Monthly Archives of: Juli 2012

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Stefan Parnreiter-Mathys: Social Media und der Return on Investment, eine Erwiderung (Gastbeitrag)

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© Thorben Wengert ; Pixelio

Vor etwas mehr als einem Monat schrieb ich in einem Blogpost, der Return on Investment (ROI) helfe, den Erfolg der Social Media Aktivitäten zu bewerten. Stimmt nicht, entgegnete mir Stefan Parnreiter-Mathys auf Facebook und nachdem wir im ersten Anlauf auf keinen gemeinsamen Nenner kamen, lud ich ihn ein, einen Gastbeitrag zu diesem Thema zu schreiben. Stefan Parnreiter-Mathys lebt und arbeitet in Wien, war gut zehn Jahre als Kulturarbeiter tätig, studiert derzeit Unternehmensführung und beschäftigt sich in seiner Diplomarbeit mit dem Thema „strategisches Management in Kulturunternehmen“.

Unser gemeinsames Ziel ist es, etwas zu finden, mit dem sich der Erfolg von Social Media Aktivitäten messen lässt. Was nach diesem Artikel kommt, wissen wir beide noch nicht. Vielleicht gibt es noch ganz andere Ansichten dazu oder wir schreiben gemeinsam einen dritten Beitrag dazu. Jetzt möchte ich mich aber erst einmal bei Stefan für die Mühe bedanken, die er sich mit diesem Artikel gemacht hat.

Kann man über den ROI (Return On Investment) den Erfolg von Social Media Aktivitäten bewerten?

Ja, meint Christian Henner-Fehr, nein meint Stefan Parnreiter-Mathys.

Nicht zuletzt in Zeiten knapper Budgets müssen alle Kosten und Aufwendungen (ich spreche bewusst nicht von Investitionen) wohl überlegt sein, sprich Effektivitäts- und Effizienzziele unterstützen und in ihrer Höhe Drittvergleichen standhalten. Egal wie klein oder groß, professionell oder nicht, weitgehend privat oder öffentlich finanziert: Jeder Kulturbetrieb muss wissen, was er tut (Mission), was er in Zukunft tun will (Vision) und wie er das alles zahlen will (Rechnungswesen – und sei es in rudimentärster Form)!

Somit ist der Ansatz, den Erfolg von Social Media (monetär) zu bewerten absolut richtig und wichtig, ob jedoch der ROI die Kennzahl der Wahl ist, ist eine andere Frage.

Die Praxis bietet durchaus Beispiele für die Verwendung des ROI im Social Media Marketing Measurement, siehe z.B. die Altimeter Group Studie zu Social Media Zielen von Unternehmen (siehe dazu: „Study Reveals Top 6 Social Media Goals for 2011„).

Einem Manager Social Media über den ROI zu „verkaufen“ ist gefährlich, weil der Betriebswirt schon anhand des Wordings den Berater leicht aufs Glatteis führen kann und wird – indem er darstellt, dass der ROI eine trotz des richtigen Ansatzes für den vorliegenden Fall falsche Kennzahl ist!

Denn: Der Return On Investment ist eine Unternehmenskennzahl und beschreibt (in der Regel) die Rentabilität (= Verzinsung) des Gesamtkapitals im Unternehmen.

Der ROI dient u.a. dem Vergleich mit Alternativveranlagungen des Kapitals – also, salopp gesagt der Beantwortung der Frage, ob mir mein Unternehmen mehr bringt als das Sparbuch.

Eine Frage, die essentiell für die freie Wirtschaft ist, deren oberstes Ziel die Gewinnmaximierung darstellt. Der Kulturbereich verfolgt andere, meist meritorische Ziele, die Subventionierung nötig machen, womit ohnehin kein positiver ROI im Sinne der BWL zu erwirtschaften ist.

Wird der ROI modern und konkret investitionsbezogen interpretiert und gerechnet, gilt die einfache  Formel ROI = Gewinn / Kosten. Es ist somit der Return der Investition darstellbar, wobei auf die Wahl der Betrachtungsperiode sowie die klare Abgrenzung der Erlöse, die eindeutig der Investition zuordenbar sein müssen, Wert gelegt werden muss. Somit ist ein investitionsbezogener ROI vor allem hinsichtlich seiner Aussagekraft bezogen auf Perioden und Erlöse kritisch zu betrachten.   Schwierig ist auch die Interpretation des in perzentilen ausgedrückten ROI (unser Social Media Auftritt bewirkt einen ROI von 214%….), da er keine Auskunft über absolute Zahlen (Investitionsvolumen) oder Durchrechnungszeiträume gibt – und auch als Investitionskennzahl primär dem Vergleich mit Alternativveranlagungen dient.

Wie aber kann man praktikabel feststellen, ob Kosten und Aufwand für Social Media „Sinn machen“, wirtschaftlich sowie strategisch?

Ich stelle dazu folgende Abfolge von Entscheidungen und Werkzeugen zur Diskussion:

Strategische Sinnhaftigkeit:

Neben bzw. bereits vor den finanzwirtschaftlichen Fragen sind strategische Fragen zu klären. Fundamental umschrieben ist dies der Komplex: „Wo bin ich heute, wo will ich in Zukunft sein?“

Was einfach klingt ist hochkomplex, aber die absolut unverzichtbare Grundlage für jede Entscheidung. Ohne strategische Positionierung kann es keine (sinnvollen) Ziele geben, das heißt es kann keine Effektivität im Tun geben, ohne diese kann es aber auch keine Effizienz geben. Somit ist es ohne strategisches Ziel unsinnig, überhaupt über Investitionen oder die Definition von KPI (Key Performance Indicators) nachzudenken.

Gibt es strategische Ziele (und somit das zuvor geschaffene Bewusstsein über Märkte, Zielgruppen, Produkte, Positionierung usw.) kann geklärt werden, ob Social Media ein geeignetes Werkzeug zu deren Erreichung ist. Einzubeziehen sind in derartige Evaluierungen auf jeden Fall das Marketing und die Vermittlung, idealiter auch die künstlerische Leitung und Finanz wie Controlling.
Helfen Tools des Social Media Marketings die Ziele des Betriebes zu erreichen, ist der nächste Schritt die Prüfung der

Betriebswirtschaftlichen Sinnhaftigkeit:

Betrachtungsgrößen hierbei sind die anfallenden Investitionskosten (Erstellung der Social Media Auftritte, Einmalkosten zu Projektbeginn), die laufenden Kosten (Wartung) und der laufende Aufwand (die Pflege der Inhalte durch die Mitarbeiter). Für Entscheidungsträger in (Kultur)unternehmen bieten sich auf dieser Basis folgende (jeweils stark vereinfachte, weil u.a. Zinsen und Abschreibungen nicht berücksichtigende, aber für die gegebenen Ziele völlig ausreichende) Rechnungen an:

Amortisationsrechnung

Stellt die Frage nach dem Zeitpunkt der Abzahlung der Anschaffungskosten. Wann genau der Amortisationszeitpunkt erreicht wird, ist abhängig von den eindeutig identifizierbaren Erlösen, die aus den Social Media Auftritten resultieren. Eine schwere Übung, wie weiter unten (Erfolgsmessung) kurz dargelegt wird.

Die Formel zur Errechnung des Pay Off lautet:

Amortisationszeit = Anschaffungskosten / Gewinn

Reliabel ist diese Annahme nur, wenn es möglich ist, den Gewinn eindeutig zu identifizieren sowie die Fixkosten für Personal konstant zu halten, also keine neuen Mitarbeiter zur Betreuung der Social Media Aktivitäten einzustellen. Falls doch, sind diese den Anschaffungskosten zuzurechnen, die eindeutig zuordenbaren Gewinne haben dann aber umso größer auszufallen, um einen Pay Off zu ermöglichen – es stellen sich hier somit die selben Probleme wie bei der Berechnung des investitionsbezogenen ROI.

Sehr einfach und absolut seriös kann man zu einer Amortisationsdauer kommen, indem der Gewinn nicht als zusätzlicher Erlös, sondern als die Einsparung durch Social Media (im Vergleich zur klassischen PR) definiert wird. Ein gangbarer Weg, wenn Social Media Aktivitäten klassische Öffentlichkeitsarbeit nicht nur ergänzen, sondern (zum Teil) ersetzen.

„Gewinn“ ist zu erzielen aus der Einsparung bei variablen Kosten, also z.B. Inseraten, Flyern, Plakaten (Grafik, Fotorechte, Druck, Verteilung, Miete Plakatfläche…) – im Falle großer Einsparungen im klassischen Bereich sogar dann noch, wenn die Fixkosten steigen und eigenes Social Media Personal eingestellt wird!

Die Formel zur Errechnung des Pay Off lautet:

Amortisationszeit = Anschaffungskosten / (Kosten klassisch – Kosten Social Media)

wobei:

Kosten klassisch = alle laufenden PR Kosten der klassischen PR Arbeit

Kosten Social Media = alle laufenden PR Kosten unter Berücksichtigung nun geringerer Ausgaben für Druck, Verteilung, Inserate usw.

Im Unterschied zum relationalen ROI erhält man konkrete, absolute Ergebnisse, Entscheidungsträger können ohne weitere Erklärungen einfach ablesen, nach welcher Zeitspanne sich die Investition abbezahlt hat. Aussagen über „Gewinne“ sind nicht ableitbar.

Opportunitätskosten

Opportunitätskosten sind entgangene Gewinne, also stellt sich hier die Frage was es „kostet“ nicht auf Social Media zu setzen. In ganz genauen Zahlen ist dies nicht seriös quantifizierbar – aber Benchmarkingmethoden erlauben zumindest eine grobe Darstellung. Zum Kulturbereich im konkreten sind mir leider keine Forschungsarbeiten bekannt, hingewiesen sei aber auf Zahlen der Altimeter Group (vgl. dazu den folgenden Artikel) und von Ogilvy (vgl. die folgende Präsentation), die darlegen, dass Kunden, die mit Social Media in Kontakt stehen, bis zu 17% mehr Umsatz generieren. (Es sei gestattet, dies erst mal unreflektiert so stehen zu lassen.)

Oder, anders gesagt: Wer auf Social Media verzichtet, verzichtet u.U. auf Umsatzzuwächse im 2-stelligen Prozentbereich – eine deutlich weniger valide Aussage als z.B. der Amortisationszeitpunkt, aber als Selling Proposition in der Beratung von (Kultur)unternehmen sicherlich nicht zu vernachlässigen.

Nach erfolgreicher Investitionsplanung steht der letzte und wohl schwierigste Schritt an, die laufende

Erfolgsmessung:

Das Controlling, sofern vorhanden, zumindest jedoch Geschäftsführung und Buchhaltung, sollten  betriebswirtschaftliche Daten im Auge behalten – wird der Amortisationszeitpunkt wie geplant erreicht? Wenn nein, wie muss man gegensteuern (zu hohe laufende Kosten?).

Und der Rückfluss aus der Investition? Diesen zu messen ist wohl der schwierigste Punkt von allen. Auch wenn es technische Lösungen geben sollte, die genaues Tracking z.B. von Ticketsales zu einer Social Media Landing Page erlauben, auch wenn sich am Ende der Periode quantifizieren lässt, wie viele Kunden in direkter Folge dieser Aktivitäten wie viel Umsatz generiert haben – dies sagt uns noch so gut wie gar nichts, außer dass Kunden online Tickets kaufen, getriggert von Social Media Auftritten.

Erst eine Erfassung der gewonnenen Neukunden und eine Gegenüberstellung der Ergebnisse mehrerer Perioden ohne und mit Social Media Auftritten könnte valide Daten zu den Erlösen, die direkt und ausschließlich auf Social Media zurückzuführen sind, liefern.

„Erfolg steht in engem Zusammenhang mit Offenheit – und diese wiederum spiegelt sich unter anderem im Einsatz von Social Media.“

Hier aber sind wir schon in Dimensionen des CRM und des Controllings, die in kleinen und mittleren Kulturbetrieben, oft auch in großen, nicht geleistet werden können. Also stellt sich die Sinnfrage: Warum überhaupt Social Media Strategien auf Erlösebene betriebswirtschaftlich argumentieren? Solange Kosten und Aufwände „im Rahmen“ bleiben bzw. durch Ressourcenverschiebung von „klassisch“ zu „2.0“ gar nicht erst steigen und somit das Kostenmanagement funktioniert, solange ist der Einsatz von Social Media „einfach“ eine schwer quantifizierbare strategische Entscheidung. Die aber eine Unmenge an positiven externen Effekten haben kann, die Spielwiese Web 2.0 muss ernst genommen werden, ohne aber scheinökonomische Argumentation ins Feld zu führen. Auf einer relativ abstrakten Ebene, unabhängig von konkreten Zahlen, stellt dies auch IBM  in einer weltweit durchgeführten CEO Studie fest.

Da aber nicht zuletzt gegenüber den Fördergebern immer handfest argumentiert werden sollte, darf ich abschließend noch den Versuch unternehmen, doch einfach einige KPIs zu definieren:

  • Anzahl der Freunde bzw. deren Steigerung pro Periode
  • Anzahl der (positiven) Rückmeldungen und Testimonials
  • Anzahl der „likes“ (Digital Affairs meint: „Seit der ComScore/Facebook Studie „The Power of Like 1“ wissen wir bereits, dass die Friends of Fans für eine Marke oft mehr Potenzial für die Neukundengewinnung haben, als die Fans einer Brand Page.“)
  • Anzahl der Clippings in klassischen Medien, die auf Social Media Aktivitäten zurückzuführen sind

… to be continued – eine wunderbare Aufstellung von Social Media Kennzahlen findet sich z.B. im Social Media Monitoring Blog.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass Erfolgsmessung nicht ganz einfach ist, insbesondere wenn hart und auf Basis betriebswirtschaftlicher Kennzahlen gemessen werden soll. Nachzudenken gilt es, ob nicht durch Social Media Einsparungen im Bereich der variablen PR Kosten erzielt werden können, ob die Erfolgsmessung nicht weitgehend qualitativ erfolgen könnte bzw. welchen neuen, dem Medium angepassten KPIs definierbar sind.

Foto von Thorben Wengert auf Pixelio

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Blogger Relations für Kulturbetriebe

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Eigentlich wäre ich ja am letzten Donnerstag gerne der Einladung der Schirn Kunsthalle zum ersten Bloggertreffen nach Frankfurt gefolgt. Am Ende hat es dann aber leider nicht geklappt und so hoffe ich auf möglichst viele Blogbeiträge, denn Twitter hat mich zwischendurch im Stich gelassen und über einen längeren Zeitraum seinen Geist aufgegeben. Aber zurück zum Thema: Die aktuelle Doppelausstellung „Jeff Koons. The Painter & The Sculptor“ hat die Schirn Kunsthalle zum Anlass genommen, um BloggerInnen unter dem Motto „Meet up, Tweet up. Koon up“ zu sich einzuladen und mit ihnen über die Frage zu diskutieren, welche Bedeutung Blogs im Kunst- und Kulturbereich haben und welche Relevanz sie für den Kunst- und Kulturbereich besitzen?

Ich finde es gut, dass die Schirn Kunsthalle dieses Thema aufgreift und damit so etwas wie ein Signal gibt. Fragt man Kultureinrichtungen nach ihrem Umgang mit BloggerInnen, merkt man nämlich schnell, dass die Blogger Relations noch in den Kinderschuhen stecken. „Blogger Relations sind wie guter Wein. Aus etwas Kleinem kann mit Geduld und Pflege etwas Phantastisches werden“, mit diesem schönen Satz beginnt Daniel Rehn seine Präsentation über Blogger Relations & Social Media Kultur. Wer es also schafft, Beziehungen zu BloggerInnen aufzubauen und diese dann auch aufrecht zu erhalten, kann etwas „Phantastisches“ schaffen. Hier beginnen meist schon die Probleme, denn im Miteinander von Kultureinrichtung und BloggerIn gehen die Vorstellungen von dem, was als „phantastisch“ bezeichnet werden kann, vermutlich recht schnell auseinander. Der Kultureinrichtung geht es vielleicht um die Bewerbung der nächsten Veranstaltung, der BloggerIn um Stoff für den nächsten Beitrag. Schön, wenn sich in der Kooperation beide Ziele abdecken lassen, aber oftmals klappt das nicht unbedingt auf Anhieb. Womit wir schon bei der Frage wären, wie eine Kultureinrichtung das Thema Blogger Relations angehen soll? In den Presseverteiler aufnehmen, eine Email schicken oder vielleicht anrufen?

Thomas Pleil, der an der Hochschule in Darmstadt Public Relations lehrt, rät in einem Interview für das Zimpel Blog den PR-Verantwortlichen, erst einmal selbst mit dem Bloggen zu beginnen. „Vernetzen statt Pitchen“ formuliert Pleil es und ist der Ansicht, dass man dabei nicht wie der Blumenverkäufer in der Kneipe vorgehen sollte. Vernetzen statt Pitchen, genau diesen Weg ist nun die Schirn Kunsthalle gegangen, in dem sie BloggerInnen zu sich nach Frankfurt eingeladen hat. Dieser Einladung vorausgegangen sind vermutlich Überlegungen, was ich als Kultureinrichtung von der Blogosphäre überhaupt erwarte. Erst mit diesem Wissen  ist zielorientiertes Handeln möglich.

Wie kann ich grundsätzlich an das Thema Blogger Relations herangehen? Wer im Internet nach Informationen sucht, wird schnell fündig. Deidre Breakenridge hat schon vor vier Jahren ihr Blogpost Blogger Relations verfasst und schlägt darin folgende Herangehensweise vor:

  1. „Develop your strategy“
  2. „Identify of your Influencers“
  3. „Listen and monitor“
  4. „Participate“
  5. „Engage with your influencers“

Anika Geisel hat vor einigen Wochen unter der Überschrift „Blogger Relations – neue Kommunikationsdisziplin oder Business as usual?“ ein ähnliches Modell vorgestellt, das aus folgenden Bausteinen besteht:

  1. „Konzeption“
  2. „Identifikation“
  3. „Aufbau von Markenbotschafter“
  4. „Beziehungsaufbau und -pflege“

In der Kombination beider Ansätze ergiebt sich dann für mich folgendes Modell:

In meinen Augen ist es wichtig, Ziele und Strategien immer wieder zu hinterfragen, da sich die Rahmenbedingungen im Laufe der Zeit verändern werden. Deshalb das Kreismodell.

Blogger Relations: die einzelnen Schritte

  • Mit der Blogosphäre vernetzen: Wer auf Blogger Relations setzen möchte, sollte die Blogosphäre aus eigener Erfahrung kennen und wissen, wie BloggerInnen denken und was ihnen wichtig ist. Ein eigenes Blog leistet dabei wertvolle Dienste und sorgt schon vorab für Vernetzung. Die ergibt sich dann, wenn ich mit meinem Blog Themenfelder besetze und  die Inhalte anderer Blogs aufgreife bzw. mich mit ihnen auseinandersetze.
  • Ziele definieren: Was erwarte ich mir eigentlich von den vielen Blogs und ihren BetreiberInnen? Geht es nur um die Ankündigung der nächsten Veranstaltung, bin ich vermutlich bei den klassischen Medien besser aufgehoben, denn die wenigsten BloggerInnen haben Spaß daran, Pressemeldungen zu übernehmen. Und vermutlich geht es den BlogleserInnen ähnlich. Aber es muss ja nicht immer nur um das nächste Event gehen. Der Bekanntheitsgrad der eigenen Marke lässt sich steigern, das Image kann verbessert oder verändert werden oder Ihnen geht es darum, die Themenfelder zu besetzen, mit denen Sie sich in den nächsten Monaten und Jahren beschäftigen werden. Ziele gibt es also genug, die Herausforderung besteht darin, sie erst einmal festzulegen.
  • Strategie entwickeln: Was aber macht Blogs überhaupt aus? BlogbetreiberInnen zeichnen sich häufig durch großes Engagement und eine entsprechende Begeisterungsfähigkeit aus. Die Begeisterung bezieht sich aber in der Regel nicht auf ein spezielles Event, sondern auf Inhalte. Entwickeln Sie Themenfelder und vernetzen Sie sich mit den für diese Themen relevanten Blogs, um selbst Sichtbarkeit zu erlangen. Je besser Ihre Inhalte sind, desto leichter wird Ihnen die Vernetzung fallen. Und vermutlich wird man in Ihrem Netzwerk von ganz alleine auf Ihre Veranstaltungen aufmerksam werden.
    Auf welche Weise Sie mit BloggerInnen ins Gespräch kommen, bleibt natürlich Ihnen überlassen. Ob das ein Kommentar auf einem fremden Blog ist oder spezielle Veranstaltungen, hängt von Ihren Ressourcen ab, zeitlich und finanziell.
  • Influencer identifizieren: Wenn Sie sich bereits im Vorfeld mit der Blogosphäre beschäftigt haben und über Ihr eigenes Blog erste Kontakte geknüpft haben, fällt Ihnen dieser Schritt vermutlich nicht mehr schwer.  Ansonsten müssen Sie sich jetzt auf die Suche nach den richtigen Blogs machen. Suchmaschinen, aber auch Blogrolls (hier rechts von Ihnen) helfen Ihnen bei der Suche.
  • Zuhören & Monitoring betreiben: Wie im richtigen Leben fällt man auch in diesem Fall besser nicht mit der Tür ins Haus. Behalten Sie die Blogs, die Sie als für Sie relevant identifizert haben im Auge und beobachten Sie, wie dort z.B. Themen angegangen werden. Auf welchen Blogs werden welche Themen behandelt und gibt es Reaktionen darauf? Wie ist z.B. die Vernetzung der verschiedenen Blogs untereinander? Geht man auf fremde Beiträge ein oder schreiben alle vor sich hin? Wie werden die Themen ausgewählt, wird etwa auf aktuelle Ereignisse Bezug genommen? Solche Informationen helfen Ihnen dabei, den verschiedenen Blogs unterschiedliche Inhalte zur Verfügung stellen zu können. Auf welchen Blogs finden sich z. B. Interviews? Wie wäre es, wenn Sie der BlogbetreiberIn ein Interview mit einer der KünstlerInnen anbieten?
  • Beziehungen aufbauen & pflegen: Auf diese Weise entsteht um Sie herum im Laufe der Zeit ein Netzwerk, dessen Nutzen für Sie maximal so groß sein wird wie Ihr Investment bwz. Ihr Engagement. Warten Sie nicht darauf, dass Ihnen andere einen Gefallen tun und über Sie berichten, sondern informieren Sie selbst über das, was andere tun. Nicht nur die LeserInnen Ihres eigenen Blogs werden es Ihnen danken.

Beziehungen zu BloggerInnen aufzubauen ist keine leichte Sache, denn jeder hat seine eigenen Gründe, ein Blog zu betreiben. Ob das nun die große Zahl an LeserInnen ist oder die Freude, sich mit interessanten Inhalten zu beschäftigen, in jedem Fall liegt es an Ihnen, das im Vorfeld herauszufinden und dann die passenden Inhalte zur Verfügung zu stellen. Damit am Ende etwas Phantastisches entsteht, was für beide Seiten den gleichen Wert besitzt.

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Jetzt ist die Crowd gefragt: die FarFromHomePage-Gründer Janosch Asen und Manuel Scheidegger im Interview

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Creative Browsing, so nannten Janosch Asen und Manuel Scheidegger auf der stART11 das, was man mit ihrer neuen Plattform FarFromHomePage machen konnte. Dort haben die UserInnen die Möglichkeit, beliebige Web-Inhalte neu zusammenstellen, kreativ inszenieren und mit anderen teilen. Zwar besitzt das Tool in meinen Augen großes Potenzial und könnte uns von den Powerpoint-Folien erlösen. Aber der Durchbruch ist den beiden Gründern bis jetzt versagt geblieben. Um ihre Plattform weiter entwickeln zu können, brauchen sie Geld. Geld, das sie aber nicht haben, weshalb sie gestern eine Crowdfunding-Kampagne gestartet haben. $85.000 sollen in den nächsten 45 Tagen auf der Crowdfundingplattform Indiegogo zusammen kommen, der erste Tag verlief vielversprechend.

Mich interessiert, wie es mit Farfromhomepage weitergehen wird und warum sie sich für eine Kampagne auf der amerikanischen Crowdfundingplattform Indiegogo entschieden haben. Diese und andere Fragen habe ich Janosch und Manuel, den beiden Gründern der Berliner Startups, gestellt. Hier sind ihre Antworten:

Kulturmanagement Blog: Hallo Janosch und Manuel! Auf der stART11 habt Ihr Eure Plattform zum ersten Mal vorgestellt und ein recht gutes Feedback erhalten. Den Durchbruch habt Ihr damit aber nicht geschafft. Was sind die Gründe dafür?

Janosch Asen & Manuel Scheidegger: Unerfahrenheit. Wir haben mit vollem Elan und wenig Mitteln einen Prototypen entwickelt und den dann bald veröffentlicht. Die Idee hat sehr viele Leute begeistert, aber der Prototyp war noch zu fehlerhaft und ungemütlich, dass die Leute wirklich damit arbeiten konnten. Es gab also kein bleibendes Interesse. Investoren wiederum wollten genau das sehen. Wir waren in der Zwickmühle: Wir brauchten Geld, um den Prototypen fertig zu machen, das die Investoren uns nicht geben wollten, weil sie ein fertiges Produkt sehen wollten. Ein Teufelskreis. Heute haben wir gelernt: Starte immer mit einer ganz einfachen Version, mach ein tolles Video, sprich mit vielen Leuten. Anderseits ist die FarFromHomePage-Story halt auch unsere, die zu uns passt: Zwei Kulturmenschen landen in einem eigenen Startup; klar dass die Theaterprojektenergie da teilweise verpufft, aber anderseits vielleicht auch gerade nötig war für diese Idee.

Kulturmanagement Blog: Was plant Ihr, um FarFromHomePage zur nächsten Killerapp für Storytelling im Web zu machen? Entwickelt Ihr noch weiter oder geht es vor allem darum, Marketing und Vertrieb zu verbessern?

Janosch Asen & Manuel  Scheidegger: Wir sammeln jetzt genau die Summe, die es uns erlaubt, das Tool fehlerfrei, komfortabel und schön zu bauen. Stell Dir vor, man kann im Tool Inhalte suchen, direkt reinziehen und damit in wenigen Klicks einen Web-Cut machen. Das ist unser Ziel und wir sind davon überzeugt, dass viele Leute das brauchen können und wollen.

Kulturmanagement Blog: Dafür benötigt Ihr mit $85.000 eine ganz ordentliche Summe Geld. In einer Mail habt Ihr mir geschrieben, dass die Gespräche mit Investoren gut verlaufen sind. Geld haben sie Euch aber anscheinend keines gegeben, sonst würde es jetzt keine Crowdfunding-Kampagne geben, oder?

Janosch Asen & Manuel  Scheidegger: Investoren in Deutschland scheinen eher vorsichtig zu sein. Ihr Feedback ist durch die Bank weg super: Vielfach wurde das Tool als „disruptive game changer“ bezeichnet. Sie sehen sehr wohl das Potenzial. Aber im Vergleich zu einer gut kalkulierbaren E-Commerce Plattform sehen sie bei einem neuen Tool die Gefahr, dass sich ein schwer einschätzbarer Markt entwickelt oder sogar erst entwickeln muss. Möglicherweise ist das Klima da in den Staaten etwas anders, da der Markt schon von sich aus viele potentielle User hergibt und Investoren es einfach gewohnt sind, mehr zu riskieren. Sie haben dort aber auch ganz andere Bedingungen, was Geld und Frühphasenförderung angeht. Silicon Valley und die Unis sind voller Inkubatoren. In Deutschland wird das immer besser. Aber zwischen staatlichen Inkubatoren und Seed Funding klafft eine Lücke, die man nur füllen kann, wenn man selbst rund 200.000 Euro hat.

Kulturmanagement Blog: Was erwartet Ihr Euch von der Kampagne und warum habt Ihr Euch für die amerikanische Crowdfunding-Plattform Indiegogo entschieden? Worin liegen die Vorteile gegenüber den deutschen Plattformen?

Janosch Asen & Manuel  Scheidegger: Eine Idee wie Creative Browsing braucht eine Menge User, um anzukommen. In den USA gibt es viele User, die sich mit avancierten Diensten aktiv auseinandersetzen. Diese Gruppe ist in Deutschland noch kleiner. Indiegogo erlaubt uns, sowohl User zu finden, wie auch im besten Fall das nötige Kapital einzuwerben. Die deutschen Plattformen wollen entweder Unternehmensanteile und prüfen davor buchhalterisch penibel, oder sie sind wie Startnext eher noch auf kleinere Kulturprojekte fokussiert. Das wird sich sicher ändern. Noch sahen wir aber in den US-Plattformen mehr Potenzial. Umso mehr, als dass auch unsere deutschen Follower uns dort einfach über Kreditkarte oder Paypal unterstützen können. Sie sind auch ganz wichtig, damit wir bei Indiegogo überhaupt auf den Schirm kommen!!!

Kulturmanagement Blog: Wie kann ich Euch auf Indiegogo unterstützen und welche Gegenleistungen bekomme ich dafür?

Janosch Asen & Manuel  Scheidegger: Wichtig sind zwei Dinge: Begeisterung für das Produkt, so dass man uns mit einem kleineren oder grösseren Geldbeitrag gerne unterstützt, und: Engagement für die Idee, dass man sie gern weiterträgt und in Social Media und überall, wo man kann, streut. Am besten ist natürlich, wenn beides zusammen kommt :)

Als Gegenleistung gibt es eine ganze Reihe von speziellen Angeboten und enormen Vergünstigungen für die Unterstützer. Schliesslich sind wir den Leuten, die das Projekt jetzt ermöglichen, unendlich dankbar.

Kulturmanagement Blog: Und wann geht es dann mit FarFromHomePage wieder so richtig los?

Janosch Asen & Manuel  Scheidegger: Sobald die Kampagne zu Ende ist und hoffentlich das Geld beisammen, können wir weiter entwickeln. Innerhalb von drei Monaten kann die neue Version schon fertig sein. Natürlich können diejenigen, die uns unterstützen, schon früher als Betatester rein!

Kulturmanagement Blog: Dann drücke ich Euch die Daumen für die Kampagne! Wer Euch unterstützen möchte, kann das hier auf Indiegogo tun. Zur Einstimmung gibt es gleich noch Euer Pitch-Video. Danke für Eure Antworten und viel Glück!

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Kostenlose Vorlage für einen Projektplan in Excel

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Es gibt mittlerweile eine unüberschaubare Menge an Projektmanagement Software. Gerne nutze ich Online-Tools, denn sie nehmen einem oft viel Arbeit ab und sind für die Zusammenarbeit sehr praktisch. Mein persönlicher Favorit ist Smartsheet, aber natürlich lassen sich viele Projekte auch mithilfe von Excel planen und umsetzen. Ob nun ein Projektmanagement Tool oder Excel besser sind, hängt von verschiedenen Faktoren und auch von der Branche ab.

Einen schönen Vergleich liefert Smartsheet für den Bereich Bauwesen. Auf einer eigenen Seite sind kostenlose Excel-Vorlagen und Smartsheet-Templates (Letztere sind Bestandteil von Smartsheet, das ab 13 Euro/Monat angeboten wird) zu finden. Ob Excel oder Smartsheet, Sie sparen sich in dem Fall ein eigenes Bauprogramm und die für die Realisierung notwendigen Vorlagen.

Sie können sich natürlich Ihre eigenen Excel-Makros programmieren, aber so wie in diesem Fall es gibt praktisch für alle (Anwendungs)-Fälle fertige Vorlagen. Im Projektmanagement Blog hat Stefan Hagen vor ein paar Tagen eine kostenlose Vorlage für einen Projektplan zur Verfügung gestellt. Sie gefällt mir sehr gut, da sie sehr einfach gehalten ist und sich auch für Projektvorhaben im Kunst- und Kulturbereich nutzen lässt. Danke!

Update: Der Projektplan wurde weiter entwickelt, hier geht es zur aktualisierten Vorlage Projektplan 2013.

Update (12.01.2017): Per Kommentar wurde ich auf dieses Tool zur Projektplanung aufmerksam gemacht. Es erlaubt variable Zeiträume und wurde erst am 28.12.2016 zum letzten Mal aktualisiert. Über Rückmeldungen zu diesem Tool würde ich mich freuen.

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Ein gemeinsames Projekt von Google und Tate Modern: „This Exquisite Forest“

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This Exquisite Forest“ ist eine nette Spielerei, die zeigt, welches Potenzial im Kunst- und Kulturbereich steckt.

„This Exquisite Forest is an online collaborative art experiment presented by Google and Tate Modern. The project lets users create short animations that build off one another as they explore a specific theme. It can be accessed via the website exquisiteforest.com and through a physical installation at Tate Modern from July 23, 2012″,

heißt es in der Beschreibung zum Video auf YouTube. Schöne Idee, die vielleicht zu ähnlichen Projekten anregt.

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Zwischen Kulturinfarkt und Kulturvision

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fail better„; By All in One Training (CC BY-SA 2.0)

Ich weiß nicht, welche Erwartungen mit der Veröffentlichung des Kulturinfarkt seitens der vier Autoren verbunden waren und ob sie mit diesem Aufschrei und den teilweise ins Persönliche gehenden Beleidigungen gerechnet haben. Aber es scheint schon wieder Gras über die Sache zu wachsen und so tun wir mittlerweile alle das, was wir vor dem Erscheinen dieser „Polemik“ auch schon getan haben, wir arrangieren uns mit der Realität, die für viele Kultureinrichtungen aus finanzieller Sicht recht trostlos aussieht, so dass man sich fragen muss, warum die Aufregung so groß war. Schließlich sind viele dem Infarkt schon sehr nahe, allerdings hat ihnen, so denke ich, die Lösung, die die Autoren Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz vorgeschlagen haben, nicht wirklich gefallen.

Dass dabei alle auf ihren eigenen Vorteil schauen, ist nachvollziehbar. Zwar meint Thomas Trenkler das österreichische Kunst- und Kulturbudget, wenn er feststellt, dass die „Schere zwischen der Erhaltung der Infrastrukturen und der Förderung ‚lebender Kunst‘ (.) immer weiter auseinander (klafft)“. Aber ich denke, diese Feststellung lässt sich auch auf Deutschland übertragen. So kämpft also jeder für sich ums nackte Überleben und dabei geht das verloren, was in meinen Augen mit das wichtigste ist, wenn wir über das künstlerische Gestalten sprechen, die Vision.

Karlsdialoge #012 „Kulturinfarkt oder Kulturvision?“

In den vielen Repliken auf das Buch habe ich zwar oft gelesen, dass das, was die Autoren da vorschlagen, nicht geht. Niemand hat das aber an den Zielen, an den Visionen der eigenen Arbeit festgemacht. Über dieses Manko, die fehlenden Visionen in Kunst und Kultur, habe ich mich vor einigen Tagen mit Patrick Breitenbach im Rahmen der Karlsdialoge unterhalten. In der 12. Ausgabe dieser Podcastreihe haben wir uns „zwischen Kulturinfarkt und Kulturvision“ bewegt. Im Rückblick auf das Gespräch, für das ich mich bei Patrick Breitenbach sehr herzlich bedanken möchte, bleibt mir die Erkenntnis, dass die meisten Kultureinrichtungen ängstlich darauf bedacht sind, den Status Quo aufrecht zu erhalten, weil sie fürchten, sonst etwas zu verlieren. „Fail, fail again, fail better“, dieser Aufforderung Samuel Becketts möchte heute niemand (mehr) folgen, denn es könnte ja der letzte Fehler sein. Aber diese Angst lähmt und verhindert Innovation und auch Visionen.

Siehe dazu: „Deutschland: Kulturpolitik ohne Visionen

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Social Media: Warum wir Follower oder Fans werden

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Mirror ceiling„; By Richard Masoner (CC BY-SA 2.0)

Kultureinrichtungen, die im Social Web aktiv sind, bemühen sich, so wie alle anderen, um eine möglichst große Aufmerksamkeit. Meist machen wir den Erfolg an der Zahl der BlogleserInnen, der Fans oder der Follower fest, was natürlich auch nicht ganz falsch ist. Die Strategien, die dabei entwickelt werden, sind höchst unterschiedlich. Während die einen sich mit dem Thema Suchmaschinenoptimierung beschäftigen, um in den Suchmaschinen gefunden zu werden, entwickeln andere Contentstrategien oder nutzen Tools, mit denen sie leichter UserInnen identifizieren können, die ihren Kriterien entsprechen.

Aber lassen Sie uns mal die Seite wechseln. Was bringt uns eigentlich dazu, Fan einer Seite oder Follower eines Twitteraccounts zu werden? Natürlich wirken Gewinnspiele verlockend und bringen uns unter Umständen dazu, den Button anzuklicken. Aber was treibt uns an?

Ron Evans hat sich in seinem Blogpost „Thoughts on the psychology of social media“ mit diesem Thema beschäftigt und fragt sich, was eigentlich in unserem Gehirn vorgeht, wenn wir interagieren und Fan oder Follower werden? Evans ist dabei auf die folgenden fünf Gründe gestoßen:

  • wir wollen eine gute Sache unterstützen,
  • uns werden interessante oder nützliche Dinge angeboten,
  • wir werden gut unterhalten,
  • wir erwarten uns einen finanziellen Vorteil oder
  • wir wollen unseren Freunden zeigen, dass wir uns mit jemandem vernetzen.

Evans konstatiert, dass das alles Gründe sind, die auch bei realen Freundschaften relevant sind und wir wohl kaum gute Freunde haben, wo nicht mindestens einer dieser Gründe zutreffend ist. Und so wie wir unsere Freundschaften nicht auf Werbung aufbauen, sollten wir das, so Evans, auch im Social Web nicht tun. Den Kontakt zu anderen Menschen stellen wir nicht mit der Holzhammermethode her, sondern wir kommen mit ihnen langsam ins Gespräch, ob das im Fahrstuhl oder auf einer Party ist. Genau aus diesem Grund ist es auch unsinnig, gibt sich Evans überzeugt, als Kultureinrichtung schon im zweiten Satz Tickets verkaufen zu wollen, ob auf Facebook oder sonst wo.

Beziehungen haben wir nur zu Menschen, nicht zu Unternehmen

Abgesehen davon hält er nicht viel davon, wenn Kultureinrichtungen unpersönlich kommunizieren, denn „People don’t have relationships with organizations on social media, they have relationships with people“. Nun ist es natürlich nicht verboten, die eigenen Tickets anzupreisen, ganz im Gegenteil. Aber auch das kann auf eine sehr persönliche Art und Weise geschehen, schreibt Evans. Aus „Come to our opening night performance of Romeo and Juliet this Saturday. Tickets are on sale now: 800-555-1212“ wird bei ihm:

„I can’t believe opening night is three days away. Everyone here is so excited; there is this feeling in the air. We’ve never done Romeo and Juliet before, and I’ve avoided the rehearsal so I can be surprised on opening night! If you still need a ticket, call me at 800-555-1212 and I’ll see what I can do to help you. Can’t wait! -Ron“

Mir gefällt dieser Ansatz. Ich bin heute auf ein Blogpost von Anna Ermann aufmerksam gemacht worden. In „Warum es Facebook an sozialer Intelligenz mangelt“ kritisiert sie die Entwicklungen auf Facebook und spricht von einem Rückschritt ins „Zeitalter der Litfaßsäulen“. Ich bin mit der Umstellung auf die neue Chronik auch nicht glücklich und habe mein persönliches Profil bis heute nicht umgestellt. Aber diese Chronik mit ihren Nachteilen erhöht den Druck auf die Unternehmen, sich andere Wege der Kommunikation zu überlegen und zum Beispiel Facebookgruppen zu starten. Dort muss ich die Frage, ob man dort persönlich kommunizieren soll oder nicht, gar nicht mehr beantworten, denn ich kann dort nur mit einem persönlichen Profil dabei sein.

Und hier in diesen Gruppen habe ich auf Facebook die Chance, die UserInnen persönlich anzusprechen und sie für die Arbeit der Kultureinrichtung zu begeistern. So, wie auch wir uns in solchen Gruppen begeistern lassen, um dann im nächsten Schritt einer Kultureinrichtung auch als Fan oder Follower zu folgen. Vorausgesetzt eines der von Ron Evans genannten Kriterien trifft zu. Darum muss sich eine Kultureinrichtung bemühen, denn die Begeisterung entsteht nicht durch den Einsatz von Social Media. Social Media ist nur das Mittel zum Zweck, nicht mehr und nicht weniger.

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Heinz Koch: Let’s Party (Gastbeitrag)

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© Heinz Koch

Normalerweise beklagen sich kleine Kultureinrichtungen, dass sie zu wenig Ressourcen haben, um Social Media nutzen zu können. Claudia Riese und Heinz Koch, die seit vielen Jahren das private Theater Neu-Ulm leiten, sehen das etwas anders. Gerade haben sie ihr altes Theater verlassen (müssen) und sind nun dabei, sich ein neues Haus zu schaffen. Dabei setzen sie voll auf Social Media und informieren nicht nur in ihrer Facebookgruppe über den aktuellen Stand. Und natürlich über die Abschiedsparty, auf der die Abrissband spielte. Danke an Heinz Koch für sein Plädoyer, warum Theater auf Social Media setzen sollten. Und wer sie beim Bau des neuen Hauses unterstützen möchte, kann sich hier darüber informieren.

© Heinz Koch

Was spricht der Bestsellerautor Paulo Coelho? Das: „Ich habe über acht Millionen Fans auf Facebook, mein Blog lesen zwei Millionen Menschen im Monat. Ich kann dort direkt zu meinen Lesern sprechen.“  Und weiter:  „Einer der wichtigsten Teile im Leben eines Autors ist es, direkt mit seinen Lesern in Kontakt zu treten. Dadurch versteht man sich selbst besser. Es hilft mir als Mensch, nicht nur als Schriftsteller. Gestern habe ich mit einem Freund aus Montenegro gesprochen, der mir von montenegrinischen Legenden erzählte, dann habe ich mit einem Chinesen gechattet. Sie sind meine Freunde, auch wenn ich sie physisch nie getroffen habe. Ich unterhalte mich mit ihnen, ich lerne extrem viel und habe extrem viel Spaß dabei. Es ist, als würde man in eine Bar gehen. Schriftsteller sollten unbedingt in Bars gehen!“

Ich bin kein Schriftsteller, ich bin Theatermacher und Stückeschreiber. Ich gehe in Bars. Eigentlich hab ich kein Wohnzimmer. Ich gehe in Bars. Und ins Büro. Ich habe nur 1.493 Freunde auf Facebook; und wie viele im Monat mein Blog lesen, dürfte im niedrigen zweistelligen Bereich liegen.

Ich finde – wie Paulo – twittern ist Kunst. Und im Gegensatz zu vielen facebookenden Kultureinrichtungen kommt es mir nicht auf das Steigern des Ticketverkaufs an.

Just am letzten Wochenende lief nach 16 Jahren der Mietvertrag für unsere bisherige Spielstätte ab. Das 110 Jahre alte kultige, aber morbide Bauwerk wird abgerissen. Da haben wir ne „Goodbye Konzertsaal“-Party geplant. Der Event wurde auf Facebook annonciert.  Auf die Bekanntgabe des Programms hin meldeten sich drei DJs, eine Band, drei Solomusiker und ein Freund, der für die geplante Jam-Session das Drumset  stellen wollte. Ein Sponsor fand sich für die DJ-Anlage. Dazu konnte jemand gefunden werden, der alte Fotonegative und eine VHS-Kassette digitalisieren konnte. Außerdem konnte ein Trailer zum Fest  geordert, bearbeitet und gepostet werden.

Am Nachmittag verhinderten hochsommerliche Temperaturen, am Abend ein Mords-Unwetter übermäßigen Publikumszuspruch. Gefeiert wurde bis um 5 in der Früh; und die Dank-feedbacks von Aktiven und ZuschauerInnen waren überschwänglich.  Ein solches Fest mit einem solchen Programm wäre in der Kürze der Zeit (14 Tage) ohne Facebook (und das Internet allgemein) niemals zustande gekommen. Auch die Meetings zur Absprache mit den Musikern liefen über ein web 2.0-Portal (Doodle).

Es wird bei uns im Theater im Herbst eine Reihe geben, zu der wir Paulo Coelho zwar nicht werden einladen können, aber so manchen Schriftsteller, der wie wir auf Facebook unterwegs ist. Die Reihe wird heißen „Facebookers live – lesen vis à vis“ (oder so ähnlich).  Es werden Autoren sein, die wir auf und durch Facebook (zur Not auch Twitter) kennen gelernt haben. Und diese Kontakte sind so wertvoll wie die zu Schauspiel-Kolleginnen und –Kollegen, welche bei uns gespielt haben oder möglicherweise spielen werden

Dass wir fast ausschließlich übers net casten, Dateien zwischen Designern und Printern oder Tonstudios hin- und herschieben (Dropbox, Google Drive) und auch sonst jede Menge Infos zum Theatermachen finden, von Stücken über Rezensionen und Reports bis hin zu diversen Theorie-Artikeln  (beispielsweise zum  Thema Kultur- und Kreativwirtschaft) ist nun schon so was von Alltag, dass wir es gar nicht mehr erwähnen.

Theatermachen mit zwei Leuten wäre ohne Facebook & Co (so) gar nicht möglich.

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Beim Treffpunkt KulturManagement geht es am 18. Juli um die Kreativwirtschaft

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Mit dem neuen Förderprogramm „Kreatives Europa“ versucht die EU den Spagat zwischen Kunst, Kultur und der Kreativwirtschaft zu schaffen. Dabei sollen „die Kulturschaffenden in Europa (.) das Potenzial des ‚digitalen Zeitalters‘ und der Globalisierung besser nutzen, um damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und neue Publikumsschichten zu erreichen. Dabei spielen eine verbesserte finanzielle Unterstützung für transnationale Kulturaktivitäten innerhalb und außerhalb der EU und ein vereinfachter Zugang zu Förderinstrumenten und Bankanleihen auch für kleinere Akteure eine wichtige Rolle“, heißt es auf der Website des Cultural Contact Point Germany.

Globalisierung, Wettbewerbsfähigkeit, Bankanleihen, das sind Begriffe, die dem klassischen Kunst- und Kulturbereich eher fremd sind. Wenn nun aber ab 2013 auf europäischer Ebene Kunst und Kreativwirtschaft näher zusammenrücken und Unterstützung aus einem gemeinsamen Förderprogramm erhalten, dann macht es Sinn, sich etwas eingehender mit der Kreativwirtschaft zu beschäftigen und zu lernen, wie sie funktioniert. Schließlich geht es für uns alle darum, ab 2013 ein möglichst großes Stück aus dem Förderkuchen zu schneiden und egal, wie man dazu steht: sich zu informieren ist sicher kein Nachteil.

Deshalb haben wir zu unserem nächsten Treffpunkt KulturManagement am 18. Juli um 9 Uhr Dirk Kiefer, den Leiter der Thüringer Agentur für Kreativwirtschaft (THAK), eingeladen. Die Agentur unterstützt die Kreativwirtschaft als Innovations- und Wachstumsmotor in der mittelständisch geprägten regionalen Wirtschaft Thüringens. Die kreative Szene ist mitnichten auf die strahlkräftigen europäischen Metropolen beschränkt, sondern durch ihre mobile, flexible und netzwerkorientierte Arbeitsweise als Klammer für Wertschöpfung gerade auch zwischen den großen Städten geeignet, so die Idee.

Dirk Kiefer beleuchtet in diesem Treffpunkt KulturManagement das Thema „Kultur- und Kreativwirtschaft“ aus zwei verschiedenen Blickwinkeln: einerseits beschreibt er die Erwartungen der öffentlichen Stellen, andererseits beschäftigt er sich aber auch mit der Frage, welche Form der Unterstützung die kreativen Unternehmen benötigen? Konkret werden folgende Fragen beleuchtet: Was ist die Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland? Wie sieht der internationale Kontext dieser – für Deutschland – neuen Branche aus? Woraus leitet sich die Notwendigkeit einer spezifischen Wirtschaftspolitik für diese so heterogene Branche ab? Wie sehen die Potenziale der Kreativwirtschaft im Vergleich Metropolen zu Regionen aus und welche Implikationen ergeben sich für kreative UnternehmerInnen?

Für mich stellt sich darüber hinaus die Frage, in welcher Form der Kunst- und Kulturbereich von dieser Entwicklung profitieren kann? Die Diskussion über das neue Förderprogramm „Kreatives Europa“ ist derzeit voll im Gange, zum Beispiel in den Kulturpolitischen Mitteilungen. Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, Kreativwirtschaft und den Kunst- und Kulturbereich gegeneinander auszuspielen. In meinen Augen würde letzterem ein klein wenig mehr unternehmerisches Denken und Handeln nicht schaden, schließlich fehlt es an allen Ecken und Enden an Geld. Aber auch die meist kleinen Unternehmen der Kreativwirtschaft leiden unter Geldmangel, die Realität sieht meist etwas trister aus als es uns die Hochglanzbroschüren Glauben machen wollen. Wer kann also von wem lernen? Ich hoffe, am Ende dieses Treffpunkt KulturManagement bin ich etwas klüger. ;-)

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 18. Juli, einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort registrieren.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 18.07.2012 von 09:00 bis 10:00
Thema: Kreativwirtschaft in Deutschland – Zwischen Metropolen und regionaler Industrie
Gast: Dirk Kiefer (Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft)

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement

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Crowdfunding: Fragen und Antworten

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Crowdfunding ist derzeit en vogue und so ist es nicht verwunderlich, dass derzeit an den Universitäten unzählige Arbeiten entstehen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Bedauerlich ist, dass es hier keine Möglichkeit der Vernetzung gibt, denn so könnte man auf den Ergebnissen der anderen aufbauen und müsste nicht immer wieder bei Null anfangen. Das würde in diesen Fall auch dem Crowdfunding gut tun, wäre doch die Forschung dazu vermutlich ein ganzes Stück weiter. Ikosom, das Institut für Kommunikation in sozialen Medien, hat zwar mit der Veröffentlichung von Studien zu diesem Thema begonnen, aber das ist angesichts der großen Zahl von Arbeiten, die derzeit zum Thema Crowdfunding entstehen, nur der Tropfen auf den heißen Stein.

Nachdem ich immer wieder von StudentInnen gebeten werde, ihnen ein paar Fragen zu beantworten und diese häufig sehr ähnlich sind (was kein Vorwurf ist, denn man weiß ja nicht voneinander), fasse ich einige in diesem Blogbeitrag zusammen. Meine Antworten beziehen sich dabei auf den Kunst- und Kulturbereich, wobei es sich natürlich um meine persönliche Meinung handelt, die ich hier gerne zur Diskussion stelle. Wer die Inhalte für seine Arbeit nutzen möchte, kann das gerne tun und die passenden Passagen übernehmen. Aber bitte zitieren und nicht einfach abschreiben. ;-)

Frage: wie lässt sich Crowdfunding definieren?

Antwort: Karsten Wenzlaff hat in seinem Blogpost „Definition von Crowdfunding (beta)“ verschiedene Definitionen gesammelt, die zeigen, dass es die eine Definition nicht gibt.

Meine Arbeitsdefinition lautet: „Als Ausprägung des Crowdsourcing verfolgt das Crowdfunding das Ziel, Vorhaben zu finanzieren, bei denen es um die Durchführung von Projekten, die Entwicklung von Produkten oder Dienstleistungen, aber auch die Gründung von Unternehmen gehen kann. Die Initiatoren setzen dabei auf das Prinzip „kleine Beträge von vielen Unterstützern“ und bieten dafür entsprechende Gegenleistungen an, die neben aus dem Vorhaben heraus generierten Produkten auch ideeller oder finanzieller Natur sein können. Eine Crowdfunding-Kampagne ist nur dann erfolgreich, wenn sie ihr Finanzierungsziel erreicht (Alles-oder-Nichts-Prinzip) und wird meist auf den im Internet entstandenen Crowdfundingplattformen durchgeführt.“

Frage: Was macht Crowdfunding so besonders im Vergleich zu anderen Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten?

Antwort: So ganz neu ist Crowdfunding eigentlich nicht, denn es enthält Elemente, die es schon länger gibt. Kleine Spenden waren schon immer möglich. Das Prinzip der Gegenleistung kennen wir vom Sponsoring und schon Mitte der 1990er Jahre haben etwa Musikgruppen wie zum Beispiel die Popband Marillion ihre Fans erfolgreich dazu aufgerufen, sie bei der Finanzierung eines neuen Albums oder einer Konzerttournee zu unterstützen. Auch die Freiheitsstatue oder der Eiffelturm konnten nur dank der finanziellen Unterstützung einer Vielzahl von Menschen erbaut werden.

Das Besondere am Crowdfunding ist wohl der direkte Kontakt zwischen ProjektinitiatorInnen und den (potenziellen) UnterstützerInnen, der vermutlich auch über die finanzielle Unterstützung hinaus zu einer engeren Bindung führt. Die „Fans“ haben es somit selbst in der Hand, durch in der Regel kleine Geldbeträge über Erfolg oder Misserfolg eines Vorhabens zu entscheiden. Waren es bis jetzt meist öffentliche Förderstellen oder private GeldgeberInnen (z.B. Sponsoren, Mäzene), die das Vorhaben mit meist größeren Beträgen ermöglicht haben, so hat der technologische Fortschritt zu einer Verringerung der Transaktionskosten geführt und erlaubt nun auch die Überweisung kleinerer Summen. Mit dem Aufkommen des Social Web existiert darüber hinaus das entsprechende Umfeld, um die Crowd auch mobilisieren zu können.

Frage: Welche Gründe gibt es für Projektinitiatoren, die Finanzierungsform des Crowdfunding zu wählen?

Antwort: Der häufigste Grund ist wohl das Fehlen finanzieller Mittel, um das eigene Vorhaben realisieren zu können. Wer keine öffentlichen Förderungen erhält oder keine Sponsoren findet, kann unter Umständen auf diese Weise sein Vorhaben ganz oder zumindest teilweise finanzieren.

Interessant ist das Crowdfunding aber auch für die, die ohne Förderungen auskommen müssen und auf den Verkauf ihres Angebots angewiesen sind. Wer ein Produkt entwickelt, zum Beispiel einen Film oder ein Buch, muss die Produktion vorfinanzieren und kann erst durch den anschließenden Verkauf seine Kosten decken beziehungsweise einen Gewinn erzielen. Damit setze ich mich einem (unternehmerischen) Risiko aus, denn ich weiß ja vor Produktionsbeginn noch nicht, ob ich auf genügend Interesse stoße. Mit Crowdfunding lässt sich dieses Risiko ausschalten, denn ich kann mit Hilfe einer Crowdfundingkampagne die Kosten schon vorab abdecken.

Nicht zu unterschätzen in einem solchen Fall ist die Bedeutung der Rückmeldungen, die ich von meinen Fans und UnterstützerInnen erhalte. Das Feedback gibt mir die Möglichkeit, das Produkt noch vor Produktionsbeginn zu verbessern und so die Erfolgsaussichten zu vergrößern.

Crowdfunding kann aber auch als Teil einer Marketingkampagne interessant sein. Unter Umständen bin ich gar nicht unbedingt auf die Einnahmen aus der Kampagne angewiesen, sondern profitiere von der Aufmerksamkeit, die meine Crowdfundingkampagne erzeugt. Das ist vor allem dann ein Thema, wenn man mit seinem Vorhaben eine Vorreiterrolle einnimmt und mit seinem Vorhaben auch in die klassischen Medien gelangt. Statt für die Medienberichterstattung zu bezahlen, erhalte ich dafür im Rahmen meiner Kampagne sogar Geld.

Und noch ein letzter Grund scheint mir wichtig zu sein und sollte nicht unterschätzt werden: der Spaßfaktor.

Frage: Wer verbirgt sich hinter der Crowd und welche Motive gibt es für die UnterstützerInnen?

Antwort: Die Crowd ist so heterogen wie es auch die Vorhaben sind, für die auf den verschiedenen Plattformen um Unterstützung geworben wird. Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich ein Technologiestartup unterstütze oder ein Kunstvermittlungsprojekt. Ich denke aber, dass ein Großteil der UnterstützerInnen sehr technikaffin ist, vermutlich überdurchschnittlich viel Geld zur Verfügung hat und keine Scheu vor Kreditkarten oder PayPal kennt. Studien über die Crowd sind mir bis jetzt noch nicht bekannt, wären aber vermutlich sehr hilfreich.

Gründe, ein Vorhaben zu unterstützen, gibt es viele. Da ist zum einen das Gefühl, mit dem eigenen, meist kleinen Geldbetrag zum Gelingen des Projekts beitragen und darüber hinaus über die verschiedenen Kommunikationskanäle sehr nah an den ProjektinitiatorInnen dran sein zu können. Diese Unmittelbarkeit wirkt sich meist auch positiv aus, wenn es darum geht, die unterstützte Veranstaltung zu besuchen oder das Produkt zu erwerben. So man es mit dem Unterstützungsbeitrag nicht bereits erworben hat, denn auch das kann ein wichtiger Grund dafür sein, ein Vorhaben finanziell zu unterstützen.

Im Fall von „Stromberg“ war vermutlich auch die Aussicht auf einen finanziellen Gewinn ein nicht zu vernachlässigender Erfolgsfaktor, um innerhalb einer Woche 1 Mio. Euro zusammen zu bekommen. Aber wahrscheinlich spielt da auch der Spaßfaktor eine große Rolle, denn wer reich werden möchte, wird dafür nicht unbedingt auf Crowdfunding setzen. Und noch ein Grund fällt mir ein: ich kann mich mit meiner Unterstützung als Fan outen und profitiere davon, wenn die ProjektinitiatorInnen über eine hohe Reputation verfügen. Vermutlich gibt es aber noch viele weitere Gründe, um ein Vorhaben zu unterstützen, Forschungsergebnisse gibt es bei uns bis jetzt aber dazu leider noch nicht.

Frage: Ist Crowdfunding eine Alternative zur öffentlichen Kulturförderung?

Antwort: Nein, das glaube ich nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass sich beide Finanzierungsformen ergänzen. Es gibt im Kunst- und Kulturbereich Vorhaben, die eine hohe Relevanz, aber keine große Öffentlichkeitswirksamkeit besitzen. Außerdem gibt es Kunstsparten, die von uns kaum oder nur selten wahrgenommen werden. In so einem Fall auf Crowdfunding zu setzen, macht vermutlich wenig Sinn.

Sehr wohl kann ich mir aber in bestimmten Fällen eine Kombination beider Instrumente vorstellen. Natürlich gibt es bis jetzt noch keine Erfahrungswerte, aber eigentlich müsste die finanzielle Unterstützung durch viele Investoren ein Beleg dafür sein, dass das Vorhaben attraktiv ist. Öffentliche Förderstellen könnten also spezielle Programme auflegen, die nach dem Prinzip der Matching Funds funktionieren, wie man sie etwa in den USA kennt. Auf diese Weise ließe sich mit öffentlichen Fördergeldern eine Hebelwirkung erzielen. Gleichzeitig sehe ich dabei aber auch die Gefahr, dass die öffentliche Hand auf diese Weise elegant das Problem der leeren Kassen löst. Öffentliche Stellen könnten die Fördersumme um die Hälfte reduzieren, der geförderte Bereich hätte dank Crowdfunding aber immer noch die gleiche Summe zur Verfügung.

Aber der Impuls muss nicht unbedingt von den öffentlichen Stellen ausgehen, sondern kann auch von den ProjektinitiatorInnen ausgehen. Bekomme ich von den öffentlichen Stellen nicht den Betrag, den ich für die Realisierung meines Vorhabens benötige, kann ich versuchen, die Finanzierungslücke mit Hilfe einer Crowdfundingkampagne zu schließen. Ein Risiko lässt sich dabei aber nicht verleugnen, denn was passiert, wenn die Kampagne misslingt und ich wegen des Alles-oder-Nichts-Prinzips zwar einen hohen Aufwand habe, aber am Ende kein einziger zusätzlicher Cent in die Kassen kommt?

Auf die Frage, ob Crowdfunding demokratiepolitisch bedenklich ist, bin ich in dem Blogbeitrag „Crowdfunding, ein demokratiepolitisch bedenkliches Finanzierungsinstrument?“ eingegangen.

Frage: Worin unterscheidet sich Crowdfunding vom klassischen Sponsoring?

Antwort: Teilweise gar nicht, denn für beide Finanzierungsinstrumente gilt das Prinzip Leistung – Gegenleistung. Bis vor kurzem waren die Unterschiede noch recht groß, denn die Gegenleistungen im Crowdfunding waren nicht dazu gedacht, den UnterstützerInnen einen Vorteil in geschäftlicher Hinsicht zu verschaffen, sondern zielten überspitzt formuliert nur auf die Privatperson, die Fans ab. Aber das hat sich im Laufe der letzten Monate geändert und wird sich noch weiter verändern, denn mehr und mehr Unternehmen erkennen die Vorzüge des Crowdfunding.

Die bestehen zum Beispiel darin, dass immer mehr Crowdfunder bei ihren Gegenleistungen auch an die Unternehmen denken und hier Werbemöglichkeiten anbieten und das zu einem klar kommunizierten Preis, der vermutlich meist niedriger angesetzt ist als beim klassischen Sponsoring. Hinzu kommt, dass ich es als Unterstützer mit einem Gegenüber zu tun habe, der auf Social Media setzt bzw. setzen muss, um sein finanzielles Ziel der Kampagne erreichen zu können. Die Sichtbarkeit eines solchen Projektes ist so vermutlich wesentlich größer als bei Vorhaben, die nur die klassischen Kanäle nutzen.

Frage: Ist Crowdfunding ein Instrument, das Unternehmen nutzen sollten? Was sind die Vor- und Nachteile gegenüber dem klassischen Sponsoring?

Antwort: Ja, vor allem kleine Unternehmen sollten sich Crowdfunding zumindest anschauen, wenn Sie der Meinung sind, die Unterstützung von Kunst und Kultur hilft ihrem Unternehmen weiter. Ich sehe derzeit drei Vorteile gegenüber dem klassischen Sponsoring. Erstens finden Unternehmen auf den verschiedenen Crowdfundingplattformen eine Vielzahl verschiedenster Projekte und haben so eine große Auswahl. Zweitens sind die Vorhaben ausführlich beschrieben und besonders das Video vermittelt recht gute Eindrücke von Projekt und ProjektinitiatorInnen. Egal, ob ich als Unternehmen genau weiß, welche Art von Projekten ich unterstützen möchte oder ob ich auf diese Weise den Einstieg schaffen möchte, ich kann mich ohne Druck durch die Projektbeschreibungen klicken und finde über die Links zu Facebook, Twitter oder Blogs noch weitere ergänzende Informationen, dank derer ich mir ein sehr genaues Bild machen kann. Drittens sehe ich, welche Akzeptanz ein Projekt hat und wie es bei den Zielgruppen ankommt.

Ob die für eine Crowdfunding-Kampagne wichtigen Social Media Aktivitäten dem Unternehmen auch etwas bringen, hängt vom Know-How beider Seiten ab. Theoretisch ist es aber natürlich hilfreich, wenn ein Projekt im Social Web präsent ist.

Ein Nachteil ist es, dass ich als Unternehmen keinen Anspruch auf Exklusivität habe, weil die Gegenleistungen quasi „von der Stange“ kommen und vermutlich an mehrere Unternehmen verkauft werden sollen. Natürlich gibt es hier Verhandlungsspielraum, was dann aber wieder mit Kosten verbunden sein kann. Insofern ist Crowdfunding in meinen Augen für kleine und mittlere Unternehmen eine durchaus interessante Sache, weil ich mit relativ geringen Mitteln eine durchaus große Wirkung erzielen kann. Größere Unternehmen haben meist eine eigene Sponsoringstrategie und sind auf Crowdfunding nicht angewiesen.

Crowdfunding und Sponsoring werden sich daher nicht gegenseitig weh tun und auch zukünftig nebeneinander existieren.

Frage: Wie hoch ist der momentane Anteil und Bekanntheitsgrad von Crowdfunding im kulturellen Sektor?

Antwort: Auf der Crowdfundingplattform Startnext, die im Herbst 2010 online gegangen ist, wurde im Juni diesen Jahres die 1 Mio. Euro-Grenze überschritten. Das ist zwar keine schlechte Leistung für die knapp zwei Jahre, aber dementgegen stehen für Deutschland rund 8,5 Mia. Euro Förderung pro Jahr durch die öffentliche Hand für Kunst und Kultur. Auch der Vergleich mit den USA ist interessant. Kickstarter, die größte Plattform in den USA, konnte im letzten Jahr knapp 100 Mio. Dollar einsammeln, dieses Jahr peilt man 150 Mio. an. An diesen Zahlen sieht man schon, dass der Anteil von Crowdfunding an der Finanzierung von Kunst und Kultur bei uns noch nicht wirklich groß ist, aber mit Blick auf die USA eine Steigerung wahrscheinlich ist.

Auch der Bekanntheitsgrad hält sich noch in Grenzen. Viele kennen den Begriff Crowdfunding gar nicht und können daher auch nichts mit diesem Ansatz, Kunst und Kultur zu finanzieren, anfangen. Da ich glaube, dass Crowdfunding zwar nicht die öffentlichen Förderungen und auch das Sponsoring ersetzen kann, aber vor allem für Nischen eine interessante Alternative darstellt, ist es in meinen Augen wichtig, möglichst umfassend über das Thema Crowdfunding zu informieren.

Frage: Wie sieht die Zukunft des Crowdfunding aus?

Antwort: Wer die Entwicklung des Crowdfunding beobachtet, wird in den letzten Monaten festgestellt haben, dass die Form des Crowdfunding, bei dem es um Investitionen geht, die finanziellen Gewinn versprechen, einen gewaltigen Aufschwung erlebt hat. Unzählige Plattformen, auf denen Startups sich um Investoren bemühen, sind in der letzten Zeit an den Start gegangen. Außerdem boomen in den USA Kampagnen, bei denen es um die Entwicklung von Produkten geht, für die sich viele interessieren, z.B. Apps. In meinen Augen deutet vieles auf eine Kommerzialisierung des Crowdfunding hin, das heißt, kommerzielle Anliegen werden es wesentlich leichter haben als Projekte mit einem ideellen Hintergrund.

Zu beobachten ist auch, dass bekannte Namen beim Crowdfunding Vorteile haben. Während für die Kleinen die Nischen bleiben, werden die Großen den Mainstream bedienen und damit den Löwenanteil des Geldes einstreichen.

Hinzu kommt gerade für den klassischen Kunst- und Kulturbereich: Die Finanzierung dieses Bereiches sehen wir nach wie vor als Aufgabe des Staates an. Die Bereitschaft, Kunst und Kultur als Privatperson zu unterstützen, hält sich in Grenzen. Vor diesem Hintergrund wird Crowdfunding eine interessante Finanzierungsalternative vor allem für kleinere Vorhaben sein. Auf breiter Basis wird es sich in den nächsten Jahren bei uns aber (noch) nicht durchsetzen können. Aber da dieser Bereich besonders von den Kürzungen der öffentlichen Hand betroffen ist, kann Crowdfunding sich trotzdem zum wichtigen Standbein vor allem für die freie Szene entwickeln.

Bild von Kevin Schneider auf Pixabay