Monthly Archives of: April 2010

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Das Theaterhaus Stuttgart verpflichtet sich zum „Fairen Praktikum“

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Mitte Januar hatte ich in einem Blogbeitrag auf die Initiative „Faires Praktikum“ der Kulturpolitischen Gesellschaft hingewiesen. Damit ruft die Kulturpolitische Gesellschaft die Anbieter von Praktikumsplätzen dazu auf, Praktika nur zu fairen Bedingungen anzubieten. Hochschulen und Ausbildungsanbieter sollten Praktika nur dann vermitteln, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, so die Idee. Mittlerweile bietet die Kulturpolitische Gesellschaft auch einen Mustervertrag an, den Kultureinrichtungen nutzen können.

Gut gefällt mir, dass Kulturbetriebe bei dieser Initiative nicht nur mitmachen, sondern ihre Beteiligung auch kommunizieren und somit dazu beitragen, dass die Initiative nicht versandet. Das Theaterhaus Stuttgart ist auch dabei und nutzt zur Verbreitung dieser Nachricht das eigene Blog.

„Dass Praktikanten als vollwertige Mitglieder der Organisation anerkannt werden, war im Theaterhaus eigentlich immer selbstverständlich. Mit der Selbstverpflichtung zum ‚Fairen Praktikum‘ wollen wir dies auch im Sinne der von der Kupoge vorgeschlagenen Grundsätze festhalten, einhalten und konsequent umsetzen, auch wenn es – in aller Offenheit – nicht leicht ist, das im Budget zu berücksichtigen. In Zeiten des großen Kahlschlags aber ein umso wichtigeres Zeichen“,

heißt es dort. Ich finde es wichtig, dass man nicht nur einfach dabei ist, sondern diesen Schritt auch kommuniziert. Schön, dass das Theaterhaus dafür sein Blog verwendet. Das gibt nämlich die Möglichkeit, auch darauf zu reagieren, was etwa bei einer Presseaussendung nicht möglich wäre. Was nicht heißt, dass man daraus nicht auch eine Presseaussendung machen kann. ;-)

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Aus alt mach neu: der Relaunch der stARTconference-Website

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Als wir Anfang 2009 mit dem Blog zur stART09 online gingen, war das noch eine recht überschaubare Angelegenheit. So arg viel gab es noch nicht zu berichten. Mittlerweile, eine Konferenz später, enthält die Seite der stARTconference so viele verschiedene Inhalte, dass wir sie einem Relaunch unterzogen haben.

So sieht sie nun aus, in hellen Farben gehalten und mit einer Struktur versehen, die es den UserInnen leicht macht, die gewünschten Inhalte schnell zu finden. Die Herausforderung besteht darin, die Inhalte so anzuordnen, dass einerseits die aktuellen Informationen leicht zu finden sind und die Hinweise auf die stART10 nicht untergehen.

Andererseits ist es natürlich auch wichtig, dass der gesamte Inhalt der letztjährigen Konferenz weiter zur Verfügung steht und nicht unbeachtet vor sich hinschlummert. Noch ist nicht alles fertig, aber wir hoffen, dass wir eine Struktur gefunden haben, die es einem leicht macht, rasch fündig zu werden. Für Anregungen, kritische Anmerkungen und gute Vorschläge sind wir aber natürlich immer offen. Manchmal ist man, Sie kennen das sicher, so in seinen Strukturen verhangen, dass man die naheliegende Lösung gar nicht mehr entdecken kann.

Karin Janner beschreibt in einem eigenen Blogbeitrag die Grundstruktur der Seite und erzählt, was es mit den neuen Themenfeldern auf sich hat. Ich bin gespannt, wie sich die neue Struktur bewährt und sage an dieser Stelle vielen Dank an Klaudia Pirc von kulturwerkzeug, die sich die Mühe gemacht hat, für die Seite ein passendes Layout zu finden und eine neue Struktur zu entwickeln.

Nachdem die ersten 100 Surprise-Tickets schon verkauft sind, gibt es nun Tickets zum Early Bird-Tarif (290 Euro), für Gruppen (ab 2 Personen) und Studenten stehen ermäßigte Tickets zur Verfügung (230 Euro).  Kaufen können Sie die Tickets online via Kreditkarte oder Paypal, im Lastschriftverfahren oder gegen Vorauskasse. Alle Informationen dazu finden Sie im stART10-Blog, die Tickets gibt es im Amiando-Ticketshop.

Ab nächster Woche werden wir damit beginnen, die einzelnen SprecherInnen der stART10 vorzustellen. Außerdem ist ab Mitte Mai der Tagungsband der stART09 unter dem Titel Kultur 2.0 im Buchhandel erhältlich. Mehr dazu, wenn es das Buch dann auch wirklich gibt.

Und noch ein letzter Punkt: bis heute läuft noch die Blogparade, die von Kulturmanagement Network und stARTconference durchgeführt wird und sich um das Thema „Geschäftsmodelle im Web 2.0“ dreht. Ich muss gestehen, ich habe meinen Beitrag auch nicht bis heute hinbekommen und werde ihn dann am Montag nachreichen. Was für mich gilt, gilt für Sie natürlich auch: wenn Sie sich also noch an der Blogparade beteiligen wollen, geht das noch bis Montag. Bitte vergessen Sie aber nicht, auf die Ankündigung im stARTconference-Blog zu verlinken, wir finden sonst die Beiträge nicht. ;-)

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Audience+: Museum und Web 2.0

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Zwar nimmt man sich ja immer vor, von Städten nicht nur Flughafen, Bahnhof, Hotel und Konferenzsääle kennen zu lernen, so man beruflich unterwegs ist. Aber ich zumindest schaffe das dann häufig leider doch nicht. So auch in Luzern, wo ich die beiden letzten Tage verbracht habe. Das Foto zeigt, dass die Rahmenbedingungen optimal gewesen wären, um sich Stadt und Umgebung anzusehen. So aber ist das Foto nur aus dem Hotelzimmer heraus entstanden und zeigt den Hausberg, den Pilatus, auf den, wie es auf Wikipedia heißt, „die steilste Zahnradbahn der Welt“ führt. Aber vielleicht klappt es ja dann beim nächsten Mal.

Und das nächste Mal wird es schon sehr bald im Mai geben, denn das Team der stARtconference ist Partner des Projekts Audience+, das von der Hochschule Luzern Design & Kunst geleitet und von der Förderagentur für Innovation in der Schweiz KTI gefördert wird. Im Rahmen dieses von Axel Vogelsang und Bettina Minder initiierten Forschungsvorhabens geht es um die Frage, in welcher Form Museen das Web 2.0 für sich nutzen können?

„Partizipative Medien bieten durch die Einbeziehung neuer Zielgruppen, Kanäle und Anwendungen ein grosses, noch kaum genutztes Innovationspotential für die Museen und den gesamten Kultursektor. Audience+ untersucht anhand von konkreten Szenarien Einsatzgebiete in den unterschiedlichen Bereichen der Museumsarbeit. Bestehende Web 2.0-Konzepte aus dem Kultursektor werden in Workshops ausgewertet und für den Einsatz in der Vermittlung, der Kommunikation, der Kuration oder Sammlung für die unterschiedlichen Museumskontexten geprüft. Die daraus resultierende Systematik bildet die Grundlage für eine Standortbestimmung sowie die Entwicklung von institutionsspezifischen aber auch übergreifenden Strategien, die der gesamten Museumslandschaft der Schweiz zugute kommen sollen“,

heißt es in der Projektbeschreibung (siehe dazu das Blogpost bei Frank Tentler). Wir stehen also vor der großen Frage, ob es gelingen kann, einen strukturierten Zugang zum Thema Social Web zu entwickeln? Oder, um es anders zu formulieren, ob es so etwas wie eine Systematik geben kann, wenn es darum geht, sich dem Thema zu nähern?

So systematisch man dabei auch vorgehen will, es tauchen in diesem Zusammenhang Probleme auf, an die man im Vorfeld meist gar nicht denkt. Eines davon, nämlich die Tatsache, dass es manchen Museen gar nicht möglich ist, Facebook zu nutzen, weil man ihnen den Zugang sperrt, beschreibt Axel Vogelsang im aktuellen Beitrag des Audience+-Blogs. Das zeigt, als was social networks teilweise noch verstanden werden ( und es teilweise auch sind), nämlich als Spielplatz für private Freizeitaktivitäten. Ich sehe es daher auch als eine Aufgabe an, den Wert solcher Netzwerke für den Kunst- und Kulturbereich darzustellen, denn ich behaupte mal, dass die Frage, ob MitarbeiterInnen Facebook während der Arbeitszeit nutzen sollen, nicht nur dieses eine Museum betrifft.

Eine ganz praktische Frage  taucht immer dann auf, wenn es darum geht, verschiedene Tools auszuprobieren. In der Regel muss man sich auf den jeweiligen Seiten registrieren und, kurz gesagt, seinen Namen und eine Emailadresse angeben (Facebook & Co sind da etwas neugieriger). Immer wieder taucht in diesem Zusammenhang die Frage auf, ob man z.B. bei den Social Bookmarking-Diensten, seinen richtigen Namen angibt oder mit Pseudonymen arbeitet, dank derer man unerkannt bleibt?

Nutzt man solche Tools im beruflichen Umfeld, so macht es, denke ich, Sinn, sich mit dem richtigen Namen anzumelden und eine Verbindung herzustellen zu der Organisation, für die man tätig ist. Auf diese Weise schafft man sich (und der Organisation) eine Präsenz im Social Web, durch die man an den verschiedensten Stellen in diesem Kommunikationsraum gefunden werden kann. Und das will man ja auch. Was man aber immer haben sollte: neben der offiziellen Büromailadresse noch eine weitere, über die man sich bei den diversen Tools registrieren und sich für diverse Newsletter anmelden kann.

Nichts spricht in meinen Augen dagegen, dass man sich zu Übungszwecken erst einmal einen Testaccount zulegt, mit dem man im Schutz der Anonymität ausprobieren kann, wie die Sache funktioniert und ob es überhaupt das richtige Tool ist? Eine Gefahr sehe ich dabei. Es ist nicht so einfach, den Zeitpunkt zu erwischen, an dem man dann seinen Testaccount aufgibt und einen „richtigen“ Account einrichtet. Es kann passieren, dass man dann seinen Testaccount so mit Leben gefüllt hat, dass man gar nicht mehr wechseln möchte. Passiert das öfters, hat man nach einer gewissen Zeit ein Sammelsurium anonymer Accounts.

Einen dritten Punkt möchte ich herausgreifen: es ist beeindruckend, wie leicht es mittlerweile ist, einen funktionierenden Stream einzurichten und live von Veranstaltungen zu berichten. Und das mit iPhone und WLAN. Zwar ist die Qualität noch nicht optimal, aber ich denke, hier hat eine Entwicklung begonnen, die auch für Kulturbetriebe interessant ist, gibt es doch eine Vielzahl von Veranstaltungen, die von toller Qualität sind, aber ihr Publikum nicht finden, weil z.B. die Distanzen zu groß sind. Livestreams sind da eine interessante Alternative. Danke an Frank Tentler, der da ein unermüdlicher Antreiber ist, um solche Dinge auszuprobieren und die Streams des Workshops über das stARTlive-Blog (wo man die Aufzeichnung abrufen kann) verbreitet hat.

Danke auch an Axel Vogelsang, Bettina Minder und das gesamte Team der Hochschule, das dieses Projekt toll vorbereitet hat und dafür sorgt, dass auch die Umsetzung perfekt klappt. Und was Frank Tentler in seinem Bericht über diesen Workshop schreibt, gilt auch für mich:

„Ich habe nicht nur neue Erfahrungen in der Organisation und Didaktik von Workshops gewonnen, sondern auch neue Impulse für meine eigenen Vorträge bekommen. Zudem werde ich noch ein grösseres Augenmerk auf eine didaktische Struktur meiner Vorträge legen. Unterhaltungswert ist gut, aber von den Luzernern habe ich in der Vortragskritik noch einiges lernen können.“

In diesem Sinne freue ich mich auf den nächsten Workshop und hoffe wie Frank Tentler, dass es solche Angebote bald auch an anderer Stelle geben wird. Wir arbeiten daran. ;-)

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Bezahlung im Kunst- und Kulturbereich: ein Trauerspiel

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© M. Hauck; Pixelio

Vor einiger Zeit habe ich auf die Initiative „Faires Praktikum“ der Kulturpolitischen Gesellschaft hingewiesen. Diese Aktion läuft noch und wenn Sie die Initiative unterstützen wollen, dann füllen Sie einfach das Unterstützungsformular aus (verschicken sollten Sie es natürlich auch). Auch im angelsächischen Raum hat man Anfang des Monats dieses Thema aufgegriffen.

Ging es in dem Artikel der New York Times lediglich um den Profit-Bereich, so erfasste das Thema schnell auch den Nonprofit-Bereich. Am besten fasst der Guardian die Diskussion in seinem Artikel „Noises off: Theatre of the exploited“ zusammen, in dem die Frage gestellt wird:

„Are unpaid theatre internships an illegal anachronism, a career necessity or a sign of what’s to come in cash-strapped times?“

Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten, wahrscheinlich ist es die unheilvolle Mischung all dieser Gründe, die dazu führt, dass das unbezahlte Praktikum immer mehr Verbreitung erfährt. Natürlich ist es für viele Kulturbetriebe schwer bis unmöglich, die entsprechenden Gelder aufzutreiben, aber ich denke, es gilt, was Adam Thurman in seinem Blogpost „F*ck you, Pay Me“ schreibt:

„I don’t want to paint with too broad a brush, there are some arts organizations (both for profit and nonprofit) that legitimately don’t have the money to pay much right now but they are actively trying to change that situation ASAP.“

Es müssen zumindest Perspektiven zu erkennen sein, sonst gilt, was Scott Walter in einem Kommentar schreibt:

„If your business model only works if you exploit workers, then you need to rebuild your business model. Harsh, I know — but the arts aren’t somehow separate from basic economic justice.“

Wenn es denn nur die unbezahlten PraktikantInnen wären. Schaut man sich um, stellt man schnell fest, dass sich die Zahl derer, die generell im Kunst- und Kulturbereich nicht prekariatsgefährdet sind, in Grenzen hält. Vor diesem Hintergrund ist es gar nicht so leicht, den Wert der eigenen Arbeit einzuschätzen und die richtigen Gehalts- bzw. Honorarvorstellungen zu entwickeln. Ich habe vor längerer Zeit meinem Beitrag „Wie komme ich zu meinem Stundensatz?“ die Punkte zusammengetragen, auf die es meiner Meinung nach ankommt.

Wie aber sehen die Zahlen konkret aus bzw. was sind die „Marktpreise“? Die Tiroler KulturInitiativen (TKI) haben sich des Themas angenommen und fordern, dass Kulturarbeit professionell bezahlt werden müsse. Zwischen 14 und 50 Euro liegen die von ihnen empfohlenen Stundensätze, wie sie auf diese Zahlen kommen, erläutern sie in einer Hintergrundinfo.

Das Problem dabei:

„In der mit dem Land Tirol vereinbarten Pilotregelung zur Abrechnung von „Eigenhonoraren“ im Rahmen des Fördertopfes TKI open wird der vom Land akzeptierte Stundensatz allerdings mit maximal 30.- € pro Stunde limitiert.“

Das heißt, die öffentliche Hand ist mitverantwortlich, denn, so die Schlussfolgerung der Tiroler KulturInitiativen:

„Kulturarbeit muss – wenn schon nicht gratis – dann zumindest billig sein.“

Dieses Problem lässt sich lösen, wenn in die Fördervereinbarungen ein Passus eingebaut wird, der den Fördernehmer dazu verpflichtet, bestimmte Mindeststandards bei Lohn, Gehalt oder Honorar einzuhalten. 50 Euro als Maximum sind ja nun nicht wirklich überbezahlt, oder?

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Social Media: die Frage, ob man dabei sein will oder nicht, stellt sich nicht

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Immer wieder hört oder liest man, dass Kulturbetriebe gerade dabei sind, sich zu überlegen, ob sie im Social Web aktiv werden sollen oder nicht. Die Frage ist nicht ganz von der Hand zu weisen, schließlich binden solche Aktivitäten ja Ressourcen und das nicht zu knapp. Falsch ist allerdings die Annahme, wenn man sich dagegen entscheide, sei man im Social Web nicht vertreten.

Viele Kulturbetriebe sind bereits im Social Web vertreten und merken es gar nicht. Wer sich z.B. auf der Bewertungsplattform Qype umschaut, wird merken, dass hier mittlerweile unzählige Kultureinrichtungen vertreten sind und teils positive teils negative Bewertungen von den UserInnen erhalten haben. Ob das jeweilige Museum oder Theater eine eigene Social Media-Präsenz hat, spielt dabei keine Rolle. Ja, es muss noch nicht mal davon wissen, dass dort über es geschrieben wird. Dass das nicht unbedingt als Vorteil anzusehen ist, muss ich hier nicht weiter ausführen.

Noch schlimmer ist es in meinen Augen, wenn das auf einer Plattform wie Facebook geschieht, auf der dann plötzlich Fanseiten auftauchen und es keine „offizielle“ Seite gibt. In einem meiner Beiträge über die Ticketingkonferenz hatte ich über die Bregenzer Festspiele geschrieben, für die, wie ich es damals formulierte, die digitale Kommunikation kein Thema ist. Gleichzeitig existiert aber eine Facebookseite, die den Titel Bregenzer Festspiele trägt, aber beim genaueren Hinsehen als „inoffizielle“ Seite zu erkennen ist.

Die Seite bietet einerseits keinerlei relevante Informationen, andererseits erkennt man nicht unbedingt sofort, dass es sich gar nicht um die offizielle Präsenz der Bregenzer Festspiele handelt. Ob die Festspiele nun beschließen, im Social Web aktiv zu sein oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle. Sie sind bereits dort und wer sie auf Facebook entdeckt, wird schnell merken, dass das nicht unbedingt zum Vorteil der Festspiele ist.

Die Frage, ob Sie im Social Web aktiv werden sollen oder nicht, ist also eigentlich die falsche Frage. Es geht nur noch darum, wie sie es angehen.

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Enterprise 2.0 als Frage der Unternehmenskultur

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Erst vor kurzem habe ich einen Beitrag über das Thema „Social Media und Organisationskultur“ geschrieben und darin behauptet:

„Je weniger weit die Unternehmenskultur entwickelt ist, desto schwieriger ist es, den gemeinsamen Weg von der kollektiven zur kollaborativen Intelligenz zu gehen.“

Der Begriff Enterprise 2.0 passt da ganz gut hinein, um das zu beschreiben, worum es mir geht. In diesem Zusammenhang habe ich gerade ein Interview mit Arnd Layer gefunden, der bei IBM Deutschland Competency Leader Web 2.0 und Social Software ist und auf die Frage, ob die Bereitschaft für den Wandel der Unternehmenskultur die Voraussetzung für Enterprise 2.0 sei, geantwortet hat:

„Ja, man kann natürlich auch Enterprise 2.0 Werkzeuge unter dem Toolgedanken betrachten, aber einen echten Mehrwert wird man erst dann erzielen wenn man die partizipative Komponente im Unternehmen zuläßt. Die Einführung von Enterprise 2.0 Tools ist dann die technische Umsetzung dieses Wandels und bietet dem MA die notwendigen Hilfsmittel, um die Partizipation  aktiv zu leben.“

Bestens formuliert. Für mich stellt sich die Frage, woran man erkennen kann, wie realistisch es ist, das Level, auf dem Partizipation und Kollaboration möglich sind, überhaupt zu erreichen bzw. wie weit der Weg dorthin ist?

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Welche Faktoren beeinflussen den Konzertbesuch?

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Die Frage, wie Kultureinrichtungen es schaffen, Menschen für ihre Arbeit zu interessieren und sie dazu zu bringen, dass sie als zahlendes Publikum dem Theater, Museum oder Orchester unter anderem das finanzielle Überleben ermöglichen, gewinnt vor dem Hintergrund leerer öffentlicher Kassen an Bedeutung. Die Zukunftsszenarien wirken immer bedrohlicher, selbst Schließungen werden mittlerweile in Betracht gezogen. Weniger öffentliche Mittel, sinkende Besucherzahlen, welche Möglichkeiten haben Kulturbetriebe eigentlich, um sich aus dieser Situation befreien zu können?

Orchestra Audience Growth Initiative“ nennt sich ein Projekt, das vom Beratungsunternehmen Oliver Wyman vor zwei Jahren gemeinsam mit amerikanischen Orchestern durchgeführt wurde und versucht hat, das Besucherverhalten im Konzertbereich zu analysieren und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten. Das Ergebnis ihrer Analyse war ziemlich ernüchternd, denn

  • „90% of first-time concertgoers never return
  • 60% of occasional concertgoers don’t purchase tickets the following season“,

heißt es auf der Website. Den neun renommierten Orchestern gelingt es zwar, dank ihrer Attraktivität eine Vielzahl neuer BesucherInnen zu gewinnen. Auf der anderen Seite gehen ihnen aber auch fast gleich viel BesucherInnen wieder verloren:

„While the orchestras were good at attracting newcomers to concerts, they were having trouble getting people to come back for a second concert or sign up for a multi-concert subscription. It is the same customer churn phenomenon that afflicts businesses dependent on repeat-purchases and subscriptions, such as mobile phone operators, cable TV companies, airlines, and banks, and fast food restaurants.“

Das bedeutet, der Versuch, etwas gegen den Zuschauerschwund zu tun, ist nur teilweise vom Erfolg gekrönt. Zwar lassen sich viele Menschen für einen ersten Konzertbesuch begeistern, aber es gelingt nicht, sie zu halten.

Im Rahmen des Projektes wurden 16 Faktoren herausgearbeitet, die Einfluss auf das Besucherverhalten nehmen.

Die Grafik (zum Vergrößern bitte anklicken) bietet einen guten Überblick über all die Aspekte, die bei BesucherInnen die Entscheidung, ein Konzert zu besuchen, beeinflussen. Interessant ist nun aber, dass das Stammpublikum die verschiedenen Faktoren ganz anders gewichtet als diejenigen, die selten oder erstmals ein Konzert besuchen, wie die folgende Grafik (zum Vergrößern bitte anklicken) zeigt:

Um die Rate derer, die den Orchestern als BesucherInnen rasch wieder verloren gehen, zu reduzieren, entstand als Antwort auf die Analyseergebnisse ein sogenanntes „Killerangebot“. Anreize, um nach dem Erstbesuch ein zweites Ticket zu kaufen sind:

  • „Discount (especially 50% off)
  • Music program (favorite composer)
  • Day of the week (Saturday)“

„Secondary incentives include promotions (free drinks …), free exchanges, music information, seat upgrades, and select-your-own seats“,

heißt es in der Zusammenfassung.

Ich habe hier jetzt nur einen Punkt herausgegriffen, aber der Report bietet darüber hinaus eine Fülle weiterer Informationen und Anregungen, die sich aber wahrscheinlich nicht eins zu eins auf den deutschsprachigen Raum übertragen lassen. Interessant wäre es, ein solches Projekt auch bei uns zu starten bzw., so es ein solches Vorhaben bereits gibt oder gegeben hat, die Ergebnisse zu veröffentlichen und allen zugänglich zu machen, wie das in den USA üblich ist. Ich fürchte aber, dass entsprechende Reports bei uns nicht existieren. Unabhängig davon lohnt es sich aber auf alle Fälle, sich den „Churn Report“, dessen Analysen und Ergebnisse auf 61 Folien sehr übersichtlich dargestellt werden („Audience Growth Initiative: Detailed findings and recommendations (PDF)„), aufmerksam anzuschauen.

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NPO-Blogparade #15: Wissensmanagement mit Hilfe von Social Media

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„Wie können gemeinnützige Organisationen die kollaborativen Tools und Netzwerke des Internets nutzen, um Wissen zu generieren, zu vermitteln, zu bewahren und zu pflegen,“

fragt Brigitte Reiser in der 15. Runde der NPO-Blogparade auf ihrem Blog Nonprofits-vernetzt.de. Mit dem Verweis auf die von Christine Schulzki-Haddouti verfasste Studie „Kooperative Technologien“ konstatiert sie, dass der Begriff „Wissensmanagement“ definitorisch nicht eindeutig und inhaltlich sehr umstritten sei. Grundsätzlich gehe es beim Wissensmanagement um das Ziel, das Wissen der Mitarbeiter für eine Organisation stärker  nutzbar zu machen, bezieht sich Brigitte Reiser auf die Studie und schreibt weiter:

„In der Vergangenheit  setzte man hierbei auf einen dokumentenorientierten Ansatz (S. 184), der versuchte, Wissen in Form von Texten zu erfassen. Zwischenzeitlich rückte der soziale Kontext von Wissen in den Vordergrund bzw. der Umstand,  dass Wissen im Rahmen sozialer Beziehungen entwickelt und weitergegeben wird. In ‚Communities of Practice‘ und ‚Communities of Interest‘ tauschen sich Mitarbeiter aus und lernen gemeinsam.“

In eine ähnliche Richtung geht auch die dreiteilige Präsentation zum Thema Wissensmanagement im Enterprise 2.0, die Anfang 2009 von Simone Happ, Christoph Rauhut und Frank Wolf erarbeitet und auf dem jetzigen Blog besser 2.0 präsentiert wurde. „Der Wikipedia-Irrtum“ nannten sie den ersten Teil und stellten darin fest:

„Wir alle teilen gerne Wissen, wenn wir das richtige Publikum haben, (denn) mehr als 80% der Internetnutzer, die selber Inhalte produzieren, geben ‚Freude am Austausch mit anderen zu interessanten Themen‘ als Grund für die Partizipation an.“

Wichtig seien außerdem positive Bewertungen, was einerseits Wertschätzung bedeute, andererseits ihren Expertenstatus untermauere. „Doch ohne Publikum sind wir nicht motiviert“, heißt es in der Präsentation weiter. Das ist, denke ich, einer der entscheidenden Punkte, wenn es um erfolgreiches Wissensmanagement geht. Meist wird nur darüber debattiert, welche Tools sich am besten dazu eignen, das gemeinsame Wissen zu managen. Sich darüber Gedanken zu machen ist auch nicht verkehrt.

Aber ich behaupte: wenn es den MitarbeiterInnen eines Unternehmens, egal ob NPO oder nicht, Spaß macht, gemeinsam Informationen zu sammeln, sie anderen zugänglich zu machen und die Bemühungen der anderen wertzuschätzen, dann kommen die Ideen, welche Tools man wie einsetzen kann, von ganz alleine. Die Frage von Brigitte Reiser, wie NPO Social Media für das eigene Wissensmanagement nutzen können, würde ich daher in aller Kürze so beantworten: indem die MitarbeiterInnen Spaß dabei haben, ihr Wissen zu teilen und das Engagement der anderen zu (wert-)schätzen wissen. In so einem Klima entwickeln sich dann auch schnell Ideen, welche Tools sich noch für die Zusammenarbeit eignen. Und es gibt viele, nicht nur das in diesem Zusammenhang oft genannte Wiki. ;-)

PS: Wenn Sie sich die drei Präsentationen von Simone Happ, Christoph Rauhut und Frank Wolf noch einmal ansehen wollen, dann können Sie das in meinem Beitrag „Wissen managen: wie haben wir das beim letzten Mal gemacht?

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Kulturbetriebe bloggen nur selten, aber…

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Es wird selten gebloggt im deutschen Kulturbereich„, so lautet das Fazit von Ulrike Schmid, die derzeit im Rahmen einer Studie das Social Media-Verhalten von Kulturbetrieben untersucht.

„Blogs sind noch sehr unterrepräsentiert bei den Kultureinrichtungen und werden oft, wenn vorhanden, nur unregelmäßig gepflegt“,

lautet ihr Fazit. Zwar beschränkt sich Schmid in ihrer Untersuchung auf Museen und Orchester, aber wahrscheinlich lassen sich ihre Erkenntnisse auch auf die anderen Sparten übertragen. Aber: so selten Blogs auch im Kunst- und Kulturbereich sein mögen. Es gibt sie, nur sind sie teilweise sehr schwer zu entdecken. So bloggt zum Beispiel die Kölner Philharmonie. Allerdings findet man auf der Website nicht einen einzigen Hinweis auf die Social Media-Aktivitäten. Erst wenn man die Seite der MusikTriennale Köln anklickt, sieht man, dass über die diesjährige Triennale nicht nur gebloggt wird, sondern die Aktivitäten auch per Twitter und Facebook angekündigt werden.

So gut versteckt, ist es natürlich schwer gefunden zu werden, was schade ist, denn die Blogbeiträge sind äußerst lesenswert. Gleiches lässt sich von der Staatsoper in Hannover sagen, die aber immerhin auf ihrer Website einen Link auf ihr Ring-Blog gesetzt hat, mit dem die Ring-Inszenierungen des Opernhauses begleitet werden. Auch hier sind die Blogposts äußerst lesenswert und erlauben Einblicke in die Aktivitäten rund um die Ring-Inszenierungen.

Besonders interessant ist in meinen Augen das Jugendprojekt „Rheingold – Der Film“, für das die Staatsoper in Hannover mit dem Förderpreis Musikvermittlung 2009 ausgezeichnet wurde. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Diskussionen hier im Blog, als es um die Frage ging, ob und wenn ja, wie die klassische Musik noch zu retten sei? „Rheingold – Der Film“ ist so ein Projekt, das in diesem Fall Jugendlichen den Zugang zur Oper eröffnen kann. Die Grundidee ist, „für die emotionalen Grundsituationen in Wagners Das Rheingold Bilder aus der Welt von Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren zu finden“.

„Ein spielerischer Umgang mit den Inhalten und der Musik von Das Rheingold soll in vier Videoclips münden, die die Geschichte vom verspotteten Alberich und seiner zerstörerischen Wut, von Wotans Überheblichkeit und den daraus entstehenden Konflikten über ein typisches Medium der modernen Popkultur erzählen wollen,“

heißt es in einem der Blogbeiträge. Die Herausforderung bestand anfangs darin, die Jugendlichen für das Vorhaben zu begeistern,

„denn für sie ist Oper zunächst einmal langweilig und doof, etwas für Opas und Omas, oft aber auch einfach nur die Kultur der besser verdienenden Schichten“.

In diesem und im nächsten Monat sind acht Drehtage geplant, in denen die Jugendlichen vier Videoclips produzieren. Die Musik dazu kommt von der heimischen Band „Violent Girls“.

Kommentare gibt es, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, auf beiden Blogs keine. Jetzt könnte man versuchen herauszufinden, woran es liegt, dass hier keine Interaktion stattfindet? Ist es die Art der Beiträge oder sind es die Themen? Über Wagner oder Karlheinz Stockhausen, von dem im Triennale-Blog die Rede ist, diskutiert es sich ja auch nicht so leicht. Insofern empfinde ich es nicht als negativ, dass Kommentare bis jetzt ausgeblieben sind. Auch durch Lesen lassen sich manche Hürden abbauen und vielleicht sieht die Sache in Kürze ganz anders aus? Nein, die fehlenden Kommentare kritisiere ich nicht, die mangelnde Sichtbarkeit der beiden Blogs allerdings schon.