommentieren
  5. ein Netzwerk aufbauen

Ist aber Bekanntheit ein Gradmesser für den Erfolg? Ich denke schon, denn warum gibt es sonst die diversen Rankings, in denen man nachprüfen kann, wie gut man im Vergleich zu den anderen da steht?

Ich würde  lügen, wenn ich jetzt hier behaupten würde, dass mir steigende Besucherzahlen völlig egal sind, nein, sie motivieren durchaus. Und ich freu mich nicht nur über die Besucherzahlen, sondern fast noch mehr über die vielen Kommentare.

Wenn ich jetzt das Rezept verraten sollte, dann würde ich genau die fünf Punkte nennen, die Matthias in seinem Blogpost aufgelistet hat. Klingt ganz einfach und doch ist es eine Herausforderung. In vielerlei Hinsicht. Es kostet viel Zeit, gute Inhalte zu finden und dann noch einen Beitrag darüber zu schreiben, wie Brigitte Reiser in einem der Kommentare ergänzt.

Selbst wenn man das hinbekommt, dann stellt sich der Erfolg nicht von heute auf morgen ein. Durchhaltevermögen ist gefragt, einer der Hauptgründe, weswegen viele Blogs nach kurzer Zeit wieder von der virtuellen Landkarte verschwinden.

Aber zurück zur Frage nach dem Erfolg. Brigitte Reiser fragt nicht ganz unberechtigt nach dem ökonomischen Nutzen. Die Antwort auf diese Frage hängt aber wiederum davon ab, welche Ziele ich mit meinem Weblog verfolge? Möchte ich unmittelbar mit meinem Weblog Geld verdienen, dann bleibt mir im Endeffekt nur die Werbung und vielleicht noch ein paar bezahlte Beiträge. Die Zahl derer, die im deutschsprachigen Raum dieses Modell erfolgreich umsetzen, kann man wahrscheinlich an ein oder zwei Händen aufzählen.

Mit dem Themenbereich Kulturmanagement muss ich mir darüber nicht den Kopf zerbrechen, das wird sich, vermute ich mal, nie lohnen. Und wenn ich noch zwanzig Jahre hier schreibe. :-)

Als Visitenkarte oder Werbefenster hingegen kann sich ein Blog durchaus lohnen. Ob es sich für Sie lohnt können Sie sich – zumindest annäherungsweise – ausrechnen. Nehmen wir mein Blog: ich habe bis jetzt (seit Anfang 2007) 680 Beiträge geschrieben, also etwas mehr als einen Beitrag pro Tag. Der tägliche Aufwand liegt bei mir bei etwa zwei Stunden, das sind insgesamt 730 Stunden über das Jahr verteilt.

Wenn ich jetzt von einem Stundensatz von 50 Euro ausgehe, dann „kostet“ mich das Bloggen 36.500 Euro im Jahr, bei 75 Euro/Stunde komme ich auf 54.750 Euro und bei 100 Euro Stundensatz auf 73.000 Euro. Sie können wahlweise die Zahl Ihrer Blogposts, Stundenzahl und Stundensatz einsetzen und so Ihre eigene Rechnung aufmachen.

Nun ist es nicht so einfach, dem Blog die entsprechenden Einnahmen zuzuordnen. So eindeutig ist das leider nicht, aber wenn ich mir die Einnahmen für dieses Jahr anschaue und die restlichen Monate hochrechne, dann bin ich noch ziemlich weit davon entfernt behaupten zu können, dass sich meine Ausgaben amortisiert hätten.

Natürlich kann man sich die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, das so 1:1 zu rechnen. Ich habe ja auch immer wieder darauf hingewiesen, dass ich mein Blog als Wissensarchiv nutze und das müsste man eigentlich ebenfalls berücksichtigen. Aber ok, es ist immerhin ein möglicher Weg, um die Frage zu beantworten, ob sich Bloggen für einen lohnt.

Was hilft mir dieses Wissen? Nun, ich kann so zu der Erkenntnis gelangen, dass der Aufwand für das Bloggen sehr hoch ist, ich aber der Meinung bin, dass ich im Laufe der nächsten Jahr meine Einnahmen wesentlich erhöhen und meine Kosten damit decken kann. Ich kann aber auch zu der Überzeugung gelangen, dass sich das nie ausgeht und höre mit dem Bloggen auf. Oder ich reduziere die Anzahl der Postings. Bei einem Beitrag pro Woche und angenommenen zwei Stunden für das Verfassen würde mich das Bloggen 5.200 Euro im Jahr kosten (bei einem Stundensatz von 50 Euro). Die Frage ist, ob ich mit dieser geringeren Frequenz (ein Beitrag/Woche) genügend potenzielle Kunden ansprechen kann?

Klar ist, man fängt nicht einfach so  mit dem Bloggen an und verdient sich nebenbei eine goldene Nase. Aber für manche kann ein Blog durchaus in das eigene Geschäftsmodell passen. Man muss es halt ausprobieren und da wären wir dann wieder bei Matthias und seinen fünf Tipps.

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Mundpropaganda im Kunst- und Kulturbereich: Haben Sie eine Idee?

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© tom-higgins; Pixelio

Wahrscheinlich haben viele von Ihnen schon jede Menge guter Ideen gehabt, wenn es um darum ging Ihre Kultureinrichtung zu bewerben oder zu vermarkten. Manche Ihrer Aktionen waren erfolgreich, manche sind schiefgelaufen. Und dann gibt es noch die, die Sie nicht realisieren konnten, weil das Geld dafür nicht da war. Kleine Kulturbetriebe stehen des öfteren vor diesem Problem. Sie haben zwar gute Ideen, können diese aber mangels Geld nicht umsetzen.

Eine der wirkungsvollsten Marketingmaßnahmen ist die Mundpropaganda. Zufriedene Kunden, die Ihre Ausstellung, Ihre Theaterinszenierung oder das Konzert weiterempfehlen, sind unter Umständen mehr Wert als Werbeplakate oder ein Radiospot. Und sie kosten vor allem nichts oder nur wenig. Wie aber schaffen Sie es, dass Ihre Kunden Sie weiter empfehlen? Sie müssen ihnen, abgesehen von der Qualität, die selbstverständlich sein sollte, etwas Besonderes anbieten. Ein toller Service, eine kleine Aufmerksamkeit, was auch immer.

Um genau dieses „was auch immer“ geht es im Leitfaden Mundpropaganda, den Marcel Schreyer, früher als Marktschreyer unterwegs und heute in einer Marketingagentur tätig, erstellt hat. Nein, dabei handelt es sich nicht um eine Art Handlungsanleitung, sondern um eine Sammlung guter Ideen, damit Sie in verschiedenen Branchen Ihre Kunden begeistern und sie dazu bringen, Sie weiter zu empfehlen.

Bis jetzt ist zwischen den einzelnen Ideen noch jede Menge Platz, denn das Ziel ist es, in diesem Leitfaden 100 Ideen zu sammeln, die von den LeserInnen kommen sollen. Eine tolle Idee, wie ich finde. Schuhgeschäften wird zum Beispiel empfohlen, ein kleines Duftkissen in reparierte oder neue Schuhe zu legen. Oder Sie garantieren als Pizzaservice die Lieferung zu Beginn der Halbzeitpause eines Fussballspiels.

Wie ist das denn im Kunst- und Kulturbereich? Fallen Ihnen Ideen ein, um Ihr Publikum dazu zu bringen, Sie weiter zu empfehlen? Wie wäre es zum Beispiel, wenn Sie Abholung und Heimfahrt mit einem Limousinenservice verlosen? Das Verleihen oder Verschenken von Regenschirmen wäre auch eine gute Idee. Wie oft bin ich schon irgendwo rausgekommen und es hat geregnet? Ich denke, Ihnen fallen viele Ideen oder auch Beispiele ein. Heraus damit, wir sind alle neugierig darauf.

PS: Den Hinweis auf den Leitfaden habe ich auf Twitter entdeckt. Passend zum Thema darf ich Ihnen noch dieses Blogpost empfehlen. :-)

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„Cultivating Demand for the Arts“

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© S. Hofschlaeger; Pixelio

Zwar habe man jahrzehntelang versucht allen AmerikanerInnen Kunst zugänglich zu machen. Aber trotz aller Bemühungen habe das nie so wirklich geklappt. So sind es bis heute gut ausgebildete und wohlhabende Weiße, die diese Angebote nutzen, schreiben Laura Zakaras und Julia F. Lowell in ihrer von RAND publizierten Studie „Cultivating Demand for the Arts„.

Der Kunst schien eine großartige Zukunft bevorzustehen, als man in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in den USA viel Geld in den Kunst- und Kulturbereich steckte, wodurch sich die Zahl der Kultureinrichtungen und KünstlerInnen massiv erhöhte. Die Ausgaben für die kulturelle Bildung hingegen stiegen nicht im gleichen Ausmaß, ganz im Gegenteil, in den 70er und den frühen 90er Jahren wurden sie sogar gekürzt. Andere Themen schienen wichtiger als die kulturelle Bildung. Ein Trend, der bis heute anhält.

Irgendwann überstieg das Angebot die Nachfrage. Zakaras und Lowell stellen in ihrer Arbeit die Frage, ob das schwindende Interesse an kultureller Bildung auch die Nachfrage nach Kunst hat sinken lassen? Geleitet werden sie dabei von folgenden Fragen:

  • „What role does demand play in the creation of a vibrant 1. nonprofit cultural sector?
  • What role does arts learning play in the cultivation of demand?
  • What does the current support infrastructure for demand look like, and does it develop in individuals the skills needed to stimulate their engagement with the arts?
  • How and to what extent have SAAs (state arts agencies) supported demand in the past, and how can they improve their effectiveness in this role?“

Die Analyse fällt eindeutig aus:

„For decades, public funding of the arts has focused on building supply and expanding access to the arts, but it has neglected the cultivation of audiences capable of appreciating the arts“,

wird Laura Zakaras in einer Presseaussendung zitiert. In der Studie begründen die Autorinnen das wie folgt:

„It is our view that the best way to bring large numbers of Americans to lifelong involvement in the arts is to offer more arts education, to encourage the comprehensive approach to teaching called for in the arts standards, and for SAAs to become more active in advocating for such steps and building bridges among policy communities to work toward that goal.“

Die Voraussetzung für das „Verstehen von Kunst“ sei ästhetische Erfahrung, die auf folgenden drei Faktoren basiere, behaupten Zakaras und Lowell:

„a work of art (supply), an opportunity to encounter it (access), and an individual with the capacity to have such a response to it (demand).“

Das heißt, es gibt drei mögliche Ansätze, um das kulturelle Level in einer Gesellschaft anzuheben:

  1. „expand supply by increasing the production of high-quality works of art;
  2. expand access by creating more opportunities for people to encounter such works;
  3. expand demand by cultivating the capacity of individuals to have aesthetic experiences with works of arts.“

Um genau diesen letzten Punkt geht es den Autorinnen in ihrer Studie, die es verdient hat gelesen zu werden. Der Politik empfehlen Zakaras und Lowell,

„to devote greater attention to cultivating demand for the arts by supporting more and better arts education“.

Die Gründe dafür nennt Christine DeVita, die Vorsitzende der Wallace Foundation:

„We believe that every child – and our broader society – benefits from high quality arts learning opportunities; and that its absence over the long term would be a great loss to individuals, communities and this nation. Early engagement with the arts is an engine that can power lifelong arts participation – research consistently links early exposure to the arts to participation later in life. This new study reveals the central role arts learning plays in ensuring children can benefit from the arts as adults and that America has a robust cultural life in the future.“

Das heißt, Kunst und Kultur sollten nicht nur dadurch unterstützt werden, in dem die Produktion (finanziell) unterstützt und der Zugang – in welcher Form auch immer – erleichtert wird. Mindestens ebenso wichtig sei es, so die Erkennntnis der Studienautorinnen, in kulturelle Bildung zu investieren.

Ein Ansatz, der bei uns, wie ich finde, viel zu wenig Beachtung findet. Zwar wird auch hier immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig kulturelle Bildung sei, allerdings eher im Kontext der Persönlichkeitsentwicklung. Aber auf diese Weise die schwindende Nachfrage nach Kunst und Kultur zu bekämpfen, das ist, wie mir scheint, bei uns nicht wirklich ein Thema.

Nun kann es uns ja eigentlich egal sein, wie argumentiert wird, wenn dann am Ende „das Richtige“ dabei herauskommt. Aber auch hierzulande heißt es: „Immer weniger Zeit und Mittel für Kunst und Kultur an den Schulen.“ Gefunden habe ich dieses Zitat auf der Website von Educult, einem Verein, der das Ziel verfolgt, „Kultur und Bildung in Theorie und Praxis miteinander zu verbinden“. Welche Strategien es in diesem Bereich für die Zukunft gibt und was bereits heute in Österreich in dieser Hinsicht getan wird, das kann man in dem Bericht „Vielfalt und Kooperation“ nachlesen, der im Auftrag des Ministeriums erstellt worden ist.

Sogar ein Weblog wurde vor einigen Monaten eingerichtet. Aber schon nach wenigen Wochen war es mit dem Elan wieder vorbei. Seit Mitte Mai warten wir nun schon auf das nächste Blogpost, schließlich gäbe es zum Thema kulturelle Bildung einiges zu sagenschreiben. Vielleicht anknüpfend an diesen Beitrag. ;-)

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Schließen sich Kunst und Kommerz aus?

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Kunst und Kommerz vertragen sich nicht. Das ist eine Feststellung, die regelmäßig auftaucht, wenn es beispielsweise um das Thema Marketing im Kunst- und Kulturbereich geht. Und weil sie den Kommerz fürchten, lehnen viele KünstlerInnen Marketingmaßnahmen kategorisch ab.

Nun muss Kulturmarketing ja nicht automatisch bedeuten, dass man dem Kommerz huldigt. Ganz im Gegenteil: Simon A. Frank stellt in seinem Interview auf Karin Janners Kulturmarketing Blog fest,

„dass es bei Kulturmarketing auf keinen Fall darum gehen darf, Kunst zu ‚kommerzialisieren‘, dem Markt anzupassen und möglichst viele Tickets zu verkaufen…“.

Was verstehen wir eigentlich unter Kommerz? Auf Wikipedia heißt es dazu:

„Als ‚kommerziell‘ bezeichnet man Unternehmungen jeglicher Art, deren Motivation und Zweck die direkte oder indirekte wirtschaftliche Gewinnerzielung sind.“

Gut, die Gewinnerzielung steht also im Vordergrund und in der Kunst soll genau das nicht der Fall sein. Wie so etwas dann aussehen kann, habe ich ja erst kürzlich beschrieben. Nun ist es doch aber eine Tatsache, dass es in der Kunst Bereiche gibt, die sich sehr wohl dem Kommerz verschrieben haben. Vor allem der Musikbereich bietet da jede Menge Beispiele: Madonna etwa, wenn wir die heutige Zeit betrachten oder Mozart, wenn wir ein paar Jahrhunderte zurückschauen.

Wendet man obiges Statement von Simon A. Frank auf Madonna an, dann müssten wir konsequenterweise zu dem Ergebnis kommen, dass das, was Madonna hervorbringt, keine Kunst ist. Darüber kann man jetzt zwar streiten, aber das kann man bei jeder Form von Kunst.

Mir stellt sich daher die Frage, ob sich Kunst und Kommerz wirklich ausschließen müssen? Kann es nicht auch sein, dass Kunst und Kommerz durchaus nebeneinander existieren können?

Kommerzieller Erfolg heißt, dass ich mit meiner Kunst viele Menschen anspreche, begeistere und dadurch wirtschaftliche Erfolge erziele. Das kann zu Lasten der künstlerischen Qualität gehen, muss es aber nicht. Und zwar dann nicht, wenn ich mein potenzielles Publikum ernst nehme und mich auf einen Dialog mit diesen Menschen einlasse. Das heißt, ich entwickle meine Kunst nicht irgendwo im stillen Kämmerlein, sondern betrachte den künstlerischen Prozess als einen, an dem andere teilhaben können, die mich in meiner künstlerischen Produktion sehr wohl auch beeinflussen (können).

Eigentlich funktioniert das Web2.0 genau nach diesen Prinzipien und  insofern heißt Online-Marketing dann nicht, dass ich über diese Kanäle meine Produkte verkaufe, sondern mit den Menschen in einen Dialog trete und mich auf einem dann hoffentlich sehr hohen Level mit ihnen austausche.

Gelingt es mir also, mit möglichst vielen Menschen in einen solchen Dialog zu treten und sie auf eine Reise mitzunehmen, an dessen Ende ein Kunstwerk steht, für das diese dann zu zahlen bereit sind, dann bin ich einerseits kommerziell und liefere andererseits aber auch ein (hoffentlich) qualitativ hochwertiges künstlerisches Ergebnis.

Dann müssen wir auch die Aussage von Christoph Mathiak diskutieren, der in einem Kommentar zum Interview schreibt, dass sich Kulturmarketing aus dem Erstellungsprozess heraushalten müsse. Wenn wir das Web2.0 als partizipativen Ansatz verstehen und unser Marketing darauf aufbauen (vom Monolog zum Dialog), dann kann das auch Auswirkungen auf den künstlerischen Prozess haben und dazu führen, dass KünstlerInnen nicht mehr vor sich hin produzieren, sondern das künstlerische Produkt das Ergebnis eines Dialogs ist.

Je mehr Menschen ich in diesen Dialog einbinde und von meiner Kunst begeistere, desto mehr Menschen kommen dann in meine Ausstellungen, kaufen meine Bücher oder was auch immer. Künstlerische Qualität und kommerzieller Erfolg könnten also durchaus nebeneinander stehen und ich als KünstlerIn dürfte auch ohne schlechtes Gewissen beides anstreben.

Was meinen Sie dazu?

PS: Die Frage „Kunst oder Kommerz?“ hat mich schon vor einiger Zeit beschäftigt.

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Die soziale Lage der KünstlerInnen in Österreich ist beschämend

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Bereits seit Juni liegt im österreichischen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur der Rohbericht einer Studie vor, die sich mit der sozialen Situation der KünstlerInnen in Österreich beschäftigt. Vor gut einem Monat berichteten die Printmedien darüber, die in den Besitz der Rohfassung gelangt waren, und heute entschloss sich dann kurz vor der Wahl auch der Kulturrat, mit dem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen.

Nur ein paar Zahlen: in Österreich liegt die Armutsgefährdungsgrenze bei 893 Euro pro Monat. 37 Prozent der KünstlerInnen liegen noch unter diesem Wert. Wer mit seiner künstlerischen Tätigkeit nicht ein jährliches Mindesteinkommen von 4.188,02 Euro schafft, muss den Zuschuss aus dem Künstlersozialversicherungsfonds wieder zurückzahlen. Das ist doppelt bitter, denn woher soll man das Geld nehmen, um den Zuschuss zurückzahlen zu können?

Da ist es schon fast als Vorteil zu bezeichnen, wenn einem das bereits fünfmal passiert ist, denn dann gibt es den Zuschuss nicht mehr als Vorauszahlung, sondern erst im Nachhinein. Zurückzahlen muss man dann nichts mehr. :-(

Ich erspare mir weitere Zahlen, man kann die Situation als erschreckend oder alarmierend bezeichnen. Ich tendiere dazu, eher von beschämend zu sprechen. Und das gar nicht so sehr, weil eine Ministerin der Öffentlichkeit seit Monaten die Ergebnisse vorenthält (es müsse noch nachgebessert werden, wird die Ministerin in den Medien zitiert), sondern weil es eigentlich niemanden interessiert. Wahrscheinlich ist noch nicht einmal die nahende Wahl ein Grund für die Verzögerung, nein es ist das Desinteresse.

Es gibt zwar unzählige Studien, die darauf verweisen, wie wichtig die kreativen Köpfe für ein Land sind und welche positiven Einflüsse das auf Wirtschaft, Gesellschaft, etc. hat. Aber anscheinend ist uns die Kreativität doch nicht so viel Wert.

In der gestrigen Presseaussendung ruft der Kulturrat Österreich die verantwortlichen PolitikerInnen auf,

„Position zu beziehen und endlich mit der längst überfälligen Arbeit an der Verbesserung der sozialen und ökonomischen Lage der Kunstschaffenden zu beginnen“.

Nur fürchte ich, werden solche Maßnahmen, so sie denn überhaupt kommen, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Notwendig ist zum einen eine Diskussion über den Stellenwert von Kunst und Kultur unserer Gesellschaft. Erst wenn es einen gesellschaftlichen Konsens darüber gibt, welche Bedeutung dieser Bereich für uns besitzt, werden PolitikerInnen sich dazu aufraffen, die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen.

Notwendig ist aber auch, sich Gedanken darüber zu machen, auf welche Arbeitsmodelle wir zukünftig setzen. In der gestrigen Pressekonferenz merkte jemand an, dass der Kunst- und Kulturbereich uns heute schon zeigt, unter welchen Bedingungen wir morgen arbeiten werden . Und das nicht nur im Kunst- und Kulturbereich. Traurige Aussichten sind das…

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Die Digitalisierung des Buches findet schon statt

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Dass die Musikindustrie sich im Umbruch befindet. ist keine wirkliche Neuigkeit mehr. Die Zahl der unterschiedlichen Ansätze wieder Geld zu verdienen ist mittlerweile so groß, dass es schwer fällt, den Überblick zu bewahren.

In der Buchindustrie geht es (noch) viel ruhiger zu. Aber auch dort ist in den letzten Jahren einiges passiert, wie Rüdiger Wischenbart in der Wochenendausgabe des STANDARD schreibt (leider habe ich dazu keinen Link entdecken können).

Nachdem das elektronische Buch um die Jahrtausendwende herum seinen ersten Hype erlebt hat, erleben wir nach Ansicht von Wischenbart mit der Markteinführung des Kindle und anderer eBook-Reader einen neuen Versuch, uns das digitale Buch schmackhaft zu machen. Im Unterschied zu damals haben sich, so Wischenbart, unser Umgang mit Informationen und unsere Lesegewohnheiten verändert. Die Dominanz von Zeitung, Radio und TV sei gebrochen. Vor allem junge Menschen bilden sich ihre Meinung,

„indem sie bekannte Kolummnisten mit den Kommentaren ihrer Freunde, Kollegen oder Netzbekanntschaften vergleichen“.

Und noch etwas habe sich geändert, so Wischenbart:

„Für junge Leser wird der Zugang zur Information üblicherweise nicht mehr per Stück abgerechnet. Vielmehr bezahlt man für den Zugang selbst eine Art Abonnementgebühr, eine ‚flat rate‘ für Internet oder Handy, über die man sich dann ohne weitere Kosten alle Informationen oder Unterhaltung holt, wann immer und wo immer man möchte.“

Interessant, dass die größten Informationskonzerne auf diesen Zug aufgesprungen sind und dieses Geschäftsmodell übernommen haben. So erwirtschaftet die frühere Thomson-Gruppe, die sich seit der Übernahme der Nachrichtenagentur Reuters Thomson Reuters nennt, nach den Angaben Wischenbarts

„mehr als 80 Prozent ihrer Einnahmen aus digitalen Publikationen und bevorzugt ganz entschieden Informationsdienste, die man im Abonnement Firmen oder Einzelkunden anbieten kann“.

Betrachtet man die zehn größten Verlagsgruppen, dann sehe man, so Wischenbart weiter, dass bereits zwei Drittel der Umsätze aus elektronisch vertriebenen Inhalten bzw. überwiegend digitalen Bildungsangeboten resultieren.

Im Unterschied zu vielen anderen Branchen wird dieser Bereich von europäischen Unternehmen dominiert. Für Wischenbart ist es dabei bemerkenswert, dass die Konzerne noch immer stark durch die Wurzeln ihres Herkunftslandes geprägt seien und außerdem – von Ausnahmen abgesehen – von starken Eigentümerfamilien geführt würden.

Die Verlage haben in diesem Jahr damit begonnen, die digitalen Lesegeräte zu promoten und versprechen, Bestseller künftig auch im dazu passenden Format anzubieten.

Für Wischenbart versteckt sich dahinter entweder eine Werbestrategie oder eine Fehleinschätzung, denn

„für einen – europäischen oder angelsächischen – Bestseller mit einer Auflage von 50.000 oder mehr Exemplaren sorgt der Druck auf Papier wohl noch auf viele Jahre hin für die einfachste und billigste Form der Verbreitung“.

Die digitale Verbreitung sei aber eher etwas für die Werke mit einer geringen Auflage, stellt Wischenbart fest, denn die Kosten für Papier, Druck, Vertrieb und Lagerhaltung würden mindestens die Hälfte des Ladenpreises eines Buches ausmachen.

Er sieht also eher in den Nischen ein Potenzial und verweist auf das Genre der Fantasy-Romane, die in China großteils online zur Verfügung stehen, weil die Geschichten, wie Wischenbart schreibt, für gedruckte Bücher einfach zu umfangreich wären.

Daraus leitet Wischenbart aber nicht das Ende des Buches ab, sondern eher die Entstehung „eine(r) neuen(n), auch wild wuchernde(n) Vielfalt der gleichzeitigen Wege und Möglichkeiten“. Einher werde damit der Niedergang der gewachsenen Geschäftsmodelle gehen, ist Wischenbart überzeugt und prognostiziert

„sehr unterschiedliche Strategien für Große und Kleine, für lokale Verlage oder thematisch spezialisierte Plattformen mit verstreuter Leserschaft“.

Vor allem die Kleinen, denen der Bestseller nicht gelingt, werden sich intensiv um ihr Lesepublikum kümmern. Für sie gelte es, die eigene Community zu gewinnen und zu pflegen, wie Wischenbart es formuliert. Wischenbart liegt sicher nicht falsch, wenn er die Brücke zur Vergangenheit schlägt:

„Wer möchte, kann sich da der Tradition der romantischen Salons zu Beginn des 19. Jahrhunderts besinnen – jetzt verstärkt durch die neuen Informationsmedien und das Internet.“

Die ersten digitalen Strukturen haben sich also bereits herausgebildet. Die eBook-Reader sind nun, wie Wischenbart glaubt, ein weiterer Hinweis, für eine Entwicklung, auf die wir nicht mehr warten müssen, sondern die bereits begonnen hat.

AutorInnen wie Alice Gabathuler oder Martin Gleissner, die ich jetzt hier erwähne, weil ich ihre Blogs lese, aber auch ein bekannter Schriftsteller wie Paulo Coelho haben die Zeichen der Zeit erkannt und betreiben eine ganz neue Form der Leserbindung. Aber auch Veranstaltungsformate wie das von Sabine Gysi initiierte Projekt Salonpalaver weisen in eine Richtung, in der AutorInnen und Publikum sich immer näher kommen.

Darüber hinaus gibt es dann Plattformen, auf denen die LeserInnen Empfehlungen aussprechen können (Amazon) oder sich über ihre Lektüre austauschen (z.B. Shelfari oder readme.cc). Rüdiger Wischenbart hat schon Recht, wenn er feststellt, dass auch für das Buch das digitale Zeitalter schon lange begonnen hat. Trotzdem bleibt es spannend, denn wir alle haben keine Ahnung, was die Zukunft bringen wird.

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Ein Interview mit mir

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Das Frage- und Antwortspiel ist immer wieder eine Herausforderung. Ich sehe mich, so ich der Befragte bin, immer wieder mit neuen Fragen konfrontiert, deren Beantwortung einem Dinge klar werden lassen oder auch einfach nur dazu dienen, sich bestimmte Punkte wieder in Erinnerung zu rufen.

Für mich ist die Figur des digitalen Kurators so ein Punkt im Interview gewesen, das ich Kerstin Hoffmann und ihrem Blog Storyboard – das Kommunikationsblog geben durfte. Ich denke, der technologische Fortschritt wird uns noch sehr viele herausfordernde und hilfreiche Neuerungen bringen. Aber wir werden immer auch Personen brauchen, die in der Lage sind, Dinge zu verknüpfen bzw. weiter zu denken. Kuratoren eben.

Abgesehen davon hat es aber auch einfach Spaß gemacht, Kerstins Fragen zu beantworten. Deshalb: danke Kerstin für die Gelegenheit, Deine Fragen beantworten zu dürfen.