Monthly Archives of: August 2011

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Remixing Gustav Mahler

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Skulptur von Gustav Mahler durch Auguste Rodin im Avery Fisher Hall (Konzertsaal) in Lincoln Center (NYC, USA) (Public Domain)

In diesem Jahr jährt sich der Todestag von Gustav Mahler zum 100. Mal, was viele Kultureinrichtungen zum Anlass nehmen, sich mit Leben und Werk des 1860 im böhmischen Kaliště u Humpolce geborenen Künstlers zu beschäftigen. Besonders gut gefällt mir die Idee der Berliner Philharmoniker, die gerade einen Mahler Remix Contest gestartet haben. Sich mit der Musik Mahlers auseinanderzusetzen und neue Kunstwerke zu kreieren, ist keine ganz neue Idee, wer etwa auf YouTube sucht, wird dort recht schnell fündig und kann sich dann dort unter anderem diesen Remix anhören:

Im Rahmen des lied lab 2011 setzte sich Christian Fennesz in einer sehr ähnlichen Weise mi dem Werk Mahlers auseinander. Darüber hinuas unternahm man dort aber auch den Versuch, die Lieder Mahlers nicht nur live auf der Bühne aufzuführen, sondern sie darüber hinaus noch visuell zu interpretieren (siehe dazu auch „thegap“: Mahlers Liedschaffen in neuem Gewand).

Während es hier ausschließlich KünstlerInnen sind, die Mahler interpretieren oder remixen, erweitern die Berliner Philharmoniker diesen Kreis. Mitmachen kann, wer will.

„Die Berliner Philharmoniker laden Euch ein, am Mahler Remix Contest teilzunehmen. Komponiert Euer eigenes Musikstück, basierend auf der Musik des berühmten Komponisten Gustav Mahler,“

heißt es in der Ankündigung. Als Vorlage dienen Klangbeispiele des ersten Satzes seiner Symphonie Nr. 1, die die Berliner Philharmoniker zur Verfügung stellen. Genutzt wird für diesen Contest Soundcloud, eine Musikplattform, die sich in den letzten Jahren prächtig entwickelt hat und mittlerweile, der Contest beweist es, nicht mehr nur eine Seite für diverse Musiknischen ist. Die Berliner Philharmoniker haben dort eine eigene Seite eingerichtet und dort auch ihre Klangbeispiele in einer CC-Lizenz zur Verfügung gestellt. Noch besser wäre es natürlich gewesen, ich könnte die Musik hier einbetten, aber das ist leider nicht möglich.

Das geht aber dafür mit einem der ersten Remixes, die mittlerweile eingelangt sind. ;-)

Ich bin gespannt, wie diese Idee ankommt und angenommen wird. Der Wettbewerb läuft noch bis Ende September, es ist also noch genügend Zeit, einen eigenen Remix zu kreieren. Wer sich mit einem eigenen Werk beteiligt, erhält auf alle Fälle ein 24-Stunden-Ticket für die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker. Und was bekommt der Gewinner?

  1. Er erhält ein Jahres-Abonnement für die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker und einen Pro Account bei SoundCloud für ein Jahr,
  2. er wird wird außerdem in der Presse und über die Website der Berliner Philharmoniker öffentlich bekanntgegeben und
  3. der Gewinner-Beitrag wird auf der Website der Berliner Philharmoniker veröffentlicht.

In meinen Augen ist es ein geschickter Schachzug, den Wettbewerb über die Plattform Soundcloud abzuwickeln, denn viele Anhänger der elektronischen Musik sind dort aktiv und verfügen mittlerweile auch über eine entsprechend große Zahl an Fans. Die Berliner Philharmoniker erreichen auf diese Weise eine für sie vermutlich neue Zielegruppe und da sich die auf Soundcloud hochgeladenen Tracks sehr leicht in andere Plattformen einbetten lassen (so man das möchte), ist vermutlich auch der Multiplikatoreffekt entsprechend groß. Ich freue mich auf hoffentlich viele gut gemachte Beiträge.

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Elisabeth von Helldorff: Kulturförderung vs. Kulturforderung (Gastbeitrag)

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© plumbe ; Pixelio

Über die Verantwortung, neue Chancen zu ergreifen

Ein Kommentar über Möglichkeiten, die sich in Umbruchsituationen eröffnen und gerade jetzt von Kulturschaffenden wahrgenommen werden sollten. Genau dann, wenn man glaubt, es geht bergab, ergeben sich oft beste Vorraussetzungen, um Neues zu entdecken und zu schaffen – in unserer momentanen Situation nicht nur für die Kulturlandschaft sondern auch für die Wirtschaft…

Irgendwie ist gerade alles anders. Vieles scheint zu zerbrechen und doch haben wir gerade jetzt die Chance, uns neu aufzustellen. Je ausgefallener die Ideen, desto schwungvoller wird die Entwicklung.

Aus diesem Grund fällt mir persönlich das Schreiben über traditionelle Kulturförderung im Moment etwas schwer. Darüber warum der Staat seine Mittel nicht gerechter verteilt. Dass Unternehmen (wie beispielsweise die vom Ausstieg aus dem Ausstieg des Ausstiegs gebeutelte E.ON) in Zukunft weniger für Kultursponsoring ausgeben könnten und somit ganze Institutionen um ihre Existenz bringen könnten.

Betrachten wir die aktuelle Lage der Nation und auch der Welt, so müssen wir zugeben, dass unser zeitweiliges Wutbürgertum zwar durchaus berechtigt ist, die Hintergründe aber keineswegs in Relation stehen zu dem, was anderen Ortes auf dem Spiel steht: sowohl politisch als auch kulturell. Es soll keine Moralpredigt folgen an dieser Stelle. Ich möchte nicht davon erzählen, dass wir uns mit Blick auf die aktuellen Krisenherde mit anderen Dingen beschäftigen sollten als mit den Raffinessen der mitteleuropäischen Kulturförderung.

Umbruch heißt nicht immer Abbruch

Ich denke, dass wir uns im Moment in einer Art Umbruchsituation befinden. Diese Situation fordert vor allem, nicht nur Mängel zu beklagen, sondern sich seiner Chancen bewusst zu werden und diese zu gestalten. Nicht ausschließlich mit Blick auf den Kulturbetrieb, aber auch. Ich sehe es als unsere heutige Verantwortung an, diese Chancen zu nutzen und Dinge zu verändern.

Der Umbruch hat mehrere Seiten. Für den Kulturbetrieb besonders interessant: die finanzielle und die inhaltliche Seite. Finanziell gesehen brechen immer mehr traditionelle Erwerbsmöglichkeiten weg, es tauchen aber gleichzeitig auch immer mehr kreative Wege auf, Geld zu verdienen. Aus inhaltlicher Perspektive ist eine allgegenwärtige Brisanz der Geschehnisse zu spüren. Mit höchster Aufmerksamkeit werden aktuelle Debatten verfolgt und kommentiert. Selten (soweit ich das sagen kann) waren Meinungen so differenziert und auch streitbar wie in diesen Wochen. Diese Aufmerksamkeit und damit auch Neugier sollte genutzt werden, um Fragen zu stellen und Antworten zu finden. Als Akteur des Kulturbetriebs frage ich mich im Moment, wo die Reise hingehen soll: Was wollen wir überhaupt und wer sind die Rezipienten? Wer soll es bezahlen und warum? Was ist heute der Wert von Kultur? Soll Kultur überhaupt bewertet werden und wenn nicht, können wir uns diese Haltung leisten? Was steht auf dem Spiel, wenn gekürzt wird und wer genau kann diese Kürzungen verkraften und verantworten? Wie soll Kultur in Zukunft aussehen und wo soll sie stattfinden?

Lösungen im Zahlendschungel?

Was Fakten angeht, so geben aktuelle Zahlen nur bedingt Antworten auf all die Fragen. Mit Blick auf Kürzungen wissen wir schlichtweg nicht, was passieren wird. Sehen wir uns bspw. Kulturförderung durch Sponsoring an:

Die zu Beginn genannte E.ON mag ein Einzelfall sein, doch berichtete die Süddeutsche Zeitung am 13.08.2011 bereits darüber und zeigte die Gefahren einer Einstellung des Firmenengagements für einzelne Kulturinstitutionen deutlich auf. Gleichzeitig lesen wir in Studien und Kommentaren (wie in der Studie der Sponsoringagentur Causales), dass gerade Sponsoring für Kulturinstitutionen immer wichtiger wird und immer professioneller angegangen wird. Während hier 133 Antworten von Kulturinstitutionen über die steigende Bedeutung von Sponsoring berichten, liest man dagegen in einer Studie der Universität der Bundeswehr München die Antworten von 591 Unternehmen, die Sponsoring allgemein bewerten. Im Speziellen erläutert die Studie:

„Wie schon 2008, ist eine leicht rückläufige Tendenz bei der Verbreitung des Sponsorings zu verzeichnen. Erstmals ist auch der Anteil des Sponsorings am Kommunikationsbudget geringfügig zurückgegangen. Unverändert bleibt bei der Budgetverteilung die Spitzenposition des Sportsponsorings. Deutlich zugelegt hat wieder das Ökosponsoring. Und auch der Budgetanteil des Bildungs-/ Wissenschaftssponsorings sowie des Soziosponsorings ist erneut gestiegen. Dafür ist das Budget für Kunst-/Kultursponsoring weiter stark gesunken.“

Die aktuelle Lage der Wirtschaft könnte zu einer Prioritätenverschiebung des Engagements führen. Aber definitiv wissen wir es nicht. Besser ist es daher, sich in den Debatten auf das zu stürzen, was über die gängigen Formate hinaus passieren könnte. Darüber, welche Chancen aus der Umbruchstimmung entstehen.

Neue Formate zeigen Lösungen auf und machen Mut

Innerhalb dieses Blogs wurde in den letzten Monaten unter anderem über Crowdfunding diskutiert. Für mich zeigt diese Finanzierungsart, dass durchaus Bewegung in den Kulturbetrieb kommt. Ein Projekt vorzustellen, um es crowdfunden zu lassen, bedeutet ja, dass man davon ausgeht, dass es Menschen gibt, die es vielleicht besser wissen, als die Damen und Herren der Verwaltung, die einen Antrag abgelehnt haben oder es tun könnten. Dieses Selbstbewusstsein brauchen Kulturprojekte, und sie lernen auch zunehmend ihre Stärken zu artikulieren. Mit der Artikulation kann wiederum eines der größten Verständnisprobleme gelöst werden: Viele der oft zitierten Nicht-Kultur-Nutzer verstehen nämlich schlichtweg nicht, was das mit der Kultur soll. Unter anderem verstehen sie nicht, warum viele Kulturschaffende die Erwirtschaftung eines Gewinns gar nicht an erster Stelle sehen. Der Zusammenhang zwischen Produkt und Markt ist oft völlig schleierhaft. Mit dem Format des Crowdfundings kommt ein Handlungsprinzip ins Spiel, das vielen Menschen nahe ist und auch Freude bereiten kann. Crowdfundig hat etwas Spielerisches (ohne zynisch zu sein und für oder gegen das Rollen eines Kopfes zu stimmen), das den Förderprozess emotionalisiert, ein Mitmachgefühl evoziert, das die Beteiligten motiviert, alles zu geben, um ein Projekt umzusetzen. Wie bereits vielfach erwähnt, kann Crowdfunding nicht die staatlichen Mittel ersetzten. Genauso wenig wie Sponsoring, Spenden und andere Finanzierungsarten. Vielmehr bewahrt es den Kulturbetrieb davor, in Angst vor der großen Finanzierungslücke in Untätigkeit zu erstarren.[1] Denn es geht nicht darum, Gefälligkeitskunst für den Nutzer zu produzieren. Ich glaube nicht, dass sich Kultur verbiegen muss, um gehört und gesehen zu werden. Was das Beispiel des Crowdfundings aufzeigt und die Kultur bzw. die Kulturproduzenten vielleicht auch lehrt, ist, dass sie ohne Scheu ein stärkeres Selbstbewusstsein entwickeln können und sich ihrer Fähigkeiten und Wirkungsmechanismen bewusster werden. Denn oft müssen sich nur Verpackung und Präsentation ändern, damit der Mut erwacht, sich in viele Richtungen zu öffnen. Eine viel diskutierte Richtung ist und bleibt die Kooperation mit Unternehmen. Damit zur Frage, wo Kultur in Zukunft stattfinden könnte.

Mit der Kunst ins Haus fallen

Was ist verkehrt daran, sich mit einem Unternehmen zusammenzusetzen und ein völlig neues Kulturprogramm zu schaffen? Wieder besteht die große Angst, ein Unternehmen vertrete nur eigene Interessen und missbrauche die Kunst bzw. Kultur, um sich zu profilieren. Vergessen wir doch einfach einmal für einen Moment das in diesem Zusammenhang sofort assoziierte Sponsoring. Nicht, weil ich es abschaffen möchte – in sehr vielen Fällen ist es ja eine feine Sache – eher weil ich glaube, dass man den Abstand bräuchte, um Neues zu entwickeln. Danach können wir es ja gerne wieder ausgraben.

Was Unternehmen bewegt … – und auch die Kultur?

Das berüchtigte Unternehmen aus dem Bilderbuch ist reich, skrupellos und undurchschaubar. Doch wer sich schon einmal mit einem Familienunternehmer unterhalten hat, weiß nur zu gut, dass es nicht immer so ist. Gerade in Gegenden, die stark von Abwanderung bedroht sind, in Branchen, die expandieren, wo Fachkräfte aber fehlen, in witterungsabhängigen Wirtschaftszweigen und in etablierten Betrieben, deren Führungsnachfolge ungeklärt ist, hat die Leitung eines Unternehmens viel mit der Leitung einer Kulturinstitution gemeinsam. Der gängige Vergleich ist der eines Dirigenten mit einem Unternehmer – beide Leiter einer buntgemischten Truppe von Individuen, die doch ein großes Ganzes schaffen wollen. Oft geht es aber auch um die Kunst der Improvisation. Die Organisation einer Ausstellung in Kooperation mit einer anderen Institution stellt eine logistische Meisterleistung dar, genauso wie die Herstellung einer Maschine, die von vielen Zulieferern abhängig ist.

Es ist sicher fraglich, ob jedes Unternehmen in der Kooperation mit einer Kulturinstitution die perfekte Investition in die Zukunft sieht.

Gleichzeitig ist es aber frappierend zu sehen, wie viele Artikel, Veranstaltungen und Anzeigen darauf hinweisen, dass die Industrie händeringend nach Lösungen für komplexe Probleme sucht. Integration und Retention, Arbeitsplatzgestaltung und Gesundheit, altersgerechte Anreizsysteme, lebenslanges Lernen, Karrieremanagement und Austrittsmodelle, Wissensmanagement und Wissensbilanzierung und schließlich Diversity Management. Um nur einige zu nennen… [2]

Kultur kann – wenn sie will

Wenn ich jetzt die Kultur als einen Lösungsvorschlag einbringe, soll das nicht heißen, dass sie sich prostituieren muss. Im Gegenteil: Hier kann sich ein weiterer Zweig auftun, in dem sie zeigen kann, was ihre Stärken sind. Und bevor hier etwas falsch verstanden wird: Ich halte Unternehmenstheater zur reinen Mitarbeiterbespaßung für eine nette Sache. Aber ich denke nicht, dass es alles ist, was Kunst und Kultur zu bieten haben. Was die Kultur kann, ist intervenieren, analysieren und umdrehen. Sie kann in Prozesse eingreifen, sie überdenken und umstrukturieren. Sie kann animieren, motivieren und begeistern. Sie kann das, was Lévi-Strauss einst „Bricolage“ nannte. Er meinte damit nicht das Basteln im wörtlichen Sinne, sondern eine Form von Wissen. Für den Bricoleur sind Objekte nur zur Hälfte zweckbestimmt, die andere Hälfte lässt er offen für zukünftige Projekte. Der Bricoleur empfindet dann ein Erfolgserlebnis, wenn er es geschafft hat, neue Zusammenhänge zu schaffen, die vorher nicht denkbar gewesen waren. Es macht ihn zu einem nachhaltigen Arbeiter, denn er bewahrt Dinge auf und denkt sie bereits in der Zukunft, ohne das genaue Ziel zu kennen. Sein Metier ist die Zweckentfremdung, da ihm meist nicht unendliche Ressourcen zur Verfügung stehen, er ist also ständig damit beschäftigt, die gewöhnliche Verwendungsweise von Material und Werkzeug auch verlassen zu können. [3]

Diese Offenheit, Ressourcen anders und neu einzusetzen, drei Mal um die Ecke zu schauen statt nur ein Mal, das sind Kompetenzen, die gerade jetzt wichtig sind und immer wichtiger werden – auch in der Wirtschaft. Wenn Kunst und Kultur ihre Aufgabe darin sehen, Gesellschaft zu reflektieren, dann haben sie im Moment die Möglichkeit, sich etwas aufzubauen, mit dem sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn das Leben und Schaffen unserer Gesellschaft findet zu einem großen Teil in der Industrie und im Handel statt.

Kunst als Mitarbeiter in Unternehmen

In einem Unternehmen als Kulturproduzent aktiv zu werden (in Form von Intervention oder auch Mitarbeit), bedeutet die Möglichkeit einer enormen Lernarena für den Künstler – menschlich wie technisch. Gleichzeitig bringt der Kulturproduzent sein Wissen in das Unternehmen ein. Ein Geben und Nehmen auf Augenhöhe. Ein echter Kompetenzaustausch also. Trägt eine kulturelle bzw. künstlerische Intervention wirklich den Status eines „Mitarbeiters mit besonderen Kompetenzen“ und nicht den eines anonymen „Dienstleisters“, werden firmeninterne Finanzierungsmodelle durchaus denkbar. Zum Beispiel durch die Integration in ein Schulungsprogramm oder als „Abteilung für Innovation und Entwicklung“, die wie Marketing, EDV und Personalbüro einen festen Platz im Unternehmen einnimmt.

Natürlich ist die entscheidende Frage, wie eine solche Kooperation oder Mitarbeit nun aussehen soll.

Wie so oft, bleibt eine Standardlösung aus. Einige Beispiele können aber genannt werden:

Bereits bekanntes bietet sicherlich der dm-Drogeriemarkt mit seinem Schulungsprogramm, das vor allem nach innen und nur nebenbei auch nach außen wirkt. Unternehmenstheater wird hier nicht eingekauft, sondern von den Mitarbeitern als Fortbildungsmaßnahme wahrgenommen. Zu nennen wäre aber auch der Künstler Paul Huf, der seit längerem in einer Unternehmensberatung angestellt ist – als Künstler, wohl bemerkt, nicht als klassischer Berater. Oder aber das Projekt „Menschen – Technik – Emotionen“, in dem Mitarbeiter einer Firma gemeinsam mit den Mitgliedern eines Kulturvereins die Produktionshallen fotografisch inszenierten und eine Ausstellung für die Einwohner der Stadt konzipierten. Hier wurde der Arbeitsplatz künstlerisch und vor allem persönlich reflektiert. Einige Beispiele bietet auch die Liste der Gewinner des Wettbewerbs der Kultur- und Kreativpiloten, die mit ihren Ideen genau das schaffen, was Tania Breyer, Beraterin im Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft, „das Gegenteil von Kultursponsoring“ [4] nennt. Darunter verstehe ich persönlich, sich selbst zu helfen mit schlauen Ideen.

Zu den Voraussetzungen

Ein wesentlicher Faktor muss beiden Seiten vorher bewusst sein: sie brauchen sich gegenseitig. Nicht als Geld- bzw. Imagegeber. Sondern für eine gemeinsame Sache. Die gemeinsame Sache kann sein, einen Mikrokosmos (wie bspw. ein Unternehmen) durch eine Idee zusammen weiterzuentwickeln. Dieses „Zusammen“ kann allerdings nur erreicht werden, wenn sich die Akteure als „Partner“ bezeichnen und sich als solche auch auf Augenhöhe begegnen und anerkennen. Warum sollte das einer mitmachen, wo er sich doch auch einfach einen Unternehmensberater einstellen könnte, um profitabler zu wirtschaften. Vielleicht macht er es ja genau deshalb, weil er gemerkt hat, dass Dinge komplexer sind. Dass bei all den oben genannten Problemen eben keine anonymen Berater helfen können. Dass sie verwurzelt sind. Und dass künstlerisches Denken ein Schlüssel sein kann, der interne Abläufe überdenkt und der externe Zusammenhänge überhaupt erst gestalten kann – und genau damit vielleicht die eigene Existenz zu sichern vermag (zum Beispiel im Wirkungskreis einer Kommune).

Der Weg dort hin

Ganz bewusst schreibe ich oben „Kunst und Kultur haben die Möglichkeit, sich so etwas aufzubauen […]“. Trotz vieler Kooperationen zwischen Kulturinstitutionen und Unternehmen, ist eine solche Form des Kompetenzaustauschs nicht gang und gäbe. Aber sie bietet ungeahnte Potentiale, die mit Kreativität und Verständnis für (manchmal auch fremde) Prozesse ausgeschöpft werden können. Wichtig ist vor allem der Aspekt der Gemeinsamkeit. Es soll nicht darum gehen, voneinander zu „profitieren“, sondern zusammen etwas zu entwickeln, das auf lange Sicht für alle Akteure einen Mehrwert schafft – sowohl finanziell als auch inhaltlich.

Mit Mut ins Getümmel

Die oben genannte Artikulation ist einer der Schlüsselbegriffe: Wer sich bewusst wird, was er mit seinem Werk, mit seiner Idee oder mit seinem Produkt zu bieten hat, der findet auch diejenigen, die sich dafür interessieren. Sieht er dabei nicht nur den klassischen Markt, sondern auch einen gesellschaftlichen oder systemrelevanten Aspekt, ist er von der Industrie oft gar nicht weit entfernt. Dazu gehört die richtige Verkaufsstrategie – keine Frage. Doch wer von seinem Gegenüber erwartet, sich auf die Sprache der Kunst und Kultur einzulassen, der sollte sich auch mit dessen Welt beschäftigen. Wahrscheinlich wird er feststellen, dass die Unterschiede gar nicht so gewaltig sind. Kreativität und künstlerisches Schaffen haben als Wissens- und Produktionsform Wesentliches zu bieten.

Mit Mut das Andere wagen

Auch für Unternehmen ist eine Öffnung hin zur Kultur als „Mitarbeiter“ noch Neuland. Doch die Auseinandersetzung mit und der Einsatz von Kultur im Unternehmen stellen laut Brigitte Biehl-Missal einen der großen Trends des 21. Jahrhunderts dar. Sie nennt ästhetische Kompetenz „eine Art Navigationsfähigkeit in der Wirtschaftswelt“ und formuliert weiter

„Mit einer ästhetisch kompetenten, verständnisvollen Haltung der Menschen in und außerhalb von Unternehmen kann Einfluss auf nicht nur ein ansprechenderes, „schöneres“, sondern partizipatives und nachhaltigeres Leben genommen werden. Nun ist es an Forschung und Praxis, besondere Ansprüche an den Einsatz von Kunst zu formulieren, um das Verhältnis mit noch mehr Energie und herausfordernden Ideen aufzuladen. Es geht jetzt darum, dass die Wirtschaft die Herausforderung der Kunst wirklich annimmt.“ (in: Brigitte Biehl-Missal: „Wirtschaftsästhetik: Wie Unternehmen die Kunst als Inspiration und Werkzeug nutzen“ S.178)

 

Mit Verantwortung Chancen ergreifen

Diese Art von Zusammenarbeit ist ein Ziel. Vielleicht auch eine Vision. Meiner Meinung nach ist sie aber eine absolute Notwendigkeit. Sowohl aus inhaltlicher als auch aus finanzieller Sicht. Der Appell geht an alle Akteure, die Gesellschaft formen und gestalten. Neben dem Erhalt des Kulturguts, dem Aufbau und der Unterstützung neuer Sparten, der Ermöglichung von Raum für künstlerisches Schaffen, dem Drang nach Innovation, geht es vor allen Dingen um eines: Verantwortung.

Kultur sowie die weitreichenden Effekte künstlerischen Schaffens können das Bindeglied zwischen allen Akteuren der Gesellschaft sein, die sich ihrer Verantwortung für diese bewusst sind und gemeinsam daran arbeiten, etwas zu verändern, diese zu formen und gestalten. Gerade in Zeiten eines Umbruchs und wenn Debatten aktiv geführt werden, kommt es zur Hinterfragung von Systemen. Kulturschaffende sollten diese Momente daher nicht verschwenden und jammernd auf ihre Daseinsberechtigung pochen, indem sie Akteure aus Politik und Wirtschaft auffordern Engagement zu zeigen. Sie sollten viel mehr frischen Mutes neue Ideen und Lösungen entwickeln und damit sowohl die Kultur- als auch die Wirtschaftslandschaft bereichern.

Über die Autorin

Elisabeth von Helldorff (*1983) hat in Hildesheim Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis und in Växjö (S) und Mérida (Mex) Violoncello studiert. Mit ihrem Team gewann sie 2010 den Gründerwettbewerb „Herausforderung Unternehmertum“ der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und der Heinz Nixdorf Stiftung und gründete daraufhin das Büro für Kulturprojekte „Schwarz+Weiss: Kultur | Wirtschaft | Kreative Allianzen“ mit Sitz in Leipzig.


  • [4] Dierks, Birthe, Ein Interview mit zweien, für die sich die Systeme längst entgrenzt haben. Tania Breyer und Frank Lemloh im Gespräch mit Birthe Dierks. In: Breitbach, Helldorff, Mittag, Trollmann (Hrsg.) (2011): Publikation zum Symposium Kulturpolitur – Kultur und Wirtschaft neu denken. Offizielle Veröffentlichung der Publikation 09/2011.
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Transmedia Storytelling – die Kunst des digitalen Erzählens

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Ich gebe es zu, an diesem Beitrag bin ich länger gesessen als an den anderen mittlerweile gut 1.500 Beiträgen in diesem Blog. „Transmedia Storytelling – die Kunst des digitalen Erzählens“, so lautet nicht nur die Überschrift dieses Blogposts, sondern das ist auch das Motto der diesjährigen stARTconference, die am 17. und 18. November in Duisburg stattfinden wird. Seitdem wir uns vor einem Jahr für dieses Thema entschieden haben, ist kein Tag vergangen, an dem sich nicht irgendjemand daran gemacht hat zu erklären, was Transmedia Storytelling ist. Als ich im Januar den Beitrag „In zwei Minuten wissen Sie, was Transmedia Storytelling ist“ online stellte, habe ich es mir noch leicht gemacht und mit Hilfe eines Videos den Begriff zu erklären versucht.

So ganz ist das nicht gelungen, wie die Kommentare gezeigt haben. Rückblickend würde ich sagen, kratzt dieses Video nur an der Oberfläche von dem, was Transmedia Storytelling sein kann. Sein kann deshalb, weil sich heute viele Medienproduktionen damit schmücken, eine Geschichte transmedial zu erzählen. Aber eigentlich ist gar nicht so klar, wann wir von Transmedia Storytelling sprechen können und wann nicht.

Henry Jenkins definiert Transmedia Storytelling

Wer sich mit dem Thema beschäftigt, landet recht schnell bei einem Blogpost, das Henry Jenkins schon im Jahr 2007 geschrieben hat und den Titel „Transmedia Storytelling 101“ trägt. Jenkins, derzeit Professor an der University of Southern California, hat darin eine Definition vorgeschlagen, die wohl auch heute noch Gültigkeit besitzt:

„Transmedia storytelling represents a process where integral elements of a fiction get dispersed systematically across multiple delivery channels for the purpose of creating a unified and coordinated entertainment experience. Ideally, each medium makes it own unique contribution to the unfolding of the story.“

Als er sich anfangs dieses Monats in dem Beitrag „Transmedia 202: Further Reflections“ erneut mit dem Thema beschäftigte, konnte man darin zwar viel Neues lesen, die Definition blieb aber erhalten. Zerlegt man diese Definition, dann hat man da folgende Begriffe vor sich: Prozess, Fiktion, verschiedene Kanäle und so etwas wie ein Unterhaltungserlebnis („entertainment experience“). Häufig wird daraus: ich erfinde eine unterhaltsame oder spannende Geschichte und erzähle sie mit Hilfe verschiedener Formate, z.B. im Wechsel von Text und Bild.

Storywelt statt Storytelling

Vielleicht ist der Begriff Transmedia Storytelling auch irreführend, denn strenggenommen geht es gar nicht um die eine Geschichte. Vielmehr gilt es, eine fiktionale transmediale Welt zu kreieren, in der Dinge passieren können, von denen die Autoren anfangs noch gar keine Ahnung haben. Jenkins spricht von einem Prozess und meint damit „a continuum of possibilities“ und einen daraus resultierenden Fluss der Inhalte.

Dieser Fluss der Inhalte lässt sich auf unterschiedliche Art und Weise erzählen. Jenkins arbeitet in seinen beiden Beiträgen verschiedene Aspekte heraus, mit denen sich beschäftigen sollte, wer transmediale Welten entwerfen möchte. Ein wichtiger Aspekt ist die Erzählstruktur.

Vor allem das Fernsehen verdeutlicht die verschiedenen Möglichkeiten. Episodenhaften Serien, bei denen jede Folge abgeschlossen ist (siehe z.B. Tatort) stehen mehrteilige Filme gegenüber, deren Folgen sich unmittelbar aufeinander beziehen: Etwa die in den 1960er und 1970er Jahren gezeigten Durbridge-Mehrteiler. In beiden Fällen kommt aber auch das gegenteilige Element zum Tragen. So oder so besteht die Herausforderung darin, den Erzählstoff sinnvoll zu portionieren. Während früher, so Jenkins, das episodenhafte Erzählen im Vordergrund stand, habe vor allem das amerikanische TV in der jüngeren Vergangenheit mehr auf das serielle Erzählen gesetzt. Diese Entwicklung habe, so ist er überzeugt, das Publikum auf Transmedia Storytelling vorbereitet.

Die TV-Serie „Lost“ als Beispiel für eine serielle Erzählstruktur

Ein Beispiel für diese Entwicklung ist die in den USA produzierte TV-Serie Lost, in der das serielle Element dominiert (siehe dazu: Verena Schmöllers Artikel „Further Instructions“ in: „Durch das Labyrinth von LOST“ (Affiliate Link)) . Interessant ist, dass die Ausstrahlung im deutschen Fernsehprogramm kein großer Erfolg war, während sich die DVD- und Blu-Ray-Editionen sehr gut verkauften. Untersuchungen, die belegen, dass sich der geringe Erfolg der TV-Serie auf die serielle Erzählstruktur und eine eventuelle Überforderung des Publikums zurückführen lässt, sind mir aber nicht bekannt.

„Most transmedia stories are highly serial in structure, but not all serials are transmedia,“

schreibt Jenkins und verweist an anderer Stelle auf die Bedeutung der Cliffhanger, die dazu dienen, verschiedene narrativ nicht abgeschlossene Folgen durch Spannungsaufbau kurz vor dem Ende einer Folge miteinander zu verknüpfen. Dadurch sollen die ZuseherInnen/LeserInnen dazu gebracht werden, die nächste Folge anzuschauen oder den nächsten Band zu lesen.

Serielles Erzählen bedeutet nicht lineares Erzählen

Serielles Erzählen bedeutet aber nicht automatisch, dass die Geschichte linear erzählt wird. Gerade der transmediale Sprung in ein anderes Format erlaubt auch zeitliche Sprünge, die in Form einer Backstory häufig in der Vergangenheit spielen und zum Beispiel zusätzliche Informationen über eine oder mehrere Charaktere enthalten. Möglich ist es etwa, zwischen zwei Staffeln einer TV-Serie einen der Charaktere ein Blog betreiben zu lassen, das in der Vergangenheit spielt und dessen Entwicklung skizziert.

Diese inhaltlich begründete Beziehung zwischen – in diesem Fall – den Folgen einer TV-Serie und den Beiträgen eines Blogs ist eines der Kennzeichen von Transmedia Storytelling. Diese inhaltliche Verschränkung ist nicht neu und folgt dem Prinzip der Intertextualität, das sich – wenig überraschend – nur auf das Textformat bezieht.

„Jeder Text baut sich als Mosaik von Zitaten auf, jeder Text ist Absorption und Transformation eines anderen Textes,“

zitiert Wikipedia die bulgarisch-französische Psychoanalytikerin und Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Julia Kristeva, die diesen Begriff in der Beschäftigung mit Michail Bachtins Dialogizitätsmodell entwickelt hat.

Radikale Intertextualität und Multimodalität als Kennzeichen einer transmedialen Geschichte

Intertextualität (Jenkins spricht von „radically intertextuality“, erläutert diesen Begriff aber nicht weiter) verneint die interpretatorische Vormachtstellung der AutorIn und geht von einem Netzwerk an Texten aus, die erst durch die verschiedenen Verknüpfungen ihre wahre Bedeutung entfalten können. Transmedia Storytelling funktioniert nach dem gleichen Prinzip, beschränkt sich aber nicht nur auf ein (Text)-Format, sondern nutzt beliebig viele unterschiedliche Formate.

Unterschiedliche Formate erfordern aber einen unterschiedlichen Umgang:

„Each medium has different kinds of affordances – the game facilitates different ways of interacting with the content than a book or a feature film,“

schreibt Jenkins und führt in diesem Zusammenhang den von Gunther Kress geprägten Begriff der Multimodalität ein (siehe dazu: Gunther Kress: Reading Images: Multimodality, Representation and New Media). Kress, Professor für Semiotik, beschäftigt sich mit der Frage, wie die neue Komplexität von ‚Texten“ verstanden werden kann. Kommunikation läuft immer häufiger über mehrere Kanäle gleichzeitig (multimodal) und benötigt neue Kompetenzen, die wir uns erst nach und nach aneignen müssen.

Erst die Kombination von „radically intertextuality“ und „multimodality“ macht aus einer Story eine transmediale Story. Aber auch nur dann, wenn beide Ansätze dazu verwendet werden, die Story anzureichern und verwendet in diesem Zusammenhang den vom Spielentwickler Neil Young eingeführten Begriff „additive comprehension“, der dazu dient,

„to refer to the ways that each new text adds a new piece of information which forces us to revise our understanding of the fiction as a whole.“

Damit schließt sich der Kreis, denn einen Satz vorher heißt es bei Jenkins:

„Ideally, each individual episode must be accessible on its own terms even as it makes a unique contribution to the narrative system as a whole.“

Transmedia Storytelling als Zusammenspiel komplexer Phänomene

Damit wären wir wieder bei der Erzählstruktur gelandet und der Herausforderung, die Story entsprechend zu portionieren und jedes seiner Einzelteile inhaltlich aufzuladen.

Wer Transmedia Storytelling lediglich als das Erzählen einer Geschichte mit Hilfe mehrerer Formate versteht, wird dem Begriff nicht gerecht. Henry Jenkins versteht darunter das Zusammenspiel verschiedener sehr komplexer Phänomene, das sich in folgender Formel darstellen lässt:

„radically intertextuality“ + „multimodality“ + „additive comprehension“ = transmedia storytelling

Erst in diesem Fall dürfen wir von Transmedia Storytelling als der Kunst des digitalen Erzählens sprechen, wobei auch das erst die Grundformel ist.

Titelbild von Jr Korpa auf Unsplash

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Brüssel fördert 2013 Kunst- und Kulturprojekte mit Partnern aus Australien und Kanada

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© Gerd Altmann ; Pixelio

Im Rahmen des EU-Kulturförderprogramms gibt es neben der allseits bekannten Möglichkeit, Projekte mit Partnern aus dem europäischen Raum gefördert zu bekommen auch den Aktionsbereich 1.3.5, das dazu dient, Vorhaben mit sogenannten Drittländern zu fördern. Das sind, vereinfacht gesagt, Länder, die etwas weiter entfernt sind, bei der diesjährigen Ausschreibung war das Mexiko und nächstes Jahr wird das Südafrika sein (was ich bereits in diesem Blogpost angekündigt habe).

Nun hat Brüssel das Geheimnis gelüftet, welches Land 2013 dran sein wird. Mit Australien und Kanada hat sich die Kommission dieses Mal wieder für zwei Länder entschieden, die zudem noch recht groß sind  und vermutlich eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten für gemeinsame Projekte bieten.

Gefördert werden laut Programmleitfaden Vorhaben, die

  • „eine maximale Laufzeit von 24 Monaten haben;
  • den Koordinator und mindestens zwei Mitorganisatoren einbeziehen, wobei die drei Beteiligten aus drei verschiedenen am Programm beteiligten Ländern kommen müssen;
  • für jeden Mitorganisator einen unterzeichneten Auftrag umfassen, in dem die erforderlichen Verpflichtungen aufgeführt sind;
  • eine kulturelle Zusammenarbeit mit mindestens einer Organisation aus dem ausgewählten Drittland beinhalten. Mindestens 50 % der Maßnahme sollte im Drittland stattfinden. Die in einem nicht ausgewählten Drittland entstehenden Kosten sind im Rahmen dieses Aktionsbereichs nicht förderfähig;
  • auf einem Kooperationsabkommen zwischen den beteiligten Kulturakteuren (Koordinator, Mitorganisator und Partner im Drittland bzw. in den Drittländern) basieren. Dieses Abkommen wird vom Koordinator und den Mitorganisatoren und dem bzw. den Partner(n) im Drittland unterzeichnet und beschreibt ihre Zusammenarbeit;
  • eine Finanzhilfe von mindestens 50 000 EUR und höchstens 200 000 EUR beantragen und
  • ein ausgeglichenes Budget (Ausgaben = Einnahmen) aufweisen und die
    Obergrenze der EU-Finanzhilfe von 50 % der gesamten förderfähigen Mittel
    einhalten. (Programmleifaden S. 47)“

Die Deadline für die Einreichung ist bei diesem Aktionsbereich grundsätzlich Anfang Mai, für Projekte in Südafrika ist das dann laut EU-Zeitplan der 3. Mai 2012 und für Vorhaben in Australien beziehungsweise Kanada der 3. Mai 2013. Etwas Zeit haben Sie also noch. ;-)

Weitere Informationen und auch die Antragsformulare finden Sie dann auf der Seite der Exekutivagentur für Bildung, Audiovisuelles & Kultur, die für die Abwicklung des EU-Kulturförderprogramms zuständig ist.

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Treffpunkt KulturManagement am 17. August: Social-Media-Monitoring für Kulturbetriebe

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Es ist schon spannend zu verfolgen, wie die Zahl der Kultureinrichtungen, die im Social Web aktiv sind, von Tag zu Tag zunimmt. Was mich besonders freut, dass es immer mehr bloggende Kultureinrichtungen gibt. Nachdem ein solches Blog aber ziemlich aufwendig ist, stellt sich hier ganz besonders die Frage: was bringt uns das eigentlich?

Ist es am Anfang vor allem die Neugierde und der Spaß am Experiment, so muss sich, wer das Social Web im geschäftlichen Kontext nutzt, irgendwann einmal die Frage stellen, welche Ziele damit erreicht werden sollen? Um den Erfolg im Hinblick auf diese Ziele messen zu können, bedarf es entsprechender Erfolgskriterien und da sind natürlich Kennzahlen am besten geeignet. Leider funktioniert das mit den Kennzahlen nicht immer und schon verlässt man sicheres Terrain. D.h. man steht dann vor der Frage, ob solche Kennzahlen in der jeweiligen Situation Sinn machen und wenn ja, welche es seien könnten?

Genau um solche Fragen wird sich der nächste Treffpunkt KulturManagement drehen, der am 17. August um 9 Uhr zum bereits 15. Mal stattfindet. Nachdem dieses Thema  bei unserer Umfrage kurz vor dem Sommer auf dem zweiten Platz gelandet ist, haben wir versucht, es schnell in unser Programm aufzunehmen. Als Experten für den Impulsvortrag haben wir Christoph Deeg eingeladen, der sich schon lange mit diesem Thema beschäftigt und als Berater Kultureinrichtungen in Sachen Social Media begleitet.

Christoph Deeg ist studierter Jazzschlagzeuger und vielen entweder von verschiedenen Konferenzen her oder über sein Blog Kulturbeutel bekannt. Außerdem hat er den Verein Zukunftswerkstatt begründet und ist dort unter anderem für die „Gaming Roadshow“ zuständig, womit wir bei seinem zweiten Spezialthema wären, den Spielen. In einer Mail hat er mir geschrieben, dass für ihn das Internet und die Welt der Computerspiele weniger Technologien als vielmehr neue Kulturformen seien. Sein Anliegen sei es, die daraus entstehenden Denk- und Arbeitsweisen Institutionen und Unternehmen nahezubringen und sie dabei zu unterstützen, diese neue Kulturform in den täglichen Arbeitsablauf zu integrieren.

Im Treffpunkt KulturManagement wird sich Christoph Deeg mit der Frage beschäftigen, wie man den Erfolg der Onlineaktivitäten messen kann und was Erfolg in diesem Zusammenhang für Kultureinrichtungen überhaupt bedeutet? Daraus ergeben sich weitere Fragen wie: wo macht Monitoring Sinn und wo nicht? Welche Fehler werden sehr oft gemacht? Brauchen Kulturinstitutionen überhaupt Social-Media Measurement? Und warum muss man Social-Media-Measurement managen?

Die Auflösung bzw. Antworten auf diese Fragen gibt es, wie gesagt, am 17. August ab 9 Uhr. Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Der Treffpunkt KulturManagement ist auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort registrieren.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 17.08.2011 von 9:00 bis 10:00
Thema: Social-Media-Monitoring für Kulturbetriebe
Impulsvortrag: Christoph Deeg

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement

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Kultur für alle: ist Crowdfunding die Lösung?

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© tokamuwi ; Pixelio

Wer  sein Projekt mit Hilfe von Crowdfunding zu finanzieren beabsichtigt, tut das sehr häufig, weil es für das Vorhaben keine oder zu wenig öffentliche Mittel gibt. Das Geld gibt es nicht, weil zu wenig da ist, was bedeutet: Crowdfunding ist für die Politik eine feine Sache, denn wer vom kleiner werdenden Förderkuchen nicht mehr satt wird, ernährt sich über die aus dem Boden schießenden Crowdfunding-Plattformen.

Aber ist das wirklich so? Die Frage beschäftigt mich, weil ich einerseits gerade für die Kulturpolitische Gesellschaft einen Artikel über das Thema Crowdfunding schreibe und andererseits eingeladen wurde, auf einer vom österreichischen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur ausgerichteten Konferenz Crowdfunding als neues Finanzierungsinstrument vorzustellen.

Wenn wir darüber diskutieren, wie Kunst und Kultur zu finanzieren sind, dann zeigt sich recht schnell, dass das die Aufgabe des Staates zu sein hat. Dieser garantiert, dass erstens qualitativ hochwertige Kunst entsteht, die sich nicht unbedingt am Mainstream orientiert und verhindert zweitens, dass es keine Einflussnahme seitens privater Unterstützer gibt. Das impliziert: Kunst und Kultur werden ohne ideologische Beweggründe gefördert, schließlich eignen sie sich auch hervorragend als gesellschaftliches Schmiermittel. Kunst verbindet Menschen, die sich ansonsten durch Herkunft, Bildungsgrad und andere Kriterien sehr wohl voneinander unterscheiden.

„Kultur für alle“ postulierte Hilmar Hoffmann in den 1970er Jahren, eine Forderung, die zwar ab und zu noch erhoben wird, aber wer die kulturpolitischen Versuche, „allen“ den Zugang zur Kunst ermöglichen, Revue passieren lässt, wird feststellen: mit besonders großer Ernsthaftigkeit arbeitet die Kulturpolitik heute nicht mehr daran. Warum das so ist, darüber können wir vermutlich endlos streiten. Vielleicht liegt es einfach daran, dass Kulturpolitik noch nie ideologiefrei war und Kunst und Kultur eigentlich immer als Instrumente gesehen wurden, die die gesellschaftliche Trennung verstärken.

Christiane Schnell, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialforschung in Frankfurt hat das in ihrem Vortrag auf der im Januar 2010 in Wien stattfindenden Arbeitstagung des Fachverbandes Kulturmanagement recht anschaulich erläutert (siehe dazu mein Blogpost Kulturmanagement: auf der Suche nach der richtigen Theorie) und sich dabei auf Pierre Bourdieus Gesellschaftstheorie berufen.

„Kulturelle Präferenzen sind nicht autonom, sondern das Ergebnis der sozialen Sozialisation,“

hat Schnell damals in Wien gesagt und festgestellt, dass durch die Förderung und Unterstützung von Kunst gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse reproduziert werden. Das bedeutet: Kulturpolitik kann zwar durchaus den Anspruch haben, Kunst und Kultur allen zugänglich zu machen. Häufig geht es aber darum, den Status Quo aufrecht zu erhalten, wie der Blick in die Kulturbudgets zeigt. Während neue, junge und innovative Projekte oft gar keine oder nur eine geringe Unterstützung erhalten, absorbieren die etablierten Kultureinrichtungen einen Großteil des zur Verfügung stehenden Geldes.

Gefördert wird also vor allem die Hochkultur, während die Kunst, die sich gegen das Establishment wendet, meist auf Unterstützung durch den Staat verzichten muss, obwohl sie vielleicht durchaus populär ist. So haben sich immer wieder Nischen gebildet, in denen Communitys vom größten Teil der Gesellschaft unbemerkt, ihre eigene Kunst leben und erleben.

An dieser Stelle kommt nun das Crowdfunding ins Spiel. Auf den Plattformen geht es nicht darum, für bestimmte Projekte zu spenden, sondern es geht um das, was Brian Solis als „Engage“ beschreibt, das sich aktive Einbringen, das auch über verschiedene Aktivitäten im Social Web zum Ausdruck gebracht werden kann und nicht nur durch die Überweisung von fünf Euro.

Ist es nicht so, dass Crowdfunding den vielen (künstlerischen) Nischen die Möglichkeit bietet, sich aus den Strukturen zu lösen, die sie bis jetzt eher behindert denn gefördert haben? Kann Crowdfunding ein Ansatz sein, der sich in die Richtung von Hoffmanns „Kultur für alle“ bewegt? Lässt sich auf diese Weise eine Pluralität realisieren, die zwar häufig als Schlagwort in den Mund genommen wird, vor der dann aber doch die meisten Angst haben, wenn sie mit einer für sie fremden Kunst (und auch ihnen fremden Menschen) konfrontiert werden? Oder ganz anders gefragt: ist Crowdfunding unter Umständen nicht etwas, wovor sich „die Kulturpoltik“ fürchten müsste, weil hier Projekte finanziert und realisiert werden, die das bestehende Herrschaftssystem unterminieren? Ihre Meinung würde mich interessieren.

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Filterblase und Personalisierung: „die Dosis macht das Gift“

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eye„; By piotr ilowiecki (CC-Lizenz)

Wer auf Facebook mehr als eine Handvoll Kontakte hat, erkennt recht schnell, dass es unmöglich ist, all ihre Beiträge und Kommentare zu lesen. Gleiches gilt natürlich auch für Twitter und diverse andere Kanäle. Während wir uns im Fall von Twitter selbst behelfen und entweder Listen erstellen oder die Tweets nach Hashtags durchsuchen, nimmt uns Facebook diese Arbeit ab und filtert die Nachrichten, die eigentlich alle für uns gedacht sind. Facebook versucht, die für uns relevanten Nachrichten zu entdecken und braucht dafür natürlich irgendwelche Kriterien. Nicht ganz überraschend präsentiert uns Facebook die Beiträge derer, mit denen wir häufig kommunizieren und interagieren. Alle anderen müssen leider draußen bleiben.

So ähnlich ist das auch bei Amazon. Die Software merkt sich, was Sie interessiert bzw. was Sie irgendwann einmal gekauft haben und versorgt Sie umgehend mit Vorschlägen, die sich an Ihrem bisherigen Verhalten orientieren. Überlegen Sie sich also gut, was Sie dort kaufen, denn aus der jeweiligen (Produkt)-Ecke kommt man nur schwer wieder heraus. Für mich heißt das zum Beispiel: ich bekomme seit  einigen Wochen das Buch „Social Media im Kulturmanagement“ angeboten, den Tagungsband der letzten stARTconference. Lösen lässt sich dieses „Problem“ wahrscheinlich nur, indem ich das Buch bei Amazon kaufe, was ich aber nicht tun werde, denn dieses Buch befindet sich in meinem Besitz.

Aber diese Form der Belästigung hat auch etwas Gutes an sich. Amazon macht mich mit diesen Hinweisen darauf aufmerksam, dass sich UserInnen mit ähnlichen Interessensgebieten für dieses Buch interessieren bzw. es kaufen. So nervig die Hinweise sind, gleichzeitig zeigen sie mir aber an, dass dieses Buch wahrgenommen bzw. gekauft wird. Womit wir bei der Kehrseite der Medaille sind, denn es gibt jede Menge Situationen, in denen ich möchte, dass die Aufmerksamkeit auf mein Produkt oder meine Dienstleistung gelenkt wird. Jede Kultureinrichtung hat ein Interesse daran, in den personalisierten Newsfeeds möglichst vieler Menschen aufzutauchen, egal ob auf Facebook, Twitter oder auch in den Rankings der Suchmaschinen. Nur so werden meine Aktivitäten überhaupt wahrgenommen, nur so erhalte ich die Aufmerksamkeit, die ich brauche, um z.B. meine Publikumszahlen zu erreichen.

Das Filtern von Informationen bzw. die damit verbundene Personalisierung hat also Vor- und Nachteile oder, um das schon in der Überschrift verwendete Zitat von Paracelsus zu bemühen: „die Dosis macht das Gift“. Entdeckt habe ich dieses Zitat bei Mario Sixtus, der in einem Beitrag für den Elektrischen Reporter ein recht düsteres Szenario dieser Entwicklungen zeichnet, die uns, wie er sagt, vom Meinungspluralismus in den Autismus führen (ab Minute 8:00).

Eli Pariser spricht in diesem Zusammenhang von der filter bubble, die deshalb so gefährlich ist, weil sie von uns unbemerkt zur Anwendung kommt. In seinem TED-Vortrag erzählt er, dass er sich politisch als progressiv bezeichnen würde, aber trotzdem Interesse an den Ansichten und Meinungen konservativ denkender Menschen hat. Nur, so merkte er eines Tages, würden diese Meinungen in seinem Facebook-Newsfeed gar nicht mehr auftauchen.

Sortiert jemand die Meinungen anders denkender Menschen gezielt aus, so ist das eine bewusste Entscheidung. Facebook, Google & Co. fragen uns aber nicht, ob wir das wollen oder nicht, sondern lassen die Algorithmen entscheiden. Pariser schlägt verschiedene Maßnahmen vor, um sich gegen diese Bevormundung zu wehren. Am wichtigsten scheint mir aber das Wissen um diese Mechanismen zu sein, denn wie gesagt: einerseits sind wir ob der schleichenden Beeinflussung empört, andererseits aber setzen wir auf genau diese Mechanismen, damit sich unsere Angebote besser verkaufen lassen.