Monthly Archives of: Januar 2009

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Kostenlose Presseverteiler in Deutschland: die Top Ten

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Blog Trainer Karl-Heinz Wenzlaff hat sich auf die Suche nach den „10 besten kostenlosen deutschen Presseverteilern 2009“ gemacht. Sein Bewertungskriterium:

„Wieviele Meldungen haben die kostenloser Presseverteiler heute am 12. Januar 2009 in den deutschen Google News stehen? (in Klammern: 1. 2. 2008)“

Unangefochtener Spitzenreiter ist in diesem Ranking PR-inside, gefolgt von Live-PR.com. Krusenstern stellt in einem Kommentar die nicht unberechtigte Frage,

„ob Mainstream-Medien diese kostenlosen Presseverteiler überhaupt beachten?“

Eher nicht, vermute ich, aber auf der anderen Seite nimmt die Zahl derer, die diese PR-Angebote abonnieren, ständig zu. Vielleicht hat das damit zu tun, dass sich immer weniger UserInnen auf die Mainstream-Medien verlassen und die Nachrichten in Form eines Themenabos über diese Presseverteiler abonnieren? Ich selbst werde dort des öfteren fündig und kann es eigentlich nur allen empfehlen, einen Blick auf die Presseverteiler zu werfen.

Via PR-Doktor Kerstin Hoffmann

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„here comes everybody“: Clay Shirky im Video

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Wer sich für die Möglichkeiten interessiert, die uns all die Social Media Tools bieten, sollte sich dieses Video von Clay Shirky anschauen. Den Vortrag hielt er nach der Veröffentlichung seines Buches „Here Comes Everybody: The Power of Organizing Without Organizations„.

Clay Shirky ist für mich einer der Vorreiter in Sachen Social Web, nicht nur weil er ein sehr kluger Kopf ist, sondern auch wegen seiner Formulierungskünste. Wenn Sie sich das Video anschauen, wissen Sie vermutlich, was ich meine.

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Social Media strategisch planen

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Beth Kanter hat auf Ihrem Blog eine Anleitung veröffentlicht, wie NPO zu ihrer Social Media Strategie kommen. Folgende Fragen gilt es, so schreibt sie in ihrem Beitrag „Creating Your Organization’s Social Media Strategy Map„, im Hinblick auf die Ziele zu beantworten:

  • „What do you want to accomplish with social media?
  • Now, restate your objective so it is “SMART” – specific, measurable, attainable, realistic, and time-based?
  • Describe how your social media objective supports or links to a goal your organization’s communications plan?“

Am allerwichtigsten erscheint mir im Hinblick auf das Erarbeiten einer Strategie ihr Hinweis, dass es beim Einsatz von Social Media nicht darum gehe, die Masse zu erreichen, sondern so Kanther:

„it is more about reaching the influencers, developing relationships, having a conversation, and getting insights“.

Wahrscheinlich ist das der Irrglaube, dem viele erliegen. Es geht nicht darum, einfach nur Kontakt herzustellen, ohne zu wissen, wie es dann weitergeht, sondern es gilt, eine Botschaft zu haben, die dann über Multiplikatoren weiter verbreitet werden kann.

Immer wieder wichtig sind die einzelnen Aspekte, auf die man beim Einsatz von Social Media achten sollte:

  • „Listening and Learning
  • Build Relationships and Issues Awareness
  • Improve Reputation
  • Content Generation and Issues Awareness
  • Increased Relevant Visitor Traffic and Page Rankings
  • Taking Action or Fundraising“

Oft fehlt in den Konzepten der letzte Punkt, der die UserInnen dazu auffordert etwas zu tun. Ob das jetzt das Weiterleiten einer Nachricht ist, die Geldspende oder die Beteiligung an einem Projekt oder einer Aktion spielt keine Rolle. Hauptsache, es ist ein Angebot vorhanden.

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Kulturmanagement als ein Diskursfeld?

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Vor ziemlich genau einem Jahr fand in Hildesheim die 2. Arbeitstagung des Fachverbands Kulturmanagement statt, in der es um die Weiterentwicklung des Themenfelds Kulturmanagement ging. Folgende Aspekte sollten dabei, so heißt es in der Zusammenfassung, berücksichtigt werden:

  1. „Die Herausbildung eines eigenen Fachdiskurses als Meta-Reflexion über die Disziplin des Kulturmanagements ist Voraussetzung für die Herausbildung einer eigenen Identität des Kulturmanagements als Wissenschaftsdisziplin.
  2. Kulturmanagement ist eine Disziplin zwischen wissenschaftlicher Invention und praktischer Intervention. Forschung im Kulturmanagement ist häufig angewandte Forschung, oftmals Auftragsforschung. Sie agiert im Spannungsfeld von direkt anwendbarem Handlungswissen und Reflexionswissen.
  3. Kulturmanagementforschung braucht ein integrierendes Vorgehen, das die verschiedenen Forschungsansätze der unterschiedlichen Bezugsdisziplinen zusammen führt.
  4. Statt eines multidisziplinären Nebeneinanders wie im Baukastensystem ist ein spezifischer Methodenpluralismus angestrebt. Kulturmanagement wird so nicht als eine sich abgrenzende Disziplin gedacht, sondern als ein Diskursfeld, das sich situativ auf wechselnde Anforderungen einstellt.
    Kulturmanagement wäre damit als eine hybride Interdisziplin zu denken, die sich in verschiedenen gesellschaftlichen Spannungsfeldern bewegt und in der auch kreative Sprünge und das nicht in Kennzahlen Messbare zur Geltung kommen.
  5. Der Einfluss von Kulturmanagement, das als inszenatorische Praxis und Gestaltung kultureller Kontexte, weit über die Bereitstellung organisatorischer Rahmenbedingungen hinaus gehen kann, muss bewusst in den Blick genommen und verantwortungsvoll zur Geltung gebracht werden.
    Kulturmanagement ist nicht auf das Institutionen-Management beschränkt, sondern beinhaltet auch kulturelle Interventionen.“

Vor allem der vierte Punkt scheint mir sehr wichtig zu sein. Kulturmanagement als ein Diskursfeld und hybride Interdisziplin. Wenn man bedenkt, was für (System-)Veränderungen wir derzeit erleben und wenn wir uns das Interview von Fredmund Malik in Erinnerung rufen, dann könnte man meinen, das Kulturmanagement habe schon Monate im Voraus gewusst, wie sich die Welt entwickeln wird.

Wir entwickeln uns hin zu einer Gesellschaft,

„deren wichtigstes Merkmal ihre extreme Komplexität ist“,

sagt Malik in dem Interview. Die Ablehnung eines „multidisziplinären Nebeneinanders“ ist da der logische Schritt, denn so lässt sich Komplexität sicher nicht bewältigen. Netzwerke statt hierarchischer Strukturen, Offenheit statt geschlossener Räume.

Vom Diskursfeld war die Rede, in dem man sich situativ auf veränderte Rahmenbedingungen einstellt. Heißt das nicht auch, dass man diesen Diskurs nicht nur beginnt, sondern ihn auch nach außen hin öffnet? Natürlich ist das Social Web mit seinen zahllosen Kommunikationskanälen ein ideales Feld, in dem man solche Gespräche beginnen kann. Man kann sie aber auch an jedem anderen Ort führen, der so offen ist, dass andere dazu Zugang haben.

Heute haben wir den 27. Januar 2009, vor zehn Tagen fand eine weitere Arbeitstagung des Fachverbands statt. Bis heute gibt es keinen einzigen Bericht darüber im Internet zu finden. Ich erwarte ja nicht, dass alle KulturmanagerInnen live von der Tagung twittern. Aber wenn man vor einem Jahr festgehalten hat, dass Kulturmanagement als ein Diskursfeld zu verstehen ist, sollte man dann nicht irgendwann und irgendwo damit beginnen?

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Spaß haben als Rezept für erfolgreiches Projektmanagement

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© S. Hofschlaeger; Pixelio

Projektmanagement hat mittlerweile in (fast) allen Bereichen Einzug gehalten. Planlos vorzugehen ist verpönt und deshalb gibt es mittlerweile auch jede Menge Bücher, Seminare oder Websites, wo wir vermittelt bekommen, was Projektmanagement ist und wie wir es erfolgreich für unsere Zwecke einsetzen können.

Besonders beliebt sind dabei Rezeptbücher, die uns verraten, wie wir in x (Zahl beliebig einsetzbar) Schritten erfolgreiche ProjektmanagerInnen werden. So verrät uns zum Beispiel Richard Morreale auf seinem Blog acht Erfolgsstrategien. Die Punkte, die er auflistet, sind auch alle wichtig, deshalb hat sie auch Andreas Heilwagen auf seinem Blog Projekt Management Beratung aufgegriffen und die acht Punkte übersetzt.

Einen Punkt möchte ich ganz besonders hervorheben. Es ist der letzte in der Liste:

„Haben Sie Spaß!“

heißt es dort. Leider vergessen wir diesen Punkt des öfteren, dabei ist die positive Wirkung von Lachen unbestritten. Denken Sie doch einfach bei nächster Gelegenheit daran. In diesem Sinne: viel Spaß und Erfolg in dieser Woche, auch wenn Sie gerade in keinem Projekt arbeiten. ;-)

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Die Finanzkrise: das Ende der öffentlichen Kulturförderung?

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© Conny T.; Pixelio

Bis jetzt hieß es ja immer, die Finanzkrise würde bei uns keine Auswirkungen auf den Kunst- und Kulturbereich haben, weil es vor allem der Staat sei, der diesen Bereich finanziere und für den Erhalt und Fortbestand der Kulturbetriebe sorge. Klang das anfangs noch sehr zuversichtlich, ist der Grundtenor der Meldungen heute schon ein etwas anderer. In der Albertina werde es wegen der Finanzkrise weniger Ausstellungen geben, in den nächsten vier Jahren müsse das Museum 12 Mio. Euro einsparen, so z.B. Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder.

Und das Da Ponte Institut hat gleich ganz zusperren und Konkurs anmelden müssen. Das sind jetzt nur zwei Beispiele aus Wien, woanders wird es nicht besser aussehen, vermute ich. Wird es also das von Clay Shirky prophezeite Blutbad geben? Vielleicht liege ich gar nicht so falsch mit meiner Behauptung, dass das öffentliche Fördersystem obsolet werden könnte?

Zwei Beobachtungen: als ich diese Woche die erste SocialBar hier in Wien besucht habe, ging es unter anderem um das Thema Social Entrepreneur. Bei den NPO ruft das Thema Widerstände hervor, denn die Organisationen fürchten, dass sich mit dem Aufkommen der Social Entrepreneurs der Staat aus seiner Verantwortung zurückziehen könnte. Ich kann das Argument verstehen, allerdings hat der Staat die NPO schon ohne Social Entrepreneurs in den letzten Jahren mit immer weniger Geldmitteln ausgestattet. Kann man darauf also bauen?

Angesichts der enormen Geldsummen, die in verschiedene Wirtschaftsbranchen gepumpt werden, werden immer wieder mal Vergleiche angestellt, was man mit einem Bruchteil dieser Summen im NPO-Bereich (da schließe ich den Kunst- und Kulturbereich mit ein) alles bewirken könnte. Auch Educult-Geschäftsführer Michael Wimmer macht in einem Blogbeitrag einen Vorschlag, der in eben diese Richtung zielt, womit ich bei meinem zweiten Punkt bin. Er möchte 1% der Summe, die Österreich für seine beiden aktuellen Konjunkturpakete ausgibt, zusätzlich für den Kunst- und Kulturbereich haben. Bei 5,7 Mia. Euro wären das immerhin 57 Mio. Euro.

Diese Forderungen sind in meinen Augen unrealistisch, denn die bis jetzt vereinbarten Konjunkturpakete werden nicht die letzten sein. Zuviel ist in den letzten Jahrzehnten auf Sand gebaut worden und die Löcher, die es zu stopfen gilt, sind noch nicht einmal alle bekannt. Überspitzt formuliert wird sich das Rad noch so lange nach unten drehen, bis jedem Kredit ein realer Gegenwert gegenübersteht.

Die Frage ist nun, ob sich dieses System jemals wieder erholen kann? Fredmund Malik verneint dies. In einem Interview für die FAZ spricht er von der „größte(n) Systemtransformation der Geschichte“, einer Krise, die „mit herkömmlichen Methoden nicht zu lösen“ ist. Auf die Frage, wie er die bisherigen und die geplanten Maßnahmen bewerte, antwortet er:

„Man gibt dem Alkoholiker Schnaps, damit sein Zittern aufhört.“

Ein Großteil der Unternehmen dürfte eigentlich unter Innovationsgesichtspunkten nicht gerettet werden. Autokonzerne wie Chrysler oder GM, aber auch etliche Unternehmen aus anderen Branchen sollte man eigentlich in den Konkurs schicken, damit etwas Neues entstehen kann. Ich wähle hier bewusst den Konjunktiv, denn die Innovationszyklen sind nicht das einzige Maß, das zählt. Die staatlichen Gelder werden in solche Unternehmen gesteckt, um den sozialen Frieden zu erhalten. Um den Wandel von der „Geld- zu einer Wissensgesellschaft“, wie Malik es nennt, halbwegs kontrolliert über die Bühne gehen zu lassen.

Um unser soziales System aufrecht zu erhalten, wird der Staat noch etliche Konjunkturpakete schnüren müssen, die nur dazu dienen, die Folgen zu lindern, aber noch nicht als Investition in die Zukunft zu verstehen sind. In dieser Phase, in der versucht wird, unser System am Leben zu erhalten, wird für Kunst und Kultur nicht mehr Geld zur Verfügung stehen, sondern eher weniger. Wenn es ungünstig läuft, sogar sehr viel weniger.

Das wird die Phase sein, in der etliche NPO verschwinden werden, so wie jetzt schon das Da Ponte Institut. Vielleicht ist das die Phase, wo Social oder Cultural Entrepreneurship ein Ansatz ist, damit diese Bereiche überleben können?  Wo steht geschrieben, dass das alte System der staatlichen Förderung auch zukünftig noch existieren wird? Wir wissen es nicht und ich möchte auch nicht behaupten, dass diese Entwicklung so stattfinden wird, wie ich es hier andeute. Fahrlässig wäre es in meinen Augen nur, den Kopf in den Sand zu stecken und darauf zu hoffen, dass schon alles gut werde.

Wenn Malik mit seinen Vorhersagen Recht hat, dann schaut die Zukunft gerade für den Kunst- und Kulturbereich nicht schlecht aus. Wie sagt Malik?

„Die neuen Realitäten sind hyperkomplexe, ultradynamische, vernetzte Systemkonfigurationen. Herkömmliche Denkweisen und Methoden sind gänzlich untauglich um solche Systeme zu verstehen und zu managen.“

Ich behaupte, KünstlerInnen bewegen sich schon lange in äußerst komplexen Strukturen und sind prädestiniert, eine Vorreiterrolle im Umgang mit Komplexitäten zu übernehmen. Nicht mehr das Geld steht im Vordergrund, sondern das Wissen. Das klingt schon fast nach der guten alten Zeit, in der die KünstlerInnen hochgeachtet waren. Hochachtung mag sein, aber in den Netzwerken der Zukunft werden wir trotzdem vermehrt auf uns selbstgestellt sein. Um dort bestehen zu können, ist so etwas wie Social oder Cultural Entrepreneurship genau der richtige Ansatz. Das heißt, Vorhersagen lassen sich nicht machen, was in komplexen Situationen aber eigentlich auch kein Wunder ist.

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Das Kulturmanagement Blog gibt es jetzt auch als Microblog

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Kulturmanagement Soup

Es gibt ja Informationen, die möchte man einfach schnell weitergeben. Ein Link, ein Veranstaltungshinweis, ein Foto oder ein kurzer Hinweis, was auch immer. Würde ich die alle hier in das Blog stellen, würde ich Sie zumüllen.

Deshalb habe ich bei soup.io ein Microblog eingerichtet. Meine Kulturmanagement Soup enthält kurze Hinweise, Infos, Links oder auch Veranstaltungshinweise rund um das Thema Kulturmanagement. Was Sie dort nicht finden, sind die Blogposts von hier, denn Doppelgleisigkeiten möchte ich vermeiden. Wenn Sie nun z.B. wissen wollen, wo Sie eine Liste mit Kulturtwitterern finden können und wie Sie da selbst drauf kommen, schauen Sie mal auf der Kulturmanagement Soup vorbei. Ich freue mich auf Ihren Besuch.

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Vielleicht bald auch an Ihrem Bahnhof?

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Wer Spaß an künstlerischen Inszenierungen im öffentlichen Raum hat, kennt wahrscheinlich Improv Everywhere und ihr Highlight Frozen Grand Central Station, eine Performance, die ich ja hier auf dem Kulturmanagement Blog auch schon vorgestellt habe.

Mit einer ähnlichen Aktion macht derzeit T-Mobile UK auf sich aufmerksam. Wieder ist der Schauplatz ein Bahnhof. Aber sehen Sie selbst:

Ich finde es faszinierend, wie es T-Mobile damit gelingt, eine Form von Werbung zu etablieren, die die Leute sicher mehr anspricht als das plakative Anpreisen angeblich günstiger Tarife. Knapp 900.000 Aufrufe des Videos auf YouTube innerhalb von 7 Tagen sprechen da eine deutliche Sprache. Jetzt würde ich so eine Aktion gerne mal live erleben. Der Südbahnhof hier in Wien wäre dafür ideal. ;-)

via Basic Thinking

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Werbemüll auf Xing

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Wenn ich etwas wirklich spannend finde, dann sind es Werbemails, die so beginnen:

„Sehr geehrter Herr Henner-Fehr, ich bin kürzlich auf Ihr Profil gestoßen.“

So geschehen gestern auf Xing. Was denkt man sich da? Jetzt kommt ein maßgeschneidertes Angebot, bei dem man gar nicht Nein sagen kann. Gespannt wartet man also auf den nächsten Satz, der das Geheimnis enthüllt:

„Sie suchen nach neuen Ideen und Möglichkeiten. Wir bieten interessantes Neues.“

Woher wissen die, dass ich nach neuen Ideen und Möglichkeiten suche? In meinem Xing-Profil steht da nichts davon. Und die Behauptung, dass man mir etwas interessantes Neues bieten würde, klingt auch nicht wirklich aufregend. Ich würde sagen: Marketing-Gesülze.

Und dann kommt endlich die Aufklärung: man bietet mir ein „wirklich neues Werbe- und Promotionmedium“ an. Der Link, der darauf folgt, lässt mich schon Böses ahnen und wirklich: auf der Website finden sich Bilder, auf denen Menschen durch eine Straße gehen und auf dem Rücken einen Infoscreen tragen, auf dem Werbung läuft.

Liebe Firma Conmark, der Website entnehme ich, dass „zielgenaue Werbung mit hoher Aufmerksamkeit seit jeher eine der Hauptanforderungen an   Werbetreibende (ist).“ Und mit diesen komischen Kästen glauben Sie nun, einen Weg gefunden zu haben, „Werbung direkt, ohne Umwege  und mit hoher Attraktivität zur Zielgruppe zu bringen“?

Klar, Sie haben ja auch mein Profil gelesen. Meine Zielgruppe läuft auf der Straße herum und glotzt auf Infoscreens. Das nenne ich zielgenau und ohne Streuverlust. Und wenn man mal von der Straße abkommen sollte: diese Dingens sind „stoß- und spritzwasserfest und  auch für härtere Outdooreinsätze geeignet“.

Und um solche Mails zu schreiben, studieren Leute Kulturmanagement. Ich schäme mich!

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Kunst entdecken im Internet

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In einem Kommentar zu meinem Beitrag „Warum Künstlerplattformen nicht funktionieren“ spricht „michael“ einen interessanten Aspekt an, nämlich den Umgang mit all den Kunstwerken und all den KünstlerInnen, die im Internet zu finden sind. Derzeit wuchert das Internet so vor sich hin und an jeder sprichwörtlichen Ecke tauchen neue Inseln auf, auf denen Kunst gezeigt wird und sich KünstlerInnen präsentieren.

Wie damit umgehen? Wenn ich Michael richtig verstanden habe, dann geht es ihm vereinfacht gesagt darum, das, was an Kunst im Internet zu finden ist, in eine Datenbank einzugeben und den UserInnen semantische Suchinstrumente in die Hand zu geben, mit deren Hilfe sie finden können, was sie finden wollen.

„komplexe systeme de-komplexieren, das heisst fragmentieren. und die überlappungen (semantisch) einbeziehen“,

erklärt Michael seine Sichtweise. Häufig unbefriedigende Suchergebnisse bei Google sind ein Hinweis darauf, dass wir hier wirklich anstehen. Google weiß nicht, ob ich mit dem Suchwort „Apache“ den Hubschrauber, die Indianer oder einen Server meine. Die Zahl der Unternehmen, die sich mit semantischen Lösungen beschäftigen, steigt seit Jahren kontinuierlich an und im kleinen Rahmen funktioniert das auch schon recht gut.

Aber: abgesehen davon, dass alle Informationen, so sie semantisch aufbereitet werden sollen, in eine eigene maschinenlesbare Sprache übersetzt werden müssen, bedarf es auch einer logischen Verknüpfung all dieser Informationen. Am Ende steht nichts anderes als die Klassifizierung und Verschlagwortung unseres gesamten Wissens. Unabhängig von der Frage, ob wir das wollen oder nicht, müssen wir akzeptieren, dass es wohl noch eine Weile dauern wird, bis wir soweit sind. So wir das überhaupt jemals schaffen.

Ich kenne ein Unternehmen, das sich damit beschäftigt, die zahllosen Patente, die es mittlerweile gibt, suchbar zu machen. Das Unternehmen hat seine Arbeit nicht erst gestern aufgenommen und trotzdem ist man von einer Systematik noch ziemlich weit entfernt.

Das heißt, es wird also noch etwas dauern, bis es soweit ist, dass wir Kunst im Internet semantisch suchen können. Ich bevorzuge nicht nur aus diesem Grund so eine Art digitalen Kurators und habe das schon in mehreren Beiträgen (hier und hier) zu begründen versucht. Auch Steve Rubel hat auf seinem Blog Micro Persuasion schon einmal beschrieben, wie er sich die Zukunft des Internets vorstellt und dabei dem digitalen Kurator eine wichtige Funktion zugedacht.

Interessant in diesem Zusammenhang sind auch Aleida und Jan Assmann, die sich mit den verschiedenen Formen von Gedächtnis (sozial, kollektiv und kulturell) befassen und im Endeffekt ist das Internet ja nichts anderes als eine Art digitales Gedächtnis.

In der Theorie von Aleida und Jan Assmann kommen Dinge vor, die wir vergessen, alte Schriften, Opern von Komponisten, die heute niemand mehr kennt. Das ist in meinen Augen der entscheidende Punkt: der Umgang mit dieser Vielzahl an Informationseinheiten ist nur möglich, wenn wir auch weiterhin vergessen können. Bestimmte Dinge, die für uns wichtig sind oder uns berühren, werden bleiben, andere werden verschwinden. Insofern stellt sich die Frage, ob es für unsere kulturelle Identität „hilfreich“ ist, wenn wir im Internet nicht auch die Möglichkeit haben zu vergessen.

Ich persönlich tendiere dazu zu sagen: ich will gar nicht alles finden können. Und noch etwas spricht meiner Meinung nach gegen den Ansatz, Kunst nach allen möglichen Kriterien suchbar zu machen. Das spannende an der Kunst ist doch, dass ich immer wieder etwas Neues, mir Unbekanntes entdecken kann. Dafür brauche ich eine Art Kurator, jemanden, der das für mich entdeckt hat. Ich selbst kann das Neue in einer Datenbank, mag sie auch noch so ausgeklügelt funktionieren, nicht finden, denn ich kenne es ja noch nicht und weiß daher gar nicht, wonach ich suchen sollte.

Wünschenswert ist wahrscheinlich eine Art Mischung aus beidem: ich möchte die Datenbank für die Suche und den Kurator fürs Entdecken.