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PR: verpasste Chancen

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In meiner Mailbox befindet sich unter anderem ein Ordner, in den Mails kommen, die sich in Warteposition befinden. Warteposition kann vieles heißen, Anfragen, Infos, etc.. Und zwar solche, bei denen mich die Inhalte interessieren und die Möglichkeit besteht, sie später zu verwenden, ohne genau zu wissen, wofür. So habe ich beispielsweise vor ziemlich genau zwei Monaten eine Aussendung zum Thema Pinakothek der Moderne in München erhalten. Darin ist von einer „Aufsehen erregenden Pressekonferenz“ die Rede, in der die „Stiftung Pinakothek der Moderne“ ihre Pläne eines Kunstareals vorgestellt hat, in dessen Zentrum sich die drei Pinakotheken befinden werden. Das Ziel sei es, die „Kunst- und Kulturmetropole München“ auf eine Stufe mit Berlin, London oder Paris zu stellen. Nachdem die Entwicklung des Museumsquartiers hier in Wien nicht ganz spurlos an mir vorüber gegangen ist und mich vor allem die Konzepte dahinter interessieren, nahm ich das Angebot der Agentur, mich mit weiteren Informationen bezüglich des Kunstareals in München zu versorgen, gerne an und schrieb eine Mail. Darin formulierte ich auch gleich eine ganz konkrete Frage, nämlich inwieweit es in München auch kulturpolititische Konzepte gäbe, um dieses Areal als Kunstzentrum im Herzen der Stadt zu etablieren? Kurz darauf der Anruf der Agentur, in dem ich erklärte, dass mich die Baupläne eher nicht interessieren. Man werde sich darum kümmern und sich wieder bei mir melden, wurde mir versichert. Nun sind mittlerweile knapp zwei Monate vergangen, in denen sich niemand gemeldet hat und deshalb habe ich die Mail jetzt gerade gelöscht. Ich würde so etwas als verpasste Chance bezeichnen. Da hätte es nun die Möglichkeit gegeben, das Konzept vorzustellen, zu diskutieren oder was auch immer. Ein Blog hat unendlich viel Platz, es lassen sich Links setzen, audiovisuelle Medien einsetzen und man könnte unter Umständen Rückmeldungen von den bekommen, denen man da Gutes tun möchte. Natürlich könnte man jetzt argumentieren, mein Blog habe im Vergleich zu einer Tageszeitung nur sehr wenig LeserInnen. Mag sein, aber dann hätte man mir ja die Presseaussendung gar nicht schicken müssen. Wenn Agenturen das weite Feld von Social Media nur als einen zusätzlichen Kanal betrachten, in den sie ihre Pressetexte hineinkippen, dann machen sie sich mittel- und langfristig überflüssig. Dafür brauche ich als Kunde keine Agentur, das kann ich selbst besser machen. Thomas Pleil hat in einem seiner Blogposts zu der Frage, wie sich die PR entwickle, die Aufgabe der PR-Agentur bzw. PR-Abteilung sehr schön vorgezeichnet. Seiner Meinung nach verliert sie nicht an Bedeutung, sondern bekommt eine neue Rolle:
„Sie wird zum (Vorsicht: Denglisch) Enabler von Kommunikation“,
schreibt Pleil und dieser Begriff des enablen gefällt mir nach wie vor am allerbesten, wenn es darum geht, die zukünftige Rolle der PR zu beschreiben. Kommunikation möglich zu machen heißt, in Erfahrung zu bringen, wie diejenigen, mit denen ich ins Gespräch kommen möchte, kommunizieren. Darauf baue ich dann meine Kommunikation auf. Wie gesagt, der Social Media-Bereich bietet unendlich viele Möglichkeiten, um über ein Thema zu kommunizieren, in schriftlicher Form, auf der auditiven oder visuellen Ebene. Und das ohne Platzbeschränkung. Das mag zwar eine tolle Chance sein, das kann aber auch dazu führen, dass wir feststellen: der Kaiser trägt ja gar keine Kleider. Ein halbseitiger Text muss oberflächlich bleiben und überdeckt etwaige Schwächen. Wenn man dann aber hinter die Fassade blickt, stellt man fest, dass es an der Substanz fehlt. Das ist das Risiko, auf das man sich einlässt, keine Frage. Wie es sich nun mit dem Kunstareal München verhält, kann ich nicht sagen. Vielleicht steckt dahinter ein spannendes und ausgeklügeltes Konzept, das auch das Thema Stadtentwicklung mitdenkt und partizipative Ansätze enthält? Vielleicht geht es aber auch nur um die Farbe der Pflastersteine, die zwischen den drei Pinakotheken verlegt werden sollen?
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