Monthly Archives of: Juni 2013

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Denkfest 2013 und stARTcamp RuhrYork im Rückblick

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Bahnhofshalle
Bahnhofshalle„; By Thomas Kohler (CC BY-SA 2.0)

„Sie sind sicher viel unterwegs“, sprach mich letzte Woche jemand beim Denkfest in Worms an und es klang so ein wenig nach Bedauern. Wenn ich ehrlich sein soll: Ich mag solche Veranstaltungen und finde es auch nicht schlimm, wenn sie direkt hintereinander stattfinden und ein paar Stunden Zugfahrt dazwischen liegen. Vor allem, wenn die Züge pünktlich fahren und die Klimaanlage nicht defekt ist. :-)

Vorweg, es waren zwei sehr unterschiedliche Veranstaltungen, die aber beide sehr interessant waren und auf denen ich die Möglichkeit hatte, viele bekannte Gesichter wieder zu treffen und viele neue Gesichter kennen zu lernen. Während das Denkfest dem klassischen Konferenzmuster folgte, funktionieren die stARTcamps nach dem Barcamp-Prinzip. Und faszinierenderweise hat das auch Einfluss auf das Publikum. Während in Worms zum Beispiel kaum getwittert wurde, kamen in Oberhausen beim stARTcamp RuhrYork ganz beachtliche Zahlen zustande. Das heißt, wer mit dem Social Web noch nicht vertraut ist, wagt sich nicht so leicht auf ein Barcamp. Vermutlich schwingt da ein klein wenig die Angst mit, sich als AnfängerIn aktiv einbringen zu müssen. Das stimmt so natürlich nicht, ganz im Gegenteil, wo hat man sonst schon die Gelegenheit, eine Session vorzuschlagen, wo man (alle) seine Fragen beantwortet bekommt?

Nachdem ich am ersten Tag in Worms vor allem das Thema Social Marketing vorstellen durfte, ging es am zweiten Tag in meinem Workshop um die Frage, auf welcher Basis man eigentlich seine digitalen Aktivitäten entwickelt? Ich habe dabei das von Jim Richardson und Jasper Visser entwickelte Digital Engagement Framework als Grundlage verwendet, weil ich diesen Ansatz erstens für sehr gelungen halte, setzt er doch auf der oft vernachlässigten strategischen Ebene an. Zweitens gibt einem das auf der Website angebotene eBook mit seinen Arbeitsunterlagen die Möglichkeit, sich auch nach dem Workshop noch eingehend mit diesem Ansatz zu beschäftigen und auf diese Weise über einen längeren Zeitraum hinweg ein eigenes Konzept zu entwickeln. Ein dreistündiger Workshop liefert da höchstens erste Anregungen, die wirklich wichtigen strategischen Fragen müssen dann oft erst diskutiert werden, bevor sie als Grundlage für Social Media-Aktivitäten dienen können.

Natürlich ist es dann auch wichtig, zumindest die Basics der verschiedenen Social Media-Kanäle zu kennen. Viele der TeilnehmerInnen hätten vermutlich ihre helle Freude an dem vom Marc Geggart Nikolait entwickelten „Zirkeltraining“ gehabt, das am ersten Tag des stARTcamp RuhrYork angeboten wurde. An fünf Stationen gab es kurze Inputs der ExpertInnen und dann konnte man seine Fragen loswerden. In dieser Atmosphäre und in kleiner Runde gab es keinen Grund, sich zurückzuhalten und so kamen wohl alle auf ihre Kosten. Dass es nicht nur mir so ging, beweist dieser Blogbeitrag. Ich finde diese Art von Training sehr sinnvoll und bin Marc Geggart Nikolait sehr dankbar für seine Idee, denn natürlich bietet dieser Ansatz jede Menge Möglichkeiten, die Inhalte zu strukturieren. So könnte man zum Beispiel auch für die verschiedenen Funktionsbereiche (Marketing, PR, Management, etc.) eigene Stationen anbieten und würde so wunderbar zu dem Ergebnis kommen, dass es sich hier um eine Querschnittsmaterie handelt und sich eigentlich alle MitarbeiterInnen mit dem Thema Social Media befassen sollten.

Am zweiten Tag hatte ich dann die Qual der Wahl und musste mich zwischen den verschiedenen Sessions entscheiden. Wibke Ladwig und Harald Link schlugen vor, gemeinsam eine Bloggingplattform einzurichten, um die Blogs im Kunst- und Kulturbereich unter ein Dach zu bringen und sie so zu stärken. Diese Idee wurde schon vor zwei Jahren diskutiert, aber dann nicht weiter verfolgt. In meinen Augen würde das vor allem den Blogs zugute kommen, die auf Grund fehlender Ressourcen nicht ausreichend Sichtbarkeit erhalten und so nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie eigentlich verdienen.

Mit Markus Kucborski erarbeiteten wir dann die Vor- und Nachteile eines digitalen Ortes. Konkret ging es um die Frage, ob es Sinn macht, zum Beispiel ein Museum mit WLAN auszustatten und dann daraus entstehenden Formen der Vernetzung zu nutzen. Hintergund dieser Idee ist ein Angebot von Facebook, ein WLAN einzurichten, für das sich die BesucherInnen dann über ihren Account anmelden. Das heißt, es handelt sich nicht einfach um ein Stück Infrastruktur, sondern geht weit darüber hinaus in Richtung Community-Building. Ich selbst habe mich noch mit dem Thema Hashtags beschäftigt, bevor der Tag dann leider viel zu früh schon wieder zu Ende ging.

Die beiden Veranstaltungen haben gezeigt, dass diese persönlichen Begegnungen wichtig sind, denn es sind die Gespräche, in denen sich Ideen entwickeln, Fragen klären und vor allem Kontakte knüpfen lassen. Deshalb freue ich mich auch, dass es bereits Ende August ein stARTcamp in Wien gibt, bevor dann Köln an der Reihe ist. So haben sich aus der stARTconference heraus mittlerweile lauter kleine Inseln entwickelt, deren Zahl hoffentlich immer weiter zunimmt. Mit etwas Glück wird es 2014 auch ein erstes stARTcamp in der Schweiz geben und auch sonst freuen wir uns über weitere Vorschläge.

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Denkfest 2013: Social Marketing oder die Angst vor dem Kontrollverlust

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Wenn ich heute zu Gast beim Denkfest 2013 in Worms sein darf, dann dreht sich mal wieder alles um das Thema Social Media im Kunst- und Kulturbereich. Für mich ist es in der Vorbereitung immer wieder interessant, die Folien anzuschauen, die ich für frühere Veranstaltungen erstellt habe. Es hat sich ein Grundgerüst herausgebildet, aber darum gruppieren sich immer wieder neue Elemente. Aber hier sind erst einmal die Folien für heute:

Der vielleicht wichtigste Punkt: Märkte sind Gespräche“. So lautet die erste These des Cluetrain Manifests, womit auf die ursprüngliche Bedeutung eines Marktes, eines Marktplatzes angespielt wird. Meist stehen diese Gespräche für Kultureinrichtungen nicht im Vordergrund, wenn sie aufgrund leerer Kassen und/oder leeren Plätzen auf das Social Web setzen. Wobei das Social Web sich für viele auf Facebook reduziert.

Einer der Gründe liegt wohl in der Angst vor dem Kontrollverlust und der Tatsache, dass die Zeiten undirektionaler Kommunikation vorbei sind und sie sich heute Netzwerken gegenübersehen, in denen Peer-to-Peer-Kommunikation möglich und auch üblich ist. Ausgelöst worden ist das durch die sozialen Technologien, die, wie Charlene Li, in ihrem Buch „Open Leadership“ schreibt, die Führungskräfte in eine Dilemma stürzt, die einerseits von den Möglichkeiten des Social Web fasziniert sind, andererseits aber den macht- und Kontrollverlust fürchten.

Li vertritt die Ansicht, dass die Abgabe von Kontrolle die einzige Möglichkeit ist, Einfluss auf das Ergebnis zu nehmen und Entwicklungen zu beeinflussen. Gut funktionierende Beziehungen basieren eben nicht auf Kontrolle, sondern auf Vertrauen. Wem dieses Vertrauen entgegengebracht wird, geht damit, so Li, verantwortungsbewusst um und trägt dazu, dass die Ziele des, in dem Fall, Kulturbetriebs auch erreicht werden können. Diese neuen Beziehungen zu MitarbeiterInnen, Publikum und PartnerInnen aufzubauen, bezeichnet sie als Open Leadership, was sie definiert als:

“ (…) having the confidence und humility to give up the need to be in control while inspiring commitment from people to accomplish goals.“

Vor diesem Hintergrund fällt es vermutlich viel leichter, sich im Social Web zu bewegen, die Menschen neugierig zu machen, ihnen Kundendienste anzubieten oder Communitys zu unterstützen. Dafür braucht es Inhalte, weshalb das Content Marketing oder das Storytelling derzeit so hoch im Kurs stehen.

Aber es klafft eine Lücke zwischen den, in dem Fall, UserInnen und dem Content, den wir produzieren. Er sollte hochwertig sein, gar keine Frage. Aber das Thema muss mich auch ansprechen, es muss für mich relevant werden. Die Tatsache, dass es diese hochwertigen Inhalte gibt, reicht noch nicht, ich muss die Lücke auf irgendeine Weise schließen. Viele setzen dabei auf Gamification und hoffen auf das, was Jeff Jarvis so treffend als unerwartete Relevanz bezeichnet hat. Etwas beginnt uns plötzlich zu interessieren und dann ist es wichtig, dass sie da sind, die guten Inhalte. Oder ich setze eben auf Gespräche, womit wir wieder beim Anfang und beim Titel der Präsentation wären. :-)

Jetzt wissen Sie schon so ungefähr, was ich heute beim Denkfest in Worms erzählen werde und können sich vielleicht unter den Folien ein klein wenig mehr vorstellen. ;-)

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Das Archiv des Treffpunkt KulturManagement

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© Henrik G. Vogel / Pixelio

Immer wieder mal werde ich nach Präsentationen vom Treffpunkt KulturManagement gefragt und bekomme dann sehr positive Rückmeldungen, wenn ich darauf hinweise, dass wir bis jetzt alle 35 Folgen dieses Online-Events aufgezeichnet haben. Zugegeben, manchmal ist die Qualität nicht wirklich berauschend, aber die meisten kann man sich durchaus anschauen.

Am 1. Oktober 2008 zusammen mit David Röthler als Online-Frühstück und noch ohne Aufzeichnung gestartet, hieß diese Online-Veranstaltung ab Mai 2010 in Kooperation mit Kulturmanagement Network und der stARTconference Treffpunkt KulturManagement. In den vergangenen drei Jahren haben wir von zwei Ausnahmen abgesehen, Monat für Monat ein Thema aus dem Bereich Kulturmanagement behandelt.

Mir gefällt dieses Format, bietet es doch die Möglichkeit, Inhalte in sehr konzentrierter Form zu besprechen. Natürlich ist es häufig von Vorteil, wenn mehr Zeit zur Verfügung steht, aber als Einführung in ein Thema eignet sich der Treffpunkt KulturManagement in meinen Augen ganz gut.

Wenn Sie in die alten Ausgaben reinschauen wollen, können Sie unser Wiki als Ausgangspunkt für Ihre Reise in die Vergangenheit nehmen. Dort finden Sie die Links zu allen Aufzeichnungen, die Sie ohne irgendeine Software in Ihrem Browser anschauen können. Ich selbst schaue auch immer wieder mal rein und finde es spannend zu sehen, wie sich der Treffpunkt über die Jahre entwickelt und verändert hat.

Der nächste Treffpunkt KulturManagement findet übrigens am 26. Juni um 9:00 statt, Dagmar Wittmann wird das Thema „Online-Werbung mit Google AdWords“ vorstellen und erklären, was das ist und wie dieses PPC-Verfahren funktioniert. Falls Sie zukünftige Veranstaltungen nicht verpassen wollen, schauen Sie einfach auf unsere Facebookseite oder beachten Sie auf Twitter den Hashtag #kmtreff. Auf beiden Kanälen – oder auch hier – bekommen Sie rechtzeitig den Link, über den Sie am Treffpunkt KulturManagement – kostenlos – teilnehmen können. Ich freue mich, wenn Sie beim nächsten Mal dabei sind.

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Ein schönes Beispiel: das Metablog der Koblenzer Kulturwissenschaft

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Immer wieder werde ich, wenn es um Social Media geht, nach besonders gelungenen Beispielen gefragt und tue mir da meist sehr schwer damit, denn ob Bestpractice oder nicht hängt vor allem von den Zielen ab. Und die können höchst unterschiedlich sein. Außerdem sehe ich die Gefahr, dass jemand sich zu stark daran orientiert und die eigenen Anforderungen außen vorlässt.

Ein in meinen Augen gelungenes Beispiel für den Einsatz von Blogs ist das „Metablog der Koblenzer Kulturwissenschaft„, in dem alle Weblogs und Websites des Institut für Kulturwissenschaft der Universität in Koblenz zusammengefasst sind. Alle Seiten, auf die verlinkt wird, sind mit einem Screenshot vertreten, den man einfach anklickt, um auf die gewünschte Seite zu gelangen.

Die Bandbreite des Studiums spiegelt sich in der Themenvielfalt, die hier angeboten wird, wider. Da ist einerseits das Social Media-Blog „Vernetzte Welten“ zu finden, andererseits das Audioblog „Kuwifunk„, in dem die von den Studierenden produzierten Podcasts gesammelt werden. Alle Blogs wurden auf WordPress.com angelegt, das heißt, es entstehen keinerlei Kosten. Für die Präsentation der Online-Magazine wurde  die Publishing-Plattform Issuu gewählt.

Ob Text, Bilder, Audio oder Video, alle Medienformate kommen zum Einsatz und so ist eine Bloggingplattform entstanden, die sich vor allem inhaltlich nicht verstecken muss.

Ich glaube, dass das ein guter Zugang zum Thema Social Media ist. Natürlich kann man sehr viele Dinge erklären und sich mit Theorien beschäftigen. Aber einfach anfangen und ausprobieren macht vermutlich mehr Spaß und hilft einem, sich weiter damit zu beschäftigen.

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Jetzt ist es soweit: Am 23. August findet das stARTcamp Wien statt

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Ich gebe zu, dieses Blogpost schreibe ich besonders gerne. :-) Ich bin im Laufe der letzten drei Jahre bei fast allen stARTcamps dabei gewesen und kam immer wieder sehr angetan zurück. Erstens habe ich dort sehr viel gelernt, zweitens macht die Atmosphäre enorm Spaß und drittens ist es schön, einen Anlass zu haben, wo ich Leute treffen kann, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Oder vielleicht noch nie.

So ein paar Online-Kontakte gibt es, da warte ich schon lange auf die erste Gelegenheit für ein Treffen. Matthias Schwenk gehört zum Beispiel zu ihnen, immerhin kam der erste Kommentar auf diesem Blog von ihm. Wir haben schon viel hin- und hergeschrieben, kommentiert oder geteilt. Jetzt könnte es soweit sein, denn er meinte immer, nach Wien würde ich schon gerne mal kommen.

Immer wieder wurde ich gefragt, ob es denn nicht mal ein stARTcamp in Wien geben könnte? Aber irgendwie ist es sich halt nie ausgegangen und wenn dann die Zeit knapp ist, dann verschiebt man so etwas immer weiter in die Zukunft. Vermutlich hätte ich noch weiter geschoben, wenn mich nicht Michael Wuerges von der Kunsthalle Wien angesprochen hätte. Im Team des neuen Direktors Nicolaus Schafhausen für das Marketing zuständig, setzte er sich mit mir zusammen und wir überlegten, wie und wo so ein stARTcamp stattfinden könnte.

Und wir kamen schnell zu einem Ergebnis: Im Vorfeld der Ausstellung Salon der Angst können wir die Räumlichkeiten der Kunsthalle Wien im Museumsquartier nutzen. Wer diesen Ort kennt, weiß, dass die Rahmenbedingungen für das stARTcamp nicht besser sein könnten. Zentral gelegen, ein Ort mit ganz viel Kunst und Kultur, mit Lokalen und – für ein stARTcamp wichtig – kostenlosem WLAN.

Mögliche Gründe, warum man ein stARTcamp besuchen sollte, habe ich oben schon genannt. Wer nicht in Wien und Umgebung lebt, hat dadurch außerdem die Möglichkeit, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Wir haben das stARTcamp extra auf einen Freitag gelegt, damit alle, die das wollen, das Wochenende noch bleiben können. Ende August ist das Wetter hier normalerweise recht schön, aber in diesem Jahr gebe ich besser keine Prognose ab. Aber auch bei schlechtem Wetter lässt sich hier einiges machen, Stichwort Kunst und Kultur. ;-) Weitere Gründe, an einem stARTcamp teilzunehmen, habe ich in dem Beitrag „Was ist eigentlich ein stARTcamp?“ beschrieben. Dort ist auch ausführlich erklärt, was das eigentlich ist und worin es sich von einer normalen Konferenz unterscheidet.

Natürlich geht es beim stARTcamp um Social Media, die Räumlichkeiten der Kunsthalle erlauben es uns, drei Sessions gleichzeitig laufen zu lassen, wobei wir noch entscheiden müssen, ob wir das Thema inhaltlich eingrenzen und so zum Beispiel drei Themenstränge haben, die sich dann über den Tag durchziehen. Über Kommentare und Meinungen dazu würde ich mich freuen.

Platz ist für insgesamt 100 TeilnehmerInnen und für die Frühentschlossenen beginnt der Ticketverkauf am 17. Juni, also nächste Woche. Die Abwicklung erfolgt über Amiando, die Tickets kosten 25 Euro. Wer Probleme mit Amiando hat, z.B. weil die Rechnung vorab benötigt wird, schickt mir bitte einfach eine Mail und dann regeln wir das.

Weitere Infos folgen natürlich, sowohl hier als auch auf dem Blog der stARTconference, wo schon ein erster Beitrag online steht. Ich freu mich auf alle Fälle schon und werde hier sicher noch des öfteren über das stARTcamp schreiben. :-) Und ich sage der Kunsthalle Wien schon jetzt danke für das Angebot, das stARTcamp Wien in ihren Räumlichkeiten stattfinden zu lassen.

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Leadership durch Microblogging: Hier twittert der Chef

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© Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / Pixelio

Wenn wir von Social Media in Kultureinrichtungen sprechen, geht es uns meist um die externe Kommunikation. Die Aussicht, die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen und neue KundInnen bzw. im Kulturbereich BesucherInnen zu gewinnen, ist verlockend. So toll die Konzepte und Strategien dann aussehen, meist gelingt es nicht, sie auch umzusetzen. Einer der Gründe: Die interne Kommunikation funktioniert immer noch nach den alten Regeln. Synergieeffekte bleiben so aus und die Wahrscheinlichkeit, dass der erste Elan schnell nachlässt, ist groß.

Warum also nicht auch intern auf Social Media setzen und zum Beispiel in der internen Kommunikation auf ein Microblogging-Tool setzen? Zu den Vorreitern gehört Yammer, das 2008 als Microblogging-Dienst startete und heute firmeninterne soziale Netzwerke anbietet. Im letzten Jahr wurde das Unternehmen von Microsoft übernommen, das gerade dabei ist, das Angebot in seine Cloud-Dienste zu integrieren. Interne Microblogging-Dienste lassen sich auf die verschiedenste Weise nutzen, das Team des in Berlin ansässigen Enterprise-Microblogging-Dienst swabr hat in einem Blogpost 20 Anwendungsfälle zusammengefasst.

Meist geht es dabei – die Beispiele in dem Beitrag zeigen es – um die interne Zusammenarbeit der MitarbeiterInnen. Einen Schritt weiter geht Mike Strand in seinem bereits 2010 verfassten Blogpost „Micro-Leadership Through Enterprise Microblogging: A Modern View On Managing Bureaucracy„, in dem er von den Führungskräften fordert, Microblogging auch als ein Instrument im Bereich Leadership einzusetzen.

Bei der Nutzung von Microsofts internem Microblogging-Dienst fiel ihm auf, dass die Führungskräfte dort zwar angemeldet waren, aber nie etwas veröffentlichten. Einige von ihnen, so berichtet er, hatten mehrere 1.000 Follower und ohne ihr Zutun stieg die Zahl ihrer Follower immer weiter an. Strand führt dies darauf zurück, dass die MitarbeiterInnen an der Kommunikation mit ihren Führungskräften interessiert sind und gerne deren Meinungen und Ansichten erfahren würden. Für Strand ist das eine verpasste Chance, denn die direkte Kommunikation kann auch dazu führen, über die Information hinaus die Motivation der MitarbeiterInnen zu erhöhen.

Strand möchte den Führungskräften gar nicht vorwerfen, sie würden nicht mit ihren MitarbeiterInnen kommunizieren. Natürlich teilen sie ihre Ansichten und Visionen mit ihren Angestellten. Allerdings nutzen sie dafür meist die Email. Und oft werden die EmpfängerInnen darin aufgefordert, ihre Meinungen kund zu tun und Vorschläge zu machen, was man besser machen könnte. Den Erfolg solcher Aufrufe kennen wir alle, nur die wenigsten werden dieser „Einladung“ folgen, was für Strand bedeutet:

„An over-reliance on email may be a missed leadership opportunity within enterprises because email does not naturally lend itself to interaction, conversation, and action.“

Da die Anzahl der Zeichen beim Microblogging begrenzt ist, lassen sich natürlich nur kurze Statements veröffentlichen. Strand glaubt aber dennoch, dass sich auf diese Weise Visionen vermitteln und MitarbeiterInnen motivieren lassen. Micro-Leadership nennt er seinen Ansatz und bringt dafür Beispiele, wie das seiner Ansicht nach aussehen könnte. So lassen sich etwa auf diese Weise Teams, die nicht vor Ort arbeiten, sehr viel leichter erreichen als etwa über Videokonferenzen. Viel wichtiger ist aber, so denke ich, das, was Strand als „share the leadership mindset“ beschreibt. Führungskräfte beschäftigen sich ausführlich damit, ihr Unternehmen auf die Zukunft vorzubereiten und die geeigneten Maßnahmen und Strategien zu entwickeln. Leider fehlt ihnen meist die Zeit, um ihr erworbenes Wissen weiterzugeben, schreibt Strand, zumindest in Form von Links, wenn die Zeit nicht reicht.

Aber auch die anderen Vorschläge, die Strand macht, passen gut in jedes Unternehmen bzw. in jeden Kulturbetrieb. „Leading begins with listening“ schreibt Strand beispielsweise und fordert Führungskräfte auf, sich mit den veröffentlichten Inhalten zu beschäftigen. Statt eine unternehmensweite Befragung der MitarbeiterInnen zu starten, sollten sie sie einfach um Feedback über den Microblogging-Kanal bitten.

So ganz neu ist dieses Thema nicht, große Unternehmen wie Siemens nutzen solche Kanäle schon seit Jahren und auch Mike Strand weist in seinem Beitrag auf Beispiele hin. Für den Kunst- und Kulturbereich ist dieses Thema aber noch sehr neu. So neu, dass die meisten Twitter noch nicht mal für die externe Kommunikation einsetzen.

Es wird Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, denn der interne Einsatz sozialer Technologien garantiert zwar nicht den Erfolg in der externen Kommunikation. Aber er erhöht die Erfolgsaussichten und verspricht Synergieeffekte. Wenn die MitarbeiterInnen intern mit Hilfe eines Microblogging-Dienstes kommunizieren, muss man ihnen zumindest nicht den Sinn und Zweck von Twitter erklären. Schon das wäre ein erster wichtiger Schritt.

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Google Reader: Am 1. Juli ist Schluss

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Robert Basic hat heute auf Facebook noch einmal darauf hingewiesen, dass der Google Reader am 1. Juli endgültig begraben wird. Wer damit bis jetzt seine RSS-Feeds organisiert hat, sollte sich spätestens jetzt nach Alternativen umsehen. Da gibt es einige, zum Beispiel NewsBlur, ein Reader, der auch als App für iPhone, iPad und für Android-Geräte angeboten wird. Oder The Old Reader, der sich sehr am Google Reader orientiert, bis jetzt aber noch nicht als App verfügbar ist. Viele nutzen auch den RSSOwl-Reader, den ich hier nur erwähnen kann, weil ich ihn noch nie ausprobiert habe.

Ich selbst habe mich für Feedly entschieden, ein Tool, das ich bereits im Rahmen meiner Serie „Informationsmanagement mit RSS und Social Bookmarking“ kurz vorgestellt habe. Damals nutzte ich es vor allem, weil sich damit die Inhalte des Google Reader so schön visualisieren ließen. Aber Feedly hat von der angekündigten Einstellung des Google Reader profitiert und sich – teilweise bedingt durch die stark ansteigende Nutzerzahl – sehr schnell weiterentwickelt.

Ich informiere Sie darüber aus nicht ganz uneigennützigen Gründen. Etwas weniger als 350 UserInnen haben das Kulturmanagement Blog mit Hilfe des Google Reader abonniert. Ich kann zwar nicht einschätzen, wie viele der AbonnentInnen die Blogbeiträge auch wirklich lesen. Aber es wäre schade um jede einzelne LeserIn, insofern soll dieser Beitrag auch eine Art Anstoß sein, damit Sie nicht in ein paar Wochen all Ihre abonnierten Seiten verlieren. Das Datum des 1. Juli ist seit langem bekannt, aber der Tag kommt dann doch schneller und überraschender als gedacht. ;-)

Wenn Sie den Google Reader noch verwenden, nutzen Sie doch das kommende Wochenende und ziehen mit ihren abonnierten RSS-Feeds dorthin um, wo Sie sich am besten aufgehoben fühlen. Die abonnierten Feeds zu übertragen ist kinderleicht, alle Anbieter haben Informationen zusammengestellt, wie Sie dabei vorgehen müssen.

Und falls Sie bis jetzt noch kein RSS verwendet haben, nutzen Sie den Hinweis als Impuls, um es einfach mal damit zu versuchen. Ich persönlich kann mir gar nicht vorstellen, ohne RSS-Feeds zu arbeiten und bin froh, dass es sie gibt.