Monthly Archives of: Mai 2009

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Web 2.0 und die Selbstbefruchtung

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Am 12. und 13. Juni findet in Hamburg die remix09 statt, auf deren Website es heißt:

„Fachleute aus dem klassischen Marketing-Umfeld treffen die Aktiven des Web 2.0 für einen professionellen und persönlichen interdisziplinären Austausch.“

Das funktioniert aber noch nicht so ganz, wie man beim Werbeblogger lesen kann. Roland Kühl v. Puttkamer vermisst die klassischen Agenturen, die für ihn mit die wichtigste Zielgruppe sind, denn

„die remix09 ist keine Selbstbefruchtung, bei der Onliner sich selbst zum x-ten Mal erzählen werden, wie Facebook-Kampagnen funktionieren oder wie toll Twitter-Marketing ist.“

Das Problem sehe ich bei der stART.09 auch auf uns zukommen. Natürlich ist es nett, sich mit lauter Leuten zu treffen, die sich bereits im Social Web bewegen und von dieser Art der Kommunikation überzeugt und begeistert sind. Aber ich denke, das Ziel solcher Konferenzen wie der remix09 oder der stART.09 muss es sein, die Offliner und die Onliner zusammen zu bringen. Beide Seiten brauchen einander und können dazu beitragen, dass wir bald nicht mehr zwischen der realen und der virtuellen Welt unterscheiden.

Für mich ist es daher die größte Herausforderung, vor allem diejenigen für die stART.09 zu gewinnen, die von Weblogs, Social Networks oder Twitter keine Ahnung haben. Und man darf ihnen sicher nicht mit der Technik kommen, sondern muss ihnen zeigen, worin der Nutzen für sie besteht. Was mich interessieren würde: was ist für Sie der größte Nutzen der Social Media Tools, die Sie verwenden? Warum twittern oder bloggen Sie? Was interessiert Sie? Die Möglichkeit, an Informationen zu kommen, viele Menschen zu erreichen oder neue Kontakte zu knüpfen?

Ich frage das, um herauszufinden, welche Wege es gibt, um die Menschen auf die stART.09 ansprechen zu können, denen das Social Web noch fremd ist. Ich freu mich auf Ihre Antworten und Tipps.

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URL-Expander: was verbirgt sich hinter den Kurz-URLs?

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Mit Tools beschäftige ich mich immer wieder mal. In diesem Beitrag geht es um URL-Expander, also Tools, die mir anzeigen, was sich hinter einer Kurz-URL verbirgt.

In einer Zeit, wo es ganz normal geworden ist, Links über die verschiedensten Kanäle weiterzugeben, hat man natürlich auch eine Lösung gefunden, wie man die teilweise langen Links kürzen kann. Anbieter wie TinyURL oder bit.ly sorgen dafür, dass zum Beispiel der Link zu diesem Artikel hier mit sehr viel weniger Zeichen übermittelt werden kann als das Original. Auf Twitter ist das notwendig, weil dort nur 280 Zeichen zur Verfügung stehen. In einer Mail wirkt ein zweizeiliger Link einfach nur störend und birgt außerdem das Risiko, dass er nicht komplett ankommt und damit unbrauchbar ist.

Eigentlich ist das also eine sehr praktische Sache, die viele mittlerweile ganz selbstverständlich nutzen. Wenn da nun nicht das Thema Sicherheit wäre, denn wenn wir irgendwo so einen Link sehen, dann wissen wir ja nicht, was für ein Link sich wirklich dahinter verbirgt? Wir verlassen uns auf Twitter, Facebook & Co blind darauf, dass sich dahinter keine Pishingseite oder sonst irgendein Übel versteckt. Blindes Vertrauen könnte man dazu auch sagen.

Dieses blinde Vertrauen wird zunehmend ausgenutzt. Immer häufiger verbirgt sich hinter einem solchen Kurzlink nicht das, was wir eigentlich erwarten würden. Das Problem ist nur: auf den ersten Blick kann ich nicht erkennen, welcher Originallink sich dahinter verbirgt. Dafür gibt es URL-Expander, die einem anzeigen, was sich hinter einem Kurzlink wirklich verbirgt.

Update (25.08.20):

Das hier im Beitrag vorgestellte Tool existiert leider nicht mehr. Ich glaube aber, dass es nach wie vor wichtig ist, zu wissen, was sich hinter einem verkürzten Link verbirgt. Die Gefahr von Missbrauch ist in den letzten Jahren eher größer als kleiner geworden.

Deshalb habe ich mich mal umgeschaut, ob es überhaupt noch solche Tools gibt, die einem anzeigen, was sich zum Beispiel hinter einem bit.ly-Link verbirgt. Diese drei Tools habe ich gefunden.

1. Redirect Tracker

Das Tool zeigt an, was sich hinter einer verkürzten URL verbirgt und informiert gleichzeitig darüber, mit welcher Art von Umleitung man es zu tun hat.

Bei einem meiner Beiträge hier auf dem Blog sieht das Ergebnis dann zum Beispiel so aus:

2. Urlex

Die Oberfläche dieses Tools gefällt mir nicht so ganz, aber es erfüllt seinen Zweck. Auf der Seite habe ich den Hinweis gefunden, dass man nur 100 Anfragen pro Tag stellen darf. Aber gut, wer prüft schon mehr als 100 Kurz-URLs pro Tag.

Auch hier wieder als Beispiel der bit.ly-Link eines meiner Blogbeiträge. Der Originallink ist nicht vollständig zu sehen. Man sieht ihn allerdings ganz unten auf der Seite, wenn man mit der Maus darüberfährt.

3. Longurl.info

Dieses Tool gibt es interessanterweise in einer englischen und einer russischen Version. Wie bei den anderen beiden Tools gibt man auch hier die Kurz-URL ein und sieht dann sofort, welcher Link sich dahinter verbirgt. Gleichzeitig kann man noch checken lassen, ob sich dahinter eine bösartige Software (z.B. Malware) versteckt.

Das Ergebnis sieht bei meiner Beispiel-URL dann so aus:

Probieren Sie die Tools doch einfach aus, um herauszufinden, welches Ihnen am ehesten zusagt. Meine Favoriten sind der Redirect Tracker und Longurl.info.

Titelbild von Pete Linforth auf Pixabay

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Amazon und TuneCore: eine interessante Kombination für den Musikbereich

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Ein gutes Produkt zu haben ist zwar eine feine Sache, aber letzten Endes ist es nur die halbe Miete, denn im nächsten Schritt muss es auch noch unter die Leute gebracht, sprich verkauft werden. Schon viele haben die tollsten Sachen produziert und sind dann trotzdem darauf sitzengeblieben. Gerade im Musikbereich ist das wahrscheinlich häufiger der Fall als wir ahnen.

Waren es früher die großen Plattenlabel, an denen man nicht vorbei kam, wenn es darum ging, eine Platte zu produzieren und zu vertreiben, so kamen mit dem Web2.0 neue Alternativen dazu. Nicht nur die kleinen Label wurden nun attraktiv, auch Plattformen wie SellaBand boten und bieten hier interessante Ansätze, die eigene Musik zu vertreiben.

So schwierig es ist, bei den großen Label unterzukommen und entsprechend promotet zu werden, so groß ist auch die Herausforderung, beispielsweise auf SellaBand die 50.000 USD für die CD-Produktion zusammen zu bekommen. Der Vertrieb hat da noch gar nicht begonnen. Viele MusikerInnen sind außerdem der Ansicht, dass die Kosten für eine CD-Produktion in diesem Fall zu hoch angesetzt seien und sie selbst kostengünstiger produzieren könnten.

Diejenigen, die ihre Songs bereits eingespielt haben, aber über keine Vertriebskanäle verfügen, sollten sich mal die Kooperation von Amazon und TuneCore genauer anschauen.

„Der weltgrößte Onlinehändler Amazon bietet unabhängigen Musikmachern die Möglichkeit, ihre eigenen CDs vertreiben zu können, ohne das finanzielle Risiko einer CD-Produktion auf sich nehmen zu müssen. Seitdem Amazon den Dienstleister TuneCore gekauft hat, können Musiker ihre Scheiben auf Anfrage brennen und auch gleich über das Amazon-Netz direkt an die Kunden versenden lassen,“

heißt es etwa auf BigTrends Die Kosten dieses Angebots sind niedrig, 31 USD werden pro Jahr und Produkt in Rechnung gestellt. Von den Einnahmen gehen 60% an Amazon/TuneCore und 40% an die KünstlerIn. Außerdem lässt sich das eigene Werk nicht nur auf CD brennen, sondern auf Wunsch auch auf die verschiedenen Downloadplattformen einstellen.

Die 31 USD Jahresgebühr hat man, denke ich, recht schnell wieder eingespielt. Bei dem im BigTrend-Artikel angenommenen Verkaufspreis von 8,98 USD bleiben 3,59 USD für die KünstlerIn. Mit zehn verkauften CDs hat sich die Sache also bereits gelohnt.

Richtig ist natürlich der auf pressetext.deutschland formulierte Einwand, dass man in diesem Fall aber auf das professionelle Marketing verzichten müsse. Diesem Manko kann man allerdings durch entsprechende Social Media Aktivitäten entgegenwirken.

Grundsätzlich ist aber die Frage zu stellen, ob wir als Kunden heute wirklich noch CDs kaufen wollen? Auch in einem Wired-Artikel wird dieser Punkt angesprochen. Die Hoffungen beruhen wohl darauf, dass der Verkaufspreis für eine CD so niedrig ist, dass die Leute (trotzdem) zugreifen. Ich bin da etwas  skeptisch. Ich kann mir zwar durchaus vorstellen, eine CD zu kaufen, allerdings müsste die dann mehr beinhalten als einfach nur die Musiktracks. Ein Booklet z.B. würde aber natürlich schon wieder Mehrkosten verursachen und ließe sich auch nicht, vermute ich, so einfach on-demand produzieren und verkaufen lassen. Zumindest zu diesem Preis.

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Innovationsgeplapper

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Wenn der Begriff „Innovation“ im Titel einer Konferenz auftaucht, droht häufig Ungemach. Als Teilnehmer einer solchen Konferenz hängt die Aufforderung, doch nun mal innovativ oder kreativ zu sein, wie ein Damoklesschwert über einem. An dieser Stelle lohnt es sich dann meist, auf das Video zu verlinken, in dem Professor Peter Kruse sich mit Kreativität beschäftigt, um zu erkennen, dass man in eine Falle geraten ist bzw. geraten wird.

Michael Wimmer, dem Geschäftsführer von Educult ist solches widerfahren. „Es war sehr ermüdend; es hat mich sehr erschöpft“ lautet sein Fazit eines Konferenzbesuchs, bei dem sich alles um „Innovation durch Organisationsentwicklung“ drehte.

Wie schreibt Wimmer so anschaulich in seinem Blogpost?

„In erste Linie habe ich in Erinnerung dass rund fünfzig gutwillige TeilnehmerInnen Vorschläge zur Schulentwicklung, die sie auch schon bei hundert anderen Gelegenheiten gesammelt haben, diese als Ergebnisse mehrstündiger Diskussionsrunden auf Flipcharts aufgeschrieben und ebenso brav wie uninspiriert als Ergebnisse dem Plenum vorgetragen haben.“

Schade, dass es nicht möglich ist, sich ernsthaft Gedanken über das österreichische Bildungswesen  zu machen. Und es ist tragisch, dass dort immer wieder die selben Leute hocken und sich Dinge an den Kopf werfen, die alles sind, nur nicht innovativ.

Wie wäre es denn, wenn man sich mal mit den Betroffenen zusammensetzt? Mit denen, für die das alles gedacht ist, den Schülern bzw. Studenten? Das geht nicht, werden Sie vielleicht einwenden, da kommt nichts dabei heraus. Mag sein, aber so wird es ja auch nichts mit der Innovation.

Vor dem Blogpost von Michael Wimmer, in dem dieser sein langsames Entschlummern angesichts der ewig gleichen „innovativen“ Phrasen beschreibt, hatte ich auf dem Mission Paradox Blog die „Artistic Theory of Change“ von Adam Thurman gelesen. Darin fragt er sich, wodurch Veränderung im Kunst- und Kulturbereich angestoßen wird. Thurmans Antwort:

„I believe the arts are advanced when they have a strong, interdependent, relationship with the audiences they both currently serve and want to serve.“

Ich denke, an dieser Beziehung zum Publikum mangelt es häufig, weil es an Vertrauen fehlt. Das Publikum habe ja keine Ahnung, erst recht nicht, wenn es um Veränderung, um Innovation gehe, heißt es häufig.

Hier wie dort ist man nicht bereit, diejenigen ernst zu nehmen, an die sich das Angebot richtet. Für die Schüler und Studenten auf der einen Seite und für das Publikum auf der anderen Seite. An dieser Stelle kommt dann der Einwand, dass man erstens beide Bereiche nicht miteinander vergleichen kann und zweitens diejenigen, um die es geht, wirklich keine Ahnung haben von Veränderung.

Aber hat das schon mal wer probiert? Früher vielleicht mal, aber das muss schon lange her sein. Und so plappern die einen von Veränderung und Innovation, während die anderen schlafen.

Trauen wir uns doch einfach mal, Dinge zu tun, die wir bis jetzt nicht getan haben. Einen Versuch wäre es wert, denn die Chancen auf Veränderung waren selten so groß wie jetzt.

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So könnte der Pressebereich Ihrer Website aussehen

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In meinem Blogpost „Die Idee, junge Kunst zu unterstützen ist gut, aber…„, in dem es um einen Wiener Kunstverein ging, bemängelte ich das Fehlen von aktuellem Pressematerial. Matthias fragte in einem Kommentar, welche Informationen man denn für die Presse bereitstellen müsse?

In einem früheren Blogbeitrag habe ich auf das (kostenlose) eBook „How to Connect With New Media“ von Drew McManus hingewiesen. Dieses eBook ist deshalb sehr hilfreich, weil es aufzeigt, dass es neben den klassischen Printmedien, die weiterhin mit Pressetexten und Fotos bedient werden wollen, mittlerweile auch sogenannte „new media outlets“ (McManus meint damit vor allem Weblogs) gibt. Diese müssen auf ganz andere Art und Weise mit Inhalten versorgt werden, wenn man von ihnen wahrgenommen werden möchte.

Eine Möglichkeit, die eigenen Informationen entsprechend aufzubereiten, stellt der Social Media Room dar. Bevor ich jetzt mit langatmigen Erklärungen beginne, zeige ich lieber zwei Beispiele, wie so ein Bereich aussehen kann. Ich würde ja gerne auf ein paar Kultureinrichtungen verweisen, aber leider sind wir da noch nicht ganz so weit. Deshalb bin ich froh, auf dem Bernetblog zwei schöne Beispiele aus dem Unternehmensbereich gefunden zu haben.

Vor allem der Electrolux Newsroom gefällt mir, weil er so klar strukturiert ist (Bitte Bild anklicken, um zur Originalseite zu gelangen).

Was mir auf dieser Seite fehlt, sind die Links nach draußen,die inhaltliche Querverweise ermöglichen. Das wiederum bietet der Newsroom von GM Europe (auch wieder bitte das Bild anklicken):

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Der Schmäh des „Intellektuellen“

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Ich persönlich halte von Auseinandersetzungen, in denen ein Konflikt zwischen den Printmedien und der Blogosphäre heraufbeschworen wird, herzlich wenig. Schließlich kann man weder von DER Zeitung noch von DEM Blog sprechen. Damit nicht genug, es gibt auch innerhalb einer Zeitung Artikel von unterschiedlicher Qualität.

Ähnliches lässt sich natürlich auch von Weblogs sagen. Manche sind gut, manche eher nicht und auch innerhalb eines Blogs gibt es Qualitätsunterschiede. Was bringt es also, Zeitungen oder Blogs pauschal zu bewerten? Und was mag es bringen, wenn man gleich „das (ganze) Netz als Feind“ bezeichnet? Interessieren Adam Soboczynski, der seinen Beitrag in der ZEIT mit dieser Überschrift versehen hat, wirklich die Unterschiede zwischen den Printmedien und der Blogosphäre? Oder geht es ihm, der behauptet, der Intellektuelle werde im Internet mit Hass verfolgt, um etwas ganz Anderes?

Nehmen wir mal an, Soboczynski ist ein Intellektueller und wird im Internet verfolgt. Wie sieht diese Form der Verfolgung aus? Ihm wird dort in Kommentaren des „unterdrückten Undergrounds“ „akademisch anmutende Wortakrobatik“ oder auch die „Abgehobenheit des Artikels“ vorgeworfen. Die Netzbewohner fordern ihn, den Intellektuellen, also frech auf, sich verständlich auszudrücken, anstatt sich demütig zurückzuziehen und die eigene Beschränktheit einzugestehen.

„Ein Autor, der ein bestimmtes Niveau nicht unterschreitet, hat schlechterdings seinen Job nicht gut gemacht, sich einfach nicht durchringen können, sein Schaffen als Dienstleistung für Durchschnittskonsumenten zu begreifen“,

formuliert es der Autor und verweist darauf, dass eine gedruckte Zeitung als ein großes Ganzes gesehen werden müsse. Dieses große Ganze zeichnet sich dadurch aus, dass es auf der einen Seite von den Lesern goutierte Artikel gibt. Demgegenüber steht das „gegenwartsanalytische Feuilletonstück“, das nur wenige Leser findet, aber durch sein Vorhandensein der Zeitung erst ihre Autorität verleiht. Dieses „höhere Ganze“ kennt das Internet nicht, so Soboczynski, der

„Artikel, die sich der Kunst filigraner Beurteilung und Unterscheidung, der gewagten Infragestellung von Sachverhalten widmen“,

im Internet vermisst. Der Intellektuelle, der solche Artikel verfasst ist der „Störenfried“ und darüber hinaus der einzige, „der die Bedingungen der Staatsform, in der er lebt, zu reflektieren vermag“ und „aus der Mehrheitsdemokratie geistesaristokratisch herausragt“.

Das heißt, lieber Herr Soboczynski, Sie waren schon immer der Stachel im Fleisch, der Outcast, der uns darauf aufmerksam zu machen versuchte, worauf es wirklich ankommt in unserer Welt. Nur leider konnten wir es in unserer Begrenztheit nicht verstehen, daher folgten nur wenige Leser Ihren gedruckten Artikeln. Und da es keine Möglichkeit der Reaktion gab, schrieben sie vom intellektuellen Furor getrieben still und leise vor sich hin, in der Hoffnung, die Welt zu verbessern. Aber Sie wussten gleichzeitig auch, dass Ihre „geistesaristokratische“ Brillianz, Ihr Außenseiter-Dasein Ihre Existenzberechtigung darstellt. Hätten Ihre Leser Ihre Artikel gelesen und verstanden, Sie wären Ihrer Rolle verlustig gegangen. Sie wären nicht mehr der reflektierende Außenseiter gewesen, sondern vielleicht der Held des Mainstreams.

Und jetzt übertragen Sie diese Situation mal auf das Internet. Wissen Sie, was es bedeuten würde, wenn Sie im Internet nicht „mit Hass“ verfolgt würden? Wenn Sie Zustimmung und Anerkennung ernten würden und die Leser erkennen müssten, wie ungebildet sie im Vergleich zu Ihnen, dem Intellektuellen, sind? Wenn sie, die „Nichtintellektuellen“, ihre Defizite erkennen und sich darum bemühen würden, sie zu beseitigen? Wenn aus Unwissenden Wissende werden würden?  Es wäre das Ende Ihrer Rolle als Intellektueller. Sie wären einer unter Vielen und seien Sie ehrlich: das wollen Sie doch nicht, oder?

Schimpfen Sie also weiter auf das Internet und die Nichtintellektuellen, die Ihre Artikel nicht lesen. Wir alle wissen: Sie meinen das gar nicht so, denn würden wir Sie schätzen und von Ihnen lernen, dann wäre es vorbei mit Ihrer Sonderrolle. Geben Sie es ruhig zu, Ihr Artikel ist ein einziger Schmäh. Sie wollen, dass alles so bleibt wie es ist. Inklusive des Internets.

Update: Hier der Link zur Replik auf Soboczynskis ZEIT-Artikel von Gero von Randow: Geistesaristokratie

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Die Idee, junge Kunst zu unterstützen ist gut, aber…

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Das „weisse haus“ ist ein Kunstverein, der sich der jungen Kunst verschrieben hat.

„Das weiße Haus wird eine Plattform darstellen, die Kunstschaffenden neben der Präsentation ihrer Werke auch die notwendige Öffentlichkeitsarbeit, die Konfrontation mit verschiedenen Schauplätzen und die Eingliederung in ein Netzwerk bietet“,

heißt es in einem Newsletter von Fiftitu%. Das Konzept klingt spannend. Jedes Jahr sucht sich der Verein mit Sitz in Wien neue Räumlichkeiten und präsentiert dort junge KünstlerInnen. Neben diesen  Räumen, die das ganze Jahr hindurch genutzt werden, gibt es außerdem sogenannte Satellitenprojekte. Als Satelliten werden leerstehende Räumlichkeiten oder Bereiche im Freien bezeichnet, die den KünstlerInnen für eine begrenzte Zeit zur Verfügung gestellt werden. Ein Ansatz, der sehr spannend ist und mich an die Idee erinnert, leere Geschäftslokale als „Auslage“ für z.B. Museen zu nutzen.

Also ein Konzept, das einer Stadt wie Wien nur gut tun kann. Nur etwas mehr Kommunikation würde ich mir wünschen. Eine Presseinfo für 2009 existiert nicht, d.h. es gibt auch kein Material, auf das man bei der Berichterstattung zurückgreifen kann (z.B. ein Foto, das ich für diesen Beitrag verwenden kann). Und wenn dann noch auf der Website der folgende Satz zu finden ist:

„Der Inhalt dieser Website darf nicht zu kommerziellen Zwecken kopiert, verarbeitet, verändert oder Dritten zugänglich gemacht werden“,

dann wird es wirklich schwierig. Das inhaltliche Konzept ist gut, aber PR dürfte es etwas mehr geben. Schade…

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stART.hilfe

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Spannende und interessante Kunst- und Kulturprojekte im Internet gibt es einige. Da ist die Theatergruppe Antigone 2.0, der Blogroman (und das Romanblog) Sechzig Grad oder der Erlkönig in Second Live, um nur drei Beispiele herauszugreifen. Solche Projekte möchte die Aktion stART.hilfe vor den Vorhang bitten und macht sich auf die Suche nach dem „besten“ Projekt. Welches das dann sein wird, entscheiden Sie und ich per Online-Abstimmung.

stART.hilfe ist eine Kooperation der Duisburger Philharmoniker, dem Upload-Magazin und der stARTconference und funktioniert so: Zu den beiden Aufführungen des „Ring ohne Worte“ am 27. und 28. Mai stellen die Duisburger Philharmoniker 100 Karten zur Verfügung. Die Karten gibt es zu einem Sonderpreis von 5 Euro, die Einnahmen werden der Aktion stART.hilfe zur Verfügung gestellt und bilden die Preissumme.

Welche Projekte für diesen Preis in Frage kommen, wie das Gewinnerprojekt ausgewählt wird und wie Sie an die Karten für den „Ring ohne Worte“ kommen, erklärt der Beitrag auf dem stARTconference-Blog.

Wichtig zu wissen: da die Zeit knapp ist, können Projektvorschläge nur bis kommenden Montag, den 25. Mai eingereicht werden. Eine einfache Mail genügt, ein Antragsformular wird nicht benötigt. :-) Wenn Sie also ein Projekt kennen, das Sie gut finden, dann schlagen Sie es einfach per Mail vor.

Und die Karten für die beiden Konzerte können Sie auch per Mail bestellen, aber das steht ja alles auf dem stARTconference-Blog.

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Gemeinsam spenden heißt mehr spenden

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© Ernst Rose; Pixelio

The Chronicle of Philanthropy“ berichtet über eine Studie, die zu einem ganz interessanten Ergebnis kommt:

„Donors who participate in giving circles — in which individuals pool their money and decide collectively how to distribute it — give more than other donors, give more strategically, and give to a greater number of organizations“,

heißt es dort über die Studie „The Impact of Giving Together„. Die „giving circles“ werden in den USA immer populärer, ihre Zahl hat sich in den letzten fünf Jahren auf über 500 verdoppelt. Menschen, die sich einem solchen Förderkreis anschließen, spenden mehr als andere, ist wohl die wichtigste Erkentnis dieser gerade veröffentlichten Studie. Auch Kunst und Kultur profitieren davon, denn:

„The survey findings show that giving circle members are more likely than the control group to support women, ethnic and minority groups, and organizations that support or promote arts, culture, or ethnic awareness“,

heißt es auf Seite 5. Natürlich lassen sich die Ergebnisse nicht eins zu eins auf unsere europäischen Verhältnisse übertragen. Aber wenn die Studie feststellt, dass die Mitgliedschaft in einem solchen Zusammenschluss zu einer erhöhten Spendenbereitschaft führt, dann ist das eine Erkenntnis, die auch für uns Relevanz besitzt. Große Kultureinrichtungen haben ja schon lange ihre Fördervereine, deren Mitglieder sich in hohem Maß auch finanziell engagieren.

Kleinere Kultureinrichtungen haben in dieser Hinsicht ziemliche Defizite. Meist fehlt es an den notwendigen Ressourcen, um sich um den Aufbau einer solchen Förderstruktur zu kümmern. Dabei würde sich ein solches Investment durchaus lohnen, wie diese Studie jetzt zeigt. Wie aber tun? Eine mögliche Lösung könnte darin bestehen, dass sich kleine Kultureinrichtungen zusammenschließen und einen gemeinsamen Förderpool einrichten, für dessen Betreuung sie auch gemeinsam eine Fundraising-ExpertIn anstellen.