Monthly Archives of: September 2011

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Amiando: Ticketing über die eigene Facebookseite

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Vielleicht ist Ihnen das auch schon mal passiert: Sie werden via Facebook oder irgendein anderes Netzwerk auf eine Veranstaltung aufmerksam und würden sich gerne gleich ein Ticket besorgen. Ich selbst habe diesen Vorsatz schon mehr als einmal abgebrochen, weil sich der Erwerb des Tickets als, sagen wir mal, hürdenreich erwiesen hat.

Lange Wege, komplizierte Vorgänge, da könnte Amiando mit seinem Facebook-Tickeshop Abhilfe schaffen, denn dank des mittlerweile von Xing gekauften Unternehmens lässt sich nun der Ticketshop direkt auf der eigenen Facebook-Seite einrichten. Das Beispiel der „Le Web“-Konferenz zeigt, dass die UserIn auch auf Facebook die bekannte Benutzeroberfläche erwartet.

Während ich von der Integration Amiandos in Xing nicht so angetan war, was vor allem daran lag, dass mich die zahllosen Eventeinladungen eher nerven als interessieren, ist das auf Facebook, wie ich finde, wesentlich besser gelöst. Ein eigener Reiter sorgt dafür, dass der Ticketshop gut sichtbar ist, wie man anhand des Amiando-Demo-Tickeshops sehen kann. Wer kein Ticket kaufen möchte, klickt die entsprechende Seite einfach nicht an. Ich bin gespannt, wie das Tool angenommen wird.

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Social Media statt Logofriedhof: ist Crowdfunding das neue Sponsoring?

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© Paul-Georg Meister ; Pixelio

Früher, also so richtig früher, da gab es die reichen Unternehmer, die es sich leisten konnten, aus welchen Gründen auch immer, Kunst zu unterstützen. Idealerweise trug ihr Mäzenatentum dazu bei, den eigenen Ruf aufzuwerten, aber von Leistung und Gegenleistung war damals noch nicht unbedingt die Rede. Aus der Unterstützung wurde ein (professionelles) Miteinander, unter dem Begriff Sponsoring entstand eine Art Wissenschaft, die versuchte herauszufinden, worauf der Erfolg solcher Kooperationen fußt. Das Resultat waren und sind unter anderem die sogenannten Logofriedhöfe, über deren Sinn und Zweck man, so denke ich, streiten kann.

Sehr viel weiter geht da das, was vor einigen Jahren als Corporate Social Responsibility in Mode gekommen ist und häufig als die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung durch ein Unternehmen beschrieben wird. Eine eigene Unterform hat sich im Kunst- und Kulturbereich entwickelt, wir sprechen in diesem Fall von Corporate Cultural Responsibility. „Tue Gutes und rede darüber“ beschreibt Anja Barth das Grundprinzip dieses Ansatzes in einem Blogpost, das sich mit der Frage beschäftigt, wie ein zukünftiges unternehmerisches Kulturengagement aussehen könnte?

Ihre Überschrift „Unternehmen + Kulturengagement + Crowdfunding = unternehmerisches Kulturengagement 2.0“ macht deutlich, in welche Richtung sie dabei denkt. Barth, die bei der Crowdfundingplattform Startnext für die Unternehmenskooperation zuständig ist, ist davon überzeugt, dass Crowdfunding nicht nur für private UnterstützerInnen interessant ist, sondern auch Unternehmen von dieser Form der Projektfinanzierung profitieren können.

„Jenseits von klassischem Sponsoring und Mäzenatentum bietet Crowdfunding eine ganze Palette an Social Media Funktionen an, um (1) sein Engagement einer breiten Zielgruppe  zu kommunizieren, (2) schnell, einfach und günstig passende Kulturkooperationen zu finden und (3) selbst Kulturprogramme zu entwickeln, um sich als innovativer Kulturförderer zu positionieren“,

so ihre Ansicht. Ich teile diese Ansicht und kann mir gut vorstellen, dass Crowdfunding für Unternehmen, die sich in Kunst und Kultur engagieren wollen, eine höchst interessant Alternative zu den mitunter nicht besonders aufregenden Sponsoringkooperationen darstellt. Die Gründe hat Anja Barth genannt.

Social Media statt Logofriedhof, so könnte man den Unterschied ein wenig polemisch beschreiben. Die Partnerschaft wird nicht mehr nur mit Hilfe von Logos auf Plakaten, Programmheften, etc. abgebildet, sondern wird im Social Web kommuniziert. Unternehmen können sich dabei die Kulturbetriebe als Partner aussuchen, die dort nicht nur vertreten, sondern auch entsprechend aktiv sind. Hinzu kommt: auf den Crowdfundingplattformen finden sich unzählige Projekte, die Wahrscheinlichkeit, dort kein zum eigenen Unternehmen passendes Vorhaben zu finden, ist relativ gering. Zumindest geringer als darauf zu warten, dass sich eine Kultureinrichtung mit dem passenden Projekt vorstellt.

Der vermutlich größte Vorteil liegt im finanziellen Bereich, denn im Unterschied zum Sponsoring kann ich bei Projekten, die über Crowdfunding finanziert werden sollen, mit eher kleinen Beträgen eine große Wirkung erzielen. Die ProjektinitiatorInnen haben in der Regel genau aufgelistet, welche Gegenleistungen es wofür gibt, sind aber vermutlich flexibel, wenn es z.B. um mehr als 500 Euro geht. Es mag zynisch klingen, aber ein Unternehmen, das sein Geld gezielt in Projekte steckt, die kurz vor der Finanzierung stehen, hat einen enorm großen Hebel. Nachdem auf den Crowdfundingplattformen das Alles-oder-Nichts-Prinzip gilt, ist der letzte Euro immer besonders viel wert.

Unternehmen haben so die Möglichkeit, im Social Web besonders aktive Kultureinrichtungen zu identifizieren und deren Projekte auf den Plattformen gezielt zu unterstützen, mit wenig Geld und großem Hebel. Nun mag mancher das als unmoralisch bezeichnen oder aus anderen Gründen als verwerflich betrachten. Der Kultureinrichtung sollte das egal sein, denn sie kann ihr Vorhaben dank der Unterstützung durch das Unternehmen realisieren. Hinzu kommt möglicherweise ein weiterer positiver Aspekt. Die Vorhaben sind auf den Plattformen ausführlich beschieben und ein Unternehmen kann schon im Vorfeld  erkennen, ob ein Projekt gut ankommt oder nicht und so das Risiko eines Fehlschlags reduzieren. Bis jetzt halten sich die Unternehmen auf den Crowdfunding-Plattformen noch sehr stark zurück, aber das kann sich schnell ändern. Nicht unbedingt zum Nachteil von Kunst und Kultur.

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Treffpunkt KulturManagement: über Kunst, Kultur und transmediale Welten

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Mit kaum einem Thema habe ich mich in der letzten Zeit mehr beschäftigt als mit Transmedia Storytelling. Dachte ich anfangs, dass es „nur“ darum geht, eine Geschichte mit Hilfe verschiedener Medien zu erzählen, so habe ich in den letzten Monaten gelernt, dass wesentlich mehr hinter diesem Begriff steckt als die Idee, eine Geschichte multimedial zu erzählen (siehe dazu mein Blogpost Transmedia Storytelling – Die Kunst des digitalen Erzählens), deshalb spreche ich auch lieber von transmedialen Welten.

Viele von Ihnen werden jetzt den Kopf schütteln und einwerfen, dass die transmediale Entwicklung von Geschichten eher was für die kommerziellen Kunstsparten sei und nichts für Theater, Museen oder Orchester. Natürlich gibt es aufwendig gestaltete Projekte, aber es gibt auf der anderen Seite auch kleine, feine Projekte. Tauchen Sie auf Inanimate Alice ein in die Welt eines zehnjährigen Mädchens oder lesen Sie, was es mit dem Projekt „The Bigger Idea“ auf sich hat, einer transmedialen Story, die auf Twitter, Facebook und YouTube spielt. Auf der stART11 werden wir Ihnen ein Projekt vorstellen, das nicht nur in den digitalen Medien spielt, sondern bis in den Bereich des Musiktheaters hineinreicht.

Einer derer, die in den letzten Monaten dafür gesorgt haben, dass man auf Transmedia Stoytelling aufmerksam wird, ist Frank Tentler, mit dem ich die diesjährige stARTconference organisiere. Er wird am kommenden Mittwoch, den 21. September von 9 bis 10 Uhr beim mittlerweile 16. Treffpunkt KulturManagement dabei sein und für den fachlichen Input zum Thema „Kunst, Kultur und transmediale Welten“ sorgen. Frank Tentler, der sich in den letzten Monaten auf transmediale Projekte spezialisiert hat, wird einerseits von seinen Vorhaben erzählen, andererseits aber auch erklären, worauf man bei der Entwicklung und Durchführung transmedialer Projekte achten sollte. Wenn Sie das Thema interessiert, sind Sie wie bei jedem Treffpunkt KulturManagement herzlich eingeladen.

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort registrieren.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 21.09.2011 von 9:00 bis 10:00
Thema: Kunst, Kultur und transmediale Welten
Impulsvortrag: Frank Tentler

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement

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So schnell werden Ihre Informationen wertlos

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© Jetti Kuhlemann ; Pixelio

Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da erfuhr ich die Sportergebnisse des letzten Abends aus der Tageszeitung, die am nächsten Morgen um 6 Uhr vor der Türe lag. Irgendwann gab es dann den Teletext, der das Warten auf die nächste Zeitung überflüssig machte, denn man konnte jederzeit nachsehen, wie zum Beispiel ein Fussballspiel ausgegangen war.

Dann kam das Internet, gegen das fortan alle anderen Medien keine Chance hatten, wenn es um den Aktualitätsgrad von Informationen ging. Passiert heute irgendwo auf der Welt etwas, erfahren wir es online sofort und nicht irgendwann später. Aber die Gier nach aktuellen Informationen verursacht ein anderes Problem: wir interessieren uns nur noch ganz kurz für etwas, bevor die nächste Nachricht unsere Aufmerksamkeit erregt.

Hatte eine Tageszeitung in der Regel 24 Stunden, bis die nächste Ausgabe sie reif für den Altpapiercontainer machte, hält der Neuigkeitswert einer via Internet verbreiteten Nachricht bei weitem nicht mehr so lange an. Wie schnell Nachrichten bei Facebook und Twitter verschwinden, zeigt ein auf dem bit.ly-Blog veröffentlichter Beitrag, der sich mit der Frage beschäftigt, wie lange eigentlich die Aufmerksamkeit für einen dort geteilten Link anhält? Das Ergebnis ist ernüchternd, die Hälfte der Klicks, die ein Link schafft, erhält er innerhalb der ersten drei Stunden. Danach nimmt das Interesse stark ab, die Nachricht verschwindet in den unendlichen Weiten von Facebook und Twitter.

Ich hätte ja geglaubt, dass auf Facebook verbreitete Links etwas länger überleben als auf Twitter. Aber die Unterschiede sind marginal. Während bei Twitter die Hälfte der Klicks nach 2,8 Stunden erreicht wird, dauert es auf Facebook 3,2 Stunden. Wer also nur stur seine Nachrichten via Facebook und Twitter verbreitet und sonst nichts unternimmt, betreibt unter Umständen einen ziemlichen Aufwand und erzielt damit einen recht mickrigen Ertrag.

Was aber können wir tun, um das zu ändern? Das Ziel muss sein, das Verschwinden der Nachricht zu verhindern oder besser gesagt, hinauszuzögern. Nun könnte man natürlich einfach alle drei Stunden die Nachricht wiederholen, aber vermutlich ist diese Idee nicht besonders kundenfreundlich oder wollen Sie wirklich alle drei Stunden die alten Inhalte serviert bekommen? Handelt es sich um ein komplexes Thema, lassen sich die Informationen unter Umständen auf mehrere Postings oder Tweets aufteilen. Aber auch hier ist dann meist nach der zweiten oder dritten Ausgabe Schluss.

Fein ist man dran, wenn andere das wiederholte Posten der Nachricht übernehmen. Ob auf Facebook geteilt oder als Retweet auf Twitter wiederholt, der Multiplikatoreffekt sorgt dafür, dass nach und nach andere UserInnen davon erfahren und bei Gefallen die Nachricht erneut kommunizieren. Der Haken dabei: wenn wir wollen, dass andere unsere Nachrichten teilen oder retweeten, müssen wir über ein entsprechend gutes Netzwerk verfügen. Aber das ist nicht einfach da, sondern muss erarbeitet werden, d.h. es reicht nicht, eigene Informationen zu verbreiten, sondern es gilt, mit anderen in Gespräch zu kommen, deren Nachrichten zu verbreiten, damit die das gleiche mit unseren Infos tun.

Wenig sinnvoll ist es vor diesem Hintergrund, Nachrichten synchon über die eigenen Accounts zu verbreiten. Wer Twitter und Facebook miteinander verbindet und die Nachricht zu einer bestimmten Zeit gleichzeitig durch beide Kanäle jagt, hat sein Pulver bereits verschossen. Warum nicht erst die Information twittern und drei Stunden später die Info noch einmal auf Facebook verbreiten? Natürlich lassen sich hier auch weitere Netzwerke einsetzen, so erscheinen auf Xing die Hinweise auf meine Blogbeiträge bewusst immer etwas zeitversetzt. Und natürlich können Sie Ihre Beiträge dann auch noch mit Hilfe von Delicious, Diigo oder Mister Wong bookmarken und so dafür sorgen, dass Ihre Nachrichten nicht bereits nach drei Stunden kurz vor dem virtuellen Ende stehen. Sie sehen schon, wer sich in Sachen Social Media auf einen einzigen Kanal beschränkt, hat in dieser Hinsicht schlechte Karten. Am besten ist es übrigens, mit Videos zu arbeiten und die auf YouTube zu verbreiten. Dort wird die Hälfte der Klicks nämlich erst nach 7 Stunden erreicht, d.h. Sie sollten auf Videos nicht verzichten.

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Kulturbetriebe und Social Media: runter vom (hohen) Ross, rein ins Auto

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© Uwe Duwald ; Pixelio

Kultureinrichtungen, zumindest die, die am öffentlichen Tropf hängen, haben selten Geld im Überfluss, ganz im Gegenteil. Um die abnehmende Unterstützung der öffentlichen Hand ausgleichen zu können, gilt es, neue Einkommensquellen zu erschließen. Häufig machen sich die Verantwortlichen auf die Suche nach neuen BesucherInnen. Ob es sich dabei um neue Zielgruppen handelt oder mehr von der alten Sorte, spielt im Endeffekt keine wirklich entscheidende Rolle. Hauptsache, es werden mehr.

Natürlich ist es da verlockend, sich mit Social Media zu beschäftigen. Hunderte von Millionen Menschen sind auf den diversen Plattformen zu finden und darüber hinaus sind sie mehrheitlich einer Altersgruppe zuzurechnen, die man in den eigenen Häusern schmerzlich vermisst. Was tun? Die meisten machen einfach so weiter wie bisher, das heißt, was bisher im Flyer oder Programmheft zu lesen war, steht halt nun auch auf Facebook und darüber hinaus, natürlich etwas ausführlicher, im eigenen Blog.

Wenn das nicht funktioniert, stellt man die Aktivitäten ein oder fährt  sie auf die 140-Zeichen-Länge zurück, schließlich wurden die Erwartungen nicht erfüllt. Was die Frage aufwirft, welche Erwartungen mit den Social-Media-Aktivitäten verbunden sind? Social Media wird meist als eine Art Turbo verstanden, man erreicht mehr Menschen, man erreicht sie schneller und ganz wichtig, man erreicht sie kostengünstiger.

Jen Evans, chief strategist bei Sequentia Environics, beschreibt in ihrem Artikel „Content vs. Messaging: How the Digital Customer Narrative Is Changing Marketing“ recht anschaulich, warum ein solches Denken falsch ist. Sie verweist auf Henry Ford, der auf die Frage an seine Kunden, was sie sich denn von ihm wünschen würden, zur Antwort bekam: schnellere Pferde. Stattdessen bekamen sie das Automobil und dazu

„a whole new world of experiences,“

so Evans weiter. Ähnlich sieht sie die Situation im Marketingbereich:

„Similarly, many marketers may think they just want ways to disseminate the same messages, only faster and better.“

Aber darum geht es gar nicht mehr. Ähnlich wie damals erleben wir heute den Wechsel vom Pferd zum Automobil, es geht nicht mehr darum, möglichst schnell möglichst viele Menschen zu erreichen, sondern darum, Kundenbeziehungen aufzubauen und das mit Hilfe von hochwertigen Inhalten.

„By thinking about content as more than just words on a page, and by developing content experiences that are strategic, planned, structured, and measured, an entirely new customer narrative can develop that will bring companies closer than they’ve ever been to their customers,“

so die Schlussfolgerung der Autorin. Auch wenn viele Marketingexperten die digitale Welt nach wie vor nur als schnelles Pferd betrachten, für Evans steht fest, dass diese Entwicklung das Marketing vor gewaltige Herausforderungen stellt. Die Kunden verlangen nach Informationen, Unterhaltung und Engagement (etwa in Form von Serviceleistungen). Aber die Kunden interessiert nicht das schnellere Pferd, sondern das Auto. Inhalte dienen nicht mehr nur der Information, sondern dem Beziehungsaufbau.

„For content to help develop relationships, however, marketers must go beyond thinking of it as copy on a Web page or in an app,“

schreibt Evans und verweist auf drei Aspekte, die es dabei zu beachten gilt:

  • „Information can be persuasive. (…)
  • Relevancy is key to performance. (…)
  • Strategic content needs planning. (…)“

Ähnlich wie bei Transmedia Storytelling geht es darum, eine Welt zu kreiieren, in der die User bzw. Kunden Erfahrungen sammeln, etwas erleben können. Man könnte auch sagen, wir entwickeln uns weiter von der Linie in Richtung Raum. Und es geht nicht mehr um das simple Verkaufen von etwas. Diese „Welt“, die hier entstanden ist, macht die Sache so komplex. Es reicht nicht mehr, in blumenreichen Worten via Blog das eigene Event anzukündigen und zu glauben, der Kunde greift sofort zur Maus und kauft sich sein Online-Ticket. Diese Erlebniswelt will gestaltet sein und sie besteht, wie gesagt, aus mehr als reinem Faktenwissen.

Wer seinen Kunden schnellere Pferde verkaufen möchte, kann das natürlich versuchen. Er muss nur damit rechnen, dass seine Zielgruppe von der Konkurrenz schon Autos angeboten bekommt. Und seien wir ehrlich: wir alle bevorzugen das Auto.

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Das langsame Sterben der Kultureinrichtungen

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© Alipictures ; Pixelio

Als ich vor 5 Jahren mit dem Bloggen begann und froh war, wenn mein Blog mehr als zehn LeserInnen hatte, wurde ich immer damit getröstet, dass Kulturmanagement eben nur ein Randthema sei und das Blog deshalb nie auf besonders großes Interesse stoßen würde. Heute hat dieses Blog Zugriffszahlen, mit denen ich den Vergleich zu anderen Branchen nicht unbedingt scheuen muss. Spreche ich über diese Zahlen, bekomme ich als Antwort zu hören: „Ja, Du hast ja auch ein interessantes Thema.“

Bei Kultureinrichtungen gibt es auch viele interessante Themen, sie schöpfen aus einem reichen Fundus, wenn es darum geht, das, was sie tun, zu vermitteln. Für sie ist dieses Vermitteln noch viel wichtiger, denn sie gestalten mit dem, was sie an künstlerischer und kultureller Leistung  erbringen, unsere Gesellschaft mit. Wohl auch mit aus diesem Grund wird Ihr Tun großteils aus öffentlichen Fördertöpfen finanziert. Wenn ich nicht in der Lage bin, meine Leistungen adäquat an den Mann oder die Frau zu bringen, ist das mein eigenes Problem. Bei Kultureinrichtungen sieht das etwas anders aus, denn es ist das Geld der SteuerzahlerInnen, das hier verwendet wird.

Dabei haben es die Kultureinrichtungen nicht leicht, denn erstens sind die öffentlichen Kassen ziemlich leer und zweitens wird die Konkurrenz immer größer und damit bedrohlicher. Immer häufiger lesen wir davon, dass Kultureinrichtungen zusperren müssen oder von der Schließung bedroht sind. Dagegen anzuarbeiten heißt, jede Menge Überzeugungsarbeit zu leisten, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Auch ich muss Überzeugungsarbeit leisten und mit den Menschen ins Gespräch kommen, deshalb war ich von den Möglichkeiten, die mir ein Blog bietet, so begeistert. Und ich bin überzeugt, dass Blogs und all die anderen Tools und Plattformen, die im Laufe der Zeit dazu gekommen sind, auch für Kultureinrichtungen eine gute Möglichkeit bieten, mit denen ins Gespräch zu kommen, deren Steuergeld sie ausgeben und die sie von ihren Angeboten (wieder) überzeugen wollen.

Aus diesem Grund habe ich mich über jede Kultureinrichtung gefreut, die den Schritt ins Social Web gewagt hat und ganz besonders gefreut habe ich mich, wenn dabei ein Blog zum Einsatz kam. „Externe Blogs von Kultureinrichtungen sind tot„, konnte man gestern bei Axel Kopp nachlesen, der die Schließung des Blogs der Duisburger Philharmoniker zum Anlass genommen hat, sich mit den Blogs von Kultureinrichtungen zu beschäftigen. Kopp begrüßt diese Entscheidung, denn, so seine Meinung, das Blog sei langweilig und würde eh niemanden mehr interessieren. Das gelte, so schreibt er an anderer Stelle, auch für viele andere Blogs von Kultureinrichtungen. Ich möchte ihm da nicht widersprechen, auch ich gehe davon aus, dass in den nächsten Monaten einige Blogs wieder verschwinden werden beziehungsweise ein recht trauriges Dasein ohne neue Beiträge fristen müssen.

Im Unterschied zu Axel Kopp spielt es in meinen Augen keine wirklich entscheidende Rolle, ob das Blog in die eigene Website integriert ist oder an anderer Stelle seinen Platz im virtuellen Raum gefunden hat. Er erklärt zwar recht einleuchtend die Vorteile des integrierten Blogs, aber dadurch werden die Inhalte auch nicht spannender. Alfred Wendel, der Duisburger Philharmoniker, verstieg sich in einem Interview für Kulturmanagement Network zu der Behauptung:

„Es hat immer wieder zu Irritationen geführt, dass es für dasselbe Orchester zwei verschiedene Websites gibt, weshalb wir es für besser hielten, dies nun zentral zusammenzuführen.“

Ich würde eher sagen, je größer die Zahl meiner Anlaufstellen im virtuellen Raum ist, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass ich gefunden werde. Die Sorge, den User zu irritieren, müsste dann ja auch konsequenterweise zur Schließung sämtlicher Accounts im Social Web führen. Wäre das wirklich der Punkt gewesen, hätte man ja, wie von Axel Kopp empfohlen, das Blog in die eigene Seite integrieren können und das Problem damit gelöst.

Was ist aber nun eigentlich das Problem? Kultureinrichtungen gelingt es meist nicht, denke ich, den richtigen Ton zu finden. Das ist auch nicht so ganz einfach, denn die traditionelle Unternehmenskommunikation funktioniert im Social Web nicht mehr. Erst jetzt mit den entsprechenden Rückkanälen merken wir, dass es die Menschen sind, die ein Gespräch führen und nicht das Unternehmen. Hinzu kommt: nicht jedes Chefego hält es aus, wenn sich auf den Social-Media-Kanälen die PraktikantIn zum heimlichen Star der Kultureinrichtung mausert. Dabei ist genau das vermutlich eines der Erfolgsgeheimnisse: Pläne und Strategien helfen Ihnen nur dann weiter, wenn Sie jemanden vor der Tastatur sitzen haben, der mit Begeisterung und Hingabe dabei ist. Genau aus diesem Grund glaube ich auch nicht, dass, wie Axel Kopp meint, kleine Unternehmen mit ihren Blogs chancenlos seien. Natürlich wird, mit steigender Sichtbarkeit, die Zeit immer knapper, aber es lohnt sich auf alle Fälle, so meine Meinung als (ganz kleiner) Unternehmer.

Bei Kultureinrichtungen würde ich aber noch einen Schritt weiter gehen. Wenn sie wollen, dass sie wahrgenommen werden und auch weiterhin von der öffentlichen Hand finanziert werden wollen, dann ist es für sie unumgänglich, das Gespräch mit dem Publikum, aber auch mit dem Steuerzahler zu suchen. Natürlich steht es jeder Kultureinrichtung frei, sich die entsprechenden Kanäle auszusuchen, aber wenn die Entscheidung den Schritt vom Web2.0 zurück zum Web1.0 mit sich bringt, dann sollten doch die Alarmglocken klingeln. Nicht so sehr bei den Orchesterverantwortlichen, sondern vor allem bei denen, die dieses Orchester finanzieren. Irgendwo sei dann schon die Frage erlaubt, wer da eigentlich für wen da ist?

Axel Kopp hat seinen Blogbeitrag mit „Externe Blogs von Kultureinrichtungen sind tot“ überschrieben. Ich prophezeie: Kultureinrichtungen, die ihre Blogs schließen, sind tot. Nicht sofort und nicht weil sie ihr Blog schließen, sondern weil ich den Eindruck habe, dass hier Entwicklungen verpasst werden. Entwicklungen, die dem Orchester helfen würden, den Verantwortlichen aber, das sollte fairerweise dazugesagt werden, schaden könnten. Veränderung bedeutet immer, ich muss jemandem etwas wegnehmen. Dass sich der dagegen wehrt ist verständlich. Nur: Veränderung lässt sich nicht aufhalten. Genau aus diesem Grund ist es auch erlaubt ein Blog zu schließen. Aber bitte nicht für den Schritt nach hinten, sondern nur für den nach vorne.

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Ein eBook berät bei der Erstellung der neuen Website

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Eine Website ist heute schon so selbstverständlich, dass man sich eigentlich gar nicht mehr überlegt, worauf man achten muss, wenn die Seite neu angelegt oder einem Relaunch unterzogen wird. Sehr sorgfältig wird bei der Erstellung des Layouts vorgegangen und natürlich gibt es auch neue Fotos vom Vorstand oder dem Team. Sehr viel seltener macht man sich aber Gedanken darüber, welche Ziele mit der neuen Seite verfolgt werden. „Ist doch klar, die Seite soll gelesen werden und wichtige Informationen enthalten“, ist an dieser Stelle oft zu hören.

Wem das reicht, der kann auf das neue eBook, das Kerstin Hoffmann neu veröffentlicht hat, vermutlich verzichten. Alle anderen werden, so sie sich für Fragen rund um die neue Website, darin jede Menge Anregungen und Tipps finden. Das eBook „Workshop neue Website“ trägt den Untertitel „Was Sie wissen sollten, bevor Sie eine neue Website für Ihr Unternehmen planen und realisieren“ und macht damit klar, dass man im Vorfeld des (Re)-Launch auch über Ziele und Strategien sprechen sollte. Erst wenn man die hat, und erst wenn die mit den Unternehmenszielen übereinstimmen, macht es nämlich Sinn, sich etwa mit dem Thema Suchmaschinenoptimierung zu beschäftigen.

„Für die meisten Unternehmen ist die eigene Website heute das zentrale Kommunikations- und Kontaktmedium. Es steht im Mittelpunkt eines komplexen Netzwerks aus direkter, gedruckter, elektronischer und virtueller Kommunikation. Für Kunden und Interessenten ist die Website oft die erste Anlaufstelle. Dafür muss sie ansprechend gestaltet sein und gut funktionieren. Dabei geht es um die strategische Planung ebenso wie um die Gestaltung, Suchmaschinenoptimierung oder geeignete Texte“,

beschreibt Hoffmann in der Ankündigung die Herangehensweise an eine neue Website. Worauf man dabei achten muss, ist in den insgesamt 19 Beiträgen, die teilweise auch Checklisten enthalten, nachzulesen. Ich selbst durfte auch einen Beitrag beisteuern und weil ich aus dem Kunst- und Kulturbereich komme, war es meine Aufgabe zu beschreiben, wie man mit wenig Geld eine eigene Website erstellen kann. ;-)

Aber, und das ist auch die Botschaft der Überschrift, man sollte „nicht an den falschen Stellen sparen“. Sparen können Sie, was die Anschaffungskosten des eBooks angeht, es steht nämlich hier zum kostenlosen Download zur Verfügung.

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Die Duisburger Philharmoniker stellen ihr Blog ein

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© Helge Haibach ; Pixelio

Gerade aus dem Urlaub zurückgekommen hat mich die Nachricht erreicht, dass die Duisburger Philharmoniker ihr Blog einstellen. Mit ihrem Projekt „Philharmonie 2.0“ hatten sie Social-Media-Geschichte geschrieben, waren sie doch die erste große Kultureinrichtung im deutschsprachigen Raum, die sich auf Social Media einließ. Und letzten Endes waren es die Duisburger Philharmoniker, die den Anstoß zur stARTconference gaben.

Im letzten und abschließenden Blogpost „Da Capo al fine – 3 Jahre Bloggeschichte“ heißt es:

„Hinter den letzten Noten folgt in einer Partitur meistens ein dicker Taktstrich – hier ist das Stück eigentlich zu Ende. Manchmal aber hat der Komponist das Bedürfnis nochmal die Anfangstakte bis zu einem gewissem Punkt zu wiederholen und um unnötige Wiederholungen nicht neu schreiben zu müssen, schreibt man in solchen Fällen einfach “Da capo al fine” in die Partitur. Das “Da capo” in unserem Fall bedeutet: Wir sind weiterhin über Facebook,  Twitter und unsere erweiterte Webseite mit aktuellen Nachrichten für euch da, das Blog selbst aber ist nach drei erfolgreichen Jahren an diesem Punkt Geschichte.“

Ich habe das Blog gerne gelesen und nachdem dort erst vor wenigen Wochen eine Blogparade gestartet wurde, in der es um die Zukunft des Konzerts ging, kam dieses Ende für mich überraschend. Der Vergleich des Blogs mit einem Musikstück, das in der Tat irgendwann einmal zu Ende geht, hinkt in meinen Augen. Das Blog war der Außenauftritt der Duisburger Philharmoniker im Social Web und wenn dieses Blog nicht mehr fortgeführt wird, hört nicht ein einzelnes Stück auf, sondern die Philharmoniker verschwinden aus meinem Sichtfeld und werden von mir zukünftig entweder gar nicht oder nur noch bruchstückhaft wahrgenommen.

Auf Twitter und Facebook gibt es keine Blogparaden, d.h. ein Austausch, der mehr als zwei Sätze umfasst, ist nicht mehr möglich. Ich habe immer wieder betont, dass ein Blog in meinen Augen das Zentrum aller Social-Media-Aktivitäten sein muss. Hier kann ich schalten und walten, hier kann ich entscheiden, ob und wenn ja, welche Werbung zu sehen ist. Ich muss nicht krampfhaft auf möglichst viele Like-it’s spekulieren, damit ich auch genügend Zugriffe habe.

Natürlich muss ein Blog nicht in alle Ewigkeit  weitergeführt werden, auch dieses Blog hier wird irgendwann einmal sein Ende erleben. Aber das macht doch nur dann Sinn, wenn es in irgendeiner Form weitergeht, wenn es z.B. neue Formen der Kommunikation gibt. Aber einfach so aufzuhören heißt eher zu verschwinden. Natürlich lässt sich auch über eine Website auf kommende Veranstaltungen hinweisen, aber Interaktion ist auf diese Weise nicht möglich.

Mir fällt in diesem Zusammenhang eine schon etwas ältere Präsentation von Jeremiah Owyang ein, in der er die Entwicklung der klassischen Website in Richtung einer „social corporate website“ beschreibt. Die Duisburger Philharmoniker gehen nun genau in die entgegengesetzte Richtung. Schade…