Monthly Archives of: März 2013

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„Aus Online PR wird Content Marketing“ (?)

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© Gerd Altmann ; Pixelio

Wenn es um die Aktivitäten von Kultureinrichtungen im (Social) Web geht, habe ich es meist mit den Marketingabteilungen zu tun, nur sehr selten sind die PR-ExpertInnen dabei. Ich kann natürlich nicht hinter die Kulissen blicken, aber hin und wieder habe ich den Eindruck, dass die PR häufig nur dazu dient, die klassischen Medien mit Inhalten zu versorgen. Zwischen Marketing und PR werden also ganz klare Grenzen gezogen, so wie das diese Illustration so nett abbildet.

Nun hat sich aber in den letzten Jahren einiges getan und es stellt sich die Frage, welche Konsequenzen das für die PR hat? Inwieweit die digitalen Medien die PR beinflussen und ob sich das auf die PR auswirkt? Thomas Pleil hat vor fast drei Jahren ein Modell vorgelegt, das den Weg von der digitalisierten zur Cluetrain-PR beschreibt und deutlich macht, vor welchen Herausforderungen dieser Bereich steht. Pleil spricht vom Social Web als einem Handlungsraum, in dem die Stakeholder „nicht Rezipienten, sondern Kommunikationspartner sind“.

Während die Kultureinrichtungen weiter Pressetexte produzieren, um in den klassischen Medien präsent zu sein, sieht es es im Bereich der Online PR anders aus. Auf der ersten der drei Stufen des von Pleil entwickelten Modells befinden sich wohl die meisten Kultureinrichtungen. Doch halt! Wenn ich mir die Ergebnisse der Online PR-Studie von PR-Gateway anschaue, dann bin ich mir da nicht so sicher. 63% der Online-Pressemeldungen entsprechen eher der Form eines Fachartikels, heißt es darin (Folie 5). Die wenigsten im Kulturbereich verfassten Pressetexte können als Fachartikel bezeichnet werden, meist handelt es sich um Ankündigungen, bei denen Datum, Uhrzeit und Ort im Vordergrund stehen. Suchmaschinenoptimiert sind sie vermutlich auch nur selten, d.h. der gezielte Einsatz von Keywords und Ankertexten (Folie 8) ist eher die Ausnahme.

An den Erfordernissen der Suchmaschinen sollten sie aber ausgerichtet sein, denn Rob Petersen hält in seinem Blogpost „12 myths vs. reality about Search Engine Optimization (SEO)“ fest:

  • Für 80% der Besucher einer Website ist der Ausgangspunkt die Eingabe von Keywords im Eingabefeld eines Suchmaschinenanbieters (bei uns ist das in der Regel Google).
  • 42% derer, die dort suchen, klicken dann die Website an, die im Ranking der Suchmaschine an erster Stelle steht.
  • 90% klicken eine der Websites an, die im Suchmaschinenranking auf der ersten Seite zu finden sind.

Früher waren es die Links, die einem einen Spitzenplatz garantiert haben. Mit Panda und Penguin hat Google aber seine Suchalgorithmen verändert. Links haben so an Wert verloren und gute Inhalte an Wert gewonnen. Wer heute Pressetexte in Form eines Fachartikels veröffentlicht, profitiert von diesen Änderungen (siehe dazu auch die Aufzeichnung des letzten Treffpunkt KulturManagement „SEO für Kulturbetriebe“).

Martin Bredl hat in seinem Blogpost „Über die Zukunft der Online PR“ (einer von vielen lesenswerten Beiträgen zu der von Ed Wohlfahrt initiierten Blogparade über die Zukunft der Online PR) recht schön beschrieben, worum es jetzt geht:

„Bisher war es die Aufgabe von PR, mit den Mitteln der Transparenz (Medienarbeit und Online PR) Vertrauen und Reputation aufzubauen. Heute finden wir uns – ob wir es wollen oder nicht – in einer neuen Rolle wieder: Wir sind Herausgeber geworden,“

schreibt er und konstatiert, dass es nun auf gute Inhalte ankomme, denn „ohne Inhalte, die die Probleme unserer User lösen, verfehlen wir die Aufgabe der Online PR total“. Daraus zieht Bredl den Schluss, dass aus der Online PR Content Marketing werde.

Aber ist das wirklich so? Um die Online PR ist es ruhig geworden, obwohl Inhalte noch nie so wichtig waren wie heute. Liegt das nun daran, dass alle Online PR-ExpertInnen auf Content Marketing umgesattelt haben oder drängt das Thema Content Marketing die PR so in den Hintergrund? Stimmt die Schlussfolgerung Martin Bredls, dann ist aus der Online PR Content Marketing geworden. Für Larry Kim gibt es einen Unterschied. In seinem Artikel „Content Marketing vs. PR: What’s the Difference?“ macht er ihn an zwei Punkten fest.

Erstens basieren sie auf ganz unterschiedlichen Ansätzen (Der von ihm verwendete Begriff der Taktik gefällt mir nicht so, aber das nur als Randbemerkung). Kim sieht die Wurzeln des Content Marketing eher im Bereich der Suchmaschinenoptimierung und weniger in der PR.

„Content marketing is about creating awesomeness that people will want to read and share, leading naturally to traffic, links, social signals and media mentions. It’s a legitimate, white-hat link building tactic,“

schreibt er. Seiner Überzeugung nach wählt die PR einen direkteren Weg als das Content Marketing, obwohl beide das gleiche Ziel verfolgen.

Aber noch ein zweiter Aspekt zeigt ihm, dass wir es mit zwei unterschiedlichen Herangehensweisen zu tun haben. Beide Bereiche haben unterschiedliche Erfolgskriterien schreibt Kim und behauptet, dass etwa Erwähnungen in den klassischen Medien weniger wertvoll seien als Leistungsindikatoren, weil sie näher am eigentlichen Ziel, dem Verkauf von etwas dran sind. Für mich ist diese Behauptung nicht ganz nachvollziehbar, vor allem für den Kunst- und Kulturbereich würde ich widersprechen. Ist es nicht oft so, dass die Erwähnung in den klassischen Medien ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor ist, wenn es um Aufmerksamkeit und verkaufte Tickets geht? Ich glaube zu verstehen, was Kim meint und halte es für durchaus möglich, dass das in anderen Branchen so ist. Aber für den Kunst- und Kulturbereich ist das eine nicht haltbare Behauptung.

Vielleicht ist Sebastian Salvador Schwerk auf einem besseren Weg? In seinem Beitrag zur erwähnten Blogparade sieht er das Content Marketing nur als ein Teil der Online PR. Seine Formel lautet: „Content Marketing + Community Management + Campaigning.“ Mir gefällt dieser Ansatz, denn in ihm ist die Kommunikation, auf deren Bedeutung Thomas Pleil mit seinem Begriff der Cluetrain PR („Märkte sind Gespräche“) indirekt verweist, enthalten.

Für den Kunst- und Kulturbereich bietet sich diese Formel an, schließlich bedarf es bei jeder neuen Inszenierung, jedem Konzert beziehungsweise jeder neuen Ausstellung einer neuen Kampagne, in der die Gespräche mit dem Publikum, aber auch der Community von entscheidender Bedeutung sind. Wertvolle Inhalte, Gespräche und Kampagnen, das ist eine Mischung, die der Kunst- und Kulturbereich gut gebrauchen kann. Die Frage ist nur: Ist das die Aufgabe der Online PR? Theoretisch ja, aber wie sieht das in der Praxis aus?

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Content Marketing: Welche Ziele verfolgen wir damit?

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© S. Hofschlaeger ; Pixelio

In den letzten Jahren und Monaten konnten Kultureinrichtungen noch Aufmerksamkeit erregen, wenn sie im Social Web aktiv wurden. Je höher die Reputation, desto größer die Aufmerksamkeit. Wenn nun aber demnächst alle dort zu finden sind, wird das so nicht mehr funktionieren. Interesse wecken wird die erste Theateraufführung auf Facebook, der erste gezielte Pinterest-Einsatz eines Museums oder eine ähnlich spektakuläre Aktion wie #operaplot. Es besteht die Gefahr, dass das in blindem Aktionismus endet, der dann eher abschreckt als Begeisterung hervorzurufen.

Wenn nun aber alle im Social Web sind und ich setze voraus, dort auch bleiben wollen, stehen wir vor der Frage, wie wir uns verhalten sollen? Aber das ist nicht die einzige Frage, viele andere folgen: Was ist mein Alleinstellungsmerkmal? Was muss ich jetzt tun, um nicht auf Facebook, Twitter & Co. unterzugehen beziehungsweise nicht wahrgenommen zu werden? Was hat das für Auswirkungen auf meine Marketingaktivitäten? „The Problem With Trying to Get Attention“ hat Gerry McGovern sein Blogpost überschrieben und die veränderten Rahmenbedingungen in einem Satz auf den Punkt gebracht: „Traditional marketing is about getting attention while web marketing is about giving it.“

Nur auf die eigenen Angebote hinzuweisen, ist eindeutig zu wenig, wir selbst wollen ja auch nicht den ganzen Tag mit solchen Hinweisen überhäuft werden. Das Internet und mittlerweile auch die Buchregale sind voll mit guten Ratschlägen, ich selbst bringe immer wieder das Thema Storytelling ins Spiel und beschäftige mich seit einiger Zeit mit Content Strategien. Dabei fällt mir auf, dass in vielen Beiträgen so eine Art Lagerfeuerromantik auftaucht, die in meinen Augen da aber nicht viel verloren hat und der Sache eher schadet als nützt. Ich muss gestehen, ich bin diesem Klischee auch schon aufgesessen, aber Storytelling ist schon mehr als der diffuse Wunsch, eine nette Geschichte zu erzählen, um dann, ja was eigentlich zu erreichen?

Tommy Walker hat dazu einen recht hilfreichen Beitrag geschrieben, in dem er die „Top 10 Content Marketing Strategy Mistakes“ aufzählt und darüber hinaus erklärt, wie wir sie vermeiden können. Darin weist er darauf hin, dass wir meist den Fehler begehen und für unsere Inhalte keinen konkreten Ziele vorgeben. Auch im Kunst- und Kulturbereich dienen die Geschichten oder allgemeiner formuliert, die Inhalte dazu, etwas zu verkaufen. Aber wenn alle Inhalte immer nur die Botschaft beinhalten „kauf mich!“, dann wird die Wirkung erstens vermutlich schnell verpuffen und zweitens nutze ich so den Multiplikatoreffekt nicht, schließlich geht es nicht nur um (potenzielle) Kunden, sondern etwa auch um Influencer und Brand Advocates.

In seinem Artikel nennt Walker vier Hauptkategorien, in die er die Ziele einteilt:

  • Virale Inhalte sollen sich organisch verbreiten. Walker behauptet, dass solche Inhalte einerseits nicht besonders in die Tiefe gehen und andererseits nur eine begrenzte Lebensdauer aufweisen.
  • Inhalte können aber auch das Ziel verfolgen, Diskussionen vom Zaun zu brechen. Zwar ist es auch hier nicht immer nötig, inhaltlich in die Tiefe zu gehen, aber diese Form von Inhalt hat eine wesentlich längere Lebensdauer, was aber auch klar ist, wenn eine Diskussion entstehen soll.
  • Eine dritte Möglichkeit besteht darin, mit den Inhalten Leads zu generieren. „The ideal lead conversion outline takes the viewer on a journey, at the end of which he realizes what can be summed up in three words: „I need help“, bringt es Walker auf den Punkt.
  • Aber natürlich darf auch der Verkauf ein Ziel sein. In diesem Fall verlangt der User nicht nach Hilfe, sondern nach dem Produkt.

In jedem Fall erwarten wir eine andere Handlung von den Usern und benötigen dafür natürlich auch die passenden Inhalte. Die Handlungsaufforderungen sehen dann so aus:

  • „Viral = Share with a friend.
  • Discussion = Leave a comment.
  • Lead = Enter your email address or fill out the form.
  • Sales = Enter your credit card number.“

Übertragen auf ein Theater würde das bedeuten, mit Hilfe eines Videos auf sich beziehungsweise die nächste Inszenierung aufmerksam zu machen. Flashmobs sind so ein Format, das sich genau dafür bestens eignet, auch wenn es sich vielleicht etwas verbraucht hat. Damit verbunden war und ist vor allem die Aufforderung, das Video zu teilen (Steffen Peschel hat in seinem Blogbeitrag „Der Flashmob – erweiterter narrativer Raum“ richtigerweise darauf hingewiesen, dass dieses Format nicht nur als virales Marketinginstrument genutzt werden kann, sondern wesentlich mehr Potenzial besitzt).

Und wie war die Idee des Thalia-Theaters zu verstehen, das Publikum über den Spielplan der nächsten Spielzeit entscheiden zu lassen? Ging es da nur darum, eine Diskussion vom Zaun zu brechen, Aufmerksamkeit zu erregen oder bewegte sich die Diskussion auf einer Ebene, die die Fundamente von Theater berührte?

Für den dritten von Walker angesprochenen Punkten gibt es natürlich jede Menge Beispiele, schließlich bietet fast jedes Theater einen Newsletter an. Aber substanzielle Gründe zu finden, die seinem „I need help“ entsprechen beziehungsweise nahe kommen, sind relativ schwer zu entwickeln. Ein Möglichkeit bestünde darin aufzuzeigen, welche gesellschaftliche Funktion Theater heute hat und damit den Pfad der schlichten Bewerbung der Inszenierungen zu verlassen.

Über das letzte Ziel, die Aufforderung zum Kauf eines Tickets müssen wir, denke ich, nicht viele Worte verlieren. Diese Aufforderung enthält eine große Zahl an Postings, die die Theater über die diversen Social Media-Kanäle verbreiten und viel von uns sind genervt, wenn sie nur solche Aufforderungen zu lesen bekommen. Ich denke, diese Aufforderung und das dahinter stehende Ziel sind völlig legitim, darum geht es dem Theater letzten Endes in seiner Kommunikation. Aber es fehlt die Grundlage dafür und es fehlen die dazugehörigen Inhalte. Tommy Walker hat für mich ein sehr wichtiges Blogpost geschrieben und die Punkte sehr präzise auf den Punkt gebracht. Es ist eine Art Anleitung, die uns hilft, aus dem Einheitsbrei ausbrechen zu können. der uns im Social Web häufig serviert wird.

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Treffpunkt KulturManagement: SEO für Kulturbetriebe

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Wenn ich mich beim morgigen Treffpunkt KulturManagement mit Martin Mißfeldt über das Thema Suchmaschinenoptimierung (SEO) unterhalten darf, dann sprechen wir über etwas, was lange Zeit als anrüchig galt. Was heißt anrüchig, manchen unterstellte man gleich kriminelle Machenschaften, um die eigene Website möglichst sichtbar zu machen, was übersetzt bedeutet: In den Rankings der Suchmaschinen ganz oben zu stehen, nämlich da, wo die UserInnen suchen und dann hoffentlich fündig werden.

Ganz so schlimm ist es wohl nicht gewesen, aber wer die Suchmaschinen nutzte, merkte recht rasch, dass ein gutes Suchmaschinenranking und gute Qualität nicht unbedingt einher gehen müssen. Mit „Panda“ versuchte Google diesem Problem zu Leibe zu rücken und statt künstlich gepushter Inhalte gute Qualität als Suchergebnis anzubieten. Heinz Wittenbrink weist in seinem Blogpost „Content-Strategie statt SEO: Die Folgen von ‚Panda‘“ darauf hin, dass seit diesem Update vor allem gute Content-Strategien gefragt sind. Gianluca Fiorelli hat in seinem sehr ausführlichen Beitrag „Content Curation Guide for SEO – What, How, Why“ sehr schön gezeigt, wie so eine Strategie aussehen kann bzw. muss.

Schon immer war es schwierig, gute Inhalte im Netz zu finden, mit dem Aufkommen von Social Media habe sich das Problem aber verschärft, so Fiorelli. Aber so ganz neu ist das alles nicht, denn schon seit ewigen Zeiten sammelt die Menschheit Dinge, die ihr am besten gelungen und am wichtigsten zu sein scheinen. Es sind die Kuratoren, die, mit dem entsprechenden Wissen ausgestattet, die besten Quellen kennen und uns die wichtigen Dinge und Inhalte zugänglich machen. Nicht anders sieht die Sache im Internet aus:

„Content Curation is the online expression of something, which is in the same nature of human beings: the need to collect and catalogue only the most interesting things about a subject so to share it for the common benefit,“

schreibt Fiorelli und legt dann dar, warum Content Curation so wichtig für die Suchmaschinenoptimierung ist. Sein Beitrag ist lesenswert, weil er dabei sehr in die Tiefe geht und auch die verschiedenen Tools beschreibt, die uns dafür mittlerweile zur Verfügung stehen.

Vor diesem Hintergrund freue ich mich, morgen mit Martin Mißfeldt über das Thema SEO sprechen zu können. Nachdem Martin Mißfeldt nicht nur SEO-Experte, sondern auch Künstler ist, war es klar, dass er der richtige für das Thema „SEO für Kulturbetriebe“ ist. ;-) Wie funktioniert Suchmaschinenoptimierung, was verbirgt sich hinter „Panda“, das sind Fragen, die wir gerne im Treffpunkt KulturManagement beantworten möchten. Außerdem wird auch die neue Google-Bildersuche ein Thema sein. Vor einiger Zeit habe ich Martin Mißfeldt schon zu diesem Thema interviewt, morgen früh haben Sie die Möglichkeit, ihm Ihre Fragen zu stellen, denn wer im Kunst- und Kulturbereich arbeitet, weiß um die Bedeutung von Bildern. Ich freue mich, wenn Sie dabei sind und lade Sie daher recht herzlich zu Ausgabe 33 des Treffpunkt KulturManagement ein.

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 20. März, um 09 Uhr einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles am 20. März dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort anmelden.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 20.03.2013 von 09:00 bis 10:00
Thema: SEO für Kulturbetriebe
Gast: Martin Mißfeldt

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement

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„Ruhratlas Kulturelle Bildung“: Von der Quantität zur Qualität

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Mit dem Themencluster „Kulturelle Bildung“ möchte die Stiftung Mercator den Stellenwert kultureller Bildung in Deutschland erhöhen. Zwar nehme Bildung, so heißt es dort, eine wichtige Rolle ein, um unsere Gesellschaft zukunftsfähig zu gestalten, der Wert kultureller Bildung werde aber häufig noch unterschätzt. Zwar wissen wir, dass Kunst und Kultur Motoren gesellschaftlicher Entwicklung sein können, aber erst so allmählich tauchen Studien auf, die nicht nur deren Relevanz bezeugen, sondern auch Weg aufzeigen, welches Entwicklungspotenzial in diesem Bereich steckt.

Die Anfang des Jahres vom Zentrum für Kulturforschung erstellte und von der Stiftung Mercator herausgegebene Studie „mapping//kulturelle bildung“ (PDF, 17,5 MB) liefert eine Art Bestandsaufnahme, in dem sie erfasst, „welche Akteure an kulturellen Bildungsprozessen für Kinder und Jugendliche auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene beteiligt sind“, wobei sie sich aber auf die vier Bundesländer Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen konzentriert. Auf dieser Basis lassen sich nun datengestützte Aussagen über erfolgreiche Strukturmodelle machen, mit deren Hilfe es gelingen soll, Kunst und Kultur stärker im Bildungssystem zu verankern.

In der Zusammenfassung ist von „viele(n) weiße(n) Flecken auf der statistischen Landkarte“ die Rede, genannt werden unter anderem die Kirchen und Rundfunkanstalten. Aber auch bei den öffentlich finanzierten kulturellen Bildungsangeboten fehle es häufig an Daten, was unter anderem mit dem ressortübergreifenden Charakter der Angebote zu tun hat, so die Studie. Aber auch die Frage, was überhaupt als kulturelles Bildungsangebot durchgeht und was nicht, lässt sich oft nicht beantworten, kritisiert wird in der Studie daher der fehlende „Mut zur Eingrenzung des Themenfelds Kulturelle Bildung für statistische Zwecke“.

Einige dieser Lücken zu schließen, das ist das Ziel des von Educult erstellten „Ruhratlas Kulturelle Bildung“ (PDF, 1,4 MB), der ebenfalls und fast zeitgleich von der Stiftung Mercator herausgegeben worden ist. An Hand von zwölf Beispielen brechen die AutorInnen Tanja Nagel, Anke Schad und Michael Wimmer das Thema bis auf die lokale Ebene herunter. Ausgehend von den zwei Fragen, was Qualität im Zusammenhang mit kultureller Bildung überhaupt bedeute und welcher Rahmenbedingungen es bedarf, um diese Qualität zu erzeugen, arbeiten sie anhand der Beispiele das weite Feld der kulturellen Bildung ab.

Partizipation als Qualitätsmerkmal

Nicht ganz überraschend zeigt sich auch in dieser Studie, dass kulturelle Bildung dann besonders erfolgreich ist, „wenn die Kinder und Jugendlichen möglichst aktiv in alle Prozessphasen eingebunden sind“ (S.76). Kunst und Kultur, daran nehmen viele Kinder und Jugendliche ihren eigenen Aussagen nach gar nicht teil. „Kultur ist wichtig, hat aber nichts mit meinem eigenen Leben zu tun“, bringt ein Zitat Birgit Mandels die Sichtweise dieser Zielgruppe wohl recht treffend auf den Punkt. Ein Ziel kultureller Bildungsaktivitäten sei es daher, heißt es in der Studie, die Teilhabe der Kinder und Jugendlichen an kulturellen Angeboten zu erhöhen. Während also für viele das „Dabeisein“ schon als Erfolg gilt, legen andere die Latte ungleich höher und fordern Partizipation als Qualitätsmerkmal für die kulturelle Bildung ein.

Die AutorInnen weisen darauf hin, dass es dabei unterschiedlich hohe Intensitätsgrade gibt und es natürlich auch von den Rahmenbedingungen abhängt, ob ein Austausch auf Augenhöhe möglich beziehungsweise erwünscht ist (siehe dazu auch mein Blogpost „Partizipation: wie das Publikum in das eigene Projekt einbinden„). Meist werden Formate gewählt, bei denen Interaktion nur eingeschränkt möglich ist, es ist den Kindern und Jugendlichen also nicht möglich, hier selbst Verantwortung zu übernehmen.

Wichtig sei es vor allem, Anknüpfungspunkte an die Lebenswelt der jungen Leute zu finden, fordern die AutorInnen. „Nur wenn Kunst und Kultur auch mit ihnen etwas zu tun haben, kann kulturelle Bildung erfolgreich sein“, diese Aussage ist in meinen Augen von zentraler Bedeutung. Dabei geht es aber nicht darum, sich anzubiedern, sondern authentisch zu bleiben und sich auf Augenhöhe zu begegnen. Schön, dass im Zusammenhang mit dem Begriff der Partizipation auch auf die Bedeutung der digitalen Medien verwiesen wird. Vor allem YouTube und Facebook, aber auch Blogs werden als Kommunikationskanäle genannt, die hier von großer Bedeutung sind. Die an dieser Stelle angeführten Beispiele zeigen, dass der Schritt zur politischen Partizipation dann nicht mehr weit ist, denn, so die Schlussfolgerung der AutorInnen, es gehe darum, „nicht Inhalte und Fertigkeiten vermittelt zu bekommen, sondern sich diese selbst zu eigen und für das eigene Leben nutzbar zu machen“.

So positiv kulturelle Bildung gesehen wird und so erfolgreich viele Beispiele auch sein mögen. Angesichts der demografischen Entwicklungen und des finanziellen Drucks sehen die AutorInnen in der Ruhr-Region die Gefahr, dass viele Angebote nicht erhalten werden können. In der Studie wird aber nicht nur warnend der Zeigefinger gehoben, sondern es werden konkrete Empfehlungen (S. 93ff) formuliert. Sich mit diesen zu beschäftigen, lohnt sich, auch über das Ruhrgebiet hinaus, denn für die VerfasserInnen dieser Studie ist klar, dass das Ruhrgebiet mit seinen Entwicklungen exemplarisch für andere Regionen steht.

Siehe dazu:

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Was wissen Kultureinrichtungen eigentlich von ihren Zielgruppen?

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© Gerd Altmann ; Pixelio

Während meiner Schulzeit bin ich immer wieder gerne ins Stadion gegangen, um mir Fussballspiele anzuschauen. Natürlich gab es schon damals die Sportschau, aber das Erlebnis vor Ort war ein anderes. Aber trotzdem wechselte ich vom Stehplatz auf die Couch, unter anderem, um dort nicht nur ein Spiel, sondern alle Spiele konsumieren zu können. Als ich Jahre später wieder mal ein Spiel live verfolgte, war ich enttäuscht. All die Annehmlichkeiten vor dem TV-Gerät, vor allem natürlich die Zeitlupe, konnte mir das Stadion nicht bieten.

Eine ähnliche Situation dient Jared M. Spool als Ausgangspunkt für seinen Beitrag „Context Aware Design: A New Frontier„. Dank der heute zur Verfügung stehenden Technologien lässt sich, so schreibt er, zum Beispiel das Problem der fehlenden Zeitlupe relativ leicht lösen. Ein funktionierendes WLAN und mobile Endgeräte, die sich die Fans ausleihen oder kaufen können, sorgen dafür, dass die Stadionbesucher auf die Annehmlichkeiten der Sportschau nicht verzichten müssen.

Eine solche Lösung ist eigentlich keine große Herausforderung mehr, da das Angebot für alle Stadionbesucher, so Spool, ident ist. Dieses Broadcast-Modell funktioniert aber nicht immer. Spool beschreibt die Situation der BesucherInnen einer ihnen fremden Stadt: Sie wissen nicht genau, wo sie sich gerade befinden, kennen den Weg zum Bahnhof nicht, von dem weg sie der Zug wieder nach Hause bringt. Sie wissen nicht, wann der Zug fährt, sie wissen nicht, von wo er abfährt und sie wissen nicht, ob es eine Möglichkeit gibt, auf dem Weg bis ins Zugabteil noch etwas zu essen, nach Möglichkeit die Art von Essen, die sie bevorzugen.

Spool hat diesen Beitrag geschrieben, weil es sein Job ist, mobile Anwendungen so zu designen, dass die UserInnen auch einen Nutzen daraus ziehen können. Apps, die einem zeigen, wo man sich gerade befindet, gibt es bereits, auch die Abfahrtszeiten von Zügen lassen sich leicht herausfinden. Die Herausforderung besteht aber für ihn darin, eine Anwendung zu designen, die alle diese einzelnen Bedürfnisse befriedigen kann. Dafür muss man aber erst einmal die Bedürfnisse der – in diesem Fall – Städtetouristen kennen.

„This process starts with mapping out the current experience. If we watched people traveling to board the train, we can discover what they need and when they need it. We can see where the context breakpoints occur, where information needs to shift in the application,“

schreibt Spool. Seine Schilderung hat mich sofort an den Kunst- und Kulturbereich erinnert, vermutlich weil ich mit Städtereisen immer auch Kunst und Kultur verbinde. Wie sieht denn ein Szenario aus, in dem Städtetouristen eine Ausstellung, ein Konzert oder eine Theaterinszenierung besuchen? Und wie sehen die Szenarien bei denen aus, die in dieser Stadt leben?

Kontextbezogene Angebote, das müsste doch eigentlich Auswirkungen haben sowohl auf die Apps (bzw. mobile Website) als auch auf die Homepage? Wäre es nicht hilfreich, wenn wir mehr über die wissen würden, die tagtäglich die Angebote von Kultureinrichtungen nutzen? Gerade das Beispiel Städtereisen würde vermutlich zeigen, dass die große Mehrzahl der KurzzeiturlauberInnen bestimmten Mustern gehorcht. Muster, die wir allerdings nicht kennen.

Was aber wäre, wenn wir sie kennen würden? Big Data heißt das dazu passende Schlagwort. „Daten machen Menschen zu äußerst vorhersehbaren Wesen“, beginnt Martin Weigert sein Blogpost „Ich weiß, was du diesen Sommer twittern wirst„, in dem er auch auf eine Studie verweist, die behauptet, dass unser menschliches Verhalten zu 93 Prozent vorhersehbar sei.

Die dazu notwendigen Daten existieren bereits, sie müssen nur noch verarbeitet und veredelt werden. Vereinzelt kommen sie bereits zum Einsatz, zum Beispiel in Supermärkten oder auch bei Amazon. Voller Entrüstung die Nutzung solcher Daten abzulehnen wird vermutlich nicht viel bringen, es geht wohl eher darum, den Umgang mit unseren Daten (gesetzlich) zu regeln.

Mir geht es für den Kunst- und Kulturbereich aber gar nicht primär um die Verwertung riesiger Datenmengen, sondern um den Hinweis von Jared M. Spool, dass wir uns mit der Frage beschäftigen müssen, wie denn Szenarien aussehen, in denen Menschen in Theater, Museen, Opernhäuser, etc. gehen? Es geht darum, mehr über diese Menschen zu erfahren, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, ihnen Fragen zu stellen, um herauszufinden, welches ihre Bedürfnisse sind. Und wenn wir dann riesige Datenmengen zur Verfügung haben und in der Lage sind, Rückschlüsse daraus zu ziehen, dann könnten wir in Anlehnung an die Überschrift von Martin Weigert behaupten: „Ich weiß, in welche Ausstellung Du im Sommer gehen wirst.“ Diesen Menschen über die passenden Kanäle die dazu notwendigen Informationen zur Verfügung zu stellen, das wäre dann zugleich Aufgabe und Herausforderung.