Monthly Archives of: Oktober 2010

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Die Zukunft von Kunst und Kultur: alles wird anders

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Als gestern der Bundestagsabgeordnete Siegmund Ehrmann den diesjährigen Kulturinvest Kongress eröffnete, passierte etwas ganz interessantes. Kurz nach Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise – damals war es vor allem eine Finanzkrise – hieß es seitens der Politik, dass sich in einer solchen Situation der Vorteil unseres Systems zeige, denn hier bei uns, wo die Finanzierung von Kunst und Kultur in den Händen der öffentlichen Hand liege, müssten sich die Kulturbetriebe keine Sorgen machen.

Ehrmann, der als Mitglied der SPD im Parlamentsausschuss für Kultur und Medien sitzt, sprach nur sehr selten über Kunst und Kultur, dafür aber umso häufiger über die Kultur- und die Kreativwirtschaft. Welche Wirtschaftsleistung diese Branche vorweisen können und wie viele Beschäftigte dieser Bereich aufweise. Gleichzeitig prophezeite er der staatlich geförderten Kunst und Kultur Probleme und in Anlehnung an diverse Studien meinte er, dass die öffentliuche Kulturförderung bis 2020 um 8 bis 10% zurückgehen werde und jede zehnte Kultureinrichtung von der Schließung bedroht sei. Nicht sofort, aber innerhalb der nächsten Jahre. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, nahm er nicht sich selbst, den Kulturpolitiker in die Pflicht, sondern die Unternehmen und die Zivilgesellschaft, die sich vermehrt für das Überleben von Kunst und Kultur einsetzen sollten.

Da verabschiedet sich also die Kulturpolitik klammheimlich aus einer Verantwortung, die ihr Pius Knüsel gerade erst umgehängt hat und entsprechend logisch ist es dann natürlich, wenn sich die Diskussion von der „Makropolitik“ hin zum „Mikromanagement“ bewegt. Auf dieser Ebene versuchte Adalbert Kurkowski von der Berliner Bank zu beweisen, dass zumindest sein Unternehmen die Botschaft schon verstanden hat und sich darum bemüht, Kunst und Kultur zu unterstützen. Die daraus resultierende Win-Win-Situation ergibt sich aber in meinen Augen nur dann, wenn die Bank die geforderte finanzielle Unterstützung verweigert und damit nicht nur sich, sondern auch den oder die KünstlerInnen vor (finanziellem) Schaden bewahrt. Diese auf Anfrage getätigte Aussage war entwaffnend ehrlich, aber sie trifft ins Schwarze. Schließlich verändert sich auch der Anspruch des Publikums, wie Susanne Keuchel, die Direktorin des Zentrums für Kulturforschung in ihrem Vortrag „Der demografische Wandel und seine Auswirkungen auf das Kulturpublikum“ ausführte.

Ihre zentrale These lautete: das Publikum wird älter und bunter, was die Sache für die Kulturbetriebe nicht leichter macht, vor allem in den klassischen Sparten. Für die, z.B. das Theater interessiert sich noch die Generation 50+, aber die Jüngeren können mit dem Theater oder der Oper immer weniger anfangen. Interessanterweise definiert die jüngere Generation Kunst aber genau über die Sparten, die sie nicht mehr nutzt. Genutzt werden Kunst und Kultur vor allem von den Jugendlichen, die über eine hohe Bildung verfügen. Mit der einher geht auch das Interesse, selbst aktiv zu werden und wer selbst aktiv wird, nimmt dann eher kulturelle Angebote wahr.

Das spricht also nicht unbedingt dafür, dass man den Musikunterricht in den Schulen kürzt und das Thema kulturelle Bildung nach und nach aus den Augen verliert. Auf diese Weise verliert die Kunst nämlich ihr junges Publikum. Die, die sie schon verloren hat, geben an, so Keuchel, dass unter anderem hohe Preise und ein fehlendes jugendgerechtes Ambiente sie vom Besuch von Kulturveranstaltungen abhalten. Interessant, dass die Generation 50+ genau das Gegenteil als Hindernis angibt, nämlich zu viele Angebote, die sich nur an Jugendliche richten. Theoretisch müsste es dann eigentlich passen. ;-)

Klar ist aber: Kunst muss unterhalten und dementsprechend, so der Rat der Vortragenden, sollten Kultureinrichtungen den Unterhaltungsfaktor wieder mehr in den Vordergrund rücken. Kunst als Unterhaltung, das war jahrzehntelang verpönt, wie der Soziologe Kai-Uwe Hellmann in seinem Vortrag „Kulturpublikum zwischen Konsumtion und Produktion. Alvin Tofflers ‚Prosumer‘ und dessen Nachfahren“ erläuterte. Adorno war es, der mit seiner Kritik an der Kulturindustrie und der Gegenüberstellung von Kunst und Konsum dazu beitrug, dass wir noch heute zwischen ernster und unterhaltender Kunst unterscheiden, einer Trennung, die anderen Kulturkreisen fremd ist.

Erst die Cultural Studies machten aus dem passiven (Kultur)-Konsumenten den aktiven Konsumenten, denn es bedarf entsprechender Willensanstrengungen, um sich mit dem jeweiligen Themen beschäftigen und auseinandersetzen zu können. Alvin Toffler bereitete dann mit seinem Buch „The Third Wave“ den Boden für den „Prosumenten“, ohne dessen aktiven Beitrag ein Produkt oder eine Dienstleistung, so Hellmann, nicht fertiggestellt werden könne. Das heißt, der Anbieter ist auf den Prosumenten angewiesen. Ikea ist da in meinen Augen ein schönes Beispiel, denn erst unsere Bereitschaft, die Möbelstücke zu kaufen und selbst zusammen zu bauen, macht aus dem Haufen Bretter ein Regal.

Hellmann hat im nächsten Schritt versucht, die Prosumtion auf den Kultursektor zu übertragen. Herausgekommen ist dabei die folgende Grafik (die Kurve ist nur bei mir so zittrig und krumm geworden, sorry):

In den Bereichen Hoch- und Trivialkultur sieht Hellmann wenig bis keine prosumtiven Ansätze, wohl aber im Bereich der Soziokultur. Mir erscheint diese Unterscheidung gewagt, ich denke, es geht hier um partizipative Ansätze und die kann es in allen Bereichen geben, wobei ich auch der Meinung bin, dass es uns im Fall der Trivialkultur darum geht, uns berieseln zu lassen. Hellmann behauptet außerdem, dass wir uns immer mehr in Richtung Trivialkultur bewegen, d.h. wir schlagen die Richtung ein, die Adorno vor mehr als 50 Jahren kritisiert hat, als er zwischen Kunst und Konsum unterschied.

Wenn wir uns auf die Hochkultur konzentrieren, dann bedeutet das, so Hellmann, im Falle des Theaters: die jetzige Konstellation Produktion und Konsumtion  wird ergänzt durch die Prosumtion. Hellmann beruft sich dabei auf Gerhard Panzer, der Theater in die drei Phasen Werkproduktion, Inszenierung und Aufführung einteilt. Prosumtion ist für Hellmann nur in der Phase der Aufführung möglich, in den anderen beiden Phasen sieht er hierfür kein Potenzial.

Dieser Ansatz bzw. Erklärungsversuch ist für mich sehr interessant gewesen, weil er eigentlich das Thema der stART10 aufgreift, bei der es um Geschäftsmodelle und die oft diskutierte Öffnung der Wertschöpfungskette aufgreift. Ist es wirklich so, dass nur in der Aufführung Prosumtion möglich ist? Ich glaube nicht, verschiedene Museen in den USA haben immer wieder mal versucht, ihr Publikum mit einzubeziehen, wenn es um die Konzeption der Ausstellung ging.

Im Theaterbereich fällt mir Peter Brook ein, der mit seiner Theatergruppe in Afrika unterwegs war und Einheimische in das Theaterspiel integrierte, sie an der Entstehung des Stückes beteiligte. Außerdem fällt mir hierzu mein Blogbeitrag „Theaterfinanzierung: geht es auch ohne Förderungen?“ ein.

Aufschlussreich war für mich die große Ablehnung, auf die Hellmanns Ansatz stieß. Verstehen kann ich sie, denn Kunst verliert so den Habitus des Elitären, wenn der Prosument plötzlich auch etwas zu sagen hat. Und das finden nicht alle gut. So wird aus einer nicht geführten kulturpolitischen Debatte plötzlich etwas ganz Neues, bei dem die Kulturpolitik keine Rolle mehr spielt. Oder anders ausgedrückt: Kulturmanagement beschäftigt sich mit „Makropolitik“ und beginbt sich, das muss man zugeben, auf ein gefährliches Pflaster.

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Japan Foundation: interessante Fördermöglichkeiten für Kooperationsprojekte mit japanischen Partnern

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Nicht immer ist es die Europäische Union, die Geld für internationale Kooperationsprojekte zur Verfügung stellt. Wer beispielsweise in den nächsten beiden Jahren gemeinsame Projekte mit Partnern aus Japan plant, sollte sich die Förderprogramme der Japan Foundation genauer ansehen. Interessant ist hier der Bereich Arts and Cultural Exchange, in dem es einige interessante Fördermöglichkeiten gibt.

Klar ist, dass es der Stiftung vor allem darum geht, japanische Kunst und Kultur weltweit sichtbar zu machen. Wenn Sie aber nun gerade die Zusammenarbeit mit einer japanischen Kultureinrichtung planen, dann sollten Sie einen Blick in die gerade veröffentlichten Richtlinien für die beiden kommenden Jahre werfen. Falls Sie sich erst einmal einen Überblick über die verschiedenen Programmbereiche verschaffen wollen, hier finden Sie eine ganz hilfreiche Zusammenstellung für den Kunst- und Kulturbereich.

Mit Performing Arts Japan for Europe gibt es eine Programmschiene, in der speziell die Zusammenarbeit mit europäischen Theatereinrichtungen gefördert wird. Die Ziele dieses Programms sind:

  • „to promote opportunities for European non-profit art presenters to introduce Japanese performing arts to a broad audience while utilizing local networks;
  • to increase access to Japanes performing arts in Europe, especially outside major metropolitan cities;
  • to promote understanding of Japanese performing arts by providing educational programs for artists and audiences in each touring location; and
  • to support collaborative projects between European and Japanese performing artists.“

Gefördert werden in diesem und auch allen anderen Programmbereichen vor allem die Flugkosten der KünstlerInnen sowie, falls notwendig, die Frachtkosten für Kunstwerke.

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Ein kleines Tool visualisiert die Vernetzung Ihrer Website

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Marketingberater Sebastian Voss hat via Facebook auf ein ganz interessantes Tool der Firma TouchGraph aufmerksam gemacht, den TouchGraph Google Browser, mit dessen Hilfe sich die Vernetzung von Websites abbilden lässt. Und das auf Basis der Daten, die Google zur Verfügung stehen. Auf diese Weise kann man sehr einfach feststellen, wie die eigene Website vernetzt ist. So sieht das zum Beispiel mit dem Kulturmanagement Blog aus (zur Vergrößerung bitte die Grafik anklicken):

Damit kann man aber nicht nur sein Ego befriedigen, sondern auch herausfinden, ob man eigentlich mit den richtigen Seiten vernetzt ist. Sprich, erreiche ich eigentlich über die Vernetzung meine Zielgruppe? Mindestens ebenso spannend ist es natürlich, wenn man verschiedene Seiten miteinander vergleicht. Als Beispiel habe ich in dem Fall die Albertina und das Brooklyn Museum gewählt.

Die beiden Grafiken zeigen, dass die Seiten unterschiedlich vernetzt sind, wobei es aber zu berücksichtigen gilt, dass hier z.B. die Vernetzung im Social Web nicht abgebildet wird. So fehlen etwa die Links in Richtung Facebook und Twitter. Außedem stelle ich mir die Frage, ob die Websites dieser beiden Museen wirklich hauptsächlich mit anderen Museumsseiten verbunden sind, denn um die Zielgruppen zu erreichen, müsste man sich ja eigentlich dort aufhalten, wo die Zielgruppen sind. Ob die sich permanent auf Museumsseiten aufhalten, wage ich zu bezweifeln.

Aber nicht nur die Vernetzung von Websites lässt sich so darstellen, auch Schlagworte oder Namen lassen sich bei dem Tool eingeben. Ich habe z.B. nach Jerzy Grotowski gesucht und dabei festgestellt, dass ein schon vor Jahren abgeschlossenes EU-Projekt hier immer noch sehr präsent ist. Das heißt, auf dieses Weise lässt sich auch herausfinden, ob man in einem bestimmten Themenfeld so präsent ist, dass man auch wahrgenommen wird. Bei mir ist das z.B. der Begriff Projektstrukturplan. Wenn ich den in dem Tool eingebe, dann taucht das Kulturmanagement Blog in der Grafik auf.

Ob das dann nicht nur einfach nett aussieht, sondern auch den Tatsachen entspricht, kann man z.B. mit dem Free Monitor for Google herausfinden, mit dessen Hilfe sich die eigene Position bei Google bezüglich frei definierbarer Schlagworte kontrollieren lässt. Hier sehen Sie dann, ob es Ihnen gelungen ist, Themenfelder zu besetzen oder ob weitere Anstrengungen nötig sind.

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„Sprich mit mir“ statt „kauf mich“

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Vor einigen Tagen hat Björn Eichstädt, Geschäftsführer der PR-Agentur Storymaker eine sehr schöne Präsentation zum Thema Social Media Relations online gestellt, in der deutlich macht, was die Kommunikation im Social Web von klassischer Werbung oder PR unterscheidet. Ich halte sie für so gelungen, dass ich Sie Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Wer die Social Media-Auftritte von Kultureinrichtungen betrachtet, wird, wenn er sich die Folien anschaut, unschwer erkennen können, dass diese dort meist das tun, was Björn Eichstädt als das Prinzip der klassischen PR bezeichnet  (Folie 4). Gemünzt auf einen Kulturveranstalter müsste der Satz dann heißen:

„Entschuldigen Sie bitte. Ich arbeite für ein Theater (Museum, Opernhaus, etc.) und wollte Sie kurz auf unser tolles Programm hinweisen.“

Eigentlich funktioniert das Social Web aber anders. Ich hinterlasse Spuren, versuche vielleicht eine Beziehung aufzubauen und hoffe, dass man sich, wenn man ins Theater gehen möchte, wieder an mich erinnert. Im Sinne von Friedemann Schulz von Thun und seinen vier Seiten einer Nachricht lautet der Appell dann nicht „kauf mich“, sondern eher „sprich mit mir“.

Wo aber findet diese Party überhaupt statt, fragt Björn Eichstädt auf einer seiner Folien. Viele glauben, auf ihrer eigenen Fanseite oder auf ihrem Blog. Das stimmt aber nicht, die Party findet überall in den sozialen Netzwerken statt und deshalb darf ich mich nicht nur auf meiner eigenen Seite mit anderen unterhalten, sondern ich muss das überall tun. Oder bleiben Sie auf einer Party auch wie angewurzelt auf einer Stelle stehen und rühren sich im Laufe des Abends nicht vom Fleck?

Wie wäre es, wenn Sie so wie im „richtigen Leben“ die Räume erkunden, in denen die Party stattfindet? Ich habe in diesem Zusammenhang von der 1:3 Regel gesprochen und damit die Aufforderung verbunden, sich von der eigenen Seite, dem eigenen Profil zu lösen. Die mit den wichtigsten Informationen zu versehen und der eigenen CI auszustatten ist eine Sache. Zu wissen, wie und worüber man sich mit den anderen BesucherInnen der Party unterhält, die andere.

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YouTube Play: die Jury hat entschieden

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Ursprünglich hatte ich in der Überschrift von den 25 Topvideos gesprochen, aber ich weiß nicht so ganz. Für mich ist das Resultat der hochkarätig besetzten Jury eher enttäuschend, denn imerhin wurden mehr als 23.000 Videos im Rahmen von YouTube Play eingereicht. Es gab einige wirklich sehenswerte Videos auf der Shortlist, eines meiner Lieblingsvideos habe ich letzte Woche vorgestellt. Und nun diese Auswahl.

Aber okay, Geschmäcker sind verschieden, am besten gefällt mir noch Luis, ein von Niles Atallah, Cristobal Leon & Joaquin Cociña produzierter, im Jahr 2008 entstandener Kurzfilm.

Auf der Seite des Guggenheim-Museums sind alle 25 Kurzfilme aufgelistet, viel Spaß beim Anschauen.

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Drei Konferenzen, auf denen ich dabei sein darf

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Neben vielen interessanten Seminaren und Workshops in Deutschland, Österreich und erstmals auch in Südtirol bin ich in der nächsten Zeit auch auf einigen Konferenzen dabei. Los geht es nächste Woche (28./29. Oktober) mit dem kulturinvest Kongress 2010 in Berlin, wo ich eingeladen wurde, das Forum Online- & Social Media Marketing zu moderieren. Mit Ulrike Schmid, Tim Ringel und Christian Reimann darf ich drei interessante Gäste zu diesem gerade sehr aktuellen Thema begrüßen. TimRingel ist Experte in Sachen Online-Marketing, betreibt ein eigenes Blog und hat 1999 die Firma metapeople gegründet, ein Unternehmen, das nicht überraschend Dienstleistungen im Bereich Online- und Social Media Marketing anbietet. Quasi als Vorbereitung auf den Freitagnachmittag können Sie schon mal den von metapeople herausgebrachten Report Social Media Marketing lesen. Vor allem die auf Seite 4 zu findende Grafik „Kategorisierung und Impact von Social Media finde ich interessant.

Ob Kultureinrichtungen diesen Impact nutzen können, diese Frage beantwortet Ulrike Schmid, Kommunikationsexpertin und vielen wahrscheinlich durch ihr Blog Kultur 2.0 und als Sprecherin der stARTconference bekannt. Sie wird ihre vor kurzem veröffentlichte Studie, in dem sie das Social Media-Engagement deutscher Museen und Orchester untersucht hat, vorstellen, die viele von Ihnen unter Umständen schon kennen.

Christian Reimann schließlich arbeitet bei der Firma Music Networx , die Sie vielleicht wegen ihres großen Angebots an Musik Streams bereits kennengelernt haben. Reimann geht der Frage nach, inwiefern solche Streaming-Angebote als Zukunftsmodell  für den darbenden Musikmarkt dienen können?

Ich werde aber bereits am Donnerstag in Berlin sein, denn natürlich interessieren mich auch die anderen Foren, in denen es beispielsweise um das Thema Kultursponsoring, Kundenbindung mit Hilfe des Internets oder innovative Kulturkommunikation geht.

„Auftakt Kulturpolitur. Kultur und Wirtschaft neu denken“ in Rendsburg

Am 18. und 19. November bin ich dann in Rendsburg beim Nordkolleg zu Gast, wo das Team von Schwarz+Weiss beim zweitägigen Symposium Auftakt Kulturpolitur neuen Formen der Zusammenarbeit von Kultur und Wirtschaft auf die Spur zu kommen hofft. In der Diskussionsrunde, zu der ich eingeladen worden bin, soll es genau um diese Formen der Zusammenarbeit gehen. Ich denke, Kunst und Kultur haben einiges zu bieten und so sollten Kultureinrichtungen ihren Partnern aus der Wirtschaft auf Augenhöhe begegnen.

Gespannt bin ich vor allem nach dem heutigen Treffpunkt KulturManagement auf den Vortrag von Elisabeth von Helldorff, der den schönen und provokanten Titel „Kultursponsoring ist tot“ trägt und sicher auf Widerspruch stoßen wird. Ob Kultursponsoring schon tot ist, weiß ich nicht, aber es wird sich zumindest weiterentwickeln müssen, sonst ist es in Bälde tot. Auf alle Fälle bieten die zwei Tage ein ganz spannendes und für den Kulturbereich ungewohntes Programm.

Taten.Drang.Kultur in Ludwigsburg

Im nächsten Jahr, nämlich am 10. und 11. Februar geht es dann nach Ludwigsburg, wo die StudentInnen des Instituts für Kulturmanagement den Kongress Taten.Drang.Kultur organisieren. Ich freue mich darauf, dort einen Vortrag zum Thema Kulturmarketing Online halten zu dürfen und bin gespannt, wie der Blick zurück auf 20 Jahre Kulturmanagement ausfällt und, was noch viel wichtiger ist, wie die nächsten 20 Jahre in der Vorausschau aussehen werden.

Auch hier gibt es bereits ein Programm, aus dem für mich der Vortrag von Pius Knüsel, Geschäftsführer der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, hervorsticht, weil er diesen bereits im Blog angekündigt hat und dabei den Kulturmanagern vorwirft, über die 1980er Jahre nicht hinausgekommen zu sein. Ich maße mir nicht an, die Kulturpolitik der Schweiz zu beurteilen, weil mir dazu das Wissen fehlt. Aber bezogen auf andere Länder würde ich mir wünschen, dass die Kulturpolitik bald in den 1980er Jahren angekommen ist. Hilmar Hoffmann wurde 1970 Kulturstadtrat in Frankfurt und wenn man mich nach Namen aus der Zeit danach fragt, dann fallen mir nicht viele ein. Langweilig wird es also nicht, ganz im Gegenteil. Aber das zeichnet eine gute Konferenz ja aus. ;-)

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Technologietrends für den Kunst- und Kulturbereich

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Über einen Beitrag des Museum Strategy Blog bin ich gerade auf die Website des Edward and Betty Marcus Institute for Digital Education in the Arts (MIDEA) aufmerksam geworden. Das Institut ist, wenn ich mich nicht täusche, erst dieses Jahr gegründet worden und beschäftigt sich mit neuen Technologien und ihrem möglichen Nutzen für den Museumsbereich.

Besonders interessant ist der Horizon-Report 2010, der versucht, die wichtigsten Technologietrends für den Museumsbereich zu skizzieren. Aktuell sind es die Themen mobiles Web und Social Media, mit denen sich Museen konfnrontiert sehen und auf die sie in irgendeiner Weise reagieren müssen. Aber schon in zwei bis drei Jahren werden uns neue Themen bewegen, nämlich Augmented Reality und Location-based-services.

„Museum educators arguably have always been in the business of augmenting reality, creating bridges between objects, ideas, and visitors, but augmented reality technologies are now allowing this to happen more fluidly and easily than ever. Location-based services offer museums to extend conversations about history, art, science, and more out into their communities, effectively extending the galleries to include public works, historical sites, and much more. Within the next few years, the opportunities offered to museums via the adoption and creative implementation of these two technologies will only expand. Consider a museum environment in which visitors can access deep, rich experiential learning, information, and services in a range of formats, each presented at the exact time and place when it is most meaningful — even beyond the boundaries of the museum itself,“

heißt es in dem Report. In vier bis fünf Jahren werden sich die Museen dann mit den Herausforderungen des Gesture-based-computing und dem Semantic Web konfrontiert sehen:

„Gesture-based computing is already strong in the consumer market and we are seeing a growing number of prototypical applications for training, research, and study, though this technology is still some time away from common educational use. Mobile devices controlled by natural movements of the finger, hand, arm, and body are common, and other devices incorporating these approaches soon will be.“

Ich habe leider erst die Zusammenfassung der insgesamt 40 Seiten gelesen, denke aber, dass nicht nur der Museumsbereich vor diesen Herausforderungen steht, sondern der gesamte Kunst- und Kulturbereich.

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Die eigene Website und Social Media wachsen (langsam) zusammen

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Manchmal werfe ich einen Blick zurück und lese mir Blogposts durch, die ich vor zwei, drei Jahren geschrieben habe. Interessant wird es vor allem dann, wenn man irgendwelche Prognosen von damals den aktuellen Entwicklungen gegenüberstellen kann. So habe ich beispielsweise vor etwas mehr als drei Jahren gemeint, die klassische Firmenwebsite hätte ausgedient und mich dabei auf Jeremiah Owyang bezogen, der von irrelevanten Corporate Websites sprach. Damals, im Mai 2007, schrieb er über die Zukunft der Firmenwebsite:

„The corporate website of the future will be a credible source of opinion and fact, authored by both the corporation and community. The result? A true first-stop community resource where information flows for better products and services.“

Owyang lag damit gar nicht so falsch, die klassische Website mit Informationen über das Unternehmen und den damit verbundenen Lobhuddeleien verliert an Bedeutung, weshalb sich viele immer mehr auf die sozialen Netzwerke konzentrieren, um dort den Kontakt zu den jeweiligen Zielgruppen herstellen zu können.

Wer aus den Entwicklungen der letzten Jahre gelernt und daraus entsprechende Konsequenzen in der Kommunikation mit den (potenziellen) Kunden gezogen hat, für den hat Jeremiah Owyang nun folgende Botschaft parat:

In seiner Präsentation prognostiziert Owyang das Zusammenwachsen der eigenen Website mit den Social Networks, am Ende steht dann etwas, was er als „social corporate website“ bezeichnet. Dorthin gelangt man über acht Entwicklungsstufen, die Owyangs Ansicht zufolge so aussehen:

  • „No social integration
  • Link away with no strategy
  • Link away but encourage sharing
  • Brand integrated in social channels
  • Aggregate discussion on site
  • Users stay on site with social log-in
  • Social log-in triggers sharing
  • Seamless integration“

Unternehmen, und natürlich auch Kultureinrichtungen, die sich auf der ersten Stufe bewegen, laufen Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Ihre Website bezeichnet Owyang auch heute noch als irrelevant (wobei wir hier nicht von denen sprechen, die im Social Web gar nicht aktiv sind).

Welche Wegstrecke haben Kultureinrichtungen hier bereits zurückgelegt? Auf der Grundlage des von der PR-Agentur conosco erstellten Twitter- und Facebook-Rankings deutschsprachiger Museen (Stand September 2010) habe ich mir die Homepages der Top Ten bei Facebook angesehen und herausgefunden: drei Museen befinden sich noch auf Stufe eins (kein Hinweis auf Social Media-Aktivitäten auf der Startseite), sechs Museen auf Stufe zwei (Icons weisen auf die Aktivitäten hin) und einzig die Schirn-Kunsthalle verwendet auf ihrer Homepage ein Facebook Social Plugin, mit dem man direkt auf der Seite ein Facebook-Fan des Museums werden kann.

Nachdem das aber die „Social Media-Elite“ im deutschsprachigen Museumsbereich ist, gehe ich davon aus, dass das Ergebnis nicht als repräsentativ anzusehen ist und die Realität noch etwas anderstrüber aussieht. Das ist nicht weiter tragisch, denn vor drei Jahren brauchte es noch gar kein Ranking, weil man schon glücklich war, wenn eine Kultureinrichtung überhaupt irgendwo aktiv war.

Aber wenn sich heute Experten wie Jeremiah Owyang Gedanken über die Entwicklungsstufen sieben und acht machen, dann können wir davon ausgehen, dass wir uns in etwa zwei bis drei Jahren damit beschäftigen werden. Einen ersten Blick in die Zukunft können Sie heute schon werfen, wenn Sie sich die Folien von Jeremiah Owyang anschauen (und sich erste Gedanken darüber machen, wie Ihre nächsten Schritte aussehen werden). Und ich bin schon heute gespannt, wie mein Blogbeitrag in drei Jahren aussehen wird. ;-)

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Treffpunkt KulturManagement: am 20.10. geht es um das Thema Sponsoring

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© S. Hofschlaeger; Pixelio

Wenn die öffentlichen Mittel knapp werden, dann wird meist recht schnell der Ruf nach den Sponsoren laut. Auch das Beratungsunternehmen AT Kearney hat Kultureinrichtungen in seinem „Elchtest“ empfohlen, sich verstärkt um Sponsoren zu bemühen, um auf diese Weise die vorhergesagten Kostensteigerungen finanzieren zu können. Sponsoring, das heißt, es bekommt im Gegensatz etwa zur Spende nicht einfach nur jemand Geld geschenkt, sondern es geht um den Austausch von Leistungen.

Als Kultureinrichtung Leistungen anbieten zu können, ist oftmals gar nicht so einfach, denn wer weiß schon, warum ein Unternehmen Kunst und Kultur sponsern möchte? Wenn Sie vor dieser Frage stehen, lohnt es sich für Sie vielleicht beim nächsten Treffpunkt KulturManagement dabei zu sein, der am kommenden Mittwoch, den 20. Oktober von 9 bis 10 Uhr wie immer online unter diesem Link über die Bühne gehen wird.

Unser Gast ist diesmal Uwe Wagner, der sich in seiner Diplomarbeit mit dem Thema Sponsoring aus Sicht der Unternehmen beschäftigt  hat und dessen Arbeit seit wenigen Tagen unter dem Titel „Unternehmerisches Kulturengagement am Beispiel der Musikförderung der Škoda Auto Deutschland GmbH“ auch als Buch erhältlich ist.

Die Liste der Unternehmen, die Kultureinrichtungen sponsern, ist lang, aber was treibt sie eigentlich an, sich im Kunst- und Kulturbereich zu engagieren und Projekte und Institutionen zu unterstützen oder, wie es immer so schön heißt, ein Geschäft auf Gegenseitigkeit zu vereinbaren? Es gibt zwar jede Menge Ratgeber, in denen Kultureinrichtungen erfahren, wie sie eine Strategie und entsprechende Leistungsangebote entwickeln können, aber was zeichnet eine erfolgreiche Sponsoringpartnerschaft überhaupt aus? Warum engagieren sich Unternehmen im Kunst- und Kulturbereich? Wie das konkret bei einem Automobilhersteller ist, darüber wird Uwe Wagner am Mittwoch berichten.

Da er mittlerweile als Verwaltungschef beim Rheingau Musik Festival, dem größten privatwirtschaftlich finanzierten Musikfestival Europas tätig ist, das seit 1987 auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen ist, kennt er aber auch die Gegenseite sehr gut und deshalb sind wir froh, dass er am Mittwoch bei uns sein wird.

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme bei der in der Regel monatlich stattfindenden Veranstaltung ist kostenlos, die Installation einer Software ist nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Wenn Sie mehr zur Plattform wissen wollen, David Röthler hat auf Slideshare eine Kurzanleitung für Adobe Connect zur Verfügung gestellt.

Wenn Sie sich im Vorfeld entweder auf unserem Wiki, wo Sie übrigens auch die Aufzeichnungen der bisherigen Veranstaltungen finden, oder auf Facebook anmelden, dann wissen nicht nur wir, sondern auch Sie selbst, mit wem Sie am kommenden Mittwoch diskutieren bzw. chatten und können sich auf Wunsch entsprechend vernetzen.

Uwe Wagner hat das übrigens viele Jahre vorbildlich auf Xing gemacht, wo ich ihn auch kennen gelernt habe. In der Gruppe Kultur- & Artsmanagement begann er im Jahr 2006 einen Thread, in dem er noch vor Beginn seines Kulturmanagement-Studiums zu kommunizieren begonnen und in regelmäßigen Abständen über die weiteren Schritte berichtet hat. Daher freue ich mich auch, dass er am Mittwoch dabei ist und ich ihn diesmal auf einer anderen Plattform treffen kann. Über Ihr Dabeisein freue ich mich natürlich auch. Falls Sie Fragen haben, schreiben Sie mir bitte eine Mail oder nutzen Sie die Kommentarfunktion.

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YouTube Play: die Shortlist

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Mehr als 23.000 Einreichungen hat es bei YouTube Play gegeben, bei dem am Ende die besten Kunstvideos gekürt werden sollen (mehr dazu in meinem Blogpost YouTube Play: Guggenheim Museum und YouTube suchen Videokunst). Noch bis zum 21. Oktober kann man sich die 125 Videos ansehen, die es auf die Shortlist geschafft haben. Und es lohnt sich wirklich, sich zumindest einige dieser Videos anzusehen. Die Bandbreite ist enorm und die „Warnung“ auf slashCAM trifft es meiner Meinung recht gut:

„Wer die visuelle Reise antritt, sei allerdings gewarnt. Nicht nur, dass hier die Stunden dahinfliegen, auch die gezeigten Effekte und kreativen Ideen können leicht am eigenen Ego kratzen, wenn man so viel hundscoolen Stoff zu sehen bekommt.“

Das hier ist einer meiner Favoriten:

Noch beeindruckter war ich, als ich anschließend las, was Alexandre de Bonrepos auf YouTube unter sein Video geschrieben hat:

„This is my first film. The budget was a little under 800 dollars. Most of the sets were build with materials I either found or were given to me. for the editing and FX process, I learned Avid and AF with the help of YouTube tutorials.“

Wenn Ihnen Ideen dazu einfallen, Alxandre de Bonrepos hat auch seine Emailadresse angegeben. ;-)