Monthly Archives of: Oktober 2012

Post

Social Media und der ROI: von Immobilienmaklern und Trivialitäten

14 comments


© Petra Bork ; Pixelio

Ich schätze das Social Web und vor allem Blogs ungemein, denn es ist faszinierend zu beobachten, wie sich bestimmte Themen langsam auszubreiten beginnen und plötzlich an den verschiedensten Orten Diskussionen darüber entstehen. Mein Thema ist zur Zeit die Frage, ob und wenn ja, wie Social Media und der Return on Investment (ROI) zusammen passen. Auslöser ist die Beobachtung, dass die Social Media im Kunst- und Kulturbereich noch nicht adäquat mit den entsprechenden Ressourcen ausgestattet werden. Oft ist es die PraktikantIn, die halt noch jeden Tag neben ihrer „normalen Arbeit“ 30 Minuten „Social Media macht“, was immer das dann auch heißen mag.

Meine Idee: ich glaube, dass man den EntscheidungsträgerInnen die Bedeutung von Social Media leichter vermitteln kann, indem man versucht, ihnen den „Wert“ von Social Media zu verdeutlichen. Eine der wichtigsten Kategorien, in denen dieser Wert bestimmt werden kann, ist das Geld. Warum macht es Sinn, den Wert von Social Media monetär darzustellen? Erstens betrachte ich Social Media als Querschnittsmaterie, die in den verschiedenen Unternehmensbereichen (Marketing, Kommunikation, etc.) zum Einsatz kommt, in denen Geld eine wichtige Rolle spielt. Zweitens ist Geld die Ressource, die in den Kulturbetrieben meist schmerzlich vermisst wird. Es gilt also genau abzuwägen, wofür man seine Mittel einsetzt.

Der letzte Treffpunkt KulturManagement (Link Folien / Aufzeichnung), in dem ich mit Stefan Parnleiter-Mathys über dieses Thema diskutieren durfte, hat mich ein ganzes Stück weiter gebracht und erfreulicherweise zu einigen Blogbeiträgen geführt. Auf ein paar Punkte möchte ich hier reagieren.

Wenn Christian Holst seinen Kommentar zu Axel Vogelsangs Blogpost „Return on Investment für Social Media?“ mit der süffisanten Bemerkung „Wenn man sich ernsthaft um den ROI sorgt, sollte man besser keine Kultur machen, sondern zum Immobilienmakler o.ä. umschulen“ enden lässt, dann weiß ich nicht, ob ich das wirklich ernst nehmen soll, gratuliere ihm aber zu seinem Arbeitgeber, der wahrscheinlich mit dem oben abgebildeten Glas Münzen auskommt, um seine Spielzeit erfolgreich über die Bühne zu bekommen. Da mal ein Griff ins Glas, dann wieder ein paar Münzen reingeworfen, so einfach lässt sich ein Kulturbetrieb finanziell „steuern“. Da ist es doch nett, wenn man außerdem auf den Social Media-Kanälen des Hauses nett plaudern und anregende Gespräche führen kann. Was das kostet, was das bringt? Ach, wer wird denn so kleinlich sein, schließlich reden wir von Kunst. Und eben von Social Media.

Ist Rechnen im Social Web erlaubt?

So beschäftigt sich Claudia Heydolph in einem Blogpost mit der Frage, ob sich Social Media-Content rechnen könne? In ihrem Beitrag findet sich ein Video-Interview mit dem Sprecher des Stuttgarter Linden-Museums Martin Otto-Hörbrand, aus dem hervorgeht, dass es im Social Web nicht um finanziellen Gewinn geht, sondern eher um immaterielle Werte wie etwa Wissen und Aufmerksamkeit. Daran anknüpfend stellt Heydolph, dass gerade im Bereich von Kunst und Kultur der finanzielle Aspekt nicht überwiegen sollte. Die Kommunen müssten sich, so schreibt sie, ein Museum als „kultur- und sinnstiftende Kapitalanlage ohne Gewinnaussichten“ leisten wollen. Das alles ist unbestritten.

Aber mit so etwas wie dem ROI zu arbeiten, heißt nicht, dass ich aus meinem subventionierten Haus nun eine kommerziell ausgerichtete Goldgrube mache. Auch wenn ich nicht auf Gewinn aus bin, so muss ich doch mit den begrenzten Mitteln sorgsam umgehen, um weiter kultur- und sinnstiftend wirken zu können. Das eine schließt das andere in meinen Augen nicht aus. Sorgfältig mit den begrenzten Ressourcen umzugehen heißt, ich muss abwägen, was ich mit meinem Budget mache? Lasse ich Plakate drucken, schalte ich Inserate oder bin ich im Social Web aktiv? Auf welcher Basis entscheide ich mich für einen Mix aus Plakat, Inserat und Social Media oder setze ausschließlich auf einen Kanal? Niemand tut das im beruflichen Kontext, ohne sich vorab zu überlegen, was ihm oder ihr das bringen könnte. Warum gibt es die Tweetups oder eben auch den Treffpunkt KulturManagement? Beide kosten nichts und Claudia Heydrich merkt treffend an, dass sich so etwas nicht direkt rechnen kann. Kann es auch nicht, aber mit solchen Formaten sind bestimmte Erwartungen verbunden. Sie sind ein Baustein in einem hochkomplexen Gefüge, an dessen Ende derjenige, der nicht über unbegrenzte Ressourcen verfügt, auch auf sein Geld schauen muss.

„Seitdem die digitale Revolution alles in Algorithmen messbar gemacht hat, muss alles sofort messbar sein,“ schreibt Heydrich und kritisiert damit den Wahn, alles sofort in ein Zahlengefüge pressen zu wollen. Ich frage mich auch oft, warum manche Kennzahlen so wichtig sind und welche Rolle sie eigentlich spielen? Facebook & Co sind in meinen Augen Instrumente, die bei der Umsetzung einer Strategie zum Einsatz kommen können, im Bereich Marketing, PR oder sonstwo. Auf dieser übergeordneten Ebene will und muss ich sehr wohl wissen, ob ich mehr investiere als am Ende wieder reinkommt. Das heißt, es gilt die Frage zu beantworten, ob meine Strategien, mit deren Hilfe ich Einnahmen in einer bestimmten Höhe lukrieren wollte, auch wirklich aufgegangen sind. Womit wir bei einem weiteren wichtigen Punkt sind: Der ROI lässt sich nicht vorab bestimmen, sondern steht erst im Nachhinein fest. Und das, wie gesagt, nur auf einer übergeordneten, wenn man so will, aggregierten Ebene. Darunter haben wir es mit vielen einzelnen Punkten (oder auch Leistungsindikatoren) zu tun, die zwar in irgendeiner Form messbar sind. Wir müssen aber erst herausfinden, ob diese Kennzahlen überhaupt in unsere Karte hineinpassen? Ich schaue mir zwar sehr viele Kennzahlen an, allerdings helfen mir nur die wenigsten weiter. Ich halte mich hier also eher zurück, versuche aber immer wieder auf einer übergeordneten Ebene zu überprüfen, ob es sich lohnt, was ich da mache. Ich denke, diese Frage muss nicht nur ich beantworten, sondern all diejenigen, die mit den begrenzten Ressourcen Zeit und Geld auskommen müssen.

Mit Zahlen die Welt trivialisieren?

Dabei spielen Zahlen eine wichtige Rolle. Aber, so schreibt Patrick Breitenbach in seinem Beitrag „Auf der Suche nach dem heiligen ROI des Social Webs„: Zahlen verführen uns, „die Welt in der wir leben all zu leichtfertig zu trivialisieren“. Ein Ansatz, der ausschließlich auf Zahlen, und damit auch so etwas wie den ROI setzt, ist für ihn ungeeignet, um herauszufinden, ob sich Social Media lohnt. Damit hat er auch nicht ganz Unrecht, aber wie finde ich nun heraus, ob ich mir als großer oder kleiner Kulturbetrieb Social Media leisten kann? Wie überzeuge ich meinen Chef, dass Social Media wichtig ist?

Breitenbach betrachtet die Aktivitäten im Social Web als Investition in den Aufbau von Beziehungen. Deren Wert könne man nur durch Erleben erfahren, zahlenmässig lasse er sich aber nicht darstellen, schreibt er in seinem Blogpost. An diesem Punkt befinden sich, so denke ich, derzeit wohl viele Kulturbetriebe. Da werden Gespräche geführt, Beziehungen aufgebaut und es wird fleißig interagiert. Ob das was bringt, das merkt man dann schon. Irgendwann, hoffentlich…

Während der ROI dazu diene, eine Sicherheit zu konstruiere, die dazu beiträgt, „komplexe Zusammenhänge einzudampfen und Entscheidungen zu begründen“, gehe es im Social Web doch viel mehr darum, sich „als potenzieller Gesprächspartner, als Freund, als Ratgeber, als Mensch, als Kümmerer, als Händler, als Geschichtenerzähler oder als Entertainer“ anzubieten und serviceorientiert zu agieren, lautet Breitenbachs Fazit.

Ich halte diesen Gegensatz für konstruiert, denn Unternehmen wie die Deutsche Bahn oder die Telekom nutzen das Social Web in einer Art und Weise, die dem von Breitenbach geforderten serviceorientierten Zugang entspricht. Ob sie dabei so ganz ohne Kennzahlen auskommen und nur aus Freude am Gespräch mehr auf Social Media statt auf Call-Center setzen, wage ich dabei zu bezweifeln.

Ist es also wirklich so, dass wir mit Zahlen unsere Welt trivialisieren, wie Breitenbach schreibt? Zahlen können zwar dafür verwendet werden, gleichsam als Beruhigungsmittel, aber es sind nicht die Zahlen, die wir dafür zu kritisieren haben, sondern diejenigen, die Zahlen für ihre Zwecke einsetzen. So können Zahlen, so denke ich, auch dazu beitragen, die Welt zu entmystifizieren und/oder uns Erkenntnisgewinn zu verschaffen. Ob Mars-Expedition oder Social Web: Wir erhalten eine Unmenge an Daten, einerseits von einem uns noch fast völlig unbekannten Planeten, andererseits von GesprächspartnerInnen, von denen wir meist auch nicht sehr viel mehr wissen. „Die Daten der Kunden sind der wichtigste Rohstoff von Unternehmen geworden,“ heißt es in dem Artikel „Im Meer der Daten“, der in der Samstagsausgabe der FAZ erschienen ist. Was aber machen wir mit diesen – häufig unstrukturierten – Daten?

Interessant werden diese Daten erst, wenn ich sie miteinander verknüpfe. Aus den Daten werden dann Informationen, wenn wir sie mit einer Bedeutung versehen und ihnen Relevanz zuschreiben. Bindet man die Informationen im nächsten Schritt in vorhandene Erfahrungsmuster ein, entsteht Wissen (siehe dazu mein Blogpost „Wissensmanagement: Weblogs in Projekten einsetzen„) und damit genau das, was Martin Otto-Hörbrand im oben erwähnten Interview als den Mehrwert von Social Media für sein Museum beschrieben hat.

Neben dieser inhaltlichen Ebene gibt es aber eben auch eine wirtschaftliche Ebene, auf der wir ebenfalls versuchen, das Datenmaterial zu veredeln und daraus Wissen werden zu lassen. In diesem Prozess kann der ROI eine wichtige Rolle spielen. Er ist kein Allheilmittel, sondern er ist Teil eines ziemlich umfangreichen Puzzles, das sich einem erst nach und nach erschließt. Auf dieser Ebene Wissen zu generieren kann kompliziert und zeitaufwendig sein. Trivial ist es aber ganz sicher nicht. Und ob das wirklich nur ein Feld für Immobilienmakler ist, sollte sich Christian Holst auch noch mal überlegen. ;-)

Post

Facebook: zurück zur Push-Kultur

11 comments


© Gerd Altmann ; Pixelio

Von der Push- zur Pullkultur, so wird der Wandel, den das Social Web hervorgerufen hat, oft beschrieben. Vereinfacht gesagt bedeutet das: die jeweiligen Zielgruppen werden nicht mehr mit Informationen bombadiert, sondern die UserInnen rufen die Informationen dann ab, wenn sie diese benötigen.

„Der Internet-User ist stets ein individueller Interessent, der mit spezifischem Interesse unterwegs ist. Ihn mit globalen Botschaften ohne Bezug auf seine Interessen anzusprechen macht keinen allzu großen Sinn“, schrieb Rainer Meyer Anfang 2010 in „Marketing 2.0: Von der Push-Strategie zur Pull-Strategie„.

Diese Entwicklung hat viele Unternehmen, aber auch Kultureinrichtungen vor große Probleme gestellt, waren sie es doch gewöhnt, ihre Botschaften mit möglichst großer Streuung unter die Leute zu bringen. Rückmeldungen oder gar Dialoge waren da nicht vorgesehen. Im Social Web war das plötzlich ganz anders, hier zählten Interaktionen und Gespräche. Aber worüber unterhalten? Viele haben es bis heute nicht verstanden, dass es im Social Web keine Einbahnstraßen mehr gibt. Dementsprechend wurde weiter „verlautbart“, so wie man das schon immer gemacht hatte.

Aber es ging ja nicht nur darum, die eigenen Inhalte möglichst interessant in Gespräche zu verpacken, nein, die Interaktion wurde noch aus einem anderen Grund wichtig. Facebook führte den Edgerank ein und führte so ein Verfahren, das uns vor einem Zuviel an Informationen schützen sollte. Nur die wichtigsten Informationen sollten in unserem Newsfeed auftauchen, so die Grundidee von Facebook. Was aber ist wichtig? Postings, auf die wir reagieren, entweder durch teilen, kommentieren oder das Anklicken des Like it-Buttons. Interaktion wurde zur Voraussetzung, um von seinen FreundInnen und Fans wahrgenommen zu werden.

Eigentlich ist das keine schlechte Idee, dass diejenigen „belohnt“ werden, die viel kommunizieren. Schließlich war Facebook ja auch als Studentennetzwerk entstanden und da ging es eigentlich nur darum, miteinander ins Gespräch zu kommen. Aber Facebook ist nicht mehr das Netzwerk früherer Tage, sondern ein börsenotiertes Unternehmen, das vereinfacht gesagt den Unternehmen eine Unmenge an Daten zur Verfügung stellt und dafür Geld von ihnen bekommt. Diese Daten kommen von uns, was bedeutet: wir sind das Produkt.

Und um für seine (zahlenden) Kunden möglichst attraktiv zu sein, hat Facebook in den letzten Monaten an einigen Schrauben gedreht. So wurde zum Beispiel die neue Chronik eingeführt. Wer als Fan auf einer Unternehmensseite etwas postete, verschwand mit seinem Beitrag in einem kleinen kaum sichtbaren Kasten. Nicht ganz überraschend nahm die Interaktion zwischen den Unternehmen und ihren Fans ab, die Chronik ähnelte eher einer Plakatwand. Wem es wirklich um Kommunikation gehe, der solle, so schrieb Debra Askanase, eher auf die Facebookgruppen setzen (siehe dazu auch mein Blogpost „Warum ich Facebookgruppen mag„).

Vor wenigen Tagen hat Facebook nun wieder am Algorithmus seines Edgeranks gedreht. Das Ergebnis: Die Postings erreichen eine immer kleinere Zahl an Fans. Wem diese Zahl zu klein ist, der erkauft sich die Sichtbarkeit, denn Facebook hat dazu natürlich die entsprechenden Angebote geschnürt. Wie diese aussehen und was es nun kostet, hat Thomas Hutter in seinem Beitrag „Der Edge Rank und die fehlende Reichweite, sprechen wir Tacheles“ ausführlich beschrieben. Während es gute Inhalte seiner Ansicht nach schaffen werden, ihre Reichweite zu halten, hilft man bei den anderen nach, indem man dafür bezahlt.

Bezahlte Inhalte auf der Überholspur

Aus Sicht von Facebook ist dieser Schritt nachvollziehbar. Es handelt sich zwar um kein besonders innovatives Geschäftsmodell, aber nachdem das Netzwerk mittlerweile rund rund eine Milliarde Mitglieder hat und viele Unternehmen (und natürlich auch Kultureinrichtungen) danach gieren, diese Masse an Menschen zu erreichen, spült es vermutlich viel Geld in die Kassen. Nun rächt es sich, dass viele Unternehmen bei ihren Social Media-Aktivitäten ausschließlich auf Facebook gesetzt haben. Vorbei die Zeiten, wo man zweimal die Woche ein nettes Postings veröffentlicht und damit seine 5.000 Fans erreicht hat. Zwar weist Annette Schwindt in einem ihrer letzten Beiträge darauf hin, wie wichtig Interaktion für die eigene Präsenz auf Facebook ist. Aber machen wir uns nichts vor: gute Inhalte können jetzt von bezahlten Inhalten überholt werden. Sich alleine auf die Qualität der eigenen Postings zu verlassen ist fahrlässig, denn wie Christian Henne in seinem Blogpost „Facebook reloaded! Daily Soap und Push-Button.“ richtig schreibt, ist es ein Irrglaube, „hochwertigen Content mit hoher Interaktion gleichzusetzen“. Als Dirk Bach vor wenigen Tagen starb, wurde auf der Facebookseite des „Stern“ der Like-Button zum „Kondolenzknopf“ erklärt. Am Ende waren es fast 60.000 Fans, die diesem Aufruf gefolgt sind. Eine von „ExactTarget“ per Email durchgeführte Befragung deutscher KonsumentInnen bestätigt, dass es nicht unbedingt hochwertige Inhalte sind, die die UserInnen interagieren lassen.

Was können Sie angesichts dieser Entwicklung unternehmen? Wer bis jetzt ausschließlich auf Facebook gesetzt hat, sollte sich spätestens jetzt mit anderen Plattformen und Netzwerken beschäftigen, idealerweise starten Sie jetzt Ihr eigenes Blog, schließlich wollen Sie ja auch in den Suchmaschinen gefunden werden. Ist Ihr Blog die zentrale Anlaufstelle, werden Sie die Veränderungen auf Facebook viel weniger Nerven kosten. Mein Blog zum Beispiel ist durch die zahlreichen Beiträge so gut in den Suchmaschinen verankert, dass rund 90% der Zugriffe von dort kommen. Facebook könnte also theoretisch morgen zusperren, der Schaden wäre nicht sonderlich groß.

Wollen Sie weiter auf Facebook aktiv bleiben, wogegen nichts spricht, sollten Sie Ihre Vorgehensweise überdenken. Laden Sie Ihre Fans in eine oder mehrere Gruppen ein und suchen Sie dort das direkte Gespräch. Die Facebookseiten sind für mich nur noch Plakatwände, die ich als Kultureinrichtung durch intelligentes Storytelling mit interessanten Inhalten füllen kann. Hier werde ich gefunden, mache auf mich aufmerksam und hebe besonders wichtige Postings unter Umständen kostenpflichtig hervor.

Ich werde das in den nächsten Wochen ausprobieren und dann von meinen Erfahrungen berichten. Fakt ist aber, dass wir auf Facebook gerade die Rückkehr der Push-Kultur erleben. Nicht die Interaktion und das Interesse der UserInnen, sondern das Budget entscheidet über die Sichtbarkeit meiner Postings. Ich denke, dass das von Facebook ein Schritt in die falsche Richtung ist. Kurz- und mittelfristig werden sie damit ganz ordentlich Geld verdienen, aber es kann gleichzeitig auch der erste Schritt abwärts sein. Die nächsten Monate werden es zeigen.

Post

Treffpunkt KulturManagement: Social Media und der ROI: Passt das zusammen?

2 comments


© Daniel Gast ; Pixelio

Im Juni habe ich meinen ersten Beitrag über den Return on Investment (ROI) von Social Media geschrieben und dabei den Standpunkt vertreten, es gebe ihn und er diene dazu, den „Erfolg“ der Social Media-Aktivitäten einzuschätzen bzw. zu bewerten. Stefan Parnreiter-Mathys ist da anderer Ansicht und formulierte seine Bedenken in einem eigenen Blogpost. Zwar sei der Ansatz, den Erfolg von Social Media (monetär) zu bewerten absolut richtig und wichtig, allerdings glaubt er, sei der ROI nicht die passende Kennzahl.

Ich muss ihm mittlerweile Recht geben. Der ROI ist nicht die richtige Kennzahl, um Social Media-Aktivitäten zu bewerten. Allerdings ist er meiner Meinung nach nur dann sinnlos, wenn man sich nur auf die Social Media-Aktivitäten beschränkt. Sehr wohl gibt es aber zum Beispiel im Hinblick auf die Marketingaktivitäten einer Kultureinrichtung so etwas wie einen ROI. Das heißt, der ROI wird dann interessant, wenn ich die Social Media-Aktivitäten in meine Marketingstrategie einbinde. Olivier Blanchard unterscheidet in seinem Buch „Social Media ROI“ (Affiliate Link) zwischen „immateriellen und materiellen Auswirkungen“. Aktivitäten im Social Web haben in der Regel immaterielle Auswirkungen, d.h. für sich alleine betrachtet, lässt sich der ROI nicht bestimmen. Kann ich ihn aber trotzdem nützen und als Argument gegenüber der Chefetage verwenden? Mit dieser Frage werden wir uns im nächsten Treffpunkt KulturManagement beschäftigen, der am 24. Oktober 2012 von 9 bis 10 Uhr stattfindet und von Stefan Parnreiter-Mathys und Christian Henner-Fehr bestritten wird. Wie immer laden wir alle InteressentInnen sehr herzlich ein und freuen uns auf eine hoffentlich spannende und ergiebige Diskussion.

Noch kurz zu Stefan Parnreiter-Mathys: Er ist Kulturarbeiter und Managementgeneralist, sein Schwerpunkt ist das strategische Management in NPOs; Zu diesem Thema hat er auch publiziert und blickt auf 10 Jahre operatives Kulturmanagment in der österreichischen Musikwirtschaft zurück.

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.euKulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 8. August, einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles am 24.10.12 dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort registrieren.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 24.10.2012 von 09:00 bis 10:00
Thema: Social Media und der ROI: Passt das zusammen?
Gast: Stefan Parnreiter-Mathys & Christian Henner-Fehr

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement

Post

Österreichischer Museumstag: Die Angst vor dem Social Web

12 comments


© Gerd Altmann ; Pixelio

Während es in den USA schon um die Frage geht, auf welche Weise die Museen mobile Technologien für die Kommunikation mit ihren BesucherInnen einsetzen und welche Perspektiven sich daraus ergeben, sind wir hier im deutschsprachigen Raum noch nicht ganz so weit. Am zweiten Tag des 23. Österreichischen Museumstags im niederösterreichischen St. Pölten stand vielmehr die Frage im Vordergrund, ob der Social Media-Einsatz für ein Museum sinnvoll ist oder nicht? So stand die Podiumsdiskussion, zu der ich am zweiten Tag der Veranstaltung eingeladen war, nicht ganz überraschend unter der Überschrift „Pro und Contra Web 2.0“. In ihrem Impulsreferat kritisierte Melanie Mühl, Feuilleton-Redakteurin der FAZ, dass wir als BesucherInnen in den Museen immer häufiger unseren „Denk- und Phantasieapparat“ an der Garderobe abgeben müssten und das Museum kein Ort des Staunens mehr sei. Sie selbst, so klang es durch, bevorzugt wohl den simplen Schaukasten, auch wenn sie Multimedia nicht ganz verteufeln wollte.

Nicht nur sie, sondern auch andere Stimmen wiesen immer wieder darauf hin, dass es die Aura der Objekte sei, die die BesucherInnen in Erstaunen versetze und das Museum zu einem ganz speziellen Ort mache. Spätestens an diesem Punkt hatte ich ein kleines Problem, denn es gibt ja niemanden, der ernsthaft behauptet, die digitale Welt könne (und wolle) ein Museum ersetzen. Das Internet als Erweiterung des Museums wollen (oder können) sich viele noch nicht vorstellen. Dabei zeigt die 2010 vom „National Endowment for the Arts“ veröffentlichte Studie „Audience 2.0: How Technology Influences Arts Participation„, dass Menschen, die Kunst mit Hilfe diverser Medien konsumieren, öfter reale Angebote nutzen als die Gruppe derer, die die medialen Kunstangebote nicht in Anspruch nehmen (siehe dazu mein Blogpost: “Audience 2.0″: ersetzt der mediale Kunstgenuss das reale Kunsterlebnis?).

Immer wieder wurde auf den Unterschied zwischen der realen und der virtuellen Welt hingewiesen, wobei meist die Einschätzung mitschwang, die reale Welt verkörpere das Gute, die virtuelle das Böse. Dabei wurde aber außer Acht gelassen, dass sich immer mehr Menschen online informieren und auf diesem Weg von den Aktivitäten eines Museums erfahren. Ich habe den Eindruck, dass viele Museen die Konkurrenzsituation, in der sie sich untereinander befinden, nicht erkennen wollen. Natürlich steht es jedem Kulturbetrieb frei, auf Social Media zu verzichten. Aber alle Kultureinrichtungen kämpfen um die Aufmerksamkeit derer, die für einen Besuch in Frage kommen und nur über begrenzte Zeitressourcen verfügen. Konkret heißt das: wenn ich heute zwei Stunden in Museum A gehe, bedeutet das gleichzeitig, dass ich Museum B nicht besuche. Die Konsequenzen kann sich jeder selbst ausmalen.

Den „Kleinen“ fehlt es an Ressourcen für Social Media

Und noch eine Fehleinschätzung tauchte im Verlaufe der Diskussion auf, nämlich die Behauptung, Social Media seien nur etwas für die großen Häuser. Natürlich verfügen die in der Regel über mehr Ressourcen, allerdings müssen die häufig dafür verwendet werden, der Bürokratie Genüge zu leisten. Wer alleine oder zu zweit ein Museum betreibt, kennt das Problem, ob ein Posting auf Facebook über die Museumsseite oder das persönliche Profil erscheint, nicht. Er muss sich auch nicht jeden Tweet von drei Leuten genehmigen lassen und mit dem Rest der Mannschaft in stundenlangen Meetings über eine eventuelle Strategie debattieren. Wer alleine agiert, ist vermutlich viel eher dazu bereit sich auf Experimente einzulassen, wie jemand, der dann den Zorn seiner Vorgesetzten zu spüren bekommt. Und auch der Zeitfaktor spielt den großen Häusern nicht unbedingt in die Hände, denn hier geht viel Zeit für die interne Kommunikation drauf, Zeit, die ein kleines Haus sehr viel produktiver nutzen kann. Wir könnten daher jetzt über die Frage streiten, ob die kleinen Museen in Sachen Social Media nicht sogar einen Vorteil haben, aber vielleicht einigen wir uns darauf, dass hier zumindest Chancengleichheit herrscht. Und das lässt sich von den meisten anderen Bereichen nicht unbedingt sagen. ;-)

Am Nachmittag standen dann noch Workshops rund um das Thema Social Media auf dem Programm. Da jeder seinen Workshop zweimal hielt, gab es leider keine Möglichkeit, bei den anderen reinzuschauen. Dabei hätte mich die Verbindung Web 2.0 und Neuromarketing sehr interessiert und auch Karin Schmollgruber hätte ich gerne einmal live erlebt, schließlich war ihr Blog eines der ersten in meinem Feedreader.

Unter der Überschrift „Die Social Media-Falle“ ging es mir darum, Social Media aus einer strategischen Perspektive zu betrachten, da das ständige Veröffentlichen von Veranstaltungsankündigungen wenig zielführend ist und die UserInnen bzw. Fans schnell langweilt. Im Social Web lassen sich ganz unterschiedliche Ziele verfolgen, es muss nicht immer darum gehen, neue InteressentInnen zu finden, sondern auch der Kontakt zu schon bestehenden Fans – Stichwort Community – kann sehr sinnvoll sein. Wichtig ist es aber in meinen Augen, all diese Aktivitäten dem Unternehmensziel unterzuordnen und in die – hoffentlich vorhandenen – Strategien einzubauen. Social Media als reiner Selbstzweck und isoliert von den restlichen Aktivitäten bringt nicht viel und kostet nicht nur Zeit, Geld und Nerven, sondern nimmt einem das, was auch ganz wichtig ist für den Erfolg: Der Spaß, im Social Web mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und das Gespräch mit ihnen zu suchen. Das ist vermutlich auch das beste Rezept gegen die Angst davor.

Hier sind noch meine Folien:

Post

CrowdfunderIn: Ein neuer Job?

3 comments


© Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / Pixelio

Wer in den Bereichen Kunst und Kultur tätig ist oder das beabsichtigt,  weiß, dass es gar nicht so einfach ist, einen Arbeitsplatz zu finden. In Zeiten leerer Kassen werden viele Stellen gestrichen, was vor allem für BerufseinsteigerInnen die Sache nicht einfach macht. Mit der steigenden Bedeutung von Social Media könnten sich aber neue Chancen für sie ergeben, denn in der digitalen Welt sind sie heimischer als die meisten lang gedienten MitarbeiterInnen in den Kultureinrichtungen.

Aber wie sieht das konkret aus? Entstehen hier ganz neue Jobs und lohnt es sich, sich mit Themen zu beschäftigen, die in den Universitäten teilweise noch gar nicht in den Lehrplänen zu finden sind? Ich habe Nina Riedel interviewt, die in Frankfurt (Oder) Kulturwissenschaften studiert und ihre Abschlussarbeit über die Erfolgsfaktoren von Crowdfundingkampagnen im Kunst- und Kulturbereich geschrieben hat. Den Einstieg in das Berufsleben hat sie nun in Form eines Praktikums bei einer Filmproduktionsfirma gefunden, in der sie im Bereich Social Media tätig ist und darüber hinaus die Crowdfundingkamapagnen betreut.

Frage: Du hast in Frankfurt/oder Kulturwissenschaften studiert und deine Abschlussarbeit über Crowdfunding geschrieben. Ist das ein Hinweis dafür, dass so Themen wie Social Media oder Crowdfunding mittlerweile an den Universitäten angekommen sind? Oder warst Du eher die Ausnahme?

Nina Riedel: Im Bereich Kulturmanagement stellt sich immer wieder die Frage nach neuen, innovativen Möglichkeiten. Social Media ist in diesem Bereich gerade eines der wichtigsten Forschungsthemen, vor allem weil es omnipräsent ist und einen direkten Draht zu den Fans, Unterstützern, Konsumenten und Beteiligten herstellt. Die sich dort bildende Community hat viel Potential, nicht nur in kreativer Hinsicht, sondern auch in finanzieller – für Kulturmanager eine unerschöpfliche Quelle.  Das Thema Social Media wird an den Hochschulen mittlerweile gründlich analysiert und kritisch erforscht. Crowdfunding jedoch kommt an den Hochschulen gerade erst an. In der letzten Zeit mehren sich aber die Abschlussarbeiten und Seminare zu Crowdfunding-Themen. Eine richtige Ausnahme war ich also nicht mehr, aber eine der ersten an meiner Universität.

Frage:  Du bist jetzt für Social Media und Crowdfunding verantwortlich. War das Dein Berufswunsch oder hat sich das ergeben?

Nina Riedel: Sowohl als auch. Durch diverse Projekte die ich bereits gemacht habe, spielt das Thema Kulturfinanzierung eine große Rolle in meinem Alltag und Crowdfunding ist nicht nur eines der Instrumente zur Finanzierung, sondern macht auch noch Spaß. Insofern war das schon mein Berufswunsch. Die Social Media Aktivitäten haben sich allerdings durch das Crowdfunding erheblich ausgeweitet und haben sich wohl eher ergeben.

Frage: Du bist in den letzten Monaten sehr aktiv im Social Web gewesen und hast dadurch vermutlich nicht nur Sichtbarkeit gewonnen, sondern Dir auch ein gutes Netzwerk aufgebaut. Hat Dir das bei der Jobsuche geholfen?

Nina Riedel: Erstaunlicherweise hat mir die Sichtbarkeit und vor allem die teilweise publizierte Abschlussarbeit  im Netz mehr geholfen als etwaige Kontakte. Es war schon spannend zu sehen, wie sehr die theoretische Expertise im Crowdfunding mir Türen geöffnet hat und letztendlich dazu führte, dass ich jetzt mehrere Kampagnen betreue und bei weiteren Projekten mitkonzipiere.

Frage: Bleibt dieser Job hier eine einmalige Tätigkeit oder wirst Du in Kürze eine begehrte Crowdfundingexpertin sein, um die sich Firmen aus dem Kreativ- und Kulturbereich  reißen werden? Mit anderen Worten: Haben wir es hier mit einem neuen Job zu tun?

Nina Riedel:  Definitiv. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die beiden aktuellen Kampagnen nicht die einzigen bleiben werden.  Gerade für Musik und Film stellt Crowdfunding eine vielversprechende Möglichkeit der Finanzierung dar, die allerdings zeitaufwendig ist und viel Engagement benötigt. Zeit, die ein Künstler oder Kreativschaffender vielleicht nicht hat oder die ich mit meinen Kenntnissen der Tools und Plattformen vielleicht verkürzen kann. Vor allem Beratungen sind ein gutes Mittel, um vielen Projektstartern zu helfen. Komplett betreuen kann man aber sicherlich nur einige wenige Kampagnen gleichzeitig, da eine intensive Auseinandersetzung und Identifizierung mit dem Thema notwendig ist, damit man mir glaubt was ich poste/schreibe/sage.

Frage: Ihr schließt jetzt gleich die erste Kampagne ab, vermutlich erfolgreich, und habt gerade die zweite begonnen. Worum geht es in dem Film und wie habt Ihr die Kampagne konzipiert?

Nina Riedel:  In unserem Dokumentarfilm „The First Sea“ geht es um palästinensische Kinder aus dem Westbank Gebiet, die von israelischen Friedensaktivistinnen eingeladen werden, um in Israel das erste Mal in ihrem Leben das Meer zu sehen.  Obwohl Israel und Palästina von drei Meeren umgeben sind, ist es den Kindern im Westbank Gebiet in der Regel nicht möglich zu einem dieser Meere zu fahren. Sie können von ihrer Veranda aus das Meer sehen, aber einfach hinfahren können sie nicht. Das Leben der Kinder dort wird von Krieg und Konflikten beherrscht, die sie noch gar nicht verstehen können. Es geht um Frieden, Grenzen und die Magie der ersten Male.

Wir sind drei Outreach Koordinatorinnen, die in Absprache mit der Produzentin Sarita Sharma und der Regisseurin Clara Trischler, die Kampagne konzipieren und durchführen. Dadurch, dass wir die Postproduktion finanzieren wollen, haben wir bereits Bildmaterial, welches wir verwenden können. Dies macht es uns recht einfach die Inhalte unseres Filmes zu transportieren. Bei diversen Meetings haben wir die gesamte Kampagne konzipiert. Unter anderem haben wir die meisten Texte vorbereitet, die Gegenleistungen durchdacht und Kommunikationsstrategien entwickelt.  Wir arbeiten auf Konzeptebene eng zusammen, weil wir so das breiteste Spektrum an Meinungen und Ideen bekommen und schließlich soll „The First Sea“  möglichst viele Menschen begeistern und erreichen.

Frage: Du hast ja Deine Abschlussarbeit über die Erfolgsfaktoren von Crowdfunding geschrieben.  Im ersten Projekt hat das ganz gut geklappt, auf welche Erfolgsfaktoren setzt Du jetzt beim zweiten Projekt?

Nina Riedel: Da unsere Kampagne auf IndieGogo läuft, versuchen wir auch ein internationales Publikum anzusprechen.  Wir kommunizieren viel mit unseren Unterstützern und haben bereits ein ganz gutes Netzwerk. Vor allem durch spannende Hintergrundinfos, eine später online stehende, exklusive Gegenleistung  und viel Engagement wollen wir überzeugen. Unsere Kampagne findet man auf Facebook, Twitter und natürlich auf Indiegogo. Wir freuen uns über jede Unterstützung.

Frage: Und wie geht es weiter? Welche Projekte habt Ihr in der Pipeline?

Nina Riedel: Wir arbeiten hier bei Kinomaton Berlin zurzeit an vielen spannenden Projekten. In Zukunft werden auch einige Filme produziert, die transmedial erreicht werden. Zum Beispiel Baltic Warriors, ein Dokumentarfilm über Aktivistengruppen aus 6 Ländern die sich für die ökologische Situation der Ostsee einsetzen.  Weitere Filme laufen jetzt auf den Filmfestivals an oder sind in der Planungsphase.

Frage: Und zum Schluss: Würdest Du anderen empfehlen, sich wie Du auf so Themen wie Social Media, Crowdfunding oder Transmedia Storytelling zu konzentrieren?

Nina Riedel: Nicht jedes Projekt ist ein Crowdfunding-Projekt und auch nicht jedes Projekt kann den entscheidenden Erfolg in den Social Media Netzwerken generieren. Aber es lohnt sich definitiv die Möglichkeiten zu kennen und abschätzen zu können ob zum Beispiel Crowdfunding in Frage kommt. Ich finde gerade Kulturinstitutionen sollten sich diese Themen aneignen und ihre Arbeit innovativ und am Zeitgeist ausgerichtet konzipieren. Vor allem bei jungen Projekten oder jungen Zielgruppen kann transmedia Storytelling gut funktionieren und spannende Projekte hervorrufen. Und wer keine Zeit hat sich auf diese Themen zu konzentrieren, der kann mich gern kontaktieren. Ich helfe gern.

Danke für Deine Antworten!

Post

Social Media: Monitoring ist mehr als eine Zahl

11 comments


© Stephanie Hofschlaeger ; Pixelio

Als vor einigen Jahren das Thema Social Media aufkam, ging es vor allem darum, die verschiedenen Tools und Plattformen auszuprobieren und kennen zu lernen. Viele Kultureinrichtungen ergriffen die Chance und legten die entsprechenden Profile an. Da waren sie nun und wussten nicht so recht, was sie dort eigentlich machen sollten. Also begannen sie, auf ihre Veranstaltungen aufmerksam zu machen. So wie auf den anderen Kanälen auch.

Genau das machen sie heute auch noch und stellen die nicht ganz unberechtigte Frage, was ihnen diese Aktivitäten bringen? Möchte überhaupt jemand lesen, was da Tag für Tag gepostet wird oder ist das vergeudete Zeit? Zeit, die ja Geld kostet.

Mit aus diesem Grund wird das Thema Monitoring immer wichtiger, denn natürlich wollen wir wissen, ob das, was wir da im Social Web tun, uns in unserer täglichen Arbeit weiterhilft? Am einfachsten wäre eine Kennzahl, an Hand der wir Erfolg bzw. Misserfolg ablesen können. Genau aus diesem Grund sind in den letzten Monaten und Jahren unzählige Monitoring-Tools auf den Markt gekommen. Viele gibt es kostenlos, z.B. Klout, andere hingegen kosten wie Radian6 richtig viel Geld.

Welches Tool für uns das richtige ist, lässt sich nicht so einfach sagen, denn ein Tool, das etwas zählt, ist zwar eine schöne Sache, die Frage ist doch aber, ob wir mit dem Ergebnis etwas anfangen können?

Das hängt davon ab, was wir eigentlich beobachten wollen? Natürlich können wir uns auf die Zahl der Leser, Fans oder Follower konzentrieren. Aber das macht nur Sinn, wenn diese Zahl in Verbindung zu bringen ist mit den Zielen, die wir als Kultureinrichtung verfolgen. Monitoring sollte sich also nicht darauf beschränken, irgendeine Kennziffer zu verfolgen, sondern sie muss, so das ganze Sinn machen soll, in einen Prozess eingebunden werden, der etwa so aussieht:

Spätestens jetzt sollte uns klar werden, dass Social Media in die Abläufe und Aktivitäten der Kultureinrichtung eingebunden werden muss. Wir müssen die Frage beantworten, in welcher Form wir Social Media zur Erreichung unserer Ziele nutzen können. Ohne diesen Zusammenhang wissen wir gar nicht, was wir beobachten sollen und können daher auch nicht sagen, was wir nun sinnvollerweise messen.

An diesem Punkt merken Sie vielleicht, wie unsinnig Klout sein kann, denn nur wenn Sie die 400 Algorithmen, die dort zum Einsatz kommen, in Verbindung mit Ihren Zielen bringen, profitieren Sie davon. Ansonsten ist es halt ein netter Vergleich mit anderen Social Media-NutzerInnen, mehr aber auch nicht.

Angenommen, Sie wissen, was Sie beobachten und haben auch eine dazu passende Messgröße gefunden, dann ist es damit noch nicht getan. Im nächsten Schritt gilt es, die Ergebnisse zu analysieren und sowohl die Zahlen als auch das Analyseergebnis so aufzubereiten, dass auch andere damit etwas anfangen können. Zum Beispiel die Chefetage. Dorthin zu berichten, dass sich die Zahl der Fans auf Facebook innerhalb der letzten 12 Monate verdoppelt habe, macht zwar durchaus Sinn, aber Fans oder Follower als Selbstzweck, das wird der Kultureinrichtung langfristig gesehen nicht viel bringen. Vor allem entwerten Sie, so Sie für die Social Media-Aktivitäten zuständig sind, Ihre eigene Arbeit, denn ganz ehrlich: warum sollte Sie jemand dafür bezahlen, wo man sich die Fans doch für ein paar Dollar im Tausenderpack kaufen kann.

Wenn Sie nun entrüstet den Kopf schütteln und darauf hinweisen wollen, dass Sie sehr viel mehr tun als Fans zu sammeln, dann müssen Sie das in Ihrem Bericht einfach nur unterbringen und das gelingt am einfachsten, wenn Sie Ihre Arbeit als einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Unternehmensziele darstellen. Nur dann versteht jemand, der von Social Media keine Ahnung hat, dass Sie da eine wichtige Aufgabe übernommen haben und kann auf dieser Grundlage vielleicht sogar Ihr Budget erhöhen. Der Hinweis, man habe die Zahl der Fans im letzten Jahr um 1.000 steigern können, reicht da nicht wirklich, es sei denn, es gibt da irgendeine Verbindung zu z.B. den Marketingzielen.

Versuchen Sie doch mal, ausgehend von den Zielen der Kultureinrichtung, die Social Media-Aktivitäten in die vorhandenen Marketing-, PR- und Vertriebsstrategien einzubauen. Wenn Ihnen das gelingt, dann werden Sie sehr schnell merken, dass Sie für Ihr Monitoring gar nicht so sehr auf Tools angewiesen sind. Natürlich ist es wichtig zu wissen, wer wie oft und wie lange auf Ihren Seiten unterwegs ist. Aber das muss dann auch Konsequenzen haben, sonst können Sie sich das sparen. Das Problem bei diesem Ansatz: viele Kultureinrichtungen haben zwar vielleicht ein Ziel. Aber Strategien, wie dieses Ziel erreicht werden kann und welche Rolle dabei die verschiedenen Unternehmensbereiche spielen, gibt es nicht. Wenn Social Media in diesem Fall nichts bringt, dann kann das Web2.0 da nichts dafür.

Post

Crowdfunding-Wettbewerb: es geht um 500 Euro

5 comments

Auf Startnext läuft derzeit ein Wettbewerb, bei dem zwei Crowdfundingkampagnen gegeneinander antreten und versuchen, das Preisgeld von 500 Euro für sich zu gewinnen. Eine Woche haben sie Zeit, in der sie möglichst viele UnterstützerInnen gewinnen müssen. Unterstützen heißt in dem Fall finanzielle Unterstützung. Aber es geht nicht um die Summe, sondern um die Anzahl der UnterstützerInnen. Mir gefällt dieser Ansatz, denn auf diese Weise spielt auch ein Beitrag von einem Euro eine wichtige Rolle.

Die beiden Projekte werden jeweils von einer Person aus dem Advisory Board ausgewählt, diese Woche bin ich dran. Die Auswahl ist mir gar nicht so leicht gefallen. „Sie nannten ihn Spencer“ soll ein Kinodokumentarfilm über und mit Bud Spencer werden und ist als Film von und mit Fans für Fans gedacht.

Begründet habe ich die Auswahl auf Startnext so: „Sie nannten ihn Spencer: Ein Film von Fans für Fans, das garantiert nicht nur das richtige Maß an Heldenverehrung, sondern macht wahrscheinlich auch beiden Seiten viel Spaß. Ich war früher immer vor dem TV-Gerät zu finden, wenn ein Bud Spencer-Film im Fernsehen lief. Dieses Projekt habe ich ausgesucht, weil es mich an früher erinnert, weil es tolle Gegenleistungen für die Unterstützer gibt und weil es ein österreichisches Projekt ist. ;-)“

Hier ist das Video:

Beim zweiten Projekt handelt es sich um ein Klassenmusical. „Traumatical“ wird von 26 Schülerinnen und Schülern einer Musikklasse der Sophie-Scholl-Gesamtschule in Berlin Schöneberg entwickelt und produziert. Ich habe viel Respekt vor dieser Leistung, denn ein Musical zu produzieren ist schon nicht ohne. Wenn dann aber noch Musik und Texte produziert werden müssen, dann ist das eine ziemlich große Herausforderung. Und der scheinen alle gewachsen zu sein, wie das Video zeigt:

Beide Projekte sind schöne Beispiele, welchen Mehrwert Crowdfunding bieten kann. „Keiner von uns hat je vorher Crowdfunding gemacht – kein Teenager, kein Elternteil, auch ich nicht“, hat Gabriele Sindler, die Initiatorin von „Traumatical“ geschrieben. Und hier sehe ich neben allen Möglichkeiten für die Profis auch eine Perspektive, die wir nicht vergessen sollten. Crowdfunding ist auch eine Chance für diejenigen, die sonst kein Geld bekommen würden und deshalb ihr Projekt nie realisieren können.

Wenn Ihnen die beiden Projekte (oder auch nur eines von beiden) und auch die Gegenleistungen gefallen, dann könnten Sie doch jetzt aktiv werden und einen Beitrag dazu leisten. ;-)