Monthly Archives of: Oktober 2013

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Wiener Staatsoper: per Livestream ins eigene Wohnzimmer

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Wiener Staatsoper Livestreaming
© Samsung Electronics Austria

Man kann dem Kunst- und Kulturbereich ja vieles nachsagen, aber dass er sich in seiner Gesamtheit durch eine besondere Technologieaffinität auszeichnet, lässt sich wohl nicht behaupten. Das ist nicht besonders klug, denn ich denke, Seok Pil Kim, President & CEO Samsung Electronics Europe, hat recht, wenn er sagt, dass die Technologie eine der treibenden Kräfte in der Evolution von Kunst sei.

Gefallen sind diese Worte anlässlich einer Pressekonferenz, auf der die Wiener Staatsoper und der Elektronikkonzern Samsung gemeinsam die Plattform „Wiener Staatsoper livestreaming“ vorgestellt haben. Wenn sich am kommenden Sonntag im Haus am Ring der Vorhang für den Rosenkavalier hebt, dann werden erstmals auch die UserInnen vor ihren Bildschirmen die Chance haben, live dabei zu sein.

Für diese Spielzeit sind 15 Liveübertragungen geplant, für die man jeweils 14 Euro zahlen muss, Aufzeichnungen kosten jeweils 5 Euro. Ein Streamingabo ist erst für die kommende Spielzeit geplant. Wer ein neueres Samsung TV-Gerät besitzt, muss sich die Opernübertragung nicht auf einem unter Umständen kleinen Laptopbildschirm anschauen. sondern kann sie dank einer Smart TV-App am eigenen Fernsehgerät genießen. Eine zusätzliche App für Android- und iOS-Betriebssysteme erlaubt das Mitlesen von Untertiteln in deutscher, englischer und koreanischer Sprache. Noch im Laufe dieses Jahres soll es dann auch möglich sein, über diese App die Partitur mitlesen zu können.

Das erinnert mich an die (iPad)-App „Beethoven’s 9th Symphony„, auf der das auch möglich ist und die darüber hinaus auch zeigt, welche Instrumente gerade zum Einsatz kommen. Die Kombination von Fernsehgerät und App mag im ersten Moment verwirrend erscheinen, aber beide Geräte scheinen sich perfekt zu ergänzen, denn Beib Start synchronisiert sich die Smartphone-App mit der App am Smart-TV, erkennt durch Audio-Watermarking automatisch die aktuelle Stelle des Stückes und blendet entsprechend dazu die passenden Untertitel oder Partituren ein. Das heißt, das mobile Endgerät – Smartphone oder Tablet-PC – fungiert als Second Screen und erlaubt mir, die Oper ganz anders zu verfolgen als es bei einer klassischen Übertragung der Fall ist, wie wir es etwa vom Fernsehen her kennen.

Zurück zu den Worten von Seok Pil Kim: Ich sehe hier wirklich die Möglichkeit, dank der technologischen Entwicklungen Menschen das Erlebnis Oper näher zu bringen, die die Häuser sonst nie erreicht hätten. Ob das der Wiener Staatsoper gelingt, hängt meiner Meinung noch von drei Faktoren ab. Erstens sind 14 Euro pro Liveübertragung nicht gerade wenig, zumal beispielsweise die Bayerische Staatsoper schon vor einiger Zeit ein ähnliches Angebot entwickelt hat, das kostenlos genutzt werden kann und auch die Met mit ihren Kinoübertragungen durchaus als Konkurrenz gesehen werden muss.

Zweitens klingt das alles noch etwas kompliziert und verwirrend. Zwar ist der reine Bestellvorgang vorbildlich mit einem Video erklärt. Aber die Dauer von 7 Minuten lässt erahnen, dass mehr als zwei Schritte notwendig sind, um die Oper ins eigene Wohnzimmer zu holen. Wie das mit den zusätzlichen Apps ist, hat sich mir erst so allmählich erschlossen: Die Smart TV-App läuft über das Samsung TV-Gerät, die App mit Untertiteln und Partitur über die mobilen Endgeräte, wobei ich diese App zum Beispiel heute nicht bei iTunes finden konnte. Dort gibt es – zumindest für mich – derzeit nur die „normale“ App der Wiener Staatsoper, über die ich dann noch die Programmhefte für 2,69 Euro erwerben kann. Das sind ziemlich viele Hürden, aber vielleicht gelingt es ja, sie in den nächsten Monaten Schritt für Schritt abzubauen.

Und dann ist da noch der dritte Punkt, nämlich die Frage der Finanzierung. Auf der Website der Oper heißt es: „Das laufende Budget der Wiener Staatsoper wird durch die Anfangsinvestitionen und Kosten des Projekts dank der großzügigen Unterstützung der Sponsoren und Partner nicht belastet.“ D.h. die Frage, ob sich die Sache rechnet, ist derzeit noch kein Thema. Aber das kann sich ändern.

Spannend ist, dass die Staatsoper die technologische Entwicklung auch dafür nutzen möchte, um neue Angebote für Schulen oder Universitäten zu entwickeln. Angedacht sind virtuelle Backstageführungen oder Werkeinführungen, um, wie Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst auf der Website der Staatsoper zitiert wird, es möglich zu machen, „dass Schulklassen, die nicht die Gelegenheit haben nach Wien zu fahren, etwa einen Probenbesuch erleben können“.

Wenn es gelingt, die Oper dank der Technologie nicht nur in die Wohnzimmer, sondern auch in die Schulklassen zu bringen, dann wäre das eine Bestätigung der eingangs erwähnten Worte des Samsung Europa-Chefs.

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Blogparade von Stefan Evertz: Mein erstes Barcamp

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© Frank Tentler

„Unverhofft kommt oft“, dieses Sprichwort gilt auch für das stARTcamp in Essen. Was hier auf dem Bild so nett und gemütlich aussieht, ist nichts anderes als die Sessionplanung. Obwohl wir ungewöhnlich früh beginnen wollten, war einfach noch niemand da, der uns das Unperfekthaus aufsperren konnte. Und so begannen wir einfach mitten in der Fußgängerzone, das Programm für diesen Tag zu gestalten.

Dieser Tag ist übrigens leicht zu merken, FussballkennerInnen verbinden mit dem 3. Juli 2010 das Spiel der Fussballweltmeisterschaft Argentinien gegen Deutschland, das wir uns am Ende gemeinsam anschauten.

Warum ich das erzähle? Stefan Evertz hat zu einer Blogparade aufgerufen, in dem er nach dem ersten Barcamp fragt. Zwei Gründe sind es, die mich dazu motiviert haben, mich daran zu beteiligen. Der erste  hat mit dieser terminlichen Überschneidung von Fussball und stARTcamp zu tun. Fussballweltmeisterschaft, das ist ein Ereignis, das zwar nicht gestern stattgefunden hat, aber es liegt noch nicht sooo lange zurück, zumindest für mich. Schließlich hat es seitdem keine weitere Fussballweltmeisterschaft mehr gegeben, die Qualifikation für die nächste wird gerade abgeschlossen. Denke ich aber an das stARTcamp, das ebenfalls an diesem Tag stattgefunden hat, so kommt mir das schon fast wie ein anderes Zeitalter vor. Und ich bin ja eher ein Späteinsteiger, die ersten Barcamps im deutschsprachigen Raum gingen schon vier Jahre früher über die Bühne. Für mich zeigt diese unterschiedliche Wahrnehmung, wie rasch sich das Social Web weiterentwickelt.

Der Begriff „über die Bühne gehen“ führt mich zu meinem zweiten Punkt führt. Ein Session in Essen ist mir besonders in Erinnerung geblieben und witzigerweise hat sie Stefan Evertz damals moderiert. Eine der BesucherInnen, ich weiß leider nicht mehr, wer es war, machte genau das, was ein Barcamp gegenüber der klassischen Konferenz auszeichnet. Sie wollte nichts vortragen, sondern hatte eine Frage, die damals wohl viel beschäftigte: Wie schaffe ich es, meinen Chef von Social Media zu überzeugen?

Die Frage ist heute noch so aktuell wie damals, aber während es heute mehr darum geht, ob sich Social Media überhaupt lohnt, beschäftigten wir uns damals mehr mit den Ängsten und Befürchtungen. Für mich war diese Session eine Art Initialzündung, denn sie zeigte mir, welches Potenzial im Barcamp-Format steckt. Während ich bei der klassischen Konferenz darauf hoffen muss, dass meine Bedürfnisse abgedeckt werden, habe ich es bei einem Barcamp in der eigenen Hand. Ich kann meine eigene Session vorschlagen und mich mit denen austauschen, die sich mit genau dieser Frage beschäftigen wollen. Die Möglichkeit, sich inhaltlich auszutauschen und gleichzeitig interessante Menschen (wieder) zu treffen, hat mich mittlerweile mehr als zehn Barcamps besuchen lassen. Und ich habe vor knapp zwei Monaten zusammen mit der Kunsthalle Wien erstmals selbst ein Barcamp organisiert.

Stefan Evertz hat uns aber nicht nur aufgefordert, über unser erste Barcamp zu berichten, sondern auch die Frage zu beantworten, ob wir anderen den Besuch eines Barcamps empfehlen würden und wenn ja, warum. Mit dieser Frage müssen sich vor allem die beschäftigen, die ein Barcamp planen, denn vielen ist das Format einfach noch nicht bekannt und so kommen schon Zweifel auf, was man denn dort solle, wo es doch noch nicht einmal ein festes Programm gebe. So fand ich unter einem Facebookposting, in dem ich auf das stARTcamp hinwies, diesen Kommentar:

„Zum besseren Verständnis: Man hat keine Ahnung, worum es gehen wird und meldet sich ‚auf Verdacht‘ an, dass schon irgendetwas Interessantes herauskommen wird?“

Ich bin darauf schon in einem eigenen Beitrag auf dem stARTconference-Blog ausführlich eingegangen, deshalb möchte ich nur den wichtigsten Punkt herausgreifen. Der Erfolg eines Barcamps hängt – im Unterschied zu vielen anderen Formaten – vor allem von mir selbst, meinen Erwartungen und meinem Engagement ab. Wer an einem Barcamp teilnimmt, ist nicht Konsument, sondern ein wichtiger Baustein im Gesamtgefüge. Das geht schon bei der Vorstellungsrunde los und endet oft erst dann, wenn man in einem Blogbeitrag die Veranstaltung Revue passieren lässt. Wenn alle nur darauf warten, dass etwas passiert, dann wird das Barcamp ein Misserfolg. Wenn sich aber alle darauf einlassen, dann ist so ein Barcamp eine irrsinnig motivierende Geschichte, an deren Ende viele zwar erschöpft, aber auch zum Teil euphorisiert sind.

Das ist nämlich ein weiterer Pluspunkt dieses Formats: Viele sind anfangs sehr zurückhaltend, merken aber recht schnell, dass es nicht weh tut, sich einzubringen. Ganz im Gegenteil: Es macht Spaß und bringt einem enorm viel. Neues Wissen, neue Freunde.

Mein Wunsch ist es deshalb, Barcamps auch in Bereichen auszuprobieren, in denen es sie bis jetzt noch nicht gibt. Warum kann nicht ein Kulturbetrieb dieses Format wählen, um mit seinen BesucherInnen ins Gespräch zu kommen? Ein Architekturmuseum kann sich mit der regionalen Architektur beschäftigen, die Oper mit Wagner, das Theater mit zeitgenössischen TheaterautorInnen. Für mich ist das eine spannende Frage, ob es gelingt, das „Publikum“ auf diese Weise aktiv einzubinden und ich bin gespannt, wer sich zuerst auf dieses Experiment einlässt.

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40. Treffpunkt KulturManagement: Die Herausforderung, ein Festival zu organisieren

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© tpsdave ; Pixabay

Wer schon einmal eine Ausstellung, ein Konzert oder auch eine Theateraufführung organisiert hat, weiß, mit welchen Herausforderungen wir dabei zu kämpfen haben. Die Einmaligkeit des Ereignisses führt dazu, dass wir immer wieder vor Situationen stehen, denen wir noch nie begegnet sind. Was für den einen der reinste Horror ist, macht für andere den Reiz aus, solche Veranstaltungen auf die Beine zu stellen.

Wie aber ist das, wenn es sich um ein regelmäßig stattfindendes Festival handelt? Ein einmal stattfindendes Theaterprojekt ist nach den Aufführungen abgeschlossen. Natürlich wird man von den dabei gemachten Erfahrungen profitieren, wenn weitere Vorhaben folgen, aber sie alle haben, wie es im Projektmanagement heißt, einen Anfang und ein Ende. Wir beginnen also immer wieder bei Null.

Bei Festivals ist das vermutlich etwas anders. Natürlich beginnt die Organisation jedes Jahr aufs Neue. Aber es gibt eine übergeordnete Ebene, eine langfristige Planung, eine übergeordnete Dramaturgie, für die die künstlerische Leitung verantwortlich ist.

Ob es diese übergeordnete Ebene auch im organisatorischen Bereich gibt und wie sich die Erfahrungen der vergangenen Jahre nutzen lassen, das frage ich beim mittlerweile 40. Treffpunkt KulturManagement Walter Delazer, der beim Verein Spielmotor e.V. für die Organisation und das Management zuständig ist. Der von der BMW AG und der Stadt München gegründete Verein initiierte 1979 das Münchner Theaterfestival und ist seit 1995 für die Durchführung von Spielart, einem alle zwei Jahre stattfindenden „Forum für aktuelle Theaterformen aus aller Welt“ zuständig. Dank eines ständig wachsenden Netzwerks und der erfolgreichen Arbeit des Organisationsteams blieb es nicht bei diesem einen Festival, andere Formate kamen dazu, so etwa die Münchener Biennale, die im nächsten Jahr zum bereits 14. Mal stattfinden wird.

Diese Kontinuität verlangt, auf ganz andere Dinge zu achten, schließlich gerät die Veranstaltung nur einmal im Jahr oder im Fall der Biennale sogar nur alle zwei Jahre ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Wie mache ich ein solche Marke bekannt und wie bewerbe ich ein Ereignis, das über Monate hinweg nicht wahrgenommen wird, während hinter den Kulissen die Vorbereitungen monatelang auf Hochtouren laufen?

Von Walter Delazer möchte ich wissen, welche Strukturen es braucht, um alle diese Formate realisieren zu können. Und natürlich interessiert mich auch die Geschichte des Theaterfestivals in München und die Zusammearbeit von öffentlicher Hand und Unternehmen aus der Privatwirtschaft. Unser Augenmerk gilt aber am 16. Oktober dem Theaterfestival „Spielart“ und den Fragen, die wohl alle OrganisatorInnen von Festivals beschäftigen: Wie organisiere ich so ein Festival, welche Tools nutze ich dafür und wie sorge ich dafür, dass die BesucherInnen das Festival in zwei Jahren nicht vergessen haben?

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, vielleicht selbst ein Festival organisieren und Fragen haben, dann sind Sie herzlich dazu eingeladen.

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.euKulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 16. Oktober, um 09 Uhr einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles am 16. Oktober dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort anmelden.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 16.10.2013 von 09:00 bis 10:00
Thema: Die Herausforderung, ein Festival zu organisieren
Gast: Walter Delazer

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement

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Eine Studie macht sich auf die „Suche nach dem Return on Social Media“

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© PublicDomainPictures ; Pixabay

In vielen Kultureinrichtungen gehören Social Media-Aktivitäten mittlerweile schon fast zum Alltag. Da wird gepostet und getwittert, aber ob das wirklich etwas bringt, das lässt sich meist nicht so genau sagen. In den letzten Monaten sind nicht nur auf diesem Blog immer wieder Beiträge zum Thema Return on Investment erschienen, auch auf anderen Blogs und Plattformen wird die Frage heiß diskutiert, ob sich der Wert von Social Media monetär bestimmen lässt. Zwar empfiehlt Hagen Kohn seinen LeserInnen in seinem Beitrag „Social Media ROI: Auf den Spuren einer Chimäre„, im Zweifelsfall darauf zu verzichten, den ROI zu bestimmen und darauf zu vertrauen, dass den immateriellen Erfolgen auch irgendwann einmal materielle folgen. Aber ich glaube, wenn es gelingen würde, den finanziellen Erfolg nachzuweisen, dann könnte das in den Führungsetagen der Kulturbetriebe die Bereitschaft erhöhen, mehr in Social Media zu investieren.

Zu Hilfe ist mir da vor wenigen Tagen eine an der Universität St. Gallen erstellte Studie gekommen. In den letzten Monaten hat sich das Institut für Marketing auf die „Suche nach dem Return on Social Media“ gemacht und die Ergebnisse vor kurzem veröffentlicht. Die Überschrift auf der Website klingt vielversprechend: „Silberstreif am Horizont; Der ROI on Social Media ist messbar“ heißt es dort.

Ich habe mir die Studie in den letzten Tagen sehr genau durchgelesen und einige Inhalte gleich in ein Seminar eingebaut, um herauszufinden, ob sich die Ergebnisse auch für den Kunst- und Kulturbereich nutzen lassen. Ich glaube zwar nicht, dass es gelingt, in den nächsten Monaten ein standardisiertes Verfahren für Kulturbetriebe zu entwickeln, mit dessen Hilfe sich der monetäre Mehrwert der Social Media-Aktivitäten berechnen lässt. Aber auf der strategischen Ebene bringt einen die Studie ein ganzes Stück weiter, stellt sie doch die richtigen Fragen und macht deutlich, dass es eben nicht nur darum geht, auf allen Kanälen die nächste Veranstaltung zu bewerben. Für mich war sie im zweitägigen Seminar eine wunderbare Unterstützung, um über den Einsatz von Social Media auf der strategischen Ebene nachzudenken. Auch wenn wir nicht immer Antworten auf die vielen Fragen gefunden haben, alleine die Fragen waren schon sehr wertvoll und haben mich – und die TeilnehmerInnen hoffentlich auch – auf neue Ideen gebracht.

Worum geht es in der Studie?

Social Media hat für die meisten Unternehmen, so zeigt die Studie eine große Bedeutung, woran sich in der nächsten Zeit auch nichts ändern wird. Von den 186 Unternehmen, die den Fragebogen ausgefüllt zurückgeschickt haben, schätzten nur 7 Prozent die Bedeutung von Social Media aktuell als niedrig ein, 49 Prozent als hoch. Was die Zukunft angeht, dominierte durchgehend die Überzeugung, dass die Kommunikation im Social Web immer relevanter werde.

Während Social Media meist Teil des Kommunikationsmix ist, fehlt es, so heißt es in der Studie, an der Anbindung an das eigentliche Geschäftsmodell. Ohne diese lässt sich aber der monetäre Nutzen nicht finden, es fehlen die entsprechenden Metriken, zeigt die Befragung. Die Unternehmen spüren allerdings, dass es beim Thema Social Media nicht nur um Kommunikation geht und messen der Berechnung des Return on Social Media eine große Bedeutung bei. Aus diesem Grund attestiert die Studie Social Media ein recht hohes Innovationspotenzial. Gelänge die Anbindung oder Integration der Social Media-Aktivitäten an oder in das jeweilige Geschäftsmodell, würde Social Media nicht mehr nur als reines Kommunikationsinstrument verstanden werden und dementsprechend mit mehr Ressourcen ausgestattet.

Wie wichtig das wäre, zeigen die Umfrageergebnissen, aus denen sich herauslesen lässt, dass den Unternehmen zufolge die kaufrelevanten Entscheidungen der KundInnen durch Social Media beeinflusst werden. Dies unter anderem deshalb, weil die KundInnen nach Ansicht der befragten Unternehmen mittlerweile recht viel Zeit im Internet verbringen, was unter anderem zu einem Bedeutungsverlust der klassischen Werbeformen geführt hat. Dafür sind Empfehlungen wichtiger geworden. Interessant, dass auf die Frage, ob „(d)ie meisten Kaufentscheidungen der Kunden (.) heute deutlich durch Social Media beeinflusst (werden)“, 7 Prozent der Befragten antworteten, dass das gar nicht der Fall sei, 32 Prozent mit „überwiegend nicht“ und 37 Prozent mit „teils/teils“. Ich bin mir nicht sicher, ob das im Kunst- und Kulturbereich auch so ist, aber es ist die Aufgabe der Kulturbetriebe, das herauszufinden.

Nur knapp ein Viertel der befragten Unternehmen setzt auf Content Marketing

Wie reagieren die Unternehmen auf diese Veränderungen? 83 Prozent der befragten Unternehmen sind auf den relevanten Plattformen präsent und versuchen, ihre Reichweite zu verbessern und mit den UserInnen zu interagieren. Gut die Hälfte strebt dabei die Vernetzung mit den KundInnen an und sucht den Dialog und möchte durch Zuhören lernen, um den Verkauf anzukurbeln. Nur 24 Prozent hingegen setzen auf hochwertigen Content und versuchen, die UserInnen so an sich zu binden. Noch nicht durchgesetzt haben sich das Social Advertising und die Integration von aus Social Media gewonnenen Daten in das eigene CRM-System.

Angestrebt werden durch diese Aktivitäten vor allem eine Erhöhung der Markenbekanntheit (72%), die Steigerung der Kundenzufriedenheit (48%) und ein besseres Geschäft mit den BestandskundInnen (36%). Ob sich das für die Unternehmen auszahlt, lesen knapp 90 Prozent der befragten Unternehmen an den (Kommunikations)-Kennzahlen ab, die ihnen die Social Media-Plattformen liefern. Gut die Hälfte nutzt Social Media Monitoring, immerhin 18 Prozent messen gar nicht.

Nicht überraschend ist es, dass dabei mit 88 Prozent sehr viele auf die Reichweite setzen. 52 Prozent interessieren sich für Kennzahlen, die das User Engagement messen, 28 Prozent interessieren sich für die Sentimentanalyse. Dass sich auf diese Weise nicht der ROI messen lässt, ist den Unternehmen klar. Die Ursachen dieser eigentlich unbefriedigenden Situation liegen klar auf der Hand und zeigen, wo die Hebel anzusetzen sind.

Eine große Zahl der Befragten vermisst ein standardisiertes Messverfahren, gleichzeitig ist ihnen aber auch klar, dass sie mit den meist genutzten Kommunikationsmetriken nicht den finanziellen Erfolg darstellen können. Die Analysemethoden, die es bereits gibt, halten den Anforderungen der Unternehmen nicht stand oder sind schlicht zu teuer. Viele Unternehmen geben aber auch offen zu, dass es ihnen schlicht an der nötigen Kompetenz fehlt, um den ROI zu messen. Wahrscheinlich lässt sich an diesem Punkt am ehesten die Lösung des Problems finden. Die Unternehmen nutzen das Social Web auf sehr unterschiedliche Art und Weise, die vier sehr lesenswerten Fallstudien am Ende der Studie zeigen, dass es die eine Lösung nicht gibt. Deshalb ist es vermutlich klug, eigene Kompetenzen aufzubauen und zu versuchen, geeignete Messgrößen zu erarbeiten.

Ich vermute, dass sich nicht alle Ergebnisse dieser Studie 1:1 auf den Kunst- und Kulturbereich übertragen lassen. Aber der Ansatz, sich mit den Kundenprozessen zu beschäftigen, die sich durch Social Media verändert haben und dafür entsprechende Strategien zu entwickeln, scheint mir auch in diesem Bereich praktikabel. Er setzt aber voraus, dass die Kulturbetriebe wissen, wo und auf welche Weise die KundInnen oder UserInnen mit ihnen in Kontakt treten. Es geht daher nicht nur um Social Media, sondern ganz allgemein um die Geschäftsprozesse, die hinter all der Arbeit stecken. Der finanzielle Erfolg von Social Media wird sich nur dann einstellen und auch messen lassen, wenn es gelingt, die Aktivitäten im Social Web auch in diese Prozesse zu integrieren. Eine nicht kleine Herausforderung, vor der die Kulturbetriebe stehen.