Monthly Archives of: Februar 2012

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„Kunst hat Recht“: nach vorne schauen ist besser als zurück

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Vielleicht kennen Sie die Geschichte von James Burbage, der 1576 das erste öffentliche Theater in England baute und die Theaterkasse einführte. Der Grund: Theater fand bis dahin auf öffentlichen Plätzen statt, die BesucherInnen konnten kommen und gehen. Bezahlt wurde am Ende und es geschah, was wir heute bei vielen StraßenkünstlerInnen auch erleben können. Wenn am Ende der Hut kreist, sind die Leute weg, Natürlich war das für die Theatergruppen ärgerlich, denn sie hatten nicht nur viel Zeit und Geld in die Produktion gesteckt, sondern mussten außerdem auch davon leben.

So ähnlich fühlen sich heute viele KünstlerInnen. Sie investieren Zeit und Geld in ihre Kunst und bekommen dafür höchstens etwas Anerkennung, aber kein Geld. Und weil sie das als ungerecht empfinden, – und es ist ungerecht – wurde in Österreich die Kampagne „Kunst hat Recht“ ins Leben gerufen. KünstlerInnen können von ihrer originär künstlerischen Arbeit kaum leben, hat eine 2008 veröffentlichte Studie gezeigt, dagegen gilt es etwas zu unternehmen. Aber der Ansatz der Kampagne „Kunst hat Recht“ geht in eine völlig falsche Richtung und schadet den KünstlerInnen mehr als er ihnen nützt. Der Versuch, über das Urheberrecht das finanzielle Überleben zu sichern, ist rückwärtsgewandt. Auf James Burbage gemünzt würde das bedeuten, er hätte den Vorschlag gemacht, im Umkreis von 500 Meter rund um die Theatergruppe einen Zaun zu errichten und alle, die ohne zu zahlen aus diesem Kreis herauswollen, zu bestrafen. Was das für den Theaterbereich bedeutet hätte, kann sich jede/r selbst ausmalen.

Und genau so ein Horrorszenario scheinen die Verantwortlichen von „Kunst hat Recht“ anzustreben. Mit ihrem vor ein paar Tagen veröffentlichten Video bedienen sie die unsäglichsten Klischees und verscherzen es sich mit all denen, auf deren Unterstützung sie eigentlich angewiesen sind.

Zwei Punkte möchte ich hier gerne ansprechen:

  1. Mir ist nicht klar, wer hier eigentlich kritisiert wird? Sind es die jungen KollegInnen des alternden Schriftstellers oder sind es die LeserInnen, die sich, ohne zu zahlen, an den Inhalten seiner Werke erfreuen? In diesem Video werden alle in einen Topf geworfen und als Diebe gezeichnet, die der „Lichtgestalt“ des Künstlers den letzten Schluck Kaffee nicht gönnen. Was um alles in der Welt soll damit erreicht werden? Muss ich mich jetzt schuldig fühlen? Nein, tue ich nicht und vermutlich alle anderen auch nicht. Insofern ist dieses Video sinnlos. Nein, es ist nicht sinnlos, es ist kontraproduktiv.
  2. Besonders rührend ist es, wenn „Kunst hat Recht“ genau dieses Prinzip des Teilens anwendet, gegen das man sich eigentlich zu wehren versucht. Das Video wird kostenlos produziert (klar, dass da alle umsonst mitarbeiten) und nun werden wir aufgefordert, die Inhalte via Facebook & Co. zu teilen. Sorry, merkt denn da niemand, das es spätestens an diesem Punkt völlig absurd wird? Noch nicht mal zu einer Creative Commons-Lizenz hat man sich durchringen können.

Dass man sich mit dieser Kampagne auf dünnem Eis bewegt, haben die InitiatorInnen der Kampagne vor wenigen Tagen wohl selbst erkannt und ihre Forderungen „präzisiert„, wie es auf der Website heißt. Darin spricht man sich erstens dagegen aus, die Downloads privater UserInnen rechtlich zu verfolgen und diese so zu kriminalisieren. Zweitens möchte man die Möglichkeit haben, „gegen die öffentliche Bereitstellung von urheberrechtlich geschützten Inhalten vorgehen zu können“. Und drittens möchte man „Web-Angebote mit Urheberrechtsverletzungen in gewerblichem Stil“ verhindern können.

In meinen Augen wird es damit völlig absurd, denn gegen wen richtet sich die Kampagne denn eigentlich nun? Wer sind denn eigentlich die jungen Leute aus dem Video? Die MitarbeiterInnen von Pinterest, Facebook, Google & Co.? Oder die KollegInnen? Ich fürchte, man hat mit diesem Video ein ziemliches Eigentor geschossen und sich, was noch schlimmer ist, vor den Karren der Content-Industrie spannen lassen, die nicht erst seit Internetzeiten die UrheberInnen an der kurzen Leine hält. Guy Kirsch und Volker Grossmann bezeichnen in einem Artikel in der FAZ „Künstler und Autoren als menschliche Schutzschilde“ der Unterhaltungsindustrie. Vielleicht sollten sich die vielen KünstlerInnen, die sich als UnterstützerInnen von „Kunst hat Recht“ deklariert haben, mal überlegen, ob ihnen hier gleiches wiederfährt? Immerhin tauchen im Impressum der Website nur eine PR-Agentur und die diversen Verwertungsgesellschaften auf.

Fakt ist, es gehört erstens das Urheberrecht reformiert und zweitens die Lebensgrundlagen von KünstlerInnen und Kreativen verbessert. In meinen Augen macht es Sinn, beide Themen voneinander zu trennen und sich vorrangig mit dem zweiten Thema zu beschäftigen. Dies deshalb, weil ich Pessimist bin, was ein neues Urheberrechtsgesetz betrifft. Ein solches Gesetz muss weltweit gelten, der dazu nötige Prozess dauert vermutlich Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, wie die WTO-Verhandlungen zeigen. Viel realistischer ist es vermutlich, auf technologische Lösungen zu setzen, die es einem erlauben, die Nutzung der eigenen Inhalte zu gestatten oder zu unterbinden. Hinzu kommt: wenn die KünstlerInnen sich keine Sorge mehr um ihr Einkommen machen, lässt sich das Thema Urheberrecht sehr viel entspannter angehen.

Kunst ist immer die Reaktion auf Kunst oder mit anderen Worten: Kunst ist Remix. Das folgende Video macht das deutlich. Es ist eine witzige Antwort auf das Video der Kampagne „Kunst hat Recht“ und weist in die Richtung, die auch James Burbage gegangen ist.  Denn letztes Endes können wir uns nicht gegen Weiterentwicklungen wehren und am Status Quo festhalten.

Vielleicht haben Sie sich gefragt, warum ich dieses Bild oben ausgewählt habe? Wir können zwar den Menschen verbieten, die Abkürzung über eine Wiese zu nehmen, aber sie werden trotzdem ihren Weg finden. Und so ähnlich ist es auch beim Urheberrecht. Es macht keinen Sinn, weitere Verbotstafeln aufzustellen, sondern es gilt, sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren. Nicht nur ein neues Urheberrechtsgesetz ist gefragt, sondern auch neue Erlösmodelle. Es muss ja einen Grund haben, warum Crowdfunding derzeit so populär ist. ;-)

Titelbild: Manfred Schimmel ; Pixelio

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Wie das Social Web die Pressearbeit verändert

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© Rainer Sturm ; Pixelio

Wir alle bekommen mit, dass sich in unserem Umgang mit den Medien etwas ändert. Erfolgte die Kommunikation mit den JournalistInnen früher per Post, ist heute die Email selbstverständlich geworden. Aber das Social Web stellt uns mittlerweile sehr viel komfortablere Möglichkeiten zur Verfügung, um die MedienvertreterInnen mit den nötigen Informationen zu versorgen. Diese Veränderungen erleben wir nicht nur bei der Übermittlung von Texten oder multimedialen Inhalten, auch die altbewährte Pressekonferenz scheint ausgedient zu haben. Mit Hilfe von Google+ Hangouts lassen sich die Zielgruppen direkt ansprechen, US-Präsident Obama hat es vorgemacht.

Was aber passiert da eigentlich genau, welcher Wandel findet da statt? Welche Tools nutzen wir und welche Auswirkungen hat das, was da im Netz passiert auf das Verhältnis von AnbieterInnen und NachfragerInnen von Informationen? Mirko Lange, Geschäftsführer und Gründer der PR-Agentur talkabout hat die Folien seiner Vorlesung „Online-PR“ auf Slideshare zur Verfügung gestellt. Lange zeigt darin nicht nur, welche Werkzeuge uns dort zur Verfügung stehen, sondern liefert auch den theoretischen Hintergrund für das, was da an Veränderungen passiert (Folien 36-39). Wer im PR-Bereich arbeitet, findet darin viele wertvolle Informationen, Anregungen und Fallbeispiele, von denen man lernen kann, auch wenn sie nicht aus dem Kunst- und Kulturbereich kommen. Interessant finde ich, dass Lange ähnliche Entwicklungsstufen findet wie Thomas Pleil in seinem Modell der Online-PR.

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Frank Koebsch: kennen Sie Netzkunst? (Gastbeitrag)

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Erst in meinem letzten Beitrag habe ich über den mühsamen Weg zum erfolgreichen Blog geschrieben und darin gezeigt, dass auch Nischenthemen die Chance bieten, sich zu profilieren. Wie sich so eine Nische mit Erfolg besetzen lässt, zeigt der Maler Frank Koebsch, der schon seit längerer Zeit das Blog „Bilder, Aquarelle vom Meer & mehr“ betreibt und immer wieder durch seine Netzaktivtäten auffällt. Nach längerer Zeit hat er mir wieder einen Beitrag zur Verfügung gestellt, in dem er sehr anschaulich schildert, wie er das Social Web nutzt und die Anbindung an die klassischen Kommunikationskanäle herstellt. Ich freue mich über Franks Beitrag und bedanke mich, ihn hier veröffentlichen zu dürfen.

Kunst im Netz oder die Kunst der Vernetzung

Ich möchte Ihnen ein Projekt vorstellen, dessen Idee vor über sechs Monaten im Internet geboren wurde und das auch in den nächsten 12 Monaten noch im Netz zu finden ist. Erwarten Sie bitte keinen Artikel über avantgardistische Kunst. Es handelt sich nicht um Netzkunst. Unser Projekt ist etwas „scheinbar Profanes“ wie Zeichnungen und Bilder von Sternzeichen. Wenn Sie bei dem Begriff Tierkreiszeichen an Astrologie und Horoskope denken, werden wir diese Erwartungen nicht erfüllen können. Was diesen Artikel vielleicht lesenswert macht, ist die Schilderung der Art und Weise, wie die Möglichkeiten der Arbeit im Netz und der realen Welt mit einander verknüpft werden können, um ein Projekt erfolgreich zu machen.

Der Start begann mit ein paar Posts auf Facebook. Susanne Haun gefiel die Zeichnung eines Widder von Sven Brauer. Beide verabredeten den Tausch dieses Widders gegen eine Zeichnung eines Löwen von Susanne Haun.  Die meisten Menschen kennen das Sternbild, in dem sie geboren wurden, egal ob sie an die Sterne glauben oder mit beiden Beinen in Leben stehen. So entstand die Idee, sich gemeinsam mit anderen Künstlern den Sternzeichen spielerisch zu widmen. Was sich über mehrere Monate Diskussion im Netz, per Mails, Telefon und persönliche Treffen heraus kristallisierte, war das Projekt Faszination Sternzeichen. Kerstin Mempel (Kiel), Petra Rau (Taunus / Hessen), Susanne Haun (Berlin) und Frank Koebsch (Sanitz bei Rostock) arbeiten als darstellende Künstler mit dem Hamburger Unternehmer und Galeristen Karsten Peters zusammen. Während der Diskussion wuchs der Wunsch nicht eine, sondern eine Reihe von Ausstellungen mit den entstandenen Bildern und Zeichnungen zu realisieren und die Arbeiten in einem Katalog oder Buch und dem Web zu zeigen. In Zusammenarbeit mit dem Verleger Daniel Büchner und Annette Pehnt als Autorin  aus Freiburg i.Br. konnten wir ein Sternzeichen Buch realisieren. Das Buch beinhaltet eine Auswahl der Zeichnungen und Bilder sowie kleine Geschichten und Texte zu den Sternzeichen von Annette Pehnt.  Es ist ein wunderschönes Kunstbuch entstanden, genau das richtige zum Blättern und Stöbern an langen Abenden, denn jeder der beteiligten Künstler nähert sich den Sternzeichen auf seine eigene persönliche Art und Weise.

Anette Pehnt sagte dazu sehr charakteristisch in einem Interview:

„Das Thema fand ich zunächst nicht einfach, denn ich bin astrologisch ahnungslos und halte meinen Blick beim Schreiben eher in der Horizontale. Aber da waren diese tollen Bilder, viel lebendiger und auch phantastischer, als ich dachte. Beim Schreiben habe ich mit den Bildern gearbeitet und frei assoziiert, weniger sternenkundlich als vielmehr bildlich-imaginierend: Was ist das Jungfernhafte, wie fühlt sich ein Fisch im Schwarm, wie wäre es, wenn der Geliebte ein Wassermann wäre?“

Aber was nutzen die besten Zeichnungen und Bilder, ein tolles Buch und eine Ausstellungsreihe, wenn nicht ein entsprechendes Marketing realisiert werden kann, um den Erfolg unseres Projektes abzusichern. Die Projektbeteiligten sind über ganz Deutschland verteilt. Also lag der Gedanke nahe, dass jeder Beteiligte sein persönliches Netzwerk vor Ort aktiviert und unser Projekt und das Buch vorstellt. Parallel dazu wurde in dem Blog http://faszinationsternzeichen.wordpress.com/ die Vorstellung des Projektes, des Buches, der Zeichnungen und Bilder im Web realisiert. Auf diesem Blog werden auch die kommenden Veranstaltungen angekündigt. Gleichzeitig wird über die einzelnen Events berichtet.

Um möglichst viele Menschen zu erreichen, wurde passend dazu eine eigene Facebook Seite aufgebaut und über Twitter berichtet. Basierend auf den positiven Erfahrungen zu den Blogparaden als Marketinginstrument für die Bildende Kunst haben wir unser damaliges Netzwerk im Sinne eines Empfehlungsmanagement aktiviert. Ergänzt wurde dieses durch die Zusammenarbeit mit der Fa. Hahnemühle, die in ihrem Hahnemühle Traditional FineArt Newsletter 11/2011 auf unser Projekt aufmerksam machte.

Diese Aktivitäten im Web wurden durch klassische Pressearbeit begleitet. Im ersten Schritt konnten wir für eine deutschlandweite Kommunikation die Zeitschrift atelier – Die Fachzeitschrift für Künstlerinnen und Künstler für einen Artikel über unser Projekt gewinnen.

Zum Herausgabetermin unseres Buches war unser Projekt also schon bekannt. Auf der Basis dieser Kommunikation können wir jetzt gezielt für die einzelnen lokalen Veranstaltungen, wie Buchvorstellungen, Teilnahme an Kunstmärkten, Tage der offenen Ateliers u.a. sowie die folgenden Ausstellungen die Presse und die Menschen direkt ansprechen. Wenn es uns gelingt, die Menschen im Süden mit unseren Berichten aus dem Norden neugierig zu machen und umgekehrt, wird sich unsere Arbeit auszahlen. Einige weitere Dinge sind noch geplant.

Wenn Sie diesen kleinen Artikel gelesen, werden Sie sicher sagen, ein ganz profanes Thema, kein neuer und avantgardistischer Ansatz. Ganz richtig. Wir nutzen nur konsequent eine Vielzahl von aufeinander abgestimmten Aktivitäten in der realen Welt und dem Internet, damit unser Projekt Faszination Sternzeichen unter einen guten Stern steht. Für uns ist dieses eine kleine Erfolgsstory für die Verknüpfung eines Projektes in der realen Welt mit den Möglichkeiten des Social Web. (Natürlich nur, weil wir die Dinge alleine in die Hand nehmen und nicht auf unsere Horoskope angewiesen sein wollen. ;-)) Der besondere Reiz für alle Beteiligten liegt daran, dass sie mit diesem Vorgehen, die Chance haben ihr Netzwerk und ihre Kundenbasis über ihre Region hinaus bekannt zu machen.

Wie realisieren Sie Ihr Marketing zur Absicherung Ihrer Projekte? Was machen Sie anders? Über einen regen Austausch zur Kunst im Netz würden wir uns sehr freuen.

Über den Autor: Frank Koebsch ist leidenschaftlicher Aquarellmaler und Blogger. Er ist in Mecklenburg – Vorpommern zuhause, wo er sich die Anregungen für seine Bilder holt. Beruflich hat er über 20 Jahre für Siemens in den Bereichen Vertrieb, Consulting, Business Development gearbeitet und versucht im Rahmen seiner heutigen Tätigkeit, sein Wissen und die Erfahrungen aus den Bereichen Projektarbeit, Marketing, Business Development, Social Media in die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern einzubringen.

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Der mühsame Weg zum erfolgreichen Blog

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Als ich vor fünf Jahren mit diesem Blog startete, schaute ich häufig in die diversen Blogrankings. Die Top100 waren außer Sichtweite, denn, so redete ich mir damals ein, mit einem Nischenthema wie Kulturmanagement sind die Chancen gleich Null, dort zu reüssieren. Im Mai 2007 stellte ich in einem Blogpost die Frage, ob Blogs nichts für den Kunst- und Kulturbereich seien, denn im Top100-Rankings der meistgelesenen Blogs befanden sich zwar ein Feuerwehr- oder ein Feng Shui-Blog. Der Kunst- und Kulturbereich war dort aber nicht vertreten.

Wenn ich heute mit BloggerInnen spreche und erzähle, wie sich mein Blog über die Jahre entwickelt hat, bekomme ich oft zu hören, dass sie es mit ihrem Nischenthema viel schwerer hätten als ich. Innerlich muss ich dann immer ein wenig schmunzeln, denn so dachte ich vor fünf Jahren auch. Die Frage ist doch aber, wovon der Erfolg eines Blogs wirklich abhängt und wie lange es dauert, bis der Erfolg sich einstellt?

Ist die Nische wirklich ein Nachteil, wie viele denken? Marcus Sheridan hat auf die Frage nach den Erfolgskriterien einen interessanten Aspekt ins Spiel gebracht. In seinem Blogpost „How Long Does It Truly Take For A Business Blog To Grow Big?“ gibt er sich überzeugt, dass der entscheidende Faktor der „Content Saturation Index“ (CSI) sei:

„The more content an industry/niche has written about it, the harder it is for a blog to make headway and find success in that field,“

schreibt er, was bedeuten würde, dass ein Nischenblog es eigentlich leichter hat als all die Blogs, die im Mainstream schwimmen. Sheridan bringt zwei schöne Beispiele, nämlich das von ihm geführte Blog einer Swimmingpool-Firma und sein eigenes Marketingblog „The Sales Lion„. Während es ihm in der Schwimmbadnische recht schnell gelang, mit Hilfe von guten Inhalten Spitzenplätze in den Suchmaschinen zu erobern, musste er bei seinem zweiten Blog sehr viel länger auf den Erfolg warten. Zwei bis drei Beiträge pro Woche bescherten ihm im Schwimmbadbereich bereits nach sechs Monaten einen Spitzenplatz, mit seinem Marketingblog benötigte er dafür 20 Monate.

Im Rückblick kann ich sagen, dass es bei mir ungefähr 30 Monate gedauert hat und ich eher vier bis fünf Beiträge pro Woche geschrieben habe, um in den Suchmaschinen gefunden zu werden. Die mittlerweile fast 1.600 Beiträge bilden dafür eine solide Grundlage und sorgen dafür, dass die Zugriffszahlen steigen, auch wenn ich heute wesentlich weniger Beiträge als in der Vergangenheit schaffe.

Und was tue ich, wenn ich noch keine 1.600 Beiträge geschrieben habe? Sheridan gibt BloggerInnen zwei Tipps. Erstens sollten sie bei ihren Überschriften darauf achten, dass sie von den Suchmaschinen gefunden werden. Und zweitens:

„Learn to be a blogging rebel in your industry. Talk about stuff no one else is willing to talk about.“

Mit dem „Content Saturation Index“ macht Sheridan vor allem all denen Mut, die in einer Nische zu bloggen beginnen. Sie müssen also nicht neidisch auf all die schauen, die in den Bereichen Marketing oder Social Media bloggen, ganz im Gegenteil. Wenn Sie für ein Theater, ein Museum oder eine andere Kultureinrichtung aktiv werden, haben Sie alle Trümpfe in der Hand. Sie müssen nur loslegen. ;-)

Titelbild: s.media auf Pixelio

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Warum Inhalte immer wichtiger werden

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© Stephanie Hofschlaeger ; Pixelio

Relevanz ist einer der Schlüsselbegriffe unserer digitalen Welt, hatte ich vor einigen Tagen behauptet und daraus den Schluss gezogen, dass es für Kunst- und Kultureinrichtungen immer wichtiger werde, Inhalte zu generieren. Dies unter anderem deshalb, weil wir feststellen, dass wir mit der Vernetzung auf der Beziehungsebene an Grenzen stoßen, weil uns an einer Person nicht alles interessiert, sondern nur Teilaspekte. Recht schön lässt sich das auf Facebook feststellen, wo wir zwar jede Menge Freunde oder Fans haben, aber uns allen ist klar, dass wir nicht idente Interessen haben und uns deshalb nicht alles von ihnen interessiert. Und genau aus diesem Grund lesen wir auch nicht alles, was unsere Kontakte auf Facebook so alles von sich geben. Der Aufwand wäre zu groß, der Ertrag vermutlich zu gering.

Wenn alle nur über sich schreiben, dann nervt das

Wenn wir aber nicht alles lesen, was in unserem Beziehungsnetzwerk kommuniziert wird, dann bekommen Kultureinrichtungen, die sich bei ihren Social-Media-Aktivitäten auf Facebook beschränken, ein Problem. Das Ziel, von all ihren Kontakten wahrgenommen zu werden, ist eine Illusion, nur wenige schaffen es in den Newsfeed ihrer Fans. Und warum? Weil der direkte Kontakt zu einem Theater, einem Museum oder zu den KünstlerInnen selbst an Bedeutung verloren hat. Die Einzigartigkeit ist dahin, seitdem fast alle im Social Web vertreten sind und meist nichts besseres zu tun haben, als die eigenen Aktivitäten zu bewerben. Wer hundert oder mehr Kultureinrichtungen auf seinem Radar hat, weiß, wie langweilig, ja nervig es sein kann, wenn alle nur auf das eigene Tun verweisen.

Beziehungsnetzwerke sind wichtig, aber sie verlieren gegenüber den Inhalten an Bedeutung. Wir wollen unsere Interessen befriedigen und das können wir auf Facebook nur begrenzt. Google+ hingegen stellt die Inhalte mehr in den Vordergrund, der direkte Kontakt zwischen den UserInnen besitzt längst nicht den Stellenwert wie bei Facebook. Aber das Google-Netzwerk ist erst der Anfang einer Entwicklung, die den „interest“ Graph immer stärker betont. Zwar kann ich auf Google+ einzelne Personen in bestimmte Kreise ziehen, aber sie sind frei in dem, was sie dort von sich geben. Niemand kann sie daran hindern, die verschiedensten Themen anzusprechen, ohen Filter habe ich ein ähnliches Problem wie bei Facebook.

Diesen Weg vom Beziehungsnetzwerk, wie wir es von Facebook kennen, hin zum Interessensnetzwerk hat jetzt Pinterest geschafft.

„Bei Pinterest geht es nicht darum, Freunde zu finden, oder um persönliche Kommunikation. Der Fokus liegt auf der Verbreitung von relevanten Inhalten, die Bezug zu einem bestimmten Thema haben“,

heißt es auf futurebiz. Auf Pinterest müssen wir nicht mehr den UserInnen folgen, sondern ihren Boards. Und noch etwas ist anders als auf Facebook. Während dort die Interaktion wichtig ist, um überhaupt wahrgenommen zu werden, lässt sich Pinterest auch passiv nutzen. Eine Kultureinrichtung, die es schafft, gute Bilder zu produzieren, kann damit Aufmerksamkeit erzeugen, ohne auf irgendeine Form der Kommunikation mit den „Fans“ angewiesen zu sein, wie Andreas Bersch und Jan Firsching in ihrem Artikel weiter schreiben. Wenn es den Kultureinrichtungen gelingt, ihre Botschaften visuell zu übermitteln, dann stehen die Chancen gut, dass sie auf diese Weise viele UserInnen erreichen.

Wer nur über sich selbst schreibt, langweilt

Aber dafür müssen sie Inhalte schaffen und nachdem sich nicht alle Inhalte visuell übermitteln lassen, bedarf es eben auch anderer Mittel und Wege, zum Beispiel einem Blog. Aber auch hier gilt: wer ständig nur sich selbst bewirbt, langweilt. Nicht die Kultureinrichtung, sondern deren Inhalte müssen im Vordergrund stehen. Das Besetzen von Themenfeldern ist nicht nur für die Suchmaschinen wichtig, sondern ist die Basis für spannende Inhalte. Wo aber bekomme ich die her? Muss ich wirklich ständig neue Inhalte abliefern, um meine Zielgruppen bei Laune zu halten? Oder darf ich etwas tun, was zum Beispiel in den Museen gang und gäbe ist, wenn ich eine Ausstellung konzipiere, nämlich fremde Inhalte kuratieren?

What Comes First, Content Creation or Curation?“ hat Beth Kanter vor einiger Zeit in ihrem Blog gefragt und ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass das Kuratieren von Inhalten nicht nur die Voraussetzung dafür ist, interessante und neue Inhalte zu schaffen, sondern zugleich auch eine wichtige Hilfe, um ein Publikum für sich zu gewinnen oder eine Community zu schaffen. Vereinfacht gesagt haben wir es mit vier Schritten zu tun:

  1. Themenfelder auswählen: Mit der Auswahl von Themenfeldern wird die Grundlage für die Entstehung eigener Inhalte geschaffen.
  2. Inhalte aggregieren: ein Informationspool muss mit Hilfe von Social Bookmarking, RSS, etc. geschaffen werden, um an die relevanten Inhalte meiner Themenfelder heranzukommen (siehe dazu: „Strukturierte Themensuche für das eigene Weblog„)
  3. Inhalte kuratieren: Joe Pulizzi definiert den „content curator“ so: „Someone whose job it is not to create more content, but to make sense of all the content that others are creating.“
  4. Inhalte kreieren: die Mischung von eigenen Ideen und gewonnenen Erkenntnissen zusammenführen, um neue Inhalte entstehen zu lassen.

Nur so werden Kultureinrichtungen auch zukünftig eine Chance haben, im Social Web wahrgenommen zu werden. Im Vordergrund sollten die Inhalte stehen, erst im zweiten Schritt geht es um die richtigen Plattformen und Tools.

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Im nächsten Treffpunkt KulturManagement am 15. Februar stellen wir Pinterest vor

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Pinterest ist das derzeit wohl liebste Spielzeug der Webcommunity. Die Zahlen belegen eindrucksvoll, welcher Hype da derzeit stattfindet. Wer schöne Fotos liebt oder im realen Leben gerne in Katalogen blättert, kommt auf dieser Online-Pinwand voll auf seine Kosten. Das Prinzip ist schnell erklärt: wer irgendwo ein Bild im Web entdeckt, das ihm gefällt, pinnt es auf seine Pinwand, in die man mit Hilfe von Boards eine Struktur reinbringt. Den Umgang mit einem Pin zeigt die folgende Grafik:

Source: agbeat.com via Christian Henner-Fehr on Pinterest

Diese Grafik habe ich über eines meiner Pinboards hier eingebettet, mit ein paar Klicks ist so (fast) jedes beliebige Bild in die eigene Website integriert.

So einfach das technisch alles gelöst ist, so schwierig wird die Sache, wenn es um die rechtlichen Fragen geht. Natürlich ist es verboten, sich ohne Erlaubnis der Urheber fremder Werke zu bedienen, was den Spaß, tolle Bilder anderer auf die eigene Pinwand zu „heften“ etwas schmälert bzw. ihn verhindert. Auch auf Pinterest gilt: ohne das Einverständnis der Urheber darf ich nicht pinnen.

Was bedeutet das nun für Kultureinrichtungen? Sollen sie von Pinterest die Finger lassen, weil dort Urheberrechtsverletzungen quasi vorprogammiert sind oder handelt es sich dabei um ein social network, das ihnen neue Möglichkeiten bietet, Sichtbarkeit zu erlangen oder das eigene Angebot zu vermarkten? Wenn ja, was müssen Museen tun, um sich dort erfolgreich zu positionieren und von den Möglichkeiten dieser Plattform zu profitieren?

Mit Jennifer Fuchs Madine haben wir für den 21. Treffpunkt KulturManagement eine Expertin eingeladen, die sich in der letzten Zeit intensiv mit dem Thema Pinterest im Museumsbereich beschäftigt und zu diesem Thema bereits zwei Blogposts veröffentlicht hat. Sie ist Museologin und lebt seit August 2011 in Berlin. Davor hat sie fast 8 Jahre lang in Edinburgh bei den National Museums Scotland in den Bereichen Besucherforschung und Social Media gearbeitet. Sie sitzt im Vorstand von ICOM CECA, und betreibt die Website Museum140, die sich zum Ziel macht, Social Media Projekte im Museums- und Kulturbereich auszurichten.

Wenn Sie wissen wollen, wie Pinterest funktioniert, in welcher Form Museen es nutzen können und worauf man dabei achten muss, dann sind Sie ganz herzlich zum nächsten Treffpunkt KulturManagement eingeladen, der am 15. Februar von 9 bis 10 Uhr stattfindet.

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort registrieren.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 15.02.2012 von 9:00 bis 10:00
Thema: Pinterest: ein Netzwerk auch für den Museumsbereich?
Impulsvortrag: Jennifer Fuchs Madine

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement

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Die digitale Zukunft hat bereits begonnen

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© A. Dreher; Pixelio

Wenn ich gestern geschrieben habe, dass Relevanz zum Schlüsselfaktor in der digitalen Welt wird, um überhaupt wahrgenommen  zu werden, dann stellt sich natürlich die Frage, ob es nicht entscheidender ist, in der realen Welt wahrgenommen zu werden? Kultureinrichtungen sehen das wohl so, denn in Sachen Werbung setzen sie nach wie vor auf Plakate, Flyer und ähnliche Dinge, während sie auf die Online-Werbung fast ganz verzichten, wie Axel Kopp in seinem Blogpost „Online-Werbung: eine ehrliche und wirkungsvolle Sache“ festgestellt hat.

Dass das ein Fehler ist, beweist die folgende Präsentation „Next Generation Media“ vom Januar diesen Jahres:

Die Folien zeigen, die digitale Zukunft hat bereits begonnen. So wurden etwa am ersten Weihnachtstag weitweit 6,8 Mio. Smartphones in Betrieb genommen und in der letzten Woche des vergangenen Jahres 1,2 Mrd. Apps runtergeladen. Auf YouTube zählte man 2011 eine Mrd.Billion Views und immer mehr Unternehmen kommunizieren direkt mit ihren Fans in den auf Google+ angebotenen Hangouts.

Für die vielen Millionen UserInnen, die digital erreicht werden können, gilt es entsprechende Inhalte zu entwickeln, damit Kunst und Kultur relevant bleiben beziehungsweise es wieder werden.

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Relevanz als Schlüsselbegriff in der digitalen Welt

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Wenn Sie in Google in das Suchfeld die Begriffe Projektmanagement oder Kulturmanagement eingeben, dann werden Sie vermutlich auf eine Vielzahl von Seiten mit Aus- und Weiterbildungsangeboten stoßen. Haben Sie genau danach  gesucht, dann ist das wunderbar. Mir helfen solche Suchergebnisse aus naheliegenden Gründen nicht weiter,  deshalb hält sich mein Nutzen in Grenzen.

Den Anbietern von Aus- und Weiterbildungen in den Bereichen Projekt- und Kulturmanagement ist es zwar gelungen, mit ihren Seiten in den Suchmaschinen ganz oben aufzutauchen. Sie sind gut sichtbar, aber für mich leider nicht relevant.

Sichtbarkeit, darum geht es häufig auch uns bei unseren Aktivitäten im Internet. Wir wollen in den Suchmaschinen an erster Stelle auftauchen, ebenso im Newsfeed unserer Facebookfans und in allen anderen Netzwerken, in denen wir aktiv sind. Aber reicht das heute noch?

Mahendra Palsule hat vor einem knappen Jahr auf TechCrunch den Artikel „The Age of Relevance“ veröffentlicht und gibt sich darin überzeugt, dass wir gerade einen Paradigmenwechsel erleben, der enorme Auswirkungen auf unseren Umgang mit Informationen hat.  Nicht mehr das einfache Teilen von Inhalten stehe im Vordergrund, sondern die Entwicklung von Angeboten, die personalisierte und vor allem relevante Inhalte zur Verfügung stellen, schreibt Palsule. Es gehe, so der Autor weiter, um die Ergänzung des „Social Graph“ durch den „Interest Graph“.

Was er damit meint, zeigt seine „Information Discovery Matrix“:

© Mahendra Palsule, in "The Age Of Relevance" (TechCrunch)

Unser Verhalten bei der Suche nach Inhalten im Internet hat sich im Laufe der Zeit verändert, Palsule spricht von vier verschiedenen Entwicklungsstufen:

  • Phase 1: „The Search Dominated Web“
  • Phase 2: „Web 2.0 with Social Bookmarking“
  • Phase 3: „Personalized Recommendations“
  • Phase 4: „Personalized Serendipity“

Der Ausgangspunkt, die Phase 1 ist bekannt: die meisten erinnern sich noch an den Pagerank, der die Relevanz einer Seite für die Suchmaschine von Google zum Ausdruck brachte. Mit diesem Blog schaffte ich vor etwa drei Jahren Pagerank 6, was damals eine große Sache war und auf der guten Verlinkung beruhte.

Die ist zwar immer noch wichtig, aber nicht mehr in dem Ausmaß, denn in der zweiten Phase kamen die Social Bookmarking-Plattfomen auf und machten den Suchmaschinen Konkurrenz. Ob auf StumpleUpon, Delicious und all den anderen Plattformen ging und geht es auch heute noch darum, interessante Seiten abzuspeichern und den anderen UserInnen zugänglich zu machen. Auch auf diese Weise wird Traffic generiert, aber er entsteht nicht durch Algorithmen, sondern durch das öffentliche Abspeichern von Seiten, die man für sich als relevant einstuft und auf die man andere via Social Bookmarking hinweist.

Im nächsten Schritt entstanden Tools, die den UserInnen die Möglichkeit boten, so etwas wie einen „interest graph“ zu veröffentlichen. Tools wie Hunch oder GetGlue dienen, so Palsule, dazu, den eigenen Geschmack zu dokumentieren und darauf basierend Empfehlungen zu veröffentlichen.

Spannend ist die vierte Phase, auf der Tools wie my6sense oder  Genieo das anbieten, was Palsule als „personalized serendipity“ bezeichnet.  Palsule bezieht sich dabei auf Jeff Jarvis, der in einem Blogpost geschrieben hat:

„Serendipity is not randomness. It is unexpected relevance”.

Jarvis räumt darin mit dem Missverständnis auf, dass sich hinter diesem Begriff der zufällig entdeckte Zeitungsartikel verstecke, auf den man nicht mehr stoßen könne, wenn es keine Zeitungen mehr gäbe.  Dieser zufällig entdeckte Artikel weckt unser Interesse, weil er für uns relevante Inhalte enthält und erst das ist das, was Serendipity ausmache.

Während es früher die Zeitungen waren, die uns zu diesen Überraschungen verholfen haben, sind es heute die sozialen Netzwerke wie Twitter oder Facebook, die uns relevante Informationen liefern, ohne dass wir bewusst danach gesucht haben.

Palsule weist darauf hin, dass Relevanz nicht automatisch das Gegenteil von Popularität sein müsse und auch nicht immer mit Personalisierung gleichzusetzen sei.  Dementsprechend gäbe es auch unterschiedliche Möglichkeiten, relevante Inhalte „herauszufiltern“:

„Google, Paper.li, and PostRank are examples of algorithmic filtering, while Reddit, Hacker News use a crowdsourcing approach. Klout can be used to filter Twitter streams by influence, while Facebook uses social affinity as a filter for its newsfeed (…).”

Die Konsequenz daraus: In jedem der vier Quadranten der Matrix lassen sich nach der jeweiligen Methode relevante Inhalte herausfiltern, was die Sache für uns, die wir unsere „relevanten“ Inhalte unter die UserInnen bringen wollen, nicht einfacher macht, denn die eierlegende Wollmilchsau gibt es noch nicht.

Am ehesten gelingt nach Ansicht Palsules Quora die Verbindung von „interest graph“ und „social graph“. Die Möglichkeit, sowohl UserInnen als auch Themenfeldern zu folgen führt zu dem, was Jarvis als unerwartete Relevanz bezeichnet und von Palsule mit „personalized serendipity“ benannt wird. Aber auch Netzwerke wie Google+ oder Pinterest treiben die Entwicklung in diese Richtung und sorgen dafür, dass wir uns ganz neue Erfolgskriterien überlegen müssen.

„Social media may lose its obsession with follower numbers and traffic, evolving to context-driven reputation systems and algorithms”,

schreibt Palsule und gibt sich überzeugt, dass wir es in Zukunft nicht nur mit einem „interest graph“ zu haben werden, sondern mit mehreren, die dazu beitragen, den „social graph“ zu verbessern.

Was heißt das für den Kunst- und Kulturbereich? Vor allem mehr Arbeit, denn es reicht nicht, die eigenen Seiten so zu verlinken, dass  sie in den Suchrankings gefunden werden.  Die Frage, ob ich gefunden werde, weicht mehr und mehr der Frage, ob meine Inhalte für die UserInnen relevant sind? Ob die bloße Ankündigung der nächsten Veranstaltung diesem Anspruch gerecht werden kann, müssen Sie selbst herausfinden. Immer häufiger werden Sie aber vermutlich zu dem Ergebnis kommen, dass das nicht genügt. Das bedeutet: Sie müssen sich nicht nur mit den vier Quadranten und den jeweiligen Tools beschäftigen, sondern auch für relevante Inhalte sorgen.