Monthly Archives of: April 2009

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Die Robert Bosch Stiftung schickt Kulturmanager nach Russland

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Russisch müsste man können. Dann wäre das Angebot der Robert Bosch Stiftung eine interessante Option für die nächsten zwei Jahre. Zusammen mit dem Goethe-Institut Moskau vergibt die Robert Bosch Stiftung drei Stipendien an KulturmanagerInnen, die  bis zu zwei Jahre in Russland lernen und arbeiten wollen. Konkret warten Aufgaben und Projekte in den Kulturverwaltungen der russischen Städte Archangelsk, Tscheljabinsk und Uljanowsk.

„Zu ihren Aufgaben gehört die Projekt- und Vernetzungsarbeit sowie die Organisation von Kulturmanagement-Seminaren für lokale Kultureinrichtungen mit deutschen und russischen Referenten“,

informiert die Website der Robert Bosch Stiftung. Bis zum 11. Mai haben Sie Zeit, sich um einen der drei Plätze zu bewerben. Ein zweiseitiges Informationsblatt beschreibt die Voraussetzungen, erklärt die Aufgaben und listet auf, welche Leistungen die Stipendiaten erwarten dürfen.

Ihre Bewerbung schicken Sie als PDF (maximal 1MB) an das Goethe Institut in Moskau. Können Sie die Jury überzeugen, arbeiten Sie ab September in Russland. Aber wie gesagt: Sie müssen die russische Sprache beherrschen.

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„Amateure im Web2.0“: (k)ein Konferenzbericht

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„Amateure im Web2.0“. So lautete der Titel einer Konferenz, die Freitag, Samstag hier in Wien stattfand. Vorweg: es ist bedauerlich, dass diese Konferenz auf so geringes Interesse stieß, die Vorträge, denen ich folgen durfte, waren nämlich hochinteressant. Aber vielleicht hätte man genau dieses Web2.0, um das es an den zwei Tagen ging, ein klein wenig mehr nutzen sollen, um auf diese Veranstaltung aufmerksam zu machen?

Wäre da nicht Jana Herwig gewesen, die das Progamm auf ihrem Blog digiom online gestellt hat, hätte ich die Konferenz wohl auch verpasst. Und da es dort auch eine kurze (und trotzdem lange) Zusammenfassung der Konferenz gibt (ein Dankeschön an Jana Herwig!), kann sich jeder einen zumindest ungefähren Eindruck verschaffen, worum es dort ging.

Ich möchte gerne zwei Punkte herausgreifen, die ich im Hinblick auf die Themen hier im Blog interessant fand. Schon ein paar Mal habe ich auf das Projekt Steve-Museum hingewiesen, dessen Grundannahme es ist,

„that social tagging may provide profound new ways to describe and access cultural heritage collections and encourage visitor engagement with collection objects“.

Dank Meike Wagner, die als wissenschaftliche Assistentin für Theaterwissenschaft an der LMU München arbeitet und im Rahmen der Konferenz einen Vortrag zum Thema „Das Populäre und das Archiv. Social Networking als Archivpraxis“ hielt (Jana Herwig geht in ihrem Konferenzbericht auf diesen Vortrag ein), bin ich auf Artigo gestoßen, ein Kunstgeschichtsspiel, das auf einem ähnlichen Ansatz basiert. Auch ganz interessant in diesem Zusammenhang: Hyperimage, ein Forschungsprojekt, das

„neue, innovative Wege zur durchgängig kollaborativen Zusammenstellung, Bearbeitung, Publikation, Archivierung und Nachnutzung von Bildcorpora“

erschließen möchte. Das Potenzial solcher Ansätze ist gewaltig. Einerseits erlaubt das Social Tagging das „leichtere“ Auffinden von Bildern in den Datenbanken der Museen (siehe z.B. das Philadelphia Museum of Art, das das Auffinden von Bildern mit Hilfe von Social Tagging anbietet). Andererseits lassen sich daraus mittel- und langfristig Ordnungsstrukturen identifizieren, die Ausdruck veränderter „Sehgewohnheiten“ sein können. Nicht zu vergessen der soziale Aspekt, denn natürlich lassen sich solche Ansätze auch für das Community Building nutzen, etwa wenn wie im Fall von Artigo gegeneinander gespielt wird und ein erster Platz einen Geldgewinn verspricht.

YouTube: die evolutionäre Weiterentwicklung des Videomaterials

Einen zweiten für mich interessanten Aspekt sprach im Rahmen der Konferenz Roman Marek in seinem Vortrag „Wenn der Rezipient zum Produzenten wird: Die Zirkulation der Videobilder auf YouTube“ an. Für ihn stellt YouTube nicht einfach nur eine Plattform darf, auf der Videos hochgeladen haben, denn

„durch das Ineinandergreifen neuer Ausprägungen von Distribution, Organisation, Zugänglichkeit und Vernetzung (kommt es) zu einer in diesem Umfang bisher unbekannten Zirkulation von Videobildern“,

wie es in seinem Abstract heißt. Das Ergebnis ist ein audiovisueller Diskurs, in dessen Verlauf die Videoclips verändert werden bzw. sich weiterentwickeln. Marek, der sich im Rahmen seiner Dissertation mit der Video-Kultur im Internet beschäftigt, spricht von sogenannten „Recycling- oder auch Remix-Videos“,

„die auf den Videoplattformen mit den ursprünglichen Versionen des Bildmaterials um die Aufmerksamkeit durch die Betrachter konkurrier(en)“.

Offensichtlich wird das am Beispiel des „Fan“-Videos „Leave Britney Alone!“:

Dieses Video wurde auf verschiedenste Art und Weise weiterverarbeitet, meist auf künstlerische Art und Weise, wie z.B. dieses Beispiel hier zeigt:

Aus einem normalen Kreislauf wird, so Marek ein „Ideenumlauf“, bei dem es um die „produktive Weiterverwendung“ des Ausgangsmaterials geht. Spannend fand ich die Analogie, die Marek zur Welt der Biologie, konkret zur Evolution herstellte:

„Die Bildsequenzen entsprechen dem genetischen Code, das Recycling-Video dem mutierten Individuum, die Aufmerksamkeit der Rezipienten der Selektion durch die Umwelt, die Anzahl der Abrufe der Größe der Population, der Produzent dem Auslöser der Mutation (und) die Verkettung der verschiedenen Videoversionen dem Stammbaum in der Natur“,

formuliert es Marek in seinem Abstract.

Interessant wird die Sache, wenn Kunst- und Kultureinrichtungen darauf einsteigen (siehe dazu mein Blogpost „Partizipation: wie das Publikum in das eigene Projekt einbinden?„) und damit die Trennung zwischen Produzent und Konsument komplett aufheben. Einher her geht sie mit einer, wie Marek schreibt, „Aufwertung des Amateurs“. Eine, wie ich denke, gewaltige Herausforderung für die Kulturbetriebe, die auch zu einem Umdenken in deren Rollenverständnis führen muss.

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last.fm und die Abogebühr: eigentlich muss man ihnen ja dankbar sein

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Seien wir ehrlich: viele – eigentlich notwendige – Veränderungen passieren nicht, weil wir faul sind und die Dinge gerne so lassen, wie sie sind. So lange sie für uns passen. Wahrscheinlich hätte ich diesen Beitrag nie geschrieben, würde ich in Deutschland leben. Dann könnte ich nämlich last.fm weiterhin kostenlos nutzen. So wie ich last.fm bis jetzt auch hier in Österreich genutzt habe, zum Anhören von Musik.

Um es ganz deutlich zu sagen: ich kaufe seit etlichen Jahren keine Musik mehr. Ich habe über viele Jahre hinweg Schallplatten gesammelt (ca. 3 Meter habe ich noch) und auch um CDs habe ich lange Zeit keinen Bogen gemacht. Doch der Wunsch, Musik zu besitzen, ist nicht mehr wirklich vorhanden, mir reicht ein Stream. Das heißt nun nicht, dass ich es kategorisch ausschließe, eine CD, eine Schallplatte oder was auch immer zu kaufen. Aber grundsätzlich reicht es mir, Musik zu hören, ich muss sie nicht mehr besitzen. Manchmal freue ich mich über Musik, die ich früher gerne gehört habe, manchmal interessiert mich das, was ich noch nicht kenne.

Für beide Varianten gibt es im Internet unzählige Plattformen, auf denen Altbekanntes und/oder Neues zu hören ist. Eine davon ist last.fm, die Martin Weigert auf  Netzwertig.com als „Urgestein und Vorzeige-Social-Network für Musikfreunde“ bezeichnet. Ich habe last.fm gerne genutzt, allerdings nicht ausschließlich. Nun soll ich monatlich drei Euro dafür zahlen, wenn ich last.fm weiter nutzen möchte. Das werde ich nicht tun und zwar aus zwei Gründen:

  1. Grundsätzlich kann ich es akzeptieren, wenn ein Unternehmen im Internet den UserInnen ein Angebot macht und nach einiger Zeit darauf kommt, dass sich diese Angebot nicht rechnet, weil die Kunden es kostenlos nutzen können und die Werbeeinnahmen nicht den Erwartungen entsprechen. Nicht akzeptieren kann und will ich es aber, wenn ich für ein Angebot etwas zahlen soll, während andere dieses Angebot weiterhin kostenlos nutzen können. Das Argument, nur in den USA, UK und Deutschland entsprächen die Werbeeinnahmen den Erwartungen ist vorsichtig formuliert, kurios.
    Auf der eigenen Website bezeichnen die Macher last.fm als „globale(n) Musikdienst, der in zwölf Sprachen zur Verfügung steht“. Entweder bin ich global oder ich bin es nicht. Und wenn es morgen gelingt, in Italien einen lukrativen Vertrag an Land zu ziehen, dann fällt dort die Abogebühr oder wie darf ich das verstehen?
    Die Argumentation erscheint mir unglücklich und wenn ich mir die Reaktionen auf diese Aktion im last.fm-Blog (aktuell immerhin knapp 660) anschaue, dann behaupte ich mal, dass diese Aktion PR-technisch gesehen eher in die Hose gegangen ist.
    Also entweder zahlen alle oder es zahlt keiner. Aber so verscherzt man es sich einerseits mit seinen UserInnen, andererseits ermöglicht man es der Konkurrenz, sich ein Stück vom (Kunden)-Kuchen abzuschneiden. Was die Entwicklung neuer innovativer Musikangebote im WWW angeht, ist das sicher keine schlechte Sache. Was für die UserInnen gut ist, muss aber für last.fm noch lange nicht gut sein, ganz im Gegenteil.
  2. last.fm muss diese Abogebühr einführen, weil es von der Musikindustrie dazu gezwungen wird, hohe Lizenzgebühren zu zahlen. Hohe Lizenzgebühren waren auch der Grund, dass Pandora seine Dienste bei uns nicht mehr anbieten konnte. Gut, dann verschwindet halt auch last.fm von der virtuellen Landkarte.
    Martin Weigert hat Recht, wenn er für kostenlose Musikstreams schwarz sieht. Und das, weil die Verwertungsgesellschaften und die Musikindustrie glauben, dass sie ihre Umsätze retten können, wenn sie sich hier unnachgiebig geben. Womit ich bei Grund Nummer zwei bin, warum ich diese drei Euro Abogebühr nicht zahlen werde. Indirekt wird dadurch die Musikindustrie unterstützt und dazu bin ich nicht mehr bereit.

Aber eigentlich muss man last.fm, muss man den Verwertungsgesellschaften und der Musikindustrie dankbar sein, wenn sie hier weiter an der Daumenschraube drehen. Nur so können sich alternative Strukturen bzw. Angebote entwickeln. Bei mir läuft z.B. seit gestern Abend Musik von der Plattform Jamendo, auf der Musik unter Creative Commons Lizenzen veröffentlicht wird. D.h. KünstlerInnen und Gruppen, die dort veröffentlichen, haben, auf Deutschland bezogen, keinen Vertrag mit der GEMA abgeschlossen. Die Musik, die dort zu hören ist, kann ich privat hören und downloaden soviel und sooft ich will. Erst für die kommerzielle Nutzung zahle ich.

Nun kann man natürlich einwenden, damit sei kein Geld zu verdienen. Unter den derzeit herrschenden Rahmenbedingungen scheint das wirklich schwer zu sein. Aber wie gesagt: wenn die Verwertungsgesellschaften und die Musikindustrie diejenigen, denen sie ihre Existenz zu verdanken haben, die Kunden, weiter so zuvorkommend behandeln, dann kann sich das Blatt leicht wenden. Insofern ist es vielleicht gar nicht so schlecht, dass sich last.fm für diesen Weg entschieden hat.

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Marketing im Web2.0 heißt Geben und Nehmen

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© Stephanie Hofschlaeger; Pixelio

Als ich vor ein paar Tagen in einem Seminar, in dem es um das Thema Kultur und Web2.0 ging, über Blogs, Netzwerke und all die Social Media Tools sprach, fragte eine Teilnehmerin nach einiger Zeit, was ihr das denn alles bringe? Schließlich könne man die Informationen ja auch auf eine ganz normale Website stellen? Diese Frage ist nicht unberechtigt, denn ob ich eine Info auf meiner Website deponiere oder auf meinem Blog, auf Xing oder sonstwo, macht erst einmal keinen großen Unterschied. Die UserInnen besuchen die Seite mehr oder weniger zufällig und finden dort Informationen, die ihnen dann zusagen oder auch nicht.

Das war es dann. Gefällt mir, was ich da lese, sehe oder höre, dann werde ich vielleicht, um im Kunst- und Kulturbereich zu bleiben, die Ausstellung, das Konzert, etc. besuchen. Ist das, was ich da „konsumiert“ habe, besonders gut oder besonders schlecht, dann werde ich unter Umständen am nächsten Tag anderen davon erzählen.

Und genau an diesem Punkt taucht nun der Unterschied zwischen der einfachen Website und den Social Media Tools auf. Letztere machen es mir leicht, Informationen weiterzugeben. So wie ich früher in der Schule erzählt habe, wenn mir ein Film oder eine Platte besonders gut gefallen haben. Nur geht das im Social Web wesentlich schneller und die Reichweite ist größer. Ich erzähle nicht mehr nur meinen Freunden in der Schule vom Film, sondern ich schreibe darüber in meinen Netzwerken.

Noch leichter und interessanter wird die Sache, wenn ich etwas habe, was  ich weitergeben kann. Ein Foto, ein Videoclip, ein Song, was auch immer. Und noch attraktiver ist es, wenn ich diese Inhalte auf meinen eigenen Seiten einbinden kann. Attraktiv in zweierlei Hinsicht. Einerseits habe ich etwas, was ich anderen zeigen kann, was mir gefällt.

Andererseits profitieren aber die Musikgruppen oder Fimverleih davon, denn manche werden dadurch den Entschluss fassen, auch den Film anzuschauen oder die Platte zu kaufen. Je schneller und weiter sich die Botschaft verbreitet, desto besser. Vorausgesetzt, den Leuten gefällt die Sache.

Für den Kunst- und Kulturbereich stellt sich daher die Frage: was habe ich, was andere dann weitergeben können? Klar ist, es muss gefallen. Zweitens muss es so attraktiv sein, dass die UserInnen es auch gerne nutzen (z.B. auf ihrem Blog) bzw. weitergeben.

Bekannte KünstlerInnen (z.B. Paulo Coelho) und große Kulturbetriebe können darauf bauen, dass Ihre Angebote genutzt und verteilt werden. Bei den „Kleinen“ ist das schon schwieriger. Schnell kommt man sich ausgenutzt vor, wenn einen ein Kulturbetrieb dazu auffordert, das Video oder das Foto weiterzugeben. Ausgenutzt fühle ich mich dann, wenn ich feststelle, da ist jemand, der zwar von mir erwartet, dass ich seine Sachen weiterleite, der selbst aber nie etwas weiter verteilt und damit empfiehlt.

Geben und Nehmen heißt die Devise im Social Web. Versuchen Sie es einfach mal und Sie werden feststellen, dass sich in der Kommunikation mit den UserInnen, Ihren Zielgruppen etwas verändert. Ihr Gegenüber hat nicht mehr das Gefühl anagitiert zu werden, sondern fühlt sich Ernst genommen.

Ein Beispiel: das folgende Video habe ich auf Matias Roskos VisualBlog gefunden. Und weil der gebürtige Eritreer Fetsum seine Musik auf den verschieden Videoplattformen platziert hat, kann man sie ganz einfach auf den eigenen Seiten einbetten bzw. weitergeben. Wenn es Ihnen gefällt, verlinken Sie darauf, binden Sie es in Ihre eigene Seite ein oder erzählen Sie anderen einfach davon. Und ist das jetzt schon Marketing? Mir hat sein Song einfach sehr gut gefallen.

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„Structural Holes“ oder: warum Kuratoren so wichtig sind

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Jeff Jarvis hat auf BuzzMachine das Thema Kuratoren aufgegriffen und dort einige, ich denke, sehr wichtige Gedanken formuliert. Er sieht die Kuratoren eher in einer Vorreiterrolle, daher der Titel „Death of the curator. Long live the curator„.

Befürchtungen, dass den Kuratoren ein ähnliches Schicksal wie den Journalisten droht, hat er nicht, ganz im Gegenteil: er schreibt ihnen eine Vorbildfunktion zu. Ihre Aufgabe sei es, die gewaltige Menge an Informationen zu bändigen:

„…collecting it, selecting it, giving it context in their stories“,

formuliert es Jeff Jarvis, der auch begründet, warum sie so wichtig sind:

„We have many automated means to aggregate news (…). Curation is a step above that, human selection. It’s a way to add value.“

Das ist genau der Punkt. All die Tools, die uns das Social Web zur Verfügung stellt, haben nur einen begrenzten Nutzen. Es gibt noch eine Ebene darüber, auf der uns all die Tools, die uns dabei unterstützen, die Informationen zu aggregieren, nicht weiterhelfen.

Gut gefällt mir auch seine Idee, die er daraus entwickelt:

„I think that curators have things to teach journalists and that’s why I’m planning a symposium on curation at CUNY, bringing together museum curators, event curators, possibly even sommeliers to share their views of the value they add to collections of things, people, information – or wine.“

Da sind sie wieder, die „Structural Holes„, unter denen Ronald S. Burt die Leere zwischen sozialen Gruppen versteht (siehe dazu: „Kulturmanagement und Innovation: Gehört das zusammen?„). Genau so entsteht Innovation. Indem wir Experten aus völlig unterschiedlichen Bereichen zusammen bringen und nach den dahinter liegenden Mustern suchen, um daraus zu lernen und sie für die eigenen Bedürfnisse zu adaptieren. Die Kombination Journalisten, Kuratoren und Sommeliers klingt spannend. Eigentlich sollte es so ein Syposium auch bei uns geben, oder?

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Schadet das Social Web der Kunst?

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Cornelius Rinne hat im Anschluss an meinen gestrigen Beitrag „Das Ende der Kuratoren?“ in einem Kommentar auch die KünstlerInnen angesprochen, die sich ändern müssen. Fragt sich nur, in welcher Hinsicht?

Die – nennen wir es mal – Demokratisierung durch das Social Web hat dazu geführt, dass viele ExpertInnen ihre Funktion verloren haben, in der sie so eine Art Deutungshoheit besessen haben. Gilt das auch für die KünstlerInnen?

Im Social Web schreiben wir alle, wir können Ausstellungen kuratieren und viele Dinge mehr. Lässt sich das auch auf die künstlerische Tätigkeit übertragen? Noch nie war es so leicht wie heute, sich eine Plattform zu schaffen, auf der man sein künstlerisches Schaffen präsentiert. Aufmerksamkeit ist die Währung, die im Vordergrund steht, nicht unbedingt die Qualität.

Heißt das in Analogie zu JournlistInnen und KuratorInnen, dass wir jetzt eine Phase durchmachen, in der jede/r zur KünstlerIn werden kann und wir erst an den Punkt kommen müssen, wo wir Stopp sagen und dann der Qualität wieder mehr Bedeutung beimessen? Wie auch immer die dann ausehen mag. Was meinen Sie?

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Das Ende der Kuratoren?

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© Gerd Altmann; Pixelio

Manchmal geht es mir wie mit meiner Diplom- bzw. Magisterarbeit. Man fängt ein Thema an und je mehr man liest und recherchiert, desto mehr neue Erkenntnisse ergeben sich, die es wiederum notwendig machen, mehr zu lesen und zu recherchieren.

Um es kurz zu machen: ich bin an einem Beitrag mit dem Titel „The Death of the Curator“ hängengeblieben, den Pete (sorry, ich war zu blöd, den Nachnamen irgendwo im Blog zu finden) vor ein paar Tagen auf seinem New Curator Blog veröffentlicht hat. Er fragt sich darin, ob die Idee einer von ZeitungsleserInnen kuratierten Ausstellung zeitgenössischer Kunst, wie sie The Guardian und die Saatchi Gallery gerade realisieren, das Ende der Kuratorentätigkeit einläutet?

„Crowdsourcing the curatorial decisions of an exhibition. The process of museums has been brought to the lowest common denominator, pitched somewhere between reality TV and youtube’s most-viewed list“,

heißt es in seinem Artikel. Museen bezeichnet der Autor als „old media“, genauso wie Print oder TV. Der Unterschied: den Museen geht es noch nicht so schlecht wie vor allem den Printmedien. Beide kommunzieren aber nach dem „individuals-to-individuals“-Prinzip:

„Old media does this with celebrity and personality as intermediates that we consume“,

wie Pete schreibt. Im Internet erleben wir hingegen den „individuals-as-social“-Ansatz und die „alten“ Medien haben bis jetzt darauf keine Antwort gefunden. Opfer dieser Entwicklung sind vor allem die Journalisten, für deren Bezahlung keine funktionierenden Geschäftsmodelle mehr existieren. Zwar ist es bei den Kuratoren noch nicht so weit, aber, so die Schlussfolgerung des Blogposts, sie sollten wachsam sein, damit ihnen nicht das gleiche Schicksal wie den Journalisten droht, denn

„Suddenly, your art history or archaeology degree isn’t looking so important, your museum post-grad may not be enough and your years of experience don’t mean much in the world of facemuseumtube when your job can be done by a thousand unpaid contributors.“

Ich sehe das nicht so pessimistisch, weder bei den Journalisten noch bei den Kuratoren. Ganz im Gegenteil: ich habe schon vor längerer Zeit einen Beitrag („Was das Internet von der Kunst lernen kann„) geschrieben, in dem ich die Meinung vertreten habe, dass die Kuratoren eher an Bedeutung gewinnen werden. Das gilt übrigens auch für die Journalisten, obwohl sich die Rahmenbedingungen für die meisten von ihnen tagtäglich verschlechtern.

Warum? Das Geschäftsmodell der Printmedien funktioniert nicht mehr, daher werden auch hier die Rufe nach staatlicher Unterstützung immer lauter. Dass die Printmedien diese nicht verdient haben und es keinen Sinn macht, eine sterbende Branche mittels öffentlicher Gelder noch länger am Leben zu erhalten, davon ist Jeff Jarvis überzeugt. In seiner fiktiven Rede an Senator Kerry weist er darauf hin, dass die Printmedien genug Zeit zur Verfügung hatten, um sich auf die veränderten Gegebenheiten einzustellen.

„I suppose, they did not want to disrupt their comfortable, powerful, and profitable monopolies. But that responsibility was theirs. Is it not ours, as taxpayers, to make up for their lost time“,

lautet sein Resumee.

Die Situation hat sich aber auch deshalb verändert, weil wir als LeserInnen uns oftmals nicht ernst genommen fühlen. Wir mussten dankbar sein, dass wir etwas zu lesen bekamen und erkannten, dass wir vor allem dann wertgeschätzt wurden, wenn wir die Werbung neben dem Text beachteten. Im Social Web ist niemand mehr auf solche Strukturen und Modelle angewiesen und dank der Tools, die uns zur Verfügung stehen, brauchen wir keine Journalisten mehr, die uns informieren, sondern wir übernehmen das selbst. Wie das dann aussieht, beschreibt Matthias Schwenk in seinem Beitrag über Robert Basic neueste Idee Buzzriders, in der dieser partizipative Ansatz konsequent verfolgt wird.

Ich denke, viele solcher Projekte (z.B. auch spot.us) entstehen aus einer Unzufriedenheit heraus. Aber irgendwann wird das Pendel wieder umschlagen, vermute ich. Steve Rubel spricht vom digitalen Kurator, der uns dabei unterstützt, uns in der Menge an Informationen zurechtzufinden und bezieht sich dabei auf den Ausstellungskurator, der die gleiche Aufgabe im Kunst- und Kulturbereich übernimmt.

„The call of the curator requires people who are selfless and willing to act as sherpas and guides. They’re identifiable subject matter experts who dive through mountains of (digital ) information and distill it down to its most relevant, essential parts.“

Mag sein, dass die Kuratoren zurückgedrängt werden, weil man auch hier auf  Crowdsourcing setzt und obendrein noch Kosten sparen kann. Und es wird uns wie eine Befreiung vorkommen, wenn wir endlich „selbst“ entscheiden können, was wir sehen dürfen. Aber auch hier, so meine Vermutung, werden wir irgendwann froh sein, wenn uns jemand an die Hand nimmt und uns aufregende und neue Dinge zeigt.

Es ist eine Frage des Vertrauens. Die Printmedien haben unser Vertrauen größtenteils verloren. Bleibt die Frage, ob die Museen den gleichen Weg zu Ende gehen müssen oder ob sie aus den Fehlern anderer lernen können?

Am Ende wird es Journalisten geben, denen wir vertrauen. Und Kuratoren. Allerdings werden die Strukturen um sie herum ganz anders aussehen (müssen).

Update: Ein interessantes Blogpost zu diesem Thema hat Jeff Jarvis auf seinem Blog BuzzMachine geschrieben. Titel: „Death of the curator. Long live the curator

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Social Media für das Projektmanagement

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Trevor Roberts hat auf seinem Blog Project Management Guide eine Präsentation zur Verfügung gestellt, in der er zeigt, welche Social Media Tools sich für das Projektmanagement eignen. Neben Blogs, Wikis und den Social Networks nennt er auch FriendFeed. Für die meisten ist FriendFeed so eine Art Twitter-Ersatz. Eigentlich kann das Tool aber wesentlich mehr.

Roberts bezeichnet FriendFeed als „Central store of information“. Im ersten Moment war ich etwas überrascht, aber er hat Recht. FriendFeed ist nicht nur dazu da, verschiedene Infokanäle (Twitter, Blogs, Social Bookmarks) zu aggregieren, sondern erlaubt auch das Anlegen von Räumen (in der neuen Betaversion ist von Gruppen die Rede). Hier kann dann z.B. das Projektteam sämtliche online verfügbaren Informationen sammeln bzw. zusammenfließen lassen. D.h. das ganze Projektteam kann diesen Raum mit Inhalten füllen.

Die Suchfunktion erlaubt es dann, einzelne Informationen, die in der Gruppe deponiert wurden, wieder zu finden. Allerdings glaube ich, dass diese Art, Informationen zu sammeln, ab einer gewissen Größe unübersichtlich wird. Ich würde da mehr auf eine Kombination FriendFeed/Social Bookmarking setzen. Aber ich probier das mal aus.

Aber ich möchte Ihnen die Präsentation von Trevor Roberts bzw. sein Blogpost nicht vorenthalten:

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Web2.0-Marketingstrategie für NPOs: der Freakfaktor (NPO-Blogparade)

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© Gerd Altmann; Pixelio

Gibt es eine eigene Web2.0-Marketingstrategie für Nonprofit-Organisationen?„, fragt Günter Bressau in der der derzeit laufenden siebten Runde der NPO-Blogparade. Eine reizvolle Frage, die wahrscheinlich auch kontroverse Antworten hervorbringen wird. Um sie zu beantworten, ist es hilfreich, wenn man sich überlegt, welche Faktoren eigentlich notwendig sind, um eine Web2.0-Marketingkampagne erfolgreich realisieren zu können.

Ohne Ziele kein Erfolg

Das klingt eigentlich ganz selbstverständlich, aber immer wieder zeigt es sich in Umfragen und Untersuchungen, dass viele Projekte – und darum handelt es sich ja bei einer Kampagne – scheitern, weil es keine konkreten Zielvorgaben gibt. Mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bzw. in den Medien, mehr finanzielle Unterstützung. Die Ziele können vielfältig sein, nur muss es sie halt geben. Und sie sollten, da es sich um operative Ziele handelt, realistisch, messbar, aus eigener Kraft und innerhalb einer bestimmten Zeit erreichbar sein (siehe dazu auch: „Social Media: wann weiß ich, ob ich erfolgreich bin?„)

Damit sie nicht in der Luft hängen, bauen sie auf Mission („the reason why we exist“) und Vision („the reason why we must exist in the future“) auf, d.h. die geplante Kampagne trägt dazu bei, dass die Vision irgendwann einmal Wirklichkeit werden kann.

Gibt es in diesem Punkt Unterschiede zwischen Profit- und Nonprofit-Organisationen? Natürlich werden sie sich in der inhaltlichen Ausrichtung voneinander unterscheiden, aber unabhängig davon brauchen beide Strukturen (operative) Zielvorgaben für die Kampagne, die auf Mission und Vision basiert.

Intuition hilft uns, komplexe Situationen zu bewältigen

Ein Ziel auf Papier zu formulieren, ist keine große Kunst. Wenn sich die Realität immer daran halten würde, wäre das Leben ein Wunschkonzert und wir hätten zahlreiche Probleme weniger. Nur leider sehen wir uns permanent vor Situationen gestellt, die so nicht vorgesehen waren. Kooperationspartner springen ab, das Video, mit dem wir die Marketingkampagne promoten wollten, erweist sich als Rohrkrepierer und das, obwohl wir alle im Vorfeld davon begeistert waren. Der Erfolg lässt sich nicht programmieren, weil wir die Faktoren, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden, nicht beherrschen. Eigentlich wissen wir noch nicht einmal, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.

Wie damit umgehen? Vertrauen wir unserer Intuition, unserer Fähigkeit der emotionalen Bewertung, rät Prof. Peter Kruse in einem sehr sehenswerten Video, das zeigt, dass er damit mehr meint als das reine Bauchgefühl. Ist die Welt für profit- oder nonprofitorientierte Organisationen unterschiedlich komplex? Ich denke, die Unterscheidung macht keinen Sinn, da es wir Menschen sind, die unsere immer komplexer werdende Umwelt nicht mehr „verstehen“ können. Das heißt aber auch, wir können die Dinge immer seltener kontrollieren, eine Vorstellung, die vielen Marketingverantwortlichen die Haare zu Berge stehen und sie häufig einen großen Bogen um das Social Web machen lässt.

Keine Kontrolle? Eine neue Unternehmenskultur muss her

In einer Organisation, die hierarchisch strukturiert ist, werden Sie sich wahrscheinlich nicht beliebt machen, wenn Sie darauf hinweisen, wie „gefährlich“ eine Web2.0-Marketingkampagne sein kann. Da dürfen wildfremde Menschen mitreden und ihre Ideen einbringen. Da kann Kritik aufkommen, da werden Meinungen und Haltungen aufs Korn genommen und wenn es ungünstig läuft, schadet Ihnen die Kampagne mehr als sie Ihnen nützt.

Allerdings ist es, denke ich, unsinnig, das Social Web erst dann zu betreten, wenn die Organisation eine Web2.0-affine Unternehmenskultur besitzt und Werte wie Transparenz, Vertrauen und Partizipation im Vordergrund stehen. Vielleicht geht von enem Blog oder der Kommunikation via Facebook der entscheidende Impuls aus, der dann alte Strukturen aufbricht und Neues in der Organisation entstehen lässt. Aber zumindest die Bereitschaft zur Veränderung sollte vorhanden sein.

Auch bei diesem Faktor lässt sich aus meiner Sicht nicht sinnvoll zwischen profit- und nonprofitorientierten Organisationen unterscheiden, denn die Kontrolle geben wir wohl alle ungern aus der Hand, zumindest im ersten Reflex. Transparenz, Vertrauen und Partizipation klingen als Schlagworte gut, aber sie wollen erst einmal gelebt werden.

Wo liegen unsere Erfolgspotenziale?

Nun sind wir aber von unseren (Marketing)-Zielen ein ganzes Stück weit abgekommen. Nachdem wir von der Intuition, dem Wandel in der Unternehmenskultur, den fehlenden Kontrollmöglichkeiten gesprochen haben und wissen, dass Vertrauen und Partizipation gerade im Social Web (eigentlich ja nicht nur dort) wichtig sind, wäre es doch schön, wenn es jetzt irgendwo eine praktische Anleitung gäbe, wie man sein (Marketing)-Ziel erreichen kann. So a la „erfolgreiches Marketing in zehn Schritten“ oder „Marketingsstrategie für das Web2.0“. Nur funktioniert das leider in der Regel nicht so, wie wir uns das vorstellen. Einzelne Punkte lassen sich natürlich erfolgreich übernehmen, aber Schritt eins bis zehn?

In meinem Beitrag „Was verstehen wir eigentlich unter Strategie?“ habe ich auf Aloys Gälweiler hingewiesen, der in diesem Zusammenhang den Begriff des Erfolgspotenzials eingeführt hat. Die Frage ist nicht, wie „man“ das erklärte Ziel erreicht, sondern welche Erfolgspotenziale bei einem selbst bzw. in der Organisationsstruktur vorhanden sind, um dieses Ziel erreichen zu können. Für ihn besteht eine Strategie darin, die eigenen Erfolgspotenziale zu suchen, aufzubauen und zu erhalten. Auf der operativen Ebene geht es dann darum, die Erfolgspotenziale zu realisieren.

Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, dass es die Web2.0-Marketingstrategie eigentlich nicht geben kann, weder für die NPOs noch die gewinnorientierten Unternehmen. Marketing im Social Web basiert meinem Verständnis nach auf den bisher genannten Faktoren (drei weitere folgen noch), aber als Strategie würde ich das nicht bezeichnen, höchstens als Meta-Stategie. Aber das sind Wortspielereien…

Agilität statt starrer Pläne

An dieser Stelle kommt ein weiteres wichtiges Attribut ins Spiel, das nicht nur im Social Web immer wichtiger wird: Flexibilität. Angenommen, wir haben unsere Erfolgspotenziale gefunden und machen uns nun daran, sie zu realisieren, dann gilt es natürlich, diese Umsetzung auch zu planen, womit wir beim Thema Projektmanagement angekommen sind.

Sich auf Intuitionen zu verlassen, keine Kontrollmöglichkeiten zu haben und andere an Entscheidungen teilhaben zu lassen, bedeutet, dass eine starre Planung, die die Schritte eins bis x zur Erreichung meines Zieles darstellt, eigentlich unsinnig ist. Die Hauptarbeit würde darin bestehen, die Pläne ständig zu ändern. Daraus den Schluss zu ziehen, dass Pläne daher unsinnig sind, sind aber nicht zulässig und daher falsch. Hier kommt der Ansatz des agilen Projektmanagements ins Spiel. Dahinter verbirgt sich, wie Bernd Oesterreich und Christian Weiss in ihrem Buch APM – Agiles Projektmanagement: Erfolgreiches Timeboxing für IT-Projekte schreiben,

„eine Ende der 1990er-Jahre entstandene Gegenbewegung zu den überreglementierten und starren Ansätzen der 1980er- und 1990er-Jahre“.

Der Ansatz des agilen Projektmanagements wird deutlich, wenn man sich das agile Manifest durchliest, in dem es auf die Softwareentwicklung bezogen heißt:

  • „Individuen und Interaktion sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge
  • Funktionierende Software ist wichtiger als umfangreiche Dokumentation
  • Kooperation mit Projektbetroffenen ist wichtiger als Vertragsverhandlungen
  • Reaktion auf Änderung ist wichtiger als Festhalten an einem starren Plan.“

Wenn wir jetzt statt der funktionierenden Software von einzelnen Maßnahmen sprechen, die im Rahmen unserer Web2.0-Marketingkampagne umgesetzt werden sollen, wird schnell deutlich, dass die Grundidee darin besteht, möglichst schnell etwas auszuprobieren und herauszufinden, ob etwas funktioniert oder nicht. Wichtig: es geht nicht darum, auf die Dokumentation zu verzichten, ganz im Gegenteil, sondern erst einmal zu schauen, ob etwas funktioniert oder nicht.

Beschränkt sich agiles Projektmanagement auf den kommerziellen Unternehmensbereich? Oder können auch NPOs mit diesem Ansatz arbeiten? Ich denke, auch hier gibt es keinen Grund, eine Unterscheidung vorzunehmen. Bis jetzt sind es also dieselben Faktoren, die zum Erfolg einer Web2.0-Marketingkampagne beitragen, unabhängig davon, ob wir es mit einem NPO oder einem gewinnorientierten Unternehmen zu tun haben.

Umsetzungsstärke: den Online-Erfolg offline realisieren

Bei diesem Begriff tue ich mir am schwersten. Unter Umständen gibt es andere Begriffe, die das, was ich ausdrücken möchte, sehr viel besser beschreiben. Worum geht es mir? Ich denke, eine Kampagne kann im Social Web äußerst gut ankommen und ein großer Erfolg werden. Aber als Museum, Theater oder Orchester (ich darf den Kunst-und Kulturbereich stellvertretend für die NPOs verwenden) geht es mir ja letzten Endes darum, dass z.B. mein Zuschauerraum voll gefüllt ist, d.h. ich muss es schaffen, den Online-Erfolg in das reale Leben zu transferieren. Gelingt mir das nicht, bleiben meine Social Web-Aktionen reiner Selbstzweck, sie führen letzten Endes zu nichts. Für mich stellt sich die Frage, ob wir so gesehen überhaupt von Web2.0-Marketing sprechen können? Geht es nicht letzten Endes um die Verknüpfung der Online- und Offline-Welten?

Und auch hier macht es keine Sinn, zwischen profit- und nichtprofitorientierten Unternehmen zu trennen, denke ich, denn sie alle sind in der realen Welt verankert und wollen dort ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten bzw. ihre Werte und Haltungen kommunizieren.

Der Freak-Faktor

So und ganz zum Schluss kommt der wichtigste Faktor. Der, der den vielleicht entscheidenden Unterschied ausmacht zwischen Ihnen und der Konkurrenz. In meinem Beitrag „Social Media Einsatz im Kunst- und Kulturbereich: was der Bauer nicht kennt…?“ hatte ich Allen Benamer erwähnt, der der Meinung ist, der NPO-Bereich würde mangels ausreichender Kenntnisse den gesamten IT-Bereich vernachlässigen. Und wie hat es Frank Tentler so schön formuliert? „Was der Bauer nicht kennt,…“.

In einem Interview auf dem stART.09-Blog spricht Benedikt Köhler im Hinblick auf den Einsatz von Social Media von einer Technik, einer Technik, die man lernen kann. Aber es gehört, denke ich, noch etwas mehr dazu als die Technik. Nennen wir es Begeisterung, Enthusiasmus oder eben den Freak-Faktor, der ein Weblog erfolgreich sein lässt und das andere nicht. Auch ein Blog kann verwaltet werden. Ich denke, Sie alle kennen genug Beispiele, bei denen es sich zwar um ein Blog handelt, aber keines, in dem Leben herrscht, das einen anspricht.

In dieser Hinsicht sehe ich am ehesten einen Unterschied zwischen dem Profit- und dem Nonprofit-Bereich. Wobei ich meine Aussage auf den deutschsprachigen Raum beschränken möchte. Und auch da gibt es natürlich Ausnahmen. Vielleicht liege ich ja auch falsch mit meiner Einschätzung, aber ich habe das Gefühl, NPOs haben mehrheitlich die Bedeutung des Social Web noch nicht erkannt bzw. verstehen es einfach noch nicht (damit will ich nicht sagen, dass das Thema im Unternehmensbereich schon wirklich angekommen ist).

Mittlerweile gibt es zwar eine steigende Zahl von NPOs, die ihr Glück im Web2.0 versuchen, aber oft habe ich den Eindruck, hier wird damit begonnen, weil andere das auch machen. Und innerlich wartet man nur darauf feststellen zu können, dass da eh Unsinn sei.

Vielleicht sollten NPOs (und dazu zähle ich auch die Kunst- und Kulturbetriebe) sich so einen Social Web-Freak suchen und ihn mal machen lassen? Natürlich unter Einbeziehung der oben genannten Faktoren. Dazu gehört Vertrauen, gar keine Frage. Aber wäre es nicht mal einen Versuch Wert? Zum Beispiel eine Marketingskampagne im Social Web zu starten und all die Tools zu nutzen, die dort zur Verfügung stehen?

Von einer Web2.0-Marketingkampagne würde ich sprechen, von einer Strategie im traditionellen Sinn eigentlich nicht. Was meinen Sie?

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Marc van Bree über „Orchestras and New Media“

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Orchester und das Internet, das ist zumindest im deutschsprachigen Raum eine eher selten anzutreffende Kombination. Da gibt es zum einen die Online-Übertragungen der Berliner Philharmoniker und andererseits den Einstieg der Duisburger Philharmoniker in das Social Web. Andere Orchester halten sich da bis jetzt noch eher zurück.

Das könnte sich Dank Marc van Bree ändern, der mit Dutch Perspective nicht nur ein sehr lesens- und empfehlenswertes Blog zu den Themen Cultural Affairs und Public Relations betreibt, sondern vor kurzem das eBook „Orchestras and New Media“ veröffentlicht hat.

Worum geht es in diesem eBook?

„In this book, I look at the current print environment and arts coverage, followed by the new media revolution and what it means for orchestras. Alongside a description of tools and sites, I offer thoughts on how to adapt your press materials and how to measure your results. A SWOT analysis includes examples and two brief case studies provide more insights“,

schreibt van Bree in einem Blogbeitrag, in dem auch der Link zu finden ist, um das 56-seitige PDF herunterzuladen. Der Verfasser ist nicht nur im Social Media Bereich zu Hause, sondern darüber hinaus ein ausgewiesener PR-Experte, der in seinem eBook eine Vielzahl an wertvollen Informationen zusammen getragen hat. Besonders lesenswert sind in meinen Augen die Kapitel „Adapting Press Materials“ (S. 26ff) und „A SWOT-Analysis of Orchestras and New Media“ (S.33ff).

Als Vorgeschmack kann ich Ihnen die Präsentation dazu anbieten: