Monthly Archives of: März 2012

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stARTconference: time to say goodbye?

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Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Vortrag, den Peter Kruse vor der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags hielt. In drei Minuten legte er dar, warum wir gerade revolutionäre Zeiten erleben, mitverursacht durch das, was im Social Web passiert. Ein hoher Vernetzungsgrad, die Möglichkeit, spontan auf etwas zu reagieren und „kreisende Erregungen“ führen zu Selbstaufschaukelungsprozessen, die wir nicht mehr steuern, sondern höchstens erspüren können. Wann diese Selbstaufschaukelungsprozesse stattfinden, lässt sich leider nicht vorhersagen, aber um die, wie es Kruse formuliert, „Resonanzmuster der Gesellschaft“ erspüren zu können, braucht es jede Menge Empathie.

Warum ich Ihnen das erzähle? Das sind die Grundvoraussetzungen, um im Social Web (und auch darüber hinaus) erfolgreich zu kommunizieren, denn wenn wir ehrlich sind, träumen wir alle von diesen Selbstaufschaukelungsprozessen. Natürlich nur im positiven Sinn, den Shitstorm überlassen wir gerne den anderen. ;-) Dass sich mit der Ankündigung einer Veranstaltung nur schwerlich so ein (positiver) Aufschaukelungsprozess initiieren lässt, scheint klar. Begeisterung entsteht eher dort, wo Emotionen ins Spiel kommen, wo wir was zu erzählen haben. Wir können uns freuen, uns ärgern, wir leiden mit und erzählen anderen voller Enthusiasmus, was wir gerade erlebt haben.

So ähnlich ist es uns bis jetzt mit der stARTconference gegangen. Als wir 2008 eine kleine Runde organisieren wollten, gerieten wir schnell in eine Größenordnung, in der wir eigentlich ziemlich überfordert waren. Aber wir machten uns trotzdem voller Begeisterung an die Arbeit und so ein klein wenig wirkte die ansteckend auf andere, denn die Reaktionen auf die stART09 waren großartig, obwohl manches so gar nicht perfekt war. Die Wertschätzung, die wir dabei erfahren durften, hat uns ungeheuer motiviert und so fühlten wir uns immer wieder angetrieben, neue Themen aufzugreifen, neue SprecherInnen einzuladen und so all denen etwas zurückzugeben, von denen wir so viel bekommen haben.

Was also dieses Jahr anders machen? Uns kam die Idee, die Konferenz via Crowdfunding zu finanzieren. In Anlehnung an den 500. Geburtstag Gerhard Mercators, der einen Großteil seines Lebens in Duisburg verbracht hat und durch seine Weltkarte berühmt geworden ist, wählten wir die Seekarte als Metapher für das Erkunden des Social Web. Unser Ziel in Duisburg  wird sein, eine Karte zu entwerfen, die uns das Navigieren im Netz erleichtert und uns zeigt, wohin die Reise gehen kann. Dass es eine Reise mit ungewissem Ausgang ist, hat Peter Kruse bereits klar gemacht. Das heißt aber nicht, sich völlig planlos auf die Reise zu begeben und alles dem Zufall (oder den Launen des Schicksals) zu überlassen. Wer ohne Ziel in See sticht, wird dasselbe nie erreichen können. So ähnlich ist es auch im Netz, denn viele Follower oder Fans sind zwar eine nette Sache, aber kein Ziel. Rechtliche Fragen haben seit dem Aufkommen von Pinterest weiter an Bedeutung gewonnen, was dürfen wir , was dürfen wir nicht? Coca Cola hat seine neue Kommunikationsstrategie vorgestellt, in der es heißt:

„We will move from creative excellence to content excellence.“

So wird deutlich, dass der Konzern nicht nur auf Storytelling setzt, sondern auch die Fans dabei miteinbeziehen möchte. Ob wir dabei auch auf Google+ setzen müssen, ist eine Frage, die es zu beantworten gilt. Und natürlich muss uns die Frage beschäftigen, in welcher Form wir auf das mobile Web setzen sollenmüssen? Macht es Sinn, das iPad in die strategischen Überlegungen miteinzubeziehen, reicht es, eine iPhone-App entwickeln zu lassen oder sind solche Fragen als Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem mobilen Web der völlig falsche Ansatz?

Das sind so ein paar Klippen, die es zu umschiffen gilt, auf unserer Karte für die stART12 sind sie bereits eingezeichnet. Und es gilt natürlich der Frage nachzugehen, ob Crowdfunding ein möglicher Ansatz ist, um die fehlenden Gelder der öffentlichen Hand zu ersetzen? Im Fall der stARTconference handelt es sich um keinen Ersatz, denn wir haben noch nie öffentliche Förderungen erhalten. Wir haben viele UnterstützerInnen gefunden, große und  vor allem viele kleine. Am Ende waren und sind wir immer auf die angewiesen, die bei der stARTconference dabei sind, die dazu beitragen, dass aus einer Konferenz mehr wird als eine Aneinanderreihung von Vorträgen. Die das Event zu einem Erlebnis machen.

Ob wir das auch dieses Jahr wieder hinbekommen? Ich weiß es nicht, denn in der ersten Hälfte unserer Crowdfunding.Kampagne haben wir weniger Unterstützung bekommen als erhofft. Von den angestrebten 25.000 Euro sind erst rund 5.000 Euro zusammen gekommen, 3.000 sind es auf der Plattform, der Rest ist dort noch nicht sichtbar, weil es eben etwas kompliziert ist, wenn jemand ein Ticket für die stART12 erwerben möchte und davor eine Rechnung braucht. Ich gebe es ehrlich zu, ich selbst habe Tage gebraucht, um die verschiedenen Abläufe zu kapieren und kann verstehen, dass viele nicht verstehen, was denn nun eigentlich der Unterschied zwischen einer Gegenleistung und einem Ticket ist.

Eigentlich ist es ganz einfach: wenn Sie bei der stART12 dabei sein wollen, dann besteht dazu noch genau 18 Tage die Möglichkeit, ein Ticket zu erwerben und gleichzeitig noch unsere Crowdfunding-Kampagne zu unterstützen. Sie müssen dazu nur dieses Formular ausfüllen (bei Frage 1 das „Lotsenpaket“ ankreuzen) und für 150 Euro ein Ticket kaufen. Gelingt es uns auf diese Weise nicht, in den nächsten 18 Tagen, die Grenze von 25.000 Euro zu erreichen, dann wird es die stARTconference dieses Jahr nicht geben.

Vielleicht soll es die stARTconference aber auch gar nicht mehr geben? Vielleicht hat sich die Spirale der Begeisterung zu drehen aufgehört und Social Media ist bei uns allen soweit im Alltag angekommen, dass es dazu gar keiner Konferenz mehr bedarf? Vielleicht ist der Weg nach Duisburg zu weit, wo doch in Köln, München, Dresden, Frankfurt und Berlin stARTcamps organisiert werden, die zeigen, dass das stARTuniversum in den letzten Jahren gewaltig gewachsen ist? Vielleicht hat das klassische Konferenzformat ausgedient und wir alle finden viel mehr Gefallen an der Barcamp-Atmosphäre?

Peter Kruse hat von den Selbstaufschaukelungsprozessen gesprochen und in seinem Vortrag festgestellt, dass die Macht von den Anbietern zu den Nachfragern gewandert ist. Wir sind die Anbieter, Sie die Nachfrager. Ob es die stARTconference weiter geben wird, liegt in Ihren Händen. Ich bin gespannt!

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Sponsoring: muss ich potenziellen Geldgebern mein Budget zeigen?

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© Paul-Georg Meister ; Pixelio

Wenn Sie für Ihr künstlerisches Vorhaben öffentliche Mittel in Anspruch nehmen wollen, müssen Sie nicht nur Ihr Projekt beschreiben und erklären, was Sie da so alles vorhaben. Sondern Sie werden auch dazu aufgefordert, Ihr Budget darzustellen und aufzulisten, auf welche Weise Sie die Kosten decken wollen. Dass die öffentlichen Förderstellen wissen wollen, wie Sie die benötigten Mittel einsetzen und ob Ihr Projekt finanziell überhaupt realisierbar ist, scheint einsichtig, schließlich ist es die Aufgabe der öffentlichen Stellen, Kunst zu ermöglichen. Und das mit den Mitteln der Steuerzahler.

Wie aber sieht es denn bei den privaten Unterstützern aus? Müssen oder sollten Sie denen auch Ihr Budget vorlegen, um das erhoffte und meist dringend benötigte Geld zu bekommen? Eigentlich nicht, denn wenn wir Sponsoring als ein Geschäft auf Gegenseitigkeit verstehen, dann heißt das: der Projektbetreiber bietet dem potenziellen Sponsor eine oder mehrere Leistungen an, für die ein entsprechender Gegenwert ermittelt wird. Ob es sich hierbei um eine Sach- oder Geldleistung handelt, spielt keine Rolle, entscheidend ist, ob die Relation zwischen Leistung und Gegenleistung passen.

Für den Sponsor spielt es dabei keine Rolle, ob die Projektkosten hoch oder niedrig sind, er hat lediglich ein Interesse daran, für den vereinbarten Geldbetrag oder die ausgehandelten Sachleistungen die entsprechende Gegenleistung zu erhalten. Wichtig ist daher nicht das Projektbudget, sondern die Bewertung der Leistung, die man dem potenziellen Sponsor anbietet. Wenn Sie also einem Sponsor anbieten, für den vereinbarten Geldbetrag sein Logo auf Plakat und Eintrittskarten zu platzieren, ist es völlig egal, ob Ihr Projekt 500 oder 500.000 Euro kostet.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen: ein Unternehmen könnte Sie bei der Realisierung Ihres Vorhabens auch mit Know-How unterstützen, zum Beispiel bei der Organisation des Vorhabens, also in Sachen Projektmanagement. Oder ein Sponsor finanziert das gesamte Vorhaben. In so einem Fall darf er nicht nur wissen, was das Projekt kostet, er muss es sogar wissen, um dann seine Entscheidung treffen zu können.

Aber auch ohne diese Ausnahmen können Sie durchaus die Höhe des Budgets nennen, ohne die Zahlen im Detail zu präsentieren. Auf diese Weise kann der mögliche Geldgeber abschätzen, ob Ihre Forderung realistisch oder völlig überzogen ist. Angenommen, Ihr Vorhaben kostet 5.000 Euro und Sie möchten vom potenziellen Sponsor 2.500 Euro für den Logoabdruck, dann ist das unter Umständen eine etwas überzogene Forderung. Wenn Sie hier offen agieren und die Gesamtkosten nennen, wird Ihr Gegenüber sehen, dass Sie ihn nicht über den Tisch ziehen wollen und Ihnen genau das Vertrauen entgegenbringen, das die Voraussetzung für eine langfristige Partnerschaft ist.

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Deutschland: Kulturpolitik ohne Visionen

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Sasquatch main stage and the gorge„; By Jess Sloss (CC-Lizenz)

Jimi Hendrix, Ray Charles und auch Kurt Cobain wurden in Seattle geboren, der Stadt, die am Pazifik liegt und sich selbst als Musikstadt bezeichnet. Die Bezeichnung ist berechtigt, denn die Musikindustrie spielt mit einem Umsatz von 1,2 Mrd USD und 20.000 durch sie entstandenen Arbeitsplätzen eine wichtige Rolle. Eine 2008 veröffentlichte Studie zeigt darüber hinaus, wie breit die Branche aufgestellt ist und welch interessante Kooperationen in den letzten Jahren entstanden sind.

Arnaudville hingegen ist ein kleiner Ort im US-Bundesstaat Louisiana, über den es eigentlich nichts zu berichten gibt. Laut Wikipedia hatte dieser kleine Flecken vor zwölf Jahren knapp 1.400 Einwohner, heute sind es ca. 100 mehr. Dieser für den Ort beachtliche Bevölkerungszuwachs hat auch mit dem Künstler George Marks zu tun, der 2005 eine alte verlassene Autowerkstatt zum Ausgangspunkt seiner Aktivitäten machte und Arnaudville zu einem ländlichen Zentrum kultureller Aktivitäten machte.

Seattle und Arnaudville ist gemeinsam, dass sie für ihre Aktivitäten Geld aus den Fördertöpfen des National Endowment  for the Arts (NEA) erhalten haben. „Our Town“ nennt sich ein Programm, hinter dem der Grundgedanke des Creative Placemaking steht. Was sich hinter diesem Begriff versteckt, erklären Ann Markusen und Anne Gadwa in ihrem gleichnamigen Whitepaper, in dem noch weitere Projektbeispiele beschrieben werden. In dem bereits 2010 erschienenen Bericht bezeichnen die beiden Autorinnen Creative Placemaking als einen Prozess, in dem

„partners from public, private, non-profit, and community sectors strategically shape the physical and social character of a neighborhood, town, city, or region around arts and cultural activities.“ (S.3)

Das Grundprinzip ist schnell erklärt:

„Creative placemaking animates public and private spaces, rejuvenates structures and streetscapes, improves local business viability and public safety, and brings diverse people together to celebrate, inspire, and be inspired.“ (S.3)

Ausgangspunkt ist die Krise und die erleben wir in Deutschland derzeit auch. Und um die zu lösen haben Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz ein Buch geschrieben, das in der nächsten Woche erscheinen und für Aufregung sorgen wird, wie der Spiegel prophezeit. In „Der Kulturinfarkt“ stellen die vier Autoren das derzeitige Fördersystem in Frage und provozieren mit der Idee, den etablierten Institutionen einen großen Teil ihrer Fördermittel wegzunehmen und für innovative Entwicklungen abseits der Hochkultur einzusetzen. Finanzierungsbedarf orten die Autoren in den Bereichen

  • der öffentlichen Kulturinfrastruktur,
  • der Laienkultur,
  • der (noch nicht existierenden) Kulturindustrie,
  • der Hochschulen für Kunst, Musik und Design und
  • der gegenwartsbezogenen kulturellen Bildung.

Das heißt, man nimmt den „Großen“ etwas weg, damit die „Kleinen“ etwas bekommen können. Eine nette, allerdings vermutlich auch unrealistische Idee: es wird nicht „die Hälfte“ der öffentlichen Förderungen eingespart, sondern lediglich umverteilt. Nach welchen Regeln dieser Verteilungswettbewerb ausgefochten werden soll, lassen die Autoren allerdings offen, schließlich verstehen sie ihr Buch (und den Spiegel-Artikel) nur als Provokation und Anlass für die Debatte über eine zukünftige Kulturpolitik. Ob wir anlässlich dieses Buches jemals über die Frage diskutieren werden, unter welchen Voraussetzungen Innovation im Kunst- und Kulturbereich entstehen kann, darf bezweifelt werden, die Kritiker haben bereits Stellung bezogen, so etwa der Deutsche Kulturrat, der sich in einer Stellungnahme „irritiert“ zeigt und die Frage stellt, von welcher Realität da die Rede sein solle. Oder Max Hollein, der den Autoren Populismus vorwirft und der Ansicht ist, dass die Thesen extrem pauschal und nicht durch Zahlen belegbar seien.

Eine Diskussion wird so wohl nicht entstehen und wenn, diskutieren wir vermutlich nur die Frage, ob es wirklich sinnvoll sei, den etablierten Kultureinrichtungen die Hälfte ihrer Förderungen wegzunehmen? Aber ist das wirklich die Frage? Ich bin, ehrlich gesagt, von dem Spiegel-Artikel enttäuscht. Zwar heißt es immer wieder, es gehe gar nicht so sehr ums Geld, aber auch Stephan Opitz landet in einem Deutschlandradio-Interview recht schnell wieder bei diesem Thema.

Statt nur über die verkrusteten Strukturen und den Änderungsbedarf zu schreiben, hätte ich mir ein paar Anhaltspunkte erwartet, wohin die Reise gehen kann. Ich hätte mir erwartet, dass mögliche Ziele formuliert und zur Diskussion gestellt werden. Unter diesen Voraussetzungen bin ich dann recht schnell wieder bei Ann Markusen und Anne Gadwa gelandet, die in ihrem Bericht einen in meinen Augen sinnvollen Bottom-up-Ansatz verfolgen, denn

„Instead of a single arts center or a cluster of large arts and cultural institutions, contemporary creative placemaking envisions a more decentralized portfolio of spaces acting as creative crucibles.“

Wie lässt sich dieser Ansatz umsetzen? Neil Takemoto nennt in seiner Zusammenfassung des Berichts sechs Komponenten:

  • „Creative Initiator – Finding that one person or small team that starts it all.
  • Designing Around Distinctiveness – Build on existing expertise and characteristics of place.
  • Mobilizing [Government Will] – If your city government isn’t supportive, good luck.
  • Garnering Private Sector Support – If no one’s looking to invest in it, good luck.
  • Securing Arts Community Engagement – This is more than working with arts leaders, this is about crowdsourcing the time and investment of thousands of its patrons.
  • Building Partnerships – Figuring out a way for all of the above to work together.“

Wo sind unsere InitiatorInnen? Wer kann bei uns diese Veränderung auslösen? Wo ist die Kulturpolitik, deren Aufgabe es eigentlich wäre, solche Entwicklungen zu initiieren?

Peter Linett stellt in seinem Blogpost „As the arts conversation shifts to ‚creative placemaking‘, will large institutions still count?“ fest, dass in den USA in den letzten Jahren vermehrt neue Förderprogramme aufgetaucht sind, in denen Kunst nicht mehr um ihrer selbst Willen gefördert werde, sondern eher als Mittel zum Zweck diene, um zivilgesellschaftliche, ökonomische Probleme oder solche im Bildungsbereich zu lösen. Solche Ansätze wünsche ich mir auch für den deutschsprachigen Raum. Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz haben da eine große Chance vertan, denn der Ansatz des „Creative Placemaking“ verlangt gerade von den großen Kultureinrichtungen ein hohes Maß an Veränderung. Veränderung, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen ist aber, so denke ich, allemal attraktiver als der aus der (finanziellen) Not heraus entstehende Druck, sich verändern zu müssen.

Neil Takemoto spricht davon, dass der Erfolg auch von der Fähigkeit abhängt, Verbündete zu gewinnen. Wenn ich mir die Scharmützel im Vorfeld der Veröffentlichung des Buches anschaue, kann ich nur schwer glauben, dass das gelingen wird. Aber ich lasse mich gerne überraschen.

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Treffpunkt KulturManagement: Vertriebsmanagement und Ticketing für Kultureinrichtungen

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Wer im Kunst- und Kulturbereich an Publikum interessiert ist, landet irgendwann einmal beim Thema Ticketverkauf. Um die eigenen Tickets unter die Leute zu bringen, gibt es unterschiedliche Wege. Ich kann sie im Vorverkauf entweder nur bei mir oder darüber hinaus an verschiedenen Vorverkaufsstellen anbieten, die restlichen Karten verkaufe ich an der Abendkasse.

Ich kann aber natürlich meine Tickets auch online verkaufen und dafür einen eigenen Ticketshop einrichten oder aber auf diverse Plattformen zurückgreifen. Für die stARTconference haben wir beispielsweise mit der Plattform Amiando gute Erfahrungen gemacht, aber auch der Verkauf über ein selbst erstelltes Formular, das die Dateneingabe ermöglicht, hat wunderbar funktioniert. Allerdings muss man fairerweise dazu sagen, dass wir nur einmal im Jahr eine Veranstaltung haben und jeweils nur ein paar hundert Tickets verkaufen. Da hält sich der Aufwand in Grenzen.

Wer aber regelmäßig Tickets verkauft, kommt um die Frage, welches Ticketsystem das beste ist, nicht herum, denn es für viele Kultureinrichtungen ist es wohl das zentrale Instrument für Verkauf und Marketing. Und da sollte man sich schon ein paar Gedanken dazu machen. Der nächste Treffpunkt KulturManagement ist da vielleicht der richtige Einstieg in das Thema, denn am 21. März wird Rainer Glaap, Produktmanager bei CTS Eventim, unser Gast sein.

Welche Komponenten sind bei Ticketingsystemen wichtig? Wie funktioniert der Verkauf über diverse Vertriebskanäle? Wie können die Kundendaten von Abonnenten, Webkäufern und auch Barkäufern nutzbar gemacht werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Rainer Glaap in seinem Impulsvortrag, um zu zeigen, dass die Kundendaten einen bis jetzt ungehobenen Schatz darstellen, der bei geschickter Nutzung für Segmentierungen und Kampagnenmanagement genutzt werden kann.

Mit Glaap haben wir einen Experten gewinnen können, der zum Thema Vertriebsmanagement und Marketing für Kultureinrichtungen lehr und schreibt und sich dabei vor allem auf Theater, Opern- und Konzerthäuser konzentriert. Er hat Lehraufträge an der Freien Universität Berlin, am Lehrstuhl für Kulturmanagement der PH Ludwigsburg, an der Theaterakademie in Shanghai und wird am 21. März Ihre Fragen beantworten, vorausgesetzt, Sie sind beim nächsten Treffpunkt KulturManagement dabei. Die Teilnahme an diesem Onlineformat ist wie immer kostenlos, Sie sind herzlich eingeladen.

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 21. März, einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort registrieren.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 21.03.2012 von 9:00 bis 10:00
Thema: Vertriebsmanagement und Ticketing für Kultureinrichtungen
Impulsvortrag: Rainer Glaap

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement

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stART12: wenn einer eine Reise tut

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Wie oft nimmt man sich vor, dass man frühzeitig mit den Reisevorbereitungen beginnt und schafft es dann doch nicht. Und wie oft tauchen dann außerdem auch noch unvorhergesehene Dinge auf, mit denen kein Mensch gerechnet hat. So ähnlich ist es uns auch mit unserer Crowdfundingkampagne für die stART12 gegangen. Eigentlich wollten wir uns schon vor vier Wochen auf die Reise begeben, aber es tauchten immer wieder neue Probleme auf, die es zu lösen galt.

Zwei Aspekte möchte ich herausgreifen, weil sie auch für andere Kampagnen interessant sein könnten. Dass eine Crowdfundingplattform wie Startnext, auf der unsere Kampagne läuft, so etwas wie AGB braucht, ist klar. Aber auch wir als Crowdfunder müssen mit so etwas arbeiten, weil wir als Veranstalter einer Konferenz nicht im rechtsfreien Raum agieren können, sondern uns an die Regel halten müssen. Beide unter einen Hut zu bekommen und das Prozedere so zu gestalten, dass sich die AGBs nicht widersprechen, war eine der Hürden, die es zu überwinden galt. Dank der Kooperation mit Startnext haben wir dieses Problem lösen können.

Ein zweiter Punkt: bei unserer Crowdfundingkampagne wird es erstmals möglich sein, ein Projekt zu unterstützen, ohne sich auf der Plattform registrieren zu müssen. Das klingt einfach, ist es aber nicht, vor allem, wenn man dann noch mitberücksichtigt, dass wir im Rahmen der Kampagne auch die Tickets anbieten. Nicht alle können mal schnell ihren PayPal-Account aufrufen oder ihre Kreditkarte zücken, um sich für eine unserer Gegenleistungen zu entscheiden. In vielen Kultureinrichtungen muss so eine Konferenzteilnahme erst genehmigt werden, dann stellen wir die Rechnung aus, bevor der Betrag überwiesen werden kann. Auch hier gibt es nun eine Lösung, danke an das Startnextteam! Ob dann auch alles so funktioniert, wie wir uns das vorstellen, wird die Praxis zeigen.

Um dahin zu kommen, müssen wir erst die Startphase durchlaufen und 100 Fans gewinnen. Gestern Nachmittag haben wir begonnen und aktuell fehlen uns noch 9 Fans, um diese Hürde zu meistern. Wir sind begeistert, großartig! Dass wir das so schnell schaffen, hatten wir nicht geglaubt. Danke an alle, die uns als Fan unterstützt haben und danke auch an die, die das jetzt gleich noch machen. ;-) Und dann geht die Reise erst so richtig los.

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Projektmanagement: nicht nur das Handwerkzeug ist wichtig

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© Rainer Sturm ; Pixelio

Projektmanagement ist in den meisten Branchen nicht mehr wegzudenken. Einerseits sehen wir darin häufig eine Möglichkeit, starre Strukuren zu überwinden. Andererseits ist es eine Arbeitsform, die uns von außen quasi vorgegeben wird. Zum Beispiel im klassischen Kunst- und Kulturbereich, wo ein Großteil der Fördergelder auf Projektbasis vergeben wird.

Wer sich mit dem Thema Projektmanagement beschäftigen möchte, kann sich das notwendige Know-how auf ganz unterschiedliche Art und Weise aneignen. Ob Studium, Weiterbildung oder Buch, die Grundprinzipien, wie man an ein Projekt herangeht sind schnell verstanden. Und trotzdem funktioniert es dann in der Praxis oftmals nicht. Warum?

Vermutlich gibt es eine Vielzahl von Gründen. Es ist zum Beispiel gar nicht so einfach, andere davon zu überzeugen, ein Projekt möglichst detailliert zu planen, wenn man es bis jetzt immer ohne solche Pläne geschafft hat. Von heute auf morgen das ganze Prozedere umzustellen ist eine ziemliche Herausforderung, einerseits in der Vermittlung, andererseits in der Umsetzung. Vielleicht gehen wir das „Problem“ aber auch einfach nur falsch an?

In ihrem Artikel „Building A ‚Transformational‘ Project Management Office“ weist Autorin Meridith Levinson darauf hin, dass Projektmanagement für Unternehmen immer wichtiger werde. Statt aber neue Prozesse einzuführen und das Berichtswesen auszuweiten, ist es ihrer Meinung nach sinnvoller, bestehende Schwierigkeiten zu lösen und Best Practice-Lösungen zur Verfügung zu stellen, damit alle davon lernen können. „Build communities of practice„, lautet einer ihrer Handlungsempfehlungrn.

Mir gefällt diese Idee und ich würde sie gerne vor allem für den Kunst- und Kulturbereich umsetzen. Bei meinem Projektmanagement-Seminar am Wochenende haben wir zwar viel darüber gesprochen, mit welchen Tools sich ein Projekt planen lässt. Aber um dann die Probleme zu besprechen, die in der Praxis auftauchen, fehlt die Zeit. Wo aber bespricht man diese „alltäglichen“ Probleme?

Der Bedarf, sich auszutauschen, ist da, ich erinnere mich an das Format des „projektnetworking-Frühstücks“, das ich vor einigen Jahren zusammen mit Ursula Seethaler, Andrea Sanz und Max Harnoncourt ins Leben gerufen habe. Die Bereitschaft, sich auf neue Themen einzulassen und der gegenseitige Austausch standen damals im Vordergrund. Warum so etwas nicht wieder beginnen, allerdings online, so meine gestrige Idee. Ich habe mittlerweile diverse Gruppen auf Facebook kennen und schätzen gelernt und möchte sie nicht missen. Bei der Suche nach einer Gruppe zum Thema Projektmanagement wurde ich selbst nicht fündig, aber wozu ist man vernetzt? ;-) Auf diese Weise bin ich auf Peter Webhofer gestoßen, der schon vor einiger Zeit auf Facebook die Gruppe „Projektmanagement 2.0“ gegründet hat. Genau der richtige Rahmen, um sich über das Thema Projektmanagement auszutauschen und voneinander zu lernen, danke an Peter Webhofer, der seine Gruppe für alle geöffnet hat. Ich bin gespannt, ob daraus eine Community of Practice wird, in der alle voneinander profitieren können. Die von Meridith Levinson vorgeschlagenen Empfehlungen können dabei eine wichtige Rolle spielen, ich freu mich darauf.

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Die Zukunft des Marketings

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Sehr viele Dinge lassen sich im Rahmen eines einzelnen Tweets erklären, zum Beispiel auch die Zukunft des Marketings:

Es geht nicht um irgendeine Superstory oder andere Superlative, sondern um Geschichten, die spannend sind und uns fesseln. Mehr ist gar nicht nötig. ;-)

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Der Social Media ROI: neues Wissen statt neuer Fans

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Natürlich achte ich darauf, wie viele Kontakte ich auf Twitter oder Facebook habe. Selbstverständlich sind mir auch die Zugriffszahlen meines Blogs wichtig. Und dann erzähle ich immer wieder, dass diese Zahlen gar nicht so wichtig seien und der Return on Investment eigentlich nichts bringe. Welche Zahlen sollten uns dann interessieren?

Jay Deragon warnt in seinem Blogpost „Misled By The Wrong ‚Social‘ Numbers“ davor, auf die falschen Zahlen zu setzen:

„The goal is a conversation which begets a relationship that can produce results. However, focusing on the results does not produce relationships,“

schreibt er darin und zeigt, was passieren kann, wenn man sich von der Zahl der Fans oder Follower beeinflussen lässt. Gut, aber warum sind diese Zahlen eigentlich so falsch? Viele Kontakte zu haben, die man mit Informationen versorgen konnte, war früher ein wichtiger Bestandteil einer jeden Marketingstrategie. Und heute soll das nicht mehr gelten?

Wissen und Beziehungen zählen heute als wichtigstes Guthaben

Warum ist das so? Was hat sich da verändert? Im Blog von Esko Kilpi habe ich heute einen Beitrag entdeckt, der für mich erklärt, was da um uns herum passiert. In „Social media and the change from information to formation“ weist er darauf hin, dass die Entwicklung hin zur „creative economy“ die Assets dieser „Industrie“ verändert. Das industrielle Zeitalter setzte vor allem auf greifbare, auf sichtbare Werte. Heute werden hingegen Wissen und Beziehungen als das größte Guthaben gesehen. Aber Wissen könne nicht eingelagert, gemessen oder geteilt werden, schreibt Kilpi weiter, denn

„From a more modern point of view, knowledge creation is understood as an active process of communication between people. Knowledge cannot be stored but is all the time constructed and re-constructed in interaction. Knowledge cannot be shared but arises in action. Knowledge is the process of relating.“

Dieser Absatz hat mich an ein Gespräch erinnert, das ich vor wenigen Tagen geführt habe. In ihm bin ich eigentlich daran gescheitert zu erklären, was kuratieren heißt. Mein Gegenüber verstand darunter das Kopieren von bereits bestehenden Inhalten. Ich hingegen stehe auf dem Standpunkt, dass es dabei darum geht, durch das Herstellen von Bezügen einen Mehrwert zu schaffen.

Lernen als gemeinsamer Prozess

Wenn Kilpi schreibt, dass Wissen nicht geteilt werden könne, sondern nur in einem Beziehungsprozess, also einer Art Schwebezustand entstehe, dann greift er damit nicht nur unser statisches Verständnis von Kommunikation (Sender – Empfänger) an, sondern auch den dahinter stehenden Ansatz des Lernens. Der Vortragende  teilt sein Wissen mit denen, die zuhören. Aber auf diese Weise lassen sich nur „Bytes“ übertragen, wie Kilpi meint, nicht aber deren Bedeutung, denn wir alle werden die Inhalte unterschiedlich auslegen und so zu völlig verschiedenen Ergebnissen kommen.

Lernen ist für ihn daher nicht das Teilen von Wissen, sondern ein Prozess, an dem mehrere Menschen gleichzeitig teilhaben. Während im tradionellen Modell B einfach das Wissen von A übernimmt, wird in diesem Fall das Wissen von A durch das, was B einbringt, angereichert, was bedeutet, dass beide lernen.

Dieses Wissen wird in der Kommunikation sichtbar, „co-constructed in communication“ schreibt Kilpi und macht damit klar, dass die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren, entscheidend für die Entwicklung von Wissen ist.

„Supportive, energizing and enabling patterns of interaction are the most important ‚assets‘ of a modern organization,“

gibt er sich überzeugt und schließt seinen Artikel mit dem schönen Satz:

„Communication is not about sharing information but a process of formation.“

Das heißt, Kommunikation ist – vor allem im Social Web – keine einseitige Angelegenheit, weil es sonst nicht gelingt, Wissen zu generieren. „Na und?“ werden Sie sagen, was interessiert mich das als Kultureinrichtung?

wer nur über sich schreibt, langweilt die anderen

In zwei Beiträgen der letzten Zeit habe ich über die Notwendigkeit relevanter Inhalte geschrieben und darin behauptet, wer nur über sich schreibe, der langweile die anderen. Esko Kilpi liefert die Begründung dafür, denn wer nur über sich schreibt, wer im besten Fall Wissen teilt, folgt dem alten Modell, einem Modell, das auf anderen Kommunikationskanälen vielleicht noch seine Berechtigung haben mag. Nur im Social Web ist seine Zeit abgelaufen. Hier geht es darum, gemeinsam Wissen zu entwickeln, was für Kultureinrichtungen eine riesengroße Chance darstellt, sich die scheinbar verlorene Relevanz zurückzuholen.

Vor knapp vier Jahren erschien die von der American Association of Museums veröffentlichten Studie „Museums & Society 2034: trends and potential futures„, in der den Museen eine führende Rolle in Wissenscommunitys prophezeit wird (siehe dazu mein Blogpost „Die Zukunft der Museen„). Kultureinrichtungen müssen sich von alten Kommunikations- und Lernmodellen verabschieden. Sie müssen verstehen, dass es nicht darum geht, andere zu belehren, sondern gemeinsam neue Inhalte zu entwickeln. Wenn es aber das Ziel ist, gemeinsam Wissen zu entwickeln, dann lautet die Frage am Ende nicht, wie viele Fans oder Follower ich habe, sondern: was habe ich heute gelernt.

Bild von Peggy und Marco Lachmann-Anke auf Pixabay