Monthly Archives of: Mai 2012

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Social Media: was bringt mir das?

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Als ich vor sechs Jahren mit diesem Blog begann, hatte ich, ehrlich gesagt, keine Ahnung, was es mir bringen kann, zu bloggen. Ich wusste nur, dass ich von den Inhalten diverser US-Blogs, die sich mit Kulturmarketing oder Kulturmanagement beschäftigten. enorm profitierte. Also wollte ich so etwas auch versuchen. Nach den ersten Monaten tauchte aber sehr wohl die Frage nach dem Nutzen eines solchen Blogs auf und auch wenn ich noch nicht wusste wie, so war mir doch klar, dass ich damit letzten Endes Geld verdienen wollte bzw. musste.

Nun gibt es Bereiche, da kann ich auf Werbung oder Affiliate-Marketing setzen und so Einnahmen erzielen. Dieses Modell kommt für mich nicht in Frage, denn letzten Endes blogge ich in einer Nische, auch wenn die Zugriffszahlen nicht schlecht sind. Um es kurz zu machen: Geld verdiene ich bis heute nicht mit dem Blog, aber es ist ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Baustein in einem Geschäftsmodell, an dessen Ende natürlich Einnahmen stehen. Aber ich kann nicht sagen: mit meinem Blog habe ich meine Einnahmen um x% erhöht.

Auch gestern bei der Deutschen Orchesterkonferenz 2012 in Hannover ging es um dieses Thema und da dort nicht allzu viel Zeit zur Verfügung stand, möchte ich hier noch einmal auf dieses Thema eingehen. Was bringt mir Social Media? Diese Frage müssen Kulturbetriebe beantworten, wenn sie im Social Web aktiv werden möchten, das ist unbestritten. Allerdings ist Social Media nur einer von vielen Bausteinen, die idealerweise alle ineinandergreifen und so dafür sorgen, dass am Ende die künstlerische Qualität stimmt und auch die Finanzierung gesichert ist.

Leider lässt sich ein Blogpost oder ein Tweet nicht direkt monetär bewerten, aber das verlange ich von einem Plakat oder einem Inserat ja auch nicht. Insofern lohnt es sich zu überlegen, welche Ziele ich mit Social Media eigentlich erreichen kann? Wie ist das in Sachen Marketing? Reicht es, auf die eigenen Veranstaltungen hinzuweisen und ab und zu ein Foto von der letzten Probe zu bringen?

In meinen Augen sind es vor allem vier Ziele, die ich mit Hilfe meiner Kommunikation im Social Web erreichen kann, ich habe sie auf dieser Folie zusammengestellt (hier der Link zur ganzen Präsentation):

Bekanntheitsgrad erhöhen

Das ist vor allem für kleine Kulturbetriebe ein Thema, denn die Met oder das Guggenheim-Museum kennt man eben. Das ist aber auch dann ein Thema, wenn ich mit meinen Aktivitäten im Social Web beginne, egal ob das nun Twitter, Facebook, YouTube oder ein Blog ist. Ich kann Fans per Preisausschreiben anlocken oder vielleicht sogar kaufen, ich kann aber auch auf organisches Wachstum setzen. Das ist unter anderem davon abhängig, ob es sich um einen langfristig angelegten Auftritt der Einrichtung handelt oder um eine Ausstellung bzw. eine Inszenierung mit Ablaufdatum. Ein wahrer Meister darin ist Paulo Coelho mit seinem Auftritt im Social Web, ich verfolge vor allem seine Facebookseite sehr genau und bin beeindruckt, wie er es in den letzten Jahren geschafft hat, mittlerweile fast 8,4 Mio. Fans um sich zu sammeln. Ob es nun gute Inhalte sind oder ein Preisausschreiben, wichtig ist, dass der Ansatz zur jeweiligen Kultureinrichtung passt. Dazu ist es hilfreich zu wissen, welches Image man eigentlich hat, um so herauszufinden, welche Strategie die beste ist. Aber: auch wenn ich hier von organischem Wachstum spreche, geht es letzten Endes um Quantität und damit um die Frage, wie viele Fans oder Follower habe ich?

Hier werden jetzt vermutlich die ersten Einwände kommen und das durchaus berechtigt, denn unter Umständen bringen mir 1.000 aktive Fans wesentlich mehr als 10.000 passive. Und damit sind wir schon mitten drin in der Komplexität. Die Zahl der Fans ist natürlich ein wichtiges Kriterium, aber erst im Gesamtzusammenhang kann ich sagen, womit ich zufrieden bin.

Neugierde wecken

Vielleicht haben Sie schon jede Menge Fans oder Follower und sind trotzdem nicht zufrieden? Das kann dann daran liegen, dass z.B. Ihre Fans auf Facebook oder die LeserInnen Ihres Blogs nicht so aktiv sind, wie Sie sich das vorstellen?  Der „Gefällt-mir“-Button wird nicht oft genug angeklickt und die Blogposts werden überhaupt nicht kommentiert. Ob das wirklich ein Problem ist, hängt wieder von Ihrer Strategie ab und der Frage, in welcher Form Ihre Zielgruppen aktiv werden sollen. Im Fall von #Operaplot ging es darum, den Inhalt einer Oper in einem Tweet zusammenzufassen. Eine tolle Aktion, aber was bringt das einem Opernhaus? Die Ticketverkäufe werden wohl nicht sofort in die Höhe schnellen, aber der ganze Opernbereich profitiert natürlich davon. Nun müssen Sie sich nicht sofort eine Aktion für Ihre Kunstsparte überlegen, unter Umständen wollen Sie nur Abonnenten für Ihren Newsletter gewinnen, um dort dann Ihre Veranstaltungen zu bewerben und neue BesucherInnen zu gewinnen?

Kundenservice anbieten

Warum immer nur an Neukunden denken? Sie haben vermutlich schon jede Menge BesucherInnen, von denen sicher auch einige im Social Web unterwegs sind. Und Sie bekommen vermutlich Anfragen, die immer wieder gestellt werden? Warum diese Fragen nicht öffentlich beantworten, warum nicht die UserInnen dazu ermuntern, ihre Fragen zu twittern oder auf der Facebookseite loszuwerden? Sie müssen ja nicht gleich wie Dell einen eigenen Twitteraccount nur für Ihren Kundendienst einrichten, aber gehen Sie das Thema Kundendienst doch mal an und überlegen sich, was Sie alles im Social Web abhandeln können? Laden Sie doch Ihre Fans, Follwer, etc. dazu ein, Ihnen Fragen zu stellen, Sie können dabei nichts verlieren.

Fragt man Kulturbetriebe, warum sie im Social Web aktiv sind, dann bekomme ich viele Gründe zu hören. Aber das Thema Kundendienst ist eigentlich nie dabei. Warum eigentlich? Ist das generell im Kunst- und Kulturbereich kein Thema oder eines mit geringer Priorität?

Communitys unterstützen

Hier ist von ganz besonderen Fans die Rede, nämlich denen, die weitererzählen, was sie bei Ihnen gesehen oder gehört haben und somit zu wichtigen MultiplikatorInnen werden. Nehmen Sie das nicht als selbstverständlich hin, sondern unterstützen Sie diese Fans. Ein schönes Beispiel dafür sind die Tweetups, bei denen Fans zu Führungen eingeladen werden, die sich nicht nur inhaltlich von einer „normalen“ Führung unterscheiden, sondern bei denen es außerdem erlaubt ist, die Eindrücke sofort online weiterzugeben, als Facebook-Posting, als Tweet oder als Foto.

Und nun?

Wenn Sie sich für Ihre Kultureinrichtung nun in allen vier Bereichen etwas einfallen lassen und Ihre Ziele formulieren, dann geht es dabei zwar nicht direkt um höhere Besucherzahlen oder Einnahmen. Aber ich bin mir sicher, Sie werden das mittel- und langfristig sehr wohl merken. Und zwar positiv, wobei sich dieser Effekt wahrscheinlich noch verstärken lässt, wenn Social Media nicht ein isolierter Bereich ist, sondern in ihre Gesamtaktivitäten eingebunden ist. Auch wenn Sie in so einem Fall den Beitrag von Social Media nicht konkret messen können, Sie werden spüren, dass es ein ganz wichtiger Baustein Ihrer Erfolgsstrategie ist.

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1stfans: eine große Party zum Abschluss

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Brooklyn Museum (CC BY-NC-ND 2.0)

Anfang 2009 schrieb ich in der „Ideenbörse für das Kulturmarketing“ über einen spannenden Versuch des Brooklyn Museums, ein ganz neues Membershipprogramm zu starten. „1stfans“ nennt sich das Programm, das ich damals vorstellte, Will Cary hat zum Start des gemeinsam mit Shelley Bernstein entwickelten Programms in einem Blogpost geschrieben:

„a 1stfans Membership is an interactive relationship with the Museum that will happen in the building and online. We call it a “socially networked” Museum Membership (…).“

Ende Juni wird dieses Programm nun eingestellt, schreibt Shelley Bernstein in ihrem Blogpost „A Sunset for 1stfans“ und geht dabei auch auf die Gründe ein, die dazu geführt haben, dieses Programm zu beenden. Zwar kam das Brooklyn Museum schon nach etwa einem Jahr zu der Erkenntnis, dass die Kombination Twitter, Facebook und Flickr sich nicht wirklich für dieses Programm eignet und wechselte zu Meetup, einer Plattform, die die Organisation von Gruppen ermöglicht (hier der Link zur 1stfans-Gruppe). Aber nun kommt das endgültige Aus, Ende Juni ist Schluss.

Mit 1stfans wollte man neue Wege abseits der klassischen Memebershipprogramme gehen, schreibt Shelley Bernstein und konstatiert nach dreieinhalb Jahren, dass die Konzeption des Programms seine Stärke, aber auch seine Schwäche ausgemacht hätte. Wichtig sei es für sie gewesen, zu erkennen, dass die meisten Menschen, die ein Museum unterstützen, an einer tiefgehenden und persönlichen Verbindung mit dem Museum, aber auch an besonderen Erlebnissen mit anderen Menschen interessiert seien.

„It was the deep engagement of the program that was incredibly successful, but 1stfans was its own entity that was never fully integrated into the Membership structure,“

analysiert Bernstein die Erfahrungen der letzten dreieinhalb Jahre. Das führte einerseits dazu, dass das Angebot anscheinend nicht ausreichend wahrgenommen wurde, die Mitgliederzahlen blieben, wenn ich Shelley Bernstein richtig verstanden habe, hinter den Erwartungen zurück. Andererseits gelang es nicht, Mitglieder von 1stfans dazu zu bewegen, sich in anderen Programmen zu engagieren und so die „membership ladder“ hinaufzusteigen, was aber, so Bernstein, enorm wichtig sei, wenn man steigende Mitgliederzahlen anstrebe.

Was können wir daraus lernen? Zum einen finde ich es interessant, dass sich Twitter wenig als Kommunikationsinstrument für eine geschlossene Community eignet, bei einer offenen Struktur wäre das aber vermutlich anders. Das Brooklyn-Museum hat sich alternativ für die Lösung mit Meetup entschieden, ich kann mir aber auch vorstellen, so etwas mit Hilfe einer Facebook- oder Google-Gruppe aufzusetzen.

Zweitens ist es wenig hilfreich, wenn ein solches Programm isoliert ist und die Anknüpfungspunkte  fehlen. Auch hier ist also eine Gesamtstrategie die Voraussetzung, um erfolgreich sein zu können. Wichtig ist es also, ein Konzept zu entwickeln, in dem ein solches Programm ein wichtiger Baustein ist. Denn die Idee und das Angebot von 1stfans finde ich nach wie vor gut und bedaure es ein wenig, dass sich kein Museum im deutschsprachigen Raum daran gemacht hat, dieses Programm zu kopieren. Nun, nachdem 1stfans bald Vergangenheit ist, kann man ja vielleicht die Erkenntnisse und Erfahrungen des Brooklyn Museums nutzen und ein Angebot entwickeln, von dem beide Seiten was haben.

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Museen: Der Geschäftsbericht auf dem iPad

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Apple iPad„; By John Karakatsanis (CC-Lizenz)

Ich habe mich in den letzten Tagen etwas umgesehen und versucht herauszufinden, auf welche Weise Kultureinrichtungen sich mit dem mobilen Web beschäftigen. Viele von ihnen verfügen mittlerweile über eine mobile Website oder haben Apps für die verschiedenen Smartphones. Etwas geringer fällt die Zahl der Apps für das iPad aus, wobei es sich meist um Angebote handelt, die für iPhone und iPad zur Verfügung stehen.

Christoph Deeg beschäftigt sich in seinem aktuellen Blogpost mit den Herausforderungen, die das mobile Web den Bibliotheken bringt und hat eine „Mobile-Internet-Roadshow“ entwickelt, in der er die verschiedenen Geräte vorstellt und die TeilnehmerInnen dieses Workshops die Endgeräte einfach ausprobieren lässt. Eine in meinen Augen kluge Idee, denn nur durch den Umgang mit den Geräten bekommt man ein Gespür dafür.

Wichtig ist, so denke ich, dass wir uns klar machen, dass die Angebote für Smartphones und Tablet-PCs höchst unterschiedlich sein können, denn wir nutzen beide Gerätetypen oft auf völlig verschiedene Art und Weise. Während das Smartphone meist der reinen Informationsbeschaffung dient, lassen sich auf den Tablet-PCs Informationen ganz anders aufbereiten, zum Beispiel multimedial. Wie lässt sich denn nun aber ein Tablet-PC überhaupt sinnvoll einsetzen? Ich bin bei meiner Suche auf das San Francisco Museum of Modern Art (SFMOMA) gestoßen, das sich dazu entschlossen hat, den Geschäftsbericht für das Jahr 2011 als iPad-App anzubieten.

Der Geschäftsbericht wird als PDF oder als iPad-App angeboten

Auf der Website des Museums kann ich mich mich nun entscheiden, ob ich den Jahresbericht als PDF oder als iPad-App lesen möchte. Nichts gegen das PDF, aber Sie werden schnell merken, dass das Format nicht besonders nutzerfreundlich ist und wir es vor allem mit Informationen in Txtform zu tun haben. Auf Bilder wurde zwar nicht verzichtet, aber sie fallen recht klein aus und machen deshalb keinen großen Eindruck. Ganz anders die iPad-App.

Screenshot iPad-App

Vergleichen Sie diesen Einstieg mit der Titelseite des PDF und Sie werden zugeben müssen, dass der erste Eindruck unterschiedlicher nicht sein könnte. Die Bildqualität ist hoch und durch die hohe Auflösung des Bildschirms entfalten die Fotos ihre Wirkung.

Screenshot iPad-App

Ein weiterer Punkt ist in meinen Augen wichtig: Über die App sind Sie direkt mit der Website des Museums verbunden. Sie werden an die verschiedenen Ausstellungen und Veranstaltungen erinnert und haben sofort den direkten Link zu den jeweiligen Unterseiten, um sich zum Beispiel noch einmal genauer über eine Ausstellung zu informieren. Wichtig scheint mir dabei das Zusammenspiel von Text und Bild zu sein, das auf der Website des SFMOMA gut funktioniert.

Ich finde aber auch schnell wieder zur App zurück und kann mich weiter mit den Inhalten des Jahresberichts befassen. Ob das nun die Schenkungen der UnterstützerInnen sind oder die Ankäufe, ich bekomme jedes einzelne Objekt aufgelistet. Allerdings entspricht diese Liste 1:1 dem, was auch im PDF zu lesen ist. Hier hätte man sicher noch etwas kreativer sein und die Objekte entweder als Foto abbilden oder auch entsprechende Links zur Verfügung stellen können. Auch beim Thema Finanzen ist das Potenzial noch nicht ausgeschöpft, die Grafik wirkt zwar auf dem iPad beeindruckender als im PDF, inhaltlich besteht aber kein Unterschied. Aber der Anfang ist gemacht.

Screenshot iPad

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Die Deutsche Oper am Rhein: rettungslos verloren?

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Extraschicht 2011 – Duisburg„; By Jens Pletsch (CC-Lizenz)

Während das Autorenteam des Kulturinfarkt nur im Konjunktiv darüber sprach, was denn wäre, wenn man der Hälfte der Kultureinrichtungen die finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand verweigern würde, sieht die Realität ganz anders aus. Der Stadt Duisburg fehlt das Geld, um die Opernehe mit Düsseldorf aufrecht zu erhalten. Zwar sind die 11 Mio. Euro, mit der Duisburg die Rheinoper unterstützt, als Schnäppchen zu bezeichnen, aber nachdem die Stadt in den nächsten zehn Jahren 80 Mio. Euro einsparen muss, wollen die Verantwortlichen auch Kunst und Kultur bei ihren Sparbemühungen nicht ausnehmen.

Grundsätzlich ist das nachvollziehbar, denn warum sollte ein Bereich gegenüber den anderen bevorzugt werden? Nur so ganz einfach ist es nicht, denn den meisten Kultureinrichtungen fehlt die finanzielle Manövriermasse. Die Personalkosten steigen regelmäßig, das Gesamtbudget muss aber gleich bleiben, da weder private Geldgeber noch die öffentliche Hand höhere Beträge bereitstellen wollen bzw. können. Das bedeutet, die Summen, mit denen „gearbeitet“ werden kann, schrumpfen und sind irgendwann ganz verschwunden. Ab diesem Zeitpunkt kann ein Kulturbetrieb zwar noch seine MitarbeiterInnen bezahlen, aber es ist kein Geld für Inszenierungen, Ausstellungen, etc. da. Das wäre dann der Moment, wo man eigentlich zusperren muss und immer häufiger geht es um genau diesen Punkt.

Um diesem Dilemma zu  entkommen, müsste man die Bedeutung von Kunst und Kultur hervorheben und herausarbeiten, warum diese bedien Bereiche von den Sparbemühungen auszunehmen sind. Wer als Fan von Kunst und Kultur gesehen hat, wie schnell öffentliches Geld in den Finanzsektor gepumpt werden kann, wird sich fragen, warum das nicht auch im Kunst- und Kulturbereich möglich ist, zumal es hier doch meist nur um ein paar Millionen geht?

Interessant ist die Begründung: Banken haben Geld bekommen, weil sie systemrelevant sind. Gleiches wird vom Kunst- und Kulturbereich behauptet, nur ist die Systemrelevanz wohl auf einer anderen Ebene angesiedelt. Wenn Kunst und Kultur gesellschaftsrelevant sind, dann muss das in der Gesellschaft auch akzeptiert werden. Das bedeutet nicht, dass diese Relevanz einmal beschlossen als unangreifbar gilt. Im Grunde genommen muss sie immer wieder neu ausverhandelt werden. Das heißt, es macht wenig Sinn, die für die Rheinoper benötigten Summen mit den Beträgen zu vergleichen, die in den Finanzsektor geflossen sind. Eigentlich geht es darum, die Relevanz von Kunst und Kultur herauszuarbeiten und einen gesellschaftlichen Konsens herbeizuführen.

Davon sind wir aber leider weit entfernt, glaube ich. Wenn ich mir in der ZEIT die Kommentare auf den Artikel „Verwahrloste Finanzen“ anschaue, dann wird da schnell deutlich, dass die Subventionierung von Kunst und Kultur von vielen vehement abgelehnt wird. Das ist das Recht von uns allen, erschreckend sind allerdings die Begründungen. Wenn es dort heißt, Oper sei „Bonzenkultur, da geht nur rein, wer einen Benz in der Garage hat“, dann stellt sich mir die Frage, ob diejenigen, die an die Systemrelevanz von Kunst und Kultur glauben, in der Vergangenheit nicht den Fehler begangen haben, die richtige Argumentation dafür zu finden.

Wenn in der Facebookgruppe „Für den Erhalt der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg“ Kritikern entgegnet wird:

„Nimm dir einfach mal ein Buch über Musikgeschichte und lies es, dann wirst du darauf kommen, dass es nicht von ungefähr kommt, dass es in Deutschland so eine vielfältige Orchesterlandschaft gibt und dass wir weltweit dafür bewundert werden und als Nation große Anerkennung bekommen“,

dann spricht daraus eine Haltung, die ich als arrogant und überheblich bezeichnen würde. Auf der Ebene könnte ich dem Verfasser obiger Zeilen raten, doch mal ein Buch über die Geschichte der Menschheit in die Hand zu nehmen, um zu erkennen, dass alles vergänglich sei, auch ein Opernhaus.

Ich finde es gut, dass es eine Online-Petition zur Rettung der Deutschen Oper gibt. Aber das ist nicht genug. Wenn es uns nicht gelingt, die KritikerInnen von Kunst und Kultur ernst zu nehmen, uns wirklich mit ihnen auseinander zu setzen und Argumente zu finden, die für den Erhalt von Theatern, Museen und Opernhäusern sprechen, dann wird es sie vermutlich bald nicht mehr geben. Und es ist unsere Schuld, denn jemand als Deppen zu bezeichnen, weil er meine Ansicht nicht teilt, war noch nie eine Strategie, die zum Erfolg geführt hat.

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Twitter: Worin liegt der Mehrwert für den Kunst- und Kulturbereich?

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Wenn wir vom Thema Social Media sprechen, dann meinen wir damit meist Facebook, Twitter, Foto, Video und Blogs. Alle anderen Tools und Plattformen tauchen eher selten auf, aus welchen Gründen auch immer. In Gesprächen mit Kunst- und Kultureinrichtungen stelle ich immer wieder fest, dass Facebook-Aktivitäten mittlerweile fast selbstverständlich geworden sind, während viele skeptisch sind, wenn es um das Thema Twitter geht. Was bringt mir das, wo doch klar ist, dass das Grundrauschen enorm laut ist und ein Tweet nach wenigen Stunden schon so weit in der Timeline nach unten gerutscht ist, dass ihn vermutlich niemand mehr wahrnimmt?

Axel Kopp hat da ganz klar Position bezogen. In seinem Blogpost „Echtzeit: Weniger Twitter, mehr Livestreams!“ fragt er sich, ob Twitter als Kanal zur Echtzeitkommunikation für den Kunst- und Kulturbereich einen Nutzen hat. Zwar versieht er die Überschrift „Twitter als Datenmüllhalde“ noch mit einem Fragezeichen, aber seine Haltung ist klar:

„Für alle, die an der Kunst interessiert sind, bieten (.) ‚Live Events‘ wie ‚Twittern im Museum‚ keinen Mehrwert.“

Statt live aus einem Konzert oder einer Theateraufführung zu twittern, erwartet sich Axel Kopp eine gepflegte Nachberichterstattung, zum Beispiel in Form eines Blogposts. Und wenn es schon live sein muss, dann bitte mit Hilfe eines Livestreams und vor allem deshalb, weil der Long Tail dafür sorgt, dass zumindest die Aufzeichnung irgendwann jemanden erreicht, der sich dafür interessiert. Aber Twitter, das ist für ihn nur Small Talk, wie er dann in einem seiner Kommentare schreibt, denn Informationen bezieht er aus seinen rund 70 RSS-Feeds.

Nun spricht nichts dagegen, dass jemand seine Informationen via RSS organisiert und auf Twitter verzichtet. Aber dass das nun für den gesamten Kunst- und Kulturbereich gelten muss, bezweifle ich dann doch, denn letzten Endes geht es doch um die Frage, welche Ziele ich überhaupt mit Twitter erreichen kann und welche ich erreichen will?

Axel Kopp bemängelt die Nachhaltigkeit von Twitter und betrachtet es als einen Kanal, auf dem nur Small Talk stattfindet. Ich sehe das gänzlich anders, denn Twitter bietet mir durchaus die Möglichkeit, mich mit anderen Twitterati zu unterhalten. Auf der anderen Seite ist es aber auch eine Plattform, auf der unendlich viele Informationen zu finden, die ich allerdings finden muss. Dies geschieht aber nicht, indem ich 24 Stunden am Tag live auf Twitter bin und alle Tweets lese, die auf diese Weise über meinen Bildschirm laufen. Insofern habe ich nicht das Problem „langweiliger“ Tweets, wie Hagen Kohn in seinem Kommentar schreibt. Denn ob die Liveberichterstattung via Twitter langweilig oder spannend ist, das muss ich als UserIn selbst entscheiden. Und man kann davon ausgehen, dass das „Live-Twittern“ vor allem für die interessant ist, die aktiv dabei sind. Zumindest mir geht es so. Alles andere lese ich dann nach und entscheide, in welcher Ausführlichkeit ich verfolge, wer was twittert. Oder ich lese es gar nicht, weil es für mich nicht relevant genug ist.

Ich schreibe bewusst relevant und nicht langweilig, denn diese Unterscheidung ist wichtig, wenn man Twitter nutzt. Ich habe vor einiger Zeit über „Relevanz als Schlüsselbegriff in der digitalen Welt“ gebloggt und mich dabei auf den von Jeff Jarvis verwendeten Begriff der „unerwarteten Relevanz“ bezogen. Es gibt kein Tool im Social Web, mit dem ich leichter auf Inhalte stoße, die für mich von unerwarteter Relevanz sein können. Und genau darauf werde ich als Kultureinrichtung spekulieren, wenn ich Twitter nutze. #Operaplot ist nur deshalb so erfolgreich gewesen, weil die Möglichkeit des Retweet so vielen die Chance gegeben hat, davon zu erfahren (wobei vermutlich niemand auf der Suche nach einem Wettbewerb war, bei dem es darum ging, den Inhalt einer Oper in 140 Zeichen wiederzugeben). Und ähnlich ist es natürlich mit der Aktion „Twittern im Museum“ und anderen Aktionen. Für die einen ist es Small Talk, für die anderen ein plötzlicher und interessanter Einstieg in ein für sie unerwartet interessantes Thema.

Twitter ist aber nicht nur ein Tool, das Kommunikation in Echtzeit ermöglicht. Es ist etwas, was Mark Drapeau schon vor drei Jahren in seinem Blogpost „Twitter is Not a Conversational Platform“ als eine Art Wiki in Echtzeit bezeichnet hat (siehe dazu meinen Beitrag „Twitter: Wiki in Echtzeit?„). Für Drapeau funktioniert Twitter auf zwei Ebenen. Einerseits auf der Ebene der Gespräche, des Small Talks, wie Axel Kopp schreibt. Andererseits aber

„as a knowledge-sharing, co-creation platform that produces content and allows its consumption“.

Mark Drapeau vergleicht Twitter in dieser Hinsicht mit Wikipedia und weist darauf hin, dass die Inhalte in beiden Fällen von einer Minderheit der UserInnen zur Verfügung gestellt wird, während die große Mehrheit passiv bleibt und die Inhalte nur konsumiert.

Das heißt, die meisten stehen vor der Herausforderung, die für sie relevanten Inhalte zu finden, was nicht ganz so einfach ist. Aber dafür gibt es Tools (zum Beispiel Twilert), deren Einsatz aber voraussetzt, dass man sich überlegt, wonach man sucht.

Wenn Axel Kopp sich nur genervt über den Small Talk auf Twitter äußert und in Aktionen wie „Twittern im Museum“ keinen Mehrwert erkennen kann, dann mag das seine persönliche Meinung sein. Ich selbst schätze Twitter wesentlich höher ein als zum Beispiel eine Facebookseite. Vorausgesetzt ich weiß, wie Twitter funktioniert und was ich davon haben kann.

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Ein Treffpunkt KulturManagement zum Thema Crowdfunding am 16. Mai

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Die Frage, was Crowdfunding ist und ob es eine Alternative zur öffentlichen Förderung sein kann, wird derzeit in vielen Medien diskutiert, auch ich selbst beschäftige mich immer wieder mit diesem Thema. Beim nächsten Treffpunkt KulturManagement, der am kommenden Mittwoch, den 16. Mai stattfindet, ausnahmsweise erst um 10 Uhr (!), wollen wir aber einen Schritt weiter gehen. Crowdfunding ist ein wichtige Alternative zur Finanzierung von Kultur geworden – inbesondere im Bereich von Musik und Film. Aber was passiert nach dem erfolgreich gefundeten Musikalbum, was passiert nach dem erfolgreich gefundeten Film?

Karsten Wenzlaff und Karin Blenskens vom Institut für Kommunikation in sozialen Medien (ikosom) wird in diesem ca. 90minütigen Crowdfunding-Special von Treffpunkt Kulturmanagement mit Experten aus der Musik- und Filmbranche darüber sprechen, welche Chance erfolgreiche Crowdfunding-Projekte haben, wenn sie ihre Projekte vermarkten wollen.

Im Gespräch mit Malte Graubner von der Crowdfunding-Plattform Sellaband darüber sprechen, was aus den Musikern geworden ist, die auf seiner Plattform schon erfolgreiche Alben finanziert haben. Sellaband war einer der ersten Crowdfunding-Plattformen überhaupt. Nach turbulenten Jahren wurde es um die Plattform etwas still, doch in den letzten Wochen hat sie wieder mit ein paar sehr spannenden Musik-Projekten von sich reden gemacht.

Im Anschluß steht Oliver Damian von 27Films Rede und Antwort, einem der Produzenten des Films IronSky, der zur Zeit in den Kinos ist. Er wird über seine Erfahrungen berichten, Verleiher zu finden und die Wünsche der Fans nach Ausstrahlung des Films zu berücksichtigen.

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 16. Mai, einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort registrieren.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 16.05.2012 von 10:00 bis 11:30 (!)
Thema: Crowdfunding im Film- und Musikbereich – alles schön und gut, aber wie geht es danach für die Künstler weiter?
Gäste: Karsten Wenzlaff, Karin Blenskens, Malte Graubner, Oliver Damian

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement

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Pressearbeit beginnt viel früher als Sie denken

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Sie kennen das vermutlich. Da haben Sie sich viel Mühe mit Ihrem Pressetext gegeben, ihn an alle Ihnen bekannten Kontakte geschickt und am Ende ist Ihr Text niemandem eine Meldung wert. Diese arroganten JournalistInnen und RedakteurInnen, werden Sie sich denken und Ihrem Ärger und Frust freien Lauf lassen.

Aber denken Sie sich nichts,aber auch die EmpfängerInnen Ihrer Nachricht haben so ihre Probleme.

„Pressemitteilungen nerven. Zumindest wenn sie inhaltsarm sind. Oder falsch adressiert,“

beginnt Thomas Pleil, Professor für Public Relations, sein Blogpost, das mit „Mehr Themenmanagement – weniger Presseinfos?“ überschrieben ist. Weil wir – aus verständlichen Gründen – felsenfest davon überzeugt sind, dass das, was wir machen, für alle von größter Bedeutung ist, sind wir entsetzt, wenn das jemand nicht so sieht. Wie schreibt Thomas Pleil so schön:

„Trotz aller Vorbehalte haben Presseinfos auch heute ihre Berechtigung, aber es gibt zu viele davon.“

Wohin dann aber mit unseren Informationen? Auf Facebook erreiche ich die Menschen eh direkt, wird sich manche denken und so ganz falsch ist das ja auch nicht. Presseinfo oder Social Media? Mit dieser Frage hat sich Thomas Pleil im Auftrag eines Unternehmens auseinandergesetzt und hat herausgefunden, dass es vor allem Meldungen mit „weichen“ Themen sind, die meist nur wenig Interesse auf der Gegenseite hervorrufen.

Nun stellt sich die Frage, ob das nicht genau die Themen wären, die gut in ein Corporate Blog passen würden? Ja, meint Pleil und stellt aber fest, dass diese Themen mitnichten dort auftauchen. Seine Schlussfolgerung:

„Es gibt – zumindest in unserem Beispiel – kein übergreifendes Themenmanagement.“

Schaue ich mir die Kommunikation im Kunst- und Kulturbereich an, dann behaupte ich: das gibt es hier auch nicht. Aber keine Sorge, das ist kein diesem Bereich eigenes Problem, wie der Beitrag „Starke Themen statt Streubüchse“ der Kommunikationsberaterin Kerstin Hoffmann zeigt. Für sie ist klar, dass man bei uns alle bewegenden Themen nicht viel tun muss, damit sie sich verbreiten.

„Für die, sagen wir mal … anderen Themen muss man gehörig trommeln, sprich: Pressearbeit machen, um Aufmerksamkeit zu erzielen,“

schreibt Hoffmann und konstatiert, dass selbst das Trommeln noch keinen Erfolg garantiert. Das Problem: der Kunst- und Kulturbereich hat selten „starke Themen“, schließlich schreibt nicht jeden Tag jemand über den „Kulturinfarkt“. Was also tun? Hoffmanns Rat ist klar: eine Kommunikationsstrategie, mehr Themenmanagement, wie auch von Pleil gefordert und damit das sinnvolle Nebeneinander von klassischer Pressearbeit und der Kommunikation im Social Web. Beide Bereiche laufen also nicht nebeneinander her, sondern ergänzen sich und sind Teil einer durchdachten Content-Strategie.

Wenn Sie jetzt wissen wollen, wie Sie so etwas angehen können, dann sind die zehn Schritte, die Hoffmann in ihrem Beitrag auflistet, vermutlich eine große Hilfe. Interessant ist, dass die Pressemeldung erst unter Punkt acht aufscheint. Ich liege vermutlich nicht ganz falsch, wenn ich behaupte, dass hier häufig die Hausaufgaben nicht gemacht werden und mit aus diesem Grund die Pressetexte so wenig Aufmerksamkeit erregen.

Nur etwas anzukündigen reicht schon lange nicht mehr aus (siehe dazu: „Warum Inhalte immer wichtiger werden„). Es geht darum, das eigene Tun so zu verpacken, dass es andere Menschen zu interessieren beginnt. Wenn Sie Ihre Ankündigungen auch via Facebook oder Twitter verbreiten, wie können Sie dann Reaktionen erwarten? Soll ich mit Ihnen über die Uhrzeit diskutieren?

Ich bin mir sicher: wenn Kulturbetriebe sich mehr auf ihre Inhalte konzentrieren, werden sie auch mehr Erfolg mit den Pressemeldungen haben. Sie werden nämlich nicht mehr so häufig Pressetexte verfassen, weil sie merken, dass es auch andere Kanäle gibt, die für das, was Sie zu sagen haben, besser geeignet sind.

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Crowdfunding: Über das Scheitern der stART12

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© Wilhelmine Wulff / Pixelio

stARTconference: time to say goodbye?“ fragte ich vor einiger Zeit in meinem Beitrag über die Crowdfunding-Kampagne für die stART12 und versprach, die Kampagne zu einem späteren Zeitpunkt zu analysieren. Dieses Versprechen möchte ich nun einlösen und aus meiner Sicht darstellen, warum wir es nicht geschafft haben, das Ziel von 25.000 Euro zu erreichen.

Ausgangspunkt war die Idee, einerseits das Thema Crowdfunding zu pushen und andererseits die Finanzierung der stART12 möglichst frühzeitig sicherzustellen. Mit dem Motto „Navigare“ glaubten wir, den richtigen Aufhänger gefunden zu haben, um eine Geschichte für die Kampagne entwickeln zu können. Fehler Nummer eins: durch die Geschichte wurde die Kampagne zu kompliziert, vor allem bei den Gegenleistungen herrschte ein ziemliches Durcheinander. Statt sie auch noch mit einzelnen Namen auszustatten (Schiffsjunge, Smutje, etc.), hätten wir eigentlich etwas ganz anderes tun müssen, nämlich die Vielzahl der Gegenleistungen radikal zusammenstreichen und uns auf die Gegenleistung Ticketkauf konzentrieren.

Mit den vielen Gegenleistungen erzeugten wir nicht nur jede Menge Verwirrung, sondern machten es uns auch in rechtlicher Hinsicht schwer. Wer unter anderem Tickets, Bücher, etc. anbietet, muss darauf achten, dass er die Spielregeln in Sachen eCommerce einhält und zum Beispiel über eigene AGB verfügt. Dank rechtsanwaltschaftlicher Hilfe haben wir das ganz gut hinbekommen, allerdings wurde die Sache dadurch noch komplizierter: wir bauten ein eigenes Formular, in dem unsere UnterstützerInnen erstens eingeben konnten, mit welcher Gegenleistung sie uns unterstützen und zweitens „gezwungen“ waren, unsere AGB zu bestätigen. Dass wir außerdem das Alter der KonferenzteilnehmerInnen abfragen mussten, ist dem Thema eCommerce geschuldet und interessierte uns für die Konferenz eigentlich nicht wirklich. Dass ich dazu zwei eher erboste Mails bekam, in der ich gefragt wurde, warum ich so etwas überhaupt wissen möchte, kann ich verstehen.

Das Formular gab es aber noch aus einem weiteren Grund: die stARTconference richtet sich an ein Fachpublikum, das zu einem Großteil aus den Kulturbetrieben kommt. Deren Buchhaltung verlangt, dass erst eine Rechnung da sein muss, bevor ein Ticket gezahlt werden kann. Dieses Prozedere widerspricht der Art, wie auf Crowdfunding-Plattformen gezahlt wird und dauert auch häufig länger als die ganze Kampagne. Das bedeutet: die Unterstützungsleistung kann leicht zu spät kommen und zählt dann nicht. In der letzten Woche der Kampagne entwickelte Startnext zwar ein Verfahren, das die Sache etwas leichter hätte machen können, aber da war es dann leider schon zu spät. Womit wir bei Fehler Nummer zwei sind: auch wenn es mittlerweile ein entsprechendes Verfahren gibt (ob und wie es funktioniert, kann ich nicht beurteilen), Crowdfunding ist bei uns zumindest derzeit noch etwas für den B2C-Bereich. Die stART12 über Crowdfunding zu finanzieren war aus heutiger Sicht unsinnig, die Kampagne hätte genau aus diesem Grund eigentlich nicht stattfinden dürfen. Die Zahlungsabläufe in Kulturbetrieben sind mit einer Crowdfunding-Kampagne nicht kompatibel. Mag sein, dass sich das irgendwann einmal ändert, derzeit kann ich niemandem dazu raten, ein Projekt im B2B-Bereich auf diese Weise finanzieren zu wollen.

Kompliziert sind aber nicht nur die Zahlungsabläufe in den Kulturbetrieben, sondern auch beim Crowdfunding, wenn man Hemmungen hat, eine Kreditkarte zu zücken oder mittels PayPal zu zahlen. Die Idee des Crowdfunding erlebt derzeit einen gewaltigen Hype, aber wir müssen uns darüber klar sein, dass es für viele eine gewaltige Herausforderung ist, ein Projekt auf einer dieser Plattformen zu unterstützen. Ich gebe zu, ich habe dieses Problem unterschätzt, weil ich mich dort zu bewegen weiß und keine fünf Minuten benötige, um ein Vorhaben finanziell zu unterstützen. Nachdem ich aber mitbekommen habe, dass unsere UnterstützerInnen teilweise fast eine Stunde dafür gebraucht haben, gilt es, sich die verschiedenen Transaktionswege genau anzuschauen und sie erstens besser zu erklären und zweitens einfacher zu gestalten. Damit spreche ich nicht nur die PlattformbetreiberInnen selbst an, sondern schließe mich als Projektinitiator mit ein. Zumindest besser informieren hätten wir können.

Zwei weitere Punkte sind in diesem Zusammenhang wichtig: normalerweise muss man sich, bevor man ein Projekt unterstützt, auf der jeweiligen Plattform registrieren, um sich dann für einen der möglichen Zahlungswege zu entscheiden. Angeboten wurden in unserem Fall nach der Registrierung FidorPay, PayPal, Sofort- und Banküberweisung. Das heißt, das Geld wandert auf ein Treuhandkonto, auf das wir selbst keinen Zugriff haben. Wer sich bei unserer Kampagne nicht registrieren wollte, musste sich direkt an mich wenden und bekam von mir den Link zu einem Formular, mit dem er uns ohne Registrierung unterstützen konnte. Diese Formular kam aber auch dann zum Einsatz, wenn jemand vorab eine Rechnung benötigte. Ich fragte auf diese Weise die Rechnungsdaten ab und bekam gleichzeitig, wie oben schon erwähnt, das Okay für die AGB. Das Problem dabei: die Zahlungen, die auf diese Weise bei Startnext eingehen, müssen dem richtigen Projekt zugeordnet werden. Das funktioniert mit Hilfe einer speziellen Transaktionsnummer, die für jede einzelne Überweisung generiert werden muss. Woher die kommt und wer die generiert, das weiß ich, wenn ich ehrlich bin, bis heute noch nicht. Auf meine Nachfragen bei den Plattform-Betreibern bekam ich unterschiedliche Antworten, anfangs waren es Links zu irgendwelchen Videos, die mir nicht wirklich weiter geholfen haben. An dieser Stelle muss ich das Startnext-Team kritisieren, denn sie haben es nicht geschafft, mir klare und eindeutige Informationen zu schicken. Ich denke, ich bin nicht der Blödste, aber dass hier Verbesserungsbedarf besteht, zeigt sich auch darin, dass ich eine meiner Test-Überweisungen für die stART12 bis heute nicht zurückerstattet bekommen habe.

Und warum uns jemand mit einer Einzahlung via PayPal unterstützt hat und noch vor Ende der Kampagne das Geld wieder zurückerhielt, diese Frage wurde mir bis heute auch noch nicht beantwortet. Womit ich beim Service bin. Ich bin, das habe ich schon an anderer Stelle geschrieben, durchaus dafür, dass die Plattformbetreiber eine Provision bekommen, wenn eine Kampagne erfolgreich beendet wird. Die BetreiberInnen stecken Zeit und Geld hinein, warum sollen sie dafür kein Geld erhalten? Startnext verlangt zwar keine Provision, wenn dann aber Mails erst Tage später mit dem Hinweis beantwortet werden, zahlende Kunden hätten Vorrang, dann ärgert mich das und bestärkt mich in meiner Haltung. Aber die verspäteten Antworten sind nicht das Problem, im Moment sind es die unterschiedlichen Bezahlmethoden, die, so man nicht als registrierter User per PayPal zahlt, einfach zu kompliziert bzw. zu schlecht erklärt sind. In meinen Augen ist das Grund Nummer drei, warum unsere Kampagne gescheitert ist.

Dazu kommt: Für uns als Initiatoren der Kampagne war es außerdem eine echte Herausforderung, unsere AGB mit denen von Startnext unter einen Hut zu bekommen. Auch hier sage ich ganz ehrlich: ich bezweifle, ob wir hier trotz Unterstützung durch einen Anwalt wirklich rechtskonform vorgegangen sind. Was mich wundert: viele Projekte bieten eine Vielzahl von Gegenleistungen an, die AGB habe ich aber nirgendwo gefunden. Wo kein Kläger, da kein Richter, aber ob da immer alles mit rechten Dingen zugeht, kann ich mir nicht vorstellen. Aber das soll hier nicht mein Problem sein. Ich habe versucht, mich an die rechtlichen Vorgaben zu halten und bin daran mehr als einmal fast verzweifelt.

Schlussendlich gibt es noch einen vierten Grund, der uns scheitern hat lassen. Er hat mit dem Crowdfunding nur indirekt zu tun, denn uns ist es nicht gelungen, genügend Menschen zum Besuch der stART12 zu motivieren. Das lag meiner Meinung nach einerseits daran, dass wir inhaltlich zu unpräzise waren und somit nicht klar war, was die TeilnehmerInnen in Duisburg erwartet. Andererseits haben wir es verabsäumt, das Format der stARTconference klar genug von den stARTcamps abzuheben. So erfolgreich die stARTcamps sind und so froh wir darüber sind, dass sie in immer mehr Städten stattfinden. Sie sind zur Konkurrenz geworden und es ist klar, dass viele den weiten Weg nach Duisburg scheuen, wenn es um die Ecke ein stARTcamp gibt, bei dem das Ticket nur einen Bruchteil kostet.

Es mag noch einige andere Gründe geben wie das Datum oder die fehlenden Informationen über die SprecherInnen. Aber einen Termin, der alle zufrieden stellt, wird es wohl nie geben und bei der stART10 haben wir in zehn Tagen 100 Tickets verkauft, ohne das jemand Programm oder SprecherInnen kannte. Fakt ist: wir haben abgesehen von den Problemen mit dem Crowdfunding nicht ausreichend zum Besuch der stART12 motivieren können. Wir haben tolle Unterstützung bekommen, wofür ich mich bei allen noch einmal herzlich bedanken möchte. Aber es hat nicht gereicht und deshalb haben wir damit begonnen, ein neues Konzept zu entwickeln. Mehr dazu dann aber in einem eigenen Blogpost. ;-)

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Die Monacensia stellt die Tagebücher Klaus Manns online

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von United States 5th Army (Handschriftenabteilung der Stadtbibliothek München) [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Monacensia ist eine der wichtigsten Anlaufstellen in Sachen Münchner Literatur. Mit über 300 Nachlässen ist sie so etwas wie das literarische Gedächtnis der Stadt München und  „ermöglicht mit ihren Originalbeständen Grundlagenarbeit für kritische Editionen, wissenschaftlich fundierte Präsentationen, Buch- und Forschungsprojekte“. Unter anderem befindet sich auch der Nachlass von Klaus Mann in ihrem Besitz. Der Sohne von Thomas und Katia Mann emigrierte kurz vor dem Krieg in die USA und trat Ende 1941 in die US Army ein.

Zehn Jahre davor, 1931, begann Klaus Mann damit, Tagebuch zu führen.

„In Heften, Kladden und Taschenkalendern unterschiedlichsten Formats notierte Klaus Mann unmittelbar alles, was er erlebte, woran er arbeitete, wem er begegnete, welchen Leidenschaften und Obsessionen er erlag,“

heißt es auf der Monacensia-Website. Während frühere Aufzeichnungen verschollen sind (siehe die Editionsgeschichte der Tagebücher) erfuhr die Öffentlichkeit 1989, dass Mann von 1931 bis zu seinem Tod 1949 Tagebuch geführt hatte. Anfang der 1990er Jahre erschien eine gekürzte Ausgabe der Tagebücher, die vollständige Ausgabe war auf Wunsch der Familie für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Seit kurzem ist das nun anders. Unter www.monacensia-digital.de sind die Tagebücher im Maßstab 1:1 einsehbar, das heißt, sämtliche 21 Bände wurden digitalisiert und können nun als PDF gelesen bzw. abgespeichert werden.

via NZZ (Printausgabe)

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Jede Menge sehenswerte Videos beim Vimeo Award 2012

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Gute Videos gibt es mittlerweile unendlich viele, die Herausforderung besteht allerdings darin, sie auch zu finden. Ich mache mich immer wieder auf den verschiedenen Plattformen auf die Suche und werde dabei meist fündig. Natürlich setzen YouTube, Vimeo & Co immer wieder Anreize, um gute Qualität anzulocken, zum Beispiel in Form von Wettbewerben. Dazu gehört auch der Vimeo Award, der nach 2010 nun dieses Jahr wieder stattfindet.

Vimeo kürt aber nicht einfach nur in verschiedenen Kategorien das beste Video, sondern organisiert dazu gleich auch Festival, das neben der Preisverleihung jede Menge Vorträge und Workshops beinhaltet.

New York ist leider recht weit weg, aber mir bleibt zumindest eine Shortlist, auf der es in den verschiedenen Kategorien jede Menge guter Videos zu entdecken gibt. Das hier ist einer meiner Favoriten:

Dieses Video läuft in der Kategorie Werbung und weist darauf hin, dass jede Woche 330 Farmer in den USA ihr Land aufgeben. Das Ziel war es,

„to raise awareness about the economic hardship family farmers face in the increasingly industrialized American agriculture system“

und im Rahmen einer Fundraisingkampagne eine Million USD einzusammeln. Klasse gemacht…