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Der Kabarettist Günter Schütter versteigert sich auf Ebay

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Ebay Versteigerung Exit 100 ist ein kleiner Kulturverein im burgenländischen Pinkafeld. „Exit100 steht für den letzten Ausweg! Für den letzten Ausweg Kultur“, heißt es im Weblog exit100, das Günter Schütter betreibt. Exit100 ist aber auch auf Facebook oder auf MySpace vertreten. Wer weiß, welcher Aufwand dafür notwendig ist, weiß diese Aktivitäten zu schätzen. Aufgefallen ist mir die Ankündigung, dass Günter Schütter, Obmann des Vereins und Kabarettist, sich bzw. sein neuestes Programm auf Ebay versteigert. Und das vor der offiziellen Premiere! Weil mich interessiert, was es mit dieser Versteigerung auf sich hat, habe ich ihn gebeten, mir per Skype ein Interview zu geben. Kulturmanagement Blog: Günter, Du versteigerst gerade Dich bzw. Dein Kabarettprogramm. Warum? Günter Schütter: Ich unterstütze dabei die Kulturplattform exit100. Exit100 hat mit kleineren finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Versteigerung ist Teil eines Sanierungsplanes der in den nächsten 3 Monaten umgesetzt wird! Kulturmanagement Blog: Die Idee, sich selbst zu versteigern, klingt im ersten Moment ungewöhnlich. Du hast sie über das exit100-Weblog angekündigt und bist nun auf Ebay zu finden. Gibt es schon erste Reaktionen auf Deine Idee? Womit ich jetzt gar nicht die Gebote meine. Günter Schütter: Ja! Das Feedback war sensationell! Ich glaube jeder findet die Idee ziemlich gut. Man stelle sich vor, in seinem eigenen Wohnzimmer tritt ein Kabarettist auf. Ausserdem glaube ich, dass man in der Krise, wenn man kühlen Kopf bewahrt, am kreativsten ist! Kulturmanagement Blog: Die Idee gut zu finden ist die eine Sache. Wie sieht es bis jetzt mit den Geboten aus? Bieten diejenigen, die Deine Idee gut finden auch auf Ebay mit oder erntest Du von denen bis jetzt nur Zustimmung? Günter Schütter: Ein paar bieten schon! Jetzt haben wir natürlich das Problem, dass viele nicht auf Ebay registriert sind! Wir werden bis morgen eine Möglichkeit einrichten, damit jeder mitbieten kann. Seit heute gibt es eine Flugzettelaktion zusätzlich. Die Presse hat mich auch schon angerufen. Das Projekt wird also mehr als wahrgenommen! Kulturmanagement Blog: Das heißt, Dir geht es nicht ausschließlich um die Einnahme aus der Versteigerung, sondern auch darum, Aufmerksamkeit zu erregen? Günter Schütter: Natürlich! Es gibt viele Leute die sich in Krisen befinden! Nur redet keiner drüber! Wir wollen keine Schuldfrage klären, warum exit100 Probleme hat. Wir wollen gemeinsam eine Lösung finden. Und vielleicht gelingt es uns auch, andere zu ermutigen über die Probleme zu sprechen. Gerade vor Weihnachten…. Kulturmanagement Blog: Gibt es bei dieser Aktion irgendwelche Einschränkungen? Es könnte ja sein, dass Dich ein Veranstalter günstig „ersteigert“ und dann bei Deinem Auftritt mit dem Erlös aus den Eintrittskarten Geld verdient? Günter Schütter: Dann soll es so sein! Man muss in erster Linie an das Gute im Menschen glauben. Über den Erlös wird man sich dann Gedanken machen. Der Künstler Schütter ist ja nicht bekannt. Das Risiko ist ja da für den Veranstalter auch sehr groß. Ich würd lieber in einer gemütlichen „Kuchl“ spielen. Kulturmanagement Blog: Du hast davon gesprochen, dass die Versteigerung Teil eines Sanierungsplans ist. Das heißt, Ihr könnt oder wollt Euch nicht mehr auf die öffentliche Hand verlassen, sondern versucht Ideen zu entwickeln, wie sich exit100 finanzieren lässt. Gibt es noch andere Ideen, die bereits umgesetzt werden? Günter Schütter: Es ist halt immer das Problem mit den Förderungen. Ein Politiker kann prinzipiell nicht nein sagen. Es wird halt viel versprochen. Wir bringen ca. 5.000 Leute im Jahr in die Region. Wertschärtzung seitens der öffentlichen Hand ist leider fast keine da! Wir müssen einfach ohne Förderungen auskommen. Momentan sind wir die Bösen, weil nicht alles so geklappt hat. Wir haben unsere Fehler eingestanden und daraus gelernt! Zu den Ideen: Es gibt eine Jahreskarte für alle Veranstaltungen, ein Kooperationspaket mit der Wirtschaft, ein paar Benefizaktionen in den nächsten Monaten! Du siehst: exit100 lebt! Mehr denn je! Kulturmanagement Blog: Wie geht es jetzt konkret weiter, denn wenn nach der Versteigerung nichts kommt, dann verpufft deren Wirkung ja, oder? Günter Schütter: Es gibt am 27.12. eine reale Kulturauktion. Wo Exponate wie z.b. ein signierte CD von Oscar Preisträger Glen Hansard verlost werden. Es sind ja momentan schon ein paar Euros da! Die Wirkung verpufft sicher nicht! Die Versteigerung hat uns ins Gespräch gebracht und das wichtig! Wir sind zumindest schon soweit, dass der laufende Betrieb ausfinanziert ist. Und da möchte ich mich bei allen bedanken die da mitgeholfen haben! Kulturmanagement Blog: Dann sage ich danke für Deine Antworten! Wenn Sie jetzt mitsteigern wollen, dann können Sie das noch etwas mehr als acht Tage auf Ebay machen. Derzeit liegt das Angebot bei 30,50 Euro. Zu wenig für ein Kabarettprogramm, finden Sie nicht auch?

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  1. Pingback: Serie Web 2.0 im Kulturbereich - Basiswissen: Neue Formen der Kulturfinanzierung im Web 2.0 | stART Conference 2009 |stARTconference

  2. in der krise ist man am kreativsten? mag sein, auch wenn man sagen könnte, dass liegt nicht an der krise
    ich bin zwar der ansicht, man solle sich neue wege einfallen lassen, leute zu erreichen, doch eine der wichtigsten aufgaben des theaters ist es doch wohl, menschen miteinander ins gespräch zu bringen, ein gemeinschaftserlebnis zu erzeugen, das mit diskussion und kunst zu tun hat. „ich kaufe mir meinen eigenen komiker“ läuft dem diametral entgegen – es handelt sich dabei doch wohl eher um eine art 3D-fernsehen.
    fazit: respekt für den versuch eine kultureinrichtung zu sanieren und für die bereitschaft, neue wege auszuprobieren, doch ich finde dieses ergebnis zumindest diskutabel…

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  3. @Anja: natürlich kann man über diese Idee diskutieren. Aber das Gemeinschaftserlebnis kann ich doch auch im eigenen Wohnzimmer erzeugen? Der Auftritt ist ja nicht nur für mich alleine gedacht, sondern die Idee dahinter ist, Freunde oder Bekannte einzuladen, um dann zusammen den Abend zu erleben. Gerade hier scheint mir das Gemeinschaftserlebnis intensiver auszufallen als in einem Theater mit 400 Abonnenten.

    In diesem Zusammenhang möchte ich ganz gerne auf das Prinzip der Hauskonzerte verweisen, ein Ansatz, über den ich vor einiger Zeit zwei Blogbeiträge verfasst habe. Außerdem gibt es auch noch die konspirativen Küchenkonzerte . :-)

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    • wenn man möchte, kann man ein gemeinschaftseerlebnis erzeugen – die möglichkeit mit freunden und bekannten zu quatschen, habe ich natürlich auch ohne komiker in der küche … ist es nicht interessant, einmal kunst in einem anderen / fremden rahmen zu erleben und leute zu treffen, die eigentlich mit mir nichts zu tun haben?

      das klingt jetzt etwas polemischer als es soll – denn wie gesagt: ich bin ja immer dafür neues auszuprobieren – die diskussion an sich bringt mir zum beispiel schon wieder recht viel – danke ;-)

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  4. @Anja: klar bringt das was, wenn man sich mit mir fremden Menschen über das Theaterstück unterhält, das beide gerade gesehen haben. Nur ist das in unseren Kulturbetrieben gar nicht vorgesehen, dass wir miteinander ins Gespräch kommen, es fehlen die Formate. Ist das Stück/Konzert zu Ende, verstreut sich das Publikum in alle Richtungen. Aber das könnte man ja ändern, ja das wäre wünschenswert.

    Ich kann aber natürlich auch unbekannte Menschen in mein Wohnzimmer einladen. Die Veranstaltung muss ja nicht gleich die Dimensionen der mittlerweile gefürchteten Facebook-Partys annehmen. ;-)

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