Monthly Archives of: Februar 2011

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Authentisches Kulturmarketing: das neue eBook von Adam Thurman

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Das Mission Paradox Blog von Adam Thurman gehört zu meinen persönlichen Blogfavoriten. Immer wieder habe ich von ihm in den letzten Jahren wertvolle Anregungen erhalten und ihn des öfteren hier im Blog zitiert. Nun hat er vor kurzem ein knapp vierzigseitiges eBook unter dem Titel „Authentic Arts Marketing“ veröffentlicht, in dem er sein Grundverständnis von Kulturmarketing zu erklären versucht.

In seinem eBook gehe es nicht um Kulturmarketing erklärt Thurman, sondern

„This is a little book about how your art can improve people’s lives“,

erklärt Thurman gleich zu Beginn und gibt sich davon überzeugt,

„that when art is created with passion, love and skill at its core, there is an audience of people that need to see it“.

Die Verbindung herzustellen zwischen dieser Kunst und denen, die diese Kunst etwas „bringt“, das ist seiner Meinung nach die Herausforderung für Kulturbetriebe und dabei möchte er sie mit diesem eBook unterstützen.

Das Marketing von Kultureinrichtungen beziehe sich meist, so schreibt er in seiner Einleitung, auf die Programminhalte, d.h. beworben wird ein konkretes Ereignis, das zu einer bestimmten Zeit stattfindet. Die Frage, wer sich dabei durchsetzt, lässt sich für ihn leicht beantworten:

„The winners tend to be those individuals or organizations with an established reputation and plenty of money to invest in their programmatic marketing.“

Kunst ist für Adam Thurman aber etwas, an das die Menschen glauben müssen und hier ist die Marktsituation eine ganz andere, denn „The market for something to believe in is infinite“ zitiert Thurman Hugh MacLeod. Auf dieser Ebene geht es für ihn um ganz andere Dinge, um die künstlerischen Ansprüche und um die Werte, die diese künstlerische Arbeit tragen. Die daraus resultierende Auhentizität ist es, die die Menschen dazu bringt, sich die Zeit für die Kunst zu nehmen und das entsprechende Geld dafür auszugeben. Thurmans „authentic arts marketing“-Ansatz arbeitet auf dieser Ebene und besteht aus drei Prozessschritten:

  1. „Define your artistic purpose and use it to make strategic marketing decisions;
  2. Define your values and create ways to make them tangible;
  3. Enable your internal stakeholders (employees, fellow artists, volunteers, etc) to act as messengers of your mission.“

Wie sich diese drei Schritte umsetzen lassen, erklärt Thurman in seinem eBook nicht nur, sondern gibt dank sehr konkreter Fragen seinen LeserInnen die Möglichkeit, das Gelesene gleich auf die eigene Arbeit anzuwenden. Insofern ist das PDF vor allem eine Handlungsanleitung, die man ohne viel lesen zu müssen, sofort nutzen kann.

Voraussetzung dafür ist ein eigenes „Mantra“, was vielleicht für viele zu esoterisch klingen mag. Wenn ich Thurman richtig verstanden habe, dann geht es hier um die Vision, in der die Frage beantwortet wird, woher die Begeisterung für die eigene künstlerische Arbeit stammt. Allerdings ist sein Fokus eben auf das Publikum, auf die Verbindung von Kunst und Publikum gerichtet. Diese Verbindung entsteht aber nicht nur durch die Begeisterung, sondern benötigt gemeinsame Werte, d.h. die künstlerische Arbeit bzw. Kulturmarketing umfasst nicht nur die operative und strategische Ebene, sondern auch die normative, die Werteebene.

Der gemeinsame Glaube an die Kunst und ein gemeinsames Werteverständnis sind für den Autor die Grundlage für den Aufbau einer „internal army“, wie er es in Kapitel 3 nennt. Unter dem Motto „Unleash the power of your internal stakeholders“ setzt Thurman auf die Überzeugungskraft all derer, die ein begründetes Interesse am Erfolg der künstlerischen Arbeit haben. Sein Word of Mouth-Ansatz mündet in der Frage

„What am I going to tell my friend about?“

Eingebunden in die Marketingaktivitäten ist das für Thurman der Schlüssel zum (Marketing)-Erfolg, wie er sie in seiner Geschichte auf Seite 28 beschreibt. Wie man die Stakeholder zu Botschaftern der eigenen Arbeit macht, verrät Adam Thurman ganz am Ende seines eBooks in Form von fünf Tipps. Sein Ratschlag:

„Never forget that the keys to creating the sort of word of mouth that will cause your art to thrive are all around you. They are the people who make your art possible.“

Ein lesenswertes und in meinen Augen hilfreiches eBook, hier ist noch einmal der Link.

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Die EU veröffentlicht die Ergebnisse des letzten Calls im Kulturförderprogramm

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Im letzten Herbst konnten Kultureinrichtungen – wie jedes Jahr – in Brüssel ihre Anträge einreichen, nun wurde die Listen der geförderten Projektvorhaben veröffentlicht. Im Aktionsbereich 1.1. in dem Projekte mit einer Laufzeit von bis zu 5 Jahren gefördert werden, erhielten insgesamt 10 Vorhaben eine Zusage, drei davon wurden von französischen Kultureinrichtungen eingereicht. Der deutschsprachige Raum ist hier relativ schwach vertreten, nur die Szene in Salzburg war mit ihrer Einreichung erfolgreich. Als Partner sind aber deutsche und österreichische Kultureinrichtungen dabei. Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, hier finden Sie die Auflistung und die Beschreibung der geförderten Projekte.

Sehr viel länger ist die Liste der im Rahmen von Aktionsbereich 1.2.1. geförderten Projekte. In diesen Bereich fallen die klassischen Kunst- und Kulturprojekte, die maximal 2 Jahre dauern dürfen und bis zu 200.000 Euro an Fördergeldern aus Brüssel erhalten können. Vor allem österreichische Kultureinrichtungen waren hier sehr erfolgreich, in neun Projekten (von insgesamt 103 geförderten Vorhaben) sind sie Leading Partner, deutsche Kultureinrichtungen waren in dieser Rolle zehnmal erfolgreich. Auch hier gibt es neben der Auflistung der Projekte ein Dokument mit den Projektbeschreibungen.

Es lohnt sich, einen Blick auf die geförderten Projekte zu werfen, denn Sie können sich so ein Bild machen, mit welchen Ideen man derzeit Chancen hat, in Brüssel Geld zu kommen.

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Facebook: Kommunikation ist jetzt noch wichtiger

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Öfter mal was Neues, unter diesem Motto hat uns Facebook einige Änderungen bei den Pages oder wie man früher gesagt hat, bei den Fanseiten beschert. Neu und in meinen Augen sehr praktisch ist die Möglichkeit, auf diesen Fanseiten nun nicht nur als Seite kommunizieren zu können. Die AdministratorInnen haben die Möglichkeit, dort auch unter ihrem persönlichen Profil Beiträge zu verfassen, zu kommentieren bzw. die der anderen mit dem Like it-Button zu bewerten.

Wie das alles im Detail funktioniert hat Annette Schwindt in einer siebenteiligen Blogserie genau erklärt und daraus ein kleines eBook gemacht. Darin erwähnt sie auch die zweite grundlegende Veränderung, nämlich die veränderte Anordnung der Beiträge auf den Fanseiten. Waren die bisher chronologisch angeordnet, erscheinen sie jetzt entsprechend ihrer Relevanz. Was für uns relevant ist, ergibt sich aus dem Edgerank Algorithmus, den Facebook einsetzt. Was das ist und wie er funktioniert, bekommen wir in diesem Video erklärt.

Laut Facebookbiz sind es vor allem drei Kriterien, die darüber entscheiden, in welcher Reihung die Beiträge für die Fans zu sehen sind:

  • „Die Affinität des Nutzers zur Facebook Seite – Wie oft ruft er diese auf und wie oft interagiert er mit dieser Seite?
  • Gewichtung der Beiträge – Beiträge die beispielsweise einen Link enthalten, bekommen von Facebook eine höhere Gewichtung zugeteilt.
  • Das Alter der Beiträge – Je älter ein Beitrag ist, desto niedriger bewertet Facebook diesen.“

Ähnlich formuliert es auch Annette Schwindt in einem Blogpost, in dem sie auch nach etwaigen Konsequenzen für die Seitenbetreiber fragt, denn, so Schwindt: „Keine Interaktion = wenig Sichtbarkeit.“ Facebook hat mit dem Edgerank das Prinzip der Startseite, auf dem wir unseren Newsfeed sehen, auch auf die Fanseiten übertragen. Das bedeutet: viele Fans zu haben ist zwar eine feine Sache, aber entscheidend ist, dass man bei diesen Fans auch im Newsfeed auftaucht, sonst wird man gar nicht wahrgenommen. Wer bis jetzt seine Fanseite nur mit Informationen gefüttert hat und sich um die Interaktion mit den Fans nicht gekümmert hat, bekommt Probleme.

Die Analyse meines Newsfeeds zeigt mir, dass dort nur sehr wenig Kultureinrichtungen auftauchen, genauer gesagt zwei. Das sind genau die, mit denen ich in den letzten Tagen kommuniziert habe. Alle anderen tauchen im Newsfeed nicht auf. Sehr wohl finden sich darin aber Personen, die über ihr persönliches Profil mit mir kommunizieren und die Fanseite(n) von Kultureinrichtungen betreiben. Daraus ergibt sich für mich die Frage, ob es nicht sinnvoll ist, dass man, um die eigene Fanseite zu stärken, nicht auch auf persönliche Profile setzen sollte? Und zwar die der AdministratorInnen der Fanseite. Ich habe auf der folgenden Skizze versucht, mögliche Kommunikationswege zu skizzieren.

Als Fanseite kann ich, so ich mich von meiner eigenen Seite wegbewege, lediglich auf anderen Seiten, die ich „geliked“ habe, kommunizieren. Meine Fans erreiche ich eigentlich nur auf meiner Seite. Da habe ich mit einem persönlichen Profil  doch wesentlich mehr Möglichkeiten, wie man unschwer erkennen kann. Es gibt nicht nur mehr Möglichkeiten, sondern die Kommunikation kann dank Listen und Gruppen sehr gezielt stattfinden.

Meine These: Kultureinrichtungen können auf die persönlichen Profile ihrer MitarbeiterInnen und die dort stattfindende Kommunikation spätestens jetzt nicht mehr verzichten. Es gilt, ein möglichst umfassendes Kommunikationsnetz auf Facebook zu knüpfen, um die gewünschte Aufmerksamkeit zu erhalten. Dass das nicht nur über reine Ankündigungen passieren kann, ist klar. Themenfelder müssen gefunden und besetzt werden, was nur über Inhalte möglich ist, die den Freunden und Fans einen Mehrwert liefern. Kultureinrichtungen, die das nicht hinbekommen, werden auf Facebook zwar vertreten, aber nicht sichtbar sein.

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„Arbeitsmarkt Kulturmanagement“ als Thema des nächsten Treffpunkt KulturManagement am 23. Februar 2011

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Als sich vor fünf Jahren Manuela Kohl und Tasos Zembylas mit dem beruflichen Umfeld von KulturmanagerInnen beschäftigten (SWS-Rundschau 04/2006: „Junge KulturmanagerInnen – Berufsfeld, Berufseinstieg, Berufsbedingungen“ PDF, siehe auch dazu meine Beiträge „Berufsfeld Kulturmanagement“ Teil I, Teil II), wurde von den Arbeitgebern vor allem kunst- und kulturspezifisches Fachwissen verlangt. Eine aktuelle, von Carsten Winter und Christopher Buschow durchgeführte Untersuchung kommt zu ganz anderen Ergebnissen (siehe dazu: KM-Magazin 47: „Arbeitsmarkt für Kulturmanager“ S.4ff PDF). Gefragt sind vor allem Praxis- und Berufserfahrung, IT- bzw. PC-Kenntnisse sowie das Beherrschen möglichst vieler Fremdsprachen.

Die Untersuchung basiert auf der Analyse der in den letzten sechs Jahren auf Kulturmanagement Network veröffentlichten Stellenanzeigen und beschäftigt sich dabei nicht nur mit der Frage, ob sich die von den Arbeitgebern geforderten Qualifikationen geändert haben, sondern ob die geforderten Kompetenzen auch in den entsprechenden Studiengängen ausgebildet werden? Ihre Arbeit liefert interessante Einblicke in das Berufsfeld Kulturmanagement und hilft uns, den Personal- und Arbeitsmarkt in dieser Branche besser zu verstehen.

Auf der Grundlage dieser Ergebnisse gibt Dirk Schütz von Kulturmanagement Network im nächsten Treffpunkt KulturManagement am 23. Februar von 9 bis 10 Uhr Einblicke in den „Arbeitsmarkt Kulturmanagement“ und fasst dabei die wichtigsten Ergebnisse der von Carsten Winter und Christopher Buschow durchgeführten Untersuchung zusammen. Welche Qualifikationen werden benötigt und wo kann man sie erwerben, das sind wichtige Fragen für alle, die entweder gerade auf Jobsuche sind oder mit dem Gedanken spielen, ein Kulturmanagement-Studium zu beginnen.

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software ist nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Wenn Sie mehr zur Plattform wissen wollen, David Röthler hat auf Slideshare eine Kurzanleitung für Adobe Connect zur Verfügung gestellt.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 23.02.2011 von 9:00 bis 10:00
Thema: Arbeitsmarkt Kulturmanagement
Impulsvortrag: Dirk Schütz (Kulturmanagement Network)

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement/

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Noch ein Nachtrag zu Taten.Drang.Kultur

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Fast jede Konferenz, jede Veranstaltung bekommt einen nach Möglichkeit aussagekräftigen und idealerweise auch orginellen Titel verpasst. „netz.macht.kultur“ heißt es zum Beispiel im Juni beim Bundeskongress der Kulturpolitischen Gesellschaft, „Taten.Drang.Kultur“ war der Kongress in Ludwigsburg überschrieben. Während beim ersten Beispiel das Wort „machen“ im Titel steckt, eine klare Aufforderung aktiv zu werden, ist im zweiten Beispiel von „Tatendrang“ die Rede. Auch das klingt nach, ja Tatendrang eben.

Wäre so eine Konferenz nicht ein guter Anlass, mit dem Machen, den Taten zu beginnen und selbst aktiv zu werden? Und das vielleicht irgendwo im Social Web? Ich weiß, die meisten von Ihnen haben ein Facebook-Profil, nur ist diese Plattform nicht wirklich der geeignete Ort, um Diskussionen über die Zukunft von Kunst, Kultur oder Kulturmanagement zu führen. Dabei haben wir in Ludwigsburg festgestellt, dass diese Diskussionen geführt werden müssen, oder? Wenn ich den Kongress auf Google suche, dann finde ich dort nur Hinweise auf meine zwei Blogbeiträge. Vielen Dank, Sie sind alle sehr nett zu mir. Marketingtechnisch gesehen müsste ich jetzt ganz still sein und mich freuen, dass sonst niemand zu diesem Thema etwas schreibt.

Für das Kulturmanagement – und in Ludwigsburg ging es immerhin auch um die nächsten 20 Jahre – ist das fatal. Wo sind Ihre Meinungen und Ansichten? Treffen wir uns erst in 10 Jahren wieder, um dann 30 Jahre Ludwigsburg zu feiern? Dabei bietet sich das Social Web doch dafür an. Wohl deshalb auch die vielen Diplomarbeiten. Aber warum wollen plötzlich alle StudentInnen über Kultur und Social Media ihre Abschlussarbeiten schreiben und fangen mit dem Schreiben nicht einfach im Social Web an? Warum gibt es keine ExpertInnen aus diesem Bereich, die hier ihre Gedanken öffentlich machen und Diskussionen in Gang bringen? Wo sind die Debatten, die ja geführt werden müssen? Hier wird die Debatte zumindest versucht. Ja, ich weiß, die Zeit. Ich habe in den letzten zwei Tagen auch keinen Beitrag geschafft. Ja und? Gibt es nicht viele Dinge, die Sie gerne tun und dann trotz fehlender Zeit irgendwann mal angehen? Es ist fatal, wenn am Ende immer die fehlende Zeit herhalten muss.

Wenn das wirklich das Argument ist, dann ziehen Sie bitte den Hut vor Heinz Koch, der nicht nur im Social Web aktiv ist, sondern „nebenbei“ noch das AuGuS-Theater am Leben erhalten muss. Was er schafft, werden Sie – zumindest in Ansätzen – auch schaffen, oder? Sonst schlage ich schon jetzt für zukünftige Kulturmanagement-Veranstaltungen den Titel „hier.ruht.kulturmanagement“ vor.

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Taten.Drang.Kultur: Kulturmanagement als Kolateralschaden?

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Wer beim Kongress Taten.Drang.Kultur in Ludwigsburg dabei gewesen ist, wird vielleicht ein ähnliches Fazit wie Dirk Heinze ziehen. Den meisten Punkten stimme ich uneingeschränkt zu, die Organisation war wirklich sehr professionell (noch einmal danke an die OrganisatorInnen!!), es gab sehr spannende Vorträge mit durchaus provokanten Thesen und das in einer Atmosphäre, die ich auch als angenehm erlebt habe.

Bleibt die Frage nach der Kernbotschaft. Hat die wirklich gefehlt? In meinen Augen nicht. Immer wieder wurde in verschiedenen Vorträgen festgestellt, dass es zusehends schwieriger wird, sich auf die öffentliche Hand zu verlassen. Die Apparate sind zu schwerfällig und ihnen fehlen die nötigen finanziellen Mittel, um sich mit ihrer Hilfe fit für die Zukunft zu machen, so der Tenor.

Das klang auf dem Kongress und wahrscheinlich jetzt auch hier, wo ich diese Sätze schreibe, ziemlich ungerecht, denn in den Kulturabteilungen sitzen nicht Menschen, die Kunst und Kultur verhindern wollen, sondern viele, die alles dafür tun, damit in diesem Bereich etwas weiter geht. Es sind auch gar nicht die Menschen, sondern es ist das System, das uns in seiner Starrheit daran hindert, auf die anstehenden Veränderungen zu reagieren. Es ist ein System, das genau dafür geschaffen worden ist, einer Gesellschaft Stabilität zu verleihen und abrupte negative Veränderungen zu verhindern. Je unabhängiger eine Verwaltung von politischen Strömungen ist, desto größer die Garantie, dass sich diese Verwaltung nicht missbrauchen lässt.

Schnelle Veränderungen sind daher nicht möglich, unabhängig von der Frage, ob sie wünschenswert sind oder nicht. Dieses Dilemma, das in den Ausführungen von Peter Vermeulen, der als Gründer von culturplan mittlerweile die Seite gewechselt hat und in der Stadt Mühlheim an der Ruhr als Dezernent für die Kultur zuständig ist, am deutlichsten zu Tage trat, muss aufgelöst werden, wenn wir Veränderung auch auf dieser Ebene wollen. Aber wir müssen uns auch die Frage stellen, ob wir das wirklich wollen, ob wir das Risiko eingehen wollen?

Ein möglicher Ausweg, und damit bin ich bei der Kernbotschaft, die ich für mich mitgenommen habe, wurde von Pius Knüsel, dem Direktor von Pro Helvetia, ganz am Ende der Veranstaltung aufgezeigt. KulturmanagerInnen sollten versuchen, so eine seiner Thesen, sich von der öffentlichen Kulturförderung zu lösen und dadurch unabhängig zu werden. Mit seiner Forderung knüpfte er an den Vortrag des Soziologen Albrecht Göschel an, der den Kongress mit seinem Vortrag „20 Jahre Kulturmanagement in Deutschland“ eröffnet hatte und darin die kulturpolitischen Reformbestrebungen der 1970er Jahre als Ausgangspunkt für die Entstehung und Entwicklung des Kulturmanagement bezeichnete.

Überspitzt formuliert könnte man Kulturmanagement auch als Kolateralschaden dieser Reformpolitik bezeichnen, denn die Parole „Alles ist Kultur“ führte dazu, dass der Kunst- und Kulturbereich vor allem eines benötigte: mehr Geld. Man wusste zwar, so Göschel, dass die Kultur wichtig sei, konnte das aber nicht begründen. Da man gleichzeitig sah, dass Kultur auch auf Märkten funktionierte, versuchte man, Kunst marktfähig zu machen. Und genau dafür benötigte man nun KulturmanagerInnen, woraus Göschel ableitete,  im Kulturmanagement werde die Reformbewegung der 1970er Jahre fortgesetzt.

In seinem Vortrag konstatierte Knüsel, an Göschel anschließend, dass das Kulturmanagement sich so im Laufe der Jahre zum HandlangerErfüllungsgehilfen der Kulturpolitik gemacht habe. Die Verbindung von „Mikromanagement und Makropolitik“ führe zu einer Verbindung, die der Kultur eher schade als nutze.

Was aber sind die Alternativen? Ist es wirklich zielführend, wenn KulturmanagerInnen versuchen, sich aus der finanziellen Abhängigkeit von der öffentlichen Hand zu lösen und auf Sponsoren und Spender zu setzen?

Der Vortrag von Michael Drautz, dem kaufmännischen Geschäftsführer des Festspielhauses Baden-Baden zeigte, dass es nicht ganz so einfach ist, sich „privat“ zu finanzieren. Das Haus bekommt immer noch öffentliche Gelder und kann trotzdem nicht von den Ticketeinnahmen leben. Sponsoren müssen gefunden werden, um am Ende dann zumindest eine schwarze Null zu schaffen.

Aber vielleicht ist es auch nur einfach ein Mehr an unternehmerischem Denken, das die Kultureinrichtungen weiter bringt? Drautz schilderte recht ausführlich, wie sie es mit Hilfe ihres CRM-Systems geschafft haben, noch besser auf die Wünsche ihrer BesucherInnen eingehen zu können.

Wer sich selbst dazu nicht in der Lage sieht, kann sich von BeraterInnen unterstützen lassen. „Hilfe, die Berater kommen!“ war der Vortrag von Dieter Haselbach, Professor für Soziologie und Geschäftsführer der ICG culturplan Unternehmensberatung überschrieben. Sein Vortrag war für meinen Geschmack zu sehr als Werbeauftritt konzipiert und beschränkte sich außerdem zu sehr auf den betriebswirtschaftlichen bzw. kaufmännischen Bereich. Eigentlich ist das schade, denn (Kultur)-Beratung ist für mich mehr als das Know-how in diesen beiden Bereichen.

Zusammenfassend war für mich in Ludwigsburg ein Trend erkennbar, der für Kultureinrichtungen weg von den öffentlichen Fördertöpfen hin zu unternehmerischer Eigeninitiative führt. Nun können Sie das auf Grund der gewachsenen Strukturen und der Tradition, Kunst und Kultur öffentlich zu fördern, natürlich kritisieren. Die Frage ist aber, ob wir es hier nicht bald (oder vielleicht schon jetzt) mit der normativen Kraft des Faktischen zu tun haben. Die Kassen der öffentlichen Haushalte sind leer und werden sich auch nicht so schnell wieder füllen. Eigeninitiative wird also, so meine persönliche Schlussfolgerung, immer mehr gefragt sein. Klar ist aber auch, dass Kulturmanagement dann vielleicht als eine Art Kolateralschaden entstanden ist, seine Bedeutung nimmt aber, so man den Aussagen und Thesen der Vortragenden Glauben schenken darf, in dieser Phase des Wandels immer weiter zu. Wie man diesen Wandel bewältigen kann, konnte man auch in den verschiedenen Fachforen erfahren.

Leider habe ich sie alle verpasst, da ich selbst beim Thema Social Media dabei war. Aber das Kulturmanagement Network wird in der nächsten Ausgabe des KM-Magazins ausführlich vom Kongress berichten und außerdem ist ein Tagungsband geplant. Sie verpassen also nichts. ;-)

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Social Media: Vergangenheit, Zukunft, Gegenwart

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Vor ein paar Tagen hat der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) seine „10 Thesen zur Zukunft von Social Media in 2011“ veröffentlicht. Wer sich seit längerer Zeit mit dem Thema beschäftigt, wird darin keine wirklichen Neuigkeiten herauslesen können, aber die Tatsache, dass sich der BVDW  mit dem Social Web beschäftigt und in seinem Thesenpapier festhält, Hobby-Lösungen mit Praktikanten hätten ausgedient, zeigt, dass das Thema Social Media nicht mehr nur als Hype gesehen wird, den es auszusitzen gilt. Wobei es eigentlich unsinnig, darüber zu debattieren, ob es sich bei einer Entwicklung nun um einen Hype handelt oder nicht.

Hypes folgen – gerade im Technologiebereich – immer einem bestimmten Muster. Dieser Hype -Zyklus ist per se weder positiv noch negativ zu sehen, sondern er bildet bestimmte Gesetzmäßigkeiten ab, z.B. unsere menschliche Neugierde, wenn es um etwas Neues geht. Ob man diesen Hype nun positiv oder negativ sieht, hängt eigentlich davon ab, in welcher Form ich durch diese Entwicklung in meiner Arbeit tangiert werde. Während sich ein Technologieunternehmen unter Umständen sehr intensiv mit den Entwicklungen auseinandersetzen muss, berühren diese ein kleines Heimatmuseum wahrscheinlich nicht wirklich. Oder anders formuliert, wenn meine Kunden Early Adopter dieser Technologie sind, dann muss ich mich mit diesem Thema auseinandersetzen, gehören sie hingegen zu der Gruppe, die erst sehr spät auf den Zug aufspringt, kann man sich die Sache erst einmal in aller Ruhe anschauen. Die folgende Grafik veranschaulicht das recht schön:

Quelle: Wikipedia

Dieser Punkt ist, denke ich, wichtig, wenn man beurteilt, ob die vom BVDW aufgestellten Thesen etwas wegweisendes Neues sind oder veraltet, wie das Frank Tentler in seinem Blogbeitrag „10 Thesen zur Vergangenheit von Social Media“ formuliert. Ich finde es hilfreich, wenn der Verband darauf hinweist, dass Social Media nicht nur aus einer Facebookseite besteht, bin aber skeptisch, wenn dort von Themenplattformen die Rede ist. Die gibt es schon und häufig sieht es dort recht trostlos aus.

Für Kultureinrichtungen ist es hilfreich, sich die beiden Standpunkte und Sichtweisen genau anzusehen und dann, abhängig von der eigenen Ausrichtung, daraus die Konsequenzen im Hinblick auf die eigenen Aktivitäten zu ziehen. Die „Wahrheit“ wird wohl für viele Kulturbetriebe irgendwo in der Mitte dieser beiden Standpunkte liegen. Interessant finde ich, was beide Seiten im Hinblick auf die eigene Website schreiben. Während der BVDW zur eigenen Website schreibt:

„Marken werden die gute alte Homepage sozialisieren, um der Community auch im eigenen Garten etwas zu bieten,“

stellt sie für Frank Tentler nur eine Art unterhaltsames Archiv dar. Ich denke, die Wahrheit liegt auch hier irgendwo in der Mitte und möchte auf die Präsentation von Jeremiah Owyang verweisen, in der dieser, im Unterschied zu seiner früheren Position, der eigenen Website durchaus eine wichtige Rolle beimisst (siehe dazu auch mein Blogpost: Die eigene Website und Social Media wachsen (langsam) zusammen). Das gilt auch für Kunst und Kultur, denn die Basisinformationen (Öffnungszeiten, Ticketpreise, etc.) sind nach wie vor auf der eigenen Website bestens aufgehoben. Dies auch vor dem Hintergrund der Veränderungen, die wir gerade auf Facebook erleben. Wer seine relevanten Informationen gerade auf seinen Fanseiten platziert, wird feststellen, dass die dort gerade wild durcheinander gewürfelt werden und plötzlich alte Beiträge ganz oben stehen. Das kann fatal sein, wenn man dort seine heute Abend stattfindende Veranstaltung bewerben will. Aber Frank Tentler hat natürlich Recht, wenn er auf die Bedeutung von Cloud Communication hinweist, also der plattformübergeifenden Streuung der eigenen Inhalte.

Die Zukunft von Social Media liegt also vor allem in Ihren eigenen Händen, egal ob wir gerade die Hochphase eines Hypes erleben oder die Abschwungphase gerade begonnen hat.

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Frank Koebsch: Kultureinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern und das Web2.0 (Gastbeitrag)

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Vor einiger Zeit hat mir Frank Koebsch einen Text zugeschickt, in dem er der Frage nachgegangen ist, ob und in welcher Form Kultureinrichtungen in Rostock und Mecklenbeurg-Vorpommern das Social Web für ihre Zwecke einsetzen. Da der Artikel jede Menge Infos enthält, die vermutlich nicht nur mich interessieren werden, habe ich ihn gefragt, ob ich ihn hier veröffentlichen darf.

Viele von Ihnen werden Frank Koebsch bereits kennen, nicht nur weil viele Kommentare hier in diesem Blog von ihm stammen, sondern weil er darüber künstlerisch tätig ist und außerdem ein eigenes Blog betreibt. In letzterem beschäftigt er sich immer wieder mit der Frage, welchen Nutzen das Social Web einzelnen Künstlern wie zum Beispiel ihm bringt? Aber es geht ihm nicht nur um sich, sondern um die Positionierung von Kunst und Kultur im Social Web. Und um Mecklenburg-Vorpommern, die Gegend, in der lebt und arbeitet. Kunst, Kultur, das Social Web und Mecklenburg-Vorpommern, in seinem Gastbeitrag ist es Frank Koebsch gelungen, die einzenen Punkte zu verbinden. Herausgekommen ist eine Bestandsaufnahme der Social-Media-Aktivitäten der in dieser Region ansässigen Kultureinrichtungen, aber auch der Versuch, Schlussfolgerungen aus seiner Analyse zu ziehen. Dafür und für die Mühe, die Aktivitäten der Kulturbetriebe tabellarisch zu erfassen, bedanke ich mich bei Dir, Frank!

Wie kann man die Region Rostock ganz leicht aufwerten? ;-)

In den vergangenen Tagen habe ich mir das Ranking der Blogs in Mecklenburg Vorpommern auf dem  Barnim-Blog Eberswalde und Bernau angeschaut. Mein Fazit war: Mecklenburg Vorpommern scheint kein Land der Blogger zu sein, oder ? Gerade für mein Bundesland, das versucht die  Touristen auch außerhalb der Sommerzeit an die Ostsee und die Mecklenburger Seenplatte zu locken, hatte ich erwartet, dass die Präsenz der Regionen, Städte, Museen, Veranstaltungsorte und Einrichtung im Bereich der Kultur im Social Net wesentlich größer ausfällt.

Mich interessieren die Themen Kunst und Kultur im Netz, denn wenn wir ausstellen, sehe ich hier Möglichkeiten, mit Hilfe des Social Networkings im WEB Ausstellungen zu organisieren, zu promoten und mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Ob diese Möglichkeiten genutzt werden, hängt immer mindestens von zwei Faktoren ab:

  • Gibt es ein entsprechendes Angebot?

und

  • Sind die Menschen bereit so ein Angebot anzunehmen?

Um die erste Frage zu beantworten, habe ich mir mal das Angebot der Ausstellungsorte meiner Geburtsstadt Rostock und den Theatern aus Mecklenburg Vorpommern im WEB angeschaut. Die entstandene Tabelle ist eine einfache Aufstellung als Momentaufnahme – ohne inhaltliche Bewertung, ohne auf die Vernetzung von Homepages zum Social Networking einzugehen, ohne auf die Zeit zu schauen, wie lange es die Angebote schon gibt und ohne Anspruch auf Vollständigkeit u.a.

Name WEB Seite Youtube Twitter Blog Facebook *1)
Galerie Klosterformat http://www.klosterformat.de/ nein nein nein nein
Galerie 

artFUHRMANN

http://www.artfuhrmann.de/ nein nein nein nein
Galerie Möller http://www.galerie-moeller.de/ nein nein nein nein
wolkenbank
kunst+räume
http://wolkenbank-galerie.de nein nein nein ja 

31 Fans

artquarium http://www.artquarium-rostock.de/ nein nein nein ja 

14 Fans

Galerie Alter Markt http://www.kunstverein-rostock.de/ nein nein nein nein
Kunsthalle Rostock http://www.kunsthallerostock.de/ Keine eigenen nein nein nein 

und ja *2)

Literaturhaus Rostock http://www.literaturhaus-rostock.de/ Keine eigenen nein nein ja und ja 

*3)

Hochschule für Musik und Theater http://www.hmt-rostock.de/ Keine eigenen nein nein ja 

90 Fans

Volkstheater Rostock http://www.volkstheater-rostock.de/ Keine eigenen nein nein ja 

292 Fans

Bühne 602 – compagnie de comedie http://www.compagnie-de-comedie.de/ nein nein nein ja 

28 Mitglieder

Theater Vorpommern http://www.theater-vorpommern.de/ ja 

3 Videos *4)

nein nein 4 ungepflegte Accounts
Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg und Neustrelitz http://www.theater-und-orchester.de/ ja 

31 Videos

ja 

160 Followers

244 Tweets

ja ja 

488 Freunde

Mecklenburgisches Landestheater Parchim http://www.mlt-parchim.de/ nein nein nein ja 

213 Freunde

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin 

 

http://www.theater-schwerin.de/ keine eigenen ja 

382 Followers

544 Tweets

nein ja 

4 Accounts ;-)

744 Freude

*1) ein Teil der Einrichtungen hat einen Eintrag in Facebook, ohne dass dieser Eintrag durch die Einrichtung selbst angelegt und gepflegt wird. Dann habe ich als Eintrag ein „nein“ gewählt.

*2) Freunde der Kunsthalle Rostock e.V haben einen eigenen Account auf Facebook mit 45 Fans

*3) Der Verein des Peter Weiß Hauses betreibt einen eignen Facebook Auftritt mit 443 Fans neben dem Auftritt des Literaturhauses mit 73 Fans

*4) Der TheaterFanclub hat drei Videos veröffentlicht.

Das Ergebnis ist recht ernüchternd, denn viele der genannten Einrichtungen haben für sich das Feld des Social Networking noch gar nicht entdeckt oder nutzen es nur unzureichend.

Eine besondere Bedeutung bekommt diese Aussage im Vergleich zu der Präsenz der deutschen Museen und Orchester in der Studie zum Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester ist online von Ulrike Schmid.

Auszug aus der Studie zum Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester von Ulrike Schmid

Hier geht es nicht nur um das Marketing der Kultureinrichtungen alleine, denn Mecklenburg Vorpommern sucht händeringend nach Möglichkeiten, die Saison für die Touristen zu verlängern. Gleichzeitig ist der Bereich Kultur ein wesentlicher Faktor bei der Standortwahl von Unternehmen. Es muss ja vielleicht nicht unbedingt mehr gemacht werden, aber wenn man sich auf das Motto besinnen würde, „Tue Gutes und rede darüber“, kann man schon sehr viel erreichen. Dieses gilt insbesondere wenn man beachtet, dass sich viele Besucher der Region vor dem Besuch über das Internet informieren.

Interessant ist die Entwicklung, dass ein Teil der Kommunikation nicht durch die Kultureinrichtungen alleine betrieben wird. sondern immer mehr Vereine oder Fanclubs übernehmen einen wesentlichen Teil der Kommunikation. Beispiele hierfür sind die Kunsthalle Rostock, das Literaturhaus Rostock, das Theater Vorpommern.

Besonders hervorzuheben ist das Engagement der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg und Neustrelitz, denn der Auftritt und die Vernetzung sind klasse. Es bleibt die Frage: Warum gelingt es den Neubrandenburgern und Neustrelitzern einen solchen guten und vernetzen Auftrag zu realisieren. Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin nutzt wunderbar Twitter und Facebook, muss nur mal die alten FacebookAccounts einfangen. Aber warum ergreifen die anderen Einrichtungen nicht die Chance, sich besser zu präsentieren?

Besonders unzufrieden bin ich mit dem Auftritt der Rostocker Kultureinrichtungen im WEB, aber vielleicht …. ;-) Ich kann die Studie und insbesondere die Interviews in der Studie von Ulrike Schmid nur als Anregung empfehlen.

Nun zu der zweiten Frage:

Sind die Menschen bereit, Angebote über das Social Networking anzunehmen?

Rostock hat ein regionales Einzugsgebiet mit einem Radius von 50 km und mit ca. rund 500.000 Einwohnern. Von denen am 31.12.2006 ca. 454.000 über 14 Jahre alt waren, wenn man die gleiche Altersstruktur für die Region wie für die Stadt Rostock ansetzt. Rostock ist Universitätsstadt und so nutzen z.Z. ca. 16.000 Studenten das Angebot der Universität Rostock, der Hochschule für Musik und Theater u.a. Wenn man unterstellt, dass die meisten Studenten nicht Ihren Hauptwohnsitz in Rostock haben, ergeben sich 470.000 Menschen mit einem Alter über 14 Jahren, die für die Themen der Kultur in der Region  ansprechbar sind. Dieses sind doch erst einmal sehr gute Voraussetzungen. Lassen wir uns ruhig noch ein wenig auf das Zahlenspiel ein:

69,4 % der Bevölkerung ab einem Alter von 14 Jahren nutzen das Internet, das sind 326.200 69,4% von 470.000 Menschen
66,3 % der Internetnutzer sind Mitglied in einem Sozialen Netzwerk, das sind 216.300 46,0% von 470.000 Menschen
32 % der Nutzer von Socialen Netzwerken sind Mitglied in zwei Netzwerken, das sind 69.600 14,7% von 470.000 Menschen
18% der Nutzer von Socialen Netzwerken sind Mitglied in drei Netzwerken, das sind 38.900 8,3% von 470.000 Menschen
39,4% der Nutzer von Socialen Netzwerken sind Mitglied bei Facebook mit durchschnittlich 130 Kontakten das sind 85.200 18,1% von 470.000 Menschen
8,7% der Nutzer von Socialen Netzwerken sind Mitglied bei Twitter das sind 18.800 4% von 470.000 Menschen

Dieses ist ein riesiges Potential, welches erschlossen werden kann. Bleibt die Frage, wie viele Besucher von Kulturveranstaltungen sind bereit sich im Internet zu informieren. Im Jahr 2009 informierten sich fast genauso viele Österreicher im WEB (29%), wie in allen Tageszeitungen (29,4%) zusammen. Vgl. Sie  Welche Bedeutung haben die Tagezeitungen?

Auch wenn die Mentalität der Kaffeehausbesucher und die Gewohnheiten eines wortkargen Norddeutschen nicht eins zu eins gleich zu setzen sind, bietet diese Studie zu mindestens Anhaltspunkte. D.h. bedeutet 136.300 Menschen im Alter über 14 Jahren aus der Region Rostock informieren sich im WEB über Kulturveranstaltungen, die sie besuchen, zzgl. der vielen Urlaubern, Tagesgästen und und ….

Ich würde mir wünschen, dass die Ausstellungsstätten Rostocks und die Theater Mecklenburg Vorpommerns diese Möglichkeiten für sich erschließen würden. Warum?

P.S. Wenn Sie für Rostock ein gutes Kulturangebot suchen, kann ich Ihnen immer nur wieder den Blog Rostock – heute empfehlen. Leider erfährt man dort oft erst nach dem Event, wie gut er war, da es keinen guten Kulturkalender für die Region im Netz gibt ;-)

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Kongress „Taten.Drang.Kultur“ und Social Media: meine Präsentation

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Eigentlich ist es ja schade, dass auf Konferenzen Social Media vor allem in Verbindung mit dem Thema Marketing gesehen wird. Christian Riedel hat in seinem kürzlich veröffentlichten Blogbeitrag „Digital Thinking basiert auf Digital Behaviour – Der blinde Fleck der Unternehmenskultur“ sehr anschaulich dargestellt, was die Grundlage aller Social-Media-Aktivitäten ist: die Haltung dazu, oder auf die Unternehmensebene bezogen, die Unternehmenskultur. Oder anders ausgedrückt: Social Media löst Veränderungsprozesse aus, die weit über das Aufsetzen eines Facebookprofils hinausgehen.

Ob die Veränderungsprozesse auf der Werteebene oder im Bereich Marketing initiiert werden, hängt von der jeweiligen Konstellation ab, oft ist es auch ein Wechselspiel. Neben dem Überblick über das, was Social-Media-Marketing eigentlich ist, wird das meine heutige Message sein: Social Media ist vor allem (auch) eine Haltungsfrage. Ich freue mich auf die heutige Diskusssion im Rahmen von Taten.Drang.Kultur. Hier schon mal meine Folien:

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Konferenzen und Seminare: hier bin ich in der nächsten Zeit dabei

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Nachdem ich immer wieder mal gefragt werde, bei welchen Konferenzen ich dabei bin und wo ich in der nächsten Zeit Seminare halte, hier ein kurzer Überblick:

  1. Los geht es bereits morgen mit der Kongress „Taten.Drang.Kultur – Kulturmanagement in Deutschland 1990 – 2030„, der vom Institut für Kulturmanagement Ludwigsburg veranstaltet wird und nicht nur auf 20 Jahre Kulturmanagement zurückblicken möchte, sondern auch den Ausblick auf die Zukunft wagt. Ich freue mich darauf, am Freitag im Rahmen des Fachforums Online-Marketing einen Vortrag zum Thema Social Media Marketing halten zu dürfen. Ich freue mich auch auf viele spannende Vorträge, auf ein Wiedersehen mit den Menschen, die ich in den letzten Jahren online und offline kennenlernen durfte und bedauere es sehr, dass die Fachforen alle zeitgleich stattfinden und ich sie deshalb nicht besuchen kann. Aber das Problem kenne ich von der stARTconference. :-) Alle weiteren Infos und das genaue Programm gibt es hier.
  2. Im Rahmen des Zertifikatskurs Kulturmanagement des Instituts für Kulturkonzepte halte ich am 18./19. Februar in Wien ein Seminar über die Einsatzmöglichkeiten von Social Media im Kunst- und Kulturbereich. Nachdem dort keine Plätze mehr frei sind, darf ich gleich auf den nächsten Termin am 8./9. Juli verweisen.
  3. Am 26. März bin ich natürlich beim stARTcamp in Dresden dabei. Die eintägige Veranstaltung findet in den Räumen des Goethe-Instituts statt, wer in Dresden dabei sein möchte, findet laufend aktualisierte Informationen auf der eigens eingerichteten Website.
  4. Danach geht es direkt nach München, wo am 28. März die Tagung „aufbruch. museen und web 2.0 / münchen.“ über die Bühne gehen wird. Ich bin mit dem Vortrag „Social Media: Herausforderungen für das Museum der Zukunft“ dabei und freue mich über die erste Konferenzeinladung in meine Heimatstadt. Infos zu der Tagung gibt es auf dem eigens eingerichteten Blog.
  5. am 8./9. April hat mich Hans Bayartz zu einem zweitägigen Workshop im Düsseldorfer Hotel Maritim eingeladen. In diesem Workshop geht es auch um das Thema Social Media Marketing, allerdings werde mich dort zusammen mit den TeilnehmerInnen vor allem mit sozialen Netzwerken beschäftigen. Alle weiteren Infos finden Sie hier.
  6. Besonders spannend wird für mich der Workshop „Kultursponsoring und Social Media“, der am 6. Juni im Schweizer Zug stattfinden wird. Die Einladung von Frau Dr. Bortoluzzi Dubach und dem Institut für Finandienstleistungen in Zug gibt mir zum ersten Mal die Möglichkeit, mich im Rahmen eines Seminars mit dem Thema Social Media und Kultursponsoring zu beschäftigen. Auch hier gibt es alle Informationen online.
  7. Ein paar Tage später, am 9./10. Juni veranstaltet die Kulturpolitische Gesellschaft ihren 6. Kulturpolitischen Bundeskongress, der diesmal unter dem Motto „netz.macht.kultur. Kulturpolitik in der digitalen Gesellschaft“ steht. Ich werde dort das Forum „Netzbasierte Kulturinformation“ moderieren, Infos zu dieser Veranstaltung folgen noch.