Monthly Archives of: November 2010

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Wo kündigen Sie Ihre Veranstaltungen an?

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Das NRW-Forum hat in seiner gestrigen Montagsfrage auf Facebook seine Fans gefragt, auf welchen Websites sie sich über kulturelle Ereignisse informieren. Die Antworten führen zu dem Schluss, dass die eigene Website nach wie vor im Vordergrund steht, gefolgt von Kunstportalen und Facebook. Auffällig ist, dass Weblogs hier überhaupt keine Rolle spielen. Ich lese z.B. regelmäßig Blogs wie Kunst-Blog.com, das Kunstblog München oder theartVIEw, um mir Anregungen zu holen, die im Feuilleton der Tageszeitungen nicht zu finden sind. Aber sie scheinen gesamthaft gesehen noch keine Rolle zu spielen, wobei ich mir vorstellen könnte, dass die regionale Berichterstattung ein ganz großer Pluspunkt sein könnte.

Ich möchte die Frage aber gerne umdrehen und von denen, die künstlerische und kulturelle Veranstaltungen organisieren, wissen, wo sie im Internet ihre Veranstaltungen bewerben bzw. welche Seiten ihrer Meinung nach wichtig sind? Unter Umständen gehen die Aktivitäten an den Wünschen derer, für die die Ankündigungen un Berichte gedacht sind, völlig vorbei. Bei meiner Auswahl habe ich mich bewusst an die Vorschläge des NRW-Forums gehalten. Wenn Sie noch andere Seiten bevorzugen, dann würde ich Sie um Ergänzung in Kommentarform bitten.

An unserer Umfrage teilnehmen
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Social Media im Kulturmarketing: bringt das was? Eine Studie versucht Antworten zu finden

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Mit dem Aufkommen des Internet gingen auch die Kultureinrichtungen dazu über, das World Wide Web für ihre Marketingaktivitäten zu nutzen. Kaum ein Kulturbetrieb ist heute noch nicht online vertreten. In ein paar Jahren wird man selbiges wohl auch vom Social Web sagen können. Die Zahl der Kulturbetriebe, die dort anzutreffen sind, steigt mit jedem Tag und in nicht allzu ferner Zeit werden die, die dort nicht präsent sind, die Ausnahme sein.

Was aber bringt das Social Web für die Kulturmarketingaktivitäten? Helge Kaul, Dozent am Zentrum für Kulturmanagement der ZHAW School of Management and Law, ist dieser Frage in seiner Studie „Social Media Marketing in Kunst und Kultur“ nachgegangen, weil er empirische Daten zum Einsatz und Erfolgsbeitrag sozialer Medien bis heute vermisst hat, wie es dort einleitend heißt. Der Autor beschäftigt sich in seiner Arbeit nicht so sehr mit der Frage, welche Kultureinrichtung welche Tools verwendet (siehe dazu Ulrike Schmid’s Studie zum Social Media Engagment von Museen und Orchestern), sondern versucht, auf folgende zwei Fragen Antworten zu finden:

  • „Wie intensiv setzen Kultureinrichtungen Social Media ein? Bestehen Unterschiede zwischen Ländern, Betriebsformen und Kultursparten? (.)
  • Welche Ziele verfolgt der Einsatz von Social Media im Marketing? Lässt sich ein Erfolgsbeitrag nachweisen?“ (S.10)

Um an entsprechendes Datenmaterial zu gelangen, wurden knapp 29.000 Kulturanbieter in Deutschland, Österreich und der Deutschschweiz per Email gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Am Ende waren es dann 344 Fragebögen, auf denen diese Studie aufbaut, was einer Rücklaufquote von 1,5% entspricht. Davon kamen 25% aus Österreich, was bedeutet, dass Kulturbetriebe aus diesem Land in der Studie gemessen an der wirklichen Zahl an Kulturbetrieben etwas überrepräsentiert sind.

Unabhängig von der Branche (Musikwirtschaft 33,3%, darstellende Künste 26,5%, Kunstmarkt 24%) dominieren die „Kleinen“ den Markt. 68,3% der Befragten machen einen Jahresumsatz von weniger als einer Mio. Euro und 78,5% von ihnen haben weniger als 20 MitarbeiterInnen. Auch ganz interessant: 34,1% der Anbieter sind profitorientiert, 55,5% NPO und bei 10,4% der Befragten handelt es sich um selbständige oder freischaffende KünstlerInnen.

Marketing: das Internet ist wichtig, Social Media nicht

Während die Nutzung des Internets zu Marketingzwecken ganz selbstverständlich ist, zeigt die Auswertung der Fragebögen, dass auf den Einsatz von Social Media noch weitgehend verzichtet wird. 69,5% der Anbieter setzen die dazu gehörigen Tools nur selten oder gar nicht ein. Überraschend ist es für mich, dass sich die Zahlen in den drei Teilmärkten Musikwirtschaft, Kunstmarkt und Darstellende Kunst ganz stark ähneln. Eigentlich hätte ich vermutet, dass die Musikwirtschaft sehr viel stärker auf das Social Web setzt als andere Bereiche.

Welche Social-Media-Anwendungen nutzen Kulturbetriebe für ihr Marketing? Im Vordergrund stehen Plattformen zum Informationsaustausch, die dem Erstellen, Bewerten und Konsumieren von Informationen dienen (Kaul nennt als Beispiel Amazon oder audiovisuelle Event-Plattformen wie „art-tv.ch“) und Social-Networking-Plattformen wie Facebook, MySpace oder Xing. Dahinter  folgen Media-Sharing-Plattformen (YouTube, Flickr), Blogs, Social-Bookmarking-Dienste, Wikis, Twitter und virtuelle Welten wie Second Life.

Angestrebt wird dort in der Regel die Interaktion mit den (potenziellen) Kunden, die aber nur dann etwas bringt, „wenn sie mit den Aufgaben der Kultureinrichtung nutzenstiftend verknüpft wird“, wie Kaul es in seiner Studie formuliert.

Kundenbeteiligung als Erfolgsmaß

Ausgehend von den vier Marketingaufgaben Kundenakquisition, Kundenbindung, Leistungsinnovation und Leistungspflege ging es daher darum, herauszufinden, inwieweit die (potenziellen) Kunden in diese vier Aufgabenbereiche mit Hilfe von Social Media eingebunden werden können und so die Marketingaktivitäten der Kultureinrichtung unterstützen. Dabei stellt sich aber die Frage, wie diese Unterstützung nachgewiesen werden kann?

Ein erster Indikator kann dabei die Kundenbeteiligung sein:

„Je stärker ein Unternehmen Social Media Marketing einsetzt, desto höher ist die Kundenbeteiligung im Marketing“,

lautet Kauls Hypothese. Mit Hilfe einer multiplen Regressionsanalyse wurde überprüft, „welche Social-Media-Anwendungen einen Einfluss auf die Kundenbeteiligung in einer bestimmten Marketingaufgabe entfalten und welchen Anteil der Varianz der Kundenbeteiligung der Social-Media-Einsatz erklärt“ (S.21). Das Ergebnis: vor allem Media-Sharing-Plattformen tragen zur Kundenbeteiligung bei, allerdings zeigen die Zahlen, dass ihr Einfluss nur ein marginaler ist. Interessant ist, dass Social-Networking-Plattformen die Kundenbeteiligung nur im Bereich Leistungsinnovation (Tätigkeiten von der Ideenfindung bis hin zur Einführung neuer Angebote) signifikant beeinflussen, allerdings, und das ist eine Überraschung, eher negativ.

„Offensichtlich beschränken diese Dienste sogar die Möglichkeit, wertvolles Kundenwissen für die Entwicklung neuer Angebote zu integrieren“,

schlussfolgert Kaul daraus und hält fest:

„Obwohl Plattformen zum Medien- und Informationsaustausch ein, wenn auch marginaler, Einfluss attestiert werden kann, muss die Hypothese, die einen allgemeinen Erfolgseinfluss von Social Media Marketing postuliert, zurückgewiesen werden.“

Das heißt nun aber nicht, dass Social-Media für das Kulturmarketing nutzlos ist, denn im Kontext weiterer Variablen, wie Kaul es formuliert, könne sich ja die Bedeutung von Social-Media-Marketing verändern. Exemplarisch erweitert Kaul die Regressionsanalyse um die Faktoren „Lead-User-Methode“ und „Markenidentifikation“, die dann, wie die Auswertung zeigt, einen wesentlich deutlicheren Erklärungsbeitrag im Hinblick auf die Kundenbeteiligung leisten. Verallgemeinerungen dürfe man daraus nicht ableiten, drückt sich Kaul bewusst vorsichtig aus, kommt aber zu dem Schluss,

„dass ein unmittelbarer Einfluss auf die Kundenbeteiligung eher von anderen Faktoren ausgeht: Offensichtlich braucht es bestimmte Marketinginstrumente (z.B. Lead-User-Methode) und Ressourcen der Organisation (z.B. Markenidentität), um Kunden in sozialen Netzwerken nutzenstiftend zu beteiligen“ (S.23).

Kauls Fazit fällt angesichts dieser Erkenntnis  sehr differenziert aus. Social-Media sind aus dem Kulturmarketing heute nicht mehr wegzudenken, durch sie erhalte die „Kulturkommunikation“ eine soziale Dimension. Wird mit dem Social-Media-Einsatz aber das Ziel verfolgt, Kunden an den vier genannten Marketingaufgaben zu beteiligen, dann spielt, so seine Schlussfolgerung, Social-Media-Marketing als direkter Erfolgsfaktor nur eine untergeordnete Rolle. Das bedeutet, Social-Media-Marketing sollte nicht isoliert betrieben werden, sondern in eine Marketingstrategie eingebunden sein. Oder wie Kaul es formuliert:

„Nicht die Social Media ‚Tools‘ allein sind erfolgsrelevant. Strategische Analyse, Entwicklung und Umsetzung sind auch in sozialen Netzwerken unverzichtbar. Markenführung oder integrierte Kommunikation stehen weiter im Fokus des Kulturmarketing“ (S.24).

Ich halte die Ergebnisse dieser Studie für sehr wichtig, denn sie belegen, dass es nicht reicht, sich auf den verschiedenen Plattformen einen Account zuzulegen und dann damit zu beginnen, Informationen zu verbreiten. Klar ist aber auch, dass hier noch viel Forschungsarbeit nötig ist, um herauszufinden, unter welchen Rahmenbedingungen Social-Media-Marketing Kultureinrichtungen möglichst viel bringt.

Es ist das Verdienst dieser Studie, hier wertvolle Basisarbeit geleistet zu haben. Wenn Sie sich für die Studie interessieren, können Sie sie auf der Seite des Zentrums für Kulturmanagement kostenlos downloaden.

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Community-Manager: auch ein Thema für Kultureinrichtungen?

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Diese Frage stellen sich wohl viele Kulturbetriebe (und nicht nur die), die es in einem ersten Schritt geschafft haben, auf Twitter, Facebook und anderen Kanälen ein Profil einzurichten. Von Gesprächen ist die Rede, andere bezeichnen das Social Web auch als Mitmachweb. Allerdings finden da ganz häufig gar keine Gespräche statt, von Mitmachen ganz zu schweigen.

Beispiele wie dieses gibt es viele, hier hat die Kultureinrichtung wohl auch bereits aufgegeben, denn der letzte Tweet datiert vom 5. Mai. Gründe, warum es mit den Social-Media-Aktivitäten nicht nach Wunsch  klappt, gibt es jede Menge. Damit es klappt, suchen sich Unternehmen immer häufiger einen Community Manager bzw. eine Managerin, um die verschiedenen Kommunikationskanäle auch adäquat betreuen zu können. Dass Community- oder Social-Media-Manager im Kunst- und Kulturbereich noch eine echte Rarität sind, hat Marc van Bree vor einem knappen Jahr in seiner Umfrage im Orchesterbereich festgestellt.

Was aber macht eigentlich jemand, der für die Social-Media-Aktivitäten einer Kultureinrichtung verantwortlich ist und sich Community-Manager nennt? Axel Kopp spricht in seinem Blogpost „Gesucht: Community Manager“ einige Aspekte an. Am Beispiel des Facebook-Auftritts der Deutschen Oper Berlin zeigt er, wie wichtig es zum Beispiel ist, im Vorfeld zu klären, wie man mit Kritik umgeht.

So ein Community-Manager hätte wohl auch verhindert, dass der Shopbetreiber der Deutschen Oper nicht nur selbst, ohne sich erkennen zu geben, für seinen Shop wirbt, sondern auch noch seine Mitarbeiterin instrumentalisiert. Die Vorgehensweise wirkt dabei so unbedarft, dass ich in diesem Fall noch nicht einmal böse Absicht unterstellen möchte. Wenn das dann ein User entdeckt, wie in diesem Fall, dann sollte es irgendjemand geben, der versucht Schadensbegrenzung zu betreiben.

Kurz: es geht darum, mit der Technologie umgehen zu können, aber auch auf Kritik zu reagieren und die Kollegen vor unbedachten Aktionen zu bewahren. Connie Bensen definiert den Community Manager in ihrem Blogpost „Does the Enterprise Understand Community?“ so:

„The person in an organization that is the social media specialist and works cross-functionally and holistically to ensure that the business objectives in regard to social media are met. The primary objective is to serve as a translator between customers and prospects and the company and vice versa.“

Wie sieht aber die Community aus, um die sich der Community-Manager zu kümmern hat? Bensen unterscheidet nicht nur zwischen Kunden und Interessenten, sondern zählt auch die eigenen Kollegen dazu, das Beispiel Deutsche Oper zeigt, warum das wichtig sein kann.

„A community manager needs to support customers, prospects and colleagues. The three constituents have very different needs. Customers require excellent service and appreciation shown for their support of the brand. Prospects require information about the products and services that the company offers. Both will appreciate from information about additional services that will benefit them. And colleagues need training and support in best practices for utilizing social media to meet the objectives of their roles“,

schreibt Bensen. Hinter dieser sehr allgemeinen Erklärung verstecken sich jede Menge Herausforderungen:

  • Im Vorfeld muss geklärt werden, wie man mit denen umgeht, die via Blog, Twitter oder Facebook mit einem kommunizieren und dabei vielleicht unsachliche Kritik äußern. Das heißt, langfristig führt kein Weg an Richtlinien vorbei, in denen die wichtigsten Kommunikationsregeln zusammengefasst sind. Ohne die kann sich kein Community-Manager „richtig“ verhalten, denn es steht nirgendwo, was „richtig“ eigentlich bedeutet?
  • Zusammen mit dem Community-Manager muss vereinbart werden, welche Ziele er eigentlich erreichen soll und welche Verantwortung und Zuständigkeiten er übernimmt. Connie Bensen hat sich dazu vor einiger Zeit Gedanken gemacht und eine recht hilfreiche Auflistung erstellt.
  • In ihrer Auflistung ist in meinen Augen Punkt 6 besonders wichtig, nämlich auch intern als Web2.0-Botschafter aufzutreten. Community, das sind nämlich nicht nur die User da draußen, sondern auch alle Mitarbeiter. Richtig funktionieren wird das erst dann, wenn auch die Mitarbeiter nich nur gelernt haben, was Twitter & Co ist, sondern diese Tools auch zu nutzen gelernt haben.

Und da ist dann auch noch die Fähigkeit, sich im Social Web zu bewegen und mit den Usern (und den Mitarbeitern) kommunizieren zu können. Alles in allem eine verantwortungsvolle Aufgabe, die niemand mal so schnell nebenbei machen kann. Welche Gefahren lauern, zeigen die beiden Beispiele Deutsche Oper Berlin und die Pinakotheken in München.

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Warum das „einzig wahre Museum“ bei mir Unbehagen auslöst

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„Kultursponsoring ist tot –auf der Suche nach dem Dritten“, so betitelte Elisabeth von Helldorff ihren Vortrag, den sie letzte Woche im Rahmen des Symposiums „Kulturpolitur“ im Rendsburger Nordkolleg hielt und in dem sie sich Gedanken über die Zusammenarbeit von Kultubetrieben und Wirtschaftsunternehmen machte. Die Zusammenarbeit muss auf neue Beine gestellt werden, so eine Erkenntnis, die ich nicht nur aus dem Vortrag, sondern aus dem Symposium insgesamt mitnahm.

Die Veranstaltung fiel mir wieder ein, als ich heute bei Sebastian Hartmann den Beitrag über das „einzig wahre Museum“ las, einen von Warsteiner lancierten Wettbewerb auf Facebook, bei dem die Museen um die meisten Stimmen und ein Preisgeld kämpften. Von einem Museums-Krimi ist auf dem Blog der Brauerei zu lesen, den am Ende das Oldenburger Computer-Museum für sich entschied.

Ich möchte kein Spielverderber sein, aber für mich hat dieser Wettbewerb einen schalen Beigeschmack. Die Facebook-Seite von Warsteiner hat aktuell gut 12.300 Fans. Von denen wurden 1.768 Stimmen abgegeben und auf insgesamt 250 Museen verteilt, die sich am Wettbewerb beteiligten. Der Sieger erhielt am Ende 1.768 Euro, genau einen Euro pro abgegebener Stimme. Viele der Museen riefen ihre Fans dazu auf, sich an dem Wettbewerb zu beteiligen, was nur über eine Applikation auf der Warsteiner-Fanseite möglich war. Für die Aufmerksamkeit, die sie so auf diesen Wettbewerb lenkten, sind die 1.768 Euro, die Warsteiner am Ende als Preisgeld an das Oldenburger Computermuseum ausschüttete, ein Schnäppchen, zumal, wenn ich es richtig verstanden habe, alle anderen Museen leer ausgingen.

Für mich zeigt dieser Wettbewerb, dass zwischen den Kulturbetrieben und einem Wirtschaftsunternehmen kein Gleichgewicht herrscht, man begegnet sich nicht auf Augenhöhe. Für mich ist das keine Win-Win-Situation. Warsteiner hat sich mit Hilfe von insgesamt 250 Museen eine Aufmerksamkeit verschafft, die in meinen Augen mehr als die knapp 1.800 Euro wert ist. Aber vielleicht bin ich in meiner Sichtweise eingeschränkt und schätze das ganz falsch ein. Was meinen Sie?

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Politik in Österreich: Achtung Einsturzgefahr

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© Dieter Poschmann; Pixelio

Als im Rahmen der Wirtschafts- und Finanzkrise diverse Branchen mit nicht gerade wenig Geld „unterstützt“ wurden, konnte sich jeder, der um die Verschuldung der öffentlichen Haushalte bereits vor dieser Krise wusste, ausrechnen, was kommen würde. Es handelte sich ja um nicht vorhandenes Geld, das irgendwo und irgendwie wieder reingeholt werden muss.

Zu diesem Zweck hat die österreichische Regierung einen Budgetplan geschnürt, den sie Ende Oktober veröffentlicht hat. Relativ spät, wenn man bedenkt, dass das Jahr 2011 unmittelbar vor der Türe steht und es eines parlamentarischen Prozesses bedarf, damit aus diesem Budgetplan ein Budget wird. Die Einsparungen finden tatsächlich statt, aber die Art und Weise, wie gespart werden soll, überrascht dann doch ein wenig. Begründet wurde die Dauer des Entstehungsprozesses auf verschiedenste Weise, im Hintergrund schwang immer mit, dass es Zeit brauche, um auf die (budgetären) Herausforderungen unserer Zeit reagieren zu können.

Betrachtet man das Ergebnis, dann könnte man eigentlich eher denken, es sei der Regierung peinlich. Mir zumindest würde es so gehen, würde ich so etwas abliefern. Statt die seit Jahren geforderte Verwaltungsreform endlich anzugehen, vertut man sich die Zukunft, in dem in Bereichen gespart wird, die von entscheidender Bedeutung sind, wenn wir von Innovation und ähnlichen Dingen reden.

Dazu zähle ich auch Kunst und Kultur, wo natürlich auch gespart wird. Ein Aufschrei der Szene ist noch nicht erfolgt, denn die Kürzungen betreffen „nur“ die Auslandskultur, die im österreichischen Außenministerium angesiedelt ist und dort trotz vieler Konzepte nur ein (finanzielles) Schattendasein führt. In diesem Konzept heißt es, dass eine Steigerung des operativen Kulturbudgets am gesamten Außenamtsbudget von derzeit ca. 1,8% ( Euro 5 Mio.) auf 3% angestrebt werde. Gut, das Konzept stammt von 2001, aber wenn man nun im Budgetplan der Bundesregierung liest, dass im Bereich der Auslandskultur in den nächsten vier Jahren 1,6 Mio. Euro eingespart werden sollen, die wahrscheinlich nicht nur das operative Budget betreffen, dann stellt sich doch die Frage, ob man nicht besser konsequent sein sollte und einfach zusperrt. Zumindest das Auslandskulturkonzept würde ich von der Homepage nehmen, weil es mir einfach peinlich wäre.

Apropos Zusperren: dem Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien droht genau das. Die Bundesregierung spart nämlich nicht nur bei der Auslandskultur, sondern hat gleichzeitig den finanziellen Kahlschlag bei der außeruniversitären Forschung beschlossen. Mit Ausnahme der Akademie der Wissenschaften, der Ludwig-Boltzmann-Institute und des Institute of Science and Technology Austria erhalten alle außeruniversitären Forschungseinrichtungen ab 2012 keine Grundlagenfinanzierung mehr. Nicht weil sie so schlecht sind, sondern weil gespart werden muss.

Natürlich können sich die Forschungseinrichtungen weiter um Förderungen bemühen, aber im Fall des IFK heißt das laut NZZ, dass von 1,2 Mio. Jahresbudget 950.000 Euro auf einen Schlag wegfallen. Schön, wenn man das dann knapp zwei Monate vor Jahresbeginn erfährt, denn hier noch Ersatz zu beschaffen, dürfte unmöglich sein. Das heißt, viele dieser Forschungseinrichtungen werden die nächsten Jahre nicht überleben.

Wenn man zynisch sein möchte, könnte man sagen, die braucht es ja auch nicht, schließlich hat Österreich eh so wenig AkademikerInnen. Spaß beiseite: ich denke, wir müssen nicht darüber diskutieren, welche Konsequenzen das für den Standort Österreich hat, die Forschungseinrichtungen selbst versuchen, ihre Aktivitäten bereits zu bündeln und über die Plattform Wissen:Schaft:Österreich zu kommunizieren.

Die Frage ist für mich aber, was wir daraus lernen können? Für mich ist diese Art von „Sparen“ ein weiterer Hinweis dafür, dass die Politik in ihrer derzeitigen Form PolitikerInnen über keine Visionen und keinen Gestaltungswillen mehr verfügen. Aussagen über die Bedeutung von Forschung, Innovation oder auch Kunst und Kultur klingen hohl und unglaubwürdig. Ich fühle mich durch die Politik heute nicht mehr vertreten und natürlich gilt es sich zu überlegen, wie man dieses „Problem“ lösen kann. Die Unzufriedenheit wächst und aus ihr heraus entstehen dann hoffentlich Alternativen. Diese Unzufriedenheit existiert nicht nur in Österreich, aber speziell in diesem Land ist für mich klar: ich verlasse mich in Sachen Kunst und Kultur nicht mehr auf Aussagen und Versprechungen der PolitikerInnen, denn ich traue ihnen einerseits nichts, andererseits aber alles zu. Oder noch überspitzter formuliert: Kultureinrichtungen, die sich auf die Politik verlassen, handeln fahrlässig.

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Social Media: nicht die Technologien sind die Herausforderung

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© kaemte; Pixelio

Immer mehr Kultureinrichtungen zieht es ins Social Web, aber nur den wenigsten gelingt es, das Potenzial von Social Media auszuschöpfen. Sie richten ihre Accounts ein und beginnen, mit Hilfe von Facebook & Co zu kommunizieren. Aber nach einiger Zeit müssen sich viele eingestehen: die Erfolge bleiben hinter den Erwartungen zurück.

Michele Martin vom „Bamboo Project Blog“ hat solche Erfahrungen gemacht (und viele andere wahrscheinlich auch). In ihrem Beitrag „Embracing the ‚Social‘ in Social Media“ stellt sie fest, dass viele ihrer Kunden sich vor allem mit den Tools beschäftigen, die Kommunikationsaspekte aber vernachlässigen. Ihre Sorge gelte eher den richtigen Inhalten und nicht der Frage, worüber sich die UserInnen unterhalten und wie sie sich an diesen Unterhaltungen beteiligen können. Dabei hat sie ein paar für sie typische Fehler entdeckt.

So kommunizieren häufig nur ein oder zwei MitarbeiterInnen über die Social Media-Kanäle, was die Kontrolle über das, was veröffentlicht wird, natürlich erleichtert. Im Endeffekt werde, so Martin, das klassische Kommunikationsverhalten fortgeschrieben, bei dem Marketing und PR für die externe Kommunikation verantwortlich sind.

Da das Hauptaugenmerk der eigenen Onlinepräsenz und den eigenen Inhalten gilt, bleiben die Gespräche der anderen User unbeachtet, ein Einklinken in solche Unterhaltungen ist so nicht möglich, wird aber auch gar nicht angestrebt. Und noch etwas läuft falsch:

„Lack of involvement in using the tools from top managers. If you haven’t used Twitter, Facebook, blogs, etc., it’s difficult to understand their particular strengths and challenges. You aren’t able to understand their potential power and make good decisions about how to utilize it,“

schreibt Martin, die von einem Verhalten aus der Frühphase von Social Media spricht. Für die meisten ist Social Media eine andere Version von TV, Zeitung, Jahresbericht oder Broschüre.

Bis jetzt war die Autorin der Meinung, dass es am sinnvollsten sei, ihren Kunden erst beizubringen, wie man twittert, bloggt oder eine Fanseite auf Facebook betreibt, um ihnen dann zu zeigen, wie man richtig kommuniziert. Aber, so konstatiert Martin, dieser Ansatz funktioniert nicht, denn wer nur die Tools bedienen kann, aber nicht weiß, wie man mit Hilfe dieser Tools Gespräche führt, wird bald enttäuscht sein, wenn sich die erwarteten Erfolge nicht einstellen. In solch einer Situation ist es schwer, genügend Zeit und Energie für den Aufbau und Erhalt von Communitys zu investieren.

Für Martin stellt sich daher die Frage,

„(…) if it doesn’t make more sense to work with them first on embracing the culture and principles of social media before even getting into the technology piece“.

daraus schlussfolgert sie:

„My challenge is to find a way for people to see and embrace the social aspect more quickly. Without that, their efforts will be wasted.“

Ich muss gestehen, ich stehe vor der gleichen Herausforderung. Auf Twitter oder Facebook einen Account einzurichten oder ein Weblog aufzusetzen, das ist schnell passiert. Die wirklichen Herausforderungen warten an anderer Stelle, denn der Erfolg besteht nicht darin, möglichst schnell möglichst viele Follower, Fans oder LeserInnen zu haben, sondern an Unterhaltungen teilnehmen zu können. Klingt banal, ist es aber nicht.

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Welchen Gestaltungsspielraum hat die kommunale Kulturpolitik, fragt der nächste Treffpunkt KulturManagement am 17. November

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© Ernst Rose; Pixelio

Wo sperrt das nächste Theater oder Museum zu?“ habe ich vor einigen Tagen in einem Blogbeitrag gefragt und darin unter anderem das Fehlen kulturpolitischer Konzepte kritisiert. Nun ist Kulturpolitik nicht gleich Kulturpolitik, vor allem in den föderalen Strukturen Deutschlands. Kulturpolitik, das ist das Zusammenspiel von Entscheidungen, die auf lokaler, Landes-, Bundes- und EU-Ebene getroffen werden.

Welche Gestaltungsspielräume haben dabei eigentlich kommunale KulturpolitikerInnen? Können sie angesichts meist leerer Kassen wirklich noch gestalten oder kommt ihnen eher die Rolle des Nachlassverwalters zu, dessen Aufgabe darin besteht, zu kürzen und zu schließen. Um diese Frage geht es am kommenden Mittwoch, den 17. November im nächsten Treffpunkt KulturManagement, zu dem wir als Gast Peter Vermeulen begrüßen dürfen.

Vermeulen ist seit Mai 2006 Dezernent für  Schule, Jugend und Kultur bei der Stadt Mülheim a.d.Ruhr und Honorarprofessor für strategisches Kulturmanagement an der Hochschule Merseburg (FH). Er ist studierter Wirtschaftswissenschaftler, war zunächst Geschäftsführer des Kulturzentrums „Weberei“ in Gütersloh und danach fast 20 Jahre als geschäftsführender Gesellschafter für die Unternehmensberatung ICG Culturplan tätig. Somit ist er einer der wenigen Experten, die in der Kulturpolitik alle drei Seiten kennen: den Kulturbetrieb, die Wirtschaft und die Verwaltung

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme bei der in der Regel monatlich stattfindenden Veranstaltung ist kostenlos, die Installation einer Software ist nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Wenn Sie mehr zur Plattform wissen wollen, David Röthler hat auf Slideshare eine Kurzanleitung für Adobe Connect zur Verfügung gestellt.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 17.11.2010 von 9:00 bis 10:00
Thema: Kommunale Kulturpolitik
Gast: Peter Vermeulen

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement/

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NPO-Blogparade: rechnen sich Freunde, Fans und Follower?

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© Gerd Altmann; Photoopia

Um eine spannende und wohle viele bewegende Frage geht es in der 18. Runde der NPO-Blogparade, die von Joerg Eisfeld-Reschke, einem der Macher der Plattform Fundraising 2.0 gehostet wird:

„Wie kann es gelingen, dass sich Freunde, Fans und Follower für uns auszahlen?“

fragt er in seinem Aufruf zur Teilnahme, dem bis jetzt erstaunlicherweise noch nicht sehr viele gefolgt sind. Denn eigentlich müsste dieses Thema doch allen unter den Fingern brennen, schließlich stellen sich alle, die das Thema Social Media nicht nur zum Zeitvertreib angehen, genau diese Frage.

„(W)ie können diese Unterstützer für eine Organisation, eine Einrichtung oder Initiative erfahrbar Nutzen stiften?

„Auszahlen“, das klingt im ersten Moment nach Geld. Das heißt, ich könnte eigentlich auch fragen, ob sich meine Investitionen in Sachen Social Media auszahlen und wenn ja, bis wann? Würde man diese Frage auf die Deutsche Bahn münzen, dann ließe sie sich wahrscheinlich recht genau beantworten. Das Chefticket gabe es via Facebook und das nur eine begrenzte Zeit und ich vermute, in dieser Zeit konnte das gesamte Ticketkontingent auch verkauft werden. Die Antwort auf die Frage, wie es gelingen kann, dass sich die Freunde, Fans und Follower auszahlen, müsste lauten: verkaufe ein knappes Gut, nämlich billige Tickets. Das ganze Trara drumherum kann man rückblickend vergessen, die Aktion hat sich für die Bahn ausgezahlt.

Aber es handelt sich ja um eine Frage im Rahmen der NPO-Blogparade und als NPO kann man die Bahn nun nicht bezeichnen. Beziehen wir die Frage auf Nonprofit-Organisationen, dann ist es nicht ganz so leicht darauf zu antworten, denn die haben meist kein knappes Gut, um das sich die Menschen reissen. Es ist eher umgekehrt, das knappe Gut sind die UnterstützerInnnen.

Gehen wir  aber mal davon aus, dass wir irgendeine Nonprofit-Organisation vor uns haben, die auf der Suche nach Unterstützung ist, entweder in Form von Geld oder in Form von ehrenamtlicher Mitarbeit. Wer oder was kann beeinflussen, dass aus den Freunden, Fans oder Followern diejenigen werden, die Geld oder Mitarbeit zur Verfügung stellen?

Erstens geht es wahrscheinlich darum, worin die Leistung besteht und wie hoch die Kosten sind, um als UnterstützerIn diese Leistung zu erbringen. Arbeite ich gerne mit oder fällt es mir leicht, eine bestimmte Geldsumme zu erübrigen und zu transferieren, dann ist die Hürde relativ gering, vermute ich. Dafür muss vorausgesetzt werden, dass ich mich mit der Sache identifizieren kann, das sie mir wichtig ist. Je wichtiger sie mir ist, desto unwichtiger darf für mich derjenige sein, der diese Leistung anbietet.

Womit wir bei Punkt zwei sind, nämlich dem Umkehrschluss aus dem letzten Satz, der dann lautet: je wichtiger mir der Leistungserbringer ist, desto geringer kann der Grad der Identifizierung mit der Sache sein. Gerald Czech bringt in seinem Beitrag zur Blogparade mit dem Team Österreich ein recht schönes Beispiel. Auf der einen Seite ist dieses von Rotem Kreuz und Ö3 initiierte Projekt in der Sache toll, was wahrscheinlich viele dazu bewogen hat, mitzumachen. Auf der anderen Seite übt aber auch die Aussicht, Teil einer Community zu sein, in der ich eine enge Verbindung mit Rotem Kreuz und Ö3 eingehen kann, eine erhebliche Anziehungskraft aus. Für letztere ist es vielleicht gar nicht so wichtig, um was es konkret geht, für sie ist es schon toll, dabei sein zu dürfen.

Das heißt, wer möchte, dass sich seine Freunde, Fans oder Follower auszahlen, der muss einige Punkte beachten:

  1. die Reputation der Institution, von der die Initiative ausgeht,  muss möglichst groß sein.
  2. die Sache, um die es geht, muss für die UnterstützerInnen einen möglichst hohen Wert besitzen (monetär oder ideell).
  3. das Angebot, sich einzubringen, in welcher Form auch immer, muss möglichst niederschwellig sein, damit die UnterstützerInnen in möglichst großer Zahl darauf eingehen.

Eigentlich ist es dabei egal, ob es sich um monetäre oder sonst eine Form der Unterstützung handelt, wichtig ist, dass es gelingt, mindest einen der drei Regler hoch genug zu drehen. Was bedeutet das im Kontext von Social Media? Eigentlich nicht viel. Reputation erwerbe ich mir auch im Social Web nicht von heute auf morgen, d.h. es dauert, bis man die ersten erfolgversprechenden Aktionen starten kann. Die Sache, um die es geht, wird meist außerhalb des Social Web liegen, egal ob es die Spendenaktion für Pakistan oder ein Museum ist.

Bleibt noch die Niederschwelligkeit, hier steckt wahrscheinlich das größte Potenzial von Social Media, denn über die verschiedenen Kanäle komme ich (fast) so nah an die UnterstützerInnen heran wie im richtigen Leben und das im Idealfall in weit größerer Zahl. Der Unterschied liegt daher für mich nicht so sehr in der Nähe zu den UnterstützerInnen, sondern in der Zahl derer, die ich auf diese Weise erreichen kann. Passen alle diese Punkte zusammen, dann rechnen sich meine Freunde, Fans und Follower sehr wohl, egal ob im NPO- oder im Kunst- und Kulturbereich.

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Warum Sie nicht nur auf Facebook setzen sollten

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In Kürze wird Facebook 600 Millionen Mitglieder haben, womit die Plattform alle anderen Netzwerke weit hinter sich gelassen hat. Vermutlich wird es auch die hohe Mitgliederzahl sein, die viele dazu verführt, sich bei den Social Media-Aktivitäten auf Facebook zu beschränken. Viele Mitglieder, schnell zwei, drei Sätze geschrieben und ein Foto hochgeladen, das ist schnell passiert. Und wenn dann noch ein paar Fans das Posting „liken“, dann passt doch alles.

Ich sehe das anders und bin davon überzeugt, dass die Formel Facebook = Social Media mittel- und langfristig nicht aufgehen wird. Ich könnte versuchen, meinen Standpunkt zu argumentieren und Sie so davon überzeugen, dass zumindest ein „kleines“ Blog eine tolle Sache wäre. Nicht statt Facebook, sondern neben Facebook.

Bevor ich jetzt mit Argumenten komme, empfehle ich Ihnen, das Blogpost „Hijacking? – Wenn ein Tourismusverband Facebook entdeckt…“ von Hannes Treichl zu lesen. Wenn Ihnen ähnliches widerfahren würde, und das kann jederzeit passieren, dann müssten Sie auf der Stelle wieder bei Null beginnen. Ein hohes Risiko, finden Sie nicht?