Monthly Archives of: Juni 2011

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Google+: Konkurrenz für Facebook?

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Vor wenigen Tagen erst hat Facebook den Gang an die Börse angekündigt. Geplant ist er für das erste Quartal 2012, aktuell wird der Marktwert des social network auf über 100 Milliarden Dollar geschätzt. Damit einher geht eine wachsende Unzufriedenheit der UserInnen, die nicht besonders erfreut sind, jeden Tag Änderungen vorzufinden, die sie nicht brauchen oder wollen.

Diaspora, von vielen schon als Alternative gesehen und in der Anfangseuphorie mit viel Risikokapital ausgestattet, ist einfach noch nicht so weit, obwohl die Anfänge durchaus vielversprechend sind. So ist zum Beispiel das Problem, nicht alle Informationen mit allen teilen zu wollen, recht gut gelöst worden. Zwar gibt es auch auf Facebook eine Listenfunktion, aber für die meisten ist sie zu kompliziert und wird deshalb nur äußerst selten genutzt.

Während Diaspora also noch keine wirkliche Konkurrenz darstellt, wagt sich nun Google aus der Deckung und hat gestern offiziell das Google+ Projekt angekündigt. Die Startseite, die bereits auf deutsch zur Verfügung steht, lässt erahnen, in welche Richtung die Aktivitäten gehen werden. Dazu existiert bereits eine Beschreibung, aus welchen Bestandteilen sich das noch Projekt genannte Netzwerk zusammensetzen wird.

Eine direkte Antwort auf das schon erwähnte Facebook-Problem, dass man nicht alles mit allen teilen will, stellt Circles dar. Das Video ist mir zwar zu amerikanisch geworden, zeigt aber, dass Google sich Gedanken gemacht hat, welche Alternativen es zu den Listen auf Facebook gibt. Herausgekommen ist mit Circles ein Ansatz, den man bereits von Diasphora kennt und der zumindest derzeit, wo Diaspora nur von wenigen genutzt wird, recht gut funktioniert. Herstellen lässt sich diese Verbindung über die Emailadresse, womit auch klar ist, warum seit kurzem in der Google-Mailbox ein neues Kontakt-Widget zu finden ist, in dem ich die Emailadressen und die letzten Mailwechsel angezeigt bekomme. So gewünscht, habe ich die Möglichkeit, weitere Informationen zu dem jeweiligen Kontakt hinzuzufügen, z.B. die Telefonnummer oder die URL.

Sehr spannend und im Hinblick auf die Social-Media-Aktivitäten von Kultureinrichtungen von großem Interesse ist wohl Sparks, eine Art Themenfeed.

Wer nicht nur auf den eigenen Namen, sondern auf Themenfelder gesetzt hat, ist hier klar im Vorteil, denn genau um die geht es. Themenfelder bzw. Schlagworte sind die Strukturierungshilfe, ohne die in Zukunft nichts mehr gehen wird. Ob in Google+ oder auch einfach nur in den Suchmaschinen spielt keine Rolle.

Bis jetzt wird Google+ noch in einer closed beta getestet. Ich hoffe aber, möglichst bald eine Einladung dafür zu bekommen, um das Angebot von Google selbst testen und darüber berichten zu können. Erst dann lässt sich die in der Überschrift gestellte Frage wirklich beantworten. Im Augenblick gibt es nur ein paar Appetizer, die allerdings Lust auf mehr machen. ;-)

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Treffpunkt KulturManagement: jetzt sind Sie dran

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Seit Mai 2010 haben wir Monat für Monat versucht, im Treffpunkt KulturManagement  die richtigen Themen für Sie zu finden. Manche kamen besser, andere schlechter an. Insgesamt freuen wir uns aber über das ständig größer werdende Interesse an diesem Online-Format, an dem man ohne großen Aufwand vor dem eigenen PC teilnehmen kann. Wenn Sie noch einmal die Themen der insgesamt 13 Veranstaltungen Revue passieren lassen wollen, können Sie das  hier im Wiki. Dort finden Sie auch die Links aller bisherigen Aufzeichnungen.

Jetzt aber zur Zukunft. Natürlich könnten wir uns weiterhin Themen überlegen und für Sie interessante ExpertInnen einladen. Letzteres werden wir natürlich weiterhin machen, aber die Auswahl wollen wir gerne Ihnen überlassen. Natürlich bietet es sich an, für eine solche Crowdsourcing-Aktion auch gleich eine entsprechende Plattform auszuprobieren.

Wir haben uns für Tricider entschieden, weil diese Plattform erstens kostenlos genutzt werden kann, man sich zweitens nicht mal registrieren muss und sie drittens kinderleicht zu bedienen ist.  Wenn Sie diesen Link hier anklicken, landen Sie bei „unserer“ Frage.

Wir bitten Sie, dort die Themen aufzulisten, über die Sie gerne etwas im Rahmen des Treffpunkt KulturManagement hören wollen. Und wenn Sie auch wissen, wen Sie zu „Ihrem“ Thema hören wollen, schreiben Sie das doch bitte gleich dazu. Außerdem können Sie dort auch über die übrigen Vorschläge abstimmen, denn wir suchen die Top 3, um die es dann in den Monaten Juli, August und September gehen soll. Damit sich das alles auch zeitlich ausgeht,  bitten wir Sie, Ihre Vorschläge bis zum 4. Juli auf Tricider zu deponieren. Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge.

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Innovation = Copy, Transform, Combine

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Good Copy Bad Copy„; By creative commons polska (CC-Lizenz)

Von Kulturkampf war auf dem Bundeskongress der Kulturpolitischen Gesellschaft die Rede, der Begriff „Kulturkampf“ betitelt auch die auf 2010lab.tv erschienene Videozusammenfassung. Eines der strittigsten Themen war dabei das Urheberecht und die damit verbundene Frage, wem eigentlich die Inhalte gehören?

Inhalte, für die es einen Urheber gibt, der daher über gewisse Rechte verfügt. Nur: wer ist der Urheber von was? Gibt es wirklich so viele Originale, wie wir glauben? Und macht es Sinn, dass die Urheber verhindern, dass das, was sie entwickelt, erfunden oder kreiert haben, von anderen nur gegen Bares verwendet werden darf?

Fragt man Kirby Ferguson, lautet die Antwort vermutlich nein. Er hat innerhalb des letzten Jahres eine dreiteilige Videodokumentation produziert (der vierte und letzte Teil erscheint im Herbst), die den Titel „Everything is a Remix“ trägt. Darin zeigt er, dass Innovation nicht etwas ist, was aus einer Art Urknall heraus entsteht, sondern das Resultat einer schlichten Aneinanderrreihung verschiedener Tätigkeiten  ist, die Ferguson im dritten Teil seiner Videoserie so zusammenfasst: „copy, transform, combine.“

Henry Ford, oft als Erfinder der modernen Automobilproduktion bezeichnet, wird darin mit den Worten zitiert:

„I invented nothing new. I simply assembled the discoveries of other men behind whom were centuries of work. Had I worked fifty or ten or even five years before, I would have failed.“

Und wenn man sich dann noch die beiden ersten Folgen der Videoserie anschaut, in denen es um das „Kopieren“ von Musik (Everything is a Remix Part 1) und Filmen (Everything is a Remix Part 2) geht, dann stellt sich die Frage, ob es im Sinne von Innovation – auch im Bereich der Kunst – wirklich sinnvoll ist, vor allem auf Verbote zu setzen?

via Frank Patrick

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Die wachsende Bedeutung von Communitys

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© Ernst Rose ; Pixelio

Erinnern Sie sich noch an das „alte“ Internet? Als Sie noch ganz gezielt eine URL ansteuerten und dann – hoffentlich – die Informationen vorfanden, die Sie suchten? Natürlich war das Textformat von Vorteil, denn es dauerte ewig, bis sich ein Foto in voller größe am Bildschirm aufbaute. Von Videos ganz zu schweigen.

Der technologische Fortschritt hat dazu geführt, dass wir heute keine Angst mehr vor Fotos und Videos haben müssen. Fernsehsendungen über das Internet anzuschauen ist heute kein Problem mehr. Dafür ist ein anderes Problem aufgetaucht: der Strom an Informationen wächst und wächst. Die meisten von uns sind heillos damit überfordert, auch wenn wir ständig neue Tools angeboten bekommen, um der „Informationsflut“ Herr zu werden.

Aber all diese Tools nützen nicht viel, denn das Hauptproblem bleibt: wir selbst.

„But as organizations have applied technology and their operational speed has increased, humans – not technology & tools – became the biggest limitation to innovation and productivity. With that change, individuals have become more and more stressed because their processing capacity has not evolved“,

schreibt Rachel Happe in ihrem Blogbeitrag „Communities – The New Strategic Imperative„. Das heißt, wir können mit dem technologischen Fortschritt nicht mithalten und sind zunehmend überfordert.

Diese Überforderung diagnostiziert Happe auch in Sachen Social Media:

„Well, networked communication channels have existed for quite a while but there usage was limited“,

schreibt sie und entwickelt daraus die Hypothese,

„that social media took off when it did in large part due to the strain being put on individuals to keep up with the pace of technological change.“

Die oben angesprochenen Organisationen (dazu gehören natürlich auch die Kultureinrichtungen) haben also wenig davon, wenn sie alleine auf den technologischen Fortschritt setzen, denn wir als ihre Zielgrupppe sind mit der Vielzahl von Informationen, die uns über die verschiedenen Kanäle erreichen, überfordert.

Stattdessen schlägt Happe vor:

„What humans need and what will give an organizational competitive differentiation is the time and space to build quality products and services that are rewarded with higher margins.“

Dies lässt sich ihrer Ansicht nach nur durch den Aufbau vertrauensvoller Beziehungen zu den Kunden erreichen. Unternehmen sollten daher nicht primär versuchen, ihre Produkte oder Dienstleistungen zu verkaufen, sondern ihr Hauptaugenmerk auf den Aufbau von Beziehungen richten.

Communitys sind ein Weg, um Beziehungen zu entwickeln und zu pflegen, so Happe. Nicht der kurzfristige ROI stehe im Vordergrund, sondern z.B. der Aufbau einer solchen Community. Happe hat ihren Ansatz vor kurzem auf der Enterprise 2.0-Konferenz in Boston präsentiert, ihre Folien finden Sie hier:

Diese Gedanken scheinen mir auch wichtig im Hinblick auf die Social-Media-Aktivitäten von Kultureinrichtungen zu sein. Die meisten setzen darauf, ihre Angebote zu promoten, der Aufbau von Beziehungen oder gar einer Community steht nicht auf der Prioritätenliste.

Die Erkenntnis, dass das Community-Building enorm wichtig ist, wird sich nach und nach durchsetzen, aber Rachel Happe irrt nicht, wenn sie behauptet, dass wir alle solche Beziehungen nur in begrenzter Zahl eingehen können. Den Like-it-Button kann man unzählige Male anklicken, aber Teil einer Community wird man nicht einfach so. Für das schnelle Geschäft mögen die Fanzahlen relevant sein, nachhaltig sind sie aber nicht. Grund genug, dass Kultureinrichtungen sich Strategien für den Aufbau von Communitys überlegen und nicht zu sehr auf Fans und/oder Follower setzen.

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Social Media im Kulturbetrieb: Personalisierung ist Pflicht

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Diese Darstellung zweier sich unterhaltender Frauen, die in Dublin zu finden ist, haben ich bei meiner Suche nach einem passenden Foto für diesen Beitrag entdeckt. Viele Kultureinrichtungen wollen im Social Web aktiv werden oder sind es schon. Sie alle wissen, dass es die Menschen sind, die dort die Gespräche führen, aber sie scheuen sich davor, ihre MitarbeiterInnen in den Vordergrund zu stellen. Oder die MitarbeiterInnen wollen das gar nicht.

Daher ist diese Personalisierung für die meisten Kultureinrichtungen eine große Herausforderung, denn es gilt dabei einige Hürden zu überwinden. Häufig ist vertraglich geregelt, dass nur die ChefIn für die Außenkommunikation zuständig ist. Eine schwierige Situation, denn sie wird meist andere Dinge zu tun haben, als sich ständig mit Facebook und Twitter zu beschäftigen.

Verträge lassen sich ändern und auf diese Weise ist es dann möglich, MitarbeiterInnen diese Aufgabe zu übertragen. Die Frage ist, ob denen das recht ist, wenn sie sich auf Facebook nicht mehr nur privat mit ihren FreundInnen austauschen, sondern auch noch die nächste Ausstellung ankündigen müssen? Gründe, die da dagegen sprechen, gibt es einige. Viele werden es nicht wollen, dass sie plötzlich private und berufliche Kommunikation vermischen sollen. Vielleicht ist auch das Arbeitsklima gar nicht so gut und man möchte nicht „Lautsprecher“ seines Arbeitsgebers sein?

Oft scheitert die Personalisierung aber auch daran, dass niemand weiß, wie man die Sache angeht. Debra Askanase beschäftigt sich auf ihrem Community Organizer 2.0 immer wieder mit diesem Thema und hat vor einiger Zeit eine recht schöne Präsentation zum Thema „The Personal Organization“ erstellt:

In ihrem dazugehörigen Blogpost „The Personal Organization: The New Mix“ weist sie darauf hin, wie wichtig dieser Ansatz ist, um das Potenzial des Social Web ausschöpfen zu können:

„A critical factor in organizational success on social media is making the organizational presence personal“,

schreibt sie und liefert in ihrer Präsentation jede Menge Ideen, wie diese Personalisierung aussehen kann. Das beginnt bei der Gestaltung des Twitter-Auftritts und endet beim bloggenden Chef. Besonders gut gefällt mir ihr Hinweis auf das Potenzial von Facebook-Gruppen. Kultureinrichtungen haben eine eigene Fanseite, aber eigene Gruppen sind mir nicht bekannt. Dabei hat die Gruppenfunktion einige Vorteile, wie Askanase zeigt. So schlägt sie zum Beispiel vor:

„Create a private Facebook group for highly engaged online followers.“

Eine gute Idee, die besonders enagierten Fans in eine exklusive Gruppe einzuladen und ihnen dort speziell aufbereitete Informationen zukommen zu lassen.

Die Voraussetzung für diese und alle anderen Ideen ist aber die Bereitschaft, sich als Person, als MitarbeiterIn oder ChefIn, persönlich einzubringen und die Standpunkte der – in diesem Fall – Kultureinrichtung öffentlich zu vertreten. Der Rahmen, der dafür benötigt wird, umfasst aber mehr als nur kommunikative Fähigkeiten.

PS: Debra Askanase hat dazu auch ein öffentlich zugängliches Google Dokument erstellt. Ein schönes Beispiel, wie sich Google Docs auch in der externen Kommunikation einsetzen lässt.

Titelbild: „Hags with Bags„; By infomatique (CC-Lizenz)

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Treffpunkt KulturManagement am 22. Juni: „Controlling im Kulturbetrieb“

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Controller, das sind – nicht nur in Kultureinrichtungen – meist die „Bösen“, denn sie sitzen, so eine weitverbreitete Ansicht, auf dem Geld und rücken es nur unter bestimmten Bedingungen oder im schlimmsten Fall gar nicht heraus. Damit wird man dieser Funktion aber in keinster Weise gerecht. Hinter dem Controlling verbirgt sich ein „umfassendes Steuerungs- und Koordinationskonzept zur Unterstützung der Geschäftsführung und der führungsverantwortlichen Stellen bei der zielgerichteten Beeinflussung bestehender betrieblicher Prozesse“, wie es auf Wikipedia heißt.

Dass das negative Image des Controllers so gar nicht zutreffend ist, darauf weist Andreas Preißner in seinem Buch „Projekte budgetieren und planen“ (Affiliate-Link) hin. Er stellt fest, dass die wirtschaftlichen Anforderungen je nach Position recht unterschiedlich sein können. Während die Geschäftsführung (oder Direktion) sich vor allem für die Rentabilität und damit den Blick auf das „große Ganze“ interessiert, benötigt die Projektleitung Zwischenergebnisse, um den aktuellen Status Quo einschätzen zu können.

„Das Controlling geht weiter ins Detail und möchte auch wissen, ob z.B. die Mitarbeiter effizient eingesetzt werden. Er analysiert, ob und warum ein Projekt für sich effizient ist und gibt gegebenenfalls Hilfestellung auf dem Weg dahin,“ (S.10)

beschreibt Preißner die Aufgaben des Controllers. Wie ein entsprechendes Steuerungskonzept bei einem so großen Haus wie dem Kunsthistorischen Museum (KHM) Wien aussieht und welche Kriterien beziehungsweise Kennzahlen dabei im Vordergrund stehen, erzählt Markus Roboch beim nächsten Treffpunkt KulturManagment, der am kommenden Mittwoch, den 22. Juni um 9 Uhr stattfindet.

Roboch leitet dort die Abteilung Controlling und wird nicht nur erklären, worauf es (ihm) beim Controlling ankommt, sondern auch ein paar interessante (Vergleichs)-Zahlen präsentieren.

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 22.06.2011 von 9:00 bis 10:00
Thema: Controlling im Kulturbetrieb
Impulsvortrag: Markus Roboch (Kunsthistorisches Museum Wien)

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement/

PS: den Treffpunkt KulturManagement gibt es auch auf Facebook.

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EU-Kulturförderprogramm: der CCP Austria bietet einen kostenlosen Workshop in Wien an

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© Stephanie Hofschlaeger ; Pixelio

An Kultureinrichtungen, die ihren Sitz in Österreich haben und im Sommer einen Antrag im Rahmen des EU-Kulturförderprogramms stellen wollen, richtet sich der Workshop des Cultural Contact Point (CCP) Austria, der am 6. Juli von 10 bis 14 Uhr in Wien stattfindet.

„Zum Workshops sind alle jene herzlich eingeladen, die an einem Antrag arbeiten und bis 5. Oktober 2011 ein Kooperationsprojekt einreichen möchten“,

heißt es in der Ankündigung. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos, vorausgesetzt wird aber, dass bereits ein Konzept vorliegt und die AntragstellerInnen sich bereits mit den Formularen beschäftigt haben. Eine gute Idee, denn so vergeht nicht kostbare Zeit mit Informationen, die man sich anlesen kann, sondern es können gleich ganz konkrete Fragen gestellt werden.

Informationen zum Workshop und den Link zur Anmeldung (bis spätestens 30. Juni!) finden Sie hier auf der Seite des CCP Austria. Falls Sie noch nicht soweit sind: am 14. August gibt es noch einmal einen solchen Workshop.

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Kunst verkauft keine Produkte

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energon_006„; By iliveisl (CC-Lizenz)

Wer heute einen Film oder Musik verkaufen möchte, hat es schwer, denn die oft verteufelte Gratismentalität, die im Internet Einzug gehalten hat, verhindert es, angemessene Preise durchzusetzen. Stattdessen werden Filme, Musik, aber auch ganze Bücher kostenlos von irgendwelchen Webseiten oder Servern heruntergeladen, oftmals illegal. Der Markt gehe kaputt, Kunst lasse sich nicht mehr verkaufen, KünstlerInnen können von ihrer Kunst nicht mehr leben, so das Schreckensszenario, das dabei gerne an die Wand gemalt wird.

Aber was wird da eigentlich verkauft? Ein Buch? Ein Film? Musik? Ross Pruden ist da ganzer Meinung. Verkauft werden Erfahrungen, Erlebnisse, schreibt er in seinem aus dem letzten Jahr stammenden Blogpost „An Ode Before Dying„:

„You sell an experience, something communicated, something elusive and ephemeral. Something mystical and transformative and inspiring.“

Wenn sich früher Bücher, Filme, etc. (erfolgreich) verkaufen ließen, dann lag das, so Pruden, daran, dass das Erfahren von Kunst so eng an das jeweilige Produkt gekoppelt war. Das Internet hat diese Verbindung zerstört, wir können heute Musik hören, ohne die CD zu kaufen und wir können Bücher lesen, ohne das Buch zu kaufen. Wer weiter daran festhält, Produkte zu verkaufen, hat nach Pruden schon verloren.

Was aber haben KünstlerInnen, was haben die Kreativen zu verkaufen? Pruden fallen dazu folgende Punkte ein:

„They sell the experience.
They sell access to themselves.
They sell uniqueness.
They sell convenience.
They sell membership.
They sell customization.
They sell exclusivity.
They sell benefits.
They sell patronage.
They sell magic.
They sell the experience.“

Oder anders gesagt: die Kunden kaufen etwas, was sie für kurze Zeit an einen anderen Ort „entführt“. Heute wissen wir, erklärt Pruden, dass es schon immer die „immateriellen Werte“ gewesen sind, die das Wesen der Kunst ausgemacht haben:

„The key to the Digital Age is to recognize that many existing products already embed intangibles, which is why those products are still being bought.“

Überleben werden nur die, die unterscheiden können zwischen dem Produkt und der „experience“, ist sich Pruden sicher:

„The rest will whine and commiserate as they slowly fade into obscurity.“

Denkt man das, was Pruden hier Anfang 2010 formuliert hat, weiter, dann kommt man an einen Punkt, wo man zum Beispiel das Urheberrecht eigentlich gar nicht mehr ändern muss, denn es wird, so es nicht um den Verkauf von Produkten, sondern um den Verkauf von Erfahrungen geht, einfach obsolet. Diese Erfahrungen sind immateriell und dafür sind wir zu zahlen bereit, nicht für den Produktmantel. Und all diejenigen, die sich an diesen Produkten festklammern, werden früher oder später verschwinden, weil sie niemand mehr braucht. Das bedeutet vermutlich das Aus für ganze Branchen, so sie nicht begreifen, dass ihre Produkte immer wertloser werden, je offensichtlicher die Trennung von Produkt und Erfahrung wird.

Nicht ohne Grund hat Ross Pruden sein Blogpost überschrieben: „An ode before dying.“

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„Can I be your friend?“

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„Nico Muhly’s new opera is a cautionary tale of the dark side of the internet“,

kündigt die English National Opera ihr aktuelle Produktion „Two Boys“ an und springt somit auch auf den Zug derer auf, die sich kritisch mit dem Internet auseinandersetzen. Kritik hin oder her, bei der Bewerbung vertraut man aber sehr wohl auf das virale Potenzial von Social Media. Neben dem Blog hat es mir vor allem dieses Video angetan:

Auf witzige Art und Weise wird unser Verhalten auf Twitter und Facebook in unser reales Leben übertragen. An ein Fahrrad wird ein Post-it geklebt, auf dem „like“ steht, wildfremde Menschen werden gefragt, ob man ihr Freund sein darf und das „follow“ wird sehr wörtlich verstanden.

Bei mir zumindest hat das Video seinen Zweck erfüllt, denn einerseits musste ich lachen, da manche Situationen wirklich komisch sind. Andererseits sträube ich mich aber auch dagegen, das Online- und Offline-Verhalten so direkt miteinander zu vergleichen.

Warum? Erstens entspricht die Bezeichnung „Freund“ auf Facebook nicht dem, was ich wirklich unter einem Freund verstehe. Zweitens möchte mich auch nicht mit der ganzen Person verbinden, sondern „nur“ an deren Gedanken teilhaben. Das ist in meinen Augen ein großer Unterschied, insofern denke ich, regt das Video zwar zum Nachdenken an über das, was wir da im Social Web tun. Aber der direkte Vergleich passt für mich nicht so ganz.

Wie sehen Sie das?

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Kunst und Kultur im digitalen Zeitalter: Herausforderung für die Kulturpolitik

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„netz.macht.kultur“ war der Bundeskongress der Kulturpolitischen Gesellschaft überschrieben, an dem sich Vortragende und BesucherInnen mit der Frage beschäftigten, ob die Digitalisierung uns nun eher schadet oder nützt?

„Wir leben seit gut zwei Jahrzehnten in einer digitalen Gesellschaft, deren immer schnellerer Rhythmus nach einer Neudefinition zentraler Codes der modernen Zivilgesellschaften wie Freiheit, Kultur, Eigentum, Muße, Privatheit und Öffentlichkeit verlangt. Es geht um neue Formen der gesellschaftlichen Teilhabe und die Frage, ob traditionelle Formen von Partizipation und Präsentation verschwinden“,

heißt es auf der Konferenzwebsite, auf der dieser Kongress auch dokumentiert wird. Das klingt erst einmal relativ neutral, aber rückblickend betrachtet überwog vorsichtige Skepsis. Das ist in meinen Augen auch nicht falsch, zumal die Kulturpolitische Gesellschaft selbst eher mutig agiert und bereits mit einem eigenen Blog online ist. Aber etwas mehr Enthusiasmus hätte es schon sein dürfen, zumindest auf dem Podium.

Sehr schnell ging es vor allem um den rechtlichen Rahmen, der die Entwicklung im Internet absteckt. Dass Staatsminister Bernd Neumann sich für die Einführung eines Leistungsschutzrechts aussprach, kam nicht überraschend und lässt vermuten, dass die (Kultur)-Politik in Sachen digitale Welt eher Bremser denn Antreiber sein wird. „Kann der Staat das Internet wieder einholen?“ fragt Boris Alexander Knop in seinem Beitrag auf 2010LAB.TV zu Recht. Ich vermute, sie schafft es auf absehbare Zeit nicht. In einem Interview habe ich auf die Frage, wie sich die Digitalisierung auf die zukünftige Kulturpolitik auswirke, Foucault zitiert, der schon in den 1960er Jahren von der Epoche des Simultanen sprach und die Welt als ein Netz beschrieben hat. Wenn Simultanität ein Merkmal unserer heutigen Zeit ist, dann lässt sich die Frage von Boris Alexander Knop mit einem einfachen Nein beantworten. Und wenn wir uns nicht mehr in hierarchischen Strukturen, sondern in Netzwerken bewegen, dann hat die Kulturpolitik ihre gestaltende Rolle verloren.

Das Beispiel Leistungsschutzrecht zeigt es. Schon vor dem Aufkommen des Internets war die Einkommenssituation für die meisten KünstlerInnen und Kreativen prekär. Ein Leistungsschutzrecht würde daran nichts ändern, so wie uns auch das Beharren auf dem nicht mehr zeitgemäßen Urheberrecht nicht weiterhilft. Niemand kann derzeit die perfekte Lösung anbieten, aber klar ist: der augenblickliche Status Quo ist unbefriedigend und schadet der Wirtschaft. Oder mit den Worten Tim Renners:

„Die Content-Wirtschaft bedroht mit der Weigerung, zeitgemäße Angebote zu schaffen, ihre eigene Existenz.“

Am Ende kann man die auf die Politik gemünzte Frage von Boris Alexander Knop auch der Wirtschaft stellen: Kann die Wirtschaft das Internet wieder einholen? Es ist sicher nicht zulässig, in diesem Zusammenhang von der Wirtschaft zu sprechen, aber Teile von ihr scheinen abgehängt und es stellt sich die Frage, ob sie jemals wieder eine Chance bekommen, diesen Rückstand aufzuholen oder ob ihre Zeit nicht vorbei ist (siehe dazu das von Clayton M. Christensen verfasste Buch The Innovators Dilemma (Affiliate-Link), das in wenigen Tagen in der deutschen Ausgabe erscheint)?

Aber es ging in Berlin nicht nur um Leistungsschutz- und Urheberrecht. Vor allem der zweite Tag bot interessante Ein- und Ausblicke und beschäftigte sich mit der Frage, wie sich das Internet für die Kunstvermittlung, das Marketing, aber auch die Finanzierung von Kunst und Kultur nutzen lässt? In einer kleinen, aber feinen Runde ging es am frühen Morgen um das Thema Crowdfunding und die Frage, inwieweit sich hier Alternativen für am öffentlichen Fördertopf hängende Kultureinrichtungen auftun und welcher Voraussetzungen es bedarf, um statt einer Förderung das benötigte Geld von „Investoren“ zu bekommen (siehe zum Thema Crowdfunding den Beitrag auf dem Blog der Kulturpolitischen Gesellschaft)?

Durchaus kontrovers verlief die Diskussion zum Thema Kulturportale, die ich moderieren durfte. Je stärker die Gewichtung auf den redaktionellen Beiträgen liegt, desto mehr übt ein solches Portal eine Kuratorenfunktion aus. Die Auswahl, worüber berichtet wird, liegt in Händen des Redaktionsteams, der Einfluss der Kultureinrichtungen ist also begrenzt. Dem gegenüber stehen Portale, in denen Kultureinrichtungen aufgelistet werden und über Veranstaltungen informiert wird. Als Anlaufstelle für Kulturinteressierte haben sie eine wichtige Funktion, interessant wird die Sache aber, wenn das Portal über Schnittstellen zum Social Web verfügt und es somit möglich ist, seinem Netzwerk bestimmte Inhalte oder Veranstaltungen zu empfehlen.

Ein großes Problem für Kultureinrichtungen stellt die große Zahl von Portalen mit teils ähnlichen Strukturen dar. Klar ist: für Kultureinrichtungen ist der Ressorucenaufwand nicht gering, auf einem Portal die Daten einzupflegen und zu aktualisieren. Welches Portal ist aber das richtige und auf wie vielen Portalen sollte man vertreten sein? Die Diskussion zeigte, dass es hier keine allgemeingültige Antwort geben kann. Insofern bleibt den Kultureinrichtungen nichts weiter übrig, als weiter Inhalte auf die eigene Website, die jeweiligen Kulturportale und die Social Networks zu stellen und so eine möglichst große Zahl von Interessierten zu erreichen.

Aber vergessen wir die Schwierigkeiten, Probleme und Herausforderungen doch einfach mal! Die Beschäftigung mit dem (Social) Web bietet einem ja auch Chancen und kann darüber hinaus Spaß machen. Am deutlichsten kommt das auf dem Blog der Hildesheimer StudentInnen zum Ausdruck, die sich (und ihre LeserInnen) in Form von Blogposts schon im Vorfeld auf den Kongress eingestimmt haben. Und mit ihrer Twitterwall vor Ort haben sie die Hürde, sich mit diesem „komischen“ Tool zu beschäftigen, extrem gesenkt. Ihr „Twitterstand“ war immer gut besucht und ich denke, sie haben damit wertvolle Aufklärungsarbeit geleistet. Übrigens wurde während der zwei Tage fleißig getwittert (siehe dazu die Analyse von Simon A. Frank: twitter.macht.kultur (Tag 1, Tag2)) und das nicht immer ganz ernst. Insofern war es vielleicht ganz gut, dass die Twitterwall nicht im Konferenzsaal zu sehen war. Aber spannend wären manche Reaktionen schon gewesen. ;-)