Monthly Archives of: September 2013

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Ein Symposium über die Zukunft von Musikfestivals: Julia Strysio im Interview

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Rockkonzert
© bluefeeling ; Pixelio

In seiner Diplomarbeit „Acknowledging the experience factor for music festivals with an attempt of a new visitor typology: Fans, conditional adventurers and adventurers.” (Downloadmöglichkeit auf dieser Seite) beschäftigt sich Maël Roth mit der Zukunft des Musikgeschäftes und entwickelt im Rahmen seiner Arbeit eine neue Besuchertypologie von Musikfestivals.

„Wir gehen nicht auf Festivals, nur weil die Musik uns gefällt“, schreibt er in einem Gastbeitrag für das Kulturmarketingblog und stellt fest, dass es oft eher die Erlebnisfaktoren sind, die uns dazu bewegen, ein Festival zu besuchen und weniger die Musik selbst.

Wie sieht also die Zukunft der Musikfestivals aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich nicht nur Maël Roth, sondern auch ein europäisches Symposium für europäische KulturmanagerInnen, das vom 24. bis 26. Oktober in Heidelberg und Mannheim im Rahmen des Enjoy Jazz Festivals stattfinden wird. Konkret geht es beim „European Symposium for Young Professionals in the Music Business“ um neue und innovative Festivalformen und die Frage, wie sich solche Formate kuratieren lassen? Besonders spannend in meinen Augen ist ein eintägiger Design Thinking Workshop, bei dem diese Fragestellung in einer sehr team-orientierten und kreativen Art und Weise bearbeitet werden wird.

Was sich hinter diesem Workshop verbirgt und welche Ziele das Symposium verfolgt, habe ich Julia Strysio, die für das Programm verantwortlich ist, gefragt.

Kulturmanagement Blog: Warum brauchen wir neue Festivalformate? Funktionieren die alten nicht mehr?

Julia Strysio: (lacht) Das wäre eine Frage, die wir in unserem Design Thinking Workshop tatsächlich erst einmal stellen müssten, bevor wir weiter denken können.

Das Herz eines Festivals oder einer Kulturinstitution ist das Programm. Daher übernimmt der Kurator eine zentrale Aufgabe: Er oder sie ist der „Master der Matrix“ des Festivals und drückt durch die Auswahl der Künstler dem Festival den Stempel auf und entscheidet über die Relevanz der Kunst. Ich glaube nicht, dass daran etwas geändert werden sollte. Ich glaube auch nicht, dass man  Festivals unbedingt „verjüngen“ muss, damit sie funktionieren. Ich glaube an die Kunst, an Künstler, und ich glaube an Kuratoren, die entscheiden können, ob die Musik, das Buch oder der Film Relevanz hat.  Das Format ist also die Qualität und das sollte sich nie ändern.

Natürlich gibt es neue Formen des Marketings, des Sponsorings und neue Medien, die man für Festivals oder Kulturinstitutionen nutzen sollte und darüber werden wir in dem Symposium auch sprechen. Ich bin aber dagegen, alle älteren Damen und Herren Festivaldirektoren aus dem Boot zu schmeißen. Wer sollte denn zum Beispiel besser wissen wie man das London Jazz Festival führt als John Cummings? In dem Symposium geht es nicht um neu oder alt, sondern um einen Austausch.

Wir möchten außerdem, dass niemand in das Symposium rein oder rausgeht und sich über sinkende Zuschauerzahlen beschwert. Ich würde mir wünschen, dass wir alle mit Freude, Enthusiasmus, Kreativität, vor allem aber mit jeder Menge Spaß daran arbeiten, auch in Zukunft Kultur zu machen.

Kulturmanagement Blog: Ihr sprecht KulturmanagerInnen aus ganz Europa an. Hat die Musikbranche in allen europäischen Ländern ähnliche Probleme oder geht es Euch eher um den Austausch und die Möglichkeit, voneinander zu lernen?

Julia Strysio: Es gibt sehr viele Möglichkeiten, sich mit internationalen Gleichgesinnten auszutauschen, wenn man Student ist oder wenn man Direktor eines Festivals / einer Kulturinstitution ist. Es gibt aber sehr wenige, finanzierbare Austauschmöglichkeiten für junge Nachwuchskulturmanager in Europa. Es ist unser Ziel, das mit unserem Symposium zu ändern. Wir würden gerne eine Plattform für junge Kulturmanager aus ganz Europa aufbauen, die bereits erste Berufserfahrungen gesammelt haben und die die Festivals oder Kulturinstitutionen der Zukunft leiten möchten.

Eine Altersgrenze wollen wir aber bewusst nicht festlegen, denn es geht ja darum, sich gegenseitig auszutauschen.

Kulturmanagement Blog: Und was erwartet die TeilnehmerInnen bei Euch beziehungsweise warum sollten diese Nachwuchskräfte das Symposium auf keinen Fall verpassen? Die Teilnahmekosten sind mit 50 Euro ja sehr günstig.

Julia Strysio: Wir bieten einen interaktiven Design Thinking Workshop, Sprecher der EU und der UNESCO werden darüber reden, welche Fähigkeiten junge Kulturmanager mitbringen sollten, unterschiedliche Kuratoren verraten, wie sie ihr Festival / Kulturinstitution programmieren und natürlich werden wir alle genügend Zeit haben, um uns kennen zu lernen, auf Konzerte zu gehen und hoffentlich eine Menge Spaß haben.

Kulturmanagement Blog: Neugierig bin ich vor allem auf den von Dir angesprochenen Workshop, bei dem mit der Design Thinking-Methode gearbeitet wird. Kannst Du verraten, wie diese Methode funktioniert und was die TeilnehmerInnen an diesem Tag erwartet?

Julia Strysio: Ich war in diesem Jahr auf vielen Symposien, auf denen über die sinkenden Besucherzahlen lamentiert wurde, und ich fand das wenig hilfreich. Unsere Intention war deswegen, dass wir einen Workshop anbieten wollten, bei dem es nicht darum geht, zu zeigen, dass 50% der Besucher über 60 sind, sondern wir wollen ein Symposium machen, wo wir mit viel Kreativität, Freude und Leidenschaft überlegen, wie wir in Zukunft Festivals  und Programm machen wollen.

Das Finden von neuen innovativen Lösungen ist natürlich nicht nur für Kulturmanager interessant, sondern wird gerade in fast allen Branchen diskutiert. Die Frage ist dann immer, wie komme ich zu diesen innovativen Lösungen? Design Thinking beschreibt hier eine Herangehensweise, die sehr vielversprechend ist und die beispielsweise auch sehr intensiv von der SAP AG genutzt wird, um neue, innovative und vor allem nutzer-zentrierte Lösungen zu bauen.

Flexible und  inspirierende Räumlichkeiten sind ein Bestandteil im Design Thinking und daher richtet die SAP AG auch gerade in Heidelberg solche Räumlichkeiten ein, die die Teilnehmer unseres Symposiums als erste Firmenexterne während des  Workshops nutzen dürfen.

Design Thinking kommt ursprünglich aus dem Bereich Design und ist eine Kombination aus Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen. Die Methode kann helfen, Fragen anders zu stellen und dadurch kreative und innovative Lösungen zu finden wobei der potentielle Nutzer einer Lösung dabei von Anfang an im Zentrum steht.

Sie basiert zunächst auf der Annahme, dass Probleme u.a. dann besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen zusammen daran arbeiten. Deswegen haben wir an diesem Tag auch Experten aus dem Bereich Wirtschaft, Technologie, Sponsoring, Besucher des Enjoy Jazz Festivals, Labels, Musiker etc. zusätzlich zu den  Teilnehmern und Sprechern eingeladen. Unser Workshop heißt „Redesign the Festival Experience“ – wobei wir gleich zu Beginn prüfen müssen, welches unsere Fragestellung und damit das Problem oder die Herausforderung ist, der wir uns stellen wollen. Je nachdem,  welchen Bereich wir uns im Einzelnen anschauen wollen, ob Marketing, Sponsoring, Journalismus, Programm oder Personalführung. Wir werden in unterschiedlichen Gruppen mit insgesamt acht Coaches arbeiten und am Ende erste „Prototypen“ der gefundenen Lösungen vorstellen. Diese Prototypen sind dann keine Powerpoint-Folien sondern anfassbar und testbar und aus Papier. Kleber, Lego oder Bauklötzen gemacht.

Ein sehr netter Nebeneffekt wird natürlich sein, dass sich alle Teilnehmer mit den Sprechern und untereinander besser kennenlernen werden und sich auch informell austauschen können.

Kulturmanagement Blog: Und noch eine letzte Frage: Wo kann man sich ein Ticket kaufen?

Julia Strysio: Es gibt kein Ticket zu kaufen – die Teilnehmer können sich auf unserer Website über einen Bewerberbogen anmelden. Wir melden uns dann sofort und stehen auch sehr gerne bei Anreise / Hotel etc. beratend zur Seite.

Kulturmanagement Blog: Danke für Deine Antworten und viel Spaß beim Symposium!

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Martha Damus: Crowdfunding: Projektunterstützung durch die Plattformen, über die Fundingphase hinaus. Ein kurzer Einblick in meine Masterarbeit (Gastbeitrag)

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In meiner Arbeit „Online crowdfunding platforms: Developing concepts for supportive instruments beyond the funding phase.“ (2013) beschäftigte ich mich mit der Verbesserung von reward-based (UnterstützerInnen erhalten materielle oder ideelle, jedoch nicht monetäre Dankeschöns als Gegenleistung für ihre finanzielle Unterstützung eines Projekts.) Crowdfunding-Prozessen durch neue Funktionen auf deutschen Crowdfunding-Plattformen. Auf diese Weise möchte ich dazu beitragen, dass Crowdfunding sich auch hierzulande etabliert und in Zukunft stärker genutzt wird. Ich möchte den Betreibern von Crowdfunding-Plattformen nahe legen, auf die Wünsche und Forderungen ihrer NutzerInnen zu reagieren und die bestehende Vermittler-Rolle hin zu einer stärkeren Unterstützung der ProjektmacherInnen und ProjektunterstützerInnen auszubauen. Mithilfe der von mir ausgearbeiteten sieben Konzepte für neue Plattform-Funktionen können Nutzermotivationen gestärkt und die aktuelle Unzufriedenheit reduziert werden. Mit meinen Vorschlägen versuche ich nicht zu komplexe, zu bürokratische oder zu teure Lösungen anzubieten. Andere, durchaus effizientere Modelle, die etwa auf Strafen und Versicherungen fußen, wären möglich, würden aber auch den individuellen, oft gelobten Charme von Crowdfunding zerstören.

Immer wieder kommen Fragen auf, wie es eigentlich mit der Plattformverantwortung und dem Schutz der NutzerInnen bei gescheiterten Crowdfundingprojekten aussieht!? Was passiert, wenn Projekte ihre versprochenen Dankeschöns nicht (fristgerecht) an die UnterstützerInnen versenden? Warum erfahren die Unterstützenden so oft nichts darüber, was aus den von ihnen mit-finanzierten Projekten geworden ist? Und warum schaffen es einige Projekte – trotz erfolgreicher Finanzierung – nicht, ihre Projektidee auch wirklich zu realisieren? Und wie lässt sich das ändern?

Fragen wie diese und der Fakt, dass unzufriedene NutzerInnen nicht förderlich für die Etablierung des Modells Crowdfunding sind, waren Ausgangspunkte meiner Masterarbeit im Fach „Digitale Medien“ in Bremen und Bremerhaven. Ich habe mich daher mit Nutzermotivationen und existierenden Plattformfunktionen beschäftigt. Wo ich die Motivationen von UnterstützerInnen und ProjektstarterInnen nicht ausreichend unterstützt sah, habe ich Konzepte für neue Plattformfunktionen entwickelt. Diese habe ich mithilfe von Experteninterviews überarbeitet und prototypisch visualisiert.

Eine Annahme, die die Erstellung von Konzepten maßgeblich beeinflusste, war die Zuordnung von Crowdfunding-Plattformen zu sogenannten „Creativity Support Tools“ (nach Ben Shneiderman, 1999 und Kuo/Gerber, 2012). Solche Tools definiere ich in meiner Arbeit als interaktive Onlinesysteme zur Unterstützung kreativer Arbeit. Sie können die Zusammenarbeit mit anderen unterstützen und das Sammeln, Kombinieren und Einbinden verschiedener Ressourcen erleichtern. Somit können mehr innovative Ergebnisse erzielt und diese danach auch besser verbreitet werden. Creativity support tools greifen in verschiedenen Phasen eines kreativen Prozesses: von der anfänglichen Idee über deren Umsetzung, bis zur abschließenden Verbreitung.

In meiner Arbeit komme ich zu dem Schluss, dass auch die Plattformunterstützung sich über mehrere Phasen erstrecken sollte – über die eigentliche Fundingphase hinaus und hinein in die, für die Nutzermotivation wichtigen Phasen der vorangehenden Projektplanung und späteren Projektrealisierung. Die vorgeschlagenen neuen Plattformfunktionen stützen die von mir für diese Arbeit als relevant erachteten Startermotivationen: Lernen, Neugierde, Finanzierung der eigenen Idee, Anerkennung, Bewusstsein für die eigene Arbeit vergrößern, sich mit anderen verbinden/Networking, sowie die Unterstützermotivationen: Neugierde, Unterhaltung, Erhalt einer Gegenleistung, Anerkennung und Verantwortungsübernahme. Um diese Motivationen hinreichend fördern zu können, sollten Plattformen meines Erachtens verschiedene Vorgänge eines Projekts unterstützen, wie z.B. die Ideenfindung und Organisation des eigenen Projekts mithilfe von gut dokumentierten Beispielen vorangegangener Projekte. So können StarterInnen von der Erfahrung früherer Projekte profitieren indem sie ihre eigenen Projekte besser planen und präsentieren.

Unter meinen sieben neuen Konzepten befindet sich folglich der Vorschlag, dass alle Crowdfunding-Projekte, egal ob erfolgreich finanziert oder nicht und erfolgreich umgesetzt oder nicht, online bleiben und für alle NutzerInnen einer Plattform leicht auffindbar sein sollen. Ideal wäre es, wenn alle Projekte unbegrenzt online blieben, doch aufgrund des oft und vehement von StarterInnen geäußerten Wunsches, nicht erfolgreiche Projekte wieder löschen zu können, sollte als Kompromiss wenigstens eine Mindestverfügbarkeit (z.B. 12 Monate) festgelegt werden.

Ein weiteres Konzept sieht vor, dass die Projekte nach Funding- oder Projekt-Ende nicht einfach unverändert online bleiben, sondern die StarterInnen den Verlauf ihres Projektes reflektieren müssen. Dazu können von Plattformseite Reflektionsfragebögen angeboten werden, die dann auf der Projektseite veröffentlich werden. Eine kurze und bündige Projektreflektion schaffte mehr Transparenz und würde nicht nur zukünftigen ProjektmacherInnen den Start erleichtern, sondern beispielsweise auch UnterstützerInnen erklären, warum selbst ein erfolgreich finanziertes Projekt nicht immer wie geplant umgesetzt werden kann. Fehlt eine solche Erklärung kann dies zu Frust und Unverständnis auf Unterstützerseite führen und die Finanzierung von Folgeprojekten unterbinden.

Desweiteren empfehle ich die Einführung eines Fortschrittsbalkens für die Projektrealisierung. Ähnlich dem existierenden Fundingbalken (zu wie viel Prozent ist das Projekt bereits finanziert?) und der Zeitanzeige (wie lange noch bis Fundingende?), sollte ebenfalls auf einen Blick deutlich werden, wie weit das bereits finanzierte Projekt entwickelt ist. Zusammen mit einer aussagekräftigen Dokumentation, schaffte auch dieses Konzept mehr Transparenz für die UnterstützerInnen, die sonst oft nicht genau wissen, was mit ihrem Geld bereits erreicht wurde.

Abb.: Mögliche Darstellung von Projekt-Fortschrittsbalken im Layout der Plattform Startnext.

Detailliertere Beschreibungen, sowie die Herleitung dieser und vier weiterer Konzepte für neue Plattformfunktionen können in meiner Masterarbeit nachgelesen werden. Zudem finden sich dort grafische Visualisierungen für alle Vorschläge.
Eine Publikation der Arbeit über das ikosom (Institut für Kommunikation in sozialen Medien) ist in Planung. Bei Interesse an der Arbeit können Sie sich gerne per Email an mich wenden: m.damus[at]gmx.de

Über Martha Damus:
Sie studierte Kunst und Kommunikationswissenschaft in Greifswald und Digitale Medien in Bremen. Derzeit macht sie künstlerische Animationsfilme, gestaltet Webseiten und anderes und betreibt zusammen mit ihrem Freund Marcus Oesterreich das black egg (auch auf Facebook), ein zum mobilen Kunstraum umgebauter Wohnwagen, der nun von Ort zu Ort reist und junge, v.a. digitale Kunst präsentiert. Das Thema Crowdfunding beschäftigt sie seit einiger Zeit – aus der Perspektive der Kulturschaffenden, die selbst nach Vernetzungs- und Finanzierungsmöglichkeiten sucht, sowie aus der Perspektive der Digitale-Medien-Spezialistin, die sich für neue Phänomene interessiert.

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Empfehlungen werden immer wichtiger

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Pitch Your Friends“ war eines meiner Blogposts im August überschrieben. Während die Kulturbetriebe damit noch Probleme haben, Beziehungen aufzubauen und auf diese Weise Interesse an ihrer Arbeit zu wecken, funktioniert das im Umfeld von Kunst und Kultur schon recht gut.

Greg Sandow zitiert in seinem Blogpost „Monday post — our new era“ aus der Dissertation von Sarah May Robinson, in der diese von einem Gastspiel der aus Seattle kommenden Künstlergruppe Degenerate Art Ensemble in New York berichtet. Das Team hatte im Anschluss an eine Vorstellung die Möglichkeit, mit dem Publikum zu sprechen:

„and we asked the audience: ‘Who here came because they saw some press or publicity for the show?’ And two hands went up. ‘Who came here because they heard about this through the museum?’ And one or two hands went up. ‘Who came because someone you know…from Seattle got you to come and see the show?’ And, boom, all the hands went up.“

Vermutlich ist das nicht immer so und auch nicht in allen Kunstsparten. Aber Sandow spricht nicht umsonst von einer neuen Ära, in der vieles nicht mehr so sein wird wie früher. Die Herausforderung besteht darin, Menschen dazu zu bringen, über ihre Erlebnisse in den Museen, Theatern, Opernhäusern oder Konzertsälen zu berichten. In persönlichen Gesprächen oder eben in den sozialen Netzwerken.

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Crowdfunding auf Patreon: Abo statt Kampagne

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Crowdfunding hat in den letzten Monaten im Kunst- und Kulturbereich enorm an Bedeutung gewonnen. Immer häufiger starten KünstlerInnen und Kultureinrichtungen Kampagnen, um ihre Vorhaben realisieren zu können. Die Zahl derer, die damit Erfolg haben, ist gar nicht so gering, was auch damit zu tun hat, dass es oftmals um eher kleine Summen geht. Auf der anderen Seite nimmt aber auch die Zahl der Projekte zu, die es schaffen, sechsstellige Beträge einzusammeln

So positiv sich das Crowdfunding entwickelt, so bleiben doch zwei Punkte zu bedenken. Eine Crowdfunding-Kampagne kostet erstens viel Energie und Ressourcen und zweitens gibt es viele KünstlerInnen, die ihre Arbeit nicht in Projekten strukturieren und deshalb keine Möglichkeit haben, eine Kampagne zu lancieren. Nicht jede MusikerIn kann gleich ein ganzes Album herausbringen, nicht jede SchriftstellerIn verfasst gleich einen ganzen Roman, sondern vielleicht nur ab und zu eine Kurzgeschichte.

Hier greift das Prinzip der Crowdfundingkampagne nicht und daher kommt für viele KünstlerInnen Crowdfunding bis jetzt nicht in Frage. Das kann sich jetzt ändern, denn Jack Conte und Sam Yam bieten auf ihrer Plattform Patreon ein neues Modell an, das sich wohl am ehesten als Crowdfunding-Abo bezeichnen lässt. Nicht alle KünstlerInnen denken, wie gesagt, in Projekten. Wer regelmäßig Kurzfilme produziert, Lieder komponiert oder Gedichte schreibt, der sollte sich diese Plattform mal näher ansehen, denn hier haben Fans die Möglichkeit, KünstlerInnen nicht nur einmalig, sondern pro Werk zu unterstützen. Die Höhe des Betrages können sie selbst festlegen, los geht es mit einem Dollar. Das folgende Video zeigt, wie Patreon funktioniert:

Jack Conte, der selbst Künstler ist, hat mittlerweile knapp 900 UnterstützerInnen gefunden, die ihn bei jedem in nächster Zeit produzierten Video mit 6.425 USD unterstützen. Jordan Reyne schreibt Geistergeschichten und erhält derzeit von 6 UnterstützerInnen 18 USD pro Geschichte. Auch KünstlerInnen aus dem deutschsprachigen Raum haben Patreon mittlerweile entdeckt. Während die Sängerin der Gruppe Johna, Nadine Krämer immerhin schon von 14 UnterstützerInnen 93 USD pro Song erhält, wartet man bei der Wiener Filmproduktionsfirma rockvideo.at noch darauf, dass jemand ihre Idee, Filme von Livekonzerten zu produzieren, honoriert.

Mir gefällt die Idee, weil es Fans auf diese Weise möglich ist, die Arbeit von KünstlerInnen, die sie schätzen, kontinuierlich zu unterstützen. Nicht nur die Gegenleistungen, auch die Erlösmodelle können dabei sehr unterschiedlich aussehen. Während ich als Unterstützer der Gruppe Johna für 5 USD jeden Song in digitaler Form erhalte, bietet mir Jack Conte für diese Summe Tipps und Tricks für meine eigene Audioproduktion an. Seine Songs verschenkt er lieber. Auch ohne ihn zu unterstützen, kann ich mir seine neue EP von der Patreon-Seite downloaden.

KünstlerInnen, die in Prozessen und nicht in Projekten denken und arbeiten, werden von diesem Modell profitieren. Das funktioniere aber nur dann, schreibt Jan Tißler in seinem Artikel „Wie Jack Contes ‚Patreon‘ Künstler und Fans vereint“ im Upload-Magazin, wenn man über eine engagierte Fangemeinde verfügt. Hier gibt es also Gemeinsamkeiten zum „klassischen Crowdfunding“, zu den Kampagnen. Wer seiner Kunst am liebsten unter Ausschluss der Öffentlichkeit nachgehe, schreibt Tißler weiter, werde von den neuen Möglichkeiten nicht profitieren. Das heißt, an Social Media führt wohl auch hier kein Weg vorbei.

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Und es geht weiter: von Social Media zum Social Business

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Die vom Institut für Kulturmanagement (PH Ludwigsburg) veröffentlichte Studie zur Social Media Nutzung von KulturbesucherInnen, über die ich ja auch gebloggt habe („Nutzen KulturbesucherInnen Social Media? Eine Studie gibt Auskunft„), liefert auf der einen Seite einige interessante Ergebnisse, mit denen sich Kulturbetriebe durchaus beschäftigen sollten. Auf der anderen Seite zeigt sie aber auch, dass in den Ausbildungseinrichtungen immer noch viel zu wenig Wissen über Social Media vorhanden ist. Das aus den Ergebnissen dieser Studie abgeleitete Fazit und die sich anschließenden Empfehlungen werden der Komplexität des Themas nicht wirklich gerecht. Es reicht ganz sicher nicht, wenn ein Kulturbetrieb sich in Sachen Social Media nur auf Facebook und YouTube verlässt.

Das Problem sind nicht diese beiden Kanäle, sondern die Rahmenbedingungen, unter denen diese beiden Kanäle genutzt werden sollen und von vielen Kulturbetrieben ja auch genutzt werden. Erstens glauben viele, es handle sich dabei um reine Informationskanäle ähnlich einer Zeitung, in der ein Artikel über die nächste Ausstellung oder Inszenierung erscheint. Zweitens wird das Thema Social Media fast ausschließlich in Verbindung mit den eigenen Marketingaktivitäten gesehen. Hier lässt sich mit Social Media zwar viel erreichen, aber Social Media ist mehr als der Ersatz für Flyer und Plakate beziehungsweise will die eigentlich gar nicht ersetzen, sondern eher ergänzen.

Charlene Li und Brian Solis weisen in ihrem eBook „The Seven Success Factors of Social Business Strategy“ (Affiliate Link) darauf hin, dass es nicht reicht, sich ein paar Accounts zuzulegen, die „Likes“ und „Retweets“ zu zählen und den Redaktionsplan als strategischen Ansatz zu verstehen. Eine Facebookseite oder einen Twitteraccount zu haben sei nichts anderes als über ein Telefon oder einen Drucker zu verfügen. Nun gelte es, einen Verwendungszweck für sie zu finden, so Li und Solis.

Aber machen wir noch mal einen Schritt zurück. In seinem Blogpost „The Important Difference Between Social Media and Social Business Strategy“ versucht Brian Solis zu erklären, was für ihn Social Media und Social Business voneinander unterscheidet:

„In front of media, social is an adjective that describes the nature of channels, networks, or platforms that facilitate conversations online. When placed ahead of business, social articulates an open, transparent, and collaborative business philosophy or approach.“

Social Media, das ist für Solis eher ein technologischer Zugang, mit dessen Hilfe wir vom Broadcasting-Modell Abschied nehmen können, während er Social Business auf einer Ebene ansiedelt, auf der es um Werte, Haltungen und Weltanschauungen geht.

Schon 2010 hat Charlene Li in ihrem Buch „Open Leadership“ (Affiliate Link) festgehalten, dass es nicht um die Tools gehe, sondern um die Frage, wie man ein Unternehmen verändern und öffnen könne. Da erscheint es folgerichtig, wenn Solis in seinem Blogbeitrag schreibt:

“ (…) a social media strategy is a program that should follow your social business strategy.“

Gut, über die Frage, ob es wirklich so etwas wie eine Social Media-Strategie geben kann, lässt sich streiten, aber mir geht es hier um einen anderen Punkt: Wir müssen erkennen, dass es wenig Sinn macht, Social Media als ein isoliertes Phänomen zu betrachten. Li und Solis lösen dieses Problem, indem sie Social Media zum Bestandteil der Social Business-Strategie machen, die sie so definieren:

„The deep integration of social media and social methodologies into the organization to drive business impact.“ (The Seven Success Factors of Social Business Strategy, Position 85)

Das bedeutet, so die beiden AutorInnen, dass alle „sozialen“ Aktivitäten mit den strategischen Unternehmenszielen verbunden werden müssen und das ganze Unternehmen deren Umsetzung auch unterstützt. Ganzes Unternehmen, das umfasst auch die Führungsetage, die aber meist keine Ahnung von diesen Entwicklungen hat und alles, was mit „social“ zu tun hat, möglichst weit weg delegiert.

Während also viele Kulturbetriebe noch mit ihrem Facebook-Auftritt kämpfen und sich immer noch nicht dazu durchringen können, auch Twitter zu nutzen, stehen die nächsten Herausforderungen bereits vor der Türe. Dass auf dem Markt mehr und mehr Social Intranet-Lösungen angeboten (und auch verkauft) werden, hat seinen Grund. Nur nach außen „social“ zu sein und ansonsten alles beim Alten zu belassen, wird nicht funktionieren.

Wie die Kulturbetriebe die Sache angehen können, beschreiben Charlene Li und Brian Solis in ihrem gemeinsam verfassten eBook. Solis hat die sieben Punkte, auf die es ankommt, in seinem Blogpost zusammengefasst:

  1. „Define the overall business goals.
  2. Establish the long-term vision.
  3. Ensure executive support.
  4. Define the strategy roadmap.
  5. Establish governance and guidelines.
  6. Secure staff, resources, and funding.
  7. Invest in technology platforms that evolve.“

Eigentlich lassen sich, so Solis, diese sieben Punkte auf jede Strategie anwenden. Die Vorgehensweise ist also nicht das Problem, es sind eher die Werte und Haltungen, die sich ändern müssen. Und vermutlich ist das die große Herausforderung, vor der nicht nur die Kulturbetriebe stehen werden. Mit den von Li und Solis in ihrem eBook beschriebenen sieben Erfolgsfaktoren einer Social Business Strategie beschäftige ich mich dann noch in einem eigenen Blogpost.

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Nutzen KulturbesucherInnen Social Media? Eine Studie gibt Auskunft

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Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als das Kinoprogramm auf Litfaßsäulen zu finden war. Mehr als einmal stand ich während meiner Schulzeit davor und suchte auf dem gelben Programm nach einem interessanten Film. Die Zeiten sind schon länger vorbei, eine 2010 vom österreichischen Veranstaltungsportal freikarte.at veröffentlichte Umfrage zeigte, dass wir damals vor allem auf Zeitungen (29%), Internet (24%) und Radio (18%) vertrauten, um uns über kulturelle Angebote zu informieren.

Ging es damals nur um das Internet insgesamt, so haben sich in den letzten zwei Semestern 15 StudentInnen am Ludwigsburger Institut für Kulturmanagement im Rahmen eines Projektes mit der Frage beschäftigt, ob sich die BesucherInnen von Kulturveranstaltungen vorab im Social Web informieren. Herausgekommen ist eine zwar nicht repräsentative, aber trotzdem aufschlussreiche „Studie zur Social Media Nutzung von Kulturbesuchern„, an deren Anfang die AutorInnen folgende zwei Thesen gestellt haben:

  1. „Kulturnutzer informieren sich nicht via Social Media über Kulturangebote.“
  2. „Der Zugang zu Social Media bedingt nicht die Nutzung von Inhalten aus dem Kulturbereich.“

Beide Thesen konnten durch die Untersuchung bestätigt werden, denn von den 631 befragten KulturbesucherInnen nutzten 54 Prozent Social Media überhaupt nicht und in der Gruppe der Social Media-NutzerInnen gaben 62 Prozent an, sich im Social Web über Kunst und Kultur zu informieren. Auf die befragte Gruppe umgelegt bedeutet das: 29 Prozent von ihnen nutzen die Social Media-Kanäle – vor allem Facebook und YouTube – dazu, sich über kulturelle Angebote zu informieren.

Im Fazit klingt ein wenig Enttäuschung durch, dass diese Gruppe nicht größer ist. Natürlich kommt es, so zeigt die Studie,  auch auf das Alter der jeweiligen Zielgruppe an, die Jüngeren sind im Social Web wenig überraschend in größerer Zahl vertreten und informieren sich deshalb eher auf diesem Weg über Kunst und Kultur als die Älteren. Aber für die AutorInnen ist klar: Kultureinrichtungen sollten ihre Marketingaktivitäten nicht auf das Social Web beschränken.

Diese Empfehlung ist natürlich richtig. Wer nur auf Social Media setzt, handelt ziemlich fahrlässig, verzichtet er doch darauf, all die zu erreichen, die andere Kommunikationskanäle bevorzugen. In der von den StudentInnen durchgeführten, nicht repräsentativen Umfrage sind das, wie gesagt, mehr als 70 Prozent. Aber wer glaubt, dass Social Media irgendwann einmal alle anderen Marketingaktivitäten überflüssig macht, hat vermutlich etwas falsch verstanden. Die AutorInnen schreiben richtigerweise, dass Social Media immer nur als Ergänzung gesehen werden sollte.

Wenn diese Befragung ergeben hat, dass „nur“ 29 Prozent sich mit Hilfe des Social Web über Kunst und Kultur informieren, dann ist das genau der Prozentsatz derer, die in der eingangs erwähnten Umfrage im Jahr 2009 die Zeitung als Informationsmedium Nummer eins nannten. Womit die Zeitung das Ranking anführte.

Deshalb auf Social Media zu verzichten ist aber natürlich auch keine Lösung, zumal ein ganz wichtiger Aspekt in dieser Studie unter den Tisch fällt:  Das Social Web ist nicht unbedingt ein Informationsmedium, sondern eher ein Kommunikationsraum. Die Zahl derer, die sich vor allem in den sozialen Netzwerken auf die Suche nach Informationen machen, ist relativ gering, den meisten UserInnen geht es um ganz andere Dinge, wie die folgende Grafik zeigt:


Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 2012 (S.383)

Die Frage, ob sich jemand im Social Web über Kunst und Kultur informiert, erfasst zum Beispiel nicht die Empfehlungen aus meinem Freundeskreis, ob sie im Chat oder als Kommentar zu selbst hochgeladenen Fotos ausgesprochen werden.

Ein weiterer Aspekt sollte nicht außer Acht gelassen werden: Social Media-Aktivitäten können dazu beitragen, dass der Kulturbetrieb im Suchmaschinenranking nach oben steigt. Interessant ist das dann, wenn die UserIn auf der Suche nach einem kulturellen Angebot ist, ohne bereits auf einen Anbieter fixiert zu sein.

Mit dieser Studie eröffnen die AutorInnen ein im deutschsprachigen Raum bis jetzt noch nicht erforschtes Feld und hoffen, wie sie schreiben, mit ihrer Arbeit „nachfolgende Studien anregen“ zu können. Es wäre den Kulturbetrieben zu wünschen, dass zu diesem Thema weiter geforscht wird, könnten die Ergebnisse doch als Argumentationshilfe dienen, wenn es um die Frage geht, ob mehr Geld in Social Media-Programme investiert werden soll.

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