Monthly Archives of: März 2010

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Social Media: wie beginnen?

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In den letzten Tagen habe ich einige Zeit auf Slideshare verbracht und mir die verschiedenen Präsentationen der SXSW angesehen. Eine davon stammt von Charlene Li und beschäftigt sich mit dem Thema Open Leadership.

Dabei bin ich bei dieser Folie hier hängengeblieben:

Wenn ich mir die Aktivitäten vieler Kulturbetriebe anschaue, die auf Twitter, Facebook oder anderen Netzwerken aktiv sind, dann habe ich manchmal den Eindruck, dass die meisten auf der vierten Stufe beginnen. Und dort bleiben sie dann meist, bis die Kräfte erlahmen und immer seltener Content veröffentlicht wird. Social Media-Tod auf Raten gewissermaßen.

Ich denke, es lohnt sich, von unten zu beginnen und nicht sofort das Social Web mit den eigenen Inhalten zu überschwemmen. Wenn Sie sich die Pyramide ansehen, werden Sie feststellen, dass dort das Teilen vor dem Produzieren kommt. Das heißt, es geht (erst einmal) um fremde Inhalte, nicht um die eigenen.

PS: Ein Blick auf die Präsentationen der SXSW lohnt sich!

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eBook: „musician 2.0 3.0 4.0..

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Als „psycho-spiritual-musical manifesto“ bezeichnet Peter Spellman sein eBook, das man bei Gerd Leonhard downloaden kann.

Ganz am Ende seines eBooks schreibt Spellman:

„To me, a ’successful‘ music career is a conscious alchemy of creative work, compatible comrades, good information and breaks. Sometimes the stars will line up just so and you’ll suddenly leap frog several steps to greater achievement. Mostly, you’ll be working your butt off – practicing, schmoozing, failing, feeling disappointed, landing deals, negotiating schedules and washing the dishes.“

Das, was dazwischen liegt und all die Dinge, die es zu berücksichtigen gilt, beschreibt Spellman auf insgesamt 29 Seiten. Abzüglich vieler guter Fotos. Lesens- und sehenswert!

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Wie wir die digitalen Medien nutzen können

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Kultureinrichtungen produzieren jede Menge Content. Ob Konzert, Inszenierung oder Ausstellung, immer geht es darum, diese Inhalte auch zu kommunizieren. Die Frage ist nur, wie man das am geschicktesten macht? Martin Oetting hat auf seinem Blog ConnectedMarketing.de sehr schön herausgearbeitet, welche Ansätze uns im Bereich der digitalen Medien eigentlich zur Verfügung stehen.

Die von Martin Oetting stammende Grafik (zur Vergrößerung bitte hier klicken) zeigt, dass es im Bereich der digitalen Medien insgesamt vier unterschiedliche Ansätze gibt, um die eigenen Angebote zu kommunizieren.

Paid Media ist, wie es Oetting formuliert, der uns allen bekannte

„klassische Ansatz – ich gebe Geld dafür aus, dass meine Botschaften auf den Kanälen anderer Medienbetreiber gezeigt werden.“

Zwar funktioniert Werbung, das klassische Beispiel für diesen Ansatz, nicht mehr so wie früher, allerdings folgt sie noch dem alten Prinzip, das Leistung und  Gegenleistung konkret benennt und daher auf dieser Ebene wenig Risiko beinhaltet.

Owned Media bedeutet, dass ich meine Nachricht nicht auf anderen Kanälen platziere, sondern über einen eigenen verfüge, der mir dazu dient, meine Botschaften zu kommunizieren. Oetting zählt sowohl die firmeneigene Website als auch das Corporate Blog zu dieser Kategorie, in der die Herausforderung seiner Meinung nach darin besteht, die Kommunikation den eigenen Bedürfnissen entsprechend zu managen.

Verlassen meine Botschaften meine eigenen Medienkanäle und werden von anderen aufgegriffen, bewertet und weitergegeben, sind sie in dem Bereich angekommen, den Oetting Earned Media nennt. Es ist der Bereich des Social Web, der nicht mir gehört, also z.B. das eigene Blog. Für Unternehmen gehe es, so Oetting, darum, andere zu dieser Art der Kommunikation zu „inspirieren“. Ansonsten verpuffen die Aktivitäten, die Botschaft führt zu keinen Reaktionen.

Bleibt die Kategorie Curated Media, worunter Oetting Ansätze versteht,

„bei denen Unternehmen sich darum bemühen, beim Filterproblem zu helfen“,

wie er es formuliert. Weiter unten in einem Kommentar ergänzt er noch:

„Bei ‚curated‘ geht’s mehr darum, die Inhalte, die sonstwo im Netz zu finden sind, zu ordnen und zu sichten. Natürlich hat das ganz viel mit Glaubwürdigkeit zu tun – darin liegt die Herausforderung aber auch die Chance.“

Ich würde in der Beschreibung dieser Kategorie gerne noch einen Schritt weiter gehen. Im New Curator-Blog ist vor einigen Tagen der Beitrag „You Are Not a Curator“ erschienen, in dem die These vertreten wird, dass „curating“ mehr ist als Filtern. Der Autor verweist in diesem Zusammenhang auf Nina Simon, die in ihrem Buch „The Participatory Museum“ Kuratoren eher als „facilitator, designer and collaborator“ bezeichnet, wie es im Blogbeitrag heißt.

Filtern bedeutet für mich, dass ich mir bestimmte Kriterien überlege, nach denen dann die Inhalte des – in diesem Fall – Web durchsucht werden. Was im Unterschied zum Kurator fehlt, ist die Kreativität, die Fähigkeit, neue, überraschende Querverbindungen herzustellen. Jeff Jarvis hat das in seinem Beitrag „Death of the curator. Long live the curator.“ auf den Punkt gebracht:

„“We have many automated means to aggregate news (…). Curation is a step above that, human selection. It’s a way to add value.“ (siehe dazu meinen Beitrag „‚Structural Holes‘ oder: warum Kuratoren so wichtig sind„)

Oder mit den Worten von Dave Troy :

„A curator establishes relationships between objects and ideas. A curator puts things into a cultural context. A curator expresses their own cultural background.“

Jeff Jarvis gesteht den Kuratoren in dieser Hinsicht eine Vorbildfunktion zu, das heißt, wer auf diese Weise kommunizieren möchte, übt mehr aus als eine Filterfunktion. Ein Kurator ist Ideengeber, Innovator, womit klar ist, vor welcher Herausforderung derjenige steht, der auf diese Weise kommunizieren möchte.

Die digitalen Medien für die eigene Kommunikation zu nutzen heißt, den richtigen Mix zu finden. Darauf läuft Martin Oettings Beitrag für mich hinaus. Die größte Herausforderung besteht für mich in der Kategorie Curated Media. Das ist der Bereich, in dem Kulturbetriebe dem Unternehmensbereich eigentlich viel voraus haben. So sie „kuratieren“ nicht mittlerweile auch nur als „filtern“ verstehen.

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„Lux Aurumque“: der virtuelle Chor

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An das YouTube-Symphonie-Orchester können Sie sich vielleicht noch erinnern? In eine ähnliche Richtung geht Eric Whitacre mit seinem virtuell aufgeführten Chorwerk „Lux Aurumque„.

Vor allem die Umsetzung seiner Idee ist interessant. Whitacre dirigierte das Werk in völliger Stille, stellte sich die Musik nur in seinem Kopf vor und nahm sich dabei per Video auf. Diese Aufnahme war die Ausgangsbasis für sein virtuelles Chorprojekt, an dem sich 185 SängerInnen aus 12 Ländern beteiligten. Über die Entstehungsgeschichte und weitere Projekte berichtet Eric Whitacre auf seinem Blog.

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Über Ticketing, das Schokoladenmuseum und die Frage, was das Web 2.0 damit zu tun hat

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Ticketing ist ein Thema, das ich bis jetzt noch nicht wirklich auf meinem Radar hatte. Umso mehr habe ich mich über die Einladung zum T:B Experten-Forum Ticketm@nagement 2010 gefreut. Kurz gefasst geht es beim Ticketing um die Vermarktung und den Vertrieb von Eintrittskarten. Als ich vor vielen Jahren meine ersten Open Air-Konzerte besuchte, ging es im ersten Schritt darum, sich eines der meist raren Tickets zu besorgen. Dafür waren die Vorverkaufsstellen zuständig, zu denen man hinfahren musste. Wenn es blöd lief, dann musste man dort einige Zeit anstehen, um an die begehrte Karte zu kommen, wenn es richtig blöd lief, dann gab es dort gar keine Karten mehr.

Heute geht das alles etwas einfacher, denn neben den Vorverkaufsstellen, die es natürlich immer noch gibt, werden Tickets auch telefonisch und online vertrieben. So verkaufen beispielsweise die Bregenzer Festspiele ein Drittel ihrer Tickets mittlerweile über das Internet, wie ich bereits gestern auf dem stART! – live Blog geschrieben habe. Noch erfolgreicher in dieser Hinsicht ist das Schmidt Theater in Hamburg, wie Geschäftsführer Norbert Aust am zweiten Tag der Ticketmanagement-Konferenz erzählte. Bei seinem Theater liegt die Quote bei etwa 50 Prozent.

Während früher vor allem bei größeren Veranstaltungen ein dezentraler Vorverkauf dazu diente, die Nachfrage nach den Tickets zu befriedigen, während die kleineren Veranstalter ihre Tickets in Eigenregie vertrieben, ist heute daraus ein riesiger Markt geworden. So ist CTS Eventim  als europäischer Marktführer in zwanzig Ländern aktiv und vermarktet gut 80 Mio. Tickets für mehr als 100.000 Veranstaltungen. Dass es hier nicht mehr nur um den Verkauf von Tickets geht, machen die auf der Website von CTS Eventim formulierten Ziele deutlich:

„Ziele und Zukunftsvision (…) ist der Ausbau des Internet-Ticket-Shops (…) zum führenden Freizeit- und Veranstaltungsportal in Europa und der Ausbau von CTS EVENTIM als führender europäischer Konzern der Entertainmentbranche.“

Aus einem Ticketverkäufer wird so ein Entertainmentkonzern, der die gesamte Wertschöpfungskette abzudecken versucht und entsprechende Dienstleistungen anbietet. Neben den Veranstaltern, die sich entscheiden können, über welche Ticketingplattformen sie ihre Eintrittskarten vertreiben, gibt es noch das, was früher der Schwarzmarkt war und heute als sogenannter Sekundärmarkt firmiert. Während früher die Schwarzmarkthändler mit gehorteten Karten ein Geschäft zu machen versuchten oder Private ihre Tickets aus welchen Gründen auch immer loszuwerden versuchten, hat sich hier dank des Internets ein neues Geschäftsfeld eröffnet.

So versteht sich beispielsweise Seatwave als ein

„Online-Markt, wo Fans Tickets für Konzerte, Theater, Sport, Attraktionen, besondere Veranstaltungen und so ziemlich alle anderen Live-Events kaufen und verkaufen (können)“. (siehe dazu meinen Rückblick auf den ersten Konferenztag)

Eigentlich eine feine Sache, wird die Sache dann problematisch, wenn auf diese Weise ein knappes Gut vertrieben werden soll. Deshalb wehren sich zum Beispiel verschiedene Fußballklubs gegen den Verkauf ihrer Tickets auf solchen Plattformen, wie ein Artikel auf Spiegel Online zeigt. Oder die Fans selbst, die davon nicht unbedingt profitieren, wie dieser Kommentar zum Spiegel-Beitrag deutlich macht:

„Die komplette AC/DC-Hallentour im letzten Jahr war binnen 12 Minuten restlos ausverkauft – 5 Minuten (!!!) später fand man tausende Tickets allein bei ebay zum bis zum vierfachen Preis!“

Unterbinden wird man solche Geschäfte, so vermute ich, nicht mehr können. Allerdings gilt es, hier entsprechende Regeln festzulegen, um Auswüchse zu verhindern. Im Endeffekt folgt dieses „Geschäft“ den gleichen Prinzipien wie der Handel der Produkte, die dann zur Finanzkrise geführt haben. Und so wie diese Finanzinstrumente eigentlich durchaus ihren positiven Nutzen hatten (und haben), indem sie der Absicherung eines Risikos dienten, kann man solche Sekundärmärkte natürlich auch als ein Instrument betrachten, das dazu dient, Risiken zu minimieren, die mir als Käufer eines Tickets entstehen. Während man Tickets früher an Freunde weiterverkauft hat, wenn man nicht selbst hingehen konnte, übernehmen diese Funktion heute Online-Plattformen.

Unabhängig von der Frage, über welche Plattform ich meine Tickets verkaufe, werde ich versuchen, möglichst viele Menschen auf diese Möglichkeit, Tickets zu erwerben, aufmerksam zu machen. Womit wir beim Thema Web 2.0 wären. Nun kann man natürlich die diversen Social Media-Kanäle dafür nutzen, um die Pressetexte, die man produziert hat, auch noch via Twitter, Facebook, etc. unter die Leute zu bringen. Dann handelt es sich um zusätzliche Lautsprecher.

Wirklich sinnvoll ist es in meinen Augen, das Social Web zum Aufbau von Communitys zu nutzen. Ich behaupte, dass sich dadurch nachhaltigere Erfolge erzielen und Auswüchse, wie oben beschrieben, leichter vermeiden lassen (ganz verhindern wohl nicht). Erstens ist die Bindung der Community an das Produkt eine wesentlich intensivere, bei dem Produkt handelt es sich eher um ein Liebhaberprodukt, das für mich selbst bestimmt ist, als um ein Verkaufsgut, das ich möglichst gewinnbringend verkaufen möchte. Zweitens könnte das dezentrale Web dazu beitragen, dass auch die „Kleinen“ eine Chance haben, schließlich werden auf den großen Plattformen vor allem die großen Player auf der Titelseite promotet und nicht unbedingt die „Kleinen“.

Und zu den Kleinen, wenn auch den „großen Kleinen“ zähle ich das Schokoladenmuseum in Köln. Dessen Marketingchef Martin Möller-Wettingfeld bestritt zusammen mit Karin Janner und mir den Workshop zum Thema Web 2.0. Sein Part bestand darin, auf die Bedeutung von Google hinzuweisen und am Beispiel der Website seines Museums zu zeigen, wie man sich erfolgreich in den Suchmaschinen positioniert. In meiner Zusammenfassung habe ich ja schon geschrieben, dass der Workshop sich dann vor allem um die Frage drehte, ob sich ein gutes Ranking auch mit einem klassischen CMS erzielen lasse. So wie es eben das Schokoladenmuseum macht.

Natürlich ist das möglich, nur verstehe ich den Sinn und Zweck nicht, schließlich ist das Schokoladenmuseum schon lange im Web 2.0 angekommen. Zwar ist es dort nicht selbst aktiv, aber das ist auch nicht nötig, das übernehmen mittlerweile die Besucherinnen selbst. Wer das Museum besuchen möchte, erkundigt sich z.B. auf Qype, wie es anderen Menschen dort gefallen hat. Gut, man kann wie gesagt, gerne ein statisches CMS verwenden und dafür auch einen fünfstelligen Eurobetrag ausgeben. Ärgerlich wird die Sache dann, wenn man im Nachhinein herausfindet, dass da jemand nicht einfach nur ein CMS empfiehlt, sondern vor wenigen Monaten noch für den Vertrieb genau dieses Produktes zuständig war. Aber wie gesagt, auch das Schokoladenmuseum ist schon längst im Web 2.0 angekommen, wenn auch anscheinend nur passiv. Bevor aber andere über mich reden und ich es vielleicht gar nicht mitbekomme, bin ich lieber dabei.

Zurück zum Thema Ticketing. Hierbei handelt es sich um einen sehr umkämpften Markt. In einer Mail, die ich als Reaktion auf meine Berichterstattung im stART! – live Blog erhielt, wurde die Vermutung geäußert, dass die sinkenden Verkaufszahlen im Tonträgergeschäft mit einer der Gründe dafür seien. Die sich verändernden Wertschöpfungsketten sprechen für diese Vermutung, die ich aber nicht belegen kann. Ich behaupte, wer seinen BesucherInnen nicht nur einfach das Geld aus der Tasche ziehen möchte, sondern an nachhaltigen Verbindungen zu seinen Zielgruppen und daher auch am langfristigen Erfolg der eigenen Tätigkeit interessiert ist, der wird dafür vielleicht nicht unbedingt das Web 2.0 brauchen. Aber leichter geht es schon.

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Social Bookmarking und RSS (Präsentation)

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„Ticketing in Krisenzeiten erfordert noch effizienter und noch näher am Kunden zu sein. Die Möglichkeiten von Internet und Web 2.0 erzeugen zusätzlich einen gesteigerten Wettbewerbsdruck. (…) Integrierte Ticketvermarktungskonzepte und die konsequente Vernetzung im Marketing sind gefragt.“

Das Thema Web 2.0 ist also auch für diese Branche ein Thema geworden und so freue ich mich, dass die stARTconference Partner des T:B Experten-Forum Ticketm@nagement in Düsseldorf geworden ist. Karin Janner, Frank Tentler und ich werden uns dort mit dem Thema Web 2.0 beschäftigen und aufzuzeigen versuchen, welche Möglichkeiten sich durch das Web 2.0 auftun.

Wer vom Web 2.0 spricht, landet schnell bei Facebook oder Twitter. Aber die hilfreichen und mächtigen Tools, die im Hintergrund Verwendung finden, werden meist gar nicht erwähnt. Eigentlich schade und deshalb werde ich mich im heutigen Kurzworkshop mit dem Thema Social Bookmarking und RSS beschäftigen. Und noch vor allen KonferenzteilnehmerInnen stehen Ihnen hier schon die Folien zur Verfügung.

In den nächsten Tagen folgt dann noch ein Bericht über die Konferenz. Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit: wir werden morgen unser neues stART! – live Blog einweihen, das wir auf Posterous eingerichtet haben. Und hoffentlich ganz aktuell vom T:B Experten-Forum Ticketm@nagement 2010 berichten.

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Kunst versus Fußball oder: so sieht die Realität aus

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Oft ist hier die Rede davon, wie wichtig Kunst für uns und unsere Gesellschaft ist. Und was alles getan werden muss, damit die Menschen Ausstellungen, Konzerte oder Lesungen besuchen.

Vielleicht machen wir uns ja was vor und die Präferenzen in unserer Gesellschaft sehen ganz anders aus? Sehen Sie sich mal das folgende Video an, das ich bei Stefan Pfeiffer gefunden habe. Genial gemacht von Heineken, einem der Hauptsponsoren der Fußball Champions League. Aber auch etwas ernüchternd, oder?

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Axel Kopp: Nicht einfach anfangen! (Gastbeitrag)

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Ich bin mir ziemlich sicher, dass in den diversen Kulturmanagement-Lehrgängen tolle Arbeiten geschrieben werden, bei denen es schade ist, wenn sie nach ihrer Bewertung in der Schublade verschwinden. Deshalb freue ich mich, dass zumindest Axel Kopp die Möglichkeit nutzt, aus den eigenen Arbeiten einen Blogbeitrag zu machen und diesen dann hier zu veröffentlichen.

Axel Kopp, der in Ludwigsburg an der Pädagogischen Hochschule am Institut für Kulturmanagement studiert, hat bereits im letzten Herbst hier einen Beitrag veröffentlicht. Damals ging es darum, wie Theater das Web 2.0 nutzen. Diesmal beschäftigt sich Axel Kopp, der mittlerweile ein eigenes Weblog betreibt, mit dem Thema Online-Kommunikation. Kulturbetriebe sind zwar mittlerweile recht häufig im Web 2.0 anzutreffen, aber oft wirkt die ganze Sache recht planlos. Meistens ist sie das auch und genau für solche Fälle hat Axel Kopp ein eigenes Modell entwickelt, das er in den folgenden Zeilen vorstellt.

Nicht einfach anfangen!

Seit einem Monat hat das Badische Staatstheater keinen neuen Blogpost mehr veröffentlicht und die Staatsgalerie Stuttgart dümpelt mit circa 230 Fans auf Facebook herum. In beiden Fällen wird Web 2.0 nur alibimäßig betrieben: Ab und zu schreibt man halt irgendwas und wer Lust hat, kann das gerne kommentieren. Ein strategisches Vorgehen mit Zielsetzungen und Überlegungen, wer wann was veröffentlichen soll, gibt es nicht.

Was fehlt ist also ein Online-Kommunikationskonzept. Abhilfe soll ein Modell schaffen, das ich im Rahmen meines Kulturmanagement-Studiums an der PH Ludwigsburg entwickelt habe und das Kultureinrichtungen helfen soll, Internet-Marketing erfolgreich und nachhaltig zu betreiben. Es basiert auf bereits bestehenden Konzeptionsmodellen und lässt sich grob in die drei Phasen Analyse, strategische Planung und operative Umsetzung unterteilen.

Hier eine kurze Beschreibung des Modells: Am Anfang des Prozesses steht die Analyse der Ausgangs- und Ist-Situation. Zum einen wird hierbei nach dem Grund und dem Anlass für ein Online-Kommunikationskonzepts gefragt, zum anderen wird die Ist-Situation, also die bisherige (Online-) Kommunikation, analysiert.

In der darauf folgenden Ziel- und Zielgruppenanalyse geht es um die Frage „Was wollen wir bei wem erreichen?“. An dieser Stelle setzt bereits das Controlling ein, das den Prozess permanent begleitet. Zentrale Fragen sind dabei: „Passen Ziele und Zielgruppen, Strategie, Taktik und Maßnahmen zu unseren Corporate Communications und unserer Corporate Identity? Sind die einzelnen Schritte zielgerichtet und konsistent? Ist das Konzept so realisierbar?“ Diese Fragen sollten in jeder Phase mit einem klaren „ja“ zu beantworten sein. Sind sie es nicht, muss nachgebessert werden.

Sind die Ziele und die Zielgruppen geklärt, setzt ein Analyseprozess auf mehreren Ebenen ein. Bezieht sich die Ressourcenanalyse in erster Linie auf interne Faktoren, verweisen die drei anderen Analysen auf externe Faktoren. Bei der Ressourcenanalyse wird gefragt, welche finanziellen und personellen Ressourcen zur Verfügung stehen, welches Know-how bei den Mitarbeitern vorhanden ist und wer Interesse hat, sich an etwaigen Web 2.0-Maßnahmen zu beteiligen. Eine Technikanalyse, also die Frage, welche relevanten technischen Entwicklungen es gibt, ist insbesondere bei größeren Projekten wichtig (z.B. bei der Erstellung einer neuen Website). Technik- und Nutzeranalyse können eng miteinander verbunden sein – beispielsweise gäbe es ohne Smartphones keine mobile Internetnutzung.

Im Idealfall findet die Nutzeranalyse im Rahmen einer Befragung der Zielgruppe statt, denn letztlich weiß nur sie selbst (und Google ;-)), wie sie das Internet nutzt, nach welchen Angeboten und Informationen sie sucht, und welche Online-Aktivitäten und -Inhalte sie von der jeweiligen Kultureinrichtung erwartet. In der Benchmarkanalyse geht es zunächst um die Identifizierung von Best Practices und die Überlegung, welche Maßnahmen sich auf die eigene Online-Kommunikation übertragen lassen.

Ist die Analysephase abgeschlossen, wird nun in wenigen Sätzen eine Strategie formuliert, die einfach, eindeutig und plausibel sein sollte. Ebenfalls zur Strategieplanung gehört das Festlegen der Tonalität (z.B. lässig, seriös, unterhaltsam) und der Anrede („Wird die Zielgruppe gesiezt oder geduzt?“).

Bei der Planung der Taktik wird zunächst entschieden, welche Instrumente verwendet (Blog, soziale Netzwerke etc.) und mit welchen Inhalten diese gefüllt werden (Hintergrundinformationen, Künstlervideos, Pressezitate etc.). Aus diesen Entscheidungen heraus entstehen taktische Einheiten. Ein Beispiel für eine solche Einheit wäre die Erstellung einer Facebook Fan Page, für die es nun auch gilt, die zu veröffentlichenden Inhalte grob festzulegen. Ebenfalls sollte entschieden werden, wie die jeweilige taktische Einheit bekannt gemacht wird (z.B. über Hinweise im Newsletter oder crossmedial über Postkarten). Zuletzt sollten in der Taktik auch rechtliche Fragen geklärt werden, insbesondere wenn man plant, Inhalte von Dritten (z.B. YouTube-Videos) einzubetten oder Veranstaltungsfotos online zu stellen.

Zur Vergrößerung die Grafik bitte anklicken

Ist die Taktik fixiert, steht die Planung der operativen Maßnahmen an. Am Ende dieses Schrittes steht ein Ablaufplan, aus dem hervorgeht, wer was wann zu erledigen hat. Wie locker dieser Plan zeitlich und inhaltlich gehandhabt wird, hängt auch mit den personellen Ressourcen der Organisation zusammen. Unter die Ressourcenplanung fällt auch der Finanzierungsplan, der beispielsweise wichtig ist, wenn Videos in Auftrag gegeben werden sollen.

Um den Erfolg bzw. Misserfolg messen zu können, ist eine Zielvereinbarung und Evaluation nötig. Die zu Beginn festgelegten Ziele werden nun spezifiziert und evaluierbar gemacht. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um quantitative (z.B. Erhöhung der Zugriffe auf die Website) oder qualitative Ziele (z.B. Imageaufwertung) handelt. Wichtig ist nur, dass die Ziele mit den Ressourcen, die der Organisation zur Verfügung stehen, evaluierbar sind.

Es folgt die Umsetzung des Konzepts, die streng genommen nicht mehr Teil der Konzepterstellung ist. Da davon auszugehen ist, dass sich insbesondere bei der erstmaligen Erstellung eines Konzepts in der Anlaufphase noch Änderungen ergeben, weil etwa zeitliche Ressourcen über- oder unterschätzt wurden oder es andere Fehleinschätzungen gab, muss das Konzept vermutlich jedoch in Teilen angepasst werden. Generell ist es beim Konzept weniger wichtig, dass alle operativen Maßnahmen 1:1 abgearbeitet werden, vielmehr soll das Grundgerüst den Mitarbeitern Planungssicherheit geben und ihnen die strategische Richtung aufzeigen.

Teil der Hausarbeit war es, das beschriebene Konzeptionsmodell praktisch anzuwenden. Dies geschah im Rahmen der Entwicklung eines Online-Kommunikationskonzepts für das Renitenztheater Stuttgart, das sich in wenigen Wochen in die Sphären des Web 2.0 vorwagen wird. Da das Konzept derzeit noch ein „Betriebsgeheimnis“ ist, kann dieser Teil der Arbeit leider nicht veröffentlicht werden. Die restliche Arbeit kann man sich hier als PDF herunterladen.

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„Art must die“

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© Helge Haibach; Pixelio

„we shall let the past remain the past, the future—the future, and we shall live only in the present, in the here and now, and create works for the present age alone.“

zitiert Alex Ross in seinem Blogpost „Art must die“ aus einem Brief, den Richard Wagner 1850 an Franz Liszt geschrieben hat und schlussfolgert daraus:

„If you really wanted to be true to the spirit of Wagner, you would stop playing him and focus on new work instead.“

Als ich dieses Blogpost gestern gelesen habe, fielen mir wieder die Diskussionen letzte Woche in Krems ein, in denen es um die Frage ging, wie man das Überleben der klassischen Musik sichern könne (siehe dazu „Classix 2.0: ‚Das Online-Erlebnis Klassik ist zu kompliziert‘„)? Vielleicht ist es gar nicht falsch, dass die künstlerischen Werke der Vergangenheit an Bedeutung verlieren und Platz machen für das Neue, das da kommt?

Nur kommt da gar nicht so viel, denn wir zelebrieren lieber die Vergangenheit als uns auf das Neue einzulassen. Kehren wir noch einmal zurück zum Beispiel klassische Musik. Wenn Greg Sandow und Martin Tröndle feststellen, dass das schwindende Interesse an klassischer Musik nichts mit dem Alter zu tun hat, sondern dem Kohorteneffekt zuzuschreiben ist, dann stellt sich die Frage, ob diese historische Form von klassischer Musik nachfolgende Generationen einfach nicht mehr anspricht?

Das Problem: zeitgenössische Musik ist schwer vermittelbar. Heißt es. Die Frage ist, ob dafür genug getan wird? Einerseits sind die (finanziellen) Rahmenbedingungen für KomponistInnen heute alles andere als rosig. Andererseits dominieren Bach, Mozart & Co. immer noch den heutigen Musikunterricht, wenn es um klassische Musik geht. Würde es nicht Sinn machen, neuen Kohorten neue Musikangebote zu unterbreiten?

Kulturblogger Christian Holst bringt die Sache auf den Punkt, wenn er in seinem gestrigen Beitrag „Airbag für die Pferdekutsche: Innovation im klassischen Konzert“ die Frage stellt:

„(…) ob man das «bürgerliche Konzert» als ausreichend wichtiges kulturelles Erbe erachtet, (um) es weiterhin zu fördern und zum kulturellen Kanon zu rechnen.“

Statt also „bürgerliche Konzerte“ zu fördern, könnte die Kulturpolitik dazu übergehen, zeitgenössische Musik zu fördern. Gleichzeitig müsste es darum gehen, Kindern für Musik zu interessieren und zu begeistern. Das funktioniert einerseits über das Erlernen eines Instruments, wie Christian Holst es in einem Kommentar schon angemerkt hat. Andererseits müssten aber auch Vermittlungsprogramme entwickelt werden, wie sie beispielsweise von KulturKontakt Austria in Form des Programms p[ART] schon angeboten werden.

Nichts gegen die finanzielle Unterstützung von Konzert- und Opernhäusern, aber wenn im Rahmen von p[ART] im Jahr 2009 zehn und in diesem Jahr fünf Projekte unterstützt werden, in denen Schulen und Kultureinrichtungen zusammenarbeiten, dann wird klar, warum sich die nachwachsenden Generationen kaum noch für, in dem Fall, klassische Musik interessieren. Sie haben eigentlich gar keine Chance und im Endeffekt interessiert es auch niemanden. Nur die Konzertsäle sollten sie schon bitte füllen. Und ein paar CDs kaufen.