Monthly Archives of: September 2010

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Social Media: wie überzeuge ich meinen Chef?

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© S. Hofschlaeger; Pixelio

Wie überzeuge ich meinen Chef, wenn es um das Thema Social Media geht, habe ich in der aktuellen Runde der NPO-Blogparade gefragt, an der ich mich natürlich auch mit einem eigenen Beitrag beteiligen möchte. Das vor allem deshalb, weil in persönlichen Gesprächen und konkreten Anfragen genau diese Frage des öfteren auftaucht und wir alle wissen, dass es nicht so ganz einfach ist, darauf eine Antwort zu finden. Dass ich selbst von den Vorteilen von Social Media überzeugt bin und etliche Argumente kenne, die meine Haltung unterstützen, ist die eine Geschichte. Was aber bringt mir z.B. das Argument, mit Hilfe von Social Media könne man direkt mit den Kunden kommunizieren, wenn mein Gegenüber das gar nicht will? Heißt das, ich kann mich von meiner Idee, den Chef von Social Media zu überzeugen, gleich wieder verabschieden? Nicht unbedingt.

Wie überzeugt man denn eigentlich jemanden am besten? Wir alle wissen, dass es unendlich viele Strategien gibt, mit deren Hilfe es gelingen sollte, so die Versprechungen, andere von etwas zu überzeugen. Ich habe mir im Laufe drei Ansätze herausgesucht, die meiner Meinung nach hilfreich sind, wenn es darum geht, andere von etwas zu überzeugen.

Glaubwürdigkeit und Kompetenz

Aristoteles vertrat die These, dass nur wer glaubwürdig sei und kompetent auftrete, als Redner Erfolg haben und andere von etwas überzeugen könne. Bezogen auf die Frage der NPO-Blogparade bedeutet das: wer andere vom Nutzen von Social Media überzeugen möchte (Aristoteles unterscheidet übrigens zwischen „überzeugen“ und „überreden“ und lehnt Letzteres als ethisch fragwürdig ab), muss über die entsprechende Kompetenz verfügen, also eine Ahnung von Social Media haben und als Person glaubwürdig erscheinen. Wenn mir mein Gegenüber nicht vertraut, mich nicht für glaubwürdig hält, dann  helfen vermutlich die besten Argumente nicht viel. Das bedeutet: die Frage, wie überzeuge ich meinen Chef von Social Media, muss ausgeweitet werden auf die Frage: wer überzeugt den Chef ?

Merkmal, Vorteil, Nutzen

Warum sollte jetzt aber ein Unternehmen oder eine Organisation Social Media einführen bzw. warum sollte der Chef das bewilligen? Christian Sickel weist in seinem Buch Verkaufsfaktor Kundennutzen darauf hin, dass wir vor allem dann etwas kaufen werden, wenn wir vom Nutzen des Produkts überzeugt sind.

„Ein Nutzen verdeutlicht dem Kunden, inwiefern ein Produktmerkmal oder ein Vorteil seinen konkreten Bedarf deckt“ (S.21),

schreibt er und macht in seinem Buch deutlich, dass es nicht reicht, dessen Merkmale und Vorteile anzuführen. Erst wenn ich erkenne, dass ich mit genau diesem Produkt meinen Bedarf abdecken kann, wird die Sache für mich interessant (siehe dazu mein Blogpost Wie verkaufen Sie Kundennutzen?). Bezogen auf den Chef muss ich mich also fragen: worin könnte der Nutzen von Social Media für die Organisation/ das Unternehmen aus seiner Sicht und für ihn als Chef bestehen? Da wird dann unter Umständen die Feststellung, dass die Konkurrenz bereits auf Facebook und Twitter zu finden ist, zum Argument.

Umgekehrt kann natürlich auch die Tatsache, dass die Konkurrenz das noch nicht macht, mir dann nützen, wenn ich mich als besonders innovationsfreudig darstellen möchte. Das heißt, es geht gar nicht so sehr darum, die Vorzüge von Social Media herauszuarbeiten, sondern Social Media als Ansatz, mit dem ich ein Problem lösen oder ein Ziel erreichen kann, zu „verkaufen“.

Die Überzeugungskraft von Zahlen

Meist gibt es aber nicht nur einen möglichen Lösungsansatz, sondern mehrere. Um den bestmöglichen Ansatz zu finden, wird man die verschiedenen Möglichkeiten miteinander vergleichen.

„In den empirischen Wissenschaften sind Quantifizierung (und Visualisierung) ähnlich wie die Formalisierung in der Mathematik Verfahren, um Aussagen mit Überzeugungskraft zu versehen und dadurch Akzeptanz zu mobilisieren,“

heißt es in dem von Andrea Mennicken und Hendrik Vollmer herausgegebenen Buch Zahlenwerk: Kalkulation, Organisation und Gesellschaft. Der Grund liege darin, dass Zahlen die Handschrift ihrer Autoren verbergen und so den Eindruck erwecken, „interpretationsfreie Beschreibungen der Wirklichkeit zu sein“ (S.81).

Wer überzeugen möchte, tut sich also vermutlich mit Zahlen leichter. Nur stellen wir ja immer wieder fest, dass es den sogenannten Return of Investment im Social Media-Bereich so nicht gibt und sich der Erfolg eigentlich nicht messen lässt. Das ist nun ein eher schlechtes „Argument“, um andere von den Vorzügen von Social Media zu begeistern. Auf der inhaltlichen Ebene, also wenn es darum geht, Evaluationskriterien für den Einsatz von Facebook, Twitter & Co zu finden, werde ich um die Erarbeitung entsprechender Parameter nicht herumkommen und es gibt sie auch. Natürlich sind da möglichst viele Fans und Follower nicht nur anfangs ein Erfolgskriterium. Aber als einzige Kennzahl wird diese Zahl nicht genügen.

Auf der Ebene der Argumente für oder wider Social Media habe ich aber sehr wohl die Möglichkeit, mit Zahlen zu agieren, indem ich mein Verhalten in Bezug zum Verhalten anderer setze. Anders gesagt: ich mache mir zum Beispiel Studien zu Nutze, in denen „Zahlenargumente“ enthalten sind, die mich in meinem Anliegen unterstützen.

Sehr hilfreich ist in unserem Fall etwa die gemeinsam von der Universität Leipzig, der PR-Agentur Fink & Fuchs sowie dem Magazin Pressesprecher erstellte Studie Social Media Governance 2010.

Wenn mein Unternehmen bzw. meine Organisation Probleme in der Kommunikation nach Außen hat, weil es so schwierig ist, im redaktionellen Teil von Zeitungen erwähnt zu werden, dann kann es eine Hilfe sein, wenn in dieser Studie steht, dass eine Mehrheit der Befragten Social Media als sehr wichtig für die zukünftige Gestaltung von PR/Unternehmenskommunikation ansieht.

Aber auch das Wissen darüber, dass etwas mehr 30 Prozent der Gesamtbevölkerung in der Schweiz auf Facebook zu finden sind (Deutschland: 13,3%, österreich: 25,7%; Stand: August 2010; gefunden bei Thomas Hutter), kann mir in einer solchen Situation unter Umständen weiterhelfen.

Fazit: Wer seinen Chef von der Bedeutung von Social Media überzeugen möchte, muss erstens als Person Glaubwürdigkeit und Kompetenz vermitteln und gleichzeitig den konkreten Nutzen von Social Media darstellen können. Dieser Nutzen lässt sich am besten mit Hilfe von Zahlen „belegen“, die Herausforderung besteht darin, geeignetes Zahlenmaterial zu finden bzw. selbst zu produzieren.

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Community-Building: eine (grafische) Handlungsanleitung

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Co-Creating Transmedia Communities“ ist ein Blogpost auf dem von Gary Hayes  betriebenen Blog „Personalizemedia“ überschrieben. Der Beitrag enthält eine Grafik, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte, denn sie zeigt auf sehr anschauliche Art und Weise, wie man beim Aufbau einer Community vorgehen musskann.

Natürlich sind die zwölf Tipps, wie man eine Community aktiviert (mir fehlt noch immer die passende Übersetzung für den engl. Begriff „engage“) sehr hilfreich. Viel wichtiger erscheint mir aber der Hinweis „Find a need for & value in your content“. Ich fürchte, wir schätzen sehr häufig falsch ein, worin für andere der Mehrwert unserer Arbeit und Angebote liegt.

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Eine Studie untersucht den Einsatz von Twitter rund um Events

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Immer häufiger wird über Konferenzen und das, was dort geschieht getwittert. Auf diese Weise bekommen auch die etwas von der Veranstaltung mit, die gar nicht vor Ort sind. Für die Veranstalter ist das eine ganz interessante Sache, denn daraus resultiert eine Aufmerksamkeit, die sie so vielleicht nie schaffen würden. Wie ist denn aber das Twitter-Verhalten rund um eine solche Konferenz? Das Münchner Unternehmen Amiando, das uns auch dieses Jahr wieder als Partner beim Online-Ticketverkauf für die stARTconference unterstützt hat, ist dieser Frage nachgegangen und hat die Ergebnisse in der Studie „Twitter für Events: Wie Sie mit Hilfe von Social Media Ihrem Event zum Erfolg verhelfen“ veröffentlicht.

Darin ging es um die Frage, wie viele Konferenzbesucher twittern, wann sie das tun und in welchem Ausmaß? Analysiert wurden insgesamt zehn Konferenzen, die sich inhaltlich mit den Themen Internet, Social Media oder Internet-Technologien beschäftigten.

Im Beobachtungszeitraum wurden während der zehn Events insgesamt 31.442 Tweets von 9.736 Usern registriert, was einen Schnitt von 3,2 Tweets pro Person ergibt. In der Analyse zeigt sich, dass die Größe der Veranstaltung keine Rückschlüsse darüber zulässt, wie viele User über die Veranstaltung twittern. Die Bandbreite reicht in der Studie von 10 bis 800 Prozent, d.h. in letzterem Fall übertraf die Zahl der Twitteruser die der Besucher um das Achtfache, was damit zu tun hat, dass die Konferenz live im Internet übertragen wurde. Hier wird schon deutlich, dass es durchaus üblich ist, über eine Konferenz zu twittern, obwohl man selbst gar nicht vor Ort ist

Gerade das Beispiel der live übertragenen Konferenz zeigt nach Ansicht der AutorInnen Dennis von Ferenczy, Sandro Spiess und Anja Staudt, dass nicht die Größe des Events dafür verantwortlich ist, wie viele User darüber twittern, sondern  eher die Inhalte.

„Wenn Sie wollen, dass die Teilnehmer über die Veranstaltung twittern, dann müssen Sie ihnen Gelegenheiten liefern, d.h. Materialien, die sie weiter verbreiten können und wollen.“ (S.9)

Von Bedeutung ist das vor allem dann, wenn das Event im Vergleich zur Größe der Interessensgruppe eher klein ist und die Gefahr besteht, dass die Zielgruppe von dem Event gar nichts mitbekommt.

Unter diesem Gesichtspunkt ist es es natürlich wichtig, dass über die Veranstaltung schon vor Beginn getwittert wird. Interessant in diesem Zusammenhang: 18% der Tweets werden vor Veranstaltungsbeginn veröffentlicht, 60% während des Events und 22%  danach.

Twitteruser üben anscheinend nur selten Kritik, zeigt die Studie. 91,2% der Tweets wurden von den StudienautorInnen als neutral bewertet, 8,45% hatten ihrer Ansicht nach einen positiven Grundton und nur 0,35% waren negativ.

Worum ging es in den Tweets? Die Analyse führt zu folgenden Ergebnissen:

1. Vor dem Event:

  • „Wer nimmt teil?
  • Organisation von Fahrgemeinschaften
  • Werbung der Organisatoren oder Hotels
  • welche Präsentation sollte besucht werden?
  • Vorstellung der Redner
  • Programminformation“

2. Während des Events:

  • „Teilen von Informationen
  • Zitate der Redner
  • Kurzfristige Werbungen der Organisatoren, Redner oder Aussteller
  • Private Konversationen
  • Kommentare zur Konferenz und dazugehörigen Geschehnissen“

3. nach dem Event:

  • „(positives) Feedback
  • Takeaways vom Event
  • Themenbezogene Dinge
  • Links zu Eventmaterialien“ (S.12)

Das bedeutet, Twitter wird hauptsächlich als Informationskanal verwendet und nur selten als Feedbackkanal. Handelt es sich um Feedback, ist die Rückmeldung meist eine positive, zeigt die Studie.

Für die Veranstalter ist es daher wichtig, vor allem während des Events die Twitter-Timeline im Auge zu behalten, um zu erfahren, was die Twitter-User bewegt und was besonders gut (oder schlecht) ankommt. Nach der Veranstaltung macht es Sinn, rasch Materialien zur Verfügung zu stellen, damit das Aktivitätslevel auf Twitter nicht sofort auf Null zurückgeht. Wer hier immer wieder Input liefert, schafft es, dass die Konferenz noch einige Zeit über das Event hinaus auf Twitter präsent ist.

Für diese Präsenz sorgen vor allem die sogenannten Power-User. Der Spitzenreiter der 9.736 User veröffentlichte 399 Tweets, sein „Verfolger“ immerhin noch 219. Im Unterschied dazu verfassten 6.347 User nur einen einzigen Tweet, 1.235 User verschickten zwei Nachrichten. Das heißt, so die Studie: 35% der User sind für 80% der Nachrichten verantwortlich.

Wer möchte, dass über sein Event getwittert wird, muss sich also einerseits besonders um die Power-User kümmern, andererseits gilt es aber, die Gelegenheitsuser zu motivieren, z.B. durch direkte Ansprache und Dialoge.

Fazit: ob ein Event Aufmerksamkeit auf Twitter erregt oder nicht, hängt zu einem nicht unerheblichen Teil von den Veranstaltern ab. Informationen müssen bereits im Vorfeld zur Verfügung gestellt und so aufbereitet werden, dass sie von den Twitter-Usern verwendet werden können. Auch während der Veranstaltung besteht die Herausforderung darin, die Informationen im richtigen Format zu liefern. Ob das gelingt, hängt unter anderem auch von den Sprechern ab. Wer schon mal einen Vortrag von Gerd Leonhard erlebt und seine Folien gesehen hat, wird sein Erfolgserlebnis bereits kennen: fast jede seiner Folien enthält eine kurze und prägnante Zuammenfassung des Gesagten, die sich sofort twittern lässt.  Sprecher, die ihre Inhalte so aufbereiten, fördern das Aktivitätslevel auf Twitter, da es sehr leicht ist, über sie zu berichten.

Wenn Sie also wollen, dass über Ihren Vortrag oder Ihr Event ausgiebig getwittert wird, sorgen Sie dafür, dass Sie die Inhalte entsprechend aufbereitet zur Verfügung stellen. Wenn man erst darüber nachdenken muss, wie man Ihre komplizierten Sätze in 140 Zeichen packen kann, wird die Reaktion auf Twitter nur verhalten ausfallen.

Falls Sie sich für die Studie interessieren, hier können Sie sie kostenlos als PDF anfordern.

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Grundeinkommen (Film von Daniel Häni und Enno Schmidt)

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Die Diskussion über das Grundeinkommen gibt es schon lange, trotzdem wissen die wenigsten, was hinter der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens steckt und wie so etwas funktioniert. Der von Daniel Häni und Enno Schmidt produzierte Film „Grundeinkommen“ versucht in gut 90 Minuten, Licht in das Dunkel zu bringen.

Eines der vielen interessanten Details, die dieser Film aufdeckt: auf die Frage, ob man selbst auch bei einem Grundeinkommen weiter arbeiten würde, antwortet eine große Mehrheit mit Ja. Die Frage, ob man glaube, dass die anderen bei einem Grundeinkommen weiter arbeiten würden, beantworten 80% mit Nein. Man könnte leicht zu der Vermutung kommen, dass das System zwar funktionieren würde, wir es uns aber nur nicht vorstellen können bzw. wollen. Eigentlich ein angenehmes Problem…

Es lohnt sich, diesen Film anzuschauen, hier steht er online zur Verfügung bzw. kann kostenlos auf den eigenen PC geladen werden.

Via gophi’s Versuch einer Methexis

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Als Blogger einen Monat im Museum leben

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Wolfgang Gumpelmaier hat mich gestern via Twitter an eine Aktion eines Museums erinnert, die zeigt, welchen Stellenwert Social Media in den USA genießt und was man damit alles machen kann. Das Museum of Science and Industry in Chicago sucht eine BloggerIn, die einen Monat lang rund um die Uhr im Museum lebt und von ihren Erfahrungen berichtet.

Die Idee gefällt mir:

„We’re looking for someone to take on a once-in-a-lifetime assignment: spend a Month at the Museum, to live and breathe science 24/7 for 30 days. From October 20 to November 18, 2010, this person’s mission will be to experience all the fun and education that fits in this historic 14-acre building, living here and reporting your experience to the outside world. There will be plenty of time to explore the Museum and its exhibits after hours, with access to rarely seen nooks and crannies of this 77-year-old institution.“

Als „Belohnung“ winkt nun nicht das Sammeln von Erfahrungen, sondern versprochen werden 10.000 $ und die technische Ausrüstung, um darüber auch bloggermäßig berichten zu können. Im ersten Moment hat mich die Ausschreibung an Big Brother erinnert, nur wird die BloggerIn nicht rund um die Ohr zu beobachten sein und rausgewählt werden kann sie auch nicht. ;-)

Was vordergründig bei uns als nette Idee durchgeht, zeigt uns, dass Social Media für zumindest dieses Museum in den USA einen sehr hohen Stellenwert besitzt. Während wir bei uns die Stunden für die Social Media-Aktivitäten in den Kultureinrichtungen noch mühsam zusammenkratzen müssen, nimmt man hier 10.000 $ in die Hand, um Blogger für eine Aktion zu gewinnen, die Online- und Offline sehr schön verbindet und – ich vermute – für entsprechende Aufmerksamkeit sorgt.

Die Aktion ist in meinen Augen aber auch ein Hinweis darauf, dass die Blogosphäre in den USA wesentlich weiter ist als bei uns. Sie besitzt dort einen Stellenwert, der das Museum dazu bewegt hat, 10.000 $ als Bezahlung für 30 Tage im Museum vorzusehen. Ich gehe mal davon aus, dass das Museum nicht in Geld schwimmt und aus lauter Großzügigkeit diesen Geldbetrag in die Hand nimmt, sondern sich einen entsprechenden Gegenwert davon erwartet.

Wie würde das bei uns aussehen? Ist die Blogosphäre schon so weit entwickelt, dass jemand für 10.000 $ den entsprechenden Gegenwert erhalten würde? Werden die Social Media-Kanäle so ernst genommen, dass so ein Aufwand überhaupt denkbar ist? Ich denke nicht. Ein solche Aktion ist für mich zwar durchaus vorstellbar, aber die Größenordnung wäre eine andere. Wahrscheinlich würde man Praktikanten suchen, ihnen 400 Euro in die Hand drücken und ihnen einreden, dass man in den 30 Tagen sehr viel lernen kann. Das kann man auch sicher, aber das Ziel des Museum of Science and Industry ist ein anderes.

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Wissensmanagement und Web 2.0 (Teil I)

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Vergangene Woche fand der fünfte und damit letzte Workshop im Rahmen des gemeinsam mit der Hochschule Luzern durchgeführten Projekts Audience + statt. Ausgangspunkt war die Frage, was Wissensmanagement eigentlich für ein Museum bedeutet und welche Aspekte dabei besonders interessant sind. Für mich auffallend: die TeilnehmerInnen verstanden darunter vor allem den Erhalt bzw. die Verbreitung von bereits vorhandenem Wissen. Kein Thema war das Generieren von neuem Wissen. Wenn man aber Wissensmanagement und Web 2.0 kombiniert, dann wird einem schnell klar, dass die entsprechenden Tools prädestiniert dafür sind, gemeinsam neues Wissen zu entwickeln.

Auf der einen Seite das Bewahren bzw. Multiplizieren von bereits bestehendem Wissen und auf der anderen Seite die (gemeinsame) Entwicklung von neuem Wissen. Die Unterschiede dieser beiden Ansätze stellt Dada Lin in seiner Diplomarbeit „Wissensmanagement Reloaded“ recht schön dar:

Quelle: Dada Lin: „Wissensmanagement Reloaded“, S.13

Die Arbeit, die ich bei meinen Recherchen entdeckt habe,  ist ingesamt sehr lesenswert und verschafft den Lesern einen sehr schönen Überblick über das Thema Wissensmanagement und Web 2.0. Konkret geht es dem Autor darum, die Potenziale und Grenzen des Enterprise 2.0-Konzepts für das Wissensmanagement aufzuzeigen beziehungsweise um „die Konstruktion eines Ordnungsrahmens für den systemischen Umgang mit Wissen im Enterprise 2.0“ (Extended Abstract 3).

Ausgangspunkt dafür ist der vom Autor selbst entwickelte IDEA-Ordnungsrahmen für systemisches Wissensmanagement. Unter systemischem Wissensmanagement versteht der Autor

„die bewusste und kontinuierliche Gestaltung geeigneter Rahmenbedingungen für die Multiplikation und Innovation von Wissen“ (S. 22).

Wissensmanagement dürfe dabei aber kein Selbstzweck sein, sondern ziele, so der Autor auf die Optimierung wertschöpfender Arbeitsprozesse ab. Entlang dieser Arbeitsprozesse hat Lin „vier charakteristische Momente“ identifiziert:

  • Interaktion
  • Dokumentation
  • Evolution und
  • Adoption“

Die folgende Grafik zeigt die jeweils „antreibende Kraft“ und die sich daraus ergebenden Resultate der vier Momente:

Quelle: Dada Lin: „Wissensmanagement Reloaded“, S.23

Was bedeuten diese vier Begriffe? Lin erklärt sie wie folgt:

  • Interaktion: „beschreibt den Grad der wechselseitigen Bezugnahme in Kommunikationsprozessen.“
  • Dokumentation: „umfasst die Abbildung und Aufzeichnung von Verlauf und Ergebnissen von wissensintensiven Arbeitsprozessen für eine weitere Verwendung.“
  • Evolution: „misst, inwiefern die Weiterentwicklung der organisationalen Wissensbasis organisational erlaubt und gefördert wird.“
  • Adoption: „betrifft die individuenseitige (Re-)Konstruktion von Wissen aus Daten.“

Ohne die drei ersten Aspekte vernachlässigen zu wollen, aber gerade das Moment der Adoption scheint in meinen Augen von entscheidender Bedeutung  zu sein, erklärt es doch, warum so viele Maßnahmen zum Scheitern verurteilt sind, vor allem wenn technologische Aspekte bei der Implementierung von Wissensmanagement im Vordergrund stehen. Der Versuch, Wissen in Fom von Daten abzubilden, scheitere, so der Autor, häufig an der mangelnden Berücksichtigung der menschlichen Kognitionsprozesse, was dazu führe, dass die Daten nur selten abgerufen und verwendet werden. Das Resultat seien tote Wissensdatenbanken.

Mit diesen vier Momenten schafft Lin einen „Ordnungsrahmen für Interventionen im Wissensmanagement“. Ausgangspunkt ist die Optimierung wertschöpfender Arbeitsprozesse, was durch Wissensmultiplikation und/oder Wissensinnovation geschehen kann. Treibende Kräfte sind für Lin die Momente Interaktion, Dokumentation, Evolution und Adoption, die zur Schaffung eines „wissensförderlichen Raums“ beitragen.

Damit ist der Rahmen gesteckt für gezielte Maßnahmen, die in den drei Handlungsbereichen Mensch, Organisation und Technologie anzusiedeln sind. In der von Lin erstellten Grafik sieht das dann so aus:

Quelle: Dada Lin: „Wissensmanagement Reloaded“, S.26

Welche Maßnahmen können das sein und was bedeutet das für die Praxis? Mehr dazu in Teil II oder, wenn Sie neugierig sind, in der Arbeit von Dada Lin.

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Social Media: wie überzeuge ich meinen Chef? (NPO-Blogparade)

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© S. Hofschlaeger; Pixelio

Eine Woche kein Blogpost, das kommt hier eher selten vor, aber nach der stARTconference und dem letzten Workshop im Rahmen von Audience + war es schon recht fein, sich auch mit anderen Dingen beschäftigen zu können. Nun aber ist der Feedreader voll, es gibt unzählige Themen, die darauf warten, behandelt zu werden und nachdem auch die NPO-Blogparade in den letzten Monaten etwas eingeschlafen ist, nutze ich meinen Neuanfang und verbinde ihn mit einem Neuanfang der NPO-Blogparade.

Wenn es um den Einstieg in das Thema Social Media geht, dann ist ganz häufig die Rede davon, wie wichtig die Ziele und Strategien sind, damit die Aktivitäten auch erfolgreich sein können. Das stimmt natürlich auch, aber die Realität sieht häufig ganz anders aus. Meist fangen MitarbeiterInnen an zu twittern oder sie eröffnen eine Facebook-Seite, auf der sie darüber berichten, was in ihrer Einrichtung so alles passiert. Ob das nun eine Kultureinrichtung ist oder eine klassische Nonprofit-Organisation, spielt dabei keine große Rolle. Auch der Unternehmensbereich kennt übrigens solche Beispiele, wo es die MitarbeiterInnen waren, die die Initialzündung zu Social Media-Aktivitäten gegeben haben.

Initialzündung heißt: entweder wird man in der Organisation auf die Social Media-Aktivitäten aufmerksam und versucht, sie in die Organisation zu integrieren. Oder das Tun der MitarbeiterInnen bleibt in der Führungsetage unentdeckt, was erstens schade ist und zweitens nicht sehr motivierend wirkt. Genau an diesem Punkt taucht dann die Frage auf, die ich im Rahmen der 17. NPO-Blogparade stellen möchte: wie überzeuge ich meinen Chef? Ob das nun eine einzelne Führungsperson oder die ganze Chefetage ist, spielt dabei gar keine Rolle.

Ich bin nicht nur einmal nach Argumenten gefragt worden, die sich verwenden lassen, wenn es darum geht, den eigenen Chef zu überzeugen. Als ich auf der stARTconference diesen Punkt ansprach, merkte ich, dass sich diese Frage viele stellen stellen. Wie sieht es aber mit den Antworten aus? Wie lassen sich die Chefs überzeugen? Was sind deren Ängste und Vorbehalte, wenn es darum geht Social Media auszuprobieren?

Als wir im Mai das erste stARTcamp in Essen organisiert haben, hielt der Unternehmensberater Stefan Evertz dazu eine eigene Session ab, die sehr spannend und anregend verlief. Auch damals ging es um die Frage, von welchen Argumenten sich die Chefs überzeugen lassen und welche Ängste es auszuräumen gilt.

Wenn Sie dazu Ideen und Anregungen haben oder über Ihre eigenen Erfahrungen schreiben wollen, dann freue ich mich über Ihre Beteiligung an der NPO-Blogparade. Was eine Blogparade ist und wie die NPO-Blogparade funktioniert, haben wir für Sie in diesem Beitrag zusammen gefasst. Je mehr Ideen und Anregungen auf diese Weise zusammen kommen, desto besser. Mit Ihren Tipps und Ihren Berichten erhalten die, die gerade vor dieser Frage stehen, vielleicht den entscheidenden Hinweis, um die Sache in der eigenen Einrichtung anzugehen.

Bis zum 30. September haben Sie Zeit, einen Beitrag zu verfassen. Verlinken Sie ihn bitte mit diesem Blogpost, damit ich auch eine Chance habe, Ihren Beitrag zu finden. Falls die Trackbacks nicht funktionieren, nutzen Sie einfach die Kommentarfunktion und schreiben den Link zu Ihrem Beitrag unten in einen Kommentar. Am Ende werde ich die Beiträge alle sammeln und auswerten. Außerdem wird es auch wieder einen NPO-Chat geben, der wahrscheinlich in der ersten Oktoberwoche stattfinden wird.

Jetzt freue ich mich aber erst einmal auf Ihre Beiträge und bin gespannt, was Sie zu dem Thema zu sagen bzw. zu schreiben haben.

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Ein erstes Fazit der stART10 und die Folien meines stARTmuseum-Vortrags

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© Christoph Müller-Girod; CMG Media

Letztes Jahr, kurz vor Beginn der stARTconference, war die Anspannung groß, denn wir wussten nicht, was uns erwartet und ob unsere Konzept überhaupt aufgehen würde. Dieses Jahr war die Anspannung ähnlich groß, denn die Hürde lag hoch, vielleicht sogar höher als im letzten Jahr, schließlich darf man beim ersten Mal schon den einen oder anderen Fehler machen. Beim zweiten Mal sollte man dann aber zumindest die einmal gemachten Fehler nicht wiederholen. Das hat, denke ich, ganz gut geklappt, die stART10 ist ohne organisatorische Pannen zu Ende gegangen.

Zu verdanken haben wir das Duisburg Marketing, den MitarbeiterInnen der Mercatorhalle und vor allem Jelena Kovacevic-Löckner, die als Organisationsverantwortliche dafür gesorgt hat, dass die verschiedenen Räder ineinandergegriffen haben. Zu verdanken haben wir das außerdem den vielen Helfern, die Blogbeiträge oder Pressetexte geschrieben, Videos gedreht und am Infosschalter und in den einzelnen Tagungsräumen für einen reibungslosen Ablauf gesorgt haben. Tolle Unterstützung gab es aber auch durch unsere Hauptsponsoren, die  GLS-Bank und das Duisburger Unternehmen Sinalco und alle anderen Partner.

Bleiben noch die SprecherInnen, die jede Menge Input beigesteuert (und sich an die Zeitvorgaben gehalten) haben und die insgesamt knapp 500 TeilnehmerInnen, ohne die eine Konferenz nicht stattfinden kann, wenn der gegenseitige Austausch und das Networking ein wichtiger Bestandteil sind.

Inhaltlich hat sich in meiner Wahrnehmung gegenüber dem Vorjahr viel verändert. Standen im letzten Jahr noch die Basics im Vordergrund, so gab es diesmal Angebote, die diese Ebene schon weit hinter sich gelassen haben und sich sehr speziellen und inhaltlich anspruchsvollen Themen widmeten. Gut gefallen hat mir, dass es uns gelungen ist, mit Shelley Bernstein und Marc van Bree zwei internationale ExpertInnen nach Duisburg bringen zu können. Ihre Vorträge waren für mich sehr inspirierend, auch wenn ich sie nur in Ausschnitten genießen durfte. Beide haben uns gezeigt, dass amerikanische Kultureinrichtungen uns in Sachen Social Media teilweise weit voraus sind und wir von ihnen viel lernen können.

Eine Herausforderung war es für mich, im Rahmen der gemeinsam mit projekt2508 veranstalteten Pre-Konferenz stARTmuseum mit meinem Vortrag auf Gerd Leonhard zu folgen. Er hielt wie schon im letzten Jahr einen sehr motivierenden Vortrag und wagte nicht nur einen, sondern recht viele Blicke in die (Social Media)-Zukunft. Danach die Spannung aufrecht zu erhalten ist nicht ganz so einfach, ich hoffe, ich habe es halbwegs hinbekommen. Wer am Mittwoch nicht dabei war, kann hier zumindest die Folien meiner Präsentation „Social Media – strategische Ansätze für den Museumsbereich“ anschauen, ein Video davon folgt in den nächsten Tagen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause werden wir uns in ein paar Wochen daran machen, neue Ideen für die stART11 zu entwickeln. Dafür brauchen wir wieder wie schon im letzten Jahr Ihre Hilfe. Was hat Ihnen dieses Jahr besonders gut gefallen, was war nicht so toll, was würden Sie anders machen und welche Wünsche haben Sie für die stART11? Mit Ihrem Kommentar (oder auch einer Email) tragen Sie dazu bei, die stARTconference weiter zu entwickeln.

Das aber nicht nur organisatorisch, sondern natürlich auch inhaltlich. Welche Schwerpunktthemen wünschen Sie sich für das nächste Mal? Wo sehen Sie die Zukunft von Social Media, was interessiert Sie besonders? Ich freue mich über Ihre Rückmeldungen.

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NRW-Kulturförderbericht 2009 erschienen

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Im Newsletter der Kulturpolitischen Gesellschaft habe ich einen Hinweis auf den gerade erschienenen Kulturförderbericht 2009 des Landes Nordrhein-Westfalen gefunden. Darin werden nicht nur alle Förderungen ab einer Höhe von 20.000 Euro aufgelistet, sondern auch die Förderschwerpunkte und -ziele ausführlich beschrieben. Wer gerade auf der Suche nach Förderungen ist, kann sich dank des Förderberichts einen guten Überblick über die Förderlandschaft in NRW verschaffen.

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pptPlex: ein kleines Tool bringt Leben in die Powerpoint-Folien

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Wer kennt sie nicht, die Powerpoint-Präsentationen, auf deren Folien in kleiner Schrift endlos viel Text aufgelistet ist? Da ist es dann von Vorteil, wenn der Vortragende den Text vorliest, denn gut lesbar sind die Folien nicht. Als vor einiger Zeit Prezi auf den Markt kam, brachte das gehörigen Schwung in die Folienwelt. Präsentationen wie diese hier zeigen, dass Prezi eine Dynamik in den Präsentationen entstehen lässt, die wir von Powerpoint, der Nummer eins im Bereich der Präsentationssoftware, nicht kennen.

Was unterscheidet Prezi von Powerpoint? Zum einen ist der Vortragende nicht mehr starr an die Reihenfolge der Folien gebunden. Zweitens besteht die Möglichkeit, eine Folie zu zoomen, was natürlich eine feine Sache ist, wenn man eine vollgepackte Tabelle vor sich hat, deren Zahlen man kaum entziffern kann.

Schon vor längerer Zeit hat Microsoft mit einem Add-on experimentiert, das Powerpoint ähnlichen Schwung verleiht. pptPlex funktioniert ähnlich und erlaubt es einem wie bei Prezi, einzelne Folien zu zoomen und bei Bedarf zwischen verschiedenen Folien hin und her zu springen. Beim ersten Test war ich noch ziemlich skeptisch, vor allem weil es anfangs nicht so ganz einfach ist, flüssig zwischen den Folien zu wechseln und  es beim Zoomen nicht zu übertreiben. Jetzt aber habe ich so allmählich den Dreh raus und deshalb steht pptPlex bei meinen Vorträgen auf der stARTconference eine erste Bewährungsprobe bevor. Wobei ich ehrlicherweise sagen sollte: mir steht die Bewährungsprobe bevor, denn das Add-on funktioniert klaglos. Wenn etwas schiefgeht, dann liegt es an mir.

Eine große Hilfe bei der Strukturierung der Präsentation bietet die Möglichkeit, sie in Abschnitte aufzuteilen. Der Screen hier zeigt nicht eine einzelne Folie, sondern so einen Abschnitt, der in diesem Fall mit „Über mich“ überschrieben ist:

Der Abschnitt enthält fünf Folien, die man mit Hilfe der Maus einzeln anklicken und durch das Mausrad vergrößern oder verkleinern kann. Mir hat es großen Spaß gemacht, die Präsentationen zu erstellen. Jetzt hoffe ich, dass der Spaß beim Zuschauen ebenso groß ist.

PS: nachdem es morgen Richtung Duisburg geht, bitte ich es mir nachzusehen, wenn ich diese Woche nicht allzu viele Blogposts schreiben werde. Ich fürchte, dazu reicht die Zeit nicht. Einen Bericht von der stART10 wird es aber auf alle Fälle geben.